Tagesarchiv für den 15. Dezember 2011

Aogo träumt von Europa, Fink von einem Spielmacher

15. Dezember 2011

Heute kommt’s im Doppelpack. Zuerst Dieters sehr schöne Laudation auf Herrmann Rieger, jetzt noch ein kurzes sportliches Update. Und trotz der Kürze wird es ein aus meiner Sicht sehr interessantes Update. Denn der HSV wird mutiger. Zurecht werden jetzt die meisten hier sagen, schließlich entwickelt sich der Fußball sehr ordentlich. Allerdings hatte das bislang immer nur kurze Ausblicke zur Folge. Zumeist ging es nur um das nächste Spiel und die Distanz zu den Abstiegsrängen. Bis zum Mainz-Spiel. Davor hatte Trainer Thorsten Fink von einem „absoluten Schlüsselspiel“ gesprochen. Eines, das entscheiden sollte, ob der HSV nach oben schauen kann oder weiterhin nach unten schauen muss. Am Ende gab es ein Remis, das keinem so recht weiterhelfen konnte.

Es ging weder nach oben noch nach unten. Und diesmal ist es Frank Arnesen, der das nächste Spiel zum Schlüsselspiel erklärte. Dennis Aogo geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht offen vom Erreichen der Europa-League: „Fakt ist, das ich noch von der Europa League träume“, so der Linksverteidiger, „und das liegt nicht nur daran, dass Weihnachten vor der Tür steht. Ich orientiere mich nicht mehr nach hinten und es ist noch so viel möglich. Daher stecke ich mir große Ziele, auch wenn sie zu hoch wirken.“ Mitentscheidend für das Erreichen derartiger Ziele sei, und da schlägt Aogo in Arnesens Kerbe, ein Sieg gegen Augsburg. „Damit halten wir den Anschluss, so ein Sieg strahlt auch auf die Vorbereitung aus.“ Und die würde besonders wichtig. „Weil wir Automatismen trainieren können, die uns noch fehlen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir noch lange nicht alles abgerufen haben, was wir können. Und wenn wir die Punkte in der Rückrunde holen, die wir in dieser Hinserie unnötig liegengelassen haben, ist alles möglich.“

Forsche Töne, die am Sonnabend im Duell mit Augsburg mit Leben gefüllt werden können. Nein, gefüllt werden müssen. Auch wenn es kein schönes Spiel wird, wie Fink prophezeit: „Augsburgs Spiel ist darauf ausgerichtet, zu zerstören. Das wird nicht schön“, so der HSV-Trainer, der sich heute schon auf zwei Personalwechsel gegenüber dem Mainz-Spiel festlegte: „Mladen Petric und Gojko Kacar werden auflaufen“, so Fink, der damit die sich im Training bereits angedeutete Herausnahme von Robert Tesche im defensiven Mittelfeld bestätigte. Zusammen mit Tesche wird auch Jansen seinen Platz räumen. Zum einen, weil Fink diese Pause geplant hatte, zum anderen, weil Jansen heute mit Leistenproblemen nicht trainieren konnte. Im Pokalspiel am kommenden Mittwoch in Stuttgart soll Jansen zwar wieder auflaufen, gegen Augsburg wird allerdings Ivo Ilicevic aus dem Sturmzentrum auf die linke Außenbahn gezogen, während Petric als hängende Spitze mit Guerrero stürmen soll. Rechts spielt erneut Gökhan Töre.

Apropos, Töre ist der Hit. Nicht nur, dass sich der 19-jährige Deutsch-Türke auf dem Platz super entwickelt hat, auch in Sachen Merchandising gibt der ruhige Töre den Ton an. Kein Trikot wurde häufiger verkauft als seines. Auch nicht das von Dennis Aogo, der diesen Umstand mit Humor nimmt: „Gökhan ist doch auch ein spektakulärer Spieler, ganz klar. Ich würde auch kein Trikot von mir kaufen.“

Wenig spektakulär war heute das Training. Auffällig neben der guten Stimmung innerhalb der Mannschaft war dabei, dass Fink sich ganz speziell um die Spieleröffnung kümmerte. Immer wieder holte er sich die Viererkette zusammen, gab Tomas Rincon und Mladen Petric als potenzielle Anspielpunkte klare Anweisungen. Und auch wenn noch nicht alles funktionierte, deutet vieles darauf hin, dass es am Sonnabend schnörkellos wird. Immer wieder übte Fink heute die Spieleröffnung unter Druck, forderte dabei Tempo ein. „Das Spiel gegen Augsburg wird ein harter Kampf, nicht schön“, so der Coach. Weil Augsburg zerstören will. „Zum Teil spielen sie Manndeckung. Wir müssen kämpfen und brauchen Geduld.“ Ziel sei es, das letzte Heimspiel zu gewinnen und die 20 Punkte-Marke zur Winterpause zu überwinden. „Mit einem Sieg haben wir die Chance, zuhause zur Macht zu werden. Das I-Tüpfelchen für das ablaufende Jahr wäre im Anschluss ein Sieg im Pokal“, so Fink, der sich heute auf eine hier im Blog wie auch öffentlich immer wieder diskutierte Personalie festlegte: „Es fehlt uns einer im Team, der das Spiel gestaltet.“ Ob der im Winter kommen soll? „Stand jetzt, machen wir nichts“, so Sportchef Frank Arnesens wenig sagende Antwort. Immerhin lässt sie alles offen – und mich ehrlich gesagt hoffen. Fortsetzung folgt. Hoffentlich…

In diesem Sinne,
wir hören/sehen/lesen uns morgen!

Scholle (18 Uhr)

P.S.: Ich habe heute länger mit Armin Veh gesprochen, von dem ich hier ausdrücklich grüßen soll. Der 50-Jährige zeigte sich überrascht, dass wir hier Abstiegssorgen hatten. Vielmehr sieht er die Entwicklung beim HSV grundsätzlich positiv: „Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, weshalb es am Anfang diese Abstiegshysterie gab.“ Obwohl der HSV nach sechs Spieltagen nur einen Punkt hatte? Veh: „Ja, trotzdem. Der HSV hatte immer zu viel Qualität, um ganz unten zu stehen. Da wurde am Anfang leider etwas zu viel auf Understatement gemacht. Es musste sich doch nur finden. Und dass ein derartiger Umbruch Zeit bedarf, war doch eigentlich allen klar. Ich hatte die Situation beim HSV eher als große Chance gesehen. Es ist doch ein Vorteil für Mannschaft wie Trainer, wenn man nicht unter dem Druck steht, einen internationalen Platz erreichen zu müssen. Und dass man absteigt, halte ich für ausgeschlossen. Demnach ist genau jetzt der Platz für den Umbruch und eine Entwicklung gegeben. Ich hoffe, der HSV nutzt diese Chance weiter wie in den letzten Wochen. Das zu sehen macht Spaß.“ Hoffentlich hat er Recht.

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