Tagesarchiv für den 17. November 2011

Die Startelf für den Hoffenheim-Dreier steht

17. November 2011

Das sieht doch richtig gut aus. Das Aufwärmprogramm konnten beide voll mitmachen. Alle Sprints und Zweikampfübungen absolvierten die zuletzt verletzten Jeffrey Bruma und Ivo Ilicevic komplett mit. Und während der Innenverteidiger Bruma von Fink schon seit ein paar Tagen als Innenverteidiger gegen Hoffenheim eingeplant wird, wird sich Ilicevic zunächst „nur“ mit der Rolle des Reservisten zufrieden geben müssen. „Er hat sehr, sehr gut trainiert und ist schon wieder sehr spritzig. Aber wenn alle gesund sind, wird er zunächst auf der Bank sein. Und wenn wir offensiv noch was brauchen, kann er immer noch 20, 30 Minuten Druck machen.“

Und das mit einer Menge Rückenwind. Gerade mit Kroatien höchst souverän durch die EM-Playoffs marschiert, kam Ilicevic aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. „Die Stimmung bei uns ist unglaublich. Das war schon ne super Sache“, so der Kroate, der trotzdem er angeschlagen war, von Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic eingeladen worden war. Eine Woche lang konnte der offensive Außenspieler schmerzfrei trainieren. „Es fehlt noch was, aber das hole ich mir in den nächsten tagen und Wochen.“

Abgewartet hat er zudem bei Gökhan Töre, der auf Seiten der türkischen Nationalmannschaft ausschied. „Direkt nach den Spielen habe ich natürlich nichts gesagt. Aber heute geht das schon. Er weiß auf jeden fall schon, dass er sich bei mir melden kann, wenn er Karten für die Euro braucht…“, flachst Ilicevic und ich will nicht wissen, was der bullige Töre mit dem 64-Kilo-Flo Ilicevic am liebsten anstellen würde. Wie es Töre geht? Fink: „Er macht einen guten Eindruck, ist gefasst.“

Obwohl, das ist Sport. Mal gewinnt man, mal verliert man. Das kann sogar so sein, dass man monatelang nicht gewinnt – wie der HSV zuhause. Und geht es nach Ilicevic, reißt diese Serie garantiert schon am Sonntag gegen Hoffenheim. „Ich sehe Hoffenheim nicht so stabil, die standen zuletzt auch zuhause gegen Kaiserlautern mächtig unter Druck. Wir schaffen es immer besser, die Philosophie des Trainers umzusetzen, also viel Ballbesitz zu haben und durch Kombinationen Torchancen zu kreieren. Ich sehe uns als die klar bessere Mannschaft – und deswegen gewinnen wir auch.“

Klingt (mal wieder) sehr gut. Zumal auch Fink sich nach den eigentlich sehr überschaubaren Trainingswochen während der Länderspielpause hoch zufrieden zeigt, seine Mannschaft wieder einen Schritt weiter wähnt. Schon allein wegen der letzten, guten Eindrücke aus dem 2:2 bei Bayer Leverkusen. „Wir haben aus dem letzten Bundesligaspiel sehr viel Vertrauen ziehen können, hatten sehr viel Ballbesitz. Und das, obwohl wir schlecht angefangen haben gegen Leverkusen, gegen die man in solchen schwierigen Momenten auch gern mal untergehen kann. Das haben wir gut gemacht.“ Zudem habe er in den zwei Testspielen gegen den Oberligisten Oststeinbek (6:1) und den Landesligisten TSV Winsen/Luhe (3:1) einige Automatismen erkennen können, die funktionierten. „Dabei“, so Fink, „ging es ums Timing. Wie beim Zusammenspiel von Zhi Gin Lam und Dennis Diekmeier, der im richtigen Moment gestartet ist.“ Auch deshalb vermeldete der HSV heute, dass die Vertragsverlängerung des kleinen Lam perfekt ist. Der rechte Mittelfeldspieler verlängerte seinen Vertrag bis 2015, wird gegen Hoffenheim allerdings zunächst nur auf der Bank sitzen.

Insgesamt gibt es hinter der Startelf gegen die TSG kaum Fragezeichen, sollten alle Spieler gesund von ihren Länderspielreisen zurückkehren. Und danach sieht es aus. Womit Fink am Sonntag lediglich eine Veränderung gegenüber der Startelf aus dem Bayer-Spiel vornehmen wird: „Wir müssen schauen, wenn Jeffrey durchhält, dann spielt er.“ Und das dann für Michael Mancienne, der auf die Bank müsste.

Das würde bedeuten, dass Fink seiner gewünschten Konstanz in der Startelf langsam näherkommt. Insbesondere die Abwehr-Viererkette bräuchte viele Spiele, um sich einzuspielen, hatte der Coach immer wieder gesagt. „Traumhaft wäre es, wenn man ein paar Spiele in Folge die gleiche Mannschaft aufbieten kann. Auch dadurch eignet sich eine Mannschaft Automatismen an und die Mannschaft ist eingespielter.“

Wie die Deutsche Nationalelf. Denn auch heute, zwei Tage nach der Gala in der Imtech-Arena, spielt das Spiel gegen die Niederländer eine Rolle. Fink zeigte seinen Spielern sogar einzelne Szenen vom 3:0. In Dreier- oder maximal Vierergruppen finden Videostudien statt. Eben auch mit dem deutschen Elitefußball. „Ich habe zwei Aktionen aus dem Spiel genommen“, so Fink, „jedes Spiel liefert Ähnlichkeiten.“ Und im Spiel der Deutschen sei so einiges gewesen, was Fink nur zu gern beim HSV sehen würde.

Klar. Wer hätte das nicht gern. Ich könnte mir mein Leben lang diese Automatismen vom Dienstag antun…

Aber okay, zurück in die Realität. Und da stehen 10 Punkte auf dem Haben-Konto. Deutlich zu wenig. Es wäre sehr wichtig, dass wir unser Heimspiel mal wieder gewinnen“, sagt Ilicevic, während Fink weiterhin große Hoffnungen in Marcus Berg setzt. „Marcus hatte sich schon vor dem Lautern-Spiel aufgedrängt, musste aber taktisch bedingt raus“, so Fink, „und er hat weiter sehr gut trainiert, sich mit Leistung empfohlen.“ So auch in den Testspielen, in denen er vier von neun Treffern erzielte. „Am Wochenende wird er spielen, weil er gut ist“, so Fink, der seine Vorschusslorbeeren erklärt: „Er wird das am Sonntag ganz sicher auch umsetzen.“

Zumal Mladen Petric entgegen erster Hoffnungen gegen Hoffenheim noch nicht dabei sein wird. Fraglich ist zudem David Jarolim, der heute noch nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. „Ich kann noch nicht genau sagen, ob es bis Hoffenheim reicht“, sagt Jarolim, „aber ich gehe davon aus. Noch bin ich etwas schlapp – aber das wird schon.“ Dabei machte er wie immer gute Miene zum bösen Spiel. Spekulationen, er sei am Dienstag nach Prag gereist, um sich dort schon mit einem neuen Verein zu unterhalten, dementierte er auf jeden Fall: „Totaler Quatsch. Ich gehe nicht zurück nach Prag.“ Zumindest nicht zum Fußballspielen. Denn er ist noch zu fit, um jetzt schon in eine eher unterklassige erste Liga zu wechseln.

Ebenfalls fit ist Paolo Guerrero, der in Peru im Anschluss an ein Länderspiel einen Auffahrunfall produzierte. „Wir haben mit ihm gesprochen“, so Mediendirektor Jörn Wolf heute, „er ist gut versichert, die Versicherung zahlt – und er kommt heil zurück.“

Na, dann passt doch alles. Fehlen nur noch die drei Punkte. Und, ganz ehrlich: so schön mir die DFB-Elf die 14 Tage Bundesligapause auch versüßt hat, so langsam werde ich echt ungeduldig. Ich will endlich den ersten Heimdreier. Oder besser: überhaupt den ersten Dreier unter Fink. Damit die starken Worte nicht nur starke Worte sind, sondern endlich auch tabellarisch belegt werden. In diesem Sinne, alles wird gut. Zumindest besser. Hoffentlich.

Bis morgen,
Scholle (18.15 Uhr)

Kurz notiert:
Am Freitag wird um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Ohne Mladen Petric, dafür mit Bruma, Ilicevic und höchstwahrscheinlich auch Jarolim.