Monatsarchiv für November 2011

Heute wird es etwas später…

23. November 2011

Liebe Bloggemeinde,

ich hatte Euch ja bereits die Problematik mit Print- und Online-Ausgabe des HA erläutert. Und heute bin ich etwas später dran. Deshalb bitte ich Euch um Verständnis, dass der heutige Blog erst gegen 22 Uhr zu lesen ist.

Danke und bis später!
Scholle

Bei Beister geht es in die finale Phase

22. November 2011

So, liebe Leute. Heute, morgen und auch am Donnerstag stehe ich wieder in Doppelfunktion. Soll heißen, ich habe Print wie Online des Hamburger Abendblattes zu beliefern. Da das zeitlich nur schwierig zu bewerkstelligen ist, hoffe ich, dass Ihr es mir nachseht, wenn die Blogs morgen und/oder Donnerstag ein wenig kürzer werden als sonst. Es ändert sich ab Freitag auch wieder. Versprochen.

Heute fällt es mir allerdings noch leicht, Euch mit ausreichend Informationen zu versorgen. Denn heute saß Frank Arnesen bei uns in der Runde. Und der Däne war wie immer sehr ausführlich in seinen Antworten. Heute insbesondere beim Thema Neuzugänge für den Winter und den Sommer. Interessant: Zumindest Erstgenannte könnten durchaus ausbleiben. „Wir machen eine sehr gute Entwicklung durch und wollen nur etwas machen, was uns sofort weiterhilft. Allerdings würde ein großer Name auch immer zu Lasten eines jungen Talentes gehen. Und das wollen wir eigentlich nicht. Im Gegenteil: Wir wollen unseren Spielern weiter eine Plattform bieten, auf der sie sich empfehlen und vor allem weiterhin so gut entwickeln können.“

16 bis 18 „richtig gute Spieler“ habe der HSV schon nachweislich im Kader. Hinzu kämen Talente, die allemal das Potenzial zum sehr guten Bundesligaspieler hätten. Genug für den HSV, um seine Ziele zu verwirklichen und ins gesicherte Mittelfeld zu gelangen, glaubt Arnesen, der diesen Gedanken heute wie schon zum Saisonauftakt am 26. Juni voller Überzeugung bekräftigt. Selbst ein Europa-League-Teilnehmer und erneut –Anwärter wie der nächste Gegner Hannover 96 sei eine Mannschaft, mit der der HSV konkurrieren kann. Und will: „Wir sind stabil, haben in den letzten acht Pflichtspielen nur einmal verloren. Jetzt geht es darum, auch in den einzelnen Spielen über die gesamte Spielzeit stabil zu werden. Wir haben einen Kader, der weiter nach oben in der Tabelle gehört. Wir müssen uns nicht vor anderen Mannschaften verstecken. Aber wir müssen genau das noch beweisen.“

Das wolle man jetzt. Mit dem vorhandenen Kader. Und nachdem Arnesen uns heute alle Positionen mit den jeweiligen Besetzungsmöglichkeiten „mit gut“ bis „sehr gut“ besetzt durchdeklinierte, ließ er bewusst offen, dass er für einen Ausnahmespieler auch eine Ausnahme machen würde. Allerdings, und das war seine Voraussetzung, müsse dieser Spieler (Arnesen: „Am ehesten schauen wir auf der Sechs und der Zehn“) eine Qualität haben, die bislang fehlt. Ob der Spieler besser sein müsse als die aktuelle Besetzung des zentralen Mittelfelds mit Rincon und Kacar? „Nein”, so Arnesen, “er muss anders sein. Er muss eben Qualitäten haben, die uns fehlen, die keiner unserer Spieler hat.“

Eine Ausnahme von diesen Vorgaben wäre sicherlich Ja-Cheol Koo. Obwohl der 22-Jährige nach nur 247 Bundesligaminuten (7 Spiele, vier Ein und drei Auswechslungen) noch nicht als Soforthilfe anzusehen ist. Dennoch, der südkoreanische offensive Mittelfeldspieler war im Sommer intern bereits als Zugang für den damaligen Trainer Michael Oenning verbucht. Die Verträge waren unterzeichnet und es fehlte „nur“ noch die Signatur von Felix Magath, Trainer und Sportchef in Personalunion beim abgebenden Klub VfL Wolfsburg. Doch dieser verweigerte die eigentlich schon erteilte Freigabe plötzlich und für Arnesend sehr überraschend. „Wir hätten nie gedacht, dass so etwas passiert“, ärgerte sich HSV-Sportchef Frank Arnesen damals über den Wortbruch Magaths. Heute, kaum sechs Monate später, steht Koo beim VfL vor dem Aus und darf den Klub voraussichtlich schon im Winter verlassen. Ob er für den HSV noch immer interessant ist? Arnesen weicht ein wenig aus, dementiert allerdings nicht: „Er war ein Thema für uns im Sommer. Und er ist ein guter Spieler. Das hat er nicht zuletzt im Spiel gegen uns gezeigt.“ Arnesen will sich zunächst erkundigen, inwieweit eine Verpflichtung für den HSV realisierbar wäre. Zudem muss er mit dem neuen Trainer Thorsten Fink besprechen, ob Koo in dessen Konzept passe. Aber, auch wenn Arnesen momentan nicht von Zugängen im Winter sprechen mag, eine Fortsetzung folgt. Da bin ich mir in diesem Fall ziemlich sicher.

Sicher bin ich mir wie die meisten hier im Blog auch, dass Maximilian Beister ein überdurchschnittlich talentierter Fußballer ist. Und das hat sich längst herumgesprochen. Ebenso, dass Beister, der zwar noch bis Saisonende vom HSV an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist, aber zur neuen Saison unbedingt zum HSV zurückkehren soll. Dennoch haben sich inzwischen etliche Klubs um Beisters Dienste beworben. Zuletzt sollen sich Top-Klubs wie Ajax Amsterdam und Borussia Dortmund (Beister soll sich mit BVB-Trainer Jürgen Klopp getroffen haben) sowie der FC Fulham und die TSG Hoffenheim um den Offensivspieler bemüht haben. Zeitgleich forcierte der HSV seine Anstrengung, Beister noch vor seiner Rückkehr im Sommer zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Am Wochenende gab es ein erstes, ausführliches Gespräch zwischen Trainer Thorsten Fink und Beister. Und schon in den sollen finale Vertragsverhandlungen mit Beister-Berater Carsten Kühn folgen, kündigte Arnesen an. „Jetzt geht es um Laufzeit und Geld. Maxis Berater hat gesagt, dass es bislang keine anderen Gespräche gab. Es gibt zwar keine Frist, aber wir wollen so schnell wie möglich verlängern.“

Das sollten sie auch. Denn wenn Beister so weitermacht, dürfte es nicht lange dauern, bis er hoch datierte Angebote von weiteren Top-Klubs bekommt. Und sollte der HSV ihn dann noch halten wollen, würde es teuer. Richtig teuer. Deshalb, vertrauen wir den Worten Arnesens, der sehr optimistisch ist: „Wir hatten gute Gespräche und der Trainer will ihn unbedingt. Maxi weiß das. Er ist Hamburger und weiß auch unser Bemühen seit Saisonbeginn zu schätzen. Er ist sehr zufrieden mit uns.“ Und wir wären es sicherlich auch mit Beister, wenn er denn im Sommer wirklich hier aufdribbelt und den jungen HSV-Kader verstärkt.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Noch ohne Beister. Aber wohl wieder mit Mladen Petric, der seine Wadenprobleme auskuriert haben soll.

Scholle

Rincon und Drobny – zwei Gewinner der Fink-Ära

21. November 2011

Er darf sich freuen. Er ist ein Gewinner. Nicht allein vom Typ her, sondern ganz klar auch seit der Amtsübernahme des neuen Trainers. Denn Thorsten Fink hat sich inzwischen festgelegt. Im defensiven Mittelfeld setzt der neue HSV-Trainer auf Gojko Kacar – und eben jenen Tomas Rincon. Der „General“, wie Rincon in seiner Heimat Venezuela gerufen wird, ist zum ersten Mal in seiner Zeit beim HSV ein richtiger Stammspieler, auch wenn er selbst das verneint. „Stammspieler gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr“, so der 23-Jährige, „es geht alles nur über die reine Leistung. In den Spielen, aber auch im Training. Wer nicht immer Vollgas gibt, fällt hinten raus.“

Ich muss hier nicht sagen, dass Rincon somit einen der gesichertsten Plätze im Kader haben müsste, denn nur wenige Fußballer bringen eine derart tadellose Einstellung mit. Als Star und Kapitän Venezuelas zum HSV gewechselt, musste sich Rincon jahrelang mit einem Platz auf der Reservebank begnügen. Aber anstatt wie viele ungeduldige Fußballer zu jammern und die Schuld der persönlichen Misere bei anderen aber nur nicht bei sich zu suchen, arbeitete Rincon. Jeden Tag im Training gab er alles. Von der ersten bis zur letzten Sekunde einer jeden Einheit. Er wartete geduldig und fleißig auf seine Chance – und jetzt nutzte er sie endlich auch.
„Die Philosophie des Trainers gefällt mir gut. Ich habe vorher auch häufiger rechts spielen sollen, was sicher nicht meine beste Position ist. Aber im Moment passt es“, freut sich Rincon, „es sind mit Sicherheit die schönsten Tage für mich persönlich beim HSV. Denn ich habe jetzt mehr Ballkontakte. Ich spiele die Position so, wie in der Nationalelf und meinem alten Verein. Hier gibt mir der Trainer mehr Verantwortung – und diese Rolle gefällt mir richtig gut.“

Zuletzt wurde Rincon in seiner Heimat aber auch am Sonntag von Sky-Reporter Fritz von Thurn und Taxis mit dem italienischen Ex-Weltmeister Gennaro Gattuso verglichen. „Ein großes Kompliment“, findet Rincon nicht zu Unrecht, „Gennaro hatte immer eine vorbildliche Einstellung, eine besonders starke Mentalität. Er war immer ganz nah dran an seinen Gegnern, ließ keinen Raum.“ Dennoch, Rincon wäre nicht er selbst, wenn er zufrieden wäre. Der Teamplayer verweist trotz seines persönlichen Hochs immer auch auf die Mannschaft hin. „Es ist schön, dass wir zuhause gewonnen haben. Aber wir müssen noch vieles verbessern. Denn ein 14. Platz ist nichts für den HSV. Dafür haben wir noch vier Spiele bis zur Winterpause, in denen wir das Maximum erreichen wollen.“

Außerdem hofft er auf die erste WM in der Geschichte Venezuelas. „Wir haben die beste Nationalmannschaft aller Zeiten und wollen zur WM“, so Rincon, der dem HSV auch einige Talente aus seinem Land ans herz legt: „Da sollte schnell ein Scout hinfahren und sich die angucken. Da sind etliche dabei.“

Sogar ein Torhüter. Allerdings, und das weiß auch Rincon, hat der HSV auf der Position keine Probleme mehr. Im Gegenteil. Jaroslav Drobny, der in den ersten Spielen noch als Unsicherheitsfaktor verschrien wurde, avanciert zum gestärkten Führungsspieler. Auch gegen Hoffenheim parierte er überragend, rettete dem HSV am Ende gar die Null. Die erste Null in dieser Saison. „Wichtiger als die Null war, dass wir gewonnen haben“, so Drobny, der sich dennoch über die Gegentorlos-Premiere gefreut hat: „Das will doch jeder Torwart. Auch ich.“

Auch heute war Drobny nicht in Plauderlaune. Zu tief sitzt der Frust nach den ersten Spielen und den harten Kritiken. Dennoch, angesprochen auf die Jubelchöre der Fans, die ihn minutenlang feierten, huscht ein schnell wieder unterbundenes Lächeln über sein Gesicht: „Das ist natürlich ein schönes Gefühl. Das war ja vorher auch ganz anders“, so Drobny, der allerdings bei einem Thema keinen einzigen Millimeter Freude verbergen kann: bei der EM. Denn für die hat er sich als zweiter Torwart hinter Petr Czech in den Playoffs in der vergangenen Woche qualifiziert. Und er ist sich sicher, dass er auch für die EM im kommenden Sommer in der Ukraine und Polen nominiert wird. „Drei gehen mit, und ich bin Nummer zwei.“ Ob er sich bei einem anhaltenden Formhoch wie im Moment sogar mehr erhofft? „Petr Cech ist die klare Nummer eins. Der hat inzwischen auch die Nase geschützt und trägt neben seinem Helm einen Mundschutz. Und weil der eh hart im Nehmen ist, wird den nichts von der EM abhalten können.“ Er sei trotzdem unendlich glücklich, in „dem späten Alter noch mal so ein Turnier spielen zu dürfen“, wie er selbst sagt.

Es läuft einfach für Drobny und Rincon. Besser als für den einen oder anderen hier im Blog. Und ohne hier ein Fass aufmachen zu wollen, vielleicht mal zwei, drei Infos zu Legenden, die hier von einzelnen Usern forciert werden:

1. Die Chefredaktion hat noch nie und wird weder Dieter noch mir jemals vorschreiben, was wir in unserem personalisierten Blog für Meinungen vertreten.
2. Auch wenn es im Moment einige Klicks weniger sind als noch vor ein paar Monaten, läuft der Blog noch immer sehr erfolgreich. Und er wird auch weiterhin laufen, selbst wenn es noch ein paar Klicks im Schnitt weniger werden.
3. Sowohl Dieter als auch ich hoffen seit Beginn unserer Tätigkeiten hier, dass sich ein sachlich-kritisches Diskussionsklima einstellt. Dass sich einige hier nicht daran halten, ist traurig, aber nicht zu verhindern.

Und zum Schluss das Fazit, das sich eh alle denken können: Wie fast überall im Leben sind wir alle zusammen das, was am Ende als Ergebnis herauskommt. Wir alle sind hauptverantwortlich dafür, dass dieser Blog das ist, was er ist: ein Vorbild. Und sollte sich einer von bestimmten Bloggern provoziert fühlen, ignoriert denjenigen. Anonym im Blog zu pöbeln ist leicht. Und ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich werde hier immer wieder mal zum Teufel gewünscht. Sollte es derjenige auch im persönlichen Gespräch wiederholen, würde ich mir überhaupt erst Gedanken darüber machen. Aber nicht eine Sekunde früher. Denn: Es gibt immer auch Leute – und auch das ist hier wie im wahren Leben – die einfach nur zerstören wollen, die an Sachlichkeit und Kreativität und Ausgestaltung überhaupt nicht interessiert sind. Deshalb lasst uns doch an denen festhalten, die Gutes im Schilde führen. Mit denen müssen wir nicht immer einer Meinung sein, aber sie sorgen für eine Meinungsvielfalt, die Sinn und Zweck eines solchen Forums wie unserem sind. Sollten dabei künftig wieder mehr Klicks herumkommen, umso besser. Aber wenn nicht, ist das auch kein Problem. Und das weiß ich aus der Chefredaktion.
In diesem Sinne ein ganz aktuelles Beispiel: Drobny hat uns vorgemacht, wie man sich selbst aus einer deprimierenden Phase herauszeiht. Machen wir es ihm nach. Denn das wir Blogkultur haben, haben wir über Jahre bewiesen.

Mir macht der Blog weiter Spaß. Weil er gut ist. Durch Euch. Durch uns alle.
Bis morgen,
Scholle

2:0 gegen Hoffenheim – da ist der erste Heimsieg!

20. November 2011

Da ist er doch, der erste Heimsieg seit April. Und dann ach noch zu null. Was wollen wir mehr. „Oh, wie ist das schön“, sangen die Fans im Stadion. Überglücklich darüber, den ersten Heimdreier der Saison eingefahren zu haben und somit auf Platz 14 und somit raus aus der Abstiegszone geklettert zu sein. Ein Sieg, der mit Sicherheit nicht mit brillantem Kombinationsfußball erreicht wurde. Aber ein Sieg, der über das Kollektiv erzielt wurde. Weil die Mannschaft den unbedingten Willen an den Tag legte.

Und die Partie begann schon gut für den HSV. Schon in der zweiten Minute läuft Paolo Guerrero allein über die rechte Seite auf Hoffenheims Keeper Tom Starke zu – findet allerdings in dem Ex-Hamburger seinen Meister. Eine gute Szene, die bis zur 17. Minute die einzige Torraumszene bleiben sollte. Da allerdings war es TSG-Antreiber Salihovic, der einen von leider wieder einmal vielen Stellungsfehlern in der HSV-Defensive nutzte, seinen Schuss allerdings nicht ausreichend platzieren konnte. Diesmal hatte Bruma sich dazu entschieden, im Raum zu decken, da sich weder Kacar noch Rincon klar zu ihren Gegenspielern orientiert hatten. Eine Szene, die nur eine Minute später wiederholt wurde. Diesmal griffen Rincon und Kacar gar nicht erst an, sodass Salihovic unbedrängt auf den startenden Johnson passen kann, der erst in letzter Sekunde von Bruma gestört wird.

Allerdings, und das will ich hier nicht aussparen, gab es eine Szene, die unterzugehen schien. Sebastian Rudy zog in einem ansonsten normalen Zweikampf (15.) den Ellenbogen hoch und verpasste Guerrero eine Platzwunde an der Unterlippe. Kann passieren, klar. Aber bei einer fast identischen Szene musste Slobodan Rajkovic gegen Tiffert mit Rot und drei Speilen Sperre vom Platz. Dass es diesmal nicht einmal den Gelben Karton gab, ordne ich mal so ein, dass der großzügige Schiedsrichter den Stoß überhaupt nicht gesehen hat. Ansonsten wäre eine Verwarnung das Mindeste gewesen. Und die hätte für den Hoffenheimer nur wenige Minuten später das vorzeitige Duschen bedeutet, als er nach einem Foul an Kacar Gelb sah.

Egal wie, der HSV überstand endlich mal die ersten 20 Minuten ohne Gegentor. „Wenn wir das schaffen, gewinnen wir“, hatte Trainer Thorsten Fink angekündigt. Und er sollte damit richtig liegen. Denn nachdem Guerrero eine gute Einschussmöglichkeit für Jansen verhinderte (21.) war es der Peruaner, der in der 25. Minute die Führung besorgte. Dennis Diekmeier führte mit seiner bis dahin ersten guten Szene einen Freistoß kurz hinter der Mittellinie schnell aus, fand den ansonsten in den ersten 45 Minuten unglücklichen Marcus Berg, der auch dieses Anspiel nicht festmachen konnte, dabei aber das Glück hatte, dass der Ball Guerrero vor die Füße fällt. Der Peruaner zog ab, traf zunächst nur den Pfosten, hatte aber beim Abpraller keinerlei Mühen, das 1:0 zu erzielen. Und hätte Guerrero, der eine Menge einstecken musste, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte etwas genauer gezielt, hätte es sogar 2:0 gestanden. Allerdings darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HSV speziell nach der Führung das Spiel an die TSG abgab. Die Dominanz im Spiel, die Fink sehen will, gab es nicht. Wenn der HSV das Spiel nach vorne trieb, dann über lange Sololäufe von Gökhan Töre. Und im Angriff – das muss bei aller Sympathie für Marcus Berg so klar gesagt werden – gab es heute in den ersten 45 Minuten nur einen Anspielpunkt: Paolo Guerrero.

Und es schien, als sollte das eh alles egal sein. Denn auch in der zweiten Halbzeit begann der HSV stark. Der bis dahin enttäuschende Diekmeier setzte über Rechts den ersten Anker. Nach einem beherzten Sololauf findet der Rechtsverteidiger in der Mitte Kacar, der die maßgeschneiderte Flanke per Volleyschuss über das TSG-Gehäuse setzt. Und nachdem der HSV auch die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit ohne Gegentor überstanden hatte der große Auftritt von Marcell Jansen. 20 Meter vor dem Tor schnappt sich der Linksfuß den Ball, tankt sich vorbei an drei Hoffenheimern in den Sechzehner und trifft mit einem satten Flachschuss zum 2:0. Eine Szene, die Fink von Jansen seit seinem Amtsantritt immer wieder fordert. Und offensichtlich, wie schon in Leverkusen – ein probates Mittel.

Und das 2:0 tat nicht nur der zuletzt besonders bei Heimspielen strapazierten Fan-Seele gut. Die heute leider nur 46237 Zuschauer (Minusrekord in dieser saison) quittierten die gute Vorstellung ihrer Mannschaft mit der Welle. Und die Mannschaft gewann an Sicherheit. Dennis Diekmeier hatte sich plötzlich gefangen und konnte immer wieder nur durch Fouls (warum es da keine Gelben gab, kann ich nicht nachvollziehen) zu stoppen. Auch Marcus Berg war jetzt anspielbar und verteilte sicher die Bälle. In der 69. Minute fand der Schwede über Umwege Jansen, der das sichere 3:0 vergab, indem er Starke anschoss.

Und obwohl der HSV in den letzten 15 Minuten etwas nachlässiger agierte und den stark parierenden Jaroslav Drobny zur Weißglut trieb, kam er mit einer weißen Weste davon. Das 2:0 hatte auch nach 92 Minuten Bestand. Es passte heute einfach. Und dabei belasse ich es auch. Diesen Moment sollten wir einfach wirken lassen und genießen. Auch wenn er letztlich nicht mehr als ein Startschuss einer hoffentlich doch noch erfolgreichen Serie sein sollte… O-Ton Fink: “Wir waren immer gefährlich. Wir haben sicher noch viel zu verbessern, aber unser Weg ist weiterhin richtig.”

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:
HSV:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Rincon, Kacar (78.Jarolim) – Töre (77.Ilicevic), Jansen – Berg, Guerrero (88.Son).
1899 Hoffenheim: Starke – Beck, Vestergaard, Compper, Braafheid (30.Mlapa) – Rudy (68.Firmino), Weis (84.Musona) – Johnson, Salihovic – Babel, Ibisevic
Tore: 1:0 Guerrero (25.), 2:0 Jansen (65.). Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb). Zuschauer: 46237. Gelbe Karten: – / Rudy, Compper, Beck

*****Samstags-Update*****

19. November 2011

Heute gibt’s nur ein kurzes Update vom Abschlusstraining. Das fand im Nebel unter Flutlicht statt und hinterließ einen zunächst unsicheren Trainer Thorsten Fink. Der musste auf Mladen Petric verzichten. Soweit, so klar. Allerdings musste er sich anschließend entscheiden, wen er noch aus dem Kader streicht. Skjelbred, Tesche und Jarolim waren die drei Kandidaten, aus denen es einen treffen sollte. „Sie sind alle auf Augenhöhe“, so Fink, „das ist schwer.“ Dennoch konnte er sich festlegen und entschied sich dafür, den Norweger Skjelbred zu streichen.

Ansonsten ist der Kader identisch mit dem des Leverkusen-Spiels. Alle Spieler sind gesund. Und gegenüber der Startelf aus Leverkusen ersetzt Jeffrey Bruma hinten in der Viererkette Michael Mancienne und Marcus Berg kommt für Heung Min Son. Ansonsten bleibt alles gleich.

Bis auf das Ergebnis. Hoffe ich zumindest. Denn nach Wochen voller starker Worte, guter Leistungen und viel Optimismus müssen jetzt Punkte folgen. Hoffenheim ist dabei ein Gegner, der nicht zu unterschätzen ist. Die Hinweise von Fink und Co., dass die TSG momentan nicht allzu sicher wirke, können schnell nach hinten losgehen. „Nein“, sagt Kapitän Westermann, „wir unterschätzen keinen Gegner. Wir wissen, dass wir erst einmal punkten müssen. Egal wie.“

Na dann, die Chance ist groß. Ein Heimspiel, das auch noch das Topspiel am Sonntag ist, dazu haben Kaiserslautern, Nürnberg und auch Freiburg (trotz eines moralischen und hochverdienten Sieges) haben Punkte gelassen und könnten bei einem Sieg überholt werden. Theoretisch wäre Platz 13 drin. „Auf die Tabelle schauen wir im Moment nicht“, sagt Gökhan Töre, „wir wollen einfach wieder gewinnen. Und das geht nur, wenn wir uns immer voll auf das nächste Spiel konzentrieren und uns nicht mit anderen Dingen wie Tabellenplatz und so beschäftigen.“

Klingt gut. Wie so oft. Aber diesmal anders. Hoffentlich.

So, ich muss zum Grünkohlessen mit den Mannschaftskollegen. Dabei wird Bayern gegen Dortmund geguckt. Und auch das klingt nach einem richtig guten Spiel.

Bis morgen,
Scholle (18.01 Uhr)

P.S.: Ich habe lange überlegt, ob ich mich überhaupt dazu äußern soll. Aber angesichts dieser unfassbaren Geschmacklosigkeit eines Bloggers musste ich reagieren: Wer sich darüber echauffiert, dass das Köln-Spiel abgesagt wurde, der hat die Welt nicht verstanden. Da versucht sich ein Mensch das Leben zu nehmen, wird in der schrecklichen Szenerie von seinen Assistenten gefunden, und die sollen zwei Stunden später tatsächlich das Spiel leiten, weil der Bundesligafußball nun mal Business ist und die Show weitergehen muss? Junge, Junge, mir fallen beim Lesen solcher Posts zwar unfassbar viele Schimpfwörter ein, ansonsten allerdings gar nichts mehr. Außer vielleicht ein ernst gemeinter Tipp: bitte, erst denken, dann schreiben. Das hilft. Und sollte das nicht möglich sein, einfach mal nichts schreiben. Auch das hilft. Zumindest mir.

Es gibt sie doch, die vernünftigen Jungen…

18. November 2011

Euphorie – in schönes Wort, vor allem, wenn es denn auch gelebt werden kann. Bei der Nationalmannschaft am Dienstag war das der Fall. Ich habe es genossen und genieße den Ausblick auf diese Mannschaft mit schier unbegrenztem Potenzial noch immer. Und da wollen wir auch wieder hin. Beim HSV in Winsen war zwar herzlich wenig von Euphorie zu spüren, um es vorsichtig zu formulieren. Dafür gibt es aber eine breite Zuversicht beim HSV, die begründet ist. Vordergründig verursacht sie der immer sehr offensiv und optimistisch auftretende Trainer Thorsten Fink. Allerdings wird Fink von jungen HSV-Profis flankiert, die allemal Anlass geben, den Optimismus zu leben. Wie zum Beispiel Gökhan Töre.

Der Deutsch-Türke musste beim Ausscheiden gegen Kroatien mit der türkischen Nationalmannschaft zwar gerade einen herben Schlag hinnehmen, allerdings wirkt der Linksfuß ansonsten frisch. Trainer Fink nennt diese Qualität Töres „fußballmental stark“. Soll heißen, Töre ist einer, der sich keine falschen und auch nicht zu viele Gedanken macht. Dadurch kann er auch Negativerlebnisse schnell verdauen und ist alsbald wieder auf das Wesentliche konzentriert. „Es stimmt“, sagt Töre, „ich bin ein positiver Typ und kann mit Rückschlägen sehr gut umgehen. Die Vergangenheit interessiert mich schnell nicht mehr.“ Dabei hat das bittere Aus seiner Türken in der Heimat hohe Wellen geschlagen. Unter anderem musste Trainer Guus Hiddink gehen. „Unser Volk ist sehr emotional“, sagt Töre, „da sind alle traurig. Auch ich war schockiert.“ Allerdings habe er schnell Ablenkung gefunden. „Drei Punkte gegen Hoffenheim und mir geht es wieder gut.“ Obwohl mit Hiddink sein größter Befürworter gehen musste und er sich nach eigener Aussage eine Menge Hohn und Spott von seinem kroatischen Mannschaftskollegen Ivo Ilicevic anhören muss.

Der HSV scheint für Töre Heimat geworden zu sein. Angesprochen darauf, ob er – wie einige vor ihm schon – den HSV als Sprungbrett für größere Klubs nutzen möchte, sagt er: „Nein. Hier ist alles toll.“ Und Töre klingt ehrlich. Deshalb betont er auch, dass er als Fußballer noch viel erleben wolle. Und auch solche Beispiele wie Uwe Seeler, der nur für den HSV (das eine Spiel für Cork zähle ich nicht) spielte, nennt er ehrlich „utopisch“. Dafür hätten sich die Zeiten zu sehr geändert. Allerdings macht Töre auch keinen Hehl daraus, dass er bei und mit dem HSV noch große Ziele hat. „Dabei geht es mir nicht gleich darum, irgendeinen Titel holen zu müssen. Aber es macht hier riesigen Spaß und den will ich mit der Mannschaft zusammen in Erfolge umsetzen. Wir wollen uns weiter gut entwickeln und möglichst bald auch mal einen Sieg an den anderen reihen.“

Töre sieht seine Zukunft beim HSV. Ebenso wie Zhi Gin Lam, der gestern seinen ersten Profivertrag bis 2015 unterschrieb. Ein Moment, den er nie vergessen wird. „Ich bin jetzt Profi“, so der 20-Jährige, für den sich seit seiner Beförderung von der U23 zum Bundesligateam durch Rodolfo Cardoso sehr viel verändert hat, noch etwas ungläubig. „Es ging ja auch alles sehr schnell, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Das musste ich erst einmal realisieren“, so Lam heute. Zumal er im Sommer noch tief frustriert war, als etliche seiner U-23-Kollegen mit den Profis ins Trainingslager reisen durften – er allerdings nicht. „Ich war damals frustriert und habe meinen Berater angerufen. Der sagte, ich solle geduldig bleiben – und das hat sich dann gelohnt.“

Ruhe, Geduld und Bodenständigkeit – das sind neben allen sportlichen Qualitäten Lams Vorzüge. Er wohnt noch immer bei seinen Eltern in Lohbrügge, besuchte unter der Woche seine alten Kollegen von der U23 beim Training und telefoniert noch immer mit seinen Jugendtrainern aus Allermöhe und Lohbrügge. Und er ist – wie Töre – kein Schnacker. Lam zählt nicht zu denen, die Gefahr laufen, abzuheben. „Ich wurde so aufgezogen, nie zu viel zu haben. Es kam nie etwas von allein“, so Lam, der trotz des drastisch verbesserten Gehaltes nicht gleich zum nächsten Ferrari-Händler laufen will. Im Gegenteil. „Ich lade meine Familie zum Essen ein. Wie immer, wenn ich einen neuen Vertrag unterschrieben habe. Ansonsten verändert sich nichts.“ Vor allem nicht er selbst.

Lam, der heute in unserer Runde ebenso sichtbar wie meiner Meinung nach grundlos nervös war, macht Hoffnung. Zum einen, weil er ein überdurchschnittlich talentierter Fußballer ist. Zum anderen aber auch, weil er das Gegenteil zu den Jung-Millionären ist, die als „die neue Generation halt“ von den Älteren kritisiert werden. Lam ist eben kein Elia, der sich auf das falsche Umfeld verlassen hat – und damit trotz seines Potenzials zum Weltklassefußballer im Mittelmaß stagniert. Lam ist ein bescheidener Junge, der mit jeder Silbe betont, dass er lernen will. Jeden Tag. Selbst Spieler wie Töre, der sogar ein Jahr jünger ist – bezeichnet er als „Vorbild, von dem ich täglich lernen kann“. Lam wirkt gut erzogen. Er scheint die richtige Portion Bescheidenheit zu haben, um seine exponierte Stellung als Fußballprofi richtig einzuschätzen und ihren Wert zu erkennen. Zuhause bei seinen Eltern will er vorerst wohnen bleiben. „Und ich werde weiterhin den Abwasch machen müssen“, so Lam.

Die Gespräche mit Lam und Töre zeigen, dass die neue Generation nicht so versaut ist, wie wir oft beklagt haben. Es gibt sie noch, die jungen, erfolgshungrigen und vernünftigen Jungs. Zwei davon hatten wir heute im Gespräch – und das hat mir richtig gefallen. Es waren zwei Gespräche, die mich an den HSV glauben lassen, die meine persönlichen Aussichten verbessern. Euphorisch bin ich sicherlich noch nicht – aber ich könnte es werden, wenn der HSV bis zum Winter tatsächlich die 20-Punkte-Marke durchbricht. Weil das zeigen würde, was ich glaube. Denn wer Leute wie Töre und Lam binden kann, wer einen Fink als Trainer holt – der muss was können. Daher an dieser Stelle noch einmal: Chapeau, Herr Arnesen!

Und dieses Kompliment habe ich lange nicht exklusiv. Im Gegenteil. Indirekt stellt auch Ottmar Hitzfeld dem HSV und damit insbesondere Frank Arnesen, ein erstklassiges Zeugnis aus. Zumindest bei der Trainerwahl. Fink sei ein „Spitzentrainer, der irgendwann beim FC Bayern landen wird, weil er das Bayern-Gen hat“, so Hitzfeld heute bei einem Termin des Fernsehsenders „Sky“. Fink sei „ein Taktikfuchs, ein großer Motivator, er hat eine hohe Sozialkompetenz und kann begeistern“, erklärte Hitzfeld, selbst jahrelang Trainer des FC Bayern und derzeit Schweizer Nationaltrainer. Er prophezeite auch, dass sein ehemaliger Spieler mit dem HSV „bald im Mittelfeld“ stehen werde und „vielleicht auch noch den Europapokal“, was aber grundsätzlich „nur eine Frage der Zeit“ sei. Und warum sollten wir uns hier mit euphorisierten Gedanken zurückhalten, wenn selbst so renommierte Leute wie Hitzfeld den HSV schon für die kommende Saison in den Europa-Cup wähnen??

Dann sicherlich nicht mehr dabei sein dürfte David Jarolim. Der Tscheche wird den HSV im Winter oder spätestens im Sommer ablösefrei verlassen. Und der 32-Jährige will nach Möglichkeit weiter in der Bundesliga spielen. Heute berichten Münchner Zeitungen, dass der ehemalige HSV-Kapitän bei den Löwen hoch im Kurs steht. Da heißt es: „…obwohl es sportlich attraktivere Alternativen für Jarolim gibt (auch Augsburg und Düsseldorf bieten mit), rechnen sich die Sechziger eine gute Außenseiterchance aus, nach Collin Benjamin einen zweiten Routinier vom HSV zu übernehmen. „Die Frage ist, ob wir ihn uns leisten können“, sagt Hinterberger, „und ob Jarolim bereit ist, für ein Viertel seines gewohnten Gehalts zu spielen.“ Sportlich, da sind sich Präsident und Manager einig, wäre Jarolim auf jeden Fall ein Gewinn. „Vom Spielertyp her würde er ideal passen“, sagt Hinterberger.
Worte, denen ich mich anschließen kann. Allerdings drohen sie relativ wirkungslos zu verhallen. Zumindest ist meine Info die, dass die zweite Liga für Jaro keine Alternative ist. Es ist daher kaum denkbar, dass Jaro seinem Kumpel Benjamin folgt. Egal wie nett in München über ihn gesprochen wird.

In diesem Sinne, am Sonnabend wird um 16 Uhr – mit Jarolim und seinen designierten Erben Lam, Töre und Co. – an der Arena trainiert. Und am Sonntag wird gewonnen. Auch wenn Holger Stanislawski, den ich sehr schätze, heute auf der Pressekonferenz der TSG betonte, dass es für ihn nichts Schöneres gibt, “als beim HSV zu gewinnen”. Das hatte er. Mindestens einmal zu viel.

Bis morgen, Scholle (17.30 Uhr)

Kurz notiert:
Beispiel:
Noch ein Grund, weshalb mir Töre immer besser gefällt (die aufmerksamen Blogger werden wissen, was ich meine): Heute verglich er den Fußball der Deutschen im Spiel gegen die Niederländer anerkennend mit dem Fußball auf der Playstation…
Schreck: Tomas Rincon musste das Training heute mit einem dicken Verband ums Knie beenden. Allerdings gab der kernige Mittelfeldspieler umgehend Entwarnung: “Alles okay. Es tat ein bisschen weh, wird aber gehen.”
Klicks: Wer sich die letzten Klickzahlen angesehen hat, wird erkannt haben, dass es pro Blogbeitrag aktuell mal etwas weniger geworden ist. Das ist schade, aber in einer Länderspielpause auch verständlich. Dennoch haben wir von gestern auf heute die Marke von 500 000 Posts durchbrochen! Und die erste Million ist das nächste Ziel. Danke dafür!

Die Startelf für den Hoffenheim-Dreier steht

17. November 2011

Das sieht doch richtig gut aus. Das Aufwärmprogramm konnten beide voll mitmachen. Alle Sprints und Zweikampfübungen absolvierten die zuletzt verletzten Jeffrey Bruma und Ivo Ilicevic komplett mit. Und während der Innenverteidiger Bruma von Fink schon seit ein paar Tagen als Innenverteidiger gegen Hoffenheim eingeplant wird, wird sich Ilicevic zunächst „nur“ mit der Rolle des Reservisten zufrieden geben müssen. „Er hat sehr, sehr gut trainiert und ist schon wieder sehr spritzig. Aber wenn alle gesund sind, wird er zunächst auf der Bank sein. Und wenn wir offensiv noch was brauchen, kann er immer noch 20, 30 Minuten Druck machen.“

Und das mit einer Menge Rückenwind. Gerade mit Kroatien höchst souverän durch die EM-Playoffs marschiert, kam Ilicevic aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. „Die Stimmung bei uns ist unglaublich. Das war schon ne super Sache“, so der Kroate, der trotzdem er angeschlagen war, von Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic eingeladen worden war. Eine Woche lang konnte der offensive Außenspieler schmerzfrei trainieren. „Es fehlt noch was, aber das hole ich mir in den nächsten tagen und Wochen.“

Abgewartet hat er zudem bei Gökhan Töre, der auf Seiten der türkischen Nationalmannschaft ausschied. „Direkt nach den Spielen habe ich natürlich nichts gesagt. Aber heute geht das schon. Er weiß auf jeden fall schon, dass er sich bei mir melden kann, wenn er Karten für die Euro braucht…“, flachst Ilicevic und ich will nicht wissen, was der bullige Töre mit dem 64-Kilo-Flo Ilicevic am liebsten anstellen würde. Wie es Töre geht? Fink: „Er macht einen guten Eindruck, ist gefasst.“

Obwohl, das ist Sport. Mal gewinnt man, mal verliert man. Das kann sogar so sein, dass man monatelang nicht gewinnt – wie der HSV zuhause. Und geht es nach Ilicevic, reißt diese Serie garantiert schon am Sonntag gegen Hoffenheim. „Ich sehe Hoffenheim nicht so stabil, die standen zuletzt auch zuhause gegen Kaiserlautern mächtig unter Druck. Wir schaffen es immer besser, die Philosophie des Trainers umzusetzen, also viel Ballbesitz zu haben und durch Kombinationen Torchancen zu kreieren. Ich sehe uns als die klar bessere Mannschaft – und deswegen gewinnen wir auch.“

Klingt (mal wieder) sehr gut. Zumal auch Fink sich nach den eigentlich sehr überschaubaren Trainingswochen während der Länderspielpause hoch zufrieden zeigt, seine Mannschaft wieder einen Schritt weiter wähnt. Schon allein wegen der letzten, guten Eindrücke aus dem 2:2 bei Bayer Leverkusen. „Wir haben aus dem letzten Bundesligaspiel sehr viel Vertrauen ziehen können, hatten sehr viel Ballbesitz. Und das, obwohl wir schlecht angefangen haben gegen Leverkusen, gegen die man in solchen schwierigen Momenten auch gern mal untergehen kann. Das haben wir gut gemacht.“ Zudem habe er in den zwei Testspielen gegen den Oberligisten Oststeinbek (6:1) und den Landesligisten TSV Winsen/Luhe (3:1) einige Automatismen erkennen können, die funktionierten. „Dabei“, so Fink, „ging es ums Timing. Wie beim Zusammenspiel von Zhi Gin Lam und Dennis Diekmeier, der im richtigen Moment gestartet ist.“ Auch deshalb vermeldete der HSV heute, dass die Vertragsverlängerung des kleinen Lam perfekt ist. Der rechte Mittelfeldspieler verlängerte seinen Vertrag bis 2015, wird gegen Hoffenheim allerdings zunächst nur auf der Bank sitzen.

Insgesamt gibt es hinter der Startelf gegen die TSG kaum Fragezeichen, sollten alle Spieler gesund von ihren Länderspielreisen zurückkehren. Und danach sieht es aus. Womit Fink am Sonntag lediglich eine Veränderung gegenüber der Startelf aus dem Bayer-Spiel vornehmen wird: „Wir müssen schauen, wenn Jeffrey durchhält, dann spielt er.“ Und das dann für Michael Mancienne, der auf die Bank müsste.

Das würde bedeuten, dass Fink seiner gewünschten Konstanz in der Startelf langsam näherkommt. Insbesondere die Abwehr-Viererkette bräuchte viele Spiele, um sich einzuspielen, hatte der Coach immer wieder gesagt. „Traumhaft wäre es, wenn man ein paar Spiele in Folge die gleiche Mannschaft aufbieten kann. Auch dadurch eignet sich eine Mannschaft Automatismen an und die Mannschaft ist eingespielter.“

Wie die Deutsche Nationalelf. Denn auch heute, zwei Tage nach der Gala in der Imtech-Arena, spielt das Spiel gegen die Niederländer eine Rolle. Fink zeigte seinen Spielern sogar einzelne Szenen vom 3:0. In Dreier- oder maximal Vierergruppen finden Videostudien statt. Eben auch mit dem deutschen Elitefußball. „Ich habe zwei Aktionen aus dem Spiel genommen“, so Fink, „jedes Spiel liefert Ähnlichkeiten.“ Und im Spiel der Deutschen sei so einiges gewesen, was Fink nur zu gern beim HSV sehen würde.

Klar. Wer hätte das nicht gern. Ich könnte mir mein Leben lang diese Automatismen vom Dienstag antun…

Aber okay, zurück in die Realität. Und da stehen 10 Punkte auf dem Haben-Konto. Deutlich zu wenig. Es wäre sehr wichtig, dass wir unser Heimspiel mal wieder gewinnen“, sagt Ilicevic, während Fink weiterhin große Hoffnungen in Marcus Berg setzt. „Marcus hatte sich schon vor dem Lautern-Spiel aufgedrängt, musste aber taktisch bedingt raus“, so Fink, „und er hat weiter sehr gut trainiert, sich mit Leistung empfohlen.“ So auch in den Testspielen, in denen er vier von neun Treffern erzielte. „Am Wochenende wird er spielen, weil er gut ist“, so Fink, der seine Vorschusslorbeeren erklärt: „Er wird das am Sonntag ganz sicher auch umsetzen.“

Zumal Mladen Petric entgegen erster Hoffnungen gegen Hoffenheim noch nicht dabei sein wird. Fraglich ist zudem David Jarolim, der heute noch nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. „Ich kann noch nicht genau sagen, ob es bis Hoffenheim reicht“, sagt Jarolim, „aber ich gehe davon aus. Noch bin ich etwas schlapp – aber das wird schon.“ Dabei machte er wie immer gute Miene zum bösen Spiel. Spekulationen, er sei am Dienstag nach Prag gereist, um sich dort schon mit einem neuen Verein zu unterhalten, dementierte er auf jeden Fall: „Totaler Quatsch. Ich gehe nicht zurück nach Prag.“ Zumindest nicht zum Fußballspielen. Denn er ist noch zu fit, um jetzt schon in eine eher unterklassige erste Liga zu wechseln.

Ebenfalls fit ist Paolo Guerrero, der in Peru im Anschluss an ein Länderspiel einen Auffahrunfall produzierte. „Wir haben mit ihm gesprochen“, so Mediendirektor Jörn Wolf heute, „er ist gut versichert, die Versicherung zahlt – und er kommt heil zurück.“

Na, dann passt doch alles. Fehlen nur noch die drei Punkte. Und, ganz ehrlich: so schön mir die DFB-Elf die 14 Tage Bundesligapause auch versüßt hat, so langsam werde ich echt ungeduldig. Ich will endlich den ersten Heimdreier. Oder besser: überhaupt den ersten Dreier unter Fink. Damit die starken Worte nicht nur starke Worte sind, sondern endlich auch tabellarisch belegt werden. In diesem Sinne, alles wird gut. Zumindest besser. Hoffentlich.

Bis morgen,
Scholle (18.15 Uhr)

Kurz notiert:
Am Freitag wird um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Ohne Mladen Petric, dafür mit Bruma, Ilicevic und höchstwahrscheinlich auch Jarolim.

HSV in Winsen – ein Kulturschock

16. November 2011

Da meinte es der Fußball-Gott aber mal so richtig gut. Mit mir, wofür ich an dieser Stelle noch mal allen beteiligten meinen tief empfunden Dank aussprechen will. Aber ganz sicher auch mit den anderen 51499 Zuschauern in der Imtech-Arena und den Millionen Fußballfans vor den Fernsehern. So ein Offensivfußball wie die deutsche Nationalelf gegen die Niederländer abzog durften wir in Hamburg lange nicht mehr sehen. Allerdings, und da werdet ihr mir alle zustimmen, hat Trainer Thorsten Fink zumindest genau das seit Wochen als sein größtes Ziel proklamiert. Auch der HSV soll, so die Vorstellung Finks, möglichst offensiv-dominant agieren. „Die Nationalmannschaft ist schwer mit einer Vereinsmannschaft vergleichbar. Aber es gab sicherlich bestimmte Dinge, die in der Nationalelf so gut funktioniert haben, dass sie als Beispiel dienen können“, sagt Dennis Aogo, der gegen die Niederlande auf der linken Seite eine ordentliche Partie ablieferte, „mit Sicherheit auch einige Dinge, die sich der Trainer anschauen konnte.“

Und wie ich Fink kenne, hat er das. Fink hat gesehen, dass eine Mannschaft mit Spielern wie Thomas Müller, Miroslav Klose, Toni Kroos und Mesut Özil offensiv alles in den Schatten stellt. Selbst eher durchschnittliche Viererketten haben dann kaum mehr Probleme, da der Ball weitgehend von ihnen ferngehalten bleibt. Die beste Nachricht allerdings war für mich in der geglückten Revanche fürs Halbfinale 1988 (auch damals war ich im Stadion und knabberte bis gestern noch daran), dass diese Deutsche Nationalmannschaft Weltklassefußball spielen kann. Und wer auch immer mit der Erklärung kommt, bei den Niederländern hätten ja auch van Persie, van der Vaart und Robben gefehlt, dem nenne ich mit Lahm, Schweinsteiger und auch Gomez, der nur auf der Bank blieb, drei Namen, die im Deutschen Spiel fehlten.

Nein, das gestrige Spiel war natürlich nur ein Test, aber er hat gezeigt, wozu die Deutschen unter Trainer Joachim Löw in der Lage sind. Jetzt wissen alle im Team, dass sie alles können. Und dieses Selbstvertrauen braucht eine Mannschaft, die eine EM gewinnen will.

Was mich wiederum an den HSV erinnert. Der hat zwar in den letzten Spielen nicht dreifach gepunktet, allerdings hat die Mannschaft Spiele hingelegt, in denen sie gezeigt hat, was sie kann. Sollte das so oft zitierte Potenzial nunmehr mal über 90 Minuten abgerufen werden, werden auch die HSV-Fans von ihrer Mannschaft ähnlich verwöhnt, wie die Deutschlandfans gegen die Niederlande. Zumindest relativ betrachtet. „Im Bus auf dem weg zum Hotel haben mich ein par Spieler schon geflachst, dass es jetzt für uns als HSV-Spieler schwer würde, die eigenen Fans zufriedenzustellen. Zu hoch sei die Messlatte gehängt. Aber ich bin mir sicher, dass unsere Fans wissen, in welcher Situation wir sind. Und vor allem, dass erstmal nur ein Sieg zählt. Das allein würde uns schon zufriedenstellen.“

Aogo wirkte gefasst. Er sei stolz darauf, bei einem so großen Ereignis dabei gewesen zu sein. Dennoch, und solche Sätze folgten immer unmittelbar auf eine Schwärmerei, „ich werde aus dem Spiel in erster Linie mitnehmen, dass es endlich mal wieder ein Heimsieg war. Dieses Gefühl nehme ich mit in das Spiel am Sonntag gegen Hoffenheim. Die Tendenz bei uns ist positiv“, war Aogo immer schnell wieder beim HSV, „und wir haben einen sehr guten Trainer, der sehr viel entdeckt und umgesetzt hat. Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass wir Erfolg haben werden.“

Gut so. Denn bei aller Freude und Verständnis für die Jubelarien nach diesem 3:0 der DFB-Elf, für einen wirklich geglückten Jahresausklang fehlen wahrscheinlich nicht nur mir noch etliche Punkte. Drei davon sollten am Sonntag gegen allemal nicht überragend auftretende Hoffenheimer geholt werden. Mit einer positiven Grundstimmung. „Wir dürfen uns nicht mehr mit dem beschäftigen, was hinter uns liegt“, sagt Aogo, der die Fink’sche Denkweise schon verinnerlicht hat: „Je mehr wir über das reden, was nicht funktioniert, desto mehr machen wir uns verrückt und provozieren Fehler.“

Wie in Winsen an der Luhe. Vor 4000 Zuschauern und gefühlten minus 60 Grad gewann der HSV zwar, allerdings konnte beim enttäuschenden 3:1 bis auf den Sechstligisten (Landesliga) niemand zufrieden sein. Auch Fink nicht. „Wir haben zu wenig Tore gemacht, ganz klar. Die erste Halbzeit war noch ganz okay, die zweite eher nicht mehr.“ Dennoch, Fink wäre nicht der der letzten Tage, würde er nicht auch aus diesem Spiel etwas Positives mitnehmen. „Diese Spiele sind wichtig für den Rhythmus und das ständige Üben von Automatismen.“ Und zumindest der griff über die rechte Seite. Denn sowohl das 1:0 durch Berg (8.) als auch das 2:0 durch Jansen bereitete Dennis Diekmeier nach jeweils schönen Pass von Zhi Gin Lam vor, indem er seinen Gegenspieler überlief und direkt flach nach innen passte.

Besonders bitter war der Abend indes für Sven Neuhaus. Der dritte Torwart griff beim Anschlusstreffer des Winseners Yannick Heidrich bös daneben. Der Neuner der bei Kontern erstaunlich gefährlichen Gastgeber vollendete per Kopf. Es war Neuhaus’ erste Szene, in der er eingreifen musste (19.), bevor er in der zweiten Hälfte zweimal in höchster Not rettete und sich zumindest teilweise rehabilitieren konnte. Dennoch, dieser Abend war kein Leckerbissen. Winsen hätte vor dem 1:3 durch Tesche (84.) seinerseits treffen und aus einem schwachen HSV-Spiel eine Blamage machen können. Und im Vergleich zum offensiven Feuerwerk von gestern natürlich (und auch erwartet) ein richtiger Kulturschock. Aber welches Spiel wäre das nicht…

Allerdings, und das lässt dieses Spiel schnell zu einer schwächeren, aber wenig aussagekräftigen Trainingseinheit verkommen, heute agierten mit Westermann, Jansen, Diekmeier und Berg nur vier Spieler, die auch am Sonntag gegen Hoffenheim auf dem Platz stehen werden. Und ich bin mir sicher, dass gerade mit Leuten wie Guerrero, Töre und vielleicht auch schon Ilicevic das Offensivspiel des HSV gegen Hoffenheim ganz anders aussehen wird als heute.

Das muss es allerdings auch.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (20.20 Uhr)

P.S.: David Jarolim fehlte mit einer leichten Grippe, soll aber am Donnerstag voraussichtlich um zehn Uhr mittrainieren können.

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