Monatsarchiv für November 2011

Rincon macht Freude – und Dieter kommt zurück!!

30. November 2011

Der Typ kennt keine Angst. Im Gegenteil, wenn Tomas Rincon auf den Platz geht, muss er von seinen Kollegen eher mal zurückgehalten werden. Ein typischer Sechser eben, bei dem Einsatz für die eigene Defensive an erster, zweiter, dritter und wahrscheinlich auch noch vierter Stelle steht. Erst dann kommt er selbst. So, wie am vergangenen Sonnabend in Hannover. Rincon räumte ab, grätschte, schleppte Bälle und gewann Zweikämpfe. Und wurde belohnt, indem er in der 88. Minute beim Stand von 1:1 völlig freistehend vor 96-Torwart Zieler den Ball bekam. Einschussbereit. „Ich habe noch kein Tor in der Bundesliga gemacht“, sagt Rincon, „nicht mal in der Nationalmannschaft habe ich getroffen. Es war immer nur knapp, nie habe ich dann auch getroffen.“ Und so blieb es auch in Hannover. Der bis dahin starke Sechser rutschte beim Schuss aus. „Ich habe nur gedacht: Sch…“, so Rincon ehrlich.

Dass er selbst solche unglücklichen Momente nicht mehr an sich rankommen lässt, hat eine harte Schule bewirkt. Vier Jahre lang ist der stets einsatzwillige Kämpfer jetzt beim HSV, ohne sich dabei einmal endgültig durchgesetzt zu haben. „Ich war oft nah dran“, so Rincon, „aber dann auch wieder ganz oft nicht dabei. Manchmal nicht mal mehr im Kader. Das waren Phasen, in denen ich mich noch mehr selbst motivieren musste, was sehr schwer war.“ Dennoch, als einen Fehler hatte er Hamburg nie gesehen. Im Gegenteil: „Es war ein großer Schritt, der mich weitergebracht hat. Von Beginn an.“ Einzig sein Ziel, Stammspieler zu werden, schien kurzzeitig außer Sichtweite zu geraten, weshalb Rincon an einen Wechsel dachte. Allerdings nur, weil er das Gefühl hatte, beim HSV nicht gebraucht zu werden. „Heimweh aber hatte ich nie, ich wollte nie nach Hause flüchten oder so. Es ging mir immer nur um meine sportlichen Ziele. Ich wollte spielen. Und damals dachte ich, das wäre bei einem anderen Klub vielleicht leichter.“

Umso glücklicher ist Rincon heute. Zum einen, weil er geduldig geblieben ist. Zum anderen, weil er unter Thorsten Fink zum Stammspieler avanciert. Alle fünf Spiele unter dem ehemaligen Bayern-Profi spielte Rincon bislang durch. Und er gilt weiterhin als gesetzt. „Ich spüre das Vertrauen vom Trainer“, sagt Rincon, wissend, dass Fink besonders viel Wert auf Kontinuität bei derart zentralen Rollen legt.

Fink ist Rincons persönlicher Glücksfall. Auch, weil der Trainer einst selbst auf der zentral-defensiven Mittelfeldposition beheimatet war und dort neben Meister und DFB-Pokaltiteln auch die Champions League gewann. „Er gibt mir sehr viele gute Tipps“, verrät Rincon, „er zeigt mir, wie ich di Bälle in der Defensive abholen soll. Und er überträgt mir viel Verantwortung. Ich habe viele Ballkontakte, fast so wie in der Nationalmannschaft. Diese Art zu spielen liegt mir.“

Und sie gefällt neben seinen Mannschaftskollegen und Trainer Fink auch den Zuschauern. Von Beginn an war der unermüdliche, manchmal etwas übereifrige Mittelfeldkämpfer einer, der schnell die Fans mitriss. Weil er einfach kompromisslos spielte, weil er sich nie schonte und keine Angst hat. Das wiederum dokumentiert auch sein Privatleben. Auf die Frage, ob er manchmal Angst um seine in Venezuela lebende Familie habe, sagt er: „Nein, man muss auch mal Glück haben.“ Fürwahr, denn in Venezuela stehen Entführungen mit Lösegeldforderungen auf der Tagesordnung. Gerade vor zwei Wochen wurde Wilson Ramos, ein berühmter Baseballspieler, der in der US-amerikanischen MLB sein Geld verdient, entführt. Zwei Tage blieb Ramos in der Hand der Kidnapper, die Lösegeld forderten, ehe die Polizei den 24-Jährigen unter Einsatz von Schusswaffen befreien konnte. „Ich habe keine Angst, wenn ich in meiner Heimat bin“, sagt Rincon, der in den letzten zwei Jahren zum Volkshelden aufgestiegen ist und dieses Jahr reelle Chancen hat, das erste Mal zum Fußballer des Jahres gekürt zu werden. „Allerdings habe ich meine Schwester schon rausgeholt. Sie studiert in Spanien“, so Rincon, der seine Schwester finanziell unterstützt.

21 Punkte sind Rincons realistisch formuliertes Ziel bis zur Winterpause, „mit 20 könnte ich auch noch leben“, so Rincon, der als Beweis für Beharrlichkeit vielen Spielern ein gutes Beispiel sein kann. Denn auch in den letzten drei Saisonspielen wird er unter normalen Umständen (also gesund und ohne Sperre) im Mittelfeld beginnen. Sein persönliches Erfolgsgeheimnis: „Nie aufgeben! Ich habe immer daran geglaubt, dass ich Gutes erreiche, wenn ich mich gut verhalte.“

Richtig gut spielt derzeit auch Jeffrey Bruma. Der Niederländer konnte sich in Hannover nach einer defensiv überzeugenden Partie sogar als Torschütze eintragen. Und er fühlt sich jetzt so richtig wohl, will unbedingt in Hamburg bleiben. Chelsea, sein eigentlicher Arbeitgeber, spielt bei Bruma momentan nur noch in den schlechten Erinnerungen eine Rolle. „Ich war dort Verteidiger Nummer vier. Und ich glaube, auch jetzt würde es nicht leichter“, so der Innenverteidiger, der zuletzt gesagt hatte, er hätte persönlich ein Mitspracherecht, sollte Chelsea seine Option ziehen und Bruma innerhalb der nächsten 18 Monate zurückbeordern. Heute klärte er auf, dass das zwar nicht vertraglich fixiert, aber durchaus mündlich so vereinbart worden war. „Am Ende müssen sich alle einigen, auch ich“, so Bruma, der angab, sich beim HSV pudelwohl zu fühlen und definitiv nicht wechseln zu wollen. „Ich habe zwei Jahre Vertrag, es läuft richtig gut für die Mannschaft und für mich. Wir stehen hinten immer besser und ich bekommen Spielpraxis. Warum sollte ich da an etwas anderes denken?“

Solle er ja gar nicht. Im Gegenteil, der HSV könnte für Bruma auch die große Chance sein, einen der schier gesetzten Stammplätze in der holländischen Nationalelf zu erobern. Immerhin ist die Konkurrenz dort mit Heitinga und Joris Mathijsen durchaus überschaubar. „Ich rechne nicht damit, dass der Trainer da noch bis zur EM viel wechselt. Mein Gefühl sagt mir, ich muss da noch ein wenig warten.“ Dass sich das lohnt, dafür muss Bruma nicht weit gucken. Immerhin hat er mit Rincon ein Paradebeispiel dafür in der eigenen Mannschaft.

Und auch für uns soll sich das Warten gelohnt haben. Immer wieder habt Ihr hier gefragt, was mit Dieter ist, weshalb in den letzten Wochen nur noch ich hier geschrieben habe. Und, soll ich Euch was sagen? Etwas, worüber sich keiner mehr freut als ich?

Dieter Matz ist endlich wieder zurück!

Schon morgen übernimmt der Blogvater hier wieder. Erholt und Guter Dinge wird er in seiner gewohnt intensiven, emotionalen Art und mit tausenden von interessanten Döntjes seinen Blog führen. Ich freue mich darauf!

In diesem Sinne, bis morgen – wollte ich gerade schreiben. Die Macht der Gewohnheit… Besser muss es natürlich heißen: bis nächste Woche. Ich habe Donnerstag Print-Dienst und ab Freitag drei Tage frei.

Bis dahin,

Scholle

P.S.: Morgen ist um zehn Uhr Training an der Arena. Wenn alles gutgeht, ist Mladen Petric dann erstmals seit seiner Wadenverletzung wieder dabei.

2:1 gegen die Rangers gewonnen – mehr nicht

29. November 2011

Ein Blick ins Rund reichte, um zu sehen, dass mit Sicherheit auch nicht annähernd so viele Blogger wie sonst hier im Stadion sind. Mein erster Impuls: Ich mache ’nen Ticker für die Zuhausegebliebenen. Allerdings wäre das für so ein Spiel vielleicht vermessen. Egal wie, letztlich ist es zwar nur ein Testspiel. Aber gegen einen bekannten Namen: die Glasow Rangers. Und das verdient zumindest eine ordentliche Berichterstattung.

Zumal das Spiel viel interessante Erkenntnisse hätte bringen können. Im Tor durfte sich erneut Tom Mickel präsentieren, Ivo Ilicevic stand ebenso wie David Jarolim (als Kapitän) in der Startelf, Marcell Jansen durfte hinten links ran und Robert Tesche sich als zweiter, hängender Stürmer hinter Heung Min Son versuchen. Viele Versuche von Trainer Thorsten Fink, der bereits ankündigte, derartige Freund-schaftsspiele regelmäßig absolvieren zu wollen. Vor allem in den Wochen, in denen international in der Europa- und der Champions League ge-spielt wird.

Dieser Test allerdings war keine Bewerbung für mehr solcher Events. Von den 12117 Zuschauern war zum einen der Gegner, zum anderen die Preisgestaltung (billigstes Ticket 12 Euro) offenbar nicht angenommen worden. Und das, obwohl das teuerste Ticket auch gerade 26 Euro kostete.

Dennoch, die Daheimgebliebenen sollten Recht behalten. Von den Rangers kam in der ersten Hälfte nichts. Nein, noch weniger: gar nichts. Zwei, drei versuchte, schnelle Angriffe und ein Torschuss standen gefühlten 44,5 Minuten mit zehn Mann rund um den eigenen Sechzehner entgegen. Und da beim HSV kein Spieler eine zündende Idee hatte, dauerte es bis zur 17. Minute, bis ein Standard herhalten musste. Einen Eckball von Ilicevic bekam der in den ersten 45 Minuten völlig ungeforderte Slobodan Rajkovic und köpfte ihn ans Lattenkreuz. Vier Minuten später war es Robert Tesche, der zusammen mit Son im Angriff ein wenig unterzugehen drohte, der aus 20 Metern einfach mal draufhielt und nur knapp verfehlte (21.).

Ansonsten aber schien es auch in Finks Augen zu wenig zu sein, was seine Spieler anboten. Zumal von denen, die dieses Spiel für sich hätten nutzen können, um sich aus der zweiten für die erste Reihe anzubieten. Lam auf rechts, sowie Son und Tesche in vorderster Front wussten nichts anzubieten. Bis zur 38. Minute. Allerdings dann auch in Perfektion. Ilicevic, der sichtbar bemüht war, allerdings bis hierhin ohne große Szene geblieben war, passte in den Sechzehner und fand den startenden Tesche, der den Ball aus halblinker Position mit der Hacke wunderschön gen Elfmeterpunkt legte, wo Ilicevic keine Probleme hatte, den Ball zum 1:0 per Unterlatte einzunetzen. Ein wirklich schön herausgespielter Treffer, der erfreute, allerdings auch die Frage aufwarf, warum die Mannschaft so ein Trainingsspiel(zumal gegen so harmlose Glasgower) nicht nutzte, um derlei Aktionen häufiger auszuprobieren.

Egal wie, die Worte von Fink in der Halbzeitpause dürften deutlich gewesen sein. Und zur Strafe für die erste Halbzeit, musste die erste Elf auch in der zweiten Halbzeit wieder auflaufen. Und diesmal gegen Schotte, die zumindest in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit versuchte, Angriffe über die eigene rechte Seite zu starten. Allerdings alle, ohne gefährlich zu werden. Dennoch, das Spiel wurde interessan-ter. Nicht wirklich besser, aber eben interessanter. In der 62. Minute hatte Lam, der zuvor schon zwei gute Schusssituationen hatte, die Möglichkeit zum 2:0, scheiterte aber an einem der gefühlt 300 schottischen Abwehrbeine. Und keine sechs Minuten war es Tesche, der eine Beslic-Flanke per Direktabnahme an die Latte setzte.

Es war ein Spiel, das ein wenig an die Partie in Hannover erinnerte. Das wollte ich gerade schreiben, als das passierte, was ich diesmal tatsächlich nicht für möglich erachtet hatte. Glasgow glich aus! Im Mittelfeld verlor Jarolim ein Laufduell gegen Aluko, der sich dann auch noch mühelos gegen Rajkovic durchsetzte, in den Rücken der Abwehr passte und dort Thomas Bendiksen fand, der mühelos zum 1:1 einschieben konnte.

Dass es am Ende kein komplett gebrauchter Tag werden sollte, lag an dem Rangers-Ersatzkeeper Neil Alexander, der in der 81. Minute einen harmlosen Ball fallen ließ und Heung Min Son, der ansonsten blass blieb, das 2:1 auflegte.

Es war kein schönes Spiel. Aber ein verdienter Sieg. Der HSV war erneut die aktivere Mannschaft, hatte gefühlte 80 Prozent Ballbesitz. Für ein gutes Spiel investierten die Rangers allein schon zu wenig. Allerdings wurde erneut deutlich, dass dem HSV noch Kreativität und Durchschlagskraft in der Offensive fehlt. Zumindest mit der zweiten Reihe. Son tauchte bis auf sein Tor unter, Rajkovic sah beim Gegentor ebenso wie Jarolim schlecht aus. Und auch Zhi Gin Lam wusste sich nicht zu empfehlen. Einzig Skjelbred, der sehr aktiv war, sowie Ilicevic und mit Abstrichen Tesche wussten mit einzelnen Szenen zu überzeugen. Wohl auch deshalb pfiff der gute Schiedsrichter Patrick Ittrich eine Minute zu früh ab.

In diesem Sinne, der HSV unter Fink ist nicht nur weiter ungeschlagen sondern hat gewonnen. Wie am Sonntag gegen Nürnberg. Dann sogar mit echtem Gegner – und hoffentlich besserem Fußball.

Bis morgen.

HSV: Mickel – Diekmeier (57. Besic), Mancienne, Rajkovic, Jansen (86. Brügmann) – Lam (78. Ingreso), Jarolim, Skjelbred, Ilicevic (86. Bertram) – Tesche, Son (82. Nagy). Schiedsrichter: Ittrich. Zuschauer: 12.117. Tore: 1:0 Ilicevic (38., Vorarbeit Tesche), 1:1 Bendiksen (71., Aluko), 2:1 Son (81.).

Klubboss Carl Jarchow: Trotz Treffen mit Kühne – keine Neuen im Winter

28. November 2011

Carl Edgar Jarchow ist ein Mann der eher besonnenen Worte. Ausraster sind von ihm bislang nicht überliefert, seine Antworten wählt der Klubboss des HSV mit Bedacht. In Hannover direkt nach dem Spiel, wie es auch hier einigen aufgefallen war, sogar mit der Gelassenheit einer positiven Entwicklung im Rücken. „Der Trend ist positiv“, sagt Jarchow, „wir haben, seit Thorsten Fink Trainer bei uns ist, nicht mehr verloren.“ Allerdings, und das schiebt der Vorstandsvorsitzende noch im selben Atemzug nach: „Wir müssen auch realistisch erkennen, dass wir nur eines dieser Spiele gewonnen haben und in der Pflicht sind, Punkte zu holen.“ Wie das gelingen soll? Carl Edgar Jarchow hofft auf noch mindestens sechs Punkte aus den verbleibenden drei Ligaspielen gegen Nürnberg und Augsburg sowie dazwischen in Mainz: „Wir wollen auf jeden Fall die beiden Heimspiele gewinnen.“ Mit dem Blog sprach Jarchow über…

…das Testspiel am Dienstag gegen Glasgow: „Der Kartenverkauf ist schleppender als erhofft. Wir haben bislang gut 10000 Tickets abgesetzt, werden also kein Minus machen. Aber auch keinen großen Gewinn. Vielleicht haben wir unterschätzt, dass der gemeine Fan jetzt seine vorweihnachtlichen Ausgaben hat. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir gut 15000 bis 20000 Zuschauer begrüßen werden. Generell werden wir Spiele gegen solche Kaliber in den nächsten Monaten immer wieder mal einstreuen, wenn in den jeweiligen Wochen die Europa- und Champions League spielen.“

…die neuen Impulse von Trainer Thorsten Fink: „Der Trainer hat seine Wirkung auf die Mannschaft und der Trend ist positiv. Das erfreut uns im Vorstand besonders, weil wir uns für diesen Weg entschieden haben. Wir halten auch mit Thorsten Fink an unserem Weg fest, der von allen Seiten angezweifelt wurde, weil er sich anfänglich zugegebenermaßen nicht gut entwickelte. Dafür gab es am Anfang viel auf die Mütze, weil wir auch viele schlechte Ergebnisse abgeliefert haben. Wir haben nicht umsonst den schweren Schritt gewagt, den Trainer zu wechseln. Und dennoch haben wir gut daran getan, an unseren Kurs zu glauben. Jetzt haben wir unter Thorsten Fink noch kein Spiel verloren und die Entwicklung allgemein wie die von einzelnen Spielern ist sehr positiv. Nehmen wir nur den Torwart, der nach anfänglich sehr harter Kritik inzwischen zum Liebling der Fans avanciert. Das ist der Beweis, wie schnell sich im Fußball alles verändern kann. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Und da steht auch nur ein Sieg zu Buche. Deswegen wissen wir, dass wir in der Pflicht sind, zu punkten. Ich würde mir zwei Siege in den letzten zwei Heimspielen wünschen.“

…mögliche Abwerbeversuche anderer Klubs, Thorsten Fink für sich zu gewinnen: „Die habe ich nicht. Überhaupt nicht. Zum einen, weil ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm habe und viel mit ihm spreche. Außerdem besteht zwischen ihm und unserem Sportchef Frank Arnesen ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Zum anderen weiß Thorsten Fink unsere Bemühen, ihn nach Hamburg zu holen, zu schätzen. Ob er in ein par Jahren bei Real Madrid oder sonstwo Trainer ist, interessiert mich in diesem Moment nicht. Er weiß, was er bei uns hat.“

…Finks Vorgänger Michael Oenning und dessen Entlassung: „Ich habe mich bei der Entscheidung sehr schwer getan, weil ich mir fest vorgenommen hatte, nicht nach dem ersten Rückschlag gleich umzufallen. Allerdings haben wir das auch nicht getan. Wir haben lange an Michael festgehalten und alle Entscheidungen geschlossen im Vorstand als Team vertreten. Ob es jetzt zu spät kam, mag ich nicht beurteilen. Das wäre auch hypothetisch, weil niemals jemand eine der beiden Theorien beweisen können wird. Deshalb spekuliere ich da auch nicht. Es würde Michael, den ich als Menschen und Trainer sehr schätze, auch nicht gerecht. Ich kann nur sagen, dass ich damals nach Gefühl gehandelt habe und mich – nein, uns als Vorstand – durch die aktuelle Entwicklung der Mannschaft in dieser Entscheidung bestätigt sehe.“

…mögliche Transfers in der Winterpause: „Stand heute gibt es nichts im Winter. Wir müssen unsere finanzielle Lage im Auge behalten und da im Moment noch keinen erlauben. Das würden wir nur, wenn es ein klares Problem im Kader geben würde. Aber das sieht der Trainer nicht. Dem entgegen steht der Fall David Jarolim, der ob seiner geringen Einsatzzeiten unzufrieden ist und dem der Trainer gesagt hat, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen würden, wenn er wechseln wollte.“

…ein Treffen mit Investor Klaus-Michael Kühne in den letzten Tagen: „Herr Kühne ist der größte private Sponsor des Vereins. Da hat er auch das Recht, mal von uns zu hören, wie sich der Verein entwickelt. Diesmal hat sich der Trainer bei ihm vorgestellt, so wie ich es zusammen mit Frank Arnesen im Sommer gemacht habe. Wir reden immer mal wieder zusammen, machen daraus auch kein Geheimnis. Im Moment will Herr Kühne auch gar nichts machen. Ich weiß auch, dass er nie vorhatte, sich an Spielern zu beteiligen, sondern dass sein Engagement beim HSV ursprünglich mit einem Namen verbunden war: Rafael van der Vaart. Auch seine Frau mag van der Vaart wohl sehr gern (Jarchow lacht). Und als dies aus verschiedenen Gründen nicht umzusetzen war, hat sich der Verein eine Möglichkeit ausgedacht, wie man das Geld dennoch für den Klub verwenden könnte. Aber ich kann sagen, dass der Name van der Vaart bei unserem letzten Treffen nicht einmal gefallen ist. Ob er uns einen Spieler schenken würde? Ich glaube nicht. Sein Engagement war wie gesagt immer sehr namensbezogen.“

…die Möglichkeit, neue Geldquellen zu akquirieren: „Wir müssen ehrlich sein und sehen, dass wir auf diesem Level nicht nach ganz oben durchstarten können. Und damit wollen wir auch nicht warten, bis das Stadion in ein paar Jahren abbezahlt ist. Uns ist das Thema sehr bewusst. Aber wir werden zur neuen Saison schon etwas besser dastehen als in dieser Saison – schlechter geht es allerdings auch kaum. Zudem haben wir mit Großsponsoren verlängert, was uns nicht im Geld schwimmen lässt, uns aber zumindest etwas mehr Planungssicherheit verleiht. Zudem gibt es verschiedene Modelle, die interessant sind. Auch eine Fan-Anleihe, wie sie der FC St. Pauli jetzt erfolgreich durchgesetzt hat und wie es vorher schon etliche Klubs mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben, haben wir diskutiert. Wir wären auch ein schlechter Vorstand, wenn wir nicht alles in Betracht ziehen würden, was dem Verein hilft.“

…Pyro-Technik in den Stadien: „Da habe ich einen klares Standpunkt: Es wäre falsch, so etwas zu legalisieren. Es ist eine Gefährdung für die Gesundheit der Zuschauer. In Hannover habe ich das bei unseren Fans kritisch sehen können: da wurden Leuchtfeuer gezündet, die bis zu 1000 Grad warm werden. Und das unmittelbar über den Köpfen anderer Zuschauer. Das ist nicht akzeptabel. Bislang haben wir 7000 Euro Strafe vom DFB aufgebrummt bekommen, wo Hannover noch hinzugerechnet werden muss. Das ist nicht zu akzeptieren, zumal am Ende die Fehler einzelner auf dem Rücken der gesamten Mitgliedschaft ausgetragen werden. Deshalb werden wir die Gespräche mit den Fan-Beauftragten und den Fanklubs suchen. Wir sind entschlossen, da etwas zu unternehmen (zuletzt wurde einem Fanklub der Status aberkannt, nachdem einzelne Mitglieder randaliert hatten. Gleiches sei auch im Falle von wiederholtem Missbrauch von Pyrotechnik in den Stadien denkbar, Anm. d. Red.). Wir sind unseren Fans für den Support sehr dankbar. Aber dazu gehört keine Pyrotechnik. Zumal ich finde, dass die Unterstützung unserer Fans bemerkenswert ist. Diese Geduld und Ausdauer! Und obwohl wir ihnen über weite Strecken ziemlich viel zugemutet haben, haben sie weit mehr Geduld und Verständnis aufgebracht. Das hat unsere junge, neu formierte Mannschaft gemerkt.“

Zudem erklärte uns Jarchow heute, dass der Klub Rodolfo Cardoso bei seinem Vorhaben, den Fußballlehrerschein zu machen, mit allen Mitteln unterstützen werde. Für den Zeitraum, den der Argentinier die Schulbank in Köln drücken muss, würde A-Jugendtrainer Soner Uysal aushelfen. Nichts Neues gibt es dagegen bei den möglichen Vertragsverlängerungen Mladen Petrics (soll Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainieren) und Maxi Beisters.

In diesem Sinne, wir sehen uns morgen Vormittag um zehn Uhr zum Training an der Imtech-Arena. Und wir hören/lesen uns spätestens morgen Abend nach dem Spiel gegen die Glasgow Rangers (Anpfiff: 19.15 Uhr).

Bis morgen,
Scholle (17.30 Uhr)

P.S.: Für heute Nacht ist eine gemeinsame Kiez-Party von HSV- und Glasgow-Fans angekündigt worden. Soweit so gut. Allerdings soll es dabei auch gegen St.-Pauli-Fans gehen. Ich hoffe ganz ehrlich, das bleibt aus…

Sonntags-Update: Für Fink wirds “hart”…

27. November 2011

Jetzt wird es schwer für Thorsten Fink. Endlich – wird er selbst sagen, denn schon am kommenden Sonntag gegen Nürnberg wird der HSV-Trainer (fast) aus dem Vollen schöpfen können. Denn: Bis dahin sollte Mladen Petric genesen und ebenso wieder dabei sein können wie Slobodan Rajkovic, der seine Drei-Spiele-Sperre abgesessen hat. Je mehr Auswahl er habe, desto besser sei es doch, hatte Fink zuletzt betont. Zumal es für den HSV-Coach keinen Grund gibt, etwas an der Innenverteidigung zu verändern. Dafür haben der in Hannover im Zweikampf schier unbezwingbare Heiko Westermann und Torschütze Jeffrey Bruma zuletzt zu starke Leistungen gezeigt. „Wir haben eine gute Absprache“, freut sich Bruma, „und je mehr Spiele wir nebeneinan-der machen, desto eingespielter wird es.“

Allerdings, ganz im Gegenteil zur Innenverteidigung, ist der HSV-Sturm nicht komplett gesetzt. Zuletzt hatte Fink zwischen Son und Berg neben dem gesetzten Guerrero gewechselt. Jetzt kommt mit Petric ein eigentlicher Stammspieler zurück. Und ich glaube, Fink wird den Kroaten auch von Beginn an bringen, sofern er die Woche über normal trainiert. Zumal Fink sehr viel von dem Kroaten hält, dessen Vertrag zum Saisonende hin ausläuft. Die Frage wird nur sein, wie passt der eher ökonomisch laufende Petric in das zuletzt sehr laufintensive Pressing des HSV? Ich bin ehrlich gespannt, glaubeaber auch, dass die offensivere Ausrichtung einem abschlussstarken Spieler wie Mladen Petric auch sehr entgegenkommen kann und wird.

Schade wäre es, wenn sich Guerrero dadurch aus dem Sturmzentrum hinter Petric fallen lassen müsste. Denn gerade der Peruaner, der hier im Blog noch immer von vielen sehr, sehr kritisch gesehen wird, wusste zuletzt zu gefallen. Auch, weil ihm seine neue Rolle als vorderster Stürmer sehr gefällt. „Ich war eigentlich immer und bin ein Neuner. Das habe ich unter den letzten Trainern nicht so oft gespielt, und das war okay für mich. Aber Thorsten Fink kennt mich schon lange und weiß, was ich am besten kann“, sagt Guerrero, „deshalb freut es mich so, dass er mir das Vertrauen vorne schenkt.“

Auf jeden Fall verschlechtern sich die Startelfchancen für Heung Min Son und vor allem Marcus Berg, der die wenigen Spielminuten nicht wirklich zu nutzen wusste. Zumindest nicht ausreichend, um einen Guerrero oder einen gesunden Petric zu gefährden. Und während sich Son auch für eine der beiden Außenpositionen anbieten kann, ist Berg auf die Sturmspitze ziemlich festgelegt.

Dazu muss man, wenn man denn schon alle Varianten ins Auge fasst, natürlich auch einen Ivo Ilicevic nennen. Der Kroate ist ebenfalls wieder topfit und drängt auf einen Platz in der Startelf. Wer von Euch in der letzten Woche die Trainingseinheiten verfolgt hat, wird gesehen haben, dass Ilicevic auf sich aufmerksam machen konnte. Und wer Fink zuhört, spürt sofort, dass der Trainer den dribbelstarken Ex-Lauterer grundsätzlich in der ersten Elf sieht.

Die Frage ist allerdings, für wen? Jansen und Töre wussten in den letzten Spielen absolut zu überzeugen. Und auch wenn Jansen in Hannover das erste Mal in den letzten drei Wochen eher unauffällig blieb, er dürfte ebenso gesetzt sein für das Nürnberg-Spiel wie der in Hannover wieder gute Töre.

Aber egal wie, Personaldiskussionen in dieser Form sind gut. Wenn es darum geht, formstarke Spieler mit starker Konkurrenz zu pushen, stört sich kein Trainer der Welt daran. Ganz im Gegenteil: Auf so viel Qualität konnte in dieser Saison noch keiner der vier Trainer (Oenning, Cardoso, Arnesen und Fink) setzen…

In diesem Sinne, morgen ist trainingsfrei und auch heute war beim HSV nicht viel los. Deshalb dieser Blog in aller Kürze. Übrigens, alle Spieler fuhren heute wie in jedem Jahr vor Weihnachten zu den verschiedenen Fanclubs. Vielleicht ja nächstes Jahr auch zum OFC „Matz ab“. Das hätte doch was!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Euch allen natürlich einen schönen ersten Advent!!!

1:1 in Hannover – da war deutlich mehr drin…

26. November 2011

Lehmann war ein Riesentorwart. Das möchte ich vorwegschocken. Ich schätze ihn für seine Verdienste um den deutschen Fußball. Aber seine Kommentare sind eines Pay-TV-Senders wie Sky nicht würdig. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass sie für niemanden, der auch nur ein bisschen mit Fußball zu tun hat, zu gebrauchen sind. Denn was auch immer auf dem Platz passiert, Lehmann sieht was anderes. Vielleicht passt er auch einfach nicht auf. Wer weiß es. Und: eigentlich ist es auch egal. Schließlich können wir alle das Spiel einschätzen, ohne uns von Lehmann beirren zu lassen.

Deshalb bleibe ich auch dabei, dass die erste Halbzeit nicht annähernd so schlecht war, wie Lehmann es machte. Natürlich kann man kein Spiel mit Ballstafetten á la Real Madrid erwarten, dafür geht’s schon allein für den HSV um zu viel. Und für ein solches Spiel agiert Hannover auch definitiv zu de-struktiv. 96-Trainer Slomka hatte bereits angekündigt, keinen erhöhten Wert auf Ballbesitz, dafür aber auf Effektivität seiner Mannschaft zu setzen. Und das hatte ein von seinen Akteuren eher behäbig wirkendes Spier zur Folge.

Dennoch gab es ausreichend rassige Zweikämpfe und Torraumszenen. Gleich vier Mal (!!) rettete der mal wieder überragende Jaroslav Drobny in höchsten Nöten. Dabei konnte der Tscheche in der 14. Minute sogar im Eins-gegen-Eins gegen Hannovers Schlaudraff dank einer sensationellen Fußabwehr eine Hundertprozentige der Niedersachsen vereiteln.

Nein, das Spiel war nicht schön, aber spannend. Und das, weil Hannover wie erwartet gut konterte, und der HSV wie angekündigt ein sehr hohes Laufpensum an den tag legte. Neben Schlaudraff scheiterten auch Hannovers Abdellaoue (17.) und Haggui (20., war allerdings abseits) am HSV-Keeper, während auf der anderen Seite die laufstarken Heung Min Son sowie Paolo Guerrero immer wieder Lücken in die Gegner-Abwehr rissen. Guerrero (2., 32.), Töre (3.), Jansen (10., 25.), Son (29.) und vor allem der starke Gojko Kacar (35.) vergaben für den HSV gute Gelegenheiten. Und, auch wenn ich nach dem unfassbar schlechten Saisonstart des HSV etwas genügsamer geworden bin, daraus dann das „schwächste Topspiel der Saison“ zu machen, wie es Lehmann machte, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, es zog für mich die sofortige Suche nach der Kommentarfunktion im Sky-Menü nach sich.

Und auch in der zweiten Halbzeit legte der HSV von der ersten Sekunde an ein hohes Tempo vor. Und um es vorwegzunehmen, ich hörte weiterhin den Kommentator Dittmann samt Lehmann. Und es dauerte tatsächlich bis zur 48. Minute, bis ich Lehmann vollkommen recht geben musste. Heung Min Son soll bei einem Zweikampf, an dessen Ende Guerrero den Ball zum 1:0 auf dem Fuß hatte, gefoult haben. Gezogen haben sollte er laut Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin), der heute keine glückliche Figur abgab. Allerdings bestätigte die Zeitlupe das auch von Lehmann Er-ahnte: es war KEIN Foul.

Aber egal, die HSV-Mannschaft lamen-tierte nicht lang und legte nach. Mit der besten Chance in der 56. Minute, als Drobny einen schnellen Konter über Westermann einleitete. Der HSV-Kapitän verpasste allerdings den finalen Pass, der Töre die Chance eröffnet hätte, allein aufs 96-Tor zuzulaufen. Ein Fehler, den der HSV fast doppelt bereut hätte, allerdings parierte Drobny den Schuss des 96ers Stoppelkamp.

Doch auch eine weitere vergebene Kontermöglichkeit sollte sich für den HSV nicht weiter rächen. Im Gegenteil, der HSV holte sich den verdienten Lohn seiner Arbeit. Cherundolo hatte unnötig zur Ecke geklärt. Die trat Töre von links und fand in der Mitte den mit ihm zusammen im Sommer vom FC Chelsea zum HSV gewechselten Bruma, der mit einem langen Bein weder seinem Gegenspieler Abdellaoue noch dem guten 96-Torwart Zieler eine Chance ließ – das 1:0 für den HSV in der 64. Minute.

Und als ich mich schon darauf einstellen wollte, den nächsten Dreier hier zu bejubeln, kam das, was Hannover auszeichnet: sie machen aus nichts Tore. Diesmal – wie in 70 Prozent ihrer eigenen Treffer – über einen Eckball. Schlaudraff hatte sich bis kurz vor die Mittellinie zurückgezogen und sich so aus dem Blickfeld der HSV-Defensive gestohlen. Allerdings war er schnell wieder da, als der Eckball getreten wurde und traf mit einer Direktabnahme aus 20 Metern. Ein Traumtor. Unhaltbar für Drobny. Leider. Das 1:1. Besonders ärgerlich: Dem Eckball war ein Foul-pfiff vorausgegangen, der falsch war…

Dennoch, plötzlich war es ein Spiel mit zwei aktiven Mannschaften. Hannover scheiterte durch Pander an Drobny (83.) und der HSV an seiner Ungenauigkeit beim letzten Pass. Nachdem Zwayer einen eindeutigen Freistoß an Son nicht gegeben hatte (wäre direkt am Sechzehner eine sehr gute Position gewesen), konnte Guerrero Son den Ball nicht ausreichend scharf in den Lauf spielen. So rettete Pogatetz, bevor der Südkoreaner allein aufs 96-Tor hätte zulaufen können. Umso ärgerlicher, dass Rincon in der 89. Minute völlig allein vor Zieler beim Schuss ausrutschte.

Was blieb war die Erkenntnis, dass der HSV einen Dreier verpasste, der ebenso drin wie verdient gewesen wäre. Auch deshalb jubelten die Hannoveraner nach dem Schlusspfiff, während beim HSV zunächst der Ärger über die verpasste Chance vorherrschte. Dass Hannovers Trainer anschließend von einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis sprach, bleibt ihm exklusiv vorbehalten. „Wir haben hier 90 Minuten dominiert, das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend“, konterte Westermann nach dem Spiel. Und er hatte Recht. Auch damit: „Das ist einfach sehr ärgerlich.“ Obwohl die Mannschaft unter Fink weiter ungeschlagen ist. Und obwohl der HSV auswärts dominierte, eine Handschrift des neuen Trainers immer deutlicher erkennbar wird. Der Fußball wird weiter besser. Auch wenn es sich wie heute nicht ausrei-chend oft in drei Punkten nieder-schlägt. „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, deshalb ärgere ich mich. Dazu noch so ein Sonntagsschuss – umso ärgerlicher, weil wir die zweite Halbzeit dominiert haben. Wir haben genug Konterchancen gehabt, die wir besser hätten ausspielen müssen.“

Aber ganz sicher: Das holen Fink und Co. nach. In der kommenden Woche gegen Nürnberg.

In diesem Sinne,
bis morgen, (ein nur vom Ergebnis enttäuschter) Scholle

Son von Beginn an dabei, wenn die nächste Serie durchbrochen wird….

25. November 2011

Sie sind Serienbeender. Und ganz ehrlich, eigentlich war es der HSV immer. Zumindest erinnere ich mich an die Jahre, in denen bei Wattenscheid ein gewisser Souleyman Sane Ewigkeiten nicht getroffen hatte und dann im Hamburger Volksparkstadion traf. Jahr für Jahr. Alle Serien, zumindest die für die Gegner negativen wurden in Hamburg beendet. Der HSV leistete Aufbauhilfe noch und nöcher. Eine Aufgabe, die sich in den letzten Wochen Frank Arnesen und Thorsten Fink auflasteten. Allerdings in eigener Sache. Beide sprachen die Mannschaft stark, richteten Spieler wieder auf. Und sie beenden Serien. Sieglosserien in Stuttgart (mit Cardoso), die Heimspielnegativserie nach 246 Tagen ohne Dreier – und jetzt auch Hannover? Gegen die Niedersachsen, die wir gern als „den kleinen HSV“ betiteln, konnte der HSV in den letzten 17 Spielen nur zwei Partien gewinnen. „Wir haben eine Negativserie beendet“, so Fink, „und ich verlange, dass wir jetzt weitermachen.“

Worte, die man wunderbar in den Lauf einen „Hannover-Fluch“-Geschichte stellen könnte. Allerdings sagte Fink sie gestern ganz sicher nicht darauf gemünzt. Vielmehr glaube ich, dass Fink sich darüber noch weniger Gedanken macht, als der eine oder andere Spieler. Selbst der letzte Siegtorschütze konnte sich zunächst gar nicht daran erinnern. „Ist das wirklich wahr“, fragte mich Collin Benjamin, der am Sonnabend um 13 Uhr mit 1860 München auf Armin Vehs Eintracht aus Frankfurt trifft, heute. „Das kann nicht der letzte Sieg gewesen sein“, so Collo weiter, „das ist ja ewig her.“ 2007 ist nicht wirklich ewig, aber lang genug, um zu lang zu sein. Ob er sich noch an die Stimmung erinnert? „Es war ein Derby, Mann“, so seine Antwort, „und Derbys sind nie angenehm. Da ist immer jede Menge Brisanz drin. Schon vorher – gerade wenn zweimal HSV gegeneinander spielen.“ Gerade Hannover, so Collin, der sich eigentlich gar nicht mehr zum HSV äußern wollte. „Ey Dicker“, so sein zurzeit leider sehr treffender Wortlaut, „das musst du verstehen. Das Kapitel ist abgeschlossen und ich würde mich unwohl fühlen, wenn ich mir vor einem wichtigen Spiel mit meinem Klub über den alten Verein Gedanken mache.“ Eine Antwort, die ich nur zu gern akzeptiere. Nicht nur deshalb: viel Glück Collo!

Wahrscheinlich tut man eh besser daran, sich im Vorfeld nicht zu sehr mit einer solchen Serie zu beschäftigen, zumal sie relativ ist, denn in den letzten 17 Spielen gab es zwar nur zwei Siege, dafür aber auch nur sechs Niederlagen bei neun Unentschieden. Rechnet man die letzten 20 Bundesligaspielen, kämen noch drei Siege hinzu. Insofern: machen wir, was Westermann macht. „Gar nicht darüber nachdenken. Da zählt wie in allen Spielen auch nur der Dreier. Und was Serien bedeuten, hat man gesehen.“ Nein, der Mannschaftskapitän betont lieber, ganz im Fink-Modus, „dass wir richtig gut drauf sind und den nächsten Schritt machen wollen. Wenn wir alle wissen, dass wir uns weiter mit harter Arbeit rauskämpfen müssen, spricht auch nichts gegen einen Sieg.“

Sch… auf die Serie! Zumal in der aktuellen Startelf kaum noch Spieler stehen, die schon mehr als zwei Derbys gegen Hannover gespielt haben. Eine Töre, einen Bruma oder Drobny wird das Ganze eh nicht interessieren. Dafür aber einen Heung Min Son. Der Südkoreaner erzielte in der vergangenen Saison in Hannover zwei Tore und – er spielt auch diesmal. Taktisch nicht wirklich überraschend, zumal Fink Son nach der Videoanalyse des Leverkusen-Spiels rückwirkend von aller Kritik freisprach. „Er hatte extrem viele Wege gemacht, stand oft frei und bekam einfach nicht die Zuspiele. Aber an sich war das gut.“ So gut, dass Son von Beginn an spielen wird.

Und das stand schon vor dem Abschlusstraining fest. Auch wenn Fink nie widersprochen hatte, wenn man ihn darauf ansprach, dass in Hannover erstmals die selbe Startelf der Vorwoche auflaufen würde. Nein, er hatte es geplant. Schon vor dem Abschlussspiel heute erhielt Son das Leibchen der A-Elf. Und das nicht nur, weil Berg schon vor dem heutigen Training leichte Leistensprobleme angekündigt hatte und letztlich das Abschlusstraining sogar vorzeitig abbrach. „Ich hatte schon gegen Hoffenheim einen Krampf in der Gegend und jetzt hat es wieder gezogen“, so der traurige Schwede, der in die Reise nach Hannover gar nicht erst mit antreten wird.

Ebenfalls traurig sein könnte Ivo Ilicevic. Auch der Zugang vom 1. FC Kaiserslautern wird nicht von Beginn an spielen, obwohl er es ob seiner Trainingsleistungen absolut verdient hätte. Das große Problem dabei ist, dass sich die beiden potenziellen Konkurrenten auf den Außenbahnen, Marcell Jansen links und Gökhan Töre rechts, in einer ebenso starken Verfassung präsentieren. Auch deshalb hat Fink den flinken Kroaten als Alternative für den Angriff im Auge. „Er ist ein logischer Gedanke“, so Fink, der nach Bergs und Mladen Petrics Ausfälle keinen nominellen Stürmer mehr auf der Bank hat, nach dem Training.

Ein reizvoller Gedanke, wie ich nach dem heutigen Training denke. Denn da überragte der Kroate im Abschlussspiel auf verkürztem Feld. Und das sogar zentraler als sonst – zumindest bewegte sich Ilicevic weniger auf seiner Lieblingsposition Linksaußen als im Sturmzentrum seiner B-Elf, die allerdings auch ohne nominelle Stürmer spielte. Aber, dieser Ilicevic, das ist sicher, wird gesund eine absolute Verstärkung. Der 25-Jährige ist vielleicht der handlungsschnellste Spieler der Mannschaft. Gepaart mit seiner Grundschnelligkeit und seiner ausgeprägten Technik, einem guten Schuss und einer erstaunlichen Robustheit im Zweikampf ist Ilicevic ein Spieler, auf den kein Trainer gern verzichtet. Auch Fink nicht, da bin ich mir sicher.

Das Schönste an solch einer Situation (also, dass Ilicevic nur deshalb auf der Bank ist, weil die anderen so gut drauf sind) ist, dass der HSV reagieren kann. Per Skjelbred, der sich in der Länderspielpause in den Testspielen als einer der Besseren präsentierte, rückte in den Kader nach. Zudem stehen mit Slobodan Rajkovic (letztes Spiel gesperrt) und Mladen Petric (Wade) zwei Spieler auf dem Sprung zurück in den Kader. Somit dürfte sich die Konkurrenzsituation vor dem Nürnberg-Spiel erneut verschärfen. Und genau das wollen alle. Der Trainer auf jeden Fall – und die Spieler müssen es zumindest sagen…

Aber was denke ich schon an Nürnberg, zunächst steht Hannover an. Und wenn Fink und die Spieler im Laufe der Woche eine Nachricht übermittelt haben, dann die, dass sie nicht an große Ziele denken wollen, sich lange nicht zufrieden geben und vor allem ausschließlich auf das nächste Spiel konzentrieren. Und das mache ich jetzt auch. Ich freue mich auf ein Nordderby, dass ich persönlich zugegebenermaßen noch nie als ein solches akzeptiert habe. Warum? Na, ich glaube einfach, dass es nur ein echtes und mit aller Brisanz ausgestattetes Derby jeder Art, also nur ein Stadt- (Pauli) und Nordderby (Werder) geben darf.

Aber okay das soll jeder halten wie er mag. Und wenn es für den einen oder anderen Prozent Zusatzmotivation sorgt ist es mir nur recht. Zumal ich mir sicher bin, dass es bei den 96ern ein harter Gang wird. Wie ich gehört habe, will deren (von vielen HSVern in den höchsten Tönen gelobter) Trainer sehr defensiv spielen lassen, setzt auf Standards und Konter des schnellen Mohammed Abdellaoue. Zudem soll der ebenfalls sehr schnelle Jan Schlaudraff dahinter die Fäden ziehen. Und auf Guerrero, der sich mit ganzem Körper in die Zweikämpfe wirft, warten mit Haggui und vor allem dem österreichischen Hünen und extrem körperbetont spielenden Pogatetz zwei richtig harte Nüsse. Zumindest körperlich. Dennoch, den Peruaner stört das nicht, im Gegenteil, er hat große Ziele: „Ich würde diese Saison gern die Zehn-Tore-Marke knacken, alles ist möglich“, so der Angreifer, dessen Bestmarke in der Bundesliga bislang neun Treffer (07/08 und 08/09) sind, zuversichtlich. Denn, das betonte Guerrero heute, er fühlt sich wieder richtig wohl. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt. Aber klar ist, dass ich am liebsten auf der Neun spiele.“ Und genau da sieht ihn sein neuer Trainer Thorsten Fink, mit dem er 2002/2003 sowie 2003/2004 zusammen für die Amateure des FC Bayern spielte. „Der Trainer kennt mich schon lange und hat mir gesagt, dass er mich auf der Neun sieht. Und dieses Vertrauen tut gut.“ Und das ist auf dem Platz mehr als deutlich erkennbar, wie ich finde.

In diesem Sinne, uns allen ein schönes Derbywochenende mit dem ersten heute Abend in Köln, dem zweiten morgen in Dortmund – und dem wichtigsten in Hannover.

Ich freue mich darauf.

Bis morgen,
Scholle

Kurz notiert:

Weil ich ihm einfach glaube: Während die allemal nicht zwingend seriösen Tageszeitungen in Lima berichten, Paolo Guerrero hätte nach seinem Autounfall den geschädigten Taxifahrer im Stich gelassen, hier Guerreros Version: „Ich hatte keine Schuld am Unfall, was sowohl Zeugen als auch die Polizei bestätigen.“ Vielmehr habe der Taxifahrer die Situation falsch wiedergegeben. „In Peru sind Versicherungen keine Pflicht. Der Taxifahrer ist kein reicher Mann, der hat nichts und wird mir auch nichts zahlen können“, so Guerrero, „deshalb habe ich ihm gesagt, dass ich den Schaden an meinem Wagen selbst zahlen werde. Daraus hat er gemacht, dass ich alles bezahlen würde, was ich so zwar nie gesagt habe, jetzt aber versuchen werde. Ich werde versuchen, ihm finanziell ein wenig zu helfen. Weil er es nicht hat – und ich es kann.“ Klingt irgendwie anders, als die Pressemeldungen in Lima. Die scheinen es mit Prominenten wie Guerrero nicht besonders gut zu meinen. Zuletzt hatte eine TV-Reporterin wiederholt behauptet, Guerrero nachts vor einem Länderspiel mit einer Frau gesehen zu haben. Ergebnis: Die Reporterin wurde nach Ansicht aller Beweise zu einer Haftstrafe verurteilt…

So könnte der HSV spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Töre, Kacar, Rincon, Jansen – Son, Guerrero. Interessant: Nach dem Training schnappte sich Fink Aogo und Bruma. Gestiklirend zeichnete er den beiden verschiedene Spielsituationen nach, zeigte ihnen Laufwege auf. Mal sehen, wie sich das in hannover äußert…

Fink warnt – und Jansen hat sein Glück gefunden

24. November 2011

Ein langer Tag. Mal wieder. Allerdings muss ich zugeben, dass er auch deshalb so lang war, weil schon heute langsam die Vorfreude auf das Spiel in Hannover steigt. Sonnabendabend das Topspiel des Tages in Niedersachsen – dort, wo der HSV in den letzten Jahren fast nie gut aussah. „Wir haben mehrere Negativserien durchbrochen“, freute sich heute auch Trainer Thorsten Fink nach dem ersten Heimsieg der Saison. Allerdings, und das unterstreicht die Ambitionen des neuen HSV-Cheftrainers, warnte er zugleich. Er mahnte sogar zu frühe Zufriedenheit an. „Die Interviews in dieser Woche sind mir alle zu positiv. Wir gehen einen guten Weg. Aber ich verlange, dass wir weitermachen.“ Zwar habe er grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Spieler nach dem Sieg etwas gelöster seien. Allerdings dulde er keinen Stillstand. Denn: „Zufriedenheit bedeutet Rück-schritt“, so Fink in seiner betont ernst geführten Pressekonferenz heute.

Und obwohl mir die übermäßige Zufriedenheit bei den Spielern nicht explizit aufgefallen ist, freue ich mich. Ich finde es gut, dass Fink nicht nur in schlechten Phasen auf Optimismus macht, sondern auch in vermeintlich besseren Phasen vor zu früher Zufriedenheit mahnt. Denn genau daran ist der HSV in den letzten Jahren immer wieder gescheitert. Immer dann, wenn die Mannschaft einen ganz großen Sprung machen konnte, vergab sie die Chance. Und das Trainer übergreifend.

Nein, am Wochenanfang hatten wir die Möglichkeit, Thorsten Fink in einem längeren Interview auch zu persönli-chen Dingen zu befragen. Und auch dabei machte der Coach eine gute Figur. Das Ergebnis dürften einige von Euch wahrscheinlich schon in der Print-Ausgabe vom Dienstag oder auch im Internet gelesen haben. Allerdings gab es noch einige Dinge, die das Interview in der zeilenmäßig eingeschränkten Form zwangsläufig nicht komplett transportierte. Denn Fink zeigte sich von seiner sensiblen Seite. Wobei er immer seine bestimmte, klare Art bei-behielt und mit jedem Satz sein Selbstvertrauen und Ehrgeiz präsent war.

Aber er gewann – auf jeden Fall bei mir – mit seiner familiären Art. Wie Fink über seinen Vater sprach, wie er seine Jugend umschrieb, wie er dafür seine Eltern lobte – all das zeigt mir, dass Fink geerdet ist. Egal wie er auch auf die Tonne haut, wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was er über seinen Vater gesagt hat, dann wird er niemals zu weit abheben können. Seinem Vater, dem Zechenarbeiter, sei dank.

Ich weiß, das alles bringt zwar noch keine Punkte. Klar! Aber es macht es einfacher, an jemanden zu glauben. Daran, dass den starken Worten auch starke Taten folgen. Wie bei Marcell Jansen zuletzt. Auch der wieder er-starkte, inzwischen sogar wieder torgefährliche Linksfuß war heute auf dem Podium – und um den Blog nicht noch später erscheinen zu lassen, als nötig, stelle ich Euch die Printgeschichte vom Freitag hier rein. Viel Spaß:

Als ihn Horst Köppel das erste Mal 1999 beobachtete, war dem ehemaligen Nationalspieler mit geschultem Trai-nerblick sofort klar, dass hier ein außergewöhnliches Talent vorspielte. Dabei war Köppels erste Begegnung mit Marcell Jansen eher dem Zufall geschuldet: „Eigentlich wollte ich meinem Sohn zugucken, der damals mit Marcell in der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte. Aber ich habe sofort gesehen, dass Marcell die weitaus größere Begabung hatte. Er war schnell und körperlich schon sehr gut entwickelt.“
Elf Jahre später sitzt Marcell Jansen, 26, blaue Trainingshose, schwarze Jacke, auf dem Podium im Presseraum der Imtech-Arena. Vor der Tafel mit den Logos der HSV-Sponsoren spricht der Nationalspieler über die Lage des HSV im allgemeinen und seine persönliche Situation im besonderen. Jansen war noch nie jemand, dem man zu solchen Terminen zwingen musste. Reden, das ist ohne Frage einer seiner Stärken – auch in Zeiten, wo es mal nicht so gut läuft. Doch gestern machte Jansen der Auftritt besonderen Spaß. „Ich fühle mich gut. Ich bin wieder voll im Saft“, sagt er, die Hände lässig auf dem Kinn gestützt.
Ein Trainerwechsel, dies ist eines der Naturgesetze der Branche, teilt eine Mannschaft immer in Gewinner und Verlierer. Zu den großen Gewinnern der Ablösung von Michael Oenning und der Verpflichtung von Thorsten Fink zählt ohne Frage Jansen. Unter Oenning bestritt er nur zwei Spiele über 90 Minuten, je zwei Mal wurde er aus- und eingewechselt. Fink machte den Teil-zeitarbeiter wieder zur Stammkraft – Jansen verpasste unter ihm nur fünf von insgesamt 360 Bundesliga-Minuten. Auch im Spiel am Sonnabend (18:30 Uhr) bei Hannover 96 ist er gesetzt. Jansen traf sowohl in Leverkusen (2:2) als auch gegen Hoffenheim (2:0). Damit hat er unter Fink in vier Spielen genauso viele Tore erzielt wie in der insgesamt 14 Monate währenden Ära Vehs und Oennings. Das neue Offensiv-Spielsystem, erklärt Jansen, komme gerade ihm entgegen: „Wir haben mehr Ballbesitz, dadurch werden meine Laufwege kürzer.“
Findet Jansen bei seinem siebten HSV-Trainer – die Interims-Übungsleiter Ricardo Moniz und Rudolfo Cardoso eingerechnet – endlich sein Glück? Nach seinem überraschenden Wechsel für acht Millionen Euro im Sommer 2008 von Bayern München wurde er zwar sofort unter Trainer Martin Jol zur Stammkraft. Doch schon unter Nachfolger Bruno Labbadia holte ihn das Verletzungspech wieder ein. Mit Armin Veh und Michael Oenning geriet er dann auch menschlich aneinander. Beide warfen Jansen mangelnde Einsatzbereitschaft vor. Zu lange habe er wegen eines schnöden Zehbruchs pausiert.
Einen Vorwurf, den Jansen bis heute nicht akzeptiert. Er habe sich sehr wohl gequält, im Sommer sogar auf eigene Kosten einen Fitness-Trainer in den USA engagiert: „Das war mein Vor-Vorbereitungslager“, sagt er. Auch Horst Köppel, der ihn in seiner Trainerzeit bei Borussia Mönchengladbach zum etablierten Stammkraft machte, hat Jansen nur positiv in Erinnerung: „Bei mir hat er sogar Sonderschichten mit dem Co-Trainer eingelegt, um seinen Antritt zu verbessern.“
Womöglich braucht Jansen auch schlicht einen Trainer wie Thorsten Fink. „Er ist ein positiver Typ“, sagt Jansen. Ohne Frage ticken die beiden ähnlich: Selbstbewusst, eloquent, clever. Jansen baut sich schon jetzt ein zweites berufliches Standbein auf. Bereits vor fünf Jahren gründete er die Agentur „MJ GmbH“. Eines der großen Projekte ist das Online-Poker-Portal „v-i-poker.de“, wo man gegen Prominente antreten kann. Die Poker-VIPs akquiriert Jansen im Kollegenkreis: Virtuell werben auf der Seite Nationalspieler wie Mesut Özil oder Lukas Podolski. Zu gewinnen gibt es signierte T-Shirts von der WM 2010.
Noch fehlt das aktuelle EM-Trikot. Kein Wunder, Jansen bestritt sein letztes Länderspiel vor über einem Jahr beim 1:0-Sieg am 3. September 2010 in Brüssel gegen Belgien. 36 Länderspiele sind eher enttäuschend für einen Mann, der mit 20 als eines der größten Hoffnungen im deutschen Fußball galt – inklusive Werbevertrag als Nutella-Boy. Aber Jansen glaubt weiter an seine Chance: „Ich habe die Teilnahme an der EM 2012 noch nicht abge-schrieben. Auch bei der WM 2010 bin ich ja noch im letzten Moment auf den WM-Zug aufgesprungen.“ Positiv denken konnte Jansen schließlich schon immer.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Fink und Jansen den bisher eingeschlagenen Weg weitergehen. Spaß macht der mir jetzt schon.

Euch allen – nein, uns allen eine gute Nacht! Bis morgen, dann wieder zu 100 Prozent für den Blog unterwegs,

Scholle

P.S.: Mladen Petric konnte wegen seiner Wadenprobleme auch heute nicht trainieren. „Mladen wird in Hannover voraussichtlich noch nicht dabei sein können“, so Trainer Thorsten Fink heute.

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