Tagesarchiv für den 28. November 2011

Klubboss Carl Jarchow: Trotz Treffen mit Kühne – keine Neuen im Winter

28. November 2011

Carl Edgar Jarchow ist ein Mann der eher besonnenen Worte. Ausraster sind von ihm bislang nicht überliefert, seine Antworten wählt der Klubboss des HSV mit Bedacht. In Hannover direkt nach dem Spiel, wie es auch hier einigen aufgefallen war, sogar mit der Gelassenheit einer positiven Entwicklung im Rücken. „Der Trend ist positiv“, sagt Jarchow, „wir haben, seit Thorsten Fink Trainer bei uns ist, nicht mehr verloren.“ Allerdings, und das schiebt der Vorstandsvorsitzende noch im selben Atemzug nach: „Wir müssen auch realistisch erkennen, dass wir nur eines dieser Spiele gewonnen haben und in der Pflicht sind, Punkte zu holen.“ Wie das gelingen soll? Carl Edgar Jarchow hofft auf noch mindestens sechs Punkte aus den verbleibenden drei Ligaspielen gegen Nürnberg und Augsburg sowie dazwischen in Mainz: „Wir wollen auf jeden Fall die beiden Heimspiele gewinnen.“ Mit dem Blog sprach Jarchow über…

…das Testspiel am Dienstag gegen Glasgow: „Der Kartenverkauf ist schleppender als erhofft. Wir haben bislang gut 10000 Tickets abgesetzt, werden also kein Minus machen. Aber auch keinen großen Gewinn. Vielleicht haben wir unterschätzt, dass der gemeine Fan jetzt seine vorweihnachtlichen Ausgaben hat. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir gut 15000 bis 20000 Zuschauer begrüßen werden. Generell werden wir Spiele gegen solche Kaliber in den nächsten Monaten immer wieder mal einstreuen, wenn in den jeweiligen Wochen die Europa- und Champions League spielen.“

…die neuen Impulse von Trainer Thorsten Fink: „Der Trainer hat seine Wirkung auf die Mannschaft und der Trend ist positiv. Das erfreut uns im Vorstand besonders, weil wir uns für diesen Weg entschieden haben. Wir halten auch mit Thorsten Fink an unserem Weg fest, der von allen Seiten angezweifelt wurde, weil er sich anfänglich zugegebenermaßen nicht gut entwickelte. Dafür gab es am Anfang viel auf die Mütze, weil wir auch viele schlechte Ergebnisse abgeliefert haben. Wir haben nicht umsonst den schweren Schritt gewagt, den Trainer zu wechseln. Und dennoch haben wir gut daran getan, an unseren Kurs zu glauben. Jetzt haben wir unter Thorsten Fink noch kein Spiel verloren und die Entwicklung allgemein wie die von einzelnen Spielern ist sehr positiv. Nehmen wir nur den Torwart, der nach anfänglich sehr harter Kritik inzwischen zum Liebling der Fans avanciert. Das ist der Beweis, wie schnell sich im Fußball alles verändern kann. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Und da steht auch nur ein Sieg zu Buche. Deswegen wissen wir, dass wir in der Pflicht sind, zu punkten. Ich würde mir zwei Siege in den letzten zwei Heimspielen wünschen.“

…mögliche Abwerbeversuche anderer Klubs, Thorsten Fink für sich zu gewinnen: „Die habe ich nicht. Überhaupt nicht. Zum einen, weil ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm habe und viel mit ihm spreche. Außerdem besteht zwischen ihm und unserem Sportchef Frank Arnesen ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Zum anderen weiß Thorsten Fink unsere Bemühen, ihn nach Hamburg zu holen, zu schätzen. Ob er in ein par Jahren bei Real Madrid oder sonstwo Trainer ist, interessiert mich in diesem Moment nicht. Er weiß, was er bei uns hat.“

…Finks Vorgänger Michael Oenning und dessen Entlassung: „Ich habe mich bei der Entscheidung sehr schwer getan, weil ich mir fest vorgenommen hatte, nicht nach dem ersten Rückschlag gleich umzufallen. Allerdings haben wir das auch nicht getan. Wir haben lange an Michael festgehalten und alle Entscheidungen geschlossen im Vorstand als Team vertreten. Ob es jetzt zu spät kam, mag ich nicht beurteilen. Das wäre auch hypothetisch, weil niemals jemand eine der beiden Theorien beweisen können wird. Deshalb spekuliere ich da auch nicht. Es würde Michael, den ich als Menschen und Trainer sehr schätze, auch nicht gerecht. Ich kann nur sagen, dass ich damals nach Gefühl gehandelt habe und mich – nein, uns als Vorstand – durch die aktuelle Entwicklung der Mannschaft in dieser Entscheidung bestätigt sehe.“

…mögliche Transfers in der Winterpause: „Stand heute gibt es nichts im Winter. Wir müssen unsere finanzielle Lage im Auge behalten und da im Moment noch keinen erlauben. Das würden wir nur, wenn es ein klares Problem im Kader geben würde. Aber das sieht der Trainer nicht. Dem entgegen steht der Fall David Jarolim, der ob seiner geringen Einsatzzeiten unzufrieden ist und dem der Trainer gesagt hat, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen würden, wenn er wechseln wollte.“

…ein Treffen mit Investor Klaus-Michael Kühne in den letzten Tagen: „Herr Kühne ist der größte private Sponsor des Vereins. Da hat er auch das Recht, mal von uns zu hören, wie sich der Verein entwickelt. Diesmal hat sich der Trainer bei ihm vorgestellt, so wie ich es zusammen mit Frank Arnesen im Sommer gemacht habe. Wir reden immer mal wieder zusammen, machen daraus auch kein Geheimnis. Im Moment will Herr Kühne auch gar nichts machen. Ich weiß auch, dass er nie vorhatte, sich an Spielern zu beteiligen, sondern dass sein Engagement beim HSV ursprünglich mit einem Namen verbunden war: Rafael van der Vaart. Auch seine Frau mag van der Vaart wohl sehr gern (Jarchow lacht). Und als dies aus verschiedenen Gründen nicht umzusetzen war, hat sich der Verein eine Möglichkeit ausgedacht, wie man das Geld dennoch für den Klub verwenden könnte. Aber ich kann sagen, dass der Name van der Vaart bei unserem letzten Treffen nicht einmal gefallen ist. Ob er uns einen Spieler schenken würde? Ich glaube nicht. Sein Engagement war wie gesagt immer sehr namensbezogen.“

…die Möglichkeit, neue Geldquellen zu akquirieren: „Wir müssen ehrlich sein und sehen, dass wir auf diesem Level nicht nach ganz oben durchstarten können. Und damit wollen wir auch nicht warten, bis das Stadion in ein paar Jahren abbezahlt ist. Uns ist das Thema sehr bewusst. Aber wir werden zur neuen Saison schon etwas besser dastehen als in dieser Saison – schlechter geht es allerdings auch kaum. Zudem haben wir mit Großsponsoren verlängert, was uns nicht im Geld schwimmen lässt, uns aber zumindest etwas mehr Planungssicherheit verleiht. Zudem gibt es verschiedene Modelle, die interessant sind. Auch eine Fan-Anleihe, wie sie der FC St. Pauli jetzt erfolgreich durchgesetzt hat und wie es vorher schon etliche Klubs mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben, haben wir diskutiert. Wir wären auch ein schlechter Vorstand, wenn wir nicht alles in Betracht ziehen würden, was dem Verein hilft.“

…Pyro-Technik in den Stadien: „Da habe ich einen klares Standpunkt: Es wäre falsch, so etwas zu legalisieren. Es ist eine Gefährdung für die Gesundheit der Zuschauer. In Hannover habe ich das bei unseren Fans kritisch sehen können: da wurden Leuchtfeuer gezündet, die bis zu 1000 Grad warm werden. Und das unmittelbar über den Köpfen anderer Zuschauer. Das ist nicht akzeptabel. Bislang haben wir 7000 Euro Strafe vom DFB aufgebrummt bekommen, wo Hannover noch hinzugerechnet werden muss. Das ist nicht zu akzeptieren, zumal am Ende die Fehler einzelner auf dem Rücken der gesamten Mitgliedschaft ausgetragen werden. Deshalb werden wir die Gespräche mit den Fan-Beauftragten und den Fanklubs suchen. Wir sind entschlossen, da etwas zu unternehmen (zuletzt wurde einem Fanklub der Status aberkannt, nachdem einzelne Mitglieder randaliert hatten. Gleiches sei auch im Falle von wiederholtem Missbrauch von Pyrotechnik in den Stadien denkbar, Anm. d. Red.). Wir sind unseren Fans für den Support sehr dankbar. Aber dazu gehört keine Pyrotechnik. Zumal ich finde, dass die Unterstützung unserer Fans bemerkenswert ist. Diese Geduld und Ausdauer! Und obwohl wir ihnen über weite Strecken ziemlich viel zugemutet haben, haben sie weit mehr Geduld und Verständnis aufgebracht. Das hat unsere junge, neu formierte Mannschaft gemerkt.“

Zudem erklärte uns Jarchow heute, dass der Klub Rodolfo Cardoso bei seinem Vorhaben, den Fußballlehrerschein zu machen, mit allen Mitteln unterstützen werde. Für den Zeitraum, den der Argentinier die Schulbank in Köln drücken muss, würde A-Jugendtrainer Soner Uysal aushelfen. Nichts Neues gibt es dagegen bei den möglichen Vertragsverlängerungen Mladen Petrics (soll Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainieren) und Maxi Beisters.

In diesem Sinne, wir sehen uns morgen Vormittag um zehn Uhr zum Training an der Imtech-Arena. Und wir hören/lesen uns spätestens morgen Abend nach dem Spiel gegen die Glasgow Rangers (Anpfiff: 19.15 Uhr).

Bis morgen,
Scholle (17.30 Uhr)

P.S.: Für heute Nacht ist eine gemeinsame Kiez-Party von HSV- und Glasgow-Fans angekündigt worden. Soweit so gut. Allerdings soll es dabei auch gegen St.-Pauli-Fans gehen. Ich hoffe ganz ehrlich, das bleibt aus…