Monatsarchiv für Dezember 2011

Zum Wechsel: Zwei Fragen – zehn Antworten

31. Dezember 2011

Ob es das auch in 50 Jahren noch gibt? Sie sitzen bei jedem Heimspiel auf der Tribüne im Volkspark und verfolgen „ihren“ HSV ganz genau. Sie – das sind die Meisterspieler von 1960. Fast alle der Altmeister sind immer da, wenn es um Bundesliga-Punkte geht. Sie tragen die Raute fest im Herzen, sie sind damals alle Hamburger gewesen, und sie sind es bis heute geblieben. Und sie machen sich natürlich auch ihre Gedanken, warum der HSV so steht, wie er im Moment steht. Und sie machen sich ihre Gedanken, wie es wieder nach oben gehen könnte.
Ich habe Verteidiger Erwin Piechowiak, Rechtsaußen Klaus Neisner, Torwart Horst Schnoor, Mittelläufer und Kapitän Jochen Meinke sowie Linksaußen Gert „Charly“ Dörfel jeweils zwei Fragen zum aktuellen HSV gestellt, und sie haben mit ihren Antworten gezeigt, dass sie immer noch voll auf Ballhöhe sind.

Herr Schnoor, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Horst Schnoor: „Es war uns ja klar, dass es einen Umbruch wird geben müssen, aber dass dieser dann so riesig ausfallen würde, das hat mich doch ein wenig verwundert. In dieser Form war das wohl einzigartig. Wie alle hoffe ich natürlich auch, dass der HSV 2012 nicht absteigen wird. Dass es überhaupt dazu gekommen ist, das ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass es zu lange dieses Chaos um den fehlenden Sportchef gegeben hat. Das war Punkt eins. Punkt zwei war das große Hick-Hack um den designierten Sportchef Urs Siegenthaler. Mein Gott, war das ein großer Zirkus. Und dieses Theater passte nun mal so gar nicht zum HSV, das war einfach unmöglich. Und hat dem Klub zudem viel, viel Geld gekostet. Da ist Geld zum Fenster hinausgeworfen worden, für nichts und wieder nichts – schlicht eine Katastrophe.

Und zudem hatte ich von Trainer Armin Veh immer den Eindruck , dass er gar keine rechte Lust hatte, hier Trainer zu sein. Der wollte, so hatte es den Anschein, immer nur weg. Als dann Michael Oenning kam, da hatte ich die Hoffnung, dass es wieder bergauf gehen würde, aber das hielt nur ein paar Wochen an. Leider.“

Und, Herr Schnoor, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Horst Schnoor: „Ja, das gibt es. Ich bin doch angetan vom neuen sportlichen Duo Frank Arnesen/Thorsten Fink. Die arbeiten doch sehr vielversprechend miteinander. Arnesen gefällt mir außerordentlich gut, der wirkt auf mich immer freundlich und ruhig, strahlt aber Fußball-Sachverstand aus, und er weiß offenbar was er will. Und Fink ist selbstbewusst und schwungvoll, der packt die Sachen mutig an – der passt sehr gut zum HSV.

Und dann der Jahresabschluss. Mein Gott, wie wäre es gewesen, wenn wir das Pokalspiel in Stuttgart gewonnen hätten – und wir hätten es ja gewinnen müssen. Dieser Sieg hätte dem Verein – nicht nur finanziell – sehr gut getan. Aber immerhin hat die Mannschaft gezeigt, wie gut sie spielen kann, sie war ja die meiste Zeit überlegen, sodass man für das neue Jahr durchaus guter Hoffnung sein kann, dass es wieder in Richtung gesichertes Mittelfeld geht.“

Herr Meinke, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Jochen Meinke: „Die Einstellung einiger Spieler. Das muss ich sagen, die hat mir nicht gefallen. Einige waren mir einfach zu lahm, zu wenig engagiert. Die haben nach dem Motto gespielt: ‚Komm ich nicht heute, dann komm ich eben morgen.’ So geht es nicht. Das war in meinen Augen Lari-Fari-Fußball. Ich war, nach der Entlassung von Armin Veh, auch dafür, dass Michael Oenning eine Chance erhalten sollte, aber als ich dann gesehen habe, dass er gegen Mönchengladbach zu Hause nur eine Spitze aufbietet, da war ich einfach nur bedient und entsetzt. Das geht doch gar nicht.

Als dann Thorsten Fink übernahm, da gab es zwar auch nicht auf Anhieb einen Sieg, es gab daheim nur ein 1:1 gegen Wolfsburg, aber da stand dann doch plötzlich eine ganz andere HSV-Mannschaft auf dem Rasen. Die Spieler haben sich bewegt, die wollten, hatten Biss – es hatte sich über Nacht vieles geändert. Das hat mir gezeigt, dass es doch anders, doch besser geht. Ich frage mich nur, warum ging es nicht schon früher? Jetzt sehe ich eine HSV-Mannschaft, die mit Begeisterung spielt – unter Veh und Oenning habe ich viel zu viele schlechte Spiele gesehen.

Eigentlich habe ich jetzt keine Befürchtungen mehr in Sachen Abstieg, auch wenn der Start 2012 schwer werden wird – aber ich traue dieser Mannschaft durchaus zu, auch gegen Dortmund und in Berlin etwas zu holen.“

Und, Herr Meinke, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Jochen Meinke: „Ja, die Entwicklung unter Fink, habe ich gerade schon gesagt. Dazu dann auch die neue Ruhe im Verein – diese Entwicklung ist erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist für mich, dass ich schon seit Wochen nichts mehr aus dem Aufsichtsrat gehört habe. Was ist da passiert?

Zudem finde ich, dass Carl-Edgar Jarchow einen sehr guten Job macht. Er wird natürlich auch gut unterstützt von Frank Arnesen und Thorsten Fink. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt mir insgesamt, dass der HSV wieder auf dem richtigen Weg ist – bis auf die Ergebnisse. Da waren natürlich einige überlegen geführte Spiele dabei, in denen wir große und tolle Torchancen hatten, die mussten ganz einfach gewonnen werden. Immerhin aber haben wir gezeigt, dass wir wieder Fußball spielen können.“

Herr Piechowiak, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Erwin Piechowiak: „Dieses lange Theater um Bernd Hoffmann. Dadurch ist eine enorme Unruhe in den Verein gekommen, die den gesamten Klub zu lange beschäftigt hat. Es gab in der Klub-Führung zu viele selbstherrliche Entscheidungen, und da muss ich auch dem Aufsichtsrat eine Mitschuld geben, denn er hat das alles mitgetragen oder abgesegnet. Zum Beispiel der Sturz von Dietmar Beiersdorfer. Der Sportchef hatte ja gut mit Hoffmann zusammengearbeitet, und als der Boss dann zu viel Einfluss wollte, da hat Beiersdorfer Hilfe beim Aufsichtsrat gesucht, doch der ließ ihn eiskalt abblitzen. Die haben ihn hängen lassen, einfach hängen lassen. Ich weiß, dass das schon lange her ist, aber es hat sich auch immer noch, bis in dieses Jahr hinein, ausgewirkt.
Im Aufsichtsrat sitzen Männer, die dort nach dem Motto mitmachen: ‚Mehr Schein als sein.’ Da sind mir zu viele Eitelkeiten im Spiel, das passt nicht zum HSV.

Dann auch diese ständigen Trainerwechsel, die haben sich auch ganz sicher auf die Leistungen der Mannschaft niedergeschlagen. Der Umbruch musste sein, keine Frage, aber er ist mir ein wenig zu groß geworden. Ich habe, muss ich außerdem gestehen, meine Zweifel an Mladen Petric. Ich habe ihn nicht gesehen, als die Mannschaft schlecht spielt, da hätte er mal Verantwortung übernehmen können, ja sogar müssen. Das erwarte ich von einem Führungsspieler ganz einfach. Oder sollen das die jungen Leute machen? Mir war Petric auch in einigen Spielen zu faul. Und wo ich gerade dabei bin: Marcell Jansen wird überschätzt, oder er überschätzt sich selbst. Der kann doch mehr, als er zuletzt gezeigt hat. Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Auch auf der Sechser-Position hat mich bislang keiner überzeugt, weder Gojko Kacar noch Robert Tesche. Schade ist es um Jarolim, aber er hat natürlich auch oft genug keinen ganz klaren Ball nach vorne gespielt.

Auch von Dennis Aogo erwarte ich mehr. Der hat zwar eine positive Ausstrahlung, keine Frage, aber erst aktueller deutscher Nationalspieler, da muss schon noch etwas mehr kommen.

Und, Herr Piechowiak, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue
Jahr nehmen werden?

Erwin Piechowiak: „Ja, gibt es. Mir gefällt Frank Arnesen, der hat eine positive Ausstrahlung, der ist null überheblich, der strahlt nur Positives aus, der Däne ist ein ganz großer Gewinn für den HSV. Endlich haben wir auf dieser Position Ruhe. Und im Zusammenspiel haben Carl-Edgar Jarchow und Arnesen auch Ruhe in den gesamten Verein gebracht. Sie setzen, ich beziehe da auch den Trainer mit ein, positive Signale nach aus. Zu den Fans, zu den anderen Bundesliga-Klubs, zu allen. Diese drei Herren sind meine Hoffnungsträger.

Thorsten Fink vermittelt mir den Eindruck, dass er sehr harmonisch mit der Mannschaft umgeht, dass er und das Team eine Einheit sind. Das passt, weil er auch weiß, dass er trotzdem immer wieder Leistungen sehen will, sehen muss. Ich glaube, dass der HSV am Saisonende einen guten Mittelfeldplatz belegen wird. Trotz des schwierigen Starts, den wir 2012 haben werden. Aber letztlich sind jetzt alle Spieler wieder stabiler geworden. Wenn ich so an Jaroslav Drobny erinnern darf, dieser arme Kerl. Der spielet ja zunächst hinter einer Abwehr, die keine Abwehr war. Das war ja der reinste Schweizer Käse, Loch an Loch. Jetzt sind alle besser geworden – und Drobny auch.

Zudem muss ich die jungen Leute mal loben. Jeffrey Bruma und Gökhan Töre, die gefallen mir sehr. Und Tomas Rincon ohnehin, den fand ich früher schon gut, weil der so schön bissig und giftig war. Nur dass er jetzt den Spielmacher macht, das gefällt mir nicht so gut – aber auf dieser Position hat der HSV ja ohnehin Schwierigkeiten, ein solcher Mann fehlt. Rincon kann das nicht.“

Herr Neisner, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Klaus Neisner: „Die Spieler, das habe ich von Anfang an moniert, laufen mir zu wenig, und es wurde mir auch zu wenig Fußball gespielt. Die vielen langen Bälle, die einfach planlos nach vorne gedroschen werden, die kommen doch immer gleich wieder zurück in die Hälfte des HSV. Das verstehe ich nicht, so sieht doch kein erfolgreicher Fußball aus.
Was mir ebenso nicht gefiel: Es wurde mir viel zu früh in dieser Saison von Abstieg gesprochen. Was sollte das? Man kann doch in Dortmund und in München verlieren, was hat das mit Abstieg zu tun? Das verunsichert nur eine Mannschaft, die Spieler begehen individuelle Fehler – und genau das haben wir dann auch gesehen. In den Spielen gegen Hertha und Köln waren schon einige Klopse dabei, die sonst nicht zu sehen gewesen wären – wahrscheinlich jedenfalls. Und wenn der HSV zum Beispiel diese beiden Spiele gewonnen hätte, dann stünde er wesentlich besser in der Tabelle – und seinerzeit hätte niemand vom Abstieg erzählt.“

Und, Herr Neisner, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Klaus Neisner: „Thorsten Fink hat der Mannschaft schnell Selbstvertrauen eingeimpft. Das war wichtig und gut. Wir kennen das doch alle die Situation, wenn es mal schlecht läuft. Dann will doch kaum einer den Ball haben, das wird dann ein Versteckspiel. Nach dem Motto: ‚Kamerad, mach du den Fehler – ich mache ihn liebe nicht.’ Das aber ist jetzt deutlich besser geworden, es wird von einigen Spielern jetzt deutlich mehr Verantwortung übernommen. Das war in Hannover so gut zu sehen, da hat der HSV sehr gut gespielt, ist nur durch ein Jahrhundert-Tor um den Sieg gebracht worden. Und auch in Stuttgart war das Spiel sehr gut, dass wir da nicht gewonnen haben, das tat sehr weh.

Viel wird nun vom Start in die Rückrunde abhängen Drei Klatschen zu Beginn wären nicht so sehr hilfreich, aber daran glaube ich auch nicht. Ich habe sogar eine Wette laufen, dass der HSV am Ende noch einen Platz in der Europa League innehaben wird. Das sind doch nur acht Punkte, die uns bis dahin fehlen . . .“

Herr Dörfel, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Gert Dörfel: „Viele Köche verderben den Brei, sagt man ja, und das war beim HSV auch so. Mir ist das ein wenig zu viel Vettern-Wirtschaft, deswegen ist der Klub nie auf einen Nenner gekommen. Die vielen Aufsichtsräte haben dem HSV nicht gut getan, der Klub wurde früher mit weniger Leuten geführt – aber besser. Einst mit den Brüdern Mahlmann und Mechelen, später mit Klein, Happel, Netzer. Jetzt ist der HSV zuletzt nach unten durchgestartet, und zwar mit allen Facetten – und dabei haben alle von ganz oben geträumt. So waren ja auch die Ziele ausgegeben worden. Da waren aber zu viele Leute am Werk, die im Fußball eigentlich nichts zu suchen haben. Weil sie ganz einfach keine Ahnung davon haben. Und die, die Ahnung im Verein haben und hätten, die werden seit Jahren untergebuttert. Das ist schlechter Stil. Erfahrene Leute wie Seeler, Meinke oder auch Schnoor, auf die hätte man besser mal hören sollen, oder solche Leute wie Magath und Nogly, die wüssten wie es geht, werden aber nicht gehört, weil sich andere mit ihren Eitelkeiten stets durchgesetzt haben.

Und sportlich muss ich dem HSV vorwerfen, dass er im Mittelfeld einfach zu schlecht aufgestellt ist. Daran vor allem krankt das Spiel – schon viel zu lange. Ich finde ja auch, dass gute Leute wie zuletzt van der Vaart zu schnell verkauft werden. Und früher auch schon: Mussten so gute Leute wie von Heesen, Bein, Doll und viele andere wirklich immer verkauft werden? Das war tödlich.

Und, Herr Dörfel, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Gert Dörfel: „Das Trio Jarchow, Fink und Arnesen finde ich gut, dieses Dreieck funktioniert offenbar. Ich glaube zwar nicht daran, dass diese Herren noch die ganz große Sause im Jahr 2012 starten werden, aber der HSV wird wohl auf einem gesicherten Mittelfeldplatz enden. Fink versucht ja emsig, wieder eine Linie in den Laden zu bekommen, und es ist ja auch Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ein, zwei Leute aus dieser Mannschaft sind ja auch recht ordentlich, ich finde den Gökhan Töre zum Beispiel gut, der hat gute Ansätze.

Aber der beste Mann steht für mich ja zwischen den Pfosten: Jaroslav Drobny. Der kam zurück wie Phönix aus der Asche. Zu Beginn hatte er sich von seiner schlechten Abwehr anstecken lassen, und zwar vom allgemeinen Abwärtstrend im HSV. Jetzt aber ist Drobny ganz groß, und ich drücke ihm die Daumen, dass er auch 2012 seine überragende Form bestätigen kann.“

So,
Prost Neujahr!

Es kamen noch einige Beiträge von Euch, und das ist auch gut so. Vielen Dank für Eure Treue und Mitarbeit. Drei Sachen hat das Moderatoren-Team noch einmal herausgepickt:

Von „altona”:

@Dieter und Scholle !

Ich wünsche Euch beiden einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Ich persönlich wünsche mir genau so viel Aktualität für 2012
wie bisher, viel besser geht’s nicht. An den Inhalten scheiden sich bekanntlich die Geister. Das ist gut so und muss auch so bleiben. Ihr werdet es
nicht schaffen, es allen Recht zu machen. Mögen sich auch im kommenden Jahr 2012 möglichst viele Fans und Leser an Euren Beiträgen reiben und diese
durch kluge und witzige Kommentare bereichern. Immer wieder werden ja auch aus dem Leserkreis News gepostet, die – weil gerade frisch im Internet
gefunden – zuerst nur hier und nirgendwo anders zu finden sind. Dies ist ein Zeichen großer Akzeptanz und sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal des
Matz-Ab-Blogs. Bitte behaltet auch Eure “Dickfelligkeit” bei, die ihr Euch in den letzten Monaten erarbeitet habt, denn nichts wäre schlimmer, als
wenn ihr in Euren Beiträgen Stellung zu Kommentaren einiger Leser beziehen würdet, in denen den Verfassern mehrfach der Finger auf der Tastatur
verrutscht ist. Nimmt es mit Humor, hier hilft manchmal auch ein wenig Lockerheit und Toleranz, manche Auswüchse der Verbitterung zu ertragen. Bitte
bewahrt Euch – wie bisher auch – eine gewisse Neutralität und Objektivität und lasst Euch auch in 2012 nicht vor den Karren Einzelner, insbesondere
aus dem Kreis der “Zwölf” zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen spannen. Was wäre die HSV-Welt ohne Euch? Der Blog hat sich seit seinem Bestehen zu
einer festen Instanz des HSV etabliert und gäbe es ihn nicht, bestünde so eine Art Vakuum und man müsste ihn schnellstens erfinden. In diesem Sinne –
macht weiter so, herzliche Neujahrsgrüße auch an das “Moderatorenteam”.

Und dann zum Jahreswechsel noch etwas zum Schmunzeln:

von „Bernado Romeo MS“:

„tja Dieter; mit Troche ist es doch so, wie bei vielen anderen: Nicht konstant genug!!!!!!! Da jagt man solche halt schnell vom Hof. Nicht zu vergessen
sein 2:2 aus leicht abseitsverdächtigter Position, welches uns zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigte…leider aber zu wenig von
solchen Aktionen. Spielte selten durch bei diversen Trainern. Das sagts doch.“

Darauf „Eiches“ Antwort:

Bernado Du Lappen;-)
1. Nicht schnell vom Hof, sondern nach 6 Jahren!
2. Nicht 2:2, sondern 2:3
3. Nicht abseitsverdächtig, sondern total und absolut Abseits!
.
Weitere Fragen? Keine?
.
Guten Rutsch und Gruß an die Holde daheim.

Dem kann ich mich nur anschließen. Nicht dem Lappen, sondern den Gruß an alle „Matz-abber“ und den guten Rutsch. „Scholle“ hat mich angerufen und ausdrücklich darum gebeten, auch in seinem Namen ein herzliches Dankeschön an alles auszurichten, und gleichzeitig alles Gute für 2012 zu wünschen.
Beide tun wird das jetzt. Es war ein turbulentes Jahr, für den HSV, für Euch, für uns. Es ging teilweise drunter und drüber, nicht immer wurde guter oder bester Fußball geboten, nicht immer wurde hier der beste Ton getroffen.
Nun ist 2011 gelaufen, und wir bedanken uns trotz allem recht herzlich. Weil es hier so viele gute Menschen gibt, die diesen Laden auch mit Menschlichkeit unterstützen, ihn damit auch am Leben erhalten.
Danke, danke, danke dafür. Ich weiß, wir wissen es, zu schätzen.

Feiert schön, treibt es nicht zu bunt (Alkohol!) – und dann auf ein Neues in 2012. Ich hoffe mit Euch, dass es mit dem HSV wieder (oder weiter) bergauf gehen wird – und dass auch „Matz ab“ weiterhin bestehen bleibt und von Euch weiter so gut angenommen wird.
Wir, „Scholle“ und ich, werden unser Bestes geben.

Darauf trinken wir. Einen!

Prost Neujahr!

16.09 Uhr

Trochowskis Leben in Spanien

30. Dezember 2011

Um 14.52 Uhr klingelt es an der Tür. „Einen Moment bitte mal, ich muss kurz zur Tür“, sagt mein Gesprächspartner, dann legt er sein Handy zur Seite. Ich kann nichts sehen, kann nur zuhören. Und bin begeistert. Vor der Tür steht ganz offensichtlich eine Spanierin, und die spricht schnell und ohne Pause mit Piotr Trochowski. Ich denke so bei mir: „Ob diese Frau schon mitbekommen hat, dass sie mit einem Deutschen spricht?“ Plötzlich die Antwort an die Dame. Spanisch. Nein, es kommt mir nicht Spanisch vor, es ist Spanisch. So, wie es sich anhört, ist es perfekt. „Troche“ spricht fließend wie die Dame, er spricht ohne Pause, er spricht voller Selbstbewusstsein. Unglaublich. Ich staune nur. Und als er der Dame erklärt hat, dass er gerade ein Telefonat mit Hamburg führt, als er die Tür wieder geschlossen hat und sein Handy wieder in die Hand nimmt, da sagt er: „Sorry. Aber ich habe mich beeilt.“ Ich halte mit meiner Begeisterung nicht zurück: „Troche, das ist ja unglaublich. Du sprichst ja perfekt Spanisch – wie geht das?“ Er: „Ich wollte es anders machen, als die Spieler, die aus dem Ausland zum HSV gekommen sind. Oft können sie nach einem halben Jahr oder noch länger kein Deutsch. Das wollte ich mir nicht zum Vorbild nehmen, also habe ich, als der Vertrag mit dem FC Sevilla im April perfekt war, sofort damit begonnen, Spanisch zu lernen. Im Auto habe ich immer nur spanische CD’s gehört. Und inzwischen unterhalte ich mich mit jedem hier auf Spanisch, gebe auch Interviews auf Spanisch – alles kein Problem mehr.“ Er fügt noch hinzu: „Ich wusste, dass sie hier alle kein Englisch sprechen, also blieb mir nichts übrig, als Spanisch zu lernen.“ Das hätte ich, das gebe ich zu, niemals erwartet. Großes Kompliment, Piotr Trochowski!

Über Weihnachten war er mal wieder in Hamburg. Bei seiner Familie, seinen Freunden – in seiner Wohnung, die er immer noch hier hat. „Es war einfach nur schön. Aber zu kurz. Nur fünf Tage. Es war schnell, intensiv, aber es hat Spaß gebracht. Und wenn ich schon mal hier bin, dann muss ich eben alle sehen, die Familie und die Freunde, das ist dann ein volles Programm. Zudem musste ich ja für Weihnachten Geschenke einkaufen und einpacken, dafür ging auch eine Menge Zeit drauf. Insgesamt war es schön, aber auch anstrengend.“

Im Sommer hat er Hamburg verlassen. Ich habe lange überlegt, wie diese Geschichte, die ich jetzt schreibe, heißen soll. Lange hatte ich den Gedanken: „Der kleine Dribbelkünstler setzt sich durch.“ Das habe ich schnell verworfen. Dann: „Von einem der auszog . . .“ Und weiter war mein Gedanke: „ . . . weil sie ihn beim HSV nicht mehr wollten.“ Oder: „. . . weil sie ihn hier vom Hof gejagt haben.“ Das klang mir aber dann doch zu hart. Obwohl doch viel Wahrheit dran ist. An beiden Versionen. Ich erinnere mich noch ganz genau: Im Frühjahr bahnte sich sein Wechsel zum FC Sevilla an. Damals bat mich ein HSV-Verantwortlicher, nichts mehr davon zu schreiben, dass Trochowski keine Zukunft mehr beim HSV hätte. Die Begründung wurde mir gleich mitgeliefert: „Dann könnte sich der Deal mit Sevilla vielleicht doch noch zerschlagen, denn was sollen die mit einem Spieler, den der HSV nicht mehr will . . ?“ Gebeten, geschwiegen – Wechsel geklappt.

Obwohl ich es bis heute nicht verstehen kann, noch immer nicht verstehen kann, wieso in Hamburg mit einem deutschen Nationalspieler so verfahren wurde? Und zwar von allen. Nicht nur vom HSV. 35 Länderspiele hat Trochowski gemacht, er wurde mit 2010 Deutschland WM-Dritter – sein bislang letztes Länderspiel hat er im WM-Halbfinale ausgerechnet gegen Spanien bestritten. Warum? Warum gerät ein solcher Spieler so in die Kritik? Wegen seiner Kringel, die er auf den Rasen hinlegte? Wegen seiner offenen Worte, wenn er gelegentlich über Ziele und andere Klubs sprach? Das allein kann es nicht gewesen sein, irgendetwas muss es aber gewesen sein – doch das ist für ihn längst abgehakt. Und für mich jetzt auch. Er fühlt sich wohl in Sevilla, sauwohl sogar. Er hat nichts falsch gemacht, als er im Frühjahr bei einem in Europa sehr angesehenen spanischen Spitzen-Klub für gleich vier Jahre unterschrieb. Damals wurde diese Zeremonie von vielen mit einem süffisanten Lächeln begleitet. Heute sagte er: „Ich habe alle Spiele, die ich mitmachen konnte, auch mitgemacht. Und das in der besten Liga der Welt.“ Stolz klingt mit, in seinen Worten, und dieser Stolz ist in meinen Augen auch völlig berechtigt.

In den Länderspielpausen hatte Trochowski immer frei, weil Jogi Löw ihn nicht mehr anruft. In diesen Zeiten flog der dreimal nach Hamburg. Weil er Hamburg immer noch im Herzen hat. Und alle unliebsamen Sachen, die er hier erlebt hat: „Abgehakt.“ Sagt er. Und weiter: „Weil ich doch viele, sehr viele schöne Zeiten in den sechseinhalb Jahren hier hatte. In der Europa League im Halbfinale, im DFB-Pokal im Halbfinale, das war doch was. Ich denke an das Positive, denke nicht an das Schlechte. Und beim HSV wurde ich ja auch Nationalspieler. Hamburg ist meine Heimat, daran wird sich nichts ändern. Wenn ich hier bin, dann blühe ich auf. Dann freue ich mich einfach, wieder hier zu sein. Egal ob es regnet, egal was für ein Wetter gerade ist.“ Von Sevilla schwärmt er: „Das ist der Gegensatz zu Hamburg. Eher klein, ein wenig verträumt, viele alte Gebäude – und immer Sonne. Das ist einfach traumhaft. Ich habe eine Stunde zum Strand. Und im Winter trainiert man hier bei 16 Grad, das ist doch super.“

Er fährt in Sevilla noch immer seinen Mercedes mit deutschem Kennzeichen, und er bewohnt mit Ehefrau Melanie eine Wohnung in der Stadt. „Ich wollte nicht an den Rand, so wie in Hamburg Henstedt-Ulzburg oder Norderstedt, ich wollte mittendrin sein, wenn ich vor die Tür gehe. Noch wohnen wir aber nicht in der richtigen Wohnung, denn es ist schwer, hier eine passende Wohnung zu finden“, sagt er. Weil Melli zum ersten Mal in ihrem jungen Leben von zu Hause weg ist, fliegt sie noch öfters heim. „Mir ist der Gang von Hamburg nach Sevilla leichter gefallen, weil ich das als Fußballer ja gewohnt war“, sagt er und ergänzt: „Der Wechsel hat sich absolut gelohnt, ich habe nichts, wirklich nichts zu bereuen.“

Gleich zu Saisonbeginn wurde Piotr Trochowski vom Platz gestellt. Eine Erfahrung, die er in Hamburg nie machen musste. Aber wieso? Er erklärt: „Zweimal Gelb. Ich bin zweimal zu hart eingestiegen.“ Wie ist das überhaupt? Wie erlebt er es, in Spanien zu spielen? Ist es härter? „Nein, härter ist es ganz sicher nicht. Es ist aber schneller. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass sie hier alle, von vorne bis hinten, sogar bis zum Torwart, eine solide Grundtechnik haben, hier wird technisch anspruchsvoller gespielt. Hier sind sie alle zierlicher, quirliger, alle können sie super mit dem Ball umgehen. Härter aber ist es hier nicht, ich werde hier nicht anders als in Deutschland attackiert.“

Gibt es denn noch andere Unterschiede zum deutschen Fußball? Er sagt: „Ja. Das Training zum Beispiel.“ Und was? „Unser Trainer ist in allen Übungen unheimlich präzise, er ist ein Perfektionist. Und dazu haben wir in der Vorbereitung kaum Läufe absolviert. Wir haben alles mit dem Ball gemacht, wenn Läufe, dann beschränkte sich das auf eine kurze und intensive Zeit. Monotones Laufen, wie es in Deutschland in der Vorbereitung so oft gemacht wird, das gibt es in Spanien nicht. Das hat ja auch nicht wirklich etwas mit Fußball zu tun. Hier ist alles auf das Spiel ausgelegt.“

Sätze, wie sie mir einst auch Ruud van Nistelrooy gesagt hat – als er staunte, wie hier in Deutschland vor Beginn einer Saison trainiert wird.

Gleich im ersten Punktspiel gab es für „Troche“ das Wiedersehen mit van Nistelrooy und Joris Mathijsen. In Sevilla wurde der FC Malaga mit 2:1 besiegt. Nach dem Spiel flogen Ruud und „Troche“ gemeinsam nach Hamburg, weil es dort noch etwas zu erledigen gab.

Die Nationalmannschaft ist immer noch sein Ziel: „Davon träumt doch jeder Spieler. Und ich werde wieder angreifen und versuchen, wieder auf den Zug aufzuspringen.“ Über die Chancen sagt er: „Ich habe oft gespielt, bin jetzt ja erst ein halbes Jahr hier. Es ist noch ausbaufähig, mein Spiel kann auch – ganz klar – noch besser werden, aber bislang läuft es ganz gut.“ Der FC Sevilla ist Tabellensechster, hat eine gute Mannschaft, die Konkurrenz für Piotr Trochowski ist groß. Er sagt über die Ziele: „Wir sind bislang nicht zufrieden mit Platz sechs, unser Ziel ist die Champions League. Wir sind besser als wir zurzeit stehen, aber wir hatten zwischendurch auch eine schlechtere Phase, als wir in vier Spielen nur zwei Punkte gemacht haben. Das muss besser werden.“

Zum HSV hat er hin und wieder noch Kontakt. Per Telefon. Mit Dennis Aogo und Marinus Bester, den Jürgen Ahlert habe ich hier mal getroffen.“ Deutsches Fernsehen hat er nicht, hat deshalb auch nur einmal ein HSV-Spiel in einer Sportsbar live gesehen, die Heimniederlage gegen Schalke: „Da hat der HSV ganz gut gespielt, das hätten sie nicht verlieren müssen.“ Da hat er auch seinen „Nachfolger“ gesehen, den jungen Zhi Gin Lam. Trochowski: „Der gefiel mir gut, er hat viele sehr gute Sachen gemacht, hat mit Tempo nach vorne gespielt, hat ohne Scheu aufgespielt – das war schon okay.“ Obwohl er ja ein kleiner Spieler ist. Wie Trochowski auch. Der reklamiert aber sofort: „Wenn du hier Xavi und Messi siehst, die wiegen gerade mal 60 Kilo, das sind Fliegengewichte und sind dennoch die besten Spieler der Welt. Die Größe hat nichts damit zu tun, wie man Fußball spielt, man muss nur Fußball spielen können.“

Apropos Weltstars. Wie ist es, wenn er gegen Barcelona oder Real Madrid spielt? „Das ist schon etwas Besonderes, ganz klar, wenn man sich mit solchen Stars messen kann. Gegen Real haben wir kürzlich ja 2:6 auf den Kopf bekommen, das war ganz bitter, denn wir hatten in Halbzeit eins mehr Spielanteile und die besseren Chancen. Real hatte drei Möglichkeiten und macht daraus drei Treffer. Daran kann man erst einmal die Effektivität solcher Stars sehen, das war unglaublich. Die machen nicht viel, die machen aber das meiste richtig. Das ist der Unterschied.“

Und Barcelona? Am 22. Oktober hat der FC Sevilla – mit Piotr Trochowski – 0:0 bei der zurzeit weltbesten Mannschaft gespielt. Wie war das? Trochowski: „Unfassbar. Barcelona ist noch besser, noch extremer als Real. Unsere Leistung an diesem Tag war super, wir waren nur defensiv eingestellt – und kamen nur ganz selten an den Ball. Den hält Barcelona fast perfekt. Und wenn du den Ball tatsächlich einmal hast, dann ist der Weg bis zum Tor so weit, da liegen dann 60, 70 Meter vor dir. Und du bist von den defensive Aktionen schon so kaputt, dass du die Aktionen gar nicht mehr voll konzentriert zum Abschluss bringen kannst. Das merken die Gegenspieler sofort, die attackieren dich sofort – da ist es sehr, sehr schwer, überhaupt mitspielen zu können. Barcelona ist wirklich unglaublich, eine solche Mannschaft habe ich noch nie erlebt.“

Und wie feiert dann der „kleine“ FC Sevilla ein 0:0 bei einer solchen Übermannschaft? Piotr Trochowski: „Gar nicht groß. Von einem 0:0 in Barcelona kann man sich ja nicht viel kaufen. Das ist genauso wie in Hamburg, wenn wir gegen den FC Bayern gewonnen haben. Dann kommt der nächste Gegner, und wenn du die Punkte nicht holst, dann ist ein 0:0 gegen den großen Klub schlicht vergessen – so ist das.“

Zum Schluss, das ist nicht vergessen, frage ich noch eine Frage zum HSV. Steigt der HSV ab? „Troche“ wie aus der Pistole geschossen: „Niemals. Das wird nicht passieren. Die werden diese Saison überstehen, und dann wird es darauf ankommen, was sie draus machen. Aber Abstieg wird in dieser Saison kein Thema sein, denn die Mannschaft ist ja wieder im Kommen, und die Fans werden schon richtig gut helfen. Und ich vertraue Thorsten Fink, mit dem ich ja schon beim FC Bayern gespielt habe – ein guter Typ, er wird es schon richten, keine Angst.“

Okay, „Troche“ das wollen wir Dir dann mal so glauben. Und alles Gute weiter in Spanien. Bereist am 5. Januar geht es ja weiter, dann spielt der FC Sevilla beim FC Valencia – gleich ein Hammer-Auftakt. Wie der des HSV.

18.03 Uhr

Ditmar Jakobs will keine “Pappnase” sein

29. Dezember 2011

Er hat 323 Bundesliga-Spiele absolviert, ist heute 58 Jahre alt, war HSV-Kapitän und erfolgreicher Nationalspieler, Vize-Weltmeister – und trägt die Raute immer noch fest im Herzen. Ein Gespräch mit Ditmar Jakobs ist immer etwas Besonderes und etwas Schönes, auch diesmal war das so. Ich sprach mit dem ehemaligen Stopper, der sein letztes Spiel für den HSV am 20. September 1989 bestritt (der Karabinerhaken-Unfall), über den heutigen HSV. Und war überrascht von so mancher Antwort. „Jako“ ist mit Feuer und Flamme bei der Sache, weiß alles, kennt jeden, macht sich sein eigenes Bild. In diesem Gespräch war Biss drin – so wie wir ihn alle kennen.

Ditmar, machst Du Dir eigentlich Sorgen um den HSV, der ja durchaus absteigen könnte?
Ditmar Jakobs: „Nein, im Moment mache ich mir keine Sorgen, denn ich glaube nicht, dass die Mannschaft noch einmal so schlecht spielt, wie sie es zu Saisonbeginn tat. Natürlich hängt auch viel von einem guten Start in die Rückrunde ab, und das Programm ist ja alles andere als leicht, aber die Mannschaft ist ja jetzt deutlich besser und stabiler geworden. Nein, ganz klar, ich habe keine Angst vor dem Abstieg.“

Das überrascht mich jetzt schon in der Deutlichkeit. Wieso keine Angst?
Jakobs: Die Spieler sind näher aneinander gerückt, und sie vermitteln mir den Eindruck, als hätten sie den Ernst der Lage erkannt. Sorgen würde ich mir erst dann machen, wenn der HSV auf einem Abstiegsplatz stehen würde, und dann vier oder fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hätte – dann würde ich mir Sorgen machen, große Sorgen sogar. Wenn sie so spielen wie zuletzt, wenn sie auch dann und wann mal das Tor besser treffen, dann werden sie da stehen, wo sie zurzeit stehen, im Mittelfeld.

Der HSV wollte, so die früheren Ziele der Verantwortlichen, schon längst wieder zu den Großen in Europa gehören, es ist aber genau das Gegenteil eingetreten – wieso?

Jakobs: „Warum denn wohl? Guckt euch doch mal den Weg an, den wir gegangen sind. Den kennen ja jetzt alle. Den wollten doch alle gehen, und alle haben gesagt, dass wir ihn gehen müssen, alle haben auch gesagt, dass sie ihn mitgehen werden. Der Umbruch musste kommen, ganz klar. Nur das war der Weg. Nur wird dann in den Medien stets sehr schnell vergessen, dass sie diesen Weg einst mitgehen wollten. Sie haben es alle gesagt, aber nach den ersten Niederlagen war das Geschrei gleich riesig. Dabei gab es keinen anderen Weg.“

Aber jedes Jahr ging es irgendwie einen Schritt bergab, und jedes Jahr gab es mindestens einen neuen Trainer . . .

Jakobs unterbricht: „Leute, Leute, Leute, Leute. Wer hat denn einst die hohen Ziele des HSV formuliert und vorgegeben und in die Welt gesetzt? Das waren doch Leute wie Hoffmann, was weiß ich. Das aber ist doch längst schon zu den Akten gelegt worden. Von allen. Wir, der Klub und die Medien doch auch. Deswegen ist es mir auch völlig unverständlich, warum die Medien auf einmal an diese Ziele erinnerten, dass sie auf einmal forderten, diese Ziele noch zu erreichen, dass sie begannen, wieder aus jeden und alle drauf zu hauen. Wir aber wollen keinen internationalen Wettbewerb, wir haben gesagt, dass wir jetzt mit einem Drei- oder Fünf-Jahres-Plan arbeiten werden, wir wollen uns erst einmal wieder national etablieren, erst dann wieder international erscheinen, und wir wollen vor allem Kontinuität, indem wir kontinuierlich gut arbeiten.“

Aber jedes Jahr einen neuen Trainer . . .

Jakobs unterbricht erneut: „Das ist doch aber jetzt Vergangenheit, das ist Schnee von gestern. Wir sind in der Gegenwart, wir gucken nur in die Zukunft. Und die Gegenwart sagt mir, dass wir im Moment Kontinuität drin haben.

Und wohl auch Ruhe, oder täuscht das`?

Jakobs: „Nein, Ruhe haben wir auch. Das wollten wir ja auch, das ist genau das, was wir wollten – alle. Der Klub muss in Ruhe arbeiten können, also lassen wir ihn in Ruhe arbeiten, sollten es auf jeden Fall versuchen. Obwohl ich auch ganz klar sagen muss, dass es nicht so sein darf, dass wir alles kommentarlos hinnehmen müssen, was da gemacht wird, so ist es ja auch nicht. Nur, das muss ich noch einmal sagen, nur war es so, dass jedem klar war, dass wir diesen Schnitt machen müssen, weil wir von dem Lohngefüge runter mussten, wir mussten das Lohngefüge herunterschrauben, deswegen mussten Leistungsträger, die viel verdienten, auch gehen. Nur so ging es doch. Und deswegen wurde es auch so gemacht. Ob wir die richtigen Spieler gehen ließen, ob wir die richtigen jungen Leute geholt haben, das steht auf einem ganz anderen Blatt, ist jetzt aber auch nicht gefragt. Wir haben den Schnitt gemacht, haben den Sprung ins kalte Wasser gewagt, alle sind mit uns ins kalte Wasser gesprungen – und nun sollte man die Leute auch erst einmal vernünftig arbeiten lassen. Momentan sieht es ja so aus, als wäre die richtige Truppe beisammen.“

Vertraust Du denn der jetzigen Klubführung uneingeschränkt?

Jakobs: „Ich habe zu jedem Mann eine eigenen Meinung, und ich hoffe darauf, dass sie sich auch auf ihren Job beschränken. Die, die sportlich die Verantwortung haben, die sollten auch zu den sportlichen Dingen Auskunft geben, und die, die im Marketingbereich arbeiten, die sollten nur über den Marketingbereich reden. Das wird im Moment auch gemacht. Wir haben im Moment einen Super-Vorstand. Und ich sehe den HSV auf dem richtigen Wege.

Sportlich gesehen: Von welchem Spieler oder von welchen Spielern erwartest Du 2012 den Durchbruch?

Jakobs: „Ich hoffe, dass alle den Durchbruch schaffen. Aber das sind junge Leute, die unterliegen auch Formschwankungen. Und die sind nach Deutschland gekommen, ohne unsere Sprach zu können. Da tut sich jeder schwer. Frag mal einen deutschen Spieler, ob der nach einem Vereinswechsel innerhalb Deutschlands sofort seine Leistung gebracht hat? Frag mal Marcell Jansen, wie der sich bei den Bayern gefühlt hat, als er dort neu war? Oder einen Mladen Petric, als der nach Dortmund gekommen ist? Die sind nicht auf Anhieb zurechtgekommen. Das ist so. Und das ist auch erst recht so, wenn junge ausländische Spieler nach Deutschland kommen. Es ist höchst selten einmal der Fall, dass solche Spieler auf Anhieb 100 Prozent bringen. Deswegen sage ich, dass wir unseren Leuten Zeit geben, ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr. Lasst ihnen Zeit. Man sollte nicht immer nur fordern, man sollte die jungen Leute auch fördern. Nicht nur die Trainer und Manager, sondern auch die Medien – und die Fans.“

Bist Du überrascht von Frank Arnesen, der ja zu Beginn einiges um die Ohren bekommen hat?

Jakobs: „Der hat doch nichts um die Ohren bekommen. Ach du heiliger Bimbam, der hat doch nichts um die Ohren bekommen. Das, was er um die Ohren bekam, war doch nur pille-palle. Das war nichts. Und wenn ich mich recht erinnere, so standen die Medien doch immer eisern zu ihm. Nein, nein, da war gar nichts. Und der Thorsten Fink bekommt, völlig richtig, auch nichts um die Ohren, weil er ja noch kein Bundesliga-Spiel verloren hat. Es ist doch Ruhe. Und das ist auch gut so. Wichtig ist, dass die jungen Leute auch weiterhin ihre Chance beim HSV bekommen, denn nur so klappt auch der Umbruch.“

Auch die jungen Ochsenzoll-Leute von Rodolfo Cardoso?

Jakobs: „Natürlich. Ganz wichtig. Ganz Ochsenzoll guckt doch zu einem Spieler, der mal bei den Profis eingesetzt wird. Wenn der es schafft, wenn er auch dabei bleibt, dann ist das ein großer Ansporn für jeden, der ebenfalls darauf hofft. Der sieht dann doch, dass es nicht unmöglich ist. Aber wenn einer mal schwache zehn Minuten hat und dann sofort verdammt wird, das ist dann der denkbar schlechteste Weg. Das macht jeden mutlos. Und dann sind wir schnell wieder dabei, dass der eine oder andere zu sich sagt: ‚Dann gehe ich lieber nach Osnabrück.’ Und das darf nicht sein.“

Themawechsel: Am 15. Januar ist Hauptversammlung. Bist Du dabei?

Jakobs: „Nein. Was soll ich da?“

Sich sehen lassen, Interesse zeigen – und eventuell einmal bereit sein, ein Amt zu übernehmen. Du wirst doch ab und an mal mit dem Aufsichtsrat in Verbindung gebracht.

Jakobs: „Das will ich nicht. Ich gehe auch niemals in den Aufsichtsrat. Das habe ich immer gesagt. So lange da zwölf Leute drin sind, werde ich niemals in den Aufsichtsrat gehen. Ich will mich nämlich nicht lächerlich machen. Man ist als einer von zwölf nur eine Pappnase. Da sitzen zwölf Pappnasen herum. Wie soll man da mal Grund hineinbekommen? Wieso sollte ein Kaufmann, der viel von Finanzen versteht, über sportliche Dinge im HSV entscheiden? Wieso? Das sehe ich gar nicht ein. Und derjenige, der sportliche Kompetenz hat, wird nach innen dann stets überstimmt, muss aber in der Außenwirkung immer schön seinen Kopf hinhalten? Ich möchte nie eine Pappnase sein. Deswegen – muss ich mir das antun? Nein, nein, da setze ich meine Prioritäten doch ganz, ganz anders.“

Letzte Frage: Ist es richtig, dass der HSV David Jarolim gehen lässt?

Jakobs: „Ich bin kein Freund von Jarolims Spielweise. Aber ich bin einer der weiß, wie wertvoll ein David Jarolim für seine Mannschaft sein kann. Ich finde es schade, dass er jetzt so aufhört, er hätte es anders verdient, keine Frage. Er ist ein wichtiger Spieler für den HSV gewesen, und ich glaube sogar, dass er es noch immer sein könnte. Schade für ihn.

So, das war das Gespräch mit Ditmar Jakobs. Hoffentlich kommt dabei rüber, wie viel Feuer darin war. Danke, „Jako“, und alles Gute für 2012.

Kurz noch zu den Mails, die „Matz ab“ zu dem Bericht „Der HSV und seien Manager“ erhalten hat. Es waren einige mehr, als sie hier jetzt gezeigt werden, aber diese sind es nun einmal:

von „altona“:

Dieter: Danke für den “Winterpausenfüller” Manager des HSV”. Habe ich mit großem Interesse gelesen, obwohl nicht ganz so viel Neues zu lesen war.
Macht aber nichts. An einigen Stellen hätte es gerne noch ausführlicher sein können, z.B. warum sich Huhnke/Volkert und Wulf/Bruchhagen nicht mochten.
Ich erinnere mich noch daran, dass Trikotsponsor TV-Spielfilm auf Grund des Zoffs zwischen Wulf/Bruchhagen für ein Spiel seine Werbung von den Trikots
zurückzog. Bruchhagen ist ja immer noch im Profifussball mehr oder weniger erfolgreich tätig. Wulf dagegen hat es ja nur über die Hintertür gerade mal
wieder zurück ins Kabinett der Eitelkeiten geschafft, damit er wieder Mitglied der ruhmreichen HSV-Familie sein darf, jedenfalls solange, bis neu
gewählt wird…

von „trainerglück“:

Wäre der gestrige Blog eine Printausgabe gewesen, hätte ich mir noch nicht einmal die Mühe gemacht, zwischen Altpapier und Hausmüll zu unterscheiden.
Und dann kommt Dieter wie Kai aus der Kiste und zaubert uns ein schönes Nähkästchen.
Vielen Dank und bitte mehr davon!

von „pwehsv“:

Ich finde, die Masseure sollten auch noch zu ihrem Recht kommen, wenn auch alle neben Herrmann verblassen :)

von „matchball“:

Ist das nicht herrlich, ich glaube da scheint Herr Matz mit seiner Retrospektive in Sachen Management eine Lawine losgetreten zu haben, die bis zum
nächsten Blog eine Welle der Abneigung offenbaren wird gegen alles was sich erfolglos im Bürosessel gedreht hat…
Sir Erich bekommt selbstverständlich die meisten Prügel und wird auch nach so vielen Jahren noch ultimativ verbal geteert und gefedert.
Ich freue mich jetzt schon auf den Trainerblog.
Und dann muss ein ganz spezieller Rückblick auf die gefühlten 500 Spieler Pflicht sein, die in den letzten 25 jahren für den HSV Trikot- und
Sponsorenpflege betrieben haben. Da waren so viele exzellente Talente und Superstars dabei, dass es locker bis zum Trainingsauftakt für mehrere Blogs
langt…

von „HSVLuenen“:

Danke Dieter, beim Lesen kamen doch einige Erinnerungen hoch. Allerdings haben sich dabei doch bei den einen oder anderen Namen heute noch die Nackenhaare gekräuselt.
Bei Felix Magath ist mir aufgefallen, der konnte damals schon nicht einkaufen.
Dieter, vergessen hast Du, dass Dr.Krohn aber auch den “Welttrainer” Rudi Gutendorf geholt hat. Die Beiden haben doch die zukünftige Taktik Des HSV gemeinsam und Medienwirksam in den Sand auf Sylt geritzt.

von „nordbert“:

Als “Knüller” fallen mir eher Cristian Ledesma (der hier irgendwie nie eine richtige Chance bekam – weiß man inzwischen eigentlich, ob ihn HH oder DB
geholt hat?), Thiago Neves, der Golfkart-Mann, oder Carlos Alberto ein, der uns dann ja zum Glück doch noch weggeschnappt wurde, was man aber nicht
UNSEREM Vorstand bzw. Sportchef zuschreiben kann.

So, zu Nordbert möchte ich scnell noch sagen, dass ich – so glaube ich jedenfalls – schon einmal etwas über Ledesma und den HSV geschrieben habe. Da ich noch heute ein Tonband habe (aufbewahrt!), das ein Gespräch mit dem damaligen HSV-Trainer Kurt Jara und meiner Person festgehalten hat, gebe ich dieses Gespräch noch einmal zum Besten. Sportchef des HSV war damals übrigens Holger Hieronymus, Klub-Chef Werner Hackmann.

Hier das damalige Interview im Wortlaut:

Matz: Herr Jara, Sie haben gesagt, dass Sie die Verantwortung für die Mannschaft haben. Das trifft aber doch nicht für den Kauf von Cristian Ledesma zu, oder?

Kurt Jara: „In dem Fall ist es so gewesen, ganz klar, dass ich gesagt habe, dass wir auf dieser Position Spieler haben. Aber der Sportchef kam, er hat gesagt, dass wir den Ledesma haben können er will ihn auch. Und dann habe ich gesagt: Ja, ich habe ihn auf Video gesehen, der Mann hat Talent, der ist 23 Jahre, das wird seine erste Auslandsstation – der kann einer sein, dass kann einer werden. Der war ja in Argentinien auch erst seit einem Jahr Stammspieler. Sicher ist die Ablösesumme der große Rucksack, wie sie es bei Jörg Albertz auch war. Es ist ja auch nicht so, dass nicht nur bei uns solche Spieler nicht spielen, der Matellan hat auch bei Schalke lange Zeit nicht gespielt. Solchen Leuten muss man auch Zeit geben.“

Matz: Was mich überrascht: Sie wollten ihn nicht unbedingt, warum haben Sie ihn dann aber genommen?

Jara: „Sagen Sie als Trainer, wenn Sie einen Spieler bekommen, der in Argentinien spielt, mehr oder weniger ein Jahr Stammspieler ist, sagen Sie dann nein? Und dann stehen Sie am Schluss mit drei Punkten da und der Sportchef sagt: ‚Der Trainer wollte den ja nicht . . .’”

Matz: Aber hätten Sie nicht mit Hieronymus sprechen können, dass Sie Ledesma im Grunde gar nicht benötigen? Sie verstanden sich doch so gut mit Hieronymus…

Jara: „Es ist ja nicht so, dass ich ihn nicht unbedingt wollte. Ich habe gesagt, wir nehmen den, und wenn er sich durchsetzt, dann spielt er. Gegen Hannover hat er sich eine Halbzeit lang durchgesetzt, gegen Bremen hat er sich nicht durchgesetzt. Das argentinische Spiel wollen wir ihm ja nicht wegnehmen, aber er hat in Bremen wie gegen Bayern zweimal attackiert, wie es nicht geht. Gegen Bayern gab es dann Gegentore. Die Attacke gegen Salihamidzic, die zum 0:2 führte, da haben der Manni Linzmaier und ich schon darauf hingewiesen, so wie er sie da gefahren hat, die hat er auch schon in Argentinien gemacht. Nur war da seine Mannschaft jedes Mal zwei Klassen stärker als der Gegner. Ledesma hat seine Fähigkeiten, er hat Talent, er muss sich nur durchsetzen. Wenn man Wicky in der Vorbereitung gesehen hat, dann war der eben stärker. Ich kann ja nicht sagen: Ledesma hat vier Millionen Euro gekostet, deswegen muss er spielen.“

Und ganz kurz, wirklich kurz zu den Fragen, warum sich einige Herren nicht so gut verstanden haben. Ja, warum versteht man sich nicht? Generell muss ich mal schreiben, dass es bei vielen Leuten unterschiedliche Auffassungen über die Arbeitsweise, über die Pünktlichkeit, über den Einsatz gab. Es gab dabei auch schon mal die eine oder andere Abmahnung, die dann aber nicht an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Das war nicht nur in den oben erwähnten Fällen so – oder so ähnlich. Gibt es immer wieder einmal, wird es auch wohl in Zukunft noch das eine oder andere Mal geben – wenn im Moment bei der jetzigen Führung auch kaum vorstellbar. Aber es kommen ja auch noch eines fernen Tages und irgendwann mal auch wieder andere Leute an die Macht . . .

Nun aber. Das war es für heute. Einen wunderschönen Feierabend wünswche ich Euch – bis morgen in alter Frische.

17.23 Uhr

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

Halbzeit-Bilanz Teil drei

27. Dezember 2011

Teil drei der Bilanz – das wird eventuell ja brisant. Deswegen möchte ich vorher ganz schnell noch einmal weihnachtlich werden. Oft wurde ich heute gefragt, wie das Fest denn für mich war. Na ja, ruhig, besinnlich, familiär. Und irgendwie auch ein wenig nervig – habe ich geantwortet. Wie nervig? Ja, nervig deswegen, weil ich einen besonderen Kampf zu bestehen hatte. Heiligabend. Ich sehe auf dem Balkon noch einmal auf den angebratenen, dort für den nächsten Tag geparkten Puter. Es ist dunkel, ich lasse die Tür weit auf, kümmere mich auch nicht um das Fliegengitter, das sonst vor der Tür still seine Pflicht erfüllt. Was soll am Heiligabend denn noch durch die Luft schwirren – und dann zu uns rein wollen? Gegen Mitternacht ging es dann ins Bett, ein wenig Fernsehen an zum Berieseln – und da: plötzlich eine Mücke auf dem Bildschirm. Nicht von innen, sondern von außen. Also in unserem Schlafzimmer. Der Auftakt zu einer unruhigen Nacht.

„Lass die Mücke doch, die stechen jetzt nicht mehr“, sagte Frau M. zu mir. Ich zu ihr: „Wissen das auch die Mücken? Das höre ich schon seit dem Herbst – von allen möglichen Leuten: „Keine Angst, du kannst das Fenster ruhig geöffnet haben, wenn die Mücken kommen – die stechen jetzt nicht mehr . . .“ Toll. Und sie haben dann immer doch noch gestochen. Als diese Heiligabend-Mücke auf dem Bildschirm saß, das versuchte ich sie zu – töten. Sie flog weg. Zweimal. Und dann kam sie nicht wieder. Ich stehe also auf, Vollbeleuchtung. Sie ist nicht zu finden. Frau M. hat die Augen dicht, aber die Mücke ist weg. Frechheit. Ich weiß genau, dass ich sie nicht erwischt habe, aber sie ist weg. Ich sehe in jeden Winkel, jede Ecke, an die Lampen – null Mücke. Licht aus, Fernsehen aus – gute Nacht. Vorsichtshalber lege ich mich auf die rechte Seite, weil sich mein rechtes Ohr schon seit geraumer Zeit von 100 Prozent verabschiedet hat. Mit links will ich nun hören, ob die Mücke einen neuen Anlauf nimmt. Und sie nimmt. Ich hatte nichts anderes erwartet. Skandal. Um nicht am Körper gestochen zu werden, verkrieche ich mich total unter der Decke. Und schwitze wie in der Sauna. Dann dieses so unangenehme Surren dieser unangenehmen Mücke. Dieses feine und gemeine, so hohe und unangenehme Sirren – oder was ist es? Blöd auf jeden Fall. Ich schlage mit der Hand und in absoluter Dunkelheit nach dem Mistviech. Treffe natürlich nicht. Und mehrfach wiederholt sich dieses Schauspiel, das niemand sieht. Zum Glück. Es ist drei Uhr geworden, vier Uhr geworden – und später. Ich bekomme diese Mücke nicht zu fassen. Irgendwann schlafe ich dann ein. In der Hoffnung, nicht gestochen zu werden. Frau M. hatte ja gesagt, die stechen jetzt nicht mehr. Und viele andere Menschen gaben mir diesen Rat ja ebenfalls. Das muss diese Mücke gehört haben. Sie hat mich nicht gestochen. Und als ich morgen in die Küche kam, da lag die (oder eine) Mücke tot am kalten und gefliesten Boden. Wahrscheinlich war es Selbstmord. Weil sie es gemerkt hatte, dass sie unerwünscht ist (in meinem Leben).

Übrigens: Als ich diese Geschichte am Montag im Kreise der Familie erzählte, da sagte mein Ältester (einer der Moderatoren), der Andre: „Ich habe kürzlich im NDR-Radio die Rubrik ‚Stimmts?’ gehört. Da wurde meines Wissens gesagt, dass es nicht stimmt, dass die Mücken jetzt, oder im Herbst, nicht mehr stechen. Die stechen schon doch noch.“ Aha. Ich finde, allgemein gesagt, dass es eine so komische Zeit geworden ist. Erderwärmung heißt das wohl. Früher war mehr Lametta, zu Weihnachten. Und heute? Da fliegen Mücken durch die Schlafzimmer. Das ist doch einfach nur fies. Und es entsetzt mich immer noch.

So, Ende dieser nachweihnachtlichen Geschichte. Tut mir Leid, wenn sich jemand gelangweilt fühlt.
Wie ich überhaupt darauf gekommen bin, eine solche Geschichte überhaupt hier zu schreiben? Von jener Mücke, aus der man keinen Elefanten machen sollte. Deswegen.
Weil uns ja demnächst ein eventuell höchst brisanter 15. Januar bevorsteht. Da könnte dann schnell aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden. Obwohl es ja zurzeit im HSV – oberflächlich betrachtet – ganz schön ruhig zu sein scheint. Jedenfalls ruhiger, als es der Tabellenstand – oder die Abstiegsgefahr – eigentlich zulassen dürfte. Aber in Hamburg ist eben Ruhe. Vielfach höre ich schon, dass wohl noch nie ein verein aus der Liga abgestiegen ist, bei dem so viel Ruhe und Verständnis und Sachlichkeit und Harmonie herrschte.

Auf den ersten Blick mag es ja auch zutreffen, aber ich habe auch schon gehört, dass am 15. Januar sehr wohl aus einer kleinen Mücke ganz schnell ein Elefant werden könnte. Mal abwarten, wie dieser Tag dann verläuft. Gespannt bin ich jetzt schon mal – riesig sogar.

Wobei ich dann bei den Zeugnissen wäre, die ich noch – wie gestern angekündigt – vergeben möchte. An die sportlich verantwortlichen, auch an die Männer, die an der Spitze des Vereins stehen. Und bevor sich hier schon der eine oder andere User aufregt: Es ist meine ureigenen Meinung, die soll und muss keiner mit mir teilen, sie soll mir auch keiner nehmen (wollen). Ich möchte damit keinerlei Politik betreiben, auch deswegen gibt es für dieses Jahr auch keine Noten mehr für das alte Vorstands-Paar. Das, was da gut oder auch schlechter gelaufen ist, kann ich ohnehin nicht mehr zunichte machen, es ist mir relativ egal, was da passiert ist – damit wird sich dann auch ganz sicher der 15. Januar genügend und ausreichend beschäftigen.

Diesbezüglich hatte ich heute am Nachmittag auch einen Termin – es sollte, so hatte ich es geplant, ein Interview werden. Aber daraus wurde nichts, ich erhielt eine Interview-Absage. Zu brisant sein ein solches Interview im Vorfeld dieser Jahreshauptversammlung, meine vermeintlicher Interview-Partner wolle nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer kippen. Dafür hatte ich dann auch Verständnis, aber ich stehe letztlich ohne Interview da. Und das hätte – meiner Meinung nach – sehr gut zu den Zeugnissen der „hohen Herren“ gepasst. Aber gut, ich kann das auch ganz allein. . .

Um einmal mit dem 15. März zu beginnen. Da übernahm Carl-Edgar Jarchow den HSV-Vorsitz, er „übernahm“ Oliver Scheel und brachte (nein, eigentlich brachte er ihn nicht mit, er wurde ihm zur Seite gestellt) Joachim Hilke mit. Zuerst, so meine Beobachtungen, gab es einige Eingewöhnungs-Probleme, aber die legten sich relativ schnell. Die eben genannten Probleme waren, rückwirkend betrachtet, ja auch völlig normal, denn Jarchow zum Beispiel hatte ja noch nie einen Verein geführt, geschweige denn einen Bundesliga-Klub, der ja ein großes Unternehmen darstellt. Das aber hat der neue Vorsitzende nach und nach glänzend hinbekommen. Für mich ist Carl-Edgar Jarchow schon lange kein Übergangs-Chef mehr, sondern der Klub-Boss, der den Verein sehr gut im Griff hat. Deswegen gibt es für ihn auch
Note zwei.

Joachim Hilke ist dazu ein großartiger „Kronprinz“. Er ist der zweite Mann im HSV, und er muss nicht erst von mir gelobt werden, sondern das tun andere (Insider) schon seit Monaten. Hilke macht einen hervorragenden Job, er tut dem HSV einfach nur gut, auch deshalb, weil er trotz seines großen Erfolgs kein Aufheben um seine Person macht, sondern still und unaufgeregt vor sich hin arbeitet. Da haben sich offenbar zwei gesucht und gefunden, Jarchow und Hilke passen unglaublich gut zusammen, ich denke, dass dem HSV kaum etwas Besseres hätte passieren können. Deswegen auch für Hilke
Note zwei.

Oliver Scheel ist die Nummer drei. Schon vorher gewesen. Jetzt aber erfüllt er sie mit mehr Leben, als vorher. Aus Gründen, über die ich hier nicht mehr schreiben möchte. Da ich mich nicht als Wahlkampfhelfer aufspielen will, denn auch in dieser Beziehung könnte der 15. Januar ja durchaus höchst brisant werden, ergreife ich jetzt nicht Partei für Scheel. In meinen Augen aber hat er durchaus einiges für den HSV getan, und wenn es nur das war, nach außen Ruhe auszustrahlen. Fest steht, dass die drei Herren, Jarchow, Hilke, Scheel, sehr gut, harmonisch und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, so wie es vorher eben nicht der Fall gewesen ist. Und genau auf dies, eine solche Zusammenarbeit habe ich gewartet, gehofft – weil das dem Verein einfach nur gut tun kann. Und das meine Meinung ich auch als HSV-Mitglied.
Aber wie sagte erst kürzlich ein etwas größerer Fan-Vertreter? „Das sehen einige so, und andere eben so. Und noch andere sehen es etwas anders.“ Bei so vielen Mitgliedern bleibt so etwas gar nicht aus.
Kurz noch zu Oliver Scheel, sie fehlt noch, die
Note drei.

Zum Aufsichtsrat. Auch nur ganz kurz. Ich habe das Gefühl, dass es um die Räte in jüngster Zeit etwas ruhiger geworden ist. Was bis zum 15. Januar nicht unbedingt so bleiben wird. Schöne wäre es ja, aber irgendein Störfeuer wird es garantiert noch geben, alles andere wäre dann ja auch doch viel zu ruhig – für den HSV. Die Ruhe in den letzten Wochen tat trotz allem gut. Auch wenn es innerhalb des Aufsichtsrates natürlich nicht immer so einträchtig und harmonisch zuging. Da gibt es unter den zwölf Räten schon einige, die sich mit Argwohn (und etwas Neid?) begegnen. Leider, leider. Auf den Tag aber, an dem sie alle, alle zwölf, an einem Strang ziehen werden und nur zum Wohle des HSV arbeiten, auf den werden wir noch lange warten können. Und ich mit über 60 werde wohl darüber hinwegsterben, ich werde diesen tag nicht mehr erleben. Was eigentlich sehr, sehr schade ist, denn es sollte in einem solchen Gremium doch nur, nicht nur in erster Linie, sondern ausschließlich zum Wohle des HSV gearbeitet werden. Aber hier stehen seit Gründung des Aufsichtsrates immer wieder viele persönliche Interessen („Wie komme ich weg? Wie sehe ich aus? Bin ich auch wichtig genug? Nimmt man vor allem mich in der Stadt auch wahr?) an erster Stelle – und erst dann kommt der HSV.
Wie gesagt, keine Sorge, das wird sich nie ändern. Es sei denn, der Aufsichtsrat wird endlich einmal verkleinert. Aber auch das liegt nicht in meinen Händen.

Abschließend zu den Räten möchte ich noch kurz AR-Chef Ernst-Otto Rieckhoff beurteilen. Der Mann übernahm im Januar 2011, als höchste Not angesagt war. Und er hat, bis auf die turbulente Anfangsphase, einen guten Job gemacht. Er hat vor allem (und in erster Linie er) schnell, blitzschnell sogar für Ruhe im Klub gesorgt. Alles rechnete doch damit, dass nun das Chaos im und rund um den HSV herrschen würde, doch nichts da. Rieckhoff, der sehr wohl (das vergesse ich nicht) vorher auch schon im Aufsichtsrat saß und dabei die Kontrolle über den alten Vorstand hatte, hat, und ich weiß, wovon ich schreibe, Tag und Nacht gearbeitet, um den HSV wieder das richtige Gleis zu stellen. Und es ist ihm gelungen. Sportpolitisch gesehen, nicht sportlich. Ob er dabei nun den einen oder anderen Fehler gemacht hat, ist für mich nicht so wichtig. Wie gesagt, für mich, das gilt nur für mich, niemand muss sich da angesprochen fühlen. Keiner aber kann bestreiten, dass zurzeit Ruhe herrscht im Verein, und das ist auch Rieckhoffs Verdienst. Deswegen gibt es für ihn
Note drei.

Zu den Trainern dieses Jahres.

Mit Armin Veh ging es 2011 weiter, obwohl hinter den Kulissen schon das Ende des Trainers beschlossen war. Und es war tatsächlich so. Erst in letzter Sekunde – und im Hinblick auf die bevorstehende Jahreshauptversammlung – wurde dieser Beschluss wieder gekippt. Es gibt genügend Eingeweihte, die diesen Vorgang bestätigen könnten, es eines Tages auch sicherlich tun werden. Veh sollte seines Amtes entbunden werden, weil er der damaligen Führung zu oft vom „Aufhören“ vorgeschwärmt hatte. Er durfte, wie gesagt, bleiben – allerdings nicht bis zum Saisonende. Mit dem Debakel in und von München war das Fass zum Überlaufen gebracht worden.
Ich habe Armin Veh hier immer verteidigt, weil ich der Meinung war, dass mit dieser Mannschaft, so wie sie damals zusammengestellt war, jeder Trainer seine Schwierigkeiten bekommen hätte. Jeder. Dazu stehe ich immer noch. Heute glaube ich aber auch, dass einiges unter seiner Führung hätte besser laufen können, deswegen gibt es von mir die
Note vier.

Veh-Nachfolger Michael Oenning war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er war Co-Trainer, er wurde von vielen Fans gefordert (erinnert sich eigentlich noch jeder an die eigene Forderung?), weil er ein Typ wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel sei, und er wurde letztlich genommen, weil er eine sehr billige Lösung war. Er hatte Vertrag. Ohnehin stand nur der jetzige Kölner Coach Solbakken zur Diskussion, aber der wäre teurer gewesen, und er hätte gewissen Sprachschwierigkeiten gehabt, die sich der HSV nicht antun wollte.

Zu Oenning sei gesagt, dass er noch in er vorherigen Saison (nach dem Aus von Veh) die Zügel anzog. Er hatte ausgemacht, dass diese Mannschaft zu wenig drauf hatte. Und als Co-Trainer hatte er sich wohl gegenüber seinem Chef nicht so durchsetzen können, wie es im Sinne des Klubs vonnöten gewesen wäre. Es war völlig richtig, dass Oenning die Zügel anzog, aber für mein Empfinden ließ er diese Zügel mit Beginn der Saison wieder schleifen. Obwohl, das sei noch einmal gesagt, er im Zillertaler Trainingslager richtig gut arbeiten ließ. Das war noch okay. Danach aber schlich sich wieder der graue HSV-Alltag ein, alles war so wie immer beim HSV . . . Keine Schärfe, keine Härte, kein rechter Wille, besser zu sein, mehr dafür zu tun. Wie gesagt, alles wie immer. Was hinzukam: Nach den (gefühlten) Klatschen in Dortmund und München ergab sich Oenning dem Schicksal, dass er beim kleinen HSV Trainer war. „Die spielen in einer anderen Liga“, hieß es vom HSV-Coach. Was etliche Spieler ihm auch übelnahmen. Zumal es solche unterwürfigen Töne auch schon vor den Spielen gegeben hatte. Ich erinnere mich an einen Freitag (vor der Auswärtspartie), als mir ein Spieler sagte: „Warum fahren wir da überhaupt noch hin? Der Trainer hat doch bereits festgestellt, dass wir zu schwach sind . . .“
Und genau so spielte der HSV dann auch meistens. Für Michael Oenning gibt es
Note fünf.

Nachfolger wurde und ist Thorsten Fink. „Ich bin einer wie Klopp“, hat er bei seiner Vorstellung gesagt. Nicht die HSV-Fans (wie bei Oenning) haben es gesagt, nein, der neue Trainer selbst. Alle Achtung, habe ich bei mir gedacht, der Mann hat aber Mut. Als ich eines Tages in die Redaktion gekommen bin, lag auf meinem Schreibtisch ein Artikel eines Schweizer Zeitung. Da ging es um Fink. Die Überschrift lautete: „Fink: Ich bin selbstbewusst, und das ist nicht verboten“.
Stimmt. Vielleicht ist es im Falle HSV sogar hilfreich, denn eine so selbstbewussten Trainer gab es hier seit Jahren nicht mehr. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Ein Ausnahme-Trainer wie Ernst Happel war zwar auch selbstbewusst, aber er ließ es doch ein wenig anders „raus“. Egal, Fink hat für die (kleine) Wende gesorgt, und ich vertraue ihm weiter. Irgendwie glaube ich ja auch, dass der HSV noch einen „richtig guten Spieler“ aus dem Hut zaubert, und dann wird es schon noch laufen. Nicht ganz nach oben, aber immerhin weg von den Abstiegsrängen. Hoffe ich auf jeden Fall. Denn darüber muss sich jeder HSV-Anhänger im Klaren sein – der Start in die Rückrunde wird sehr, sehr hart und könnte auch den einen oder anderen Rückschlag mit sich bringen. Doch auch dann ist Thorsten Fink gefragt. Für ihn gebe ich
Note drei.

Die vielen, vielen Co-Trainer des HSV bewerte ich nicht. Zu viele. Es sind mir einfach zu viele. Ob das alles so sein muss, das ist die Frage. Ernst Happel hatte seinen Aleksandar Ristic, Felix Magath hatte lange gar keinen – heute gibt es immer gleich ein ganzes Rudel. Wer soll das eigentlich auch in den kommenden Jahren bezahlen können, wenn das Geld immer knapper wird – und die Abfindungen nicht weniger werden? Das ist, in dieser Beziehung, schon eine komische Zeit. Aber kein Verein hat aus gehabtem Schaden jemals gelernt. Ich wüsste es jedenfalls nicht. Alle machen immer weiter. Geht ein Trainer, gehen ungefähr acht mit. Und müssen natürlich auch abgefunden werden. Natürlich.

Zum Schluss noch der Sportchef. Frank Arnesen war für viele, nicht nur für mich, aber auch für mich, vor der Saison der Hoffnungsträger Nummer eins. Und dann „schleppte“ er (fast) nur Chelsea-Spieler an, die keiner kannte. Schnell wurde aus dem Hoffnungsträger ein, krass gesagt, „Versager“. Arnesen wurde milde belächelt, gelegentlich auch recht hart kritisiert. Und nicht wenige sprachen ihm seine fußballerischen Kenntnisse total ab. Heute wissen wir alle, dass das nicht richtig war. Ich kenne genügend Fans, die sich innerlich bei ihm entschuldigt haben. Arnesen hatte kaum Geld, aber er hat mit viel Auge eingekauft. Junge Leute, die niemand drauf hatte, von denen er aber überzeugt war, dass sie es hier bringen. Und sie bringen es. Kompliment, Herr Arnesen, ich kann mich nur wiederholen, Kompliment. Sie haben sich sogar, als es eng wurde, ganz eng wurde, als Trainer zur Verfügung gestellt. Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären Sie in Hamburg erledigt gewesen, ganz klar. Aber Sie gingen dieses Risiko ein. Großartig. Sie kümmern sich in diesem Klub um sehr, sehr viel, Sie sprechen oft und mit vielen Spielern, Sie sind für alles, alle und jeden da, Sie blicken auch oft nach Ochsenzoll – und das ist toll! Deswegen gibt es für Sie von mir die
Note eins.

Und das ist, ich weiß es wohl, die beste Note des Zwischenzeugnisses. Es würde mich tierisch freuen, wenn ich diese glatte Eins auch im Sommer noch an den Sportchef vergeben könnte.

So, es ist spät und auch wieder recht lang geworden. Falls Ihr (oder Du) nun meckern wollte, erinnert Euch an die Anfangsgeschichte. Macht aus einer kleinen Mücke keinen Elefanten . . . In diesem Sinne wünsche ich allen „Matz-abbern“ einen wunderschönen Feierabend.

19.44 Uhr

Die Offensive – Halbzeit-Bilanz Teil zwei

26. Dezember 2011

Die Offensive des HSV – das Sorgenkind? Oder alles völlig normal – für einen Tabellen-13.? 21 Treffer hat der HSV erzielen können, elf Mannschaften waren besser. Und, was eigentlich für eine schlechte Quote spricht: Das Tabellenschlusslicht SC Freiburg hat auch 21 Tore erzielt. Die gibt es also noch reichlich Luft nach oben. Viele Experten, auch etliche „Matz-abber“ wollen den Grund für die mangelnden Offensivleistungen ja auch schon (lange) ausgemacht haben: Rafael van der Vaart. Den Namen höre ich immer und überall wieder. Es fehlt dem HSV einer wie Rafael van der Vaart. Es fehlt ein Spieler, bei dem die Fäden zusammenlaufen, der die Ideen hat, der Spielwitz zeigt, der den tödlichen Pass spielen kann. Wobei wir aber bei einem anderen Problem wären: Tödlicher Pass ist ja schön und gut, aber wer soll ihn erlaufen? Der HSV hat keinen Sprinter im Angriffszentrum. Weder Paolo Guerrero noch Mladen Petric sind Konter-Stürmer. Und ich geben bei einem Spieler-Typen wie Rafael van der Vaart auch immer zu bedenken, dass damit eine Kraft „nach hinten“ fehlen würde. Denn van der Vaart hat für die Defensive stets herzlich wenig gemacht. Auch deswegen wurde er ja auch oft nominell in den Angriff gestellt. Im Moment kümmern sich mit Tomas Rincon und Gojko Kacar zwei eher defensiv ausgerichtete „Sechser“ um die hinteren Regionen. Wobei Rincon den Ball möglichst effizient nach vorne spielen soll. Und, das ist mir auch nicht entgangen, Kacar rückt eher einmal mit in den Angriff. Wobei da zu beobachten ist, dass wenn der HSV-Angriff abgefangen ist, Kacar eher langsam und bedächtig zurück trabt. Auch dann, wenn schnelles Umschalten dringend nötig wäre. Wenn ein „Typ van der Vaart“, dann wohl schon eher hinter der einen Spitze, denn ich glaube nicht, dass sich Thorsten Fink beide Außen nehmen lassen würde. Zwei Sechser, zwei Außen, eine Spitze, ein Regisseur. So könnte es vor der Viererkette aussehen. Sieht es bislang ja auch aus, denn sowohl Guerrero als auch Ivo Ilicevic (als Petric fehlte) hielten sich ja meistens hinter der einen HSV-Spitze auf.

Zwei Namen fallen mir übrigens ein, wenn ich über den Spielmacher schreibe. Irgendwie habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Per Ciljan Skjelbred noch in eine solche Rolle schlüpfen kann – der Norweger konnte es doch schon mal, trat doch auch international schon in Erscheinung. Vielleicht nicht als „van der Vaart“, aber an den Füßen hat Skjelbred schon einiges, und die Hoffnung stirbt in diesem Falle (für mich) auch zuletzt. Im Training hat der blonden aus dem hohen Norden mitunter recht gute Szenen, ich glaube, dass er noch kommen wird. In welcher Rolle auch immer – abschreiben werde ich ihn jedenfalls noch nicht.

Und ein zweiter Namen geht mir durch den Kopf: Piotr Trochowski. Ob er jetzt, wo es keinen Spielmacher beim HSV gibt, in seine Lieblings-Rolle geschlüpft wäre? Wahrscheinlich ja nicht, aber das ist hypothetisch, weil es nicht beweisbar ist. Immerhin, der „kleine Dibbelkünstler“ ist noch gelegentlich ein Thema bei „Matz ab“. Wie gestern, als es folgende Beiträge gab:

„Nils Lofgren“ befand:
„Ich fand das war die beste saison, die trotsche seit langem für den hsv gespielt hat.“

„Trapper Doc Seitenberg“ erwiderte:
„0,0 Minuten für uns, Du Hase! Sein Abgang ist einer der größten Leistungen, die er, neben dem Abseitstor seinerzeit, je für den HSV erbracht hat (Wenn wir mal von sieben Jahren herausragender Trainingsleistungen absehen).“

Ich habe sehr geschmunzelt, und ich habe so bei mir (ganz im Stillen, passend zur Weihnachtszeit) gedacht: „Hase!“ Das könnte doch unser Zauberwort werden. Auch wenn zurzeit gerade der Weihnachtsmann in ist.

Okay, es geht zur Sache, jetzt ist die HSV-Offensiv-Abteilung dran – wieder mit Schulnoten.

Gökhan Töre ist für mich die Entdeckung. Und wird es sicherlich nicht für mich sein, denn die HSV-Fans wissen ihn inzwischen längst zu schätzen, und die anderen Klubs wohl auch –nicht nur in Deutschland. Selbst die türkische Nationalmannschaft hat ihn in diesem Jahr ja lieben und schätzen gelernt. Und wenn ich kürzlich im ZDF-Sportstudio gesehen habe, wer von den Experten zum Aufsteiger der Saison gewählt wurde – da kreuzte der HSV-Profi an dritter oder vierter Stelle auf. Sieh an, sieh an. Da hat doch der Frank Arnesen ein gutes Händchen und zugleich auch ein gutes Näschen bewiesen. Und wenn ich mich gleich zweimal an den früheren Nationaltorwart Jens Lehmann erinnere (den ich übrigens sehr schätze – ist auch ein Freund von Christian Pletz), dann stehen folgende Bemerkungen von ihm im Raume. Erstens hat er einst Arnesen vorgeworfen, nur Spieler von Chelsea zu kennen . . . Und zweitens hat Lehmann kürzlich gesagt: „Gut dass Arnesen den Töre kannte, und dass ansonsten kaum einer Töre kannte, sonst wäre Töre nämlich niemals zum HSV gekommen . . .“ So werden Sportchefs (auch des HSV) durch die Hintertür geadelt. Töre ist für mich schon jetzt unersetzlich für den HSV, auch wenn der Deutsch-Türke, der erst 19 Jahre ist, zuletzt doch ein wenig nachgelassen hatte. Das kommt wieder. Hundertprozentig. Deswegen gibt es für ihn von mir die
Note zwei.

Marcell Jansen auf der linken Außenbahn ist von jener Form, die ihn einst in die Nationalmannschaft gebracht, sehr, sehr wiet entfernt. Er hatte im Sommer ein Extra-Fitness-Training absolviert, versprach danach in Deutschland: „Ich bin fit wie noch nie.“ Das allerdings war nie zu sehen. Jansen war zwar weniger verletzt als sonst die Jahre zuvor, aber für mich lief er immer irgendwie „unrund“. Auch ein wenig hüftsteif, was er vorher nie hatte. Wie ich gestern schon bei Jeffrey Bruma und Gojko Kacar empfahl: Einzeltraining. Hilft gelegentlich. Wird allerdings zu selten drauf zurückgegriffen. Leider. Ich erinnere, „Alt-Matz-abber“ werden es wissen, dabei gerne an Thomas von Heesen. Der galt als „ewiges Talent“, wollte aber mehr. Und engagierte sich einen Privat-Trainer, einen Zehnkämpfer. Immer dann, wenn der HSV nicht trainierte, dann trainierte von Heesen in der Jahnkampfbahn mit Rainer Sonnenburg. Und Thomas von Heesen wurde besser – nur wusste keiner, warum. Irgendwann wurde das „private Paar“ gesehen, und damit auch „entlarvt“, von Heesen gab seine „Nachhilfestunden“ zu. Was zur Folge hatte, dass Rainer Sonnenburg erst in den Trainerstab des HSV kam, später dann zum FC St. Pauli ging. Zurück zu Jansen. Wenn er seine Form nicht bessern kann, dann war es das mit der Nationalmannschaft. Ich gebe ihm, trotz seiner Tore und weil ich genau weiß, dass er so viel mehr abrufen könnte, für diese Hinrunde nur
Note fünf.

Über Per Ciljan Skjelbred habe ich bereits alles gesagt, ganz klar ist, dass er bislang seinen hohen Vorschusslorbeeren nicht gerehct geworden ist. Nun sollte die Zeit der Umstellung aber abgelaufen sein. Bislang ist er aber nur bei
Note fünf.

Pechvogel Romeo Castelen ist nicht zu bewerten. Bewundernswert, wie er sich immer wieder herankämpft, allein dafür müsste er die Note eins bekommen. Der Mann ist klasse – und ganz nebenbei ein ganz, ganz feiner Mensch. Es wäre wirklich schön, wenn Ihr ihm alle die Daumen drücken würdet, dass er es tatsächlich noch einmal packt. Obwohl . . .

Wer Heung Min Son im Zillertaler Trainingslager Tore schießen und auch tanzen (!) sah, der dachte sicherlich bei sich: „Das wird seine Saison, jetzt kommt der Son ganz groß heraus.“ Denkste. Testspiele gegen „Pille-palle-Gegner“ können zwar gelegentlich Selbstvertrauen geben, aber sie geben leider keinerlei Aufschluss darüber, wie gut ein Spieler tatsächlich in Form ist, in Form kommt. Im vergangenen Jahr hatte Son eine schwere Verletzung, die ihn zurückgeworfen hatte, diesmal wäre er wohl „da“ gewesen, aber er konnte seine im Sommer gezeigten Leistungen nie bestätigen. Leider. Zum Schluss war es sogar weit von der Rolle, deswegen gibt es nur
Note fünf.

Marcus Berg hat bei Thorsten Fink wieder einmal aufgeatmet. Der Trainer sieht in dem Schweden eine echte Alternative für den Angriff, was in erster Linie für den Trainer spricht. Und dazu müsste dann Berg unendlich viel Gas geben, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Das tat Berg aber nicht – auch deshalb, weil ich zwei schwere Verletzungen ereilten. Jetzt fällt er noch wochenlang aus, verpasst die Vorbereitung (vielleicht nicht ganz, aber einige Sachen ganz sicher), so dass auch in dieser Saison der Durchbruch wohl ausbleiben wird. Für die bisherige Saison gibt es von mir nur
Note fünf.

Ivo Ilicevic kam und war gesperrt, dann verletzt. Kein Einstand nach Maß. Ich erwarte aber nun, wenn er die Vorbereitung mit der Mannschaft absolviert, dass er das zeigt, was er kann. Und er kann in meinen Augen (und in den Augen von Arnesen) ganz viel. Bislang aber hat er es nicht gezeigt, weil er auch nie bei 100 Prozent war. Das wird er (wohl) im Januar sein, und dann wird er schwer kommen. Ich bin davon restlos überzeugt. Mit ihm hat Frank Arnesen einen „Goldfisch“ an Land gezogen – jetzt muss der „Goldfisch“ nur noch zeigen, dass er besser als die vielen Karpfen um ihn herum ist. Bislang war das
Note vier.

Zhi Gin Lam kam wie Kai aus der Kiste – von Rodolfo Cardoso ins kalte Wasser geworfen. Und sofort mitgeschwommen – Kompliment. Nur hat der „Lütte“ noch ein wenig zu wenig auf den Rippen. Er soll nicht dicker werden, nur athletischer. Wenn er da zulegen kann, und ich hoffe, dass da die Trainer vor sind, dann wird er „einer“. Spielerisch und läuferisch ist er hoch veranlagt, er könnte eventuell auch in eine Art „Van-der-Vaart-Rolle“ schlüpfen. Eines Tages habe ich geschrieben, nicht jetzt. Bislang war das
Note vier.

Paolo Guerrero war in Hamburg lange Zeit höchst umstritten. Besonders als wurfgewaltiger Handballer. Abgehakt. In den zurückliegenden Fink-Wochen habe ich noch nie so viel Lob über Guerrero gehört. Hamburg schwärmt inzwischen von dem manchmal eigenwilligen Südamerikaner, der aber, das versichere ich jedem, abseits des Platzes ein ganz feiner, stiller und eher introvertierter Mensch ist. Und jetzt zeigt er ganz Hamburg (und der Bundesliga), dass er auch eins ehr guter Fußballer sein kann. Deswegen
Note drei.

Mladen Petric hat lange gepokert, war lange verletzt, scheint jetzt nicht mehr so lange pokern zu wollen, kann sich sogar vorstellen, in Hamburg zu verlängern – und er zeigt auf dem Platz, dass er Taten sprechen lassen will. Unter Thorsten Fink sah es dann, wenn Petric spielte, immer recht gut aus. Weil sich der Kroate auch meistens rege bewegte – und nicht nur bedienen lassen wollte. Wenn er das konservieren kann, wenn Fink ihm das auch im neuen Jahr mit in jedes Spiel gibt – dann freue ich mich auf eine lange Verlängerung. Bislang war das
Note vier.

Nicht zu bewerten ist Tolgay Arslan, der „dank“ des Wolfsburgers Dejagah schon seit Saisonbeginn verletzt ist. Was schade ist, denn in der vorherigen Saison hat Arslan in Aachen (wohl) eine sehr gute Saison gespielt. Am Tivoli jedenfalls weinen sie ihm schon lange nicht nur eine Träne nach.

So, das war die Offensive, gestern war es die Defensive – und keine Angst, der Trainerstab und die Herren Funktionäre werden auch noch unter die Lupe genommen.

Erst einmal lasst das Fest gut und bestens ausklingen, und dann wünsche ich jedem von Euch einen guten Start in die letzte Woche des Jahres.

16.52 Uhr

Halbzeit-Bilanz Teil eins

25. Dezember 2011

Auch dieses Weihnachtsfest kann uns ja nicht wirklich bremsen. Das ist wie mit dem HSV 2012; es geht weiter, weiter, weiter – nach oben. Darf man ja wohl mal träumen dürfen, so zum Fest. Ja, Tradition ist nicht nur das weihnachtliche Gedicht, dass, ich gebe zu, ein wenig zu lang geraten ist, sondern auch die Halbzeit-Bilanz. Wobei ich Euch nicht das restliche Fest vermiesen will, denn es ist ja wahrlich nicht viel Gutes zu berichten, aber watt mutt datt mutt.

Allein ein Blick auf die Heimspiel-Statistik in diesem Herbst lässt nur den Rückschluss zu, dass alles nicht nur viel besser werden kann, sondern auch alles viel besser werden muss. Muss! Das geht gar nicht anders, denn sonst könnte der Dino doch noch baden gehen, um es einmal salopp zu formulieren. Von neun Heimspielen wurden nur zwei gewonnen – das ist in der Tat ein Armutszeugnis. Leidglich gegen Hoffenheim und Nürnberg hieß es am Ende 2:0, sodass zweimal die Dreier im Volkspark blieben. Ansonsten – Ebbe. Gegen Hertha zwar 2:2 gespielt, aber gefühlt mindestens 2:5 verloren. Gegen Wolfsburg einen Punkt gemacht, obwohl der VfL nicht besser war und ähnliche Probleme hat, wie der HSV. Das gilt auch für die Heimpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern. Ich kann mich noch genau erinnern, wie es (auch hier) vor diesen beiden Heimspielen mutig (und vollmundig) hieß: „Wenn wir diese beiden Heimspiele nicht gewinnen, dann können wir uns begraben lassen . . .“ Und? Noch leben wir. Obwohl es gegen Köln (ein ganz bitteres 3:4), gegen Schalke 04 (1:2) und gegen Borussia Mönchengladbach (zugegeben, ganz stark beim 1:0 in Hamburg!) Niederlagen gab, die sehr wehtaten. Und, seien wir ehrlich, auch das 1:1 gegen den Aufsteiger und Abstiegskandidaten FC Augsburg schmerzte sehr, der Schmerz hält bei mir bis heute an. Zumal für die Süddeutschen beinahe eine B-Mannschaft auf dem Rasen stand.

Nein, nein, hier muss alles besser werden. Im Volkspark vor allem. Denn auswärts hat der HSV – nach dem Trainerwechsel – in acht Spielen durchaus so mitgemischt dass man sagen kann, dass diese Mannschaft doch Potenzial nach oben hat. Natürlich gilt das nicht für die Auswärtsspiel in Dortmund (nur 1:3, da war eine höhere Pleite möglich) und München (0:5 – spricht für sich), auch nicht unbedingt für das Bremen-Spiel (2:0), aber für fast alle anderen Begegnungen. In Leverkusen (2:2) konnte gewonnen werden, in Hannover (1:1) musste eigentlich gewonnen werden, und zuletzt in Mainz (0:0) war beides möglich, Auswärtssieg und Niederlage. Gewonnen wurde lediglich in Freiburg (2:1) und in Stuttgart (2:1) – aber, dass verrät ein Blick auf die Tabelle, diese Erfolge waren überlebensnotwendig. Wo stünde der HSV sonst?
Und wer mitgezählt hat: Neun Heimpartien gab es – meistens gegen Gegner, die auch gegen den Abstieg kämpfen – und nur acht Spiele auswärts. Was soll uns das sagen? In der Rückrunde gibt es acht Heimspiele, neun auswärts. Eine gute oder eine eher schlechte Ausgangslage? Und es kommen „Kracher“ wie Dortmund, Bayern und Werder, dazu noch Leverkusen, Hannover, Mainz, Stuttgart und Freiburg.

Nun gut, es ist Winterpause, und am 4. Janar geht es nach Marbella – und dann kann Thorsten Fink damit beginnen, die Mannschaft so zu formen, wie sie ihm bislang nur vorschwebte. Der Coach hat ja immer wieder betont, dass der HSV Qualität hat, wenn er dann noch die passende Fitness besitzt, dann muss der (fast) grenzenlose Optimismus des Trainers ja tatsächlich Realität werden.

Aber, es gibt selbstverständlich noch viel, viel zu tun. Das hat uns die Hinrunde gelehrt. Im Teil eins der Bilanz werde ich die Defensive unter die Lupe nehmen. Generell gesagt, begann sie mit dem Start in diese Saison schlecht, hat sich aber – dank des Trainerwechsels – zum Guten hin gesteigert. Das sieht dann wie folgt aus, ich werde diesmal (anders als im Abendblatt üblich), Schulnoten vergeben.

Jaroslav Drobny begann katastrophal. Ich erinnere mich noch genau an diese Zeiten, denn mich riefen unendlich viele „Matz-abber“ an, oder sie schrieben mir, dass ich etwas gegen diesen Torwrat unternehmen müsse – mit ihm steigt der HSV ab. So hieß es immer wieder. Diese Damen und Herren werden sich erinnern, dass ich davon nichts wissen wollte. Ich habe immer darauf verwiesen, dass der Tscheche ein Jahr ohne jede Praxis war, das haben auch alle Torhüter stets bestätigt – es so war es letztlich auch. Drobny steigerte sich mit dem Lauf der Saison in eine großartige Form, ist ein echter Rückhalt geworden – so wie einst Frank Rost. Deswegen gibt es nun auch (insgesamt)
Note drei.

Dennis Diekmeier hängt für mich noch ein bisschen zwischen Baum und Borke. Er soll nach vorne ein „Weltmeister“ und ein Flankengott sein, das hat er noch nicht so recht unter Beweis gestellt. Nach hinten aber offenbart er, und darauf sollte eigentlich sein Hauptaugenmerk liegen, einige Schwächen (zu viel). Ich könnte mir vorstellen, dass das durch Einzeltraining in der Griff zu bekommen wäre, aber Einzeltraining hat hier beim HSV seit Jahrzehnten kein Trainer mehr gemacht. Ob Thorsten Fink . . ? Mal abwarten. Diekmeier erhält
Note vier.

Jeffrey Bruma hat die Veranlagung, ein international sehr, sehr guter Innenverteidiger zu werden. Er wird es meiner Meinung nach auch. Vorher aber muss er lernen, gewisse Leichtfertigkeiten abzustellen, und stets konzentriert zu bleiben. Beschränkt er sich darauf, seine Defensivaufgaben zu erledigen, und auch darauf, bei Standards vor des Gegners Tor für Gefahr zu sorgen, dann wird er bald eine große Stütze des Team sein. Wenn er dann noch da ist, denn er steht ja noch beim FC Chelsea unter Vertrag, und Bruma könnte schon im kommenden Sommer wieder nach London zurück (müssen). Für ihn gebe ich
Note drei.

Slobodan Rajkovic schlug auf Anhieb sehr gut ein in Hamburg, hatte nur das Pech, einmal Rot zu sehen. Diese Zwangspause hat ihn arg zurückgeworfen. Und sollte sich kein Innenverteidiger verletzten, so dürfte er wohl noch einige Spiele mehr nur zusehen. Es sei denn, Thorsten Fink stellte Heiko Westermann eine Position nach vorne. Vielleich wäre damit allen Beteiligten geholfen. Ich leide mit Rajkovic mit, denn er hat in den Spielen für den HSV überzeugt, deswegen
Note drei.

Heiko Westermann wurde zu Saisonbeginn von den eigenen Fans ausgepfiffen – in Hamburg. Bei jeder Ballberührung von ihm gab es ein Pfeifkonzert. Ein Novum, gerade für einen HSV-Kapitän. Andere hätten entnervt die Flinte ins Korn geworfen, er aber biss sich durch – und zurück. Großartig. Davor ziehe ich den Hut. Auch seine Kritiker wollen jetzt eines bestimmt nicht mehr, ihn aus der Mannschaft nehmen. Westermann ist seit Monaten stets einer der besten Hamburger Spieler, und er geht mit vorbildlichem Einsatz (so auch als Rechtsverteidiger!) voran. Deswegen gibt es für ihn auch
Note zwei.

Michael Mancienne kam nach Hamburg, so hieß es damals von den Verantwortlichen, um über die Zweite von Rodolfo Cardoso für die Bundesliga aufgebaut zu werden. Gut zu wissen für den HSV, dass es mit dem Engländer einen jungen Mann gibt, dem – wenn Not am Mann ist – man Verantwortung übertragen kann. Mancienne muss noch robuster (für die Bundesliga) werden, aber er hat ein gutes Auge, ist durchaus veranlagt, er dürfte noch kommen, für ihn gibt es
Note vier.

Bei Dennis Aogo scheiden sich viele Geister. Auch in seinem Falle gibt es einige Fans, die mit seinen Leistungen unzufrieden sind. Sie erwarten mehr von ihm, schließlich ist er aktueller deutscher Nationalspieler. Ich, das muss ich ganz klar sagen, bin nicht enttäuscht, aber ich erwarte eben auch mehr von ihm. Zu Saisonbeginn hat Aogo einige Fehler und auch einige Nachlässigkeiten gemacht, keine Frage, aber er hat sich (vor allem unter Fink) zuletzt deutlich gesteigert. Wobei er sein bestes Spiel seit Monaten wohl nicht für den HSV absolviert hat, sondern für Jogi Löw, nämlich beim 3:0-Sieg von Deutschland (immerhin in Hamburg) gegen die Niederlande. Ich bitte alle seine Kritiker, den Ball noch flach zu halten, Dennis Aogo hat einst (bei seiner Vertragsverlängerung) gesagt, dass er mithelfen will, eine große und gute HSV-Mannschaft mit aufzubauen. Das klingt doch hervorragend. Und ich habe ihn als einen jungen Mann kennen gelernt, der nicht nur etwas verspricht, sondern der das dann auch wirklich halten will. Ich denke, dass wir an Dennis Aogo noch sehr viel Freunde haben werden, deswegen
Note drei.

Nicht zu bewerten ist Muhamed Besic, immerhin aktueller Nationalspieler Bosniens, der aber beim HSV ohne Einsatz blieb.

Von den „Sechsern“ hat Tomas Rincon am meisten überzeugt, er hat auch den größten Schritt von allen HSV-Profis voran gemacht. Alle Achtung! Dank Thorsten Fink, der
voll hinter dem Südamerikaner steht. Rincon hat sich absolut verbessert und stabilisiert, wenn er nun auch eine etwas andere Rolle spielt. Nicht mehr nur den Zerstörer, sondern auch eine Art Aufbauspieler. Ich hätte nie gedacht, dass er eine solche Nummer auch drauf hat, aber er spielt sie nicht schlecht. Trotz allem sollte er nicht vergessen, was ihn stark macht, und das ist seine Giftigkeit, sein Biss, seine Art, eine Klette zu spielen. Für ihn gibt es
Note drei.

Gojko Kacar ist bisher eine (kleine) Enttäuschung, denn er läuft nicht nur oft neben der Musik her, er wirkt auch immer noch nicht hundertprozentig fit. Wieso? Weshalb? Warum? Fragt mich nicht, ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass er besser, wesentlich besser spielen könnte, wenn er denn fit für die 90 Minuten wäre. Der Serbe ist ein besonderer Fall, auch ihm würde ich Einzeltraining verordnen, es laufen doch genügend Trainer beim HSV herum, die sich dieses Falles einmal annehmen könnten – wenn die anderen nicht trainieren. Es wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Für Kacar gebe ich
Note fünf.

Robert Tesche sollte unter Trainer Michael Oenning den Durchbruch schaffen, der ehemalige HSV-Coach setzte (fast alles) auf den früheren Bielefelder. Aufgrund der Eindrücke, die Tesche im Trainingslager in Österreich hinterließ, war das auch zunächst nicht unbegründet. Tesche wurdev on den mitgereisten Fans gefeiert (Robert Tesche Fußballgott), weil er einen guten Schuss hat, weil er auch gut köpfen kann. Das alles aber hat er seit Saisonbeginn in keinem Spiel mehr bewiesen oder auch nur ansatzweise gezeigt. Schade. Ihm fehlt auch das Selbstvertrauen – oder ist es nur das fehlende Temperament? Irgendetwas fehlt. Deswegen bekommt er
Note fünf.

David Jarolim ist auf dem Sprung – weg vom HSV. Ich habe es oft geschrieben was ich davon halte (nämlich nichts), aber ich werde nun schweigen. Nur eines möchte ich noch loswerden: Gerade deswegen, weil sowohl Kacar als auch Tesche nicht an die 100 Prozent kommen (oder gekommen sind), hätte es sich vielleicht mal angeboten, den Routinier Jarolim zu bringen. Aber das haben ganz andere Herren zu entscheiden, und nicht ich. Für die bisherigen Kurzeinsätze erhält David Jarolim, der sehr viel läuft, ackert und Bälle erobert, von mir die
Note vier.

So, das war die HSV-Defensive, morgen geht es mit der Offensive weiter. Bis dahin allen „Matz-abbern“ noch ein schönes Rest-Weihnachtsfest.

18.03 Uhr

Und noch’n Gedicht

24. Dezember 2011

So, vielleicht noch gerade rechtzeitig kommt das Gedicht, das ja mehr ein Schüttelreim (wie passend, dieses Wort – zu diesem HSV-Jahr!) ist. Vor allen Dingen im Abendblatt ist es das, wo die Verse ja mächtig durchgeschüttelt wurden.
Ich weiß aus alter Tradition, dass in Familien von ganz “harten” HSV-Fans schon auf diese Verse gewartet wurde, denn dort ist es Sitte, dass die kleinen Knaben diese Reime unterm Tannenbaum vorlesen (müssen!?).
Ich wünsche allen viel Spaß dabei. Und bitte immer dran denken: Nicht alles ist so tierisch ernst gemeint, es darf ruhig auch ein wenig geschmunzelt werden.

Allen Matz-abbern wünsche ich schnell und nochmals wunderschöne Festtage, lasst es ruhig angehen – genießt die stille Zeit. Und auch nochmals vielen Dank für Eure Treue und Mitarbeit, das ist einfach nur toll zu wissen, dass es so viele nette Menschen hier gibt.
Danke.

 

Und nun die Reime – Ihr werdet ein wenig Zeit brauchen:

Du lieber guter Weihnachtsmann,

wahrscheinlich nerv ich dann und wann,

doch es ist ja gute Sitte,

dass ich Dich zum Feste bitte

dass Du was tust, Du weißt genau,

was Gutes für den HSV.

 

Du hast es schwer, das ist schon klar,

mit uns’rem Klub (das Jahr für Jahr),

im Volkspark herrscht das Mittelmaß,

wer hat an diesem Spiel noch Spaß?

 

Das ist nichts mehr für Ästheten,

oftmals hilft da nur noch beten,

deshalb musst Du alles geben,

mag es Dir auch widerstreben,

versuch es noch ein letztes Mal,

auch wenn Du sagst: „Das ist ’ne Qual.“

 

Ich bitte Dich, hilf dem Verein,

und sag nicht einfach nur brüsk: „Nein.“

Ich weiß, dass Du verzweifelt bist,

dass Du schon lange schimpfst: „So’n Mist!“

 

Du fragst Dich auch, was das noch soll,

und guckst dabei sehr sorgenvoll,

denn meine Wünsche, ist schon klar,

die werden mehr von Jahr zu Jahr,

Du tust, was man nur machen kann,

doch kommt der Klub kein’ Schritt voran,

und das ist schon seit Jahren so,

das macht letztendlich keinen froh.

 

Auch Du find’s kein’ Gefallen dran,

wenn man nicht richtig kicken kann,

Du liebst den Fußball von Real,

auch Barcelona – kolossal,

doch Hamburgs Fußball, der stagniert,

– es ist schon so – man resigniert.

 

Denn selbstverständlich hast Du recht,

sie spiel’n ja auch schon lange schlecht,

sie machen Fehler noch zu Hauf,

doch bitte gebe noch nicht auf;

der Umbruch ist das Zauberwort,

setz ihn ab jetzt behutsam fort.

 

Wir war’n einst die Macht im Norden,

und sind jetzt so klein geworden,

Du aber, Du ganz alleine,

stell uns wieder auf die Beine,

der HSV, ganz zweifelsfrei,

gehört doch nicht in Liga zwei.

 

Sieh Dir nun meine Wünsche an,

und streng Dich bitte nochmals an,

hauch uns’rer Mannschaft Leben ein,

da unten krebsen kann’s nicht sein,

gib dieser Truppe Mumm und Kraft,

dass sie’s ins Mittelfeld bald schafft,

möglichst noch vor Werder Bremen,

niemand wird’s Dir übelnehmen,

lass uns auch mal Dortmund schlagen

– und vielleicht die Bayern jagen?

 

Gib uns’rem Vorstand kluge Tipps,

tritt jedem Mitglied auf den Schlips,

das streiten will, das Ärger macht,

verhind’re jede Niedertracht.

 

Denn ihr Süppchen kochen viele,

viele haben falsche Ziele,

sorg endlich mal für Einigkeit,

es gab zu oft viel Neid und Streit,

lass uns an einem Strange zieh’n,

und gib ’ne Menge Disziplin,

sag jedem Mann und jeder Frau,

hier zählt nur eins – der HSV.

 

Und dazu bitt ich noch formell,

für jeden Spieler ganz speziell,

stärk dem Drobny seinen Rücken,

er soll weiter Bälle pflücken,

die ihm um die Ohren fliegen,

lass ihn keine Krise kriegen,

er war zuletzt ganz groß, ein Held,

er trägt die Brust zu recht geschwellt,

nur dass er zurzeit nicht mehr spricht,

das passt nicht recht, das steht ihm nicht.

 

Halt Tom Mickel bei der Stange,

denn er wartet nun schon lange,

Ersatzmann sein, das ist sein Part,

nur auf der Bank sein, das ist hart,

doch gibt es um ihn kein Tumult,

er kennt wohl keine Ungeduld.

 

Diekmeier – hinten rechte Bahn,

dem gib doch bitte einen Plan,

wie er die Gegner stoppen kann,

er rennt zu oft nach vorn, der Mann,

gib ihm auch defensiv den Blick,

das wär für ein zu Null ganz schick.

 

Dem Jeffrey Bruma schärfe ein,

er soll stets bei der Sache sein,

er ist ja stark, er ist ja gut,

doch oft macht er im Übermut,

den einen Fehler noch zu viel –

mach ihn doch einfach nur stabil.

 

Bei Westermann hast Du’s geschafft,

er strotzt jetzt doch nur so vor Kraft,

Du hast ihn wieder aufgebaut,

wer hat ihm das noch zugetraut?

Er wurde hier oft ausgebuht,

das tut ’nem Spieler selten gut,

doch steckte er das alles weg,

als wär es von den Fans ein Gag

– Herr Westermann, mein Kompliment,

das ist ein tolles Happy End!

 

Aogo Dennis – Jogis Mann,

zeigt bei der Nati was er kann,

beim HSV da könnt er mehr,

da spielt er noch zu oft leger,

er soll wollen, noch mehr beißen,

soll die Fans vom Hocker reißen,

gib ihm den Tipp, wie das gelingt,

weil das ihn weit nach vorne bringt.

 

Thomas Rincon, den lass ackern,

der soll kämpfen, rennen, rackern,

er soll grätschen und auch kratzen,

und nicht ganz so oft mehr patzen,

er ist gut schon für sein Alter,

doch (noch lang) kein Spielgestalter,

Schuster – bleib bei deinen Leisten,

das hilft uns’rem Team am meisten.

 

Dem Robert Tesche Fußball-Gott,

den reiß doch bitte aus dem Trott,

er braucht viel Feuer – mach ihn heiß,

er wirkt oft wie ein Klotz aus Eis,

gib ihm ein Schuss mehr Temp’rament,

dann spielt er bald auch effizient.

 

Gojko Kacar mach auch Beine,

lass ihn endlich von der Leine,

er wirkt auf mich oft sehr gehemmt,

und läuft im Spiel oft rum wie fremd,

er spielt oft zu brav und bieder,

gib ihm doch sein Können wieder . . .

 

Dem Gökhan Töre mach nur Mut,

der Bursche, der ist richtig gut,

lass ihn flanken, lass ihn schnibbeln,

er soll auch vor Lust viel dribbeln,

und dann lass ihn Kraft noch tanken,

dann wird keine Leistung schwanken,

er ist dann fit und quietsch-fidel,

und bleibt das größte Klub-Juwel.

 

Führ Marcell Jansen doch zurück,

zeig ihm den Weg zurück zum Glück,

er war in Deutschland ein Talent,

das man höchst selten mal so kennt,

er spielte bei den Bayern vor,

er schoss und flankte – volles Rohr,

er konnt rauf und runter toben,

war auch hier schon mal ganz oben,

doch nun wirkt er wie Flasche leer,

stell ihn doch bitte wieder her.

 

Ilicevic, den heiß willkommen,

er ist noch nicht angekommen,

erst lang verletzt, dann noch nicht fit,

so kam er bislang nicht in Tritt,

mach ihn doch bitte ganz geschwind,

zu einem echten Wirbelwind,

der allen Gegnern – ganz gezielt,

viel Knoten in die Beine spielt.

 

Dem Herrn Mancienne hilf aus dem Tal,

schenk ihm doch Muskeln hart wie Stahl,

dann hat er’s künftig nicht mehr schwer,

denn so gibts keine Zerrung mehr,

er kann sprinten wie ein Hase,

führt die Gegner an der Nase,

so kämpft er sich dann wieder ran,

und wird ganz schnell für Fink ein Mann.

 

Den Rajkovic, den mach nicht zahm,

denn sonst wird er ja unwirksam,

die Rote Karte – abgehakt,

er hat ’nen Tritt zu viel gewagt,

doch brauchen wir den „harten Hund“,

sonst hat der Gegner keinen Grund,

auch einmal zurückzuziehen,

– die soll’n schon vor Angst mal fliehen.

 

Dem Dauerrenner Jarolim,

schenk noch zum Fest ein neues Team,

er hat’s noch drauf, steht voll im Saft,

er läuft und spielt noch fabelhaft,

er ist noch immer richtig heiß

– zu schade für ein Abstellgleis,

bring ihn noch einmal groß heraus –

dann kriegst Du auch von mir Applaus.

 

Ein Mann mit viel Vergangenheit,

den mach für’s neue Jahr bereit,

Per Skjelbred – der hätt’s wirklich drauf,

der ist für mich kein Fehleinkauf,

der Mann braucht nur Betätigung,

bring ihn nun ziemlich schnell in Schwung,

er muss nur mehr Tempo machen,

dann lässt er es hier schön krachen,

der Mann hat Spielwitz und Ideen,

und wird vielleicht noch eine Zehn.

 

Heung Min Son, den lass nun reifen,

der muss jetzt ganz schnell begreifen,

dass Fußball nicht nur Spielchen ist,

da ist viel Ernst, auch sehr viel List,

da gibt es Härte – und Gefahr,

und auch mal Spaß, das ist ganz klar,

doch all das gibt’s nur wohl dosiert,

wenn das der Son ganz schnell kapiert,

dann wird er wirklich noch ganz groß –

drum Weihnachtsmann, dann nun mal los.

 

Ein Fallrückzieher Marke Seeler,

macht den Spieler stets fideler,

der Fallrückzieher Marcus Berg,

ist für die Schulter Teufelswerk,

drum baue, lieber Weihnachtsmann,

den Schweden auf, dass er’s bald kann,

Uwe soll ihm Technik lehren,

soll das Landen ihm erklären,

dann bleibt das Schlüsselbein auch ganz,

„uns Uwe“ staunt: „Mein Gott, er kann’s.“

 

Mladen Petric – lass ihn bleiben,

er soll nun bald unterschreiben,

er passt zu uns, er passt hierher,

was ist daran denn noch so schwer?

Gib Mladen nun ein klares „ja“,

dann bleibt er noch so manches Jahr,

was Fans und ihn zugleich erfreut,

mach es nicht morgen – mach’s noch heut’.

 

Halt Guerrero auch bei Laune,

ich geb zu, dass ich nur staune

– er blüht jetzt im Dezember auf,

und war noch niemals besser drauf,

er wirkt voll fit, hoch motiviert,

und gar nicht mehr so kompliziert,

so kann es – nicht übertreiben –

ruhig noch zehn Jahre bleiben.

 

Führ Castelen nochmals heran,

er ist bewundernswert, der Mann,

ihm geht es schon so lang nicht gut,

und trotzdem steckt er voller Mut,

gib ihm die Kraft, heil ihm das Knie,

das wär die beste Therapie.

 

Denk auch an den Kindergarten,

die Talente, die noch warten,

bau Zhi Gin Lam behutsam auf,

schenk Besic wieder mal ’nen Lauf,

mach Arslan nun auch bald gesund,

bei ihm läuft’s schon so lang nicht rund,

auf Sala, der von Chelsea kam,

mach auch ein wenig aufmerksam,

förder die Cardoso-Knaben,

die wir für die Zukunft haben.

 

Und danke dem Frank Arnesen,

von dem bin ich jetzt echt ein Fan,

weil der so gute Sachen macht,

was er gekauft – die wahre Pracht,

er kaufte nur mit Auge ein,

und erntete, das war gemein,

von den „Experten“ Hohn und Spott,

angeblich holte er nur „Schrott“

– trotz der Sprüche, all den miesen,

ist das Gegenteil bewiesen,

der Arnesen, der ist ein Held,

drum schenk ihm künftig auch mal Geld,

dass er tatsächlich „kaufen“ kann –

das bringt uns dann noch mehr voran.

 

Zum guten Schluss – kommt Thorsten Fink,

dem schenke noch ein dickes Ding,

’nen Spieler Marke van der Vaart,

zum neuen Jahr – das wär ein Start,

gib ihm auch reichlich Energie,

er führt hier engagiert Regie,

das hat bislang sehr gut getan,

er packt hier an mit viel Elan,

und dann noch dieses Bayern-Gen

– schon viele uns bald feiern seh’n,

drum schenk ihm stets ’ne gute Hand,

und in der Stadt ’nen guten Stand,

dass er den Klub nach oben führt,

wenn Du das schaffst – ich wär gerührt.

 

Ich dank Dir nun ganz allgemein,

und hau jetzt schnell und tüchtig rein,

es wird noch eng, die Zeit wird knapp,

und mach nicht zwischendurch mal schlapp,

ich bitte Dich um Dein Bemüh’n

ich weiß, manch Wunsch ist schon sehr kühn,

doch denke dran, es geht allein,

um Hamburgs besten Sport-Verein,

Du kannst jetzt helfen – ganz genau,

es grüßt ein Fan vom HSV.

11.21 Uhr

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