Tagesarchiv für den 22. November 2011

Bei Beister geht es in die finale Phase

22. November 2011

So, liebe Leute. Heute, morgen und auch am Donnerstag stehe ich wieder in Doppelfunktion. Soll heißen, ich habe Print wie Online des Hamburger Abendblattes zu beliefern. Da das zeitlich nur schwierig zu bewerkstelligen ist, hoffe ich, dass Ihr es mir nachseht, wenn die Blogs morgen und/oder Donnerstag ein wenig kürzer werden als sonst. Es ändert sich ab Freitag auch wieder. Versprochen.

Heute fällt es mir allerdings noch leicht, Euch mit ausreichend Informationen zu versorgen. Denn heute saß Frank Arnesen bei uns in der Runde. Und der Däne war wie immer sehr ausführlich in seinen Antworten. Heute insbesondere beim Thema Neuzugänge für den Winter und den Sommer. Interessant: Zumindest Erstgenannte könnten durchaus ausbleiben. „Wir machen eine sehr gute Entwicklung durch und wollen nur etwas machen, was uns sofort weiterhilft. Allerdings würde ein großer Name auch immer zu Lasten eines jungen Talentes gehen. Und das wollen wir eigentlich nicht. Im Gegenteil: Wir wollen unseren Spielern weiter eine Plattform bieten, auf der sie sich empfehlen und vor allem weiterhin so gut entwickeln können.“

16 bis 18 „richtig gute Spieler“ habe der HSV schon nachweislich im Kader. Hinzu kämen Talente, die allemal das Potenzial zum sehr guten Bundesligaspieler hätten. Genug für den HSV, um seine Ziele zu verwirklichen und ins gesicherte Mittelfeld zu gelangen, glaubt Arnesen, der diesen Gedanken heute wie schon zum Saisonauftakt am 26. Juni voller Überzeugung bekräftigt. Selbst ein Europa-League-Teilnehmer und erneut –Anwärter wie der nächste Gegner Hannover 96 sei eine Mannschaft, mit der der HSV konkurrieren kann. Und will: „Wir sind stabil, haben in den letzten acht Pflichtspielen nur einmal verloren. Jetzt geht es darum, auch in den einzelnen Spielen über die gesamte Spielzeit stabil zu werden. Wir haben einen Kader, der weiter nach oben in der Tabelle gehört. Wir müssen uns nicht vor anderen Mannschaften verstecken. Aber wir müssen genau das noch beweisen.“

Das wolle man jetzt. Mit dem vorhandenen Kader. Und nachdem Arnesen uns heute alle Positionen mit den jeweiligen Besetzungsmöglichkeiten „mit gut“ bis „sehr gut“ besetzt durchdeklinierte, ließ er bewusst offen, dass er für einen Ausnahmespieler auch eine Ausnahme machen würde. Allerdings, und das war seine Voraussetzung, müsse dieser Spieler (Arnesen: „Am ehesten schauen wir auf der Sechs und der Zehn“) eine Qualität haben, die bislang fehlt. Ob der Spieler besser sein müsse als die aktuelle Besetzung des zentralen Mittelfelds mit Rincon und Kacar? „Nein”, so Arnesen, “er muss anders sein. Er muss eben Qualitäten haben, die uns fehlen, die keiner unserer Spieler hat.“

Eine Ausnahme von diesen Vorgaben wäre sicherlich Ja-Cheol Koo. Obwohl der 22-Jährige nach nur 247 Bundesligaminuten (7 Spiele, vier Ein und drei Auswechslungen) noch nicht als Soforthilfe anzusehen ist. Dennoch, der südkoreanische offensive Mittelfeldspieler war im Sommer intern bereits als Zugang für den damaligen Trainer Michael Oenning verbucht. Die Verträge waren unterzeichnet und es fehlte „nur“ noch die Signatur von Felix Magath, Trainer und Sportchef in Personalunion beim abgebenden Klub VfL Wolfsburg. Doch dieser verweigerte die eigentlich schon erteilte Freigabe plötzlich und für Arnesend sehr überraschend. „Wir hätten nie gedacht, dass so etwas passiert“, ärgerte sich HSV-Sportchef Frank Arnesen damals über den Wortbruch Magaths. Heute, kaum sechs Monate später, steht Koo beim VfL vor dem Aus und darf den Klub voraussichtlich schon im Winter verlassen. Ob er für den HSV noch immer interessant ist? Arnesen weicht ein wenig aus, dementiert allerdings nicht: „Er war ein Thema für uns im Sommer. Und er ist ein guter Spieler. Das hat er nicht zuletzt im Spiel gegen uns gezeigt.“ Arnesen will sich zunächst erkundigen, inwieweit eine Verpflichtung für den HSV realisierbar wäre. Zudem muss er mit dem neuen Trainer Thorsten Fink besprechen, ob Koo in dessen Konzept passe. Aber, auch wenn Arnesen momentan nicht von Zugängen im Winter sprechen mag, eine Fortsetzung folgt. Da bin ich mir in diesem Fall ziemlich sicher.

Sicher bin ich mir wie die meisten hier im Blog auch, dass Maximilian Beister ein überdurchschnittlich talentierter Fußballer ist. Und das hat sich längst herumgesprochen. Ebenso, dass Beister, der zwar noch bis Saisonende vom HSV an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist, aber zur neuen Saison unbedingt zum HSV zurückkehren soll. Dennoch haben sich inzwischen etliche Klubs um Beisters Dienste beworben. Zuletzt sollen sich Top-Klubs wie Ajax Amsterdam und Borussia Dortmund (Beister soll sich mit BVB-Trainer Jürgen Klopp getroffen haben) sowie der FC Fulham und die TSG Hoffenheim um den Offensivspieler bemüht haben. Zeitgleich forcierte der HSV seine Anstrengung, Beister noch vor seiner Rückkehr im Sommer zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Am Wochenende gab es ein erstes, ausführliches Gespräch zwischen Trainer Thorsten Fink und Beister. Und schon in den sollen finale Vertragsverhandlungen mit Beister-Berater Carsten Kühn folgen, kündigte Arnesen an. „Jetzt geht es um Laufzeit und Geld. Maxis Berater hat gesagt, dass es bislang keine anderen Gespräche gab. Es gibt zwar keine Frist, aber wir wollen so schnell wie möglich verlängern.“

Das sollten sie auch. Denn wenn Beister so weitermacht, dürfte es nicht lange dauern, bis er hoch datierte Angebote von weiteren Top-Klubs bekommt. Und sollte der HSV ihn dann noch halten wollen, würde es teuer. Richtig teuer. Deshalb, vertrauen wir den Worten Arnesens, der sehr optimistisch ist: „Wir hatten gute Gespräche und der Trainer will ihn unbedingt. Maxi weiß das. Er ist Hamburger und weiß auch unser Bemühen seit Saisonbeginn zu schätzen. Er ist sehr zufrieden mit uns.“ Und wir wären es sicherlich auch mit Beister, wenn er denn im Sommer wirklich hier aufdribbelt und den jungen HSV-Kader verstärkt.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Noch ohne Beister. Aber wohl wieder mit Mladen Petric, der seine Wadenprobleme auskuriert haben soll.

Scholle