Tagesarchiv für den 20. November 2011

2:0 gegen Hoffenheim – da ist der erste Heimsieg!

20. November 2011

Da ist er doch, der erste Heimsieg seit April. Und dann ach noch zu null. Was wollen wir mehr. „Oh, wie ist das schön“, sangen die Fans im Stadion. Überglücklich darüber, den ersten Heimdreier der Saison eingefahren zu haben und somit auf Platz 14 und somit raus aus der Abstiegszone geklettert zu sein. Ein Sieg, der mit Sicherheit nicht mit brillantem Kombinationsfußball erreicht wurde. Aber ein Sieg, der über das Kollektiv erzielt wurde. Weil die Mannschaft den unbedingten Willen an den Tag legte.

Und die Partie begann schon gut für den HSV. Schon in der zweiten Minute läuft Paolo Guerrero allein über die rechte Seite auf Hoffenheims Keeper Tom Starke zu – findet allerdings in dem Ex-Hamburger seinen Meister. Eine gute Szene, die bis zur 17. Minute die einzige Torraumszene bleiben sollte. Da allerdings war es TSG-Antreiber Salihovic, der einen von leider wieder einmal vielen Stellungsfehlern in der HSV-Defensive nutzte, seinen Schuss allerdings nicht ausreichend platzieren konnte. Diesmal hatte Bruma sich dazu entschieden, im Raum zu decken, da sich weder Kacar noch Rincon klar zu ihren Gegenspielern orientiert hatten. Eine Szene, die nur eine Minute später wiederholt wurde. Diesmal griffen Rincon und Kacar gar nicht erst an, sodass Salihovic unbedrängt auf den startenden Johnson passen kann, der erst in letzter Sekunde von Bruma gestört wird.

Allerdings, und das will ich hier nicht aussparen, gab es eine Szene, die unterzugehen schien. Sebastian Rudy zog in einem ansonsten normalen Zweikampf (15.) den Ellenbogen hoch und verpasste Guerrero eine Platzwunde an der Unterlippe. Kann passieren, klar. Aber bei einer fast identischen Szene musste Slobodan Rajkovic gegen Tiffert mit Rot und drei Speilen Sperre vom Platz. Dass es diesmal nicht einmal den Gelben Karton gab, ordne ich mal so ein, dass der großzügige Schiedsrichter den Stoß überhaupt nicht gesehen hat. Ansonsten wäre eine Verwarnung das Mindeste gewesen. Und die hätte für den Hoffenheimer nur wenige Minuten später das vorzeitige Duschen bedeutet, als er nach einem Foul an Kacar Gelb sah.

Egal wie, der HSV überstand endlich mal die ersten 20 Minuten ohne Gegentor. „Wenn wir das schaffen, gewinnen wir“, hatte Trainer Thorsten Fink angekündigt. Und er sollte damit richtig liegen. Denn nachdem Guerrero eine gute Einschussmöglichkeit für Jansen verhinderte (21.) war es der Peruaner, der in der 25. Minute die Führung besorgte. Dennis Diekmeier führte mit seiner bis dahin ersten guten Szene einen Freistoß kurz hinter der Mittellinie schnell aus, fand den ansonsten in den ersten 45 Minuten unglücklichen Marcus Berg, der auch dieses Anspiel nicht festmachen konnte, dabei aber das Glück hatte, dass der Ball Guerrero vor die Füße fällt. Der Peruaner zog ab, traf zunächst nur den Pfosten, hatte aber beim Abpraller keinerlei Mühen, das 1:0 zu erzielen. Und hätte Guerrero, der eine Menge einstecken musste, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte etwas genauer gezielt, hätte es sogar 2:0 gestanden. Allerdings darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HSV speziell nach der Führung das Spiel an die TSG abgab. Die Dominanz im Spiel, die Fink sehen will, gab es nicht. Wenn der HSV das Spiel nach vorne trieb, dann über lange Sololäufe von Gökhan Töre. Und im Angriff – das muss bei aller Sympathie für Marcus Berg so klar gesagt werden – gab es heute in den ersten 45 Minuten nur einen Anspielpunkt: Paolo Guerrero.

Und es schien, als sollte das eh alles egal sein. Denn auch in der zweiten Halbzeit begann der HSV stark. Der bis dahin enttäuschende Diekmeier setzte über Rechts den ersten Anker. Nach einem beherzten Sololauf findet der Rechtsverteidiger in der Mitte Kacar, der die maßgeschneiderte Flanke per Volleyschuss über das TSG-Gehäuse setzt. Und nachdem der HSV auch die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit ohne Gegentor überstanden hatte der große Auftritt von Marcell Jansen. 20 Meter vor dem Tor schnappt sich der Linksfuß den Ball, tankt sich vorbei an drei Hoffenheimern in den Sechzehner und trifft mit einem satten Flachschuss zum 2:0. Eine Szene, die Fink von Jansen seit seinem Amtsantritt immer wieder fordert. Und offensichtlich, wie schon in Leverkusen – ein probates Mittel.

Und das 2:0 tat nicht nur der zuletzt besonders bei Heimspielen strapazierten Fan-Seele gut. Die heute leider nur 46237 Zuschauer (Minusrekord in dieser saison) quittierten die gute Vorstellung ihrer Mannschaft mit der Welle. Und die Mannschaft gewann an Sicherheit. Dennis Diekmeier hatte sich plötzlich gefangen und konnte immer wieder nur durch Fouls (warum es da keine Gelben gab, kann ich nicht nachvollziehen) zu stoppen. Auch Marcus Berg war jetzt anspielbar und verteilte sicher die Bälle. In der 69. Minute fand der Schwede über Umwege Jansen, der das sichere 3:0 vergab, indem er Starke anschoss.

Und obwohl der HSV in den letzten 15 Minuten etwas nachlässiger agierte und den stark parierenden Jaroslav Drobny zur Weißglut trieb, kam er mit einer weißen Weste davon. Das 2:0 hatte auch nach 92 Minuten Bestand. Es passte heute einfach. Und dabei belasse ich es auch. Diesen Moment sollten wir einfach wirken lassen und genießen. Auch wenn er letztlich nicht mehr als ein Startschuss einer hoffentlich doch noch erfolgreichen Serie sein sollte… O-Ton Fink: “Wir waren immer gefährlich. Wir haben sicher noch viel zu verbessern, aber unser Weg ist weiterhin richtig.”

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:
HSV:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Rincon, Kacar (78.Jarolim) – Töre (77.Ilicevic), Jansen – Berg, Guerrero (88.Son).
1899 Hoffenheim: Starke – Beck, Vestergaard, Compper, Braafheid (30.Mlapa) – Rudy (68.Firmino), Weis (84.Musona) – Johnson, Salihovic – Babel, Ibisevic
Tore: 1:0 Guerrero (25.), 2:0 Jansen (65.). Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb). Zuschauer: 46237. Gelbe Karten: – / Rudy, Compper, Beck