Tagesarchiv für den 1. Dezember 2011

Fink will “produktive Unzufriedenheit”

1. Dezember 2011

Schön, sehr schön wieder zu Hause zu sein. Vorab möchte ich allen Matz-abbern von Herzen danken, die mir zu diesem Tage alles Gute gewünscht haben, die mich auch über die vergangenen zwei Monate begleitet haben. Danke auf diesem Wege, weil ich gar nicht allen persönlich antworten kann. Drei Ausnahmen seien mir trotz allem gestattet, den Matz-abberinnen Rautenschälchen, Eva und Jasmin ein herzliches Dankeschön. Und ich möchte mich auch öffentlich bei „Scholle“ für seine gute Arbeit, die er hier jeden Tag abgeliefert hat, sehr, sehr bedanken. Marcus Scholz hat jeden Tag für Matz ab gearbeitet, selbst dann, wenn er es nicht gemusst hätte. Respekt, mein „Scholle“ das war großartig. Und das haben auch alle Matz-abber in den letzten Tagen gewürdigt, Du hat das überragend gemacht und bist mir und dem Matz-ab-Blog eine riesige Hilfe. Dass Du, lieber „Scholle“, so viel Lob bekommen hast, nicht nur in diesen Tagen, auch in den vergangenen Monaten, das sollte Dir für die nächsten 20 Jahre Kraft geben und zugleich Ansporn sein, weiterhin einen so tollen Einsatz zu zeigen. Du siehst, es wird honoriert.
Danke. Danke, danke, danke.

Das möchte ich auch den Matz-abbern sagen, die mir heute beim Training einen großartigen Empfang bereitet haben, und das möchte, das muss einmal gesagt werden, auch meinen (mitlesenden) Kollegen der anderen Hamburger Zeitungen zurufen, die Ihrer Freude Ausdruck verliehen haben, mich heute nach fast zwei Monaten wieder einmal beim Training und beim HSV zu sehen. Da kommt Freude auf – bei mir.

Nun aber zum Wesentlichen. Zu den „HSV-Finken“. Die haben heute bei ungemütlichem Wetter, bei Sturm und bei Regen, trainiert. Und, um es vorweg zu nehmen, das was ich sah, das war okay. Es herrscht nach dem Trainerwechsel wieder ein anderer, ein besserer Geist in der Truppe, es wird emsig, engagiert und auch mit Freude trainiert. Es begann mit läuferischen Geschicklichkeits-Übungen (Hütchen umlaufen und umsprinten), dann folgte ein Spielchen auf vier Ein-Meter-Tore, zum Abschluss ein Spiel über den halben Platz – auf zwei Tore (die von Jaroslav Drobny und Sven Neuhaus gehütet wurden). In beiden Spielen war viel „Leben“ zu sehen und zu hören, es war zum Beispiel schön zu sehen, wie sich die Profis „kabbelten“, wenn ein Ball im Tor gelandet war, die Kugel aber vorher schon im Aus gewesen sein soll. Da ist natürlich keine Linienrichter gab, entschied meistens die Lautstärke bei umstrittenen Szenen. Aber: Wie die Kinder sind die Gören, es ist herrlich zu sehen, mit welchem Engagement es auch bei einem Spielchen auf vier Tore zur Sache geht.

Auffällig dabei, wie gut Heung Min Son dabei war. So gut habe ich die Südkoreaner schon seit langer, langer Zeit nicht mehr gesehen. Der 19-Jährige schoss wohl an diesem Tag die meisten Tore, er traf mit links und mit rechts, beinahe so wie er wollte. Das sah herrlich aus. Die Frage, die ich mir stellte: Wieso schafft er das in den Bundesliga-Spielen nicht mehr (so richtig)? Heute sah alles so spielerisch leicht beim ihm aus, er sprühte vor Spiellust, er hatte auch sichtlich große Freude am „Knipsen“. Ich kann ihm nur wünschen, dass er diese Form ein wenig konservieren kann – bis Sonntag.

So wie es jetzt aussieht, wird Trainer Thorsten Fink wohl dieselbe Mannschaft gegen den 1. FC Nürnberg auf den Rasen schicken, wie die Anfangsformation zuletzt in Hannover. Das würde bedeuten, dass Son neben Paolo Guerrero stürmen wird, und dass Ivo Ilicevic wohl (noch einmal?) auf der Bank in das Spiel starten wird. Der Trainer sagte zu diesen Personalien: „Diese eine Position ist noch offen, da überlege ich mir noch, ob Son oder Ilicevic. Son hat ja ein schönes Tor gegen Glasgow gemacht, das dürfte ihm Selbstvertrauen geben, deswegen sieht es im Moment so aus, als würden wir unverändert gegen Nürnberg antreten.“

Fest steht, dass Mladen Petric am Sonntag noch nicht mit von der Partie sein wird, der Torjäger trainierte auch heute nicht mit der Mannschaft, sondern absolvierte auf dem Nebenplatz seine Reha-Einheit. Die Wade (oder die Waden) soll noch zu verhärtet sein. Für das dann folgende Auswärtsspiel des HSV, bei Mainz 05, könnte Petric dann eventuell wieder eine Alternative werden.

Thorsten Fink lobte heute noch einmal die 90 Minuten (2:1 gegen Glasgow) vom Dienstag und befand: „Jeder hat mir gezeigt, dass er in die Mannschaft will, dass er spielen will, und das ist ja auch das, was ich will. Ich will keine Spieler, die zufrieden sind, wenn sie auf der Bank sitzen. Ich möchte Spieler haben, die eine produktive Unzufriedenheit zeigen, das heißt: Ich möchte meine Leistung zeigen, ich möchte in die Mannschaft, ich möchte dem Trainer zeigen, dass ich da bin, wenn er mich braucht.“ Fink sagt aber auch: „Im Moment ist aber klar, dass wir sehr gut drauf sind, wir haben das letzte Heimspiel gewonnen, haben in Hannover eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt, eigentlich die Ausstrahlung gezeigt, die ich mir erhofft habe, dieses Spiel war für mich die beste Leistung, seit ich hier bin. Deswegen gibt es kaum Gründe, die Mannschaft zu verändern.“

Richtig so. Zumal alle im Training, so wie ich es heute gesehen habe, sehr gut mitziehen. Es lässt sich nicht einer hängen. Wobei ich wieder beim heutigen Vormittag im Volkspark bin. Neben Son hat mir auch Ilicevic gefallen. Auch wenn er, wie der Trainer sagt, noch nicht bei 100 Prozent ist. Im Training aber zeigte er schon einige Male seine Klasse, sodass die Kiebitze frohlockten. Einmal „schnibbelte“ er – mit dem Rücken zu Gegenspieler Dennis Diekmeier stehend – den Ball mit dem Außenrist so an, dass sich die Kugel um den Abwehrspieler drehte – und ab ging die Post. Ich jedenfalls freue mich schon enorm auf den Jungen aus der Pfalz, er wird dem HSV noch viel, viel Freude bereiten, davon bin ich nicht nur erst seit heute überzeugt.

Paolo Guerrero unterstrich auch heute seine zurzeit gute Form, ebenfalls Tomas Rincon. Auf „Altmeister“ David Jarolim werfe ich ja, das wissen alle Matz-abber, immer ein Auge mehr, und ohne zu übertreiben muss ich sagen, dass auch „Jaro“ wieder sehr gute und schöne Szenen hatte. Ich war gespannt auf ihn, wie er wohl trainieren würde, aber der Bursche gibt Gas, auch wenn die Situation alles andere als gut für ihn ist. Auffällig ebenso die gute Leistung von Heiko Westermann (heute im Training, zuletzt schon alle Liga-Spiele). Ich ziehe den Hut vor dem Kapitän, denn wie er sich wieder nach vorne gekämpft hat, wie er alle Anfeindungen weggesteckt hat, das imponiert mir nach wie vor. Westermann wurde zu Saisonbeginn ja noch von den eigenen Fans im Volkspark ausgepfiffen, doch davon ist nun keine Rede mehr – und das ist auch gut so. Wobei das natürlich auch auf den „Fall“ Jaroslav Drobny zutrifft. Beide Spieler haben einen tollen Charakter und eine große Moral gezeigt. Hut ab! Heiko Westermann hat heute übrigens bewiesen, dass er auch ein guter Elfmeterschütze ist. Nachdem Sven Neuhaus David Jarolim sehr unsanft von den Beinen geholt hatte, gab es Strafstoß – und den verwandelte der (Ex-)Nationalspieler souverän.

Zuletzt möchte ich noch einmal auf die jungen Burschen im Profi-Training kommen. Es waren auch diesmal einige aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso dabei, und von jenen Spielern hat auf mich Mittelfeldspieler Kevin Ingreso einen interessanten Eindruck hinterlassen. Der 18-Jährige bewegt sich schnell und sehr gut, er kann auch mit dem Ball umgehen, nun sollte er noch etwas an „Körper“ zulegen, dann könnte das Abenteuer Profi-Fußball für ihn Realität werden.

„Die Spieler, die von Rodolfo Cardoso zu uns kommen, die suche ich auch nach Positionen aus, ich habe mir schon einen sehr guten Überblick verschafft, es haben ja schon alle, die die Perspektive Bundesliga haben, bei uns mittrainiert. Es gibt da schon eine gute Zusammenarbeit mit Rodolfo Cardoso.“

Die „Bild“ hat ja heute gemeldet, dass nun auch Borussia Dortmund (und Trainer Jürgen Klopp) hinter dem nach Düsseldorf ausgeliehenen Maximilian Beister her sind. Im Ausland regt sich auch schon Interesse an dem Zweiliga-Torjäger, da darf man gespannt sein, wie dieser „Mehrkampf“ ausgehen wird. HSV-Sportchef Frank Arnesen hat ja mehrfach mit Beister gesprochen, auch Thorsten Fink unterhielt sich schon mit dem Fortunen, will demnächst noch einmal nachsetzen. Fink: „Wir sind ganz nah dran an ihm, weil wir ja noch einen Vertrag mit ihm haben. Bis 2013 ist Beister noch beim HSV.“ Der Coach weiter: „Wir freuen uns, dass wir Spieler unter Vertrag haben, die das Interesse anderer Vereine wecken. Von daher sind wir die Glücklichen, denn wir haben ihn unter Vertrag.“

Noch. Denn wenn Beister nicht mit dem HSV verlängert, dann müsste das eigentlich bedeuten, dass der flinke Stürmer im nächsten Sommer verkauft werden muss – um noch eine Ablöse für ihn zu kassieren. Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat „Maxi“ Beister auch in diesem Sommer in einem Zeitungs-Interview gesagt: „Für welchen Verein ich in der nächsten Saison spielen werde, das bestimme ich ganz allein.“ Mal sehen, wie das ausgeht. Fink: „Ich gehe davon aus, dass er im nächsten Sommer ganz normal zu uns zurückkommen wird, und dass er dann eine große Zukunft beim HSV haben wird.“ Thorsten Fink sagt auch: „Wenn der Leihvertrag mit Fortuna Düsseldorf im Sommer 2012 ausläuft und wir brauchen Beister, dann müsste er theoretisch bei uns bleiben. Aber ich glaube, dass ich ihm eine so gute Perspektive biete, dass er dann gerne auch bei uns bleiben und auch den Vertrag verlängern wird.“

Was mich an diesem „Fall“ noch immer stört ist die Tatsache, dass der HSV im Jahre 2010 einige Spieler an andere Klubs verliehen hatte (Chrisantus, Arslan, Bertram, Tavarez), aber nur bei Beister entschied, dass der Leihvertrag für gleich zwei Jahre geschlossen wurde. Alle anderen HSV-Spieler waren nur für jeweils ein Jahr ausgeliehen, doch ausgerechnet der Spieler, der die beste Veranlagung hatte, der musste für zwei Jahre vom Hof. Ich verstehe das immer noch nicht, aber die Matz-abber, die heute beim Training waren, beruhigten mich unisono: „Diese Zeiten gehören ja zum Glück der Vergangenheit an, so etwas wird nun nicht mehr passieren.“
Hoffentlich.

Als ich heute die Arena verließ, traf ich zufällig noch Dennis Aogo. Der hatte ja zuletzt in Hannover die Gelbe Karte wegen Meckerns gesehen, und ich versicherte dem Nationalspieler, dass ich diesen Karton wohl auch erhalten hätte – wenn ich mit von der Partie gewesen wäre. Schiedsrichter Felix Zwayer hat mich fast zum Platzen gebracht, er hatte in meinen Augen im Zweifel stets für 96 entschieden. So nicht nur vor dem 1:1, sondern in vielen, vielen anderen Situationen. Und als Son (oder war es Guerrero?) auf der Gegenseite rustikal umgetreten wurde, da schwieg die Pfeife des Berliners . . .
Nach dem Spiel verkündete dann der ehemalige Spitzen-Schiedsrichter Dr. Markus Merk bei „Sky“ auch noch ein generelles Lob an den Unparteiischen: „Felix Zwayer wird noch einer der ganz Großen in der deutschen Schiedsrichterei.“
Dann aber, lieber Herr Dr. Merk, sollte Zwayer seine zuletzt immer häufiger aufkommende Arroganz ganz schnell wieder ablegen. Spieler mit abwertenden Handbewegungen zu belegen, das zeugt wahrlich nicht von Größe, das ist schlicht und einfach schnöselig-überheblich oder nur arrogant. Und von solchen Szenen gab es in Hannover etliche, die mich in Rage brachten.

Übrigens: Wo ich gerade bei Schiedsrichter bin. Ich wünsche Babak Rafati schnelle und gute Besserung. Ich habe den Hannoveraner stets als großartigen Menschen kennen gelernt, der Mann ist topp, toll und okay, vor allem ein Mensch. Dass ich nach dem Vorfall in Köln mit einigen Leuten sprach, die mir gleich zu Beginn verkündeten, wie schlecht Rafati als Schiedsrichter gewesen sei, das spricht für die heutige kalte, unmenschliche Zeit. Wie pervers ist es eigentlich, den Bundesliga-Spielern die Wahl darüber zu lassen, wer der schlechteste Schiedsrichter ist? Das sollte sich jeder Mensch einmal für sich und seinen Beruf vergegenwärtigen. Wer möchte schon in allen Zeitungen lesen, in allen Fernsehsendern sehen, dass er der schlechteste Mann ist? Das ist doch nur grausam zu nennen, ein solch unwürdiges Spielchen. Aber so ist sie wohl (geworden), diese Welt. Ich jedenfalls wünsche Babak Rafati nur das Allerbeste – und mir wünsche ich, dass er irgendwann auch einmal wieder in der Bundesliga pfeifen wird. Wenn es denn möglich ist.

So, morgen ist auch noch ein Tag. Um 10 Uhr wird im Volkspark trainiert.

Vielen Dank nochmals (ich muss mich wiederholen) für Eure große und großartige Unterstützung, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend.

18.31 Uhr