Monatsarchiv für November 2011

Rincon macht Freude – und Dieter kommt zurück!!

30. November 2011

Der Typ kennt keine Angst. Im Gegenteil, wenn Tomas Rincon auf den Platz geht, muss er von seinen Kollegen eher mal zurückgehalten werden. Ein typischer Sechser eben, bei dem Einsatz für die eigene Defensive an erster, zweiter, dritter und wahrscheinlich auch noch vierter Stelle steht. Erst dann kommt er selbst. So, wie am vergangenen Sonnabend in Hannover. Rincon räumte ab, grätschte, schleppte Bälle und gewann Zweikämpfe. Und wurde belohnt, indem er in der 88. Minute beim Stand von 1:1 völlig freistehend vor 96-Torwart Zieler den Ball bekam. Einschussbereit. „Ich habe noch kein Tor in der Bundesliga gemacht“, sagt Rincon, „nicht mal in der Nationalmannschaft habe ich getroffen. Es war immer nur knapp, nie habe ich dann auch getroffen.“ Und so blieb es auch in Hannover. Der bis dahin starke Sechser rutschte beim Schuss aus. „Ich habe nur gedacht: Sch…“, so Rincon ehrlich.

Dass er selbst solche unglücklichen Momente nicht mehr an sich rankommen lässt, hat eine harte Schule bewirkt. Vier Jahre lang ist der stets einsatzwillige Kämpfer jetzt beim HSV, ohne sich dabei einmal endgültig durchgesetzt zu haben. „Ich war oft nah dran“, so Rincon, „aber dann auch wieder ganz oft nicht dabei. Manchmal nicht mal mehr im Kader. Das waren Phasen, in denen ich mich noch mehr selbst motivieren musste, was sehr schwer war.“ Dennoch, als einen Fehler hatte er Hamburg nie gesehen. Im Gegenteil: „Es war ein großer Schritt, der mich weitergebracht hat. Von Beginn an.“ Einzig sein Ziel, Stammspieler zu werden, schien kurzzeitig außer Sichtweite zu geraten, weshalb Rincon an einen Wechsel dachte. Allerdings nur, weil er das Gefühl hatte, beim HSV nicht gebraucht zu werden. „Heimweh aber hatte ich nie, ich wollte nie nach Hause flüchten oder so. Es ging mir immer nur um meine sportlichen Ziele. Ich wollte spielen. Und damals dachte ich, das wäre bei einem anderen Klub vielleicht leichter.“

Umso glücklicher ist Rincon heute. Zum einen, weil er geduldig geblieben ist. Zum anderen, weil er unter Thorsten Fink zum Stammspieler avanciert. Alle fünf Spiele unter dem ehemaligen Bayern-Profi spielte Rincon bislang durch. Und er gilt weiterhin als gesetzt. „Ich spüre das Vertrauen vom Trainer“, sagt Rincon, wissend, dass Fink besonders viel Wert auf Kontinuität bei derart zentralen Rollen legt.

Fink ist Rincons persönlicher Glücksfall. Auch, weil der Trainer einst selbst auf der zentral-defensiven Mittelfeldposition beheimatet war und dort neben Meister und DFB-Pokaltiteln auch die Champions League gewann. „Er gibt mir sehr viele gute Tipps“, verrät Rincon, „er zeigt mir, wie ich di Bälle in der Defensive abholen soll. Und er überträgt mir viel Verantwortung. Ich habe viele Ballkontakte, fast so wie in der Nationalmannschaft. Diese Art zu spielen liegt mir.“

Und sie gefällt neben seinen Mannschaftskollegen und Trainer Fink auch den Zuschauern. Von Beginn an war der unermüdliche, manchmal etwas übereifrige Mittelfeldkämpfer einer, der schnell die Fans mitriss. Weil er einfach kompromisslos spielte, weil er sich nie schonte und keine Angst hat. Das wiederum dokumentiert auch sein Privatleben. Auf die Frage, ob er manchmal Angst um seine in Venezuela lebende Familie habe, sagt er: „Nein, man muss auch mal Glück haben.“ Fürwahr, denn in Venezuela stehen Entführungen mit Lösegeldforderungen auf der Tagesordnung. Gerade vor zwei Wochen wurde Wilson Ramos, ein berühmter Baseballspieler, der in der US-amerikanischen MLB sein Geld verdient, entführt. Zwei Tage blieb Ramos in der Hand der Kidnapper, die Lösegeld forderten, ehe die Polizei den 24-Jährigen unter Einsatz von Schusswaffen befreien konnte. „Ich habe keine Angst, wenn ich in meiner Heimat bin“, sagt Rincon, der in den letzten zwei Jahren zum Volkshelden aufgestiegen ist und dieses Jahr reelle Chancen hat, das erste Mal zum Fußballer des Jahres gekürt zu werden. „Allerdings habe ich meine Schwester schon rausgeholt. Sie studiert in Spanien“, so Rincon, der seine Schwester finanziell unterstützt.

21 Punkte sind Rincons realistisch formuliertes Ziel bis zur Winterpause, „mit 20 könnte ich auch noch leben“, so Rincon, der als Beweis für Beharrlichkeit vielen Spielern ein gutes Beispiel sein kann. Denn auch in den letzten drei Saisonspielen wird er unter normalen Umständen (also gesund und ohne Sperre) im Mittelfeld beginnen. Sein persönliches Erfolgsgeheimnis: „Nie aufgeben! Ich habe immer daran geglaubt, dass ich Gutes erreiche, wenn ich mich gut verhalte.“

Richtig gut spielt derzeit auch Jeffrey Bruma. Der Niederländer konnte sich in Hannover nach einer defensiv überzeugenden Partie sogar als Torschütze eintragen. Und er fühlt sich jetzt so richtig wohl, will unbedingt in Hamburg bleiben. Chelsea, sein eigentlicher Arbeitgeber, spielt bei Bruma momentan nur noch in den schlechten Erinnerungen eine Rolle. „Ich war dort Verteidiger Nummer vier. Und ich glaube, auch jetzt würde es nicht leichter“, so der Innenverteidiger, der zuletzt gesagt hatte, er hätte persönlich ein Mitspracherecht, sollte Chelsea seine Option ziehen und Bruma innerhalb der nächsten 18 Monate zurückbeordern. Heute klärte er auf, dass das zwar nicht vertraglich fixiert, aber durchaus mündlich so vereinbart worden war. „Am Ende müssen sich alle einigen, auch ich“, so Bruma, der angab, sich beim HSV pudelwohl zu fühlen und definitiv nicht wechseln zu wollen. „Ich habe zwei Jahre Vertrag, es läuft richtig gut für die Mannschaft und für mich. Wir stehen hinten immer besser und ich bekommen Spielpraxis. Warum sollte ich da an etwas anderes denken?“

Solle er ja gar nicht. Im Gegenteil, der HSV könnte für Bruma auch die große Chance sein, einen der schier gesetzten Stammplätze in der holländischen Nationalelf zu erobern. Immerhin ist die Konkurrenz dort mit Heitinga und Joris Mathijsen durchaus überschaubar. „Ich rechne nicht damit, dass der Trainer da noch bis zur EM viel wechselt. Mein Gefühl sagt mir, ich muss da noch ein wenig warten.“ Dass sich das lohnt, dafür muss Bruma nicht weit gucken. Immerhin hat er mit Rincon ein Paradebeispiel dafür in der eigenen Mannschaft.

Und auch für uns soll sich das Warten gelohnt haben. Immer wieder habt Ihr hier gefragt, was mit Dieter ist, weshalb in den letzten Wochen nur noch ich hier geschrieben habe. Und, soll ich Euch was sagen? Etwas, worüber sich keiner mehr freut als ich?

Dieter Matz ist endlich wieder zurück!

Schon morgen übernimmt der Blogvater hier wieder. Erholt und Guter Dinge wird er in seiner gewohnt intensiven, emotionalen Art und mit tausenden von interessanten Döntjes seinen Blog führen. Ich freue mich darauf!

In diesem Sinne, bis morgen – wollte ich gerade schreiben. Die Macht der Gewohnheit… Besser muss es natürlich heißen: bis nächste Woche. Ich habe Donnerstag Print-Dienst und ab Freitag drei Tage frei.

Bis dahin,

Scholle

P.S.: Morgen ist um zehn Uhr Training an der Arena. Wenn alles gutgeht, ist Mladen Petric dann erstmals seit seiner Wadenverletzung wieder dabei.

2:1 gegen die Rangers gewonnen – mehr nicht

29. November 2011

Ein Blick ins Rund reichte, um zu sehen, dass mit Sicherheit auch nicht annähernd so viele Blogger wie sonst hier im Stadion sind. Mein erster Impuls: Ich mache ’nen Ticker für die Zuhausegebliebenen. Allerdings wäre das für so ein Spiel vielleicht vermessen. Egal wie, letztlich ist es zwar nur ein Testspiel. Aber gegen einen bekannten Namen: die Glasow Rangers. Und das verdient zumindest eine ordentliche Berichterstattung.

Zumal das Spiel viel interessante Erkenntnisse hätte bringen können. Im Tor durfte sich erneut Tom Mickel präsentieren, Ivo Ilicevic stand ebenso wie David Jarolim (als Kapitän) in der Startelf, Marcell Jansen durfte hinten links ran und Robert Tesche sich als zweiter, hängender Stürmer hinter Heung Min Son versuchen. Viele Versuche von Trainer Thorsten Fink, der bereits ankündigte, derartige Freund-schaftsspiele regelmäßig absolvieren zu wollen. Vor allem in den Wochen, in denen international in der Europa- und der Champions League ge-spielt wird.

Dieser Test allerdings war keine Bewerbung für mehr solcher Events. Von den 12117 Zuschauern war zum einen der Gegner, zum anderen die Preisgestaltung (billigstes Ticket 12 Euro) offenbar nicht angenommen worden. Und das, obwohl das teuerste Ticket auch gerade 26 Euro kostete.

Dennoch, die Daheimgebliebenen sollten Recht behalten. Von den Rangers kam in der ersten Hälfte nichts. Nein, noch weniger: gar nichts. Zwei, drei versuchte, schnelle Angriffe und ein Torschuss standen gefühlten 44,5 Minuten mit zehn Mann rund um den eigenen Sechzehner entgegen. Und da beim HSV kein Spieler eine zündende Idee hatte, dauerte es bis zur 17. Minute, bis ein Standard herhalten musste. Einen Eckball von Ilicevic bekam der in den ersten 45 Minuten völlig ungeforderte Slobodan Rajkovic und köpfte ihn ans Lattenkreuz. Vier Minuten später war es Robert Tesche, der zusammen mit Son im Angriff ein wenig unterzugehen drohte, der aus 20 Metern einfach mal draufhielt und nur knapp verfehlte (21.).

Ansonsten aber schien es auch in Finks Augen zu wenig zu sein, was seine Spieler anboten. Zumal von denen, die dieses Spiel für sich hätten nutzen können, um sich aus der zweiten für die erste Reihe anzubieten. Lam auf rechts, sowie Son und Tesche in vorderster Front wussten nichts anzubieten. Bis zur 38. Minute. Allerdings dann auch in Perfektion. Ilicevic, der sichtbar bemüht war, allerdings bis hierhin ohne große Szene geblieben war, passte in den Sechzehner und fand den startenden Tesche, der den Ball aus halblinker Position mit der Hacke wunderschön gen Elfmeterpunkt legte, wo Ilicevic keine Probleme hatte, den Ball zum 1:0 per Unterlatte einzunetzen. Ein wirklich schön herausgespielter Treffer, der erfreute, allerdings auch die Frage aufwarf, warum die Mannschaft so ein Trainingsspiel(zumal gegen so harmlose Glasgower) nicht nutzte, um derlei Aktionen häufiger auszuprobieren.

Egal wie, die Worte von Fink in der Halbzeitpause dürften deutlich gewesen sein. Und zur Strafe für die erste Halbzeit, musste die erste Elf auch in der zweiten Halbzeit wieder auflaufen. Und diesmal gegen Schotte, die zumindest in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit versuchte, Angriffe über die eigene rechte Seite zu starten. Allerdings alle, ohne gefährlich zu werden. Dennoch, das Spiel wurde interessan-ter. Nicht wirklich besser, aber eben interessanter. In der 62. Minute hatte Lam, der zuvor schon zwei gute Schusssituationen hatte, die Möglichkeit zum 2:0, scheiterte aber an einem der gefühlt 300 schottischen Abwehrbeine. Und keine sechs Minuten war es Tesche, der eine Beslic-Flanke per Direktabnahme an die Latte setzte.

Es war ein Spiel, das ein wenig an die Partie in Hannover erinnerte. Das wollte ich gerade schreiben, als das passierte, was ich diesmal tatsächlich nicht für möglich erachtet hatte. Glasgow glich aus! Im Mittelfeld verlor Jarolim ein Laufduell gegen Aluko, der sich dann auch noch mühelos gegen Rajkovic durchsetzte, in den Rücken der Abwehr passte und dort Thomas Bendiksen fand, der mühelos zum 1:1 einschieben konnte.

Dass es am Ende kein komplett gebrauchter Tag werden sollte, lag an dem Rangers-Ersatzkeeper Neil Alexander, der in der 81. Minute einen harmlosen Ball fallen ließ und Heung Min Son, der ansonsten blass blieb, das 2:1 auflegte.

Es war kein schönes Spiel. Aber ein verdienter Sieg. Der HSV war erneut die aktivere Mannschaft, hatte gefühlte 80 Prozent Ballbesitz. Für ein gutes Spiel investierten die Rangers allein schon zu wenig. Allerdings wurde erneut deutlich, dass dem HSV noch Kreativität und Durchschlagskraft in der Offensive fehlt. Zumindest mit der zweiten Reihe. Son tauchte bis auf sein Tor unter, Rajkovic sah beim Gegentor ebenso wie Jarolim schlecht aus. Und auch Zhi Gin Lam wusste sich nicht zu empfehlen. Einzig Skjelbred, der sehr aktiv war, sowie Ilicevic und mit Abstrichen Tesche wussten mit einzelnen Szenen zu überzeugen. Wohl auch deshalb pfiff der gute Schiedsrichter Patrick Ittrich eine Minute zu früh ab.

In diesem Sinne, der HSV unter Fink ist nicht nur weiter ungeschlagen sondern hat gewonnen. Wie am Sonntag gegen Nürnberg. Dann sogar mit echtem Gegner – und hoffentlich besserem Fußball.

Bis morgen.

HSV: Mickel – Diekmeier (57. Besic), Mancienne, Rajkovic, Jansen (86. Brügmann) – Lam (78. Ingreso), Jarolim, Skjelbred, Ilicevic (86. Bertram) – Tesche, Son (82. Nagy). Schiedsrichter: Ittrich. Zuschauer: 12.117. Tore: 1:0 Ilicevic (38., Vorarbeit Tesche), 1:1 Bendiksen (71., Aluko), 2:1 Son (81.).

Klubboss Carl Jarchow: Trotz Treffen mit Kühne – keine Neuen im Winter

28. November 2011

Carl Edgar Jarchow ist ein Mann der eher besonnenen Worte. Ausraster sind von ihm bislang nicht überliefert, seine Antworten wählt der Klubboss des HSV mit Bedacht. In Hannover direkt nach dem Spiel, wie es auch hier einigen aufgefallen war, sogar mit der Gelassenheit einer positiven Entwicklung im Rücken. „Der Trend ist positiv“, sagt Jarchow, „wir haben, seit Thorsten Fink Trainer bei uns ist, nicht mehr verloren.“ Allerdings, und das schiebt der Vorstandsvorsitzende noch im selben Atemzug nach: „Wir müssen auch realistisch erkennen, dass wir nur eines dieser Spiele gewonnen haben und in der Pflicht sind, Punkte zu holen.“ Wie das gelingen soll? Carl Edgar Jarchow hofft auf noch mindestens sechs Punkte aus den verbleibenden drei Ligaspielen gegen Nürnberg und Augsburg sowie dazwischen in Mainz: „Wir wollen auf jeden Fall die beiden Heimspiele gewinnen.“ Mit dem Blog sprach Jarchow über…

…das Testspiel am Dienstag gegen Glasgow: „Der Kartenverkauf ist schleppender als erhofft. Wir haben bislang gut 10000 Tickets abgesetzt, werden also kein Minus machen. Aber auch keinen großen Gewinn. Vielleicht haben wir unterschätzt, dass der gemeine Fan jetzt seine vorweihnachtlichen Ausgaben hat. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir gut 15000 bis 20000 Zuschauer begrüßen werden. Generell werden wir Spiele gegen solche Kaliber in den nächsten Monaten immer wieder mal einstreuen, wenn in den jeweiligen Wochen die Europa- und Champions League spielen.“

…die neuen Impulse von Trainer Thorsten Fink: „Der Trainer hat seine Wirkung auf die Mannschaft und der Trend ist positiv. Das erfreut uns im Vorstand besonders, weil wir uns für diesen Weg entschieden haben. Wir halten auch mit Thorsten Fink an unserem Weg fest, der von allen Seiten angezweifelt wurde, weil er sich anfänglich zugegebenermaßen nicht gut entwickelte. Dafür gab es am Anfang viel auf die Mütze, weil wir auch viele schlechte Ergebnisse abgeliefert haben. Wir haben nicht umsonst den schweren Schritt gewagt, den Trainer zu wechseln. Und dennoch haben wir gut daran getan, an unseren Kurs zu glauben. Jetzt haben wir unter Thorsten Fink noch kein Spiel verloren und die Entwicklung allgemein wie die von einzelnen Spielern ist sehr positiv. Nehmen wir nur den Torwart, der nach anfänglich sehr harter Kritik inzwischen zum Liebling der Fans avanciert. Das ist der Beweis, wie schnell sich im Fußball alles verändern kann. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Und da steht auch nur ein Sieg zu Buche. Deswegen wissen wir, dass wir in der Pflicht sind, zu punkten. Ich würde mir zwei Siege in den letzten zwei Heimspielen wünschen.“

…mögliche Abwerbeversuche anderer Klubs, Thorsten Fink für sich zu gewinnen: „Die habe ich nicht. Überhaupt nicht. Zum einen, weil ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm habe und viel mit ihm spreche. Außerdem besteht zwischen ihm und unserem Sportchef Frank Arnesen ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Zum anderen weiß Thorsten Fink unsere Bemühen, ihn nach Hamburg zu holen, zu schätzen. Ob er in ein par Jahren bei Real Madrid oder sonstwo Trainer ist, interessiert mich in diesem Moment nicht. Er weiß, was er bei uns hat.“

…Finks Vorgänger Michael Oenning und dessen Entlassung: „Ich habe mich bei der Entscheidung sehr schwer getan, weil ich mir fest vorgenommen hatte, nicht nach dem ersten Rückschlag gleich umzufallen. Allerdings haben wir das auch nicht getan. Wir haben lange an Michael festgehalten und alle Entscheidungen geschlossen im Vorstand als Team vertreten. Ob es jetzt zu spät kam, mag ich nicht beurteilen. Das wäre auch hypothetisch, weil niemals jemand eine der beiden Theorien beweisen können wird. Deshalb spekuliere ich da auch nicht. Es würde Michael, den ich als Menschen und Trainer sehr schätze, auch nicht gerecht. Ich kann nur sagen, dass ich damals nach Gefühl gehandelt habe und mich – nein, uns als Vorstand – durch die aktuelle Entwicklung der Mannschaft in dieser Entscheidung bestätigt sehe.“

…mögliche Transfers in der Winterpause: „Stand heute gibt es nichts im Winter. Wir müssen unsere finanzielle Lage im Auge behalten und da im Moment noch keinen erlauben. Das würden wir nur, wenn es ein klares Problem im Kader geben würde. Aber das sieht der Trainer nicht. Dem entgegen steht der Fall David Jarolim, der ob seiner geringen Einsatzzeiten unzufrieden ist und dem der Trainer gesagt hat, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen würden, wenn er wechseln wollte.“

…ein Treffen mit Investor Klaus-Michael Kühne in den letzten Tagen: „Herr Kühne ist der größte private Sponsor des Vereins. Da hat er auch das Recht, mal von uns zu hören, wie sich der Verein entwickelt. Diesmal hat sich der Trainer bei ihm vorgestellt, so wie ich es zusammen mit Frank Arnesen im Sommer gemacht habe. Wir reden immer mal wieder zusammen, machen daraus auch kein Geheimnis. Im Moment will Herr Kühne auch gar nichts machen. Ich weiß auch, dass er nie vorhatte, sich an Spielern zu beteiligen, sondern dass sein Engagement beim HSV ursprünglich mit einem Namen verbunden war: Rafael van der Vaart. Auch seine Frau mag van der Vaart wohl sehr gern (Jarchow lacht). Und als dies aus verschiedenen Gründen nicht umzusetzen war, hat sich der Verein eine Möglichkeit ausgedacht, wie man das Geld dennoch für den Klub verwenden könnte. Aber ich kann sagen, dass der Name van der Vaart bei unserem letzten Treffen nicht einmal gefallen ist. Ob er uns einen Spieler schenken würde? Ich glaube nicht. Sein Engagement war wie gesagt immer sehr namensbezogen.“

…die Möglichkeit, neue Geldquellen zu akquirieren: „Wir müssen ehrlich sein und sehen, dass wir auf diesem Level nicht nach ganz oben durchstarten können. Und damit wollen wir auch nicht warten, bis das Stadion in ein paar Jahren abbezahlt ist. Uns ist das Thema sehr bewusst. Aber wir werden zur neuen Saison schon etwas besser dastehen als in dieser Saison – schlechter geht es allerdings auch kaum. Zudem haben wir mit Großsponsoren verlängert, was uns nicht im Geld schwimmen lässt, uns aber zumindest etwas mehr Planungssicherheit verleiht. Zudem gibt es verschiedene Modelle, die interessant sind. Auch eine Fan-Anleihe, wie sie der FC St. Pauli jetzt erfolgreich durchgesetzt hat und wie es vorher schon etliche Klubs mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben, haben wir diskutiert. Wir wären auch ein schlechter Vorstand, wenn wir nicht alles in Betracht ziehen würden, was dem Verein hilft.“

…Pyro-Technik in den Stadien: „Da habe ich einen klares Standpunkt: Es wäre falsch, so etwas zu legalisieren. Es ist eine Gefährdung für die Gesundheit der Zuschauer. In Hannover habe ich das bei unseren Fans kritisch sehen können: da wurden Leuchtfeuer gezündet, die bis zu 1000 Grad warm werden. Und das unmittelbar über den Köpfen anderer Zuschauer. Das ist nicht akzeptabel. Bislang haben wir 7000 Euro Strafe vom DFB aufgebrummt bekommen, wo Hannover noch hinzugerechnet werden muss. Das ist nicht zu akzeptieren, zumal am Ende die Fehler einzelner auf dem Rücken der gesamten Mitgliedschaft ausgetragen werden. Deshalb werden wir die Gespräche mit den Fan-Beauftragten und den Fanklubs suchen. Wir sind entschlossen, da etwas zu unternehmen (zuletzt wurde einem Fanklub der Status aberkannt, nachdem einzelne Mitglieder randaliert hatten. Gleiches sei auch im Falle von wiederholtem Missbrauch von Pyrotechnik in den Stadien denkbar, Anm. d. Red.). Wir sind unseren Fans für den Support sehr dankbar. Aber dazu gehört keine Pyrotechnik. Zumal ich finde, dass die Unterstützung unserer Fans bemerkenswert ist. Diese Geduld und Ausdauer! Und obwohl wir ihnen über weite Strecken ziemlich viel zugemutet haben, haben sie weit mehr Geduld und Verständnis aufgebracht. Das hat unsere junge, neu formierte Mannschaft gemerkt.“

Zudem erklärte uns Jarchow heute, dass der Klub Rodolfo Cardoso bei seinem Vorhaben, den Fußballlehrerschein zu machen, mit allen Mitteln unterstützen werde. Für den Zeitraum, den der Argentinier die Schulbank in Köln drücken muss, würde A-Jugendtrainer Soner Uysal aushelfen. Nichts Neues gibt es dagegen bei den möglichen Vertragsverlängerungen Mladen Petrics (soll Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainieren) und Maxi Beisters.

In diesem Sinne, wir sehen uns morgen Vormittag um zehn Uhr zum Training an der Imtech-Arena. Und wir hören/lesen uns spätestens morgen Abend nach dem Spiel gegen die Glasgow Rangers (Anpfiff: 19.15 Uhr).

Bis morgen,
Scholle (17.30 Uhr)

P.S.: Für heute Nacht ist eine gemeinsame Kiez-Party von HSV- und Glasgow-Fans angekündigt worden. Soweit so gut. Allerdings soll es dabei auch gegen St.-Pauli-Fans gehen. Ich hoffe ganz ehrlich, das bleibt aus…

Nächste Einträge »