Tagesarchiv für den 8. November 2011

Fink: “Unser Ziel ist ein gesicherter Mittelfeldplatz”

8. November 2011

Bevor ich Euch hier nur die Print-Geschichte reinstelle, wollte ich noch erzählen, dass wir heute einen Thorsten Fink erleben durften, der seinen Spielern aktiv auf dem Platz bewies, dass er zwar läuferisch nicht mehr mithalten könne, dafür aber noch immer über einen feines Passspiel verfügt. Im Trainingsspiel am Vormittag agierte der 44-Jährige als Schaltzentrale beim Spiel auf ein Tor. Er nutzte die verschärfte Nähe zum Geschehen und zu seinen Spielern, um genaue Anweisungen zu geben und seine Spieler – insbesondere die Defensiven – immer wieder sofort zu korrigieren. Anschließend sprachen wir mit einem äußerst entspannt wirkenden Thorsten Fink:

Frage: Herr Fink, heute waren sie fünfeinhalb Jahre nach Ihrem letzten Profieinsatz wieder aktiv auf dem Platz. Und es wirkte, als hätten Sie es noch drauf…
Thorsten Fink: „Naja, das eher nicht. Darum ging es mir auch nicht. Aber ich konnte so dem einen oder anderen genauer und direkt am Ort des Geschehens zeigen, was ich von ihm sehen will. Gerade im Abwehrverhalten kann bei uns der eine oder andere noch etwas verbessern.“

Frage: Weil der HSV in dieser Saison sowie saisonübergreifend gar seit nunmehr 16 Bundesligaspielen in Folge nicht ohne Gegentreffer geblieben ist?
Fink: „Weil sie am Anfang zu oft schläft. Wir müssen scheinbar immer erst einen vor den Bug bekommen, damit wir kommen. Man sieht daran, dass wir unten drin stehen. Wobei es schlimmer wäre, wenn wir immer führen würden und diese Führung immer wieder verspielen. So kann ich sagen, dass diese Mannschaft lebt. Sie bricht nicht mehr – wie es vorher von ihr zu hören war – mit einem 0:1 zusammen.“

Frage: Dennoch hätten Sie es sicher gern anders. Was kann man gegen die Schlafmützigkeit, oder besser: gegen die Defensivschwäche unternehmen?
Fink: „Da gibt es so viele Dinge, da ist im mentalen Bereich sehr viel machbar.“

Frage: Was genau?
Fink: „Zum Beispiel könnte ich mit der Mannschaft im Training einen Deal machen. Aber… nein, näher sollte ich nicht darauf eingehen, sonst verpufft der Effekt. Sicher ist, dass es da Leute gibt, die richtig Ahnung haben, wie man den mentalen Bereich bearbeitet. Mit denen werde ich sprechen.“

Frage: Inwieweit spielt Heiko Westermann für Sie defensiv zentral eine Rolle?
Fink: „Das ist seine Position, das sieht man. Heiko gehört in die Innenverteidigung, weil er sich dort am besten einbringen kann. Er ist schnell, kopfballstark und hat eine gute Spieleröffnung. Man spürt seine Ausstrahlung.“

Frage: Also gilt er als gesetzt in der Innenverteidigung?
Fink: „Es ist wichtig, gerade auf der Position, dass wir Konstanz reinkriegen. Ich muss jetzt zusehen, dass wir die richtige Mischung finden. Das heißt, wir müssen sehen, wer am besten zu Heiko passt.“

Frage:
Jeffrey Bruma?
Fink: „Wenn Bruma fit ist.“

Frage: Wenig Effektives kam zuletzt bei Heung Min Son heraus. Wie planen sie im Angriff für das Spiel gegen Hoffenheim?
Fink: „Mladen Petric ist aller Wahrscheinlichkeit bis dahin noch nicht wieder fit. Und bei einem Heimspiel sehe ich Marcus Berg wieder vorn. Son hat in Leverkusen viel gearbeitet, weite Wege gemacht – aber letztlich sicher nicht seinen allerbesten Tag gehabt.“

Frage: Wie hat Ihnen Michael Mancienne neben Westermann gefallen?
Fink: „Ihm fehlte noch etwas Spielpraxis. Aber ich fand, dass er seine Aufgabe mit zunehmender Spieldauer sehr gut gelöst hat. Er ist auf einem gute Weg. Genau wie David Jarolim, der hervorragend mitzieht. Oder auch Gökhan Töre, den wir noch mehr ins Spiel bringen müssen. Inzwischen stellen sich ja die Gegner schon direkt auf ihn ein. Das hat Robin Dutt ja nach dem Spiel in Leverkusen sogar zugegeben. Selbst Marcell Jansen hätte unter normalen Umständen drei Tore gemacht – hätten die Schiedsrichter richtig gepfiffen. Und wäre das der Fall gewesen, hätten wir gleich vier Punkte mehr geholt und alle würden jubeln, wie toll alles ist. Nein, ich muss sagen: die Stimmung ist noch viel besser als ich es mir vorgestellt habe. Und wir wissen, dass wir jetzt punkten müssen.“

Frage: Wie sieht der nächste Schritt aus?
Fink: „Unser Ziel ist klar, wir wollen einen gesicherten Mittelfeldplatz. Und wir wollen nicht mehr nur kämpfen, sondern uns auch spielerisch weiterentwickeln. Wobei wir nicht durchdrehen. Für einen Uefa-Cup-Platz müsste man natürlich noch was machen. Aber wir wissen mit der Situation umzugehen. Wir entwickeln uns.“

Frage: Auch Sie leben sich immer besser ein. Sie haben endlich ein neues Haus gefunden, wann kommt die Familie nach?
Fink: „Meine Familie wird im Dezember nachkommen. Zuerst machen wir Urlaub, dann feiern wir zusammen Weihnachten – und zwar in Hamburg.“

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Restabend,

Scholle (19 Uhr)

KURZ NOTIERT:
Angesetzt:
Morgen wird um 10 und um 15 Uhr an der Arena trainiert.
Ausgehandelt: Schon in Kürze soll die Vertragsverlängerung mit Youngster Zhi Gin Lam verkündet werden. “Die Gespräche laufen sehr gut”, sagt Vorstandsboss Carl Jarchow, “die ganze Geschichte sollte nicht mehr allzu lange dauern.”