Tagesarchiv für den 3. November 2011

Selbst Brumas bitterer Ausfall kann diesen Tag nicht verderben

3. November 2011

Wie geil ist das denn? Für mich DIE Nachricht des Tages. Und sie kam aus der Geschäftsstelle. Dort war ein offizieller Antrag eingegangen, der die Gründung des ersten HSV-Fanklubs „Matz-Ab“ nach sich zieht. Und dieser Fanklub hat schon 34 (!) Mitglieder -am ersten Tag. Sensationell! Ich habe daraufhin gleich mit Dieter telefoniert, der das auch schon gehört hatte und ähnlich begeistert war. Zumal sich mein Freund Dieter das – ich hoffe er liest das – zu 100 Prozent auf die eigene Fahne schreiben darf. Er hat nicht nur diesen Blog geboren und mit immer neuem Leben gefüllt, er hat damit auch eine Gemeinde gebildet, die sich nicht nur via Posts unterhält, sondern die untereinander und vor allem miteinander richtig initiativ wird. Den Höhepunkt bildet dabei sicherlich der jetzt beantragte Matz-Ab-Fanklub.

Gratulation dafür an die Initiatoren! Und natürlich an Dieter!

Glückwünsche erhoffen sich derweil auch die HSV-Profis nach de nächsten Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen. Und das, obwohl die Mannschaft mit der Verletzung Jeffrey Brumas, die hier im Blog schon um 1 Uhr nachts gepostet worden war, einen Rückschlag erlitten hat. „Er war schon bei letzten Spiel leicht angeschlagen. Und gestern nach dem Training stellte sich heraus, dass er einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich hat. Er wird definitiv ausfallen“, so die Aussage von Trainer Thorsten Fink. Für den Niederländer rückt nach der Drei-Spiele-Sperre von Slobodan Rajkovic Michael Mancienne neben Heiko Westermann in die Innenverteidigung. Darauf legte sich Fink heute schon fest. „Die zwei haben wir ja noch“, so der HSV-Trainer, „aber jetzt darf auch nicht mehr viel passieren.“ Stimmt.

Allerdings stehen somit zwei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Und während Westermann seit Wochen aufsteigende Tendenz hat und seine Führungsrolle mit guten Leistungen untermauert, wird Mancienne darauf brennen, sich beim neuen Trainer neu zu beweisen, nachdem er gegen Trier gerade mal eine Halbzeit spielen durfte, bevor er ausgewechselt wurde. „So kann ich ihn besser kennenlernen“, nimtt Fink es positiv und führt eines seiner berühmten Zitate – in Basel schwärmen sie von etlichen lustigen Sprüchen des Coaches – an: „Ein Golfschläger wird auch nicht besser, wenn er nur in der Tasche bleibt.“

Auch das stimmt. Die Frage ist nur, ob Mancienne aus dem Holz geschnitzt ist, das Fink sucht. Zu Saisonbeginn hat der Engländer einige gute Ansätze gezeigt. Und der 23-Jährige gibt sich weiter kämpferisch. „Ich warte auf meine Chance und nutze sie dann“, hatte er vor zwei Wochen gesagt. Blenden wir mal das Trier-Spiel aus, hat er in Leverkusen seine erste Chance dafür seit dem sechsten Spieltag. Und einen leichten Vertrauensvorschuss erhält Mancienne schon jetzt vom Trainer. Der antwortete auf die Frage, ob er für den Winter noch eine Verstärkung für die Innenverteidigung plane: „Auch wenn wir jetzt leichte Probleme haben, haben wir ausreichend viele und gute Innenverteidiger. Michael kann am Sonnabend mit einer guten Leistung seine persönliche Empfehlung aussprechen, dass wir nichts mehr machen müssen. Wovon ich ausgehe.“

Fink wirkte – mal wieder – aufgeräumt, positiv und motivierend. Den Bruma-Rückschlag hatte er binnen weniger Minuten kleingeredet, stattdessen das Augenmerk auf die gerichtet, die am Sonnabend auflaufen können. Und auf Ivo Ilicevic, der heute sein individuelles Programm absolvierte und gegen Bayer noch ausfallen wird. Dass der Zugang des HSV dennoch von seinem Nationaltrainer Bilic für die Playoffs gegen die Türkei eingeladen wurde, bereitet dem HSV-Coach kein Kopfzerbrechen. „Ich kenne Slaven Bilic noch aus gemeinsamen Jahren beim KSC. Wir haben verabredet, dass wir am Sonntag im Training testen, ob es Sinn macht für Ivo, zur Nationalmannschaft zu reisen.“ Erst da soll eine endgültige Entscheidung gefällt werden – es sei denn Bilic verzichtet schon morgen bei der offiziellen Bekanntgabe des endgültigen von sich aus auf eine Nominierung Ilicevics. Worauf ich für den HSV hoffe. Immerhin hätte der offensive Mittelfeldspieler so die gesamte Länderspielpause noch Zeit, um sich komplett auszukurieren.

Auskuriert wirkte zuletzt Marcell Jansen, der gegen Kaiserslautern ein starkes Spiel absolvierte und auch gegen Bayer als gesetzt gelten dürfte. Ein Zustand, den Jansen weniger sich selbst als der Wirkung des neuen Trainers zuschreibt. Wie eigentlich alle Spieler, mit denen ich in den letzten Wochen gesprochen habe, sang auch Jansen heute ein Loblied auf Fink: „Es ist super, dass unser Trainer ohne Ende brennt. Er gibt uns Selbstvertrauen. Und das hatten wir vorher nicht.“ Zudem gibt es klare Anweisungen. Fink habe einen für alle erkennbaren Plan. „Es ist einfach wichtig, dass wir alle wissen, wie wir spielen sollen.“ Als Beispiel für die neue Klarheit á la Fink nannte Jansen eine Sech-Augen-Runde mit Dennis Aogo – und natürlich Fink. Dabei zeigte der HSV-Coach der Links-Achse das Spiel seiner damaligen Basler bei Manchester United. „Er hat uns anhand verschiedener Szenen gezeigt, was man aus den Positionen auf der linken Seite machen kann.“ Gleiches hat Fink im Übrigen mit der rechten Seite, dem zentralen Mittelfeld-Duo sowie den Angreifern gemacht.

„Er führt viele Einzelgespräche. Und das scheint zu helfen“, so Jansen, der morgen seinen 26. Geburtstag feiert und zugleich darauf hofft, mal wieder eine Chance für die Nationalmannschaft zu erhalten. Allerdings ist Jansen realistisch und äußert sich nur äußerst verhalten optimistisch. „Ich würde nie nein sagen, wenn der Nationaltrainer mich ruft. Es ist immer ein Traum, in einer so tollen Mannschaft zu spielen. Ich weiß allerdings nicht, ob es so kurzfristig schon klappt. Aber ich bleibe dran.“ Zumal die Partie am 15. November in der Imtech-Arena stattfindet…

Dennoch, und ich hatte da in den letzten nunmehr elf Jahren als HSV-Reporter wirklich schon ganz andere Zeiten, dieser Mannschaft merkt man an, dass ihr neues Leben eingehaucht wurde. Auch heute wurde Fink nicht müde, seine Mannschaft starkzureden. „Ich freue mich auf das Spiel in Leverkusen“, so der HSV-Coach, der einen kleinen Psychotrick nachlegte: „Bayer hat Champions League gespielt, eine harte Reise im Gepäck. Und ich erinnere mich noch daran, wie es früher war, wenn man auf Mannschaften aus dem Tabellenkeller getroffen ist, die besser sind als ihr Tabellenstand.“ Ob er sich den wieder erstarkten Michael Ballack von Bayer für sein Team wünschen würde? Eine Frage wie ein Steilpass für Fink, der ihn nutzte: „Ich wünsche mir von Leverkusen gar keinen Spieler. Ich bin zufrieden mit meinem Kader. Wir haben eine Mannschaft mit gutem Charakter.“ Auch die Relativierung, dass die Frage eher auf die Führungsfähigkeiten eines Ballacks abzielte, ließ Fink nicht gelten: „Wir sind auch da gut versorgt. Heiko Westermann macht das schon ganz gut.“

Sätze, die ihm seine Spieler mit Leistung zurückzahlen wollen. Schon am Sonnabend in Leverkusen.

Ganz ehrlich, heute ist ein guter Tag. Erst der Fanklub, dann die mutigen und authentischen Aussagen der HSV-verantwortlichen und der Spieler. Besser wird es jetzt nur noch mit einem Dreier in Leverkusen. Zumal zwei Spieler in er Startelf stehen werden, die Bayer jeweils auswärts schon im Alleingang niedergerungen haben: Marcell Jansen beim 2:1-Sieg am 22. Februar 2009 und Paolo Guerrero bei 2:1-Sieg am 22. Oktober 2006, die jeweils doppelt trafen. Vielleicht reiht sich diesmal ja Marcus Berg mit zwei Treffern in das (dann) Trio ein.

Zu gern würde sich der Schwede nach seiner überstandenen leichten Grippe als Matchwinner feiern lassen. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass Fink eher auf Heung Min Son setzen wird. „Wir haben alle Facetten“, freute sich der HSV-Trainer über seine verschiedenen Stürmertypen, bei denen er Berg, Petric und Guerrero als Strafraumstürmer betitelte und Son zudem die Fähigkeit des Konterstürmers „unterstellte“. Eine Fähigkeit, die bei den durchaus spielstarken Leverkusenern gefragt sein könnte.

In diesem Sinne, die ersten 20 Minuten „ohne Gegentor und Rote Karte überstehen, dann gewinne wir auch“, sagt Fink – und ich glaube, niemand von uns hat etwas dagegen.

Bis morgen.

Scholle (18.55 Uhr)

Kurz notiert:
Zwei weitere Testspiele stehen fest. Am Samstag, 12. November treten die Rothosen beim Oberligisten Oststeinbeker SV an. Das Spiel gegen Bukarest wurde kurzfristig abgesagt, weil der Präsident des rumänischen Erstligisten verhaftet wurde. Immer wieder mal was Neues…. Anstoß gegen den OSV ist um 14 Uhr und am 16. November geht es zum Lüneburger Landesligisten TSV Winsen (Karten-Infos unter www.tsvwinsen.de). Dort rollt der Ball ab 18 Uhr.