Tagesarchiv für den 25. November 2011

Son von Beginn an dabei, wenn die nächste Serie durchbrochen wird….

25. November 2011

Sie sind Serienbeender. Und ganz ehrlich, eigentlich war es der HSV immer. Zumindest erinnere ich mich an die Jahre, in denen bei Wattenscheid ein gewisser Souleyman Sane Ewigkeiten nicht getroffen hatte und dann im Hamburger Volksparkstadion traf. Jahr für Jahr. Alle Serien, zumindest die für die Gegner negativen wurden in Hamburg beendet. Der HSV leistete Aufbauhilfe noch und nöcher. Eine Aufgabe, die sich in den letzten Wochen Frank Arnesen und Thorsten Fink auflasteten. Allerdings in eigener Sache. Beide sprachen die Mannschaft stark, richteten Spieler wieder auf. Und sie beenden Serien. Sieglosserien in Stuttgart (mit Cardoso), die Heimspielnegativserie nach 246 Tagen ohne Dreier – und jetzt auch Hannover? Gegen die Niedersachsen, die wir gern als „den kleinen HSV“ betiteln, konnte der HSV in den letzten 17 Spielen nur zwei Partien gewinnen. „Wir haben eine Negativserie beendet“, so Fink, „und ich verlange, dass wir jetzt weitermachen.“

Worte, die man wunderbar in den Lauf einen „Hannover-Fluch“-Geschichte stellen könnte. Allerdings sagte Fink sie gestern ganz sicher nicht darauf gemünzt. Vielmehr glaube ich, dass Fink sich darüber noch weniger Gedanken macht, als der eine oder andere Spieler. Selbst der letzte Siegtorschütze konnte sich zunächst gar nicht daran erinnern. „Ist das wirklich wahr“, fragte mich Collin Benjamin, der am Sonnabend um 13 Uhr mit 1860 München auf Armin Vehs Eintracht aus Frankfurt trifft, heute. „Das kann nicht der letzte Sieg gewesen sein“, so Collo weiter, „das ist ja ewig her.“ 2007 ist nicht wirklich ewig, aber lang genug, um zu lang zu sein. Ob er sich noch an die Stimmung erinnert? „Es war ein Derby, Mann“, so seine Antwort, „und Derbys sind nie angenehm. Da ist immer jede Menge Brisanz drin. Schon vorher – gerade wenn zweimal HSV gegeneinander spielen.“ Gerade Hannover, so Collin, der sich eigentlich gar nicht mehr zum HSV äußern wollte. „Ey Dicker“, so sein zurzeit leider sehr treffender Wortlaut, „das musst du verstehen. Das Kapitel ist abgeschlossen und ich würde mich unwohl fühlen, wenn ich mir vor einem wichtigen Spiel mit meinem Klub über den alten Verein Gedanken mache.“ Eine Antwort, die ich nur zu gern akzeptiere. Nicht nur deshalb: viel Glück Collo!

Wahrscheinlich tut man eh besser daran, sich im Vorfeld nicht zu sehr mit einer solchen Serie zu beschäftigen, zumal sie relativ ist, denn in den letzten 17 Spielen gab es zwar nur zwei Siege, dafür aber auch nur sechs Niederlagen bei neun Unentschieden. Rechnet man die letzten 20 Bundesligaspielen, kämen noch drei Siege hinzu. Insofern: machen wir, was Westermann macht. „Gar nicht darüber nachdenken. Da zählt wie in allen Spielen auch nur der Dreier. Und was Serien bedeuten, hat man gesehen.“ Nein, der Mannschaftskapitän betont lieber, ganz im Fink-Modus, „dass wir richtig gut drauf sind und den nächsten Schritt machen wollen. Wenn wir alle wissen, dass wir uns weiter mit harter Arbeit rauskämpfen müssen, spricht auch nichts gegen einen Sieg.“

Sch… auf die Serie! Zumal in der aktuellen Startelf kaum noch Spieler stehen, die schon mehr als zwei Derbys gegen Hannover gespielt haben. Eine Töre, einen Bruma oder Drobny wird das Ganze eh nicht interessieren. Dafür aber einen Heung Min Son. Der Südkoreaner erzielte in der vergangenen Saison in Hannover zwei Tore und – er spielt auch diesmal. Taktisch nicht wirklich überraschend, zumal Fink Son nach der Videoanalyse des Leverkusen-Spiels rückwirkend von aller Kritik freisprach. „Er hatte extrem viele Wege gemacht, stand oft frei und bekam einfach nicht die Zuspiele. Aber an sich war das gut.“ So gut, dass Son von Beginn an spielen wird.

Und das stand schon vor dem Abschlusstraining fest. Auch wenn Fink nie widersprochen hatte, wenn man ihn darauf ansprach, dass in Hannover erstmals die selbe Startelf der Vorwoche auflaufen würde. Nein, er hatte es geplant. Schon vor dem Abschlussspiel heute erhielt Son das Leibchen der A-Elf. Und das nicht nur, weil Berg schon vor dem heutigen Training leichte Leistensprobleme angekündigt hatte und letztlich das Abschlusstraining sogar vorzeitig abbrach. „Ich hatte schon gegen Hoffenheim einen Krampf in der Gegend und jetzt hat es wieder gezogen“, so der traurige Schwede, der in die Reise nach Hannover gar nicht erst mit antreten wird.

Ebenfalls traurig sein könnte Ivo Ilicevic. Auch der Zugang vom 1. FC Kaiserslautern wird nicht von Beginn an spielen, obwohl er es ob seiner Trainingsleistungen absolut verdient hätte. Das große Problem dabei ist, dass sich die beiden potenziellen Konkurrenten auf den Außenbahnen, Marcell Jansen links und Gökhan Töre rechts, in einer ebenso starken Verfassung präsentieren. Auch deshalb hat Fink den flinken Kroaten als Alternative für den Angriff im Auge. „Er ist ein logischer Gedanke“, so Fink, der nach Bergs und Mladen Petrics Ausfälle keinen nominellen Stürmer mehr auf der Bank hat, nach dem Training.

Ein reizvoller Gedanke, wie ich nach dem heutigen Training denke. Denn da überragte der Kroate im Abschlussspiel auf verkürztem Feld. Und das sogar zentraler als sonst – zumindest bewegte sich Ilicevic weniger auf seiner Lieblingsposition Linksaußen als im Sturmzentrum seiner B-Elf, die allerdings auch ohne nominelle Stürmer spielte. Aber, dieser Ilicevic, das ist sicher, wird gesund eine absolute Verstärkung. Der 25-Jährige ist vielleicht der handlungsschnellste Spieler der Mannschaft. Gepaart mit seiner Grundschnelligkeit und seiner ausgeprägten Technik, einem guten Schuss und einer erstaunlichen Robustheit im Zweikampf ist Ilicevic ein Spieler, auf den kein Trainer gern verzichtet. Auch Fink nicht, da bin ich mir sicher.

Das Schönste an solch einer Situation (also, dass Ilicevic nur deshalb auf der Bank ist, weil die anderen so gut drauf sind) ist, dass der HSV reagieren kann. Per Skjelbred, der sich in der Länderspielpause in den Testspielen als einer der Besseren präsentierte, rückte in den Kader nach. Zudem stehen mit Slobodan Rajkovic (letztes Spiel gesperrt) und Mladen Petric (Wade) zwei Spieler auf dem Sprung zurück in den Kader. Somit dürfte sich die Konkurrenzsituation vor dem Nürnberg-Spiel erneut verschärfen. Und genau das wollen alle. Der Trainer auf jeden Fall – und die Spieler müssen es zumindest sagen…

Aber was denke ich schon an Nürnberg, zunächst steht Hannover an. Und wenn Fink und die Spieler im Laufe der Woche eine Nachricht übermittelt haben, dann die, dass sie nicht an große Ziele denken wollen, sich lange nicht zufrieden geben und vor allem ausschließlich auf das nächste Spiel konzentrieren. Und das mache ich jetzt auch. Ich freue mich auf ein Nordderby, dass ich persönlich zugegebenermaßen noch nie als ein solches akzeptiert habe. Warum? Na, ich glaube einfach, dass es nur ein echtes und mit aller Brisanz ausgestattetes Derby jeder Art, also nur ein Stadt- (Pauli) und Nordderby (Werder) geben darf.

Aber okay das soll jeder halten wie er mag. Und wenn es für den einen oder anderen Prozent Zusatzmotivation sorgt ist es mir nur recht. Zumal ich mir sicher bin, dass es bei den 96ern ein harter Gang wird. Wie ich gehört habe, will deren (von vielen HSVern in den höchsten Tönen gelobter) Trainer sehr defensiv spielen lassen, setzt auf Standards und Konter des schnellen Mohammed Abdellaoue. Zudem soll der ebenfalls sehr schnelle Jan Schlaudraff dahinter die Fäden ziehen. Und auf Guerrero, der sich mit ganzem Körper in die Zweikämpfe wirft, warten mit Haggui und vor allem dem österreichischen Hünen und extrem körperbetont spielenden Pogatetz zwei richtig harte Nüsse. Zumindest körperlich. Dennoch, den Peruaner stört das nicht, im Gegenteil, er hat große Ziele: „Ich würde diese Saison gern die Zehn-Tore-Marke knacken, alles ist möglich“, so der Angreifer, dessen Bestmarke in der Bundesliga bislang neun Treffer (07/08 und 08/09) sind, zuversichtlich. Denn, das betonte Guerrero heute, er fühlt sich wieder richtig wohl. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt. Aber klar ist, dass ich am liebsten auf der Neun spiele.“ Und genau da sieht ihn sein neuer Trainer Thorsten Fink, mit dem er 2002/2003 sowie 2003/2004 zusammen für die Amateure des FC Bayern spielte. „Der Trainer kennt mich schon lange und hat mir gesagt, dass er mich auf der Neun sieht. Und dieses Vertrauen tut gut.“ Und das ist auf dem Platz mehr als deutlich erkennbar, wie ich finde.

In diesem Sinne, uns allen ein schönes Derbywochenende mit dem ersten heute Abend in Köln, dem zweiten morgen in Dortmund – und dem wichtigsten in Hannover.

Ich freue mich darauf.

Bis morgen,
Scholle

Kurz notiert:

Weil ich ihm einfach glaube: Während die allemal nicht zwingend seriösen Tageszeitungen in Lima berichten, Paolo Guerrero hätte nach seinem Autounfall den geschädigten Taxifahrer im Stich gelassen, hier Guerreros Version: „Ich hatte keine Schuld am Unfall, was sowohl Zeugen als auch die Polizei bestätigen.“ Vielmehr habe der Taxifahrer die Situation falsch wiedergegeben. „In Peru sind Versicherungen keine Pflicht. Der Taxifahrer ist kein reicher Mann, der hat nichts und wird mir auch nichts zahlen können“, so Guerrero, „deshalb habe ich ihm gesagt, dass ich den Schaden an meinem Wagen selbst zahlen werde. Daraus hat er gemacht, dass ich alles bezahlen würde, was ich so zwar nie gesagt habe, jetzt aber versuchen werde. Ich werde versuchen, ihm finanziell ein wenig zu helfen. Weil er es nicht hat – und ich es kann.“ Klingt irgendwie anders, als die Pressemeldungen in Lima. Die scheinen es mit Prominenten wie Guerrero nicht besonders gut zu meinen. Zuletzt hatte eine TV-Reporterin wiederholt behauptet, Guerrero nachts vor einem Länderspiel mit einer Frau gesehen zu haben. Ergebnis: Die Reporterin wurde nach Ansicht aller Beweise zu einer Haftstrafe verurteilt…

So könnte der HSV spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Töre, Kacar, Rincon, Jansen – Son, Guerrero. Interessant: Nach dem Training schnappte sich Fink Aogo und Bruma. Gestiklirend zeichnete er den beiden verschiedene Spielsituationen nach, zeigte ihnen Laufwege auf. Mal sehen, wie sich das in hannover äußert…