Tagesarchiv für den 13. Dezember 2011

Neun Tore für einen guten Zweck

13. Dezember 2011

„Bist du verrückt?“ Das war die Antwort, die mir Jörg „Ali“ Albertz gegeben hat. Welche Frage habe ich gestellt? Dreimal dürft Ihr raten. Sie lautete: „Na, Ali, bist du fit? Hast du dich schön vorbereitet auf dieses Spiel?“ Dafür sah das Spiel des „Bombers“ aber ganz gut aus. Apropos: Fast alle sahen ja noch ganz gut aus. Okay, Stig Töfting ist ein wenig rundlicher geworden, auch Sergej Barbarez hat inzwischen einige Gramm zugenommen, aber Ronaldo sah wie zwei „Ronaldos“ aus. Was zur Folge hatte, dass der 35-Jährige immer auch zwei Leute an sich „kettete“. Der Welttorjäger stand vorne bei der Weltauswahl einsam und verlassen – oftmals im Abseits. Aber zu einer ganz normalen Laufarbeit am frühen Dienstagabend ist er eben nicht mehr ganz so fähig. Dabei erinnere ich mich noch daran, dass ich vor einigen Monaten noch irgendwo gelesen hatte, dass Ronaldo in Brasilien verkündet hatte, „noch einmal angreifen zu wollen“. Was? Das ist die Frage. Der HSV verlor dieses Benefizspiel „Match against poverty“ vor 24 000 Zuschauern mit 4:5. Die erste Niederlage für Thorsten Fink – nein, ein Scherz.

Um es noch schnell aufzuklären: Nico Hoogma war, das hatte ich vorhin falsch angekündigt, nicht nur am Rande dabei, sondern spielte mit. Vielleicht auch deswegen, weil Altmeister Manfred „Manni“ Kaltz kurzfristig ausgefallen war. „Ich hatte fast eine Lungenentzündung, ich hätte keine Luft gehabt, das hat es keinen Zweck. Leider.“ Er musste trotz allem, wie alle an diesem Abend, zahlreiche Hände schütteln. Glücklich war einmal mehr und einmal wieder: Hermann Rieger. Der Kult-Masseur freute sich: „Ich darf dabei sein, darf wieder einmal Masseur sein – ein Traum! Das ist wie in alten Zeiten, ich freue mich tierisch.“ Hermann sah, das möchte ich allen, die sich sorgen, einmal mitteilen, sehr, sehr gut aus. Typisch Hermann: Als er Spielerberater und Spiele-Vermittler Wolfgang Kuhlmann traf, lagen sich beide in den Armen. Rieger standen dabei fast Tränen in den Augen, und er sagte: „Kuhli, was haben wir früher mit dem HSV für Reisen gemacht. Um die ganze Welt sind wir geflogen – und du hast alles organisiert. Das war super, super, super. Ich danke dir noch heute dafür, auch durch dich habe ich so viele tolle Sachen erlebt und gesehen.“ Ja, so ist er, „uns Hermann“.

Der HSV begann dieses Spiel mit: Richard Golz, Michael Gravgaard, Bastian Reinhardt, Slobodan Rajkovic, Dennis Aogo, Nigel de Jong, Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Jörg Albertz, Paolo Guerrero, Mladen Petric. Später kamen noch: Jaroslav Drobny, Stig Töfting, Ivica Olic, Sergej Barbarez, Heung Min Son, Ivo Ilicevic, Stefan Schnoor, Nico Hoogma, Heiko Westermann, Tomas Rincon, Rodolfo Cardoso, David Jarolim, Collin Benjamin und Marcell Jansen.

Die Weltauswahl trat an mit: Fabien Barthez, Gheorge Pupescu, Claude Makelele, Edgar Davids, Luis Figo, Michel Salgado, Joan Capdavila, Fabio Cannavaro, Didier Drogba, Ronaldo sowie Jens Lehmann, Dida, Lucas Radebe, Ferando Couto, Rabah Madjer, Thomas Berthold, Robert Pires, Nuno Maniche, Gheorge Hagi, Steve McManaman, Christian Karambeu, Sami Al-Jaber und Serginho. Trainer waren Bora Milutinovic und Marcello Lippi.

Irgendwie war es wie früher. Klasse Namen, Super-Fußballer, und mittendrin er: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“.Mahdavikia ging wie einst steil, ab wie Schmidts Katze. Und wurde aufgenommen, als sei er gestern noch für den HSV am Start gewesen: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“. Er schoss auch die Eckstöße wie einst. Einmal durfte er drei hintereinander. Der erste kam halbhoch, der zweite nur etwas höher, der dritte flog richtig hoch und eigentlich auch ganz schön zur Mitte, aber er war in der Luft schon im Toraus: „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“.

Bei diesem Kick fehlte zwar mitunter das Tempo, aber es war sogar in der Pause was los. Jens Lehmann zum Beispiel schoss, natürlich unabsichtlich, seinem Trainer Milutinovic die Brille von der Nase, der Coach pflegte dann während der zweiten 45 Minuten sein blaues Auge. Und als Collin Benjamin (jetzt 1860 München) eingewechselt wurde, da begrüßte ihn Stadionsprecher Lotto King Karl launig: „Schön dass du da bist, Digger.“

Schön dass alle da waren. Für einen guten Zweck. Und es gab auch ein paar Tore mehr als sonst. Der HSV führte schnell mit 2:0. Mladen Petric traf mit einem Volleyschuss nach einer Flanke von „Meeeeeeehhhhhhhddddiiiiiiiiiii“ (8.), dann erzielte Ze Roberto nach Zuspiel von Petric mit einem zauberhaften Heber über Barthez das 2:0 (18.). Damit war das Spiel gelaufen. Fast.

Die Stars aber wollten sich nicht verprügeln lassen. Drogba (22.), Ronaldo (ja ja, 27.) und Capdevila (39.) sorgten für den 2:3-Halbzeitstand. Als Salgado auf 4:2 erhöhte (60.) war die Welt wieder ein Stück mehr in Ordnung, doch Tomas Rincon hielt den HSV mit einem Traum-Hammer aus 22 Metern (in den oberen linken Winkel) noch im Spiel (64.). Bis zur 72. Minute: Figo ließ Hoogma stehen, ein „Tunnel“ für Jaroslav Drobny – 3:5.

Das war ein großer Fußball-Tag für Hamburg, und ein wenig Geld im Kampf gegen die Armut ist sicher auch eingenommen worden – vielen Dank an alle, die dabei waren und Geld für dieses Spiel ausgegeben haben.

Morgen, am Mittwoch, gibt es noch einen großen Tag für den HSV. Ich darf nicht zu viel verraten, aber wer Lust und Zeit hat, der sollte um 20 Uhr (vielleicht auch schon eine Viertelstunde eher) „HH1“ einschalten, da wird der „Hamburger des Jahres“ 2011 geehrt –Laudator ist Felix Magath.

Übrigens, einen Höhepunkt hatte diese Partie noch kurz vor dem Schlusspfiff: Hermann Rieger kam auf das Spielfeld, um Drobny zu pflegen. Er umarmte ihn herzlich, umarmte dann auch Bastian Reinhardt – und ging wieder vom Rasen. Ohne Pflege. Aber unter riesigem Beifall. Der Masseur wurde groß gefeiert: „Ohne Hermann, wär’ hier gar nichts los . . .“ Naja, so kann man das auch nicht singen.

Heung Min Son traf Sekunden vor dem Schlusspfiff noch zum 4:5-Endstand.
Und auch das muss ich schnell noch loswerden: Richard Golz hielt an diesem Abend noch einige “Unhaltbare”, er war der mit Abstand der beste Hamburger. Großartig, Richie!

PS: Eine missglückte Generalprobe (gegen Augsburg will ich mit dem Spielende den Artikel direkt hier online gestellt haben) . . . Der Artikel war mit dem Schlusspfiff fertig, aber senden konnte ich nicht. Erst in der Arena (Umzug von der Tribüne in den Presseraum) ließ sich dieses Ding “erweichen” – hoffentlich wird das am Sonnabend besser. Und nicht nur das muss dann besser werden, auch das Resultat.

(leider erst um) 21.17 Uhr

Bengalo-Alternativen: Menottis Vorschläge

13. Dezember 2011

Ivica Olic spielt für den HSV. Am Abend leider nur. Der Bayern-Stürmer verstärkt den HSV im Benefizspiel gegen die Weltauswahl (Anstoß 19.05 Uhr, live bei Sport 1). Vielleicht gibt es ja einen ersten (oder schon zweiten?) Kontakt zum früheren Hamburger, der ja bekanntlich seine Zelte in München abbrechen will. Und warum sollte er nicht zum HSV zurückkehren wollen? Und können? Alles eine Frage des Preises. Und ob sich „Ivi“ den HSV noch einmal „antun“ will. Mir wäre ein wenig wohler, wenn wir einen solchen Kämpfer, einen so großartigen Teamplayer mit an Bord hätten – aber gut, abwarten. Erst einmal auf das heutige Spiel warten, dann auf die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate.

„Saukalt“. So beschrieb Benno Hafas heute den Vormittag im Volkspark. Schön war es wirklich nicht, dem Training beizuwohnen, und ich bewundere die Kiebitze, die sich freiwillig dafür opfern. Regen, Orkan, Nässe – dazu die Kälte, wer muss das schon haben. Trotz allem wurde eisern trainiert. Nach einer Stunde durften die Herren Nationalspieler, die am Abend gegen Figo, Zidane, Ronaldo und Co antreten werden, unter die Dusche gehen. Der Rest trainierte aber knallhart weiter. Es gibt ja auch noch viel zu tun. Auffälligste Szene an diesem Vormittag: Beim Spielchen auf vier Ein-Meter-Tore schoss Marcell Jansen ein fast schon sensationelles Tor mit der Hacke – aus gut zwölf, 13 Metern. Das sorgte für Heiterkeit und Anerkennung auf den Rängen . . .

Ansonsten stand dieser HSV-Tag natürlich ganz im Zeichen des Abend-Spiels. Und bei „Matz ab“ waren noch immer die Bengalos das Thema Nummer eins. Wobei der Beitrag von „Menotti“ die Gemüter erhitzte – auch in unserer Redaktion. Ich stelle ihn hier kurz einmal hinein:
„So so, nett eingerichtete bengalo-ecken mit feuerwehrmann drin … kann man ja
mal drüber nachdenken …
In dem zusammenhang fänd ich aber auch gut, wenn nach dem spiel
organisierte beulereien zwischen nahkampf ausgebildeten ultras stattfinden,
mit professionellen kampfrichtern und ersthelfern daneben. Das könnten man
zudem ganz ordentlich vermarkten, glaube ich. Allein die übertragungsrechte
für rtl & co würden üppige summen in die kantengenähte hsv-börse spülen.
Vorstellen könnte ich mir auch ein flitzer-casting bei vox, und wer das
gewinnt darf eine saison lang nackt mit bengalo im hintern per fallschirm
ins stadion schweben.“

Wir haben heute während des Trainings auch über die personelle Lage des HSV gesprochen. Und die Frage aufgeworfen: Gibt es im Winter Verstärkungen? Ich denke ja, ich bin sogar davon überzeugt. Nur wo und wie will sich der HSV verstärken? Immer wieder wird ja nach einem zentralen Mittelfeldspieler gefahndet. Da, so einige Kiebitze, benötigt der HSV vor allem einen Mann, bei dem die Fäden in der Hand sind. Ich habe, und bitte gleich um Verzeihung, dabei an den kleinen Dribbelkünstler gedacht, der nun ja kein Thema mehr ist, der nun aber durchaus ein (kleines) Thema hätte sein können. Weil er doch immer zentral spielen wollte, es aber kaum einmal durfte.

Bei der Gelegenheit: Piotr Trochowski kam bei 15 Spielen des FC Sevilla in 14 Partien zum Einsatz. Er fehlte nur einmal – wegen eines Platzverweises. Und: Nur zwei Feldspieler des FCS waren in allen 15 Begegnungen mit von der Partie – Sevilla ist immerhin Tabellenfünfter in Spanien, wenn auch 13 Punkte hinter dem FC Barcelona und Real Madrid. Bei der Gelegenheit: Punktgleich mit Sevilla ist der FC Malaga Tabellensechster. Beim 1:1 gegen Osasuna waren, die Gründe dafür entziehen sich mir, weder Joris Mathijsen noch Ruud van Nistelrooy mit von der Partie.

Heute nur am Rande dabei: Nico Hoogma. Der Manager von Heracles Almelo ist mit seinem Klub-Präsidenten Walter Smit gekommen, um dem Benefizspiel zuzusehen. Smit sagte: „Ich bin extra mitgekommen, damit ich Nico auch wider mitnehme – Hamburg ist eine zu schöne Stadt . . .“ Wohl wahr. Nico weiß das natürlich zu genau. Und ich könnte wetten, dass er irgendwann auch einmal zum HSV zurückkehren wird. In welcher Funktion auch immer. Als Sportchef kann er nicht so schlecht sein, denn Heracles steht mit dem kleinsten Etat aller niederländischen Erstliga-Klubs auf Tabellenplatz elf – mit 20 Punkten.

So, ich werde mich nun aufmachen in die Arena, werde auch nachher einige Zeilen von diesem Spiel veröffentlichen.

17.15 Uhr

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