Tagesarchiv für den 30. November 2011

Rincon macht Freude – und Dieter kommt zurück!!

30. November 2011

Der Typ kennt keine Angst. Im Gegenteil, wenn Tomas Rincon auf den Platz geht, muss er von seinen Kollegen eher mal zurückgehalten werden. Ein typischer Sechser eben, bei dem Einsatz für die eigene Defensive an erster, zweiter, dritter und wahrscheinlich auch noch vierter Stelle steht. Erst dann kommt er selbst. So, wie am vergangenen Sonnabend in Hannover. Rincon räumte ab, grätschte, schleppte Bälle und gewann Zweikämpfe. Und wurde belohnt, indem er in der 88. Minute beim Stand von 1:1 völlig freistehend vor 96-Torwart Zieler den Ball bekam. Einschussbereit. „Ich habe noch kein Tor in der Bundesliga gemacht“, sagt Rincon, „nicht mal in der Nationalmannschaft habe ich getroffen. Es war immer nur knapp, nie habe ich dann auch getroffen.“ Und so blieb es auch in Hannover. Der bis dahin starke Sechser rutschte beim Schuss aus. „Ich habe nur gedacht: Sch…“, so Rincon ehrlich.

Dass er selbst solche unglücklichen Momente nicht mehr an sich rankommen lässt, hat eine harte Schule bewirkt. Vier Jahre lang ist der stets einsatzwillige Kämpfer jetzt beim HSV, ohne sich dabei einmal endgültig durchgesetzt zu haben. „Ich war oft nah dran“, so Rincon, „aber dann auch wieder ganz oft nicht dabei. Manchmal nicht mal mehr im Kader. Das waren Phasen, in denen ich mich noch mehr selbst motivieren musste, was sehr schwer war.“ Dennoch, als einen Fehler hatte er Hamburg nie gesehen. Im Gegenteil: „Es war ein großer Schritt, der mich weitergebracht hat. Von Beginn an.“ Einzig sein Ziel, Stammspieler zu werden, schien kurzzeitig außer Sichtweite zu geraten, weshalb Rincon an einen Wechsel dachte. Allerdings nur, weil er das Gefühl hatte, beim HSV nicht gebraucht zu werden. „Heimweh aber hatte ich nie, ich wollte nie nach Hause flüchten oder so. Es ging mir immer nur um meine sportlichen Ziele. Ich wollte spielen. Und damals dachte ich, das wäre bei einem anderen Klub vielleicht leichter.“

Umso glücklicher ist Rincon heute. Zum einen, weil er geduldig geblieben ist. Zum anderen, weil er unter Thorsten Fink zum Stammspieler avanciert. Alle fünf Spiele unter dem ehemaligen Bayern-Profi spielte Rincon bislang durch. Und er gilt weiterhin als gesetzt. „Ich spüre das Vertrauen vom Trainer“, sagt Rincon, wissend, dass Fink besonders viel Wert auf Kontinuität bei derart zentralen Rollen legt.

Fink ist Rincons persönlicher Glücksfall. Auch, weil der Trainer einst selbst auf der zentral-defensiven Mittelfeldposition beheimatet war und dort neben Meister und DFB-Pokaltiteln auch die Champions League gewann. „Er gibt mir sehr viele gute Tipps“, verrät Rincon, „er zeigt mir, wie ich di Bälle in der Defensive abholen soll. Und er überträgt mir viel Verantwortung. Ich habe viele Ballkontakte, fast so wie in der Nationalmannschaft. Diese Art zu spielen liegt mir.“

Und sie gefällt neben seinen Mannschaftskollegen und Trainer Fink auch den Zuschauern. Von Beginn an war der unermüdliche, manchmal etwas übereifrige Mittelfeldkämpfer einer, der schnell die Fans mitriss. Weil er einfach kompromisslos spielte, weil er sich nie schonte und keine Angst hat. Das wiederum dokumentiert auch sein Privatleben. Auf die Frage, ob er manchmal Angst um seine in Venezuela lebende Familie habe, sagt er: „Nein, man muss auch mal Glück haben.“ Fürwahr, denn in Venezuela stehen Entführungen mit Lösegeldforderungen auf der Tagesordnung. Gerade vor zwei Wochen wurde Wilson Ramos, ein berühmter Baseballspieler, der in der US-amerikanischen MLB sein Geld verdient, entführt. Zwei Tage blieb Ramos in der Hand der Kidnapper, die Lösegeld forderten, ehe die Polizei den 24-Jährigen unter Einsatz von Schusswaffen befreien konnte. „Ich habe keine Angst, wenn ich in meiner Heimat bin“, sagt Rincon, der in den letzten zwei Jahren zum Volkshelden aufgestiegen ist und dieses Jahr reelle Chancen hat, das erste Mal zum Fußballer des Jahres gekürt zu werden. „Allerdings habe ich meine Schwester schon rausgeholt. Sie studiert in Spanien“, so Rincon, der seine Schwester finanziell unterstützt.

21 Punkte sind Rincons realistisch formuliertes Ziel bis zur Winterpause, „mit 20 könnte ich auch noch leben“, so Rincon, der als Beweis für Beharrlichkeit vielen Spielern ein gutes Beispiel sein kann. Denn auch in den letzten drei Saisonspielen wird er unter normalen Umständen (also gesund und ohne Sperre) im Mittelfeld beginnen. Sein persönliches Erfolgsgeheimnis: „Nie aufgeben! Ich habe immer daran geglaubt, dass ich Gutes erreiche, wenn ich mich gut verhalte.“

Richtig gut spielt derzeit auch Jeffrey Bruma. Der Niederländer konnte sich in Hannover nach einer defensiv überzeugenden Partie sogar als Torschütze eintragen. Und er fühlt sich jetzt so richtig wohl, will unbedingt in Hamburg bleiben. Chelsea, sein eigentlicher Arbeitgeber, spielt bei Bruma momentan nur noch in den schlechten Erinnerungen eine Rolle. „Ich war dort Verteidiger Nummer vier. Und ich glaube, auch jetzt würde es nicht leichter“, so der Innenverteidiger, der zuletzt gesagt hatte, er hätte persönlich ein Mitspracherecht, sollte Chelsea seine Option ziehen und Bruma innerhalb der nächsten 18 Monate zurückbeordern. Heute klärte er auf, dass das zwar nicht vertraglich fixiert, aber durchaus mündlich so vereinbart worden war. „Am Ende müssen sich alle einigen, auch ich“, so Bruma, der angab, sich beim HSV pudelwohl zu fühlen und definitiv nicht wechseln zu wollen. „Ich habe zwei Jahre Vertrag, es läuft richtig gut für die Mannschaft und für mich. Wir stehen hinten immer besser und ich bekommen Spielpraxis. Warum sollte ich da an etwas anderes denken?“

Solle er ja gar nicht. Im Gegenteil, der HSV könnte für Bruma auch die große Chance sein, einen der schier gesetzten Stammplätze in der holländischen Nationalelf zu erobern. Immerhin ist die Konkurrenz dort mit Heitinga und Joris Mathijsen durchaus überschaubar. „Ich rechne nicht damit, dass der Trainer da noch bis zur EM viel wechselt. Mein Gefühl sagt mir, ich muss da noch ein wenig warten.“ Dass sich das lohnt, dafür muss Bruma nicht weit gucken. Immerhin hat er mit Rincon ein Paradebeispiel dafür in der eigenen Mannschaft.

Und auch für uns soll sich das Warten gelohnt haben. Immer wieder habt Ihr hier gefragt, was mit Dieter ist, weshalb in den letzten Wochen nur noch ich hier geschrieben habe. Und, soll ich Euch was sagen? Etwas, worüber sich keiner mehr freut als ich?

Dieter Matz ist endlich wieder zurück!

Schon morgen übernimmt der Blogvater hier wieder. Erholt und Guter Dinge wird er in seiner gewohnt intensiven, emotionalen Art und mit tausenden von interessanten Döntjes seinen Blog führen. Ich freue mich darauf!

In diesem Sinne, bis morgen – wollte ich gerade schreiben. Die Macht der Gewohnheit… Besser muss es natürlich heißen: bis nächste Woche. Ich habe Donnerstag Print-Dienst und ab Freitag drei Tage frei.

Bis dahin,

Scholle

P.S.: Morgen ist um zehn Uhr Training an der Arena. Wenn alles gutgeht, ist Mladen Petric dann erstmals seit seiner Wadenverletzung wieder dabei.