Tagesarchiv für den 11. Dezember 2011

Fink: “Jeder sollte auf dem Teppich bleiben”

11. Dezember 2011

Nur 0:0 gegen Mainz. Wieso das denn? Nur ein Unentschieden beim Tabellen-13. – in meinem Umfeld machte sich am Sonnabend sofort Unmut breit. Nur ein Punkt in Mainz? Ich habe alle spontan gefragt: „Wieso sagt ihr nur?“ Hatte Mainz daheim zuletzt nicht gerade die Bayern besiegt? Mainz ist sicher nicht so schlecht, wie Tabellenplatz 13 aussagt. Aber viel wichtiger ist: Der HSV stand zu Beginn dieser Saison im Umbruch. Jeder konnte eine schwere Saison erwarten, die meisten haben davon auch Gebrauch gemacht. Nur wenige Fantasten konnten davon träumen, dass es auch mit dieser neuen Mannschaft wieder bergauf gehen würde. Und nun „nur“? Es ist so grausam. In meinen Augen jedenfalls. Ich wäre vorher mit einem Punkt in Mainz zufrieden gewesen, und ich bin es jetzt erst recht. Denn der HSV hat ganz sicher nicht gut gespielt gegen die Tuchel-Truppe. Aber ich behaupte mal kühn: Vor sieben Wochen noch hätte der HSV dieses Spiel in Mainz verloren, denn: Vor dem 22. Oktober 2011, vor dem ersten Spiel von Trainer Thorsten Fink mit dem HSV, stand diese Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz. Vier Spiele, und ein grandioser Punkt auf der Habenseite. Ein ganzes Pünktchen. Aber: Nur eines! Alles schon vergessen? „Ein guter Dirigent kann aus einer Dorf-Kapelle kein Orchester machen“, sagt Fink immer.
Ich sage: Wunder dauern ein wenig länger. Auch beim HSV, selbst mit Thorsten Fink. Für mich aber hilft jeder Punktgewinn, die prekäre Lage, die weiterhin sehr prekäre Lage zu verbessern.

Ich möchte erst einmal vor Augsburg warnen, auch das Spiel am Sonnabend gegen den Vorletzten wird nicht zum Selbstgänger. Ganz im Gegenteil. Augsburg ließ zuletzt aufhorchen, besiegte Wolfsburg (der VfL hatte vorher 4:1 gegen Hannover gewonnen!), besiegte nun auch Borussia Mönchengladbach. Das wird unangenehm, das wird auch harte Arbeit. Und im neuen Jahr? Da möchte ich an den Start erinnern: Daheim gegen Borussia Dortmund, dann geht es zur Hertha nach Berlin, dann kommen die Bayern, es geht nach Köln und es kommt Werder. Die Dauer-Optimisten werden natürlich alles was kommt „weghauen“, aber wie sehen es die Realisten?

Zum Beispiel Thorsten Fink. Der ordnete die Partie in Mainz wie folgt ein: „Wir habend die ersten 20 Minuten gut gespielt, dann das Heft aus der Hand gegeben – bis zur 60. Minute. Dann haben wir das wieder bis zur 80. Minute sehr gut gemacht. Insgesamt aber war es kein überragendes Spiel für uns, es gab viele Fehlpässe – allerdings auf beiden Seiten. Dennoch sage ich: Wir sind weiter auf dem Weg ins gesicherte Mittelfeld. Und das ist unser Ziel in dieser Saison.“

Nur, würden jetzt einige sofort fragen, nur Mittelfeld? Kein internationaler Startplatz? Thorsten Fink: „Ich kann ja nicht zaubern, ich bin ja nicht David Copperfield. Man kann nicht erwarten, dass wir in jedem Spiel auftreten wie eine Spitzenmannschaft. Wir sind auf dem Weg, uns da unten zu verabschieden, wir sind dabei, das Abstiegsgespenst endgültig zu verscheuchen – das war genau meine Aufgabe, als ich hier angetreten bin. Dieses Ziel werden wir auch erreichen, aber jeder sollte jetzt auch auf dem Teppich bleiben Niemand konnte doch erwarten, dass wir Mainz auswärts einfach mal wegfegen. Wir haben noch einiges zu verbessern. Spielerisch geht es sicher noch besser.“ Und: „Im Winter schauen wir mal, was wir in dieser Saison dann noch erreichen können – aber wichtig ist, dass wir uns da unten jetzt verabschieden. Die Entwicklung der Mannschaft kann und muss man nur positiv bewerten, wenn ich langfristig mit diesen Spielern arbeite, dann ist einiges möglich, dann wir die Mannschaft immer besser werden, davon bin ich überzeugt.“

So wird es auch der Sportchef sehen. Frank Arnesen sagte nach der Nullnummer in Mainz: „Das Positive an diesem Spiel ist, dass wir unter der Regie von Thorsten Fink weiterhin ungeschlagen sind. Vor zwei Monaten hätte doch niemand damit gerechnet, dass wir mit einem Sieg über den FC Augsburg auf 21 Punkte kommen können.“ Insgesamt befand Arnesen: „Wir sind müde geworden in den letzten Minuten, dadurch haben sich einige Räume für Mainz geöffnet. Aber das ist völlig normal, wir haben sehr viel gearbeitet in den vergangenen Wochen – viele Spieler sind sehr viel gelaufen.“ Wobei ich noch einmal einhaken möchte: Meine ganze Hoffnung ruht ja auf der Vorbereitung auf die Rückrunde. Dafür ist Thorsten Fink und sein Team verantwortlich, und ich denke, diese Männer werden erkannt haben, wo hier die Hebel anzusetzen sind. Dementsprechend dürfte es schon im spanischen Trainingslager zur Sache gehen – damit der HSV auch dann noch fit ist, wenn (dann) die anderen Mannschaften müde werden.

Beide, Fink und Arnesen, lobten – natürlich – auch Jaroslav Drobny. Der Tscheche hielt wieder einmal fehlerlos, erinnert mich jetzt an den früheren Frank Rost, wenn er souverän, ruhig und konzentriert zwischen den Pfosten stand. Und ausgerechnet jetzt, wo Drobny so großartig hält, hält sich auch ein Gerücht. Der HSV soll mit Rene Adler (noch Leverkusen) verhandeln, verhandelt haben, auf jeden Fall Interesse haben. Dazu sagte Thorsten Fink bei „Liga total“: „Ich kommentiere hier nicht andauernd alle Namen, die in der Zeitung öffentlich gemacht werden. […] Wir sind im Moment sehr zufrieden mit unserem Torhüter.“ Auch einen möglichen Wechsel von Basels Granit Xhaka schon in der Winterpause wollte er nicht kommentieren, sagte nur so viel: „Granit Xhaka ist ein guter Spieler. Aber im Moment kommentieren wir keine Namen von Spielern aus anderen Vereinen.“

Ich möchte noch einmal zu Drobny sagen: Es war völlig normal, dass er zu Beginn der Saison noch nicht in jener Form war, die er jetzt hat. Schließlich hatte er ein Jahr nicht gespielt. Ich erinnere mich an Rudi Kargus, der hier gesagt hat: „Jeder Torwart wird nicht auf Anhieb wieder in Bestform sein, wenn er so lange pausiert hat. Jeder Torwart.“ Recht hatte er damit. Nun hat Drobny wieder genügend Spielpraxis, und nun präsentiert er sich so, wie er einst für Bochum und Hertha BSC gespielt und gehalten hat – sehr gut.

Zwei Dinge brennen mir noch unter den Nägeln. Dass der HSV kein Geld hat (oder nur sehr, sehr wenig), wissen fast alle. Nur jene HSV-Fans anscheinend nicht, die in Mainz wieder für ein wenig Feuer im Stadion sorgten. Ich dachte so bei mir: „Schön, dass diese HSV-Anhänger wieder dafür sorgen, dass der HSV wieder einmal zur Kasse gebeten wird. Ist ja „in“ im Moment. Aber gut, das werden die Jungs schon wissen, die so etwas inszenieren . . . Es gab bei „Matz ab“ dazu eine Mail, die ich gerne veröffentlichen möchte. „Reinhard 1954“ schrieb: „Mit meinem Sohn komme ich gerade aus Mainz zurück. Ich bin sehr sauer auf einige Idioten im HSV Block. Dreimal wurde von Poptown, in der Mitte vom Stehplatzblock J, diese verfluchte Pyrotechnik, abgefackelt. Ich stand ca. 10 Meter links daneben und war minutenlang diesem scheußlichem Gestank und Qualm ausgesetzt. Ausweichen konnte man im vollbesetzten Block nicht. Der HSV-Schal diente als Mund -und Nasenschutz. Mein Sohn stand direkt unten bei Liebnau und hat Gott sei Dank nichts abbekommen.
Für Leute mit Atemwegsproblemen kann dies u.U. fatale Folgen haben. Wann hört dieser Blödsinn endlich auf?

Bald wird der HSV wohl eine saftige Strafe vom DFB bekommen. Unser Supporters-Chef Bednarek möchte Pyrotechnik legalisieren. Dies ist einfach unglaublich. Die Täter müssen dingfest gemacht werden und ein Stadionverbot bekommen.

Zum Spiel ist folgendes zu sagen: Das Spiel des HSV war nicht berauschend. Dank Drobny und dem Unvermögen von Choupo M. konnte der HSV einen Punkt mitnehmen.“

So, das zweite Thema:

Am Dienstag ist die Fußballwelt zu Gast in Hamburg. Beim „Match Against Poverty” tritt eine Weltauswahl um
Ronaldo und Zinédine Zidane gegen den HSV, verstärkt um einige Allstars und Alt-Stars, an. Die beiden Goodwill-Botschafter sammeln mit dem Spiel Spenden für das Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) für
humanitäre Hilfe am Horn von Afrika. In ihrer Mannschaft laufen u. a. Stars wie Jens Lehmann und Luis Figo auf, Boris Becker führt die Weltauswahl als Teammanager an. Der HSV verstärkt seine aktuelle Mannschaft mit ehemaligen Profis wie Rodolfo Cardoso, Sergej Barbarez und Anthony Yeboah.

Ich möchte alle Fußball-Fans bitten: Macht diese Veranstaltung nicht zu einem Trauerspiel. Eine solche Partie vor leeren Rängen – es wäre ein Armutszeugnis für uns alle. Bitte, bitte, ich möchte wirklich alle eindringlich bitten, bitte geht am Dienstag in die Arena, zeigt, dass Hamburg eine solche Begegnung nicht nur ausrichten, sondern auch gleichzeitig ein Fest daraus machen kann. Es ist doch für einen guten, einen sehr, sehr guten Zweck.

Zum Abschluss noch ein Bericht aus „Matz ab“, den ich deswegen hier hinein stelle, weil dort ja langte nicht alle lesen. Es soll Euch allen zeigen, wie HSV-Fans ticken, was sie fühlen, wie sie die Lage beurteilen. Deswegen hier einer von uns.
„Piependreier“ schrieb: „Wir waren wohl alle, die einen klaren Sieg tippten, mit zu hohen Erwartungen in die Begegnung gegangen. Der heutige Blog von DM entspricht dem Spielverlauf. Mit dem einen Punkt kann der HSV hoch zufrieden sein. Bei besserer Torausbeute der Mainzer Stürmer hätte es genauso gut wieder eine Schlappe geben können Wichtig ist, dass es wieder ohne Gegentor endete. Unsere Viererkette hatte heute nicht ihren besten Tag. Besonders die Innenverteidigung spielte manchmal konfus. Ohne besonders heraus zu ragen spielte Drobny wieder eine sichere Partie. Der unterstreicht immer mehr das an ihm kein Weg als Nr. 1 im HSV Tor vorbei geht.

Augsburg gab am heutigen Spieltag auch zur rechten Zeit für unsere Mannschaft einen Warnschuss ab.

Wie ich im gestrigen Blog schon an Störzenhofegger schrieb, wird das nächste Spiel gegen Augsburg ein schweres, kampfbetontes Spiel. Das wird ganz bestimmt kein Selbstgänger. Da wird Tho.F. sich wieder etwas einfallen lassen um die zu besiegen.

Der Sportdirektor Arnesen hängt nichts an die große Glocke. Bei dem laufen schon die Vorbereitungen in seinem Büro für die Saison 2012/13. Da wird auch kaum etwas an die Öffentlichkeit dringen. Das ist auch gut so, wenn der nichts sagt, dann glüht die Gerüchteküche. Es ist davon auszugehen, das zum Beginn der Spielzeit 2012/13 ein paar Verstärkungen im HSV Kader stehen. Ziel von F.A. und Tho.F. wird dann wieder ein Platz im internationalen Geschäft sein. Um das Ziel zu erreichen wird ein richtiger Mittelfeldstratege erforderlich sein. Gehandelt werden zu gegebener Zeit viele Namen. Die gewünschten Spieler müssen bezahlbar sein.

Eigentlich können wir HSV Anhänger mit dem erreichten Tabellenplatz trotz der Verjüngung der Mannschaft zufrieden sein. Nach der Winterpause werden die Karten neu gemischt.“

Ich wünsche allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch einen schönen Rest vom dritten Advent – und am Montag einen erfolgreichen, dynamischen Start in die neue Woche.

17.43 Uhr