Tagesarchiv für den 8. Dezember 2011

Fink: “Alles geht, nur der Frosch hüpft”

8. Dezember 2011

Es gibt eine gute und eine nicht so gute Nachricht vom HSV. Zuerst die gute: Mladen Petric ist wieder fit, er wird auch beim Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr!) in Mainz wieder dabei sein. Dann die schlechte: Petric wird nur auf der Bank sitzen. Und das ist eigentlich auch nur logisch. Der Torjäger hat nun fünf Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert, hat ganz sicher noch einiges an Nachholbedarf – aber ganz sicher ist es erfreulich, dass er wieder mit von der Partie ist. Und quasi als Drohung – mehr für den Gegner – draußen sitzt und kommen könnte, wenn dann Not am Mann ist.

Beim heutigen Training hat Mladen Petric (fast) alles mitgemacht. Nur die kurzen Sprünge über die kleinen Hürden ließ er aus, in dieser Zeit „daddelte“ er mit Co-Trainer Frank Heinemann und dem ebenfalls um Abschluss bemühten Marcus Berg mit dem Ball herum. „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, ich habe keine Schmerzen gehabt, aber nach einer so langen Pause ist es besser, nicht sofort alles mitzumachen.“ Aber wenn es hart auf hart käme, könnte er es jetzt wieder. Im Hinblick auf das Mainz-Spiel sagte Petric: „Die Stimmung in der Mannschaft ist ganz gut, alle sind sehr fokussiert, alle wollen wieder ein besseres Spiel abliefern als zuletzt.“ Obwohl er auch generell feststellte: „Es läuft jetzt wesentlich besser bei uns, als noch vor Wochen, die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist deutlich besser geworden. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das auch noch weiter steigern werden.“ Zudem hofft Mladen Petric auf die Winterpause: „Wenn wir dann mit dem Trainingslager beginnen, dann werden wir uns noch besser mit dem Trainer abstimmen könne, dann kann auch an den taktischen Vorgaben noch mehr gefeilt werden.“

Darauf setzten ja nicht wenige HSVer in und um Hamburg herum. Wohl auch der Trainer selbst. Über den sich Petric – auch aus der Entfernung (wegen der Verletzungspause) – schon ein eigenes Bild gemacht hat: „In dieser kurzen Zeit, in der er jetzt da ist, spielen jetzt besser, man konnte ja deutlich den Unterschied zu vorher erkennen. Unser Spiel ist komplett anders geworden, wir spielen selbstbewusster, wir dominieren die meisten Spiele auch – das hat Thorsten Fink der Mannschaft schnell beigebracht. Es läuft zwar noch nicht alles perfekt, aber darauf kann man schon aufbauen.“ Petric über sein sportliches Ziel bis zum Jahresende: „Mindestens vier Punkte in der Bundesliga holen, und dazu das Pokalsspiel in Stuttgart gewinnen.“ Schön wäre es ja.

Wer etwas Neues in Sachen Vertragsverlängerung wissen möchte – es gibt nichts. Im März soll gesprochen werden. Weitere Kommentare wollte Mladen Petric zu diesem Thema nicht abgeben.

Noch einmal zurück zum heutigen Training. Da spielten, neben dem genesenen Jefferey Bruma (Schulterprellung), Ivo Ilicevic und Robert Tesche in der A-Elf, Heung Min Son und Gojko Kacar dafür in der B-Elf. Ein Fingerzeig für Sonnabend? Thorsten Fink verriet nur so viel: „Ivo wird am Sonnabend spielen. Er hat es sich verdient. Als er gegen Nürnberg kam, da hat er sofort für Schwung gesorgt, hat das zweite Tor mit vorbereitet – mit ihm wurden wir gleich spielerisch besser. Er hat es verdient, und er wird somit zum ersten Mal von Anfang an in die Mannschaft rücken.“

Fast hätte er es nicht ganz geschafft, denn Ilicevic wurde im Training heute von David Jarolim recht unsanft zu Boden befördert. Der Pfiff des „Schiedsrichters“ blieb zwar aus, aber es tat dem Ex-Pfälzer dennoch sehr weh. Er hielt sich danach noch einige Zeit die Schulter, den Arm und die Hand. Aber er blieb leise, er muckte nach dieser Szene nicht auf, sondern schluckte sie wie ein Profi – ja, ich weiß, ist er ja auch. Gleiches gilt für Tomas Rincon, der von „Jaro“ gleich zweimal recht hart „bearbeitet“ worden ist und dabei unsanft zu Boden ging. Einmal tat es allen Kiebitzen sogar beim Zusehen weh – aber auch Rincon rappelte sich gleich wieder auf, zeigte keinerlei Reaktion und mischte sofort wieder mit. Großartige Einstellung – von Rincon und Ilicevic. Übrigens: Auch bei den Jarolim-Szenen gegen Rincon schwieg die Pfeife des „Unparteiischen“ (der Trainer) . . .

Zum kommenden Sonnabend befand Thorsten Fink heute: „Ich will auch in Mainz gewinnen, erwarte ein ähnliches Spiel wie in Hannover, genau das ist die Messlatte. Die nächsten zwei Bundesliga-Spiele sind für uns richtungsweisend, wenn wir die gewinnen, könnten wir die unteren Ränge verlassen und könnten wirklich mal höher schauen. Aber wir müssen uns immer noch damit abfinden, dass wir immer noch mit einem Auge nach unten schauen müssen, und das möchten wir ja vermeiden. Im Moment sieht die Tabelle ja ganz gut aus, elfter Platz, aber der Schein trügt. Wir haben zwar gut gearbeitet und Punkte geholt, aber einige Niederlagen und man ist wieder unten mit drin. Man darf sich jetzt nicht ausruhen, wir müssen weiter Vollgas geben.“ Genau so ist es.

Um noch einmal zurück auf den „Neuen“ zu kommen: Zum Thema Ilicevic schrieb mir „HSven“: „Für Ilicevic müsste Fink sein 4-4-2 verändern. So ähnlich hatte er sich ja auch vor dem letzten Spiel geäussert. Also vermute ich eher, dass Petric wirklich die besseren Karten haben wird. Und im Gegensatz zu der hiesigen Blog-Folklore, hoffe ich auch darauf.“

Fink wird eine Antwort darauf finden. Einer seiner Lieblingssprüche scheint dabei der zu sein: “Alles geht, nur der Frosch hüpft.”

Ich glaube allerdings nicht, dass Fink etwas Gravierendes verändern wird. Ilicevic spielte heute hinter Paolo Guerrero, also genau jene Rolle, die zuletzt auch Son innehatte.

Noch einmal, wo ich gerade bei Guerrero bin, zurück zum Vormittag im Volkspark: Nach dem Training blieben vor einem Tor, das von Nachwuchsmann Tino Dehmelt (19, kommt aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso) gehütet wurde, noch David Jarolim, Marcus Berg, Per Ciljan Skjelbred und Heung Min Son auf dem Rasen, um noch ein wenig freiwilliges Schusstraining zu absolvieren. Und vor dem anderen Tor, in dem Sven Neuhaus stand, übten Dennis Aogo (der flankte) und Paolo Guerrero, der schoss und köpfte, freiwillig schon ein wenig für Sonnabend. Gute Einstellung!

Da ich gerade beim Abarbeiten bin. Beim Training wurde ich heute gefragt, was eigentlich mit Tolgay Arslan ist? Medien-Direktor Jörn Wolf klärte mich auf. Arslan, der im Sommer vom Wolfsburger Dejagah (beim Testspiel in Flensburg) so böse und brutal gefoult worden war, hatte versucht, seine Knöchelverletzung konservativ heilen zu lassen, aber dann musste der HSV-Profi doch noch operiert werden. Die Folge jetzt: erneutes Reha-Training. Arslan ist jeden Tag im Kraftraum – und zwar in der Arena. Er ist also in Hamburg, kämpft sich hier wieder heran. Aber das wird erst im nächsten Jahr etwas werden. Ihm wurde am Knöchel ein Knochenstückchen operativ entfernt.

So, einen kleinen Sprung nach Frankfurt habe ich noch vor:

Zum Thema Wolfgang Niersbach, der bekanntlich im nächsten Jahr (oktober) Theo Zwanziger als DFB-Präsident beerben soll und wird, schrieb der User „Frank Aschwasser“: „Schlecht für uns.” Aber: „Holliwutt” sagt zu diesem Thema: „Gegenfrage: Wer wäre denn gut für uns gewesen?“

Ich kann nur sagen, dass ich Wolfgang Niersbach schon seit Jahrzehnten kenne, schon immer eine hohe Meinung von ihm gehabt habe (ihm sogar vor langer, langer Zeit – auch öffentlich in einer NDR-Radio-Sendung prophezeit habe, dass er eines Tages DFB-Präsident werden würde!) und nicht glaube, dass er etwas Böses gegen den HSV hat. Niersbach ist ein Vollblut-Fußballer, er hat unheimlich viel Ahnung von diesem Geschäft – und er genießt weltweit höchste Anerkennung, ich habe es oft genug miterleben dürfen. Nein, nein, Niersbach ist absolut okay und die beste Wahl für den deutschen Fußball.

Und noch einmal DFB: „HSVFlex“ schrieb sich seinen Frust von der Seele: „Ich muss hier mal ganz stark den DFB kritisieren. Wie kann das sein, dass ein Hunt für so ein Brutalofoul 3 Spiele Sperre bekommt und Rajkovic für sein angebliche Tätigkeit auch??? Sag mal schielen die da beim DFB??? Wenn ich nur diese beiden Fouls vergleiche…….unfassbar. Das zeigt mal wieder, dass dort entweder eine starke Antisympathie gegenüber dem HSV herrscht oder sogar eine Form von Korruption vorliegt! Wieso wird ein Pizarro für eine glasklare Tätigkeit nicht nachträglich noch bestraft??? Selbst das Foul war schlimmer als das von Rajkovic! Ich begreife das nicht…“

Um ehrlich zu sein, das mit Hunt verstehe ich auch nicht, und das geht vielen Kollegen und Freunden von mir ebenso. Das ist ein Witz. Doch das haben wir ja schon mehrfach in der Bundesliga-Geschichte erfahren, dass da nicht immer mit demselben Maß gemessen wird. Nicht nur für den HSV nicht, aber oft genug hat auch der HSV unter dieser ungleichen Bestrafung zu leiden gehabt. Dass aber ein Pizarro nicht noch nachträglich gesperrt wird (oder wurde), das ist okay, denn der Schiedsrichter (Florian Meyer) hatte in dieser Szene gepfiffen und auf Freistoß für den FC Bayern entschieden. Damit ist dieses Foul geklärt und geahndet – auch wenn da Rot durchaus vertretbar gewesen wäre, ganz klar. Regeltechnisch aber nachträglich nicht mehr machbar.

Und noch zu einem anderen Thema: „hsv_forever“ denkt schon an die Winter-Pause, und damit an Verstärkungen: „Lakic und Helmes sollen WOB wohl im Winter verlassen und ich denke Helmes ist eine Option…” Zu Helmes entbrannte dann eine Diskussion, ob er besser als Petric ist. „Dino1887“: „Vor dem Tor ist Helmes eiskalt, man muss ihn nur richtig einsetzen. Ich persönlich wünsche mir einen anderen Typ als Stürmer.“ Dazu auch „Magath-Fan“: „Statistik hin oder her, zu meinem tatsächlichen Bedauern hatte Helmes einen Kreuzbandriss, und von dem hat er sich mMn nicht mehr richtig erholt. Helmes soll man wieder zum FC gehen, wenn es Poldi ins Ausland zieht, da passt er besser hin.“

Letzteres finde ich auch besser. Vor vielen, vielen Jahren, als Helmes noch für die Sportfreunde Siegen (und die U-21-Nationalmannschaft) stürmte, da gab ich dem HSV mal einen Tipp, aber die Herren wollten ihn nicht. Damals war er in meinen Augen ein Super-Stürmer, heute ist, tut mir leid, wenn ich das sage, der Lack bei ihm ab. Da kommt nicht mehr so viel. Ob das an der schweren Verletzung liegt, die er hatte? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe es auch nicht, dass Helmes vor dem Tor ein „Killer“ ist. Was hat der zuletzt, wenn er mal spielen durfte (auch in Leverkusen schon) frei vor dem Tor „verballert“? Das war nicht erstliga-reif. Deswegen rate ich heute von Helmes ab, ganz klar.

So, nun zum Schluss noch eine andere Sache, die mir am Herzen liegt. Der HSV schrieb uns heute:
30 internationale Fußballgrößen sind mit von der Partie bei der UNDP-Hungerhilfe zugunsten des Horns von Afrika

Didier Drogba sagt Teilnahme an Ronaldos & Zinedine Zidanes neuntem Spiel gegen die Armut zu, das am Dienstag, 13. Dezember in Hamburg ab 19.05 Uhr beginnt.

Fußball-Superstar Didier Drogba schließt sich einer starbesetzten Auswahl von 30 internationalen aktiven bzw. ehemaligen Spielern an, die kommenden Dienstag in Hamburg beim deutschen Fußballklub und Gastgeber des Spiels gegen die Armut, dem Hamburger Sport-Verein (HSV), auf die Hungerhilfe am Horn von Afrika aufmerksam machen und zu Spenden aufrufen.

In ihrer Funktion als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) haben Ronaldo, Zinédine Zidane und Drogba die Spieler – darunter u. a. Luís Figo,
Pavel Nedved, Serginho und Christian Karembeu, dazu Ze Roberto, Sergej Barbarez, Jörg Albertz und viele mehr – zusammengebracht. Anpfiff des Spiels ist um 19.05 Uhr Ortszeit in der Imtech-Arena des HSV.

„Es ist mir eine Ehre, die Menschen am Horn von Afrika zu unterstützen, die unter Dürre und Hunger leiden, und ich möchte alle dazu ermuntern, an einem Strang zu ziehen, damit die Krise überwunden wird”, so Drogba, der zum ersten Mal an dem Freundschaftsspiel teilnimmt. „Und es begeistert mich, gemeinsam mit Ronaldo, Zidane und allen anderen Spielern im Kampf gegen die Armut etwas bewegen zu können.”

In diesem Jahr gerieten über 13 Millionen Menschen durch Hunger, Dürre, Konflikte und hohe Nahrungsmittelpreise in Not. Gemeinsam mit Partnern in Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Somalia arbeiten die Vereinten Nationen dafür, den Menschen einen besseren Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln, Märkten und Gesundheitsfürsorge zu ermöglichen.

Zwar konnte das Leben von Tausenden Menschen durch Hilfsmaßnahmen gerettet werden – trotzdem ist die Situation, insbesondere in ganz Somalia, weiterhin kritisch. Noch immer sind vier Millionen Menschen von der Krise betroffen, und 250.000 leiden Hunger.

Das jährlich stattfindende Spiel gegen Armut, das mittlerweile zum neunten Mal ausgetragen wird, unterstützt Maßnahmen im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDGs) – acht international verabschiedete Zielvorgaben zur Ausrottung extremer Armut bis zum Jahr 2015. Das Match wird von über 20 nationalen und internationalen Fernsehsendern live übertragen.

Zwei Drittel der Spieleinnahmen kommen UN-Maßnahmen zur Bekämpfung der fortdauernden Nahrungsmittelkrise zugute. Den verbleibenden Erlös wird der HSV verschiedenen kommunalen Entwicklungsprojekten spenden, deren Schwerpunkte auf Sport, Jugend, Bildung, Umweltschutz und der sozialen Verantwortung von Unternehmen liegen.

Informationen zum Ticketverkauf finden Sie hier: www.hsv.de/ticket. Spenden für das Horn von Afrika können Sie unter www.undp.org.

Es wäre toll, wenn möglichst viele Zuschauer zu diesem Spiel in den Volkspark kommen würden. Erstens ist es für eine sehr, sehr gute Sache, zweitens darf sich Hamburg nicht mit einem halbleeren Stadion blamieren, denn es geht doch um eine gute Sache. Ich bitte alle, die sich bis jetzt noch nicht dazu entschlossen haben, zu diesem Spiel zu kommen, doch dabei zu sein.
Wir müssen helfen. Danke.

PS: Morgen, am Freitag, ist um 11 Uhr im Volkspark Training.

17.47 Uhr