Monatsarchiv für November 2011

Sonntags-Update: Für Fink wirds “hart”…

27. November 2011

Jetzt wird es schwer für Thorsten Fink. Endlich – wird er selbst sagen, denn schon am kommenden Sonntag gegen Nürnberg wird der HSV-Trainer (fast) aus dem Vollen schöpfen können. Denn: Bis dahin sollte Mladen Petric genesen und ebenso wieder dabei sein können wie Slobodan Rajkovic, der seine Drei-Spiele-Sperre abgesessen hat. Je mehr Auswahl er habe, desto besser sei es doch, hatte Fink zuletzt betont. Zumal es für den HSV-Coach keinen Grund gibt, etwas an der Innenverteidigung zu verändern. Dafür haben der in Hannover im Zweikampf schier unbezwingbare Heiko Westermann und Torschütze Jeffrey Bruma zuletzt zu starke Leistungen gezeigt. „Wir haben eine gute Absprache“, freut sich Bruma, „und je mehr Spiele wir nebeneinan-der machen, desto eingespielter wird es.“

Allerdings, ganz im Gegenteil zur Innenverteidigung, ist der HSV-Sturm nicht komplett gesetzt. Zuletzt hatte Fink zwischen Son und Berg neben dem gesetzten Guerrero gewechselt. Jetzt kommt mit Petric ein eigentlicher Stammspieler zurück. Und ich glaube, Fink wird den Kroaten auch von Beginn an bringen, sofern er die Woche über normal trainiert. Zumal Fink sehr viel von dem Kroaten hält, dessen Vertrag zum Saisonende hin ausläuft. Die Frage wird nur sein, wie passt der eher ökonomisch laufende Petric in das zuletzt sehr laufintensive Pressing des HSV? Ich bin ehrlich gespannt, glaubeaber auch, dass die offensivere Ausrichtung einem abschlussstarken Spieler wie Mladen Petric auch sehr entgegenkommen kann und wird.

Schade wäre es, wenn sich Guerrero dadurch aus dem Sturmzentrum hinter Petric fallen lassen müsste. Denn gerade der Peruaner, der hier im Blog noch immer von vielen sehr, sehr kritisch gesehen wird, wusste zuletzt zu gefallen. Auch, weil ihm seine neue Rolle als vorderster Stürmer sehr gefällt. „Ich war eigentlich immer und bin ein Neuner. Das habe ich unter den letzten Trainern nicht so oft gespielt, und das war okay für mich. Aber Thorsten Fink kennt mich schon lange und weiß, was ich am besten kann“, sagt Guerrero, „deshalb freut es mich so, dass er mir das Vertrauen vorne schenkt.“

Auf jeden Fall verschlechtern sich die Startelfchancen für Heung Min Son und vor allem Marcus Berg, der die wenigen Spielminuten nicht wirklich zu nutzen wusste. Zumindest nicht ausreichend, um einen Guerrero oder einen gesunden Petric zu gefährden. Und während sich Son auch für eine der beiden Außenpositionen anbieten kann, ist Berg auf die Sturmspitze ziemlich festgelegt.

Dazu muss man, wenn man denn schon alle Varianten ins Auge fasst, natürlich auch einen Ivo Ilicevic nennen. Der Kroate ist ebenfalls wieder topfit und drängt auf einen Platz in der Startelf. Wer von Euch in der letzten Woche die Trainingseinheiten verfolgt hat, wird gesehen haben, dass Ilicevic auf sich aufmerksam machen konnte. Und wer Fink zuhört, spürt sofort, dass der Trainer den dribbelstarken Ex-Lauterer grundsätzlich in der ersten Elf sieht.

Die Frage ist allerdings, für wen? Jansen und Töre wussten in den letzten Spielen absolut zu überzeugen. Und auch wenn Jansen in Hannover das erste Mal in den letzten drei Wochen eher unauffällig blieb, er dürfte ebenso gesetzt sein für das Nürnberg-Spiel wie der in Hannover wieder gute Töre.

Aber egal wie, Personaldiskussionen in dieser Form sind gut. Wenn es darum geht, formstarke Spieler mit starker Konkurrenz zu pushen, stört sich kein Trainer der Welt daran. Ganz im Gegenteil: Auf so viel Qualität konnte in dieser Saison noch keiner der vier Trainer (Oenning, Cardoso, Arnesen und Fink) setzen…

In diesem Sinne, morgen ist trainingsfrei und auch heute war beim HSV nicht viel los. Deshalb dieser Blog in aller Kürze. Übrigens, alle Spieler fuhren heute wie in jedem Jahr vor Weihnachten zu den verschiedenen Fanclubs. Vielleicht ja nächstes Jahr auch zum OFC „Matz ab“. Das hätte doch was!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Euch allen natürlich einen schönen ersten Advent!!!

1:1 in Hannover – da war deutlich mehr drin…

26. November 2011

Lehmann war ein Riesentorwart. Das möchte ich vorwegschocken. Ich schätze ihn für seine Verdienste um den deutschen Fußball. Aber seine Kommentare sind eines Pay-TV-Senders wie Sky nicht würdig. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass sie für niemanden, der auch nur ein bisschen mit Fußball zu tun hat, zu gebrauchen sind. Denn was auch immer auf dem Platz passiert, Lehmann sieht was anderes. Vielleicht passt er auch einfach nicht auf. Wer weiß es. Und: eigentlich ist es auch egal. Schließlich können wir alle das Spiel einschätzen, ohne uns von Lehmann beirren zu lassen.

Deshalb bleibe ich auch dabei, dass die erste Halbzeit nicht annähernd so schlecht war, wie Lehmann es machte. Natürlich kann man kein Spiel mit Ballstafetten á la Real Madrid erwarten, dafür geht’s schon allein für den HSV um zu viel. Und für ein solches Spiel agiert Hannover auch definitiv zu de-struktiv. 96-Trainer Slomka hatte bereits angekündigt, keinen erhöhten Wert auf Ballbesitz, dafür aber auf Effektivität seiner Mannschaft zu setzen. Und das hatte ein von seinen Akteuren eher behäbig wirkendes Spier zur Folge.

Dennoch gab es ausreichend rassige Zweikämpfe und Torraumszenen. Gleich vier Mal (!!) rettete der mal wieder überragende Jaroslav Drobny in höchsten Nöten. Dabei konnte der Tscheche in der 14. Minute sogar im Eins-gegen-Eins gegen Hannovers Schlaudraff dank einer sensationellen Fußabwehr eine Hundertprozentige der Niedersachsen vereiteln.

Nein, das Spiel war nicht schön, aber spannend. Und das, weil Hannover wie erwartet gut konterte, und der HSV wie angekündigt ein sehr hohes Laufpensum an den tag legte. Neben Schlaudraff scheiterten auch Hannovers Abdellaoue (17.) und Haggui (20., war allerdings abseits) am HSV-Keeper, während auf der anderen Seite die laufstarken Heung Min Son sowie Paolo Guerrero immer wieder Lücken in die Gegner-Abwehr rissen. Guerrero (2., 32.), Töre (3.), Jansen (10., 25.), Son (29.) und vor allem der starke Gojko Kacar (35.) vergaben für den HSV gute Gelegenheiten. Und, auch wenn ich nach dem unfassbar schlechten Saisonstart des HSV etwas genügsamer geworden bin, daraus dann das „schwächste Topspiel der Saison“ zu machen, wie es Lehmann machte, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, es zog für mich die sofortige Suche nach der Kommentarfunktion im Sky-Menü nach sich.

Und auch in der zweiten Halbzeit legte der HSV von der ersten Sekunde an ein hohes Tempo vor. Und um es vorwegzunehmen, ich hörte weiterhin den Kommentator Dittmann samt Lehmann. Und es dauerte tatsächlich bis zur 48. Minute, bis ich Lehmann vollkommen recht geben musste. Heung Min Son soll bei einem Zweikampf, an dessen Ende Guerrero den Ball zum 1:0 auf dem Fuß hatte, gefoult haben. Gezogen haben sollte er laut Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin), der heute keine glückliche Figur abgab. Allerdings bestätigte die Zeitlupe das auch von Lehmann Er-ahnte: es war KEIN Foul.

Aber egal, die HSV-Mannschaft lamen-tierte nicht lang und legte nach. Mit der besten Chance in der 56. Minute, als Drobny einen schnellen Konter über Westermann einleitete. Der HSV-Kapitän verpasste allerdings den finalen Pass, der Töre die Chance eröffnet hätte, allein aufs 96-Tor zuzulaufen. Ein Fehler, den der HSV fast doppelt bereut hätte, allerdings parierte Drobny den Schuss des 96ers Stoppelkamp.

Doch auch eine weitere vergebene Kontermöglichkeit sollte sich für den HSV nicht weiter rächen. Im Gegenteil, der HSV holte sich den verdienten Lohn seiner Arbeit. Cherundolo hatte unnötig zur Ecke geklärt. Die trat Töre von links und fand in der Mitte den mit ihm zusammen im Sommer vom FC Chelsea zum HSV gewechselten Bruma, der mit einem langen Bein weder seinem Gegenspieler Abdellaoue noch dem guten 96-Torwart Zieler eine Chance ließ – das 1:0 für den HSV in der 64. Minute.

Und als ich mich schon darauf einstellen wollte, den nächsten Dreier hier zu bejubeln, kam das, was Hannover auszeichnet: sie machen aus nichts Tore. Diesmal – wie in 70 Prozent ihrer eigenen Treffer – über einen Eckball. Schlaudraff hatte sich bis kurz vor die Mittellinie zurückgezogen und sich so aus dem Blickfeld der HSV-Defensive gestohlen. Allerdings war er schnell wieder da, als der Eckball getreten wurde und traf mit einer Direktabnahme aus 20 Metern. Ein Traumtor. Unhaltbar für Drobny. Leider. Das 1:1. Besonders ärgerlich: Dem Eckball war ein Foul-pfiff vorausgegangen, der falsch war…

Dennoch, plötzlich war es ein Spiel mit zwei aktiven Mannschaften. Hannover scheiterte durch Pander an Drobny (83.) und der HSV an seiner Ungenauigkeit beim letzten Pass. Nachdem Zwayer einen eindeutigen Freistoß an Son nicht gegeben hatte (wäre direkt am Sechzehner eine sehr gute Position gewesen), konnte Guerrero Son den Ball nicht ausreichend scharf in den Lauf spielen. So rettete Pogatetz, bevor der Südkoreaner allein aufs 96-Tor hätte zulaufen können. Umso ärgerlicher, dass Rincon in der 89. Minute völlig allein vor Zieler beim Schuss ausrutschte.

Was blieb war die Erkenntnis, dass der HSV einen Dreier verpasste, der ebenso drin wie verdient gewesen wäre. Auch deshalb jubelten die Hannoveraner nach dem Schlusspfiff, während beim HSV zunächst der Ärger über die verpasste Chance vorherrschte. Dass Hannovers Trainer anschließend von einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis sprach, bleibt ihm exklusiv vorbehalten. „Wir haben hier 90 Minuten dominiert, das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend“, konterte Westermann nach dem Spiel. Und er hatte Recht. Auch damit: „Das ist einfach sehr ärgerlich.“ Obwohl die Mannschaft unter Fink weiter ungeschlagen ist. Und obwohl der HSV auswärts dominierte, eine Handschrift des neuen Trainers immer deutlicher erkennbar wird. Der Fußball wird weiter besser. Auch wenn es sich wie heute nicht ausrei-chend oft in drei Punkten nieder-schlägt. „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, deshalb ärgere ich mich. Dazu noch so ein Sonntagsschuss – umso ärgerlicher, weil wir die zweite Halbzeit dominiert haben. Wir haben genug Konterchancen gehabt, die wir besser hätten ausspielen müssen.“

Aber ganz sicher: Das holen Fink und Co. nach. In der kommenden Woche gegen Nürnberg.

In diesem Sinne,
bis morgen, (ein nur vom Ergebnis enttäuschter) Scholle

Son von Beginn an dabei, wenn die nächste Serie durchbrochen wird….

25. November 2011

Sie sind Serienbeender. Und ganz ehrlich, eigentlich war es der HSV immer. Zumindest erinnere ich mich an die Jahre, in denen bei Wattenscheid ein gewisser Souleyman Sane Ewigkeiten nicht getroffen hatte und dann im Hamburger Volksparkstadion traf. Jahr für Jahr. Alle Serien, zumindest die für die Gegner negativen wurden in Hamburg beendet. Der HSV leistete Aufbauhilfe noch und nöcher. Eine Aufgabe, die sich in den letzten Wochen Frank Arnesen und Thorsten Fink auflasteten. Allerdings in eigener Sache. Beide sprachen die Mannschaft stark, richteten Spieler wieder auf. Und sie beenden Serien. Sieglosserien in Stuttgart (mit Cardoso), die Heimspielnegativserie nach 246 Tagen ohne Dreier – und jetzt auch Hannover? Gegen die Niedersachsen, die wir gern als „den kleinen HSV“ betiteln, konnte der HSV in den letzten 17 Spielen nur zwei Partien gewinnen. „Wir haben eine Negativserie beendet“, so Fink, „und ich verlange, dass wir jetzt weitermachen.“

Worte, die man wunderbar in den Lauf einen „Hannover-Fluch“-Geschichte stellen könnte. Allerdings sagte Fink sie gestern ganz sicher nicht darauf gemünzt. Vielmehr glaube ich, dass Fink sich darüber noch weniger Gedanken macht, als der eine oder andere Spieler. Selbst der letzte Siegtorschütze konnte sich zunächst gar nicht daran erinnern. „Ist das wirklich wahr“, fragte mich Collin Benjamin, der am Sonnabend um 13 Uhr mit 1860 München auf Armin Vehs Eintracht aus Frankfurt trifft, heute. „Das kann nicht der letzte Sieg gewesen sein“, so Collo weiter, „das ist ja ewig her.“ 2007 ist nicht wirklich ewig, aber lang genug, um zu lang zu sein. Ob er sich noch an die Stimmung erinnert? „Es war ein Derby, Mann“, so seine Antwort, „und Derbys sind nie angenehm. Da ist immer jede Menge Brisanz drin. Schon vorher – gerade wenn zweimal HSV gegeneinander spielen.“ Gerade Hannover, so Collin, der sich eigentlich gar nicht mehr zum HSV äußern wollte. „Ey Dicker“, so sein zurzeit leider sehr treffender Wortlaut, „das musst du verstehen. Das Kapitel ist abgeschlossen und ich würde mich unwohl fühlen, wenn ich mir vor einem wichtigen Spiel mit meinem Klub über den alten Verein Gedanken mache.“ Eine Antwort, die ich nur zu gern akzeptiere. Nicht nur deshalb: viel Glück Collo!

Wahrscheinlich tut man eh besser daran, sich im Vorfeld nicht zu sehr mit einer solchen Serie zu beschäftigen, zumal sie relativ ist, denn in den letzten 17 Spielen gab es zwar nur zwei Siege, dafür aber auch nur sechs Niederlagen bei neun Unentschieden. Rechnet man die letzten 20 Bundesligaspielen, kämen noch drei Siege hinzu. Insofern: machen wir, was Westermann macht. „Gar nicht darüber nachdenken. Da zählt wie in allen Spielen auch nur der Dreier. Und was Serien bedeuten, hat man gesehen.“ Nein, der Mannschaftskapitän betont lieber, ganz im Fink-Modus, „dass wir richtig gut drauf sind und den nächsten Schritt machen wollen. Wenn wir alle wissen, dass wir uns weiter mit harter Arbeit rauskämpfen müssen, spricht auch nichts gegen einen Sieg.“

Sch… auf die Serie! Zumal in der aktuellen Startelf kaum noch Spieler stehen, die schon mehr als zwei Derbys gegen Hannover gespielt haben. Eine Töre, einen Bruma oder Drobny wird das Ganze eh nicht interessieren. Dafür aber einen Heung Min Son. Der Südkoreaner erzielte in der vergangenen Saison in Hannover zwei Tore und – er spielt auch diesmal. Taktisch nicht wirklich überraschend, zumal Fink Son nach der Videoanalyse des Leverkusen-Spiels rückwirkend von aller Kritik freisprach. „Er hatte extrem viele Wege gemacht, stand oft frei und bekam einfach nicht die Zuspiele. Aber an sich war das gut.“ So gut, dass Son von Beginn an spielen wird.

Und das stand schon vor dem Abschlusstraining fest. Auch wenn Fink nie widersprochen hatte, wenn man ihn darauf ansprach, dass in Hannover erstmals die selbe Startelf der Vorwoche auflaufen würde. Nein, er hatte es geplant. Schon vor dem Abschlussspiel heute erhielt Son das Leibchen der A-Elf. Und das nicht nur, weil Berg schon vor dem heutigen Training leichte Leistensprobleme angekündigt hatte und letztlich das Abschlusstraining sogar vorzeitig abbrach. „Ich hatte schon gegen Hoffenheim einen Krampf in der Gegend und jetzt hat es wieder gezogen“, so der traurige Schwede, der in die Reise nach Hannover gar nicht erst mit antreten wird.

Ebenfalls traurig sein könnte Ivo Ilicevic. Auch der Zugang vom 1. FC Kaiserslautern wird nicht von Beginn an spielen, obwohl er es ob seiner Trainingsleistungen absolut verdient hätte. Das große Problem dabei ist, dass sich die beiden potenziellen Konkurrenten auf den Außenbahnen, Marcell Jansen links und Gökhan Töre rechts, in einer ebenso starken Verfassung präsentieren. Auch deshalb hat Fink den flinken Kroaten als Alternative für den Angriff im Auge. „Er ist ein logischer Gedanke“, so Fink, der nach Bergs und Mladen Petrics Ausfälle keinen nominellen Stürmer mehr auf der Bank hat, nach dem Training.

Ein reizvoller Gedanke, wie ich nach dem heutigen Training denke. Denn da überragte der Kroate im Abschlussspiel auf verkürztem Feld. Und das sogar zentraler als sonst – zumindest bewegte sich Ilicevic weniger auf seiner Lieblingsposition Linksaußen als im Sturmzentrum seiner B-Elf, die allerdings auch ohne nominelle Stürmer spielte. Aber, dieser Ilicevic, das ist sicher, wird gesund eine absolute Verstärkung. Der 25-Jährige ist vielleicht der handlungsschnellste Spieler der Mannschaft. Gepaart mit seiner Grundschnelligkeit und seiner ausgeprägten Technik, einem guten Schuss und einer erstaunlichen Robustheit im Zweikampf ist Ilicevic ein Spieler, auf den kein Trainer gern verzichtet. Auch Fink nicht, da bin ich mir sicher.

Das Schönste an solch einer Situation (also, dass Ilicevic nur deshalb auf der Bank ist, weil die anderen so gut drauf sind) ist, dass der HSV reagieren kann. Per Skjelbred, der sich in der Länderspielpause in den Testspielen als einer der Besseren präsentierte, rückte in den Kader nach. Zudem stehen mit Slobodan Rajkovic (letztes Spiel gesperrt) und Mladen Petric (Wade) zwei Spieler auf dem Sprung zurück in den Kader. Somit dürfte sich die Konkurrenzsituation vor dem Nürnberg-Spiel erneut verschärfen. Und genau das wollen alle. Der Trainer auf jeden Fall – und die Spieler müssen es zumindest sagen…

Aber was denke ich schon an Nürnberg, zunächst steht Hannover an. Und wenn Fink und die Spieler im Laufe der Woche eine Nachricht übermittelt haben, dann die, dass sie nicht an große Ziele denken wollen, sich lange nicht zufrieden geben und vor allem ausschließlich auf das nächste Spiel konzentrieren. Und das mache ich jetzt auch. Ich freue mich auf ein Nordderby, dass ich persönlich zugegebenermaßen noch nie als ein solches akzeptiert habe. Warum? Na, ich glaube einfach, dass es nur ein echtes und mit aller Brisanz ausgestattetes Derby jeder Art, also nur ein Stadt- (Pauli) und Nordderby (Werder) geben darf.

Aber okay das soll jeder halten wie er mag. Und wenn es für den einen oder anderen Prozent Zusatzmotivation sorgt ist es mir nur recht. Zumal ich mir sicher bin, dass es bei den 96ern ein harter Gang wird. Wie ich gehört habe, will deren (von vielen HSVern in den höchsten Tönen gelobter) Trainer sehr defensiv spielen lassen, setzt auf Standards und Konter des schnellen Mohammed Abdellaoue. Zudem soll der ebenfalls sehr schnelle Jan Schlaudraff dahinter die Fäden ziehen. Und auf Guerrero, der sich mit ganzem Körper in die Zweikämpfe wirft, warten mit Haggui und vor allem dem österreichischen Hünen und extrem körperbetont spielenden Pogatetz zwei richtig harte Nüsse. Zumindest körperlich. Dennoch, den Peruaner stört das nicht, im Gegenteil, er hat große Ziele: „Ich würde diese Saison gern die Zehn-Tore-Marke knacken, alles ist möglich“, so der Angreifer, dessen Bestmarke in der Bundesliga bislang neun Treffer (07/08 und 08/09) sind, zuversichtlich. Denn, das betonte Guerrero heute, er fühlt sich wieder richtig wohl. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt. Aber klar ist, dass ich am liebsten auf der Neun spiele.“ Und genau da sieht ihn sein neuer Trainer Thorsten Fink, mit dem er 2002/2003 sowie 2003/2004 zusammen für die Amateure des FC Bayern spielte. „Der Trainer kennt mich schon lange und hat mir gesagt, dass er mich auf der Neun sieht. Und dieses Vertrauen tut gut.“ Und das ist auf dem Platz mehr als deutlich erkennbar, wie ich finde.

In diesem Sinne, uns allen ein schönes Derbywochenende mit dem ersten heute Abend in Köln, dem zweiten morgen in Dortmund – und dem wichtigsten in Hannover.

Ich freue mich darauf.

Bis morgen,
Scholle

Kurz notiert:

Weil ich ihm einfach glaube: Während die allemal nicht zwingend seriösen Tageszeitungen in Lima berichten, Paolo Guerrero hätte nach seinem Autounfall den geschädigten Taxifahrer im Stich gelassen, hier Guerreros Version: „Ich hatte keine Schuld am Unfall, was sowohl Zeugen als auch die Polizei bestätigen.“ Vielmehr habe der Taxifahrer die Situation falsch wiedergegeben. „In Peru sind Versicherungen keine Pflicht. Der Taxifahrer ist kein reicher Mann, der hat nichts und wird mir auch nichts zahlen können“, so Guerrero, „deshalb habe ich ihm gesagt, dass ich den Schaden an meinem Wagen selbst zahlen werde. Daraus hat er gemacht, dass ich alles bezahlen würde, was ich so zwar nie gesagt habe, jetzt aber versuchen werde. Ich werde versuchen, ihm finanziell ein wenig zu helfen. Weil er es nicht hat – und ich es kann.“ Klingt irgendwie anders, als die Pressemeldungen in Lima. Die scheinen es mit Prominenten wie Guerrero nicht besonders gut zu meinen. Zuletzt hatte eine TV-Reporterin wiederholt behauptet, Guerrero nachts vor einem Länderspiel mit einer Frau gesehen zu haben. Ergebnis: Die Reporterin wurde nach Ansicht aller Beweise zu einer Haftstrafe verurteilt…

So könnte der HSV spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Töre, Kacar, Rincon, Jansen – Son, Guerrero. Interessant: Nach dem Training schnappte sich Fink Aogo und Bruma. Gestiklirend zeichnete er den beiden verschiedene Spielsituationen nach, zeigte ihnen Laufwege auf. Mal sehen, wie sich das in hannover äußert…

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