Tagesarchiv für den 6. Dezember 2011

Fink ist dabei, Probleme zu lösen – und der HSV sagt dem Schweinske-Cup ab **ergänzt**

6. Dezember 2011

******Eigentlich wollte ich diesen Blog schon vor 30 Minuten online stellen. Allerdings erreichte mich just im Moment der Freigabe eine für mich ebenso traurige Nachricht wie für alle Hallenfreunde. Besonders für Veranstalter Horst Peterson und auch Dieter Matz, dem Peterson einst bescheinigte, er sei seine Motivation gewesen, das traditionelle Hallenspektakel in der Alsterdorfer Sporthalle zu initiieren: Der HSV sagt den Schweinske-Cup ab. Und das, obwohl erst vor wenigen Wochen die Zusage kam und der HSV nach jahrelanger Abstinenz – wenn auch mit der zweiten Mannschaft – endlich sein Comeback auf Hamburger Hallenboden feiern wollte. Wie mir gesagt wurde, geschieht dies aus Sicherheitsgründen. Angeblich sind beim HSV etliche Meldungen eingegangen, wonach bei einer Teilnahme des HSV in der Halle randaliert werden sollte. Wer da wie randalieren wollte, weiß ich noch nicht. Und ich werde bei solchen Dingen eine Teufel tun, zu spekulieren. Deshalb auch diese in Sternchen gehaltene Kurzmeldung vorweg. “So schade es ist, es ist eine gemeinsame Entscheidung mit der Turnier-Organisation gewesen”, sagt HSV-Mediendirektor Jörn Wolf. Das Turnierumfeld, sprich die An- und Abreisewege seien zu eng, um für Sicherheit garantieren zu können. “Die Polizeit hatte uns daher davon abgeraten, an diesem Turnier teilnehmen”, so Wolf weiter. ****

Ebenso traurig kling eigentlich auch Folgendes: „Es herrscht Zuschauerschwund beim HSV.“ Allerdings nur eigentlich. Denn obgleich es bei durchschnittlich mehr als 44000 Zuschauern Meckern auf gehobenem Niveau ist, ist es eigentlich kein Wunder. Zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die sportliche Entwicklung ansieht. Denn die hat in dieser Saison im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen, auch wenn sich unter dem neuen, Trainer Thorsten Fink ein deutlich erkennbarer Aufwärtstrend abzeichnet. Dennoch hat der HSV in dieser Saison noch nicht einmal das Stadion komplett ausverkauft. Auch das ist definitiv zu wenig. Allerdings ebenfalls zu erklären, wie ich finde. Nicht nur, dass die Top-Gegner Bayern Dortmund und Bremen erst noch kommen, für ein jeweils ausverkauftes Haus sorgen und damit den Schnitt deutlich anheben dürften, auch der zu Saisonbeginn proklamierte Umbruch dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Zumal der Saisonstart reichlich daneben ging. Ein Punkt konnten die jungen Wilden unter Michael Oenning sammeln und damit nicht die vorhandene Skepsis unter den Fans beseitigen. Damals wurde an allem und jedem gezweifelt, alles hinterfragt. Und das hielt lange an. Bis heute gibt es noch etliche Zweifler, die den Aufwärtstrend unter Fink sehen und sich darüber freuen, die dem Ganzen aber noch nicht vollends vertrauen. Und um dies zu ändern, dafür bedurfte und bedarf es auch weiterhin der aktuellen Form der Mannschaft. Sollte die unter Fink begonnene Entwicklung anhalten, dürften sich auch die Zuschauerzahlen wieder verbessern.

Das gilt auch für Heung Min Son. Auch der Südkoreaner kann eine ganze Menge von Fink profitieren. Dieter hatte gestern beschrieben, dass Fink den zuletzt ganz objektiv betrachtet berechtigt kritisierten Angreifer in Schutz nimmt. Und das ist gut so. Nicht allein von Dieter, sondern vielmehr von Fink. Denn Son ist ein zweifellos großes Talent, das über alle individuellen Fähigkeiten verfügt, die man als Bundesliga-Profi braucht. Allein er zeigt es derzeit nicht auf dem Platz. Und, wenn ich ganz ehrlich hin, zeigt er es schon seit Saisonbeginn nicht mehr. Die (erneuten) Vorschusslorbeeren aus der Vorbereitung, in der er (mal wieder) Top-Scorer war, bewahrheiten sich wieder nicht. Stattdessen wirkt Son nicht handlungsschnell genug, er verliert zu leicht Zweikämpfe und kommt zu selten zum Abschluss.

Aber, und da schließe ich mich nicht nur Fink sondern auch Dieter an, Son fehlt einfach nur eine gesunde Mixtur aus all seinen Talenten. Und diese Mixtur muss er auf dem Platz zeigen, So, wie er es im Training längst nicht kontinuierlich aber wenigstens immer mal wieder schafft. Und dafür wird es in der zweiten Saison auch langsam Zeit. Langsam wird sich Son auch mit Kritik, die ob seiner noch jungen 19 Jahre zuletzt oft gemieden wurden, auseinandersetzen. „Ich will in dieser Saison den nächsten Schritt machen“, hatte uns Son im Sommer gesagt und damit den Schritt zum Stammspieler gemeint. Nun kann man sagen, dass er das mit drei Toren bei elf Einsätzen in 15 Saisonspielen, wovon er achtmal in der Startelf stand, schon fast erreicht hat. Aber andererseits profitierte Son von Verletzungen Petrics, Bergs und Guerreros sowie zuletzt vom guten Willen des neuen Trainers, der ihm einfach eine erneute Chance geben wollte. Ergo: Son ist noch kein Stammspieler. Allemal kein unumstrittener, was auch die Diskussion hier im Blog beweist.

Allerdings ist die Kernfrage vielmehr: muss Son so früh schon so hoch gesteckte Ziele erfüllen, nur weil sie irgendwann von irgendwem formuliert wurden? Und so gern ich auch sagen würde: „Ja, weil er es kann!“, muss ich konstatieren: Nein, er braucht noch Zeit. Also löse ich mich von dem Gedanken, das neue Wunderkind in unseren Reihen gefunden zu haben. Schon allein mit Blick auf die Schicksale unser letzten Wunderkinder Macauley Chrisantus und Mustafa Kucukovic, die sich derzeit bei zweitklassigen Klubs beweisen. Auch wenn man da zumindest Chrisantus nach nunmehr sieben Treffern in 13 Einsätzen im Blick behalten muss.

Dennoch würde und werde ich bei Son eher davon sprechen, einen Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu haben, der der Mannschaft trotz seiner jungen Jahre schon heute weiterhelfen kann und der es in absehbarer Zeit auch zum gestandenen Bundesligaprofi schaffen wird. Er hat alles, aber ihm fehlt noch viel. Vielleicht nimmt man Son dadurch auch den Druck, den der Junge schon allein durch seine langfristige Vertragsverlängerung mit entsprechend angehobenen Bezügen verspürt haben dürfte. Zudem haben wir alle, ob Blogger oder Schreiber hier im Blog, Sons Vorbereitungsleistungen zu hoch eingeschätzt. Dementsprechend tief fühlt sich der Sturz an. Dabei ist Son weiterhin ein großes Talent, das noch Zeit bekommen muss, sich zu entwickeln. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Und ich bin mir relativ sicher, dass ein Herr Fink, der selbst beim FC Bayern München die vielleicht härteste Schule für im Bundesligafußball durchlaufen durfte, da die richtigen Worte und Mittel finden wird.

Denn das scheint er bislang bei den Spielern geschafft zu haben. Nicht ein Spieler ist dabei, der aktuell schlecht über den Trainer und dessen Maßnahmen spricht. Dabei gibt es bei 25 Kaderspielern immer ausreichend Akteure, die sich in ihren Augen vom Trainer nicht gerecht mit Einsatzzeiten ausgestattet empfinden. Jetzt allerdings nicht. Fink hat es geschafft, der Mannschaft eine positive Grundstimmung zu verpassen, die derartige Äußerungen verbietet, worauf ich später hier im Blog noch mal zurückkommen werde. Und so sicher, wie das bei Fink wie bei bisher wahrscheinlich 100 Prozent aller Fußballtrainer auf der ganzen Welt eine vorübergehende Phase sein wird, so sehr sollte man sie genießen. Ebenso wie derartige Siege wie gegen Nürnberg. Solche Spiele hat eine Mannschaft doch auch nur, wenn sie dafür hart arbeitet. Soll heißen: auch wenn der HSV in dem Spiel sicher nicht hoch überlegen war, ist der Sieg nichts, wofür sich die Mannschaft schämen oder entschuldigen müsste. Dafür gab es auch in dieser Serie schon genug Spiele, die unverdient verloren gingen.

Nein, entschuldigen müsste man sich erst dann, wenn man so etwas falsch analysiert und sich stärker redet, als man war. So, wie ich mich im Nachhinein bei Euch und bei Son für meine euphorisierten Worte für die Leistungen des Südkoreaners im Laufe der Vorbereitung entschuldigen muss. Allerdings hat das beim HSV niemand getan, im Gegenteil: Fink hatte schon vor dem Nürnberg-Spiel vor verfrühter Zufriedenheit gewarnt und auch nach dem Nürnberg-Spiel mit Kritik an seiner Mannschaft nicht gespart. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen“, hatte Fink gesagt und damit ebenso pauschal wie richtig gesprochen. Denn, das Spiel des HSV schwebt im Moment auf einer Welle des neuen Selbstvertrauens der HSV-Spieler. Allerdings ist das gesamte Konstrukt selbstverständlich noch sehr fragil. Noch ist die Mannschaft sogar in der Nähe der Abstiegsplätze. Dies richtig einzuschätzen ist die hohe Kunst Finks. Er muss seine Spieler immer wieder warnen, kritisieren und verbessern, ohne ihnen damit das notwendige Selbstvertrauen zu nehmen.

Womit ich, wie vorhin versprochen, noch mal auf Finks Wirkung zurückkomme. Finks taktische Änderungen greifen, was sich leicht auch in den erzielten Punkten nachlesen lässt. Dafür erntet er Respekt und Vertrauen seiner Spieler. Und sollte Fink es zudem schaffen, das nachhaltig auszubauen oder zumindest beizubehalten – sei es durch eine derart schonungslose Ehrlichkeit wie gegenüber einem so verdienten Spieler wie Jarolim oder einfach nur lobende Worte für seine Mannschaft –, dann wird er seinen Erfolg in Hamburg ausbauen. Weil ihm seine Spieler seinen Plan abnehmen und folgen. Und dann werden ganz sicher auch wieder Spiele ausverkauft sein.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (17.04 Uhr)

P.S.: Am Mittwoch wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.