Tagesarchiv für den 9. Dezember 2011

In Mainz folgt der nächste Schritt – ohne Rajkovic

9. Dezember 2011

Jeffrey Bruma wird spielen. Das steht fest. Es ist auch keine wirkliche Überraschung mehr, nachdem sich der Niederländer schon am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining begab. Seine Schulterverletzung, zugezogen bei einem Sturz in der Partie gegen Nürnberg, hatte sich zuvor als nicht so gravierend herausgestellt. Zudem hatte Trainer Thorsten Fink erklärt, dass der Niederländer spielen könne, sollte er die Schmerzen in den Griff bekommen. Und das hat Bruma geschafft. „Ich bekomme jeden Tag Behandlungen, trage einen Verband und kann damit trainieren.“ Und spielen. Denn das muss er am morgigen Sonnabend in Mainz. Zumal sein möglicher Ersatz, Slobodan Rajkovic, ausfällt. „Er hat Rückenprobleme“, erklärte uns Fink heute, „was es genau ist, wissen wir noch nicht. Aber er wird nicht mitfahren.“ Soweit, so gut. Wäre da nicht Finks Nachsatz gewesen: „Dabei hätte er gespielt.“

Hoppla! Wen meint der Trainer? Rajkovic? Und wenn ja, wo hätte der Serbe spielen können, nachdem Westermann und Bruma als gesetzt gelten in der Innenverteidigung? Finks einfache Antwort: „Er hätte für Jeff gespielt, weil ich bei Jeff kein zu großes Risiko gehen wollte. Es ist ein Teil meiner Philosophie, Spieler, die nicht ganz bei 100 Prozent sind oder angeschlagen sind, von gesunden ersetzen zu lassen.“ In diesem Fall also mit Rajkovic statt Bruma in der Innenverteidigung.

Eine interessante Personalie, von der Bruma selbst heute definitiv nichts wusste. Im Gegenteil, der Niederländer freute sich über den Umstand, schnell wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen zu sein, als wäre es ein gelungener Schachzug seinerseits gewesen. „Bei uns sind alle qualitativ ganz eng beieinander, gerade wir vier da hinten.“ Wobei, das räumt er mit einem Lächeln ein, „Heiko ist Kapitän, der spielt“. Denoch, Bruma erklärt, was wir uns alle insgeheim vom Trainerwechsel erhofft haben: der Konkurrenzkampf ist entfacht. „Deshalb war mir auch klar, dass das mit der Schulter gehen wird. Ich stehe hier intern unter Druck und wollte nicht gleich wieder raus. Nicht jetzt, wo ich gerade erst ganz gut drin bin.“

Und ganz ehrlich, ich will und werde Fink hier ganz sicher nicht der Lüge bezichtigen. Im Gegenteil: das hat er mal wieder richtig clever eingefädelt. Beim „Geheimtraining“ heute kam er während einer launigen Schussübung zu uns rüber, lehnte sich an den Zaun und erklärte uns in aller Ruhe das Rajkovic/Bruma-Ding. Eine Geschichte, mit der er wohl doppelt gewinnt. Denn so sehr sich Rajkovic jetzt ärgern dürfte, so wurde ihm heute mal wieder verdeutlicht, wie nah er noch an der Startelf ist. Und alles, ohne Bruma zu degradieren. Im Gegenteil, der Niederländer spielt weiterhin von beginn an.

Fink hat auf die Art zwei Gewinner produziert. Denn auch wenn Rajkovic nachvollziehbar traurig sein wird, so gut dürfte diese Nachricht für sein Selbstvertrauen und seine Motivation in den nächsten Wochen sein. Immerhin war er schon wieder „fast“ dran.

Das „fast“ gilt auch für Robert Tesche. Zumindest noch. Denn schon morgen könnte aus dem fast ein „definitiv“ werden, wenn der ehemalige Bielefelder in der Startelf die Position von zuletzt Gojko Kacar im zentralen Mittelfeld einnimmt. Kacar, der zuletzt weniger überzeugend auftrat, soll übrigens erste Alternative bereitstehen, falls nach Mancienne und Rajkovic noch ein Innenverteidiger ausfallen sollte.

Aber zurück zu den Veränderungen in der Startelf. In der Viererkette passiert nichts (widerspricht zwar seinem zwischenzeitlichen Wechselgedanken, ist aber ein Zitat von Fink: „Es ist gerade hinten sehr wichtig, Konstanz reinzubekommen“). Im Mittelfeld ersetzt Tesche voraussichtlich Kacar und im Angriff rückt Ivo Ilicevic für Heung Min Son ins Team. Und damit wird es das in den nächsten 18 Tagen nicht gewesen sein, wie Fink heute versprach. „Meine Philosophie – obwohl das Wort irgendwie zu hochtrabend für eine Fußballidee klingt – ist, dass ich Spielern auch Pausen gebe. Gerade, wenn wir eine Englische Woche haben wie vor dem Pokalspiel in Stuttgart.“ Ein Risiko in der angekündigten Rotation sieht er nicht. Im Gegenteil: „Für mich ist das Teamwork. Abgesehen davon ist es absolut kein Risiko, beispielsweise Mladen Petric zu bringen und einen Ivo dafür auf die Außenbahn zu schieben. Zudem glaube ich, dass ein gesunder Spieler besser ist, als ein angeschlagener oder müder Spieler.“ Teamwork steht bei Fink ganz oben. „Ich brauche alle Spieler.“

Gerade jetzt, wo das von Fink so betitelte „Schlüsselspiel“ in Mainz ansteht. Fink war am Donnerstag in der Pressekonferenz nicht müde geworden, die Bedeutung dieses Spiels hervorzuheben. Immerhin sei es die Möglichkeit, sich von unten abzusetzen und sich vielleicht sogar mal einen Blick nach oben erlauben zu können. Immerhin sind es nur fünf Punkte bis Platz sieben – aber eben auch nur drei bis Rang 16. Eine trügerische Szenerie. Aber eben eine, die die Mannschaft derzeit mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen angeht. Und das mit sieben Spielen ohne Niederlage im Rücken. „Selbst die Remis hätten wir gewinnen können“, sagt Bruma, der noch immer einen „Fink-Faktor“ im Team erkennt. „Es ist einfach alles besser heute. Wir sind alle frischer, die Atmosphäre ist gut. Das war am Anfang der Saison nicht so. Aber jetzt glaubt wieder jeder an sich. Es ist einfach mehr Feuer drin. Im Training wie im Spiel.“ Und das würde die Mannschaft auch in Mainz zeigen.

Schöne Worte. Mal wieder. Und mal wieder eines dieser berühmten HSV-Spiele, in denen die Mannschaft die Chancen hat, den nächsten Schritt zu machen. Diesmal, und da verlasse auch ich mich einfach mal auf den Fink-Faktor, wird es gut gehen. Weil die Stimmung innerhalb der Mannschaft stimmt. Heute im Abschlusstraining wurde viel gelacht, gescherzt – und trotzdem ging es beim Abschlussspiel auf verkürztem Feld mächtig zur Sache. Und obwohl seine Mannschaft nicht gewann, war Ivo Ilicevic wieder einer der Besten. Sollte er seine technischen Fähigkeiten, seine Dribblings und Abschlüsse gegen die Tuchel-Elf nur halb so gut einbringen können wie zuletzt und auch heute wieder im Training, dann dürfen wir uns über einen richtig guten Spieler freuen.

Ich bin sehr gespannt. Und optimistisch. Mal wieder…

In diesem Sinne, bis morgen,
Scholle

P.S.: Einen ganz herzlichen Dank möchte im Namen von Dieter und mir an die Mailliste schicken. Vielen Dank für die nette Überraschung! Wir haben uns beide sehr darüber gefreut! Und wir werden sie nach dem Sieg in Mainz genießen…

So könnte der HSV in Mainz spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Töre, Rincon, Tesche, Jansen – Ilicevic, Guerrero.