Tagesarchiv für den 11. November 2011

Finks Psychotricks sollen helfen – auch Berg

11. November 2011

Er ist zurückhalten, eben einfach kein lauter Typ. „Muss er auch nicht“, sagt Trainer Thorsten Fink über Marcus Berg, „mir reicht es, wenn er richtig gut Fußball spielt.“ Und das soll der Schwede, darauf legte sich Fink bereits fest, schon am Sonntag in einer Woche im Heimspiel gegen Hoffenheim. Sogar von Beginn an. Weil Mladen Petric noch nicht fit ist. „Ganz sicher ist es bei Mladen nicht. Sein Heilungsprozess verläuft besser als normal“, sagt Fink. Dennoch sei der Kroate maximal für die Bank einzuplanen.

Die kennt Marcus Berg nur zu gut. Bislang bringt es Berg in dieser Saison auf gerade mal 65 Bundesliga- und 90 Pokalminuten Einsatzzeit in dieser Saison. Allerdings, so introvertiert Berg auch wirkt, Selbstvertrauen hat er. Das sagt er auf jeden Fall. „ich habe ein gutes Gefühl. Ich war zu Saisonbeginn lang verletzt, habe zuletzt zwei Monate gut trainiert.“ Allerdings hatte er unter den Vorgängern Finks nie das Gefühl, ernst genommen zu werden. „Bruno Labbadia ist ganz sicher ein sehr guter Trainer, aber er hat nicht viel geredet. Das ist jetzt anders. Thorsten redet viel mit uns. Und ich fühle mich wieder, als werde ich gesehen. Egal, ob es gut oder schlecht läuft, man muss einfach nur wissen, woran man ist. Und bei Thorsten weiß ich, woran ich bin.“

Und zwar an einem Trainer, der seine Mannschaft unvermindert, wenn auch wie heute mit etwas rauerer, erkälteter Stimme, stark redet. Auch Berg. „Marcus ist sehr torgefährlich, sehr clever. Er weiß, wie er sich bewegen muss. Und er hat einen super Abschluss. Links wie rechts. Er hat ein sauberes Passspiel und ist relativ spritzig.“ Dennoch hat Berg auch unter Fink keine Stammplatzgarantie. Warum das so ist? Fink sieht es in der Positionierung Bergs. „Marcus muss zwischen der Viererkette und dem Mittelfeld agieren. Er ist nicht der Typ Jan Koller, der vorn drin steht und mit einem Gegenspieler im Rücken den Ball festmacht und prallen lässt. Im Gegenteil: Marcus soll sich zwischen den Reihen bewegen und möglichst gar keinen Kontakt zum Gegenspieler haben. Genau so einen Stürmer will ich haben.“

Okay. Allerdings hatte sich Berg – und diese Einschätzung teile ich absolut – selbst als „absoluten Strafraumstürmer“ bezeichnet. „Das stimmt“, sagt Berg heute. Ob er die neue Positionierung als Vorteil für sich sieht? „Das weiß ich nicht“, so der Schwede, „es ist nicht so einfach. Aber im Pokal haben wir das in der zweiten Halbzeit auch schon so gespielt, und das war gut. Ich glaube auch, dass ich das spielen kann.“ Er muss es zumindest, wenn er bei Fink seine Chance nutzen will.

Die erste Chance, sich zu zeigen, hat Berg schon am morgigen Sonnabend (14 Uhr) beim Oberligisten Oststeinbeker SV. Genau so wie Robert Tesche und David Jarolim, die zuletzt Gojko Kacar und Tomas Rincon im zentralen Mittelfeld den Vortritt lassen mussten. Zwar gelten die beiden Letztgenannten weiter als gesetzt, allerdings glaubt Fink, dass Tesche und Jarolim ihre Chance bekommen werden. Wie alle andren Spieler im Kader auch. „Ich bin mit dem Kader sehr zufrieden. Wir werden so sicher nicht Deutscher Meister oder gewinnen die Europa League. Aber der Kader ist gut und wir werden damit unsere Ziele sicher erreichen können. Wenn ein Rincon ausfällt, kommt Tesche oder Jarolim. Fallen Rincon und Kacar aus, kommen eben Tesche und Jarolim.“ Genau so sei es auf allen anderen Positionen. „Fällt Jansen aus, oder Töre, kommt Ivo Ilicevic“, so der Trainer, „und wenn Petric ausfällt, kommt Berg. Fällt Berg aus, kommt Son. Ich habe immer Möglichkeiten, zu reagieren und so unser Ziel, einen gesicherten Mittelfeldplatz, zu erreichen.“

Dennoch könnte es sein, dass im Winter personell noch mal nachjustiert wird. Ohne, dass dabei großartig Geld ausgegeben werden kann. „Es sind nicht viele Reserven da“, sagt Klubboss Carl Edgar Jarchow. Der Vorstandsvorsitzende betont via „kicker“ zugleich, dass um höchstens einen neuen Profi gehen kann. „Wenn es dringend notwendig ist und wir alle zu dem Schluss kommen, dass wir uns verstärken müssen, ist ein Spieler machbar.“ Aufsichtsratsboss Ernst Otto Rieckhoff bestätigt in der „Welt“ (Sonnabend-Ausgabe): „Wir werden sehr eng wirtschaften müssen“.

Und während andere Trainer (ich erinnere mich da an Martin Jol, der seiner Mannschaft fast schon die Handlungsfähigkeit absprach, sofern nicht nachgerüstet würde) immer wieder Neue fordern, gibt sich Fink betont gelassen. „Ich bin bei meiner Zusage von dem aktuellen Kader ausgegangen. Wir haben abgesprochen, dass alle erst einmal eine Chance bekommen, sich zu zeigen. Wir versuchen, damit das Maximum herauszuholen. Und davon bin ich überzeugt.“
Zumal er über Talente verfügt. Fink nennt neben Mancienne und Berg, von denen er weiterhin überzeugt ist, dabei auch Gökhan Töre. „Gökhan ist jetzt ein gutes Talent. Er braucht trotzdem noch viel, um ein ganz Großer zu werden“ Wobei auch gesagt werden muss, dass sich der Deutsch-Türke schon erheblich gesteigert hat unter Fink. Was der Trainer mit seinem Talent angestellt hat? „Schwer zu sagen. Er kann ja alles. Es ist immer nur die Frage, was er abruft. Ich habe ihm gesagt, dass ein guter Mittelfeldspieler nicht nur nach vorn sondern heutzutage auch nach hinten arbeitet. Nur dann schafft er es in der Bundesliga.“ Und Töre scheint gehört zu haben. „Ich glaube“, sagt Fink, „dass ich weiß, wie ich ihn anfassen muss.“

Und dabei bedient sich Fink nebst Gesprächen über taktische Dinge auch dem einen oder anderen Psychotrick. Ebenso wie beim Kampf gegen die Schlafmützigkeit zu Beginn jeden Spieles. Was sich Fink ausgedacht hat? Einen Mentaltrainer? „Den hat inzwischen jede große Mannschaft. Und das ist auch gut so.“ Dennoch sei der noch nicht nötig. „Ich glaube, dass ich die Mannschaft sehr gut aufbauen und motivieren kann.“ Welche kleinen Tricks er anwenden will? Fink: „Da gibt es o vieles aus der Vergangenheit, das funktioniert hat.“ Ein Beispiel? Fink lässt sich nicht lumpen, antwortet: „Es ist doch so, wenn ich sage, ‚denke jetzt bitte nicht an einen rosa Elefanten’, denkst Du gerade daran“, sagt Fink, „und das muss man bedenken. So in etwa muss man auch bei uns in den Gesprächen auch vorgehen.“ Fink sieht bei seiner Mannschaft eh kein tiefer liegendes mentales Problem. „Deshalb arbeiten wir im Moment noch ohne Mentaltrainer. Die Mannschaft soll jetzt erst mal mich spüren, nicht irgendjemanden sonst.“

Da ist er wieder, der selbstbewusste Fink. Der Freund klarer, selbstbewusster Ansagen. Irgendwie immer wieder aufbauend. Schon beim Zuhören.

Umso unverständlicher ist für mich, dass hier das Thema Magath aufkommt.

In diesem Sinne, bis morgen in Oststeinbek. Oder eben danach hier im Blog. Eine schönen Freitag mit der DFB-Elf oder spannenden EM-Playoffs,

Scholle (19.15 Uhr)

Kurz notiert:
Zurück: Jeffrey Bruma ist von seiner Nationalmannschaft zurückgekehrt und absolvierte schon heute leichtes, individuelles Training. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Niederländer schon gegen Hoffenheim wieder zum Kader gehört. Ebenfalls von der Nationalelf (der DFB-U-20-Nationalmannschaft) zurück ist Zhi Gin Lam, den eine leichte Grippe plagt.

Richtigstellung: Die Aussage in dem Sport-Bild-Interview, seine Mannschaft sei zu träge, wollte Fink heute noch mal geraderücken. „Das ist falsch rübergekommen: alle sind fit. Es geht mir nur darum, dass der Fußball, den ich spielen will, der Offensive ist, bei dem wir keine 70-Meter-Sprints sondern immer Fünf- oder Zehn-Metersprints hinlegen müssen. Es geht mir ausschließlich um die Aggressivität und die kurzen Wege. Und daran müssen wir noch etwas arbeiten.“