Tagesarchiv für den 23. November 2011

Bruma will nicht zurück zu Chelsea

23. November 2011

So, liebe Leute. Heute passiert das erste Mal, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich bin so spät dran, dass ich Euch hier die Lesestoffe reinstelle, die die anderen morgen früh im Abendblatt-Print-Ausgabe lesen können. Das allerdings darf aus redaktionellem Gründen nicht vor 22 Uhr geschehen:

Zunächst haben wir heute ein sehr nettes Gesapräch mit einem sichtbar glücklichen Jeffrey Bruma geführt. Das Ergebnis:

Als ihm Trainer Thorsten Fink am vergangenen Sonntag nach dem 2:0 über die TSG Hoffenheim gratulierte, dachte Jeffrey Bruma zuerst, es sei wegen des ersten Heimsieges. Dann aber erfuhr er, was er zunächst nicht glauben wollte: „Ich hatte 94 Prozent meiner Zweikämpfe gewonnen“, so der Innenverteidiger über einen Wert, wie er im Profifußball in seiner Gilde höchst selten vorkommt. Bruma weiter: „Es hat mich natürlich riesig gefreut. Vor allem, nachdem der Anfang so schwierig für uns war.“
Im 13. Anlauf dieser Saison das erste Mal zu null gespielt, zuvor gab es 25 Gegentreffer in zwölf Spielen, das sind im Schnitt mehr als zwei pro Spiel. Der HSV hatte ein Defensivproblem. „Ich musste mich am Anfang länger an die Bundesliga gewöhnen“, gibt Bruma, der vor dieser Saison vom FC Chelsea auf Leihbasis zum HSV gewechselt war, zu. Inzwischen aber hat der niederländische Nationalspieler das Niveau der Bundesliga erreicht – sogar mit Schwankungen nach oben. „Das verdanke ich auch Heiko Westermann“, lobt Bruma seinen Abwehrchef, „wir reden viel miteinander und unsere Abstimmung passt jetzt. Da sehe ich gut aus. Zum einen, weil Heiko sehr viel Erfahrung hat und die an mich weitergibt. Zum anderen aber auch, weil unser Trainer uns beiden eine klare Philosophie vorgibt, an die wir uns halten.“
Und das mit Erfolg. In den vier Spielen unter Fink kassierte der HSV mit vier Treffern durchschnittlich nur noch halb so viele Gegentore wie unter Finks Vorgänger Michael Oenning. Auch, weil Jeffrey Bruma zu seiner Form gefunden hat. „Ich fühle mich jetzt richtig fit“, sagt der 20-Jährige, der für zwei Jahre ausgeliehen wurde und per Option von Chelsea wieder abberufen werden könnte. Allerdings schränkt Bruma ein: „Vertraglich muss auch ich zurück wollen. Und danach sieht es im Moment absolut nicht aus.“

Zudem ein Text über Mladen Petric:

Die Trainingskiebitze warteten vergeblich. Entgegen aller Ankündigungen musste Mladen Petric beim gestrigen Vormittagstraining wieder passen. Eine hartnäckige Wadenverletzung zwingt den Stürmer mit der besten Torquote beim HSV weiter zum Pausieren – im Spiel bei Hannover 96 am Sonnabend (18.30 Uhr; Sky live, Liveticker auf www.abendblatt.de) wird er voraussichtlich nicht dabei sein. „Er hat wieder etwas gespürt“, sagt Trainer Thorsten Fink, „deshalb nehmen wir ihn vorsichtshalber raus.“ Zu wichtig sei eine vollständige Genesung des Kroaten. „Wir wollen da ganz sicher kein unnötiges Risiko eingehen. Weil wir wissen, wie wichtig ein gesunder Mladen Petric für uns ist.“
In der Tat: Petric, seit August 2008 beim HSV, erzielte in 82 Bundesligaspielen 35 Tore für den HSV. Kein Wunder, dass auch Fink als großer Befürworter des Torjägers gilt: „Sein Instinkt ist auf den Torabschluss spezialisiert, er ist brandgefährlich.“ In dieser Saison traf er bislang vier Mal. Laut Datenbank „Castrol edge“ (www.castrolfootball.com) suchte er 21 Mal den Torabschluss und rangiert damit vor seinen Konkurrenten Guerrero (17), Heung Min Son (12) und Marcus Berg (1).
Dennoch ist seine berufliche Zukunft ungewiss. Am Saisonende läuft Petrics Vertrag aus. Und momentan deutet wenig daraufhin, dass der Kontrakt verlängert wird. Denn auffällig ist auch, dass Petric in knapp dreieinhalb HSV-Jahren bereits elfmal verletzungsbedingt und zweimal aus Krankheitsgründen pausieren musste. Dabei könnte die Personalie Petric längst erledigt sein. Schließlich gab es im Sommer intensive Verhandlungen, die Petric jedoch abbrach – sicherlich in der Hoffnung, sein geschätztes Salär von 2,5 Millionen Euro im Jahr deutlich erhöhen zu können.
Inzwischen hat sich seine Verhandlungssituation nicht nur durch seine Verletzungsprobleme verschlechtert. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich der Konkurrenzkampf im HSV-Sturm verschärfen wird. Schließlich wird Maximilian Beister im Sommer an die Elbe zurückkehren. Seine Empfehlung als Leihstürmer beim Zweitliga-Spitzenklub Fortuna Düsseldorf: acht Tore in 15 Spielen. Zudem passt der U-21-Nationalspieler perfekt in die Umbruchphilosophie des HSV. Sportchef Frank Arnesen möchte den 22 Jahre alten Offensivspieler möglichst langfristig binden. Der bis Sommer 2013 laufende Kontrakt soll zeitnah verlängert werden. Arnesen hatte dem gebürtigen Lüneburger zuletzt eine „echte Leistungsexplosion“ attestiert und erklärt, der Jungstürmer würde die Konkurrenz mit großen Namen wie Guerrero und Petric nicht scheuen. „Das muss er auch nicht“, sagte Arnesen, der damit auch den Druck auf Petric erhöht.
Zudem hat sich der 30-Jährige mit den abgebrochenen Vertragsgesprächen beim HSV im Sommer keine Freunde gemacht. Nach außen kommunizierte der Klub zwar, die Verhandlungen seien in guter Atmosphäre gelaufen. Intern aber war man sehr wohl enttäuscht über die Strategie des Torjägers, dem man eine deutliche Aufbesserung seines Salärs in Aussicht gestellt hatte.
Es ist sogar mehr als fraglich, ob der Verein das damalige Angebot an Petric aufrechterhält. Schließlich betont der Vorstand immer wieder, dass der Finanzrahmen sehr eng gesteckt sei. Und daran werde auch die geplante Vertragsverlängerung mit Hauptssponsor „Emirates“ bis 2016 zu verbesserten Bezügen nichts ändern.
Für einen Großverdiener wie Petric kann es da eng werden. Zwar wäre Beister sportlich nicht zwingend ein direkter Konkurrent von Petric im Kampf um den Job im Sturmzentrum – schließlich kann Beister als Allrounder sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite spielen. Aber: Die angestrebte Verlängerung mit Beister wird teuer – wahrscheinlich sogar sehr teuer. Mit starken Vorstellungen in Serie hat Beister in 18 Monaten Düsseldorf seinen Marktwert beträchtlich erhöht, auch Klubs wie Ajax Amsterdam, Hoffenheim 1899 oder der deutsche Meister Borussia Dortmund sollen interessiert sein. Entsprechend schwierig dürften die Vertragsgespräche mit Beisters Berater Carsten Kühn werden.
Auf jeden Fall aber würde der HSV mit einer Vertragsverlängerung Beisters einen hohen Betrag aus seinem Personaletat binden. Ist da noch Spielraum für die von Petric erhoffte deutliche Erhöhung der Bezüge? Oder ist ein anderer Konkurrent bereit, die finanziellen Ansprüche des Kroaten zu erfüllen? Im August 2010 war es der VfB Stuttgart, der ein deutlich besseres Salär bot. Petric hätte es nur zu gerne angenommen – am Ende scheiterte der Transfer jedoch an der aus HSV-Sicht zu geringen Ablösesumme von knapp vier Millionen Euro. Für Petric spricht, dass er sein sportliches Schicksal weitgehend selbst in der Hand hat. Er muss nur wieder fit werden, um tun zu können, was er so gut kann wie kaum ein anderer: Tore schießen.

Ich bin müde. Bis morgen.

Scholle

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