Tagesarchiv für den 21. November 2011

Rincon und Drobny – zwei Gewinner der Fink-Ära

21. November 2011

Er darf sich freuen. Er ist ein Gewinner. Nicht allein vom Typ her, sondern ganz klar auch seit der Amtsübernahme des neuen Trainers. Denn Thorsten Fink hat sich inzwischen festgelegt. Im defensiven Mittelfeld setzt der neue HSV-Trainer auf Gojko Kacar – und eben jenen Tomas Rincon. Der „General“, wie Rincon in seiner Heimat Venezuela gerufen wird, ist zum ersten Mal in seiner Zeit beim HSV ein richtiger Stammspieler, auch wenn er selbst das verneint. „Stammspieler gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr“, so der 23-Jährige, „es geht alles nur über die reine Leistung. In den Spielen, aber auch im Training. Wer nicht immer Vollgas gibt, fällt hinten raus.“

Ich muss hier nicht sagen, dass Rincon somit einen der gesichertsten Plätze im Kader haben müsste, denn nur wenige Fußballer bringen eine derart tadellose Einstellung mit. Als Star und Kapitän Venezuelas zum HSV gewechselt, musste sich Rincon jahrelang mit einem Platz auf der Reservebank begnügen. Aber anstatt wie viele ungeduldige Fußballer zu jammern und die Schuld der persönlichen Misere bei anderen aber nur nicht bei sich zu suchen, arbeitete Rincon. Jeden Tag im Training gab er alles. Von der ersten bis zur letzten Sekunde einer jeden Einheit. Er wartete geduldig und fleißig auf seine Chance – und jetzt nutzte er sie endlich auch.
„Die Philosophie des Trainers gefällt mir gut. Ich habe vorher auch häufiger rechts spielen sollen, was sicher nicht meine beste Position ist. Aber im Moment passt es“, freut sich Rincon, „es sind mit Sicherheit die schönsten Tage für mich persönlich beim HSV. Denn ich habe jetzt mehr Ballkontakte. Ich spiele die Position so, wie in der Nationalelf und meinem alten Verein. Hier gibt mir der Trainer mehr Verantwortung – und diese Rolle gefällt mir richtig gut.“

Zuletzt wurde Rincon in seiner Heimat aber auch am Sonntag von Sky-Reporter Fritz von Thurn und Taxis mit dem italienischen Ex-Weltmeister Gennaro Gattuso verglichen. „Ein großes Kompliment“, findet Rincon nicht zu Unrecht, „Gennaro hatte immer eine vorbildliche Einstellung, eine besonders starke Mentalität. Er war immer ganz nah dran an seinen Gegnern, ließ keinen Raum.“ Dennoch, Rincon wäre nicht er selbst, wenn er zufrieden wäre. Der Teamplayer verweist trotz seines persönlichen Hochs immer auch auf die Mannschaft hin. „Es ist schön, dass wir zuhause gewonnen haben. Aber wir müssen noch vieles verbessern. Denn ein 14. Platz ist nichts für den HSV. Dafür haben wir noch vier Spiele bis zur Winterpause, in denen wir das Maximum erreichen wollen.“

Außerdem hofft er auf die erste WM in der Geschichte Venezuelas. „Wir haben die beste Nationalmannschaft aller Zeiten und wollen zur WM“, so Rincon, der dem HSV auch einige Talente aus seinem Land ans herz legt: „Da sollte schnell ein Scout hinfahren und sich die angucken. Da sind etliche dabei.“

Sogar ein Torhüter. Allerdings, und das weiß auch Rincon, hat der HSV auf der Position keine Probleme mehr. Im Gegenteil. Jaroslav Drobny, der in den ersten Spielen noch als Unsicherheitsfaktor verschrien wurde, avanciert zum gestärkten Führungsspieler. Auch gegen Hoffenheim parierte er überragend, rettete dem HSV am Ende gar die Null. Die erste Null in dieser Saison. „Wichtiger als die Null war, dass wir gewonnen haben“, so Drobny, der sich dennoch über die Gegentorlos-Premiere gefreut hat: „Das will doch jeder Torwart. Auch ich.“

Auch heute war Drobny nicht in Plauderlaune. Zu tief sitzt der Frust nach den ersten Spielen und den harten Kritiken. Dennoch, angesprochen auf die Jubelchöre der Fans, die ihn minutenlang feierten, huscht ein schnell wieder unterbundenes Lächeln über sein Gesicht: „Das ist natürlich ein schönes Gefühl. Das war ja vorher auch ganz anders“, so Drobny, der allerdings bei einem Thema keinen einzigen Millimeter Freude verbergen kann: bei der EM. Denn für die hat er sich als zweiter Torwart hinter Petr Czech in den Playoffs in der vergangenen Woche qualifiziert. Und er ist sich sicher, dass er auch für die EM im kommenden Sommer in der Ukraine und Polen nominiert wird. „Drei gehen mit, und ich bin Nummer zwei.“ Ob er sich bei einem anhaltenden Formhoch wie im Moment sogar mehr erhofft? „Petr Cech ist die klare Nummer eins. Der hat inzwischen auch die Nase geschützt und trägt neben seinem Helm einen Mundschutz. Und weil der eh hart im Nehmen ist, wird den nichts von der EM abhalten können.“ Er sei trotzdem unendlich glücklich, in „dem späten Alter noch mal so ein Turnier spielen zu dürfen“, wie er selbst sagt.

Es läuft einfach für Drobny und Rincon. Besser als für den einen oder anderen hier im Blog. Und ohne hier ein Fass aufmachen zu wollen, vielleicht mal zwei, drei Infos zu Legenden, die hier von einzelnen Usern forciert werden:

1. Die Chefredaktion hat noch nie und wird weder Dieter noch mir jemals vorschreiben, was wir in unserem personalisierten Blog für Meinungen vertreten.
2. Auch wenn es im Moment einige Klicks weniger sind als noch vor ein paar Monaten, läuft der Blog noch immer sehr erfolgreich. Und er wird auch weiterhin laufen, selbst wenn es noch ein paar Klicks im Schnitt weniger werden.
3. Sowohl Dieter als auch ich hoffen seit Beginn unserer Tätigkeiten hier, dass sich ein sachlich-kritisches Diskussionsklima einstellt. Dass sich einige hier nicht daran halten, ist traurig, aber nicht zu verhindern.

Und zum Schluss das Fazit, das sich eh alle denken können: Wie fast überall im Leben sind wir alle zusammen das, was am Ende als Ergebnis herauskommt. Wir alle sind hauptverantwortlich dafür, dass dieser Blog das ist, was er ist: ein Vorbild. Und sollte sich einer von bestimmten Bloggern provoziert fühlen, ignoriert denjenigen. Anonym im Blog zu pöbeln ist leicht. Und ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich werde hier immer wieder mal zum Teufel gewünscht. Sollte es derjenige auch im persönlichen Gespräch wiederholen, würde ich mir überhaupt erst Gedanken darüber machen. Aber nicht eine Sekunde früher. Denn: Es gibt immer auch Leute – und auch das ist hier wie im wahren Leben – die einfach nur zerstören wollen, die an Sachlichkeit und Kreativität und Ausgestaltung überhaupt nicht interessiert sind. Deshalb lasst uns doch an denen festhalten, die Gutes im Schilde führen. Mit denen müssen wir nicht immer einer Meinung sein, aber sie sorgen für eine Meinungsvielfalt, die Sinn und Zweck eines solchen Forums wie unserem sind. Sollten dabei künftig wieder mehr Klicks herumkommen, umso besser. Aber wenn nicht, ist das auch kein Problem. Und das weiß ich aus der Chefredaktion.
In diesem Sinne ein ganz aktuelles Beispiel: Drobny hat uns vorgemacht, wie man sich selbst aus einer deprimierenden Phase herauszeiht. Machen wir es ihm nach. Denn das wir Blogkultur haben, haben wir über Jahre bewiesen.

Mir macht der Blog weiter Spaß. Weil er gut ist. Durch Euch. Durch uns alle.
Bis morgen,
Scholle