Monatsarchiv für Oktober 2011

Fink lässt im Pokal rotieren – gleich auf sieben Positionen?

24. Oktober 2011

Oha. Dass Thorsten Fink über ein gesundes Selbstvertrauen verfügt, war und ist uns wohl allen bekannt. Auch, dass er im Pokalspiel am Dienstag beim Favoritenschrecke Eintracht Trier rotieren will. „Es geht mir dabei auch darum, den Spielern auf der Bank zu zeigen, dass ich ihnen vertraue. Nur auf der Bank sitzend können sie sich nicht entwickeln, sich mir nicht optimal präsentieren. Und ich bin mir sicher, dass sie das machen werden.“

So weit, so gut. Dass Fink allerdings auf gleich sieben Positionen Änderungen einplant, erscheint dann trotz des Drei-Ligen-Unterschiedes gegenüber Trier sehr mutig. Gojko Kacar, Gökhan Töre (beide Knieprobleme) und Mladen Petric (Prellung auf dem Spann) werden aller Voraussicht nach nicht mit nach Trier reisen. Fink: „Sie könnten theoretisch spielen. Aber ein Teil meiner Philosophie ist, angeschlagene Spieler in Englischen Wochen draußen zu lassen.“ Zudem sieht Fink keine Gefahr darin, der zweiten Reihe eine Chance zu geben. „Wir haben einige Spieler, die sehr viel Geld gekostet haben und die dem Verein etwas zurückgeben sollen. Trier ist ihre Chance, sich zu empfehlen.“

Und Trier ist die mit Sicherheit größte Chance für den HSV, kommende Saison international dabei zu sein. „Der Pokal ist ein wichtiger Wettbewerb für uns“, stellte Sportchef Frank Arnesen zuletzt heraus, „und wir nehmen den Pokal sehr ernst.“ Eine Aussage, die durchaus weiter Bestand haben kann, sollte der HSV in Trier gewinnen. „Unsere Vorgabe ist, das Spiel zu dominieren, möglichst nichts zuzulassen und am besten schnell ein Tor zu erzielen.“

Und das mit Marcus Berg und Heung Min Son im Sturm. Zumindest wäre dem so, wenn das heutige Training als Generalprobe hergehalten hat. Dort ließ Fink Jaroslav Drobny im Tor spielen, setzte Michael Mancienne auf die Rechtsverteidigerposition. Zusammen mit Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic als Innenverteidiger sowie Dennis Aogo links bildete der Engländer die Viererkette. Davor dürften der Trainingsaufstellung zufolge David Jarolim und Robert Tesche das Zentrum bilden, flankiert von Dennis Diekmeier rechts und Zhi Gin Lam auf links. Im Angriff wirbelten – wie oben bereits erwähnt – Berg und Son.

Fink begibt sich mal wieder auf dünnes Eis. Sieben Änderungen sind schon massiv. Und das gegen Trierer, die unter Profibedingungen arbeiten und zuletzt den FC St. Pauli aus dem Pokalwettbewerb herausgekegelt haben. „Trier ist gefährlich, das müssen wir uns klar machen. Die haben einen Bundesligisten rausgehauen und glauben an die Sensation. Deshalb muss es unsere primäre Aufgabe sein, denen ihren Glauben zu nehmen.“ Und da Fink von einem dominant erzielten Sieg überzeugt ist, verzichtet der neue HSV-Cheftrainer zudem darauf, Elfmeter zu üben. Positiv ausgedrückt: der Mann ist selbstbewusst und hat Mut.

Videos vom Gegner werden ebenfalls nur kurz gezeigt. „Wir werden auf deren Stärken nur kurz eingehen. Wichtiger ist, dass wir unsere herausarbeiten und uns auf unser Spiel besinnen“, sagt Fink. Ob es nichts gibt, was den HSV in Trier aus der Bahn werfen könnte? „Wir sollten ein Spiel vor uns haben, in dem wir nicht viel hinterherlaufen. Nur wenn die sich hinten reinstellen und wir deren Konter nicht unterbinden können, könnte es uns aus der Bahn werfen. Aber dafür hat die Mannschaft zu gut trainiert.“

Knackige Worte. Knackige Entscheidungen. Fink spielt das ganz große Blatt aus. Kein Pokern, sondern gerade heraus formulierte Selbstüberzeugung. Und alles mit Weitblick. Sagt Fink selbst. „Wir haben in Trier und dann am Sonntag mit Kaiserslautern als direkten Konkurrenten zwei sehr schwierige Aufgaben vor uns, die wir unbedingt gewinnen müssen. Und die besten Chancen auf zwei Siege haben wir meines Erachtens nach, wenn alle Spieler auf dem Platz topfit sind.“ Und dafür müsse er rotieren. Ob Fink dafür die richtige Dosierung zeigen Recht hat, wird morgen das Ergebnis zeigen.

Allerdings bin ich gespannt, inwieweit sich die zweite Reihe bewährt. Im Training knipst kaum ein Stürmer mehr als Marcus Berg. Der Schwede beweist von Einheit zu Einheit, dass er ein starker Vollstrecker ist. Allerdings einer, der Probleme hat, am Aufbauspiel aktiv teilzunehmen. Das wiederum kann Heung Min Son (der zudem zuletzt in Freiburg als Torschütze auftrat). Von daher kann die Paarung Berg/Son durchaus interessant und mit Sicherheit auch erfolgreich sein.

Dahinter bekommt David Jarolim eine neue (und letzte?) Chance auf das zentrale Mittelfeld. Der Tscheche war bei gefühlt allen HSV-Trainer der letzten Jahre zunächst nur zweite Wahl, ehe er sich über nimmermüden Einsatz ins Team zurückkämpfte. Ob Jarolim sich auch diesmal durchsetzen kann? Eine Frage, die ich aktuell mit nein beantworten würde. Zu stark waren Kacar und Rincon gegen Wolfsburg, zu sehr wurden die beiden von Fink und Arnesen gelobt. Berechtigterweise. Ich glaube eher daran, dass Jarolim im Laufe der Saison von einer Sperre oder Verletzung seiner Konkurrenten (was er selbst niemandem wünscht, das weiß ich) profitieren könnte.

Dass Diekmeier mit seiner Schnelligkeit – darauf legt Fink allgemein aber insbesondere bei den offensiven Außenspielern Wert – auf rechts eine Chance bekommt, ist fast schon logisch. Ebenso, dass hinten rechts Mancienne von Beginn an ran darf. Der Engländer spielte die Position in dieser Saison bereits. Er dürfte ebenso wie Tesche im zentral-defensiven Mittelfeld keine große Eingewöhnungszeit brauchen.

Ihr seht also, alle Positionswechsel sind erklärbar und in sich nachvollziehbar. Allerdings in der Quantität zu hinterfragen. Jeder, der schon mal Fußball gespielt hat, dürfte die Situation kennen. In vermeintlich weniger schweren/entscheidenden Spielen (zumeist Freundschaft- oder frühe Pokal-Spiele) testen Trainer gern die zweite Reihe. Werden dabei ein, zwei oder drei Positionen ausgetauscht, verliert die Mannschaft wenig von ihrer Eingespieltheit. Dabei können dann auch die ein, zwei oder drei Neuen schneller und besser glänzen, als wenn nur noch drei, vier Stammspieler auf dem Platz stehen und eine natürliche Gewöhnungsphase gebraucht wird.

Ich hoffe darauf, dass Finks Entscheidung richtig ist. Damit würde er einen wichtigen Etappensieg einfahren. Zum einen würde er für seinen Mut belohnt, seine eh schon relativ fraglos akzeptierten Entscheidungen würden künftig wahrscheinlich noch weniger hinterfragt. Zudem würde er die Stimmung innerhalb der Mannschaft, insbesondere bei den Reservisten, deutlich verbessern. Und ganz nebenbei würde er die nächste Pokalrunde erreichen – wodurch der HSV zusätzliche Einnahmen generieren würde.

Es ist der berühmte Ritt auf der Rasierklinge. Aber irgendwie scheint Fink den zu mögen. Und bisher hat er ihn ja gemeistert.

In diesem Sinne, morgen melde ich mich aus Trier bei Euch. Ich werde dort in Personalunion für den Printteil wie auch für den Blog arbeiten. Pünktlich mit Schlusspfiff – und dem damit verbundenen Einzug in die dritte DFB-Pokalrunde.

Bis morgen,
Scholle (17.46 Uhr)

Kurz notiert:
Angesetzt:
Robert Hartmann aus Wangen leitet die zweite Runde zwischen Trier und dem HSV. Der 32-jährige Diplom-Betriebswirt ist seit 2005 DFB-Schiedsrichter. Seit Anfang 2011 ist er auch in der Ersten, und der HSV hat gute Erinnerungen an ihn. Hartmann leitete die Heimpartie gegen den 1. FC Köln (6:2) – den bislang letzten Heimsieg in der Imtech Arena.

Ausfall: Romeo Castelen pausierte heute erneut. Den Niederländer plagt weiter eine Reizung im Kniegelenk. „Das Gelenk hat sich noch nicht beruhigt. Er hat immer noch Schmerzen, die ihn hindern“, erklärte Thorsten Fink.

Eine gefühlte Niederlage, die Hoffnung macht

23. Oktober 2011

Ich hasse Verlieren. Und das Spiel gegen Wolfsburg war für mich eine gefühlte Niederlage – weil der HSV seine Überlegenheit nicht genutzt hat und somit zwei Punkte verschenkt hat. 59 Prozent Ballbesitz, 20 zu sieben Torschüsse (davon hatte Guerrero mit acht die meisten auf dem Platz) – all das führte „nur“ zu einem einzigen Punkt. Allerdings, und diese Niederlage gestehe ich mir ein, es war nicht so schlecht wie mein gestriger, sehr hastig verfasster Blog es vermittelt hat. Nein, bis auf ein, zwei Ausnahmen spielte der HSV leidenschaftlich und hatte bis zur 70. Minute allemal Chancen genug, um das Spiel für sich zu entscheiden.

„Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie will“, resümierte Thorsten Fink nach seinem ersten Bundesliga-Punkt als Trainer zufrieden. Der neue Cheftrainer hatte ein Team gesehen, dass sich nach dem frühen Schock durch Mandzukic nicht hängen ließ und zum allemal verdienten Ausgleich kam. „Man hat schon deutlich die Handschrift des neuen Trainers gesehen“, waren sich die Spieler nach dem Spiel einig. Allein, Fink sah das anders. „Nach vier Einheiten wäre es vermessen, von einer deutlichen Handschrift zu sprechen. Aber es gab schon einige Dinge, die ganz gut geklappt haben“, so Fink, „aber eben auch einige Dinge, die noch verbessert werden müssen.“

Klar. Wäre es anders, würde der HSV nicht auf dem vorletzten Tabellenplatz stehen. „Ich gehe davon aus, dass es nur eine Momentaufnahme ist. Wir stehen auf dem Platz auf dem wir stehen, weil wir schlecht in die Saison gestartet sind. Wir müssen uns zukünftig stabilisieren, das wissen wir“, sagte Vorstandsboss Carl Jarchow heute morgen beim KIA-Doppelpass in München. Und erlegte noch nach: „Gegen Wolfsburg haben wir vom System her anders gespielt – mit zwei Sechsern. Kacar hat das gut gemacht. Wir haben nach vorne gut gearbeitet. Die Statistik zeigt es ja auch. Man sieht eine positive Entwicklung.“

Stimmt. Jaroslav Drobny gewinnt zunehmend an Sicherheit. Der Tscheche rettete mit einer starken Parade sogar unmittelbar vor Ultimo den einen Punkt. Die Defensive stand bis auf die Szene zum 0:1 gut. Das Mittelfeld gefiel mir persönlich nur partiell, aber es produzierte Torchancen en masse. Hätten Mladen Petric und Paolo Guerrero noch wenigstens einmal etwas genauer gezielt, der HSV hätte das Spiel gewonnen. Locker. Aber gut, das hatte ich ja bereits eingangs erwähnt.

Dennoch war es ein Spiel, das Hoffnung geweckt hat. Auch bei mir. So sah es auch Sportchef Frank Arnesen: „Es war sicherlich unser bestes Spiel der Saison gegen eine starke Mannschaft. Diego Benaglio war bei Wolfsburg sicherlich am besten, denn er musste viele Chancen parieren. Mir hat besonders die Mentalität unserer Spieler gefallen. Sie haben nie aufgegeben und um jeden verlorenen Ball gekämpft. Da konnte man den Stil von Thorsten Fink erkennen: Wir wollen unsere Spiele dominieren.“ Was sich auch in den enttäuschten Worten einiger Spieler wiederspiegelte – der Anspruch und das Selbstverständnis sind gewachsen. „Ich bin enttäuscht, weil wir keinen Dreier Zuhause geholt haben. Ich freue mich aber auch darüber, wie wir gespielt haben. Wir hatten viel Ballbesitz und haben den Gegner früh attackiert. Der Trainer hat seine Philosophie in den wenigen Tagen gut rübergebracht, was man in unserem Spiel sehen konnte“, sagt Petric. Die Mannschaft habe begriffen, dass sie aktiv sein muss, dass sie das Spiel führen muss, um zu gewinnen. Es wird offensiv gesprochen – und eben so agiert. „Man hat gesehen, dass wir uns mehr zugetraut haben“, sagte Petric am Sonnabend nach dem Spiel, „und das werden wir so beibehalten.“

Ein Test dafür folgt am Dienstag im DFB-Pokal in Trier, wo Fink rotieren lassen will. Wie viel er im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel verändern will, ließ er allerdings noch offen. „Ich werde im Training genau hinsehen und mich dann entscheiden. Denn das Spiel ist gut für uns. So können sich auch die präsentieren, die gegen Wolfsburg auf der Bank saßen. Da können wir erneut gewisse Automatismen üben und verfestigen.“

Einer, und darüber freue ich mich besonders, ist das defensive Mittelfeld mit Tomas Rincon und Gojko Kacar. Der Serbe erhielt nach dem Spiel viel Sonderlob von seinen Mitspielern – und von Fink. „Gojko hat ein starkes Spiel gemacht. Er war sehr präsent, hat versucht, das Spiel zu lenken“, so der HSV-Coach mehr als zufrieden. Zwar hatte Rincon mit 82 Ballkontakten den meisten Ballbesitz aller Akteure auf dem Platz, aber den entscheidenden Pass zum 1:1. „Gojko sollte in der zweiten Halbzeit auch als Spielmacher fungieren“, so Fink, der mit diesem Schachzug sehr zufrieden war.

Kacar und Drobny dürfen sich als die großen Gewinner des Unentschiedens fühlen. Zwei Spieler, die in ihrer Zeit beim HSV bislang nicht allzu viel zu Lachen hatten. Und zwei Spieler, für die ich mich auch deshalb besonders freue, weil sie beide tadellose, bescheidene und ehrliche Sportsmänner sind.

Und nachdem ich meinen Rechner sehr zeitaufwendig und komplett restauriert habe (besser gesagt: es machen lassen), freue ich mich über den kleinen HSV, der gerade den FC Bayern besiegt hat. In diesem Sinne, morgen melde ich mich nach der Runde mit dem Trainer bei Euch.

Euch noch einen schönen Restsonntag! Bis morgen!

Scholle (19.40 Uhr)

1:1 gegen Wolfsburg – da wäre mehr drin gewesen

22. Oktober 2011

****Leute, mein Rechner ist in der 62. Minute abgestürzt. Leider waren die bis dahin geschriebene Zeilen nicht gespeichert – und somit weg. Deshalb entschuldigt, dass es heute etwas kürzer ist, aber ich wollte so zeitnah wie möglich nach dem Schlusspfiff fertig sein****

Es bleibt dabei, der HSV bleibt seit März ohne Heimsieg. Auch unter dem viel gelobten Trainer Thorsten Fink kamen Westermann und Co. gegen den VfL Wolfsburg nicht über ein 1:1 hinaus. Weil sie einmal kurz pennten. Die Fotografen waren noch immer damit beschäftigt, Thorsten Fink zu fotografieren, da schlug es beim HSV schon ein. Dennis Aogos verunglückter Befreiungsschlag wurde zur Wolfsburg-Vorlage. Und nachdem Ochs über außen den Ball bekam und wieder mal Aogo nicht rechtzeitig stören konnte, hatte der von Rajkovic allein gelassene Mandzukic keine Probleme, den Ball völlig unbedrängt aus fünf Metern einzunicken. Genau 64 Sekunden waren gespielt. Jaroslav Drobny wirkte im ersten Moment etwas unglücklich, weil der Ball im Fünfer runterkam. Allerdings hatte der Tscheche bei der scharf getretenen und von ihm wegdrehenden Flanke keine Chance.

Egal wie, es stand 0:1. Und alle starken Worte der ablaufenden Woche schienen verflogen. Allerdings kam der HSV (ganz) langsam besser ins Spiel. Am Ende der ersten 45 Minuten verbuchte der HSV zwar ein Chancen-Verhältnis von 10:1 – großzügig ausgelegt. Allerdings lag die Mannschaft von Trainer Thomas Fink, der an der Seite mehr Meter in seiner abgesteckten Coaching-Zone abriss, als Marcell Jansen in der ersten Halbzeit auf dem Platz, mit 0:1 hinten. Es war allerdings weniger die angekündigte Dominanz, die dieses Verhältnis erzeugte. Vielmehr waren es an sich harmlose Wolfsburger, die die frühe Führung mit Glück und Geschick verwalteten, ohne selbst viel nach vorn zu versuchen.

Egal wie, die zweite Halbzeit begann so, wie ich es nach den offensiven Worten in der ersten Woche von Fink erwartet hatte. Diekmeier kam für den gelbrot-gefährdeten Rajkovic und Westermann rückte ins Zentrum. Eine Umstellung, die Wirkung hatte. Der schnelle Diekmeier brachte anfänglich Schwung auf der rechten Seite. Und der HSV erspielte sich weitere Chancen. Jansen freistehend aus 16 Metern drüber (49.), Guerrero, nachdem Benaglio den Ball fallen ließ (50.) und Jansen nach einer flachen Hereingabe von Aogo (52.) vergaben allerdings – bis Kacar eine Idee hatte. Der Serbe spielte einen Doppelpass mit Guerrero am Sechzehner und legte direkt weiter auf den startenden Petric, der mit einem gefühlvollen Lupfer das 1:1 besorgte.

Der Startschuss zur Aufholjagd – dachte sich auch Fink, der mit Armbewegungen das Publikum heiß zu machen versuchte. Und in der 57.Minute hatte Jansen sogar die Chance, das 2:1 zu erzielen – oder erzielen zu lassen, wenn er den in der Mitte freistehenden Petric gesehen hätte. So aber klärte Benaglio zur Ecke und die Partei verflachte zunächst. Der HSV schien sich totgelaufen zu haben, hatte vor dem Tor kaum Ideen, während sich Wolfsburg noch immer auf vereinzelte Konter. Und hatte die beste Chance durch Kyrgiakos, dessen Kopfball Petric für seinen bereits geschlagenen Torhüter Drobny klärte (71.).

Und auch wenn Aogo in der 87. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß hatte – das war nicht das versprochene Feuerwerk. Über die linke Seite kam in der zweiten Hälfte nur deshalb mehr, weil in der ersten Halbzeit gar nichts kam. Dass Jansen erst in der 85. Minute für den zuletzt durchaus agilen Lam den Platz verlassen musste – er darf es als Geste des Trainers verstanden wissen.

Aber Jansen war damit nicht allein. Auch Töre wirkte unglücklich. Der Deutsch-Türke agierte in der ersten Hälfte als freier Mann überall und nirgendwo. Das Zentrum mit Kacar und dem sehr aggressiven aber eben auch oft zu ungestümen Rincon war defensiv okay – aber offensiv bis auf die eine Szene vor dem 1:1 ohne Wirkung. Vorne hatte Guerrero in der ersten Hälfte zwei, drei gute Szenen – allerdings ohne die große Torgefahr zu erzeigen. Ebenso wie Petric – der allerdings einen Geistesblitz hatte, traf und damit zumindest effektiv war.

Auch Jaroslav Drobny zeigte, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Der Tscheche wirkte bis auf einen riskanten Pass in der ersten Hälfte (25.) sicher. Beim Rauslaufen wie in der Luft und auf der Linie – Drobny hielt, was zu halten war.

Selbst Fink, der nach Schlusspfiff applaudierte und seine Spieler beglückwünschte, weiß, dass er noch eine Menge Arbeit vor sich hat. Und dabei wartet schon am Dienstag im DFB-Pokal in Trier die nächste schwere Aufgabe auf den Bundesliga-Trainer-Debütanten. Ein Spiel, in dem der HSV dominieren muss, um seinen eigenen Ansprüchen auch nur annähernd gerecht zu werden.

In diesem Sinne, irgendwie bin ich frustriert. Nicht allein, weil mir mein Rechner mal wieder das Leben unnötig hektisch und schwer gemacht hat. Nein, dieses Unentschieden war nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir haben zwar den letzten Tabellenplatz verlassen (übrigens war das schon durch Freiburgs Niederlage vor dem Spiel so) – aber wir haben eine große Chance liegengelassen. Heute war mehr drin. Oder besser: es wäre mehr drin gewesen, wenn der HSV offensiv einfallsreicher gewesen und vor allem zielgenauer im Abschluss gewesen wäre.

Ihr seht, ein Konjunktiv jagt den nächsten. Am Ende bleibt ein Punkt. Zu wenig. Da helfen mir auch die lobenden Worte von Wolfsburgs Trainer Felix Magath nicht, der ein “starken HSV” gesehen hat und mit dem Punktgewinn “mehr als zufrieden war”. Zumal mir sein zufriedenes Grinsen erneut verdeutlichte, dass hier und heute für den HSV mehr drin war. Dennoch, Ehre, wem Ehre gebührt, das Schlusswort hat Thorsten Fink: “Ich bin mt dem Spiel sehr, sehr zufrieden. Gerade nach dem Schock hat die Mannschaft gezeigt, was sie als Mannschaft kann. Sie hat Leidenschaft gezeigt, Ballbesitz gehabt – aber leider waren wir im Abschluss nicht ganz so glücklich. Ich bin nicht zufreiden mit der Punkteausbeute – aber mit der Art und Weise. Wenn wir so weiterspielen, werden wir da unten schon bald wieder rauskommen.”

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle


Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Drobny – Westermann, Bruma, Rajkovic (46.Diekmeier), Aogo – Kacar (79.Tesche), Rincon – Töre, Jansen (86.Lam) – Petric, Guerrero

VfL Wolfsburg: Benaglio – M. Schäfer, Kyrgiakos, Thoelke, Hasebe – Träsch, Josué (79.Hitzlsperger) – Ochs, Koo, Dejagah (55.Salihamidzic) – Mandzukic

Tore: 0:1 Mandzukic (2.), 1:1 Petric (56.)
Zuschauer: 54.378
Schiedsrichter: Günter Perö (Pullach)
Gelbe Karten: Rajkovic (28.), Kacar (38.) / Träsch (79.)

Lasst den Worten Taten folgen!

21. Oktober 2011

Ich muss ganz ehrlich sagen, es ist ein gutes Gefühl. Es fühlt sich sogar richtig gut an, dass beim HSV wieder offensiv gedacht wird. Und damit meine ich nicht die Taktik auf dem Platz, sondern das Selbstverständnis. Es wird nicht mehr über den Gegner als über sich gesprochen. Es heißt nicht mehr, dass der Gegner richtig stark ist und man auf der Hut sein müsste. Nein, endlich wird über die eigene Mannschaft gesprochen, die eigenen Stärken hervorgehoben. Kurzum: Endlich geht der HSV mal nicht als selbst ernannter Außenseiter in die Partie. Der neue Trainer bringt Feuer rein, fördert das Selbstvertrauen und vermittelt Aufbruchstimmung. Und er lebt sie vor. Sogar mit der Auswahl seiner Trainer-Assistenten.

Denn, einen Günter Kern in allen Ehren, aber ich glaube, ich weiß, warum Thorsten Fink auf die Dienste seines langjährigen Fitnesstrainers Nikola Vidovic zurückgreift. Genau genommen brauchte der 46-Jährige dafür heute 15 Minuten, in denen er uns seinen wahrlich sehr spannenden Werdegang aufzeigte. Als Jugendlicher in allen Sportarten zuhause, studierte der Kroate im damaligen Jugoslawien in Zagreb Sportwissenschaften. Frisch bestanden, wurde er zum Fitnesstrainer der Volleyballnationalmannschaft berufen, ehe er das gleiche Amt bei der Basketballnationalmannschaft übernahm. „Ich hatte mir alles mühsam aufgebaut und fast alles erreicht, was ich mir bis dahin erhofft hatte – und dann musste ich weg. Ich bin froh, dass ich überlebt habe.“ Zudem habe er Dinge gesehen, die ihn hart gemacht hätten. Heute sagt Vidovic: „Mich kann nichts mehr erschüttern. Ich genieße jeden neuen Tag.“

Seine Heimatstadt Rukova war zu Beginn der Jugoslawienkriege 1991 zu großen Teilen zerstört worden. „Zum Glück hat ein Großteil meiner Familie überlebt“, erzählt der Modellathlet, „aber wir mussten das Land verlassen.“ Vidovic zog es daraufhin nach Deutschland, nach München. Mit Aushilfsjobs bei McDonalds, bei einem Brotfabrikanten als Fahrer und Ausbilder von studentischen Hilfskräften sowie als Türsteher einer Promi-Disco schlug sich der heute 46-Jährige durch. Immer mit dem Augenmerk auf den Sport, den er parallel als Fitnesstrainer in einem Fitnessstudio lehrte. „Irgendwann habe ich dann Thorsten Fink kennengelernt, nachdem er sich einen Knorpelschaden hatte operieren lassen. Ich habe ihn trainiert und er war angetan“, erzählt der einstige Kickboxer. Apropos: das Kickboxen hatte Vidovic begonnen, nachdem er mit 17 von anderen Jugendlichen schwer verletzt worden war. Dass der diplomierte Sportlehrer es so lange trainierte, bis er die höchste Ehre des Landesmeisters errungen hatte – es scheint ihn als extrem ehrgeizigen Typen nur zu gut zu beschreiben.

Vidovic ist einer, der nur gewinnen kann. Zumindest hört er nie auf, bis er sein Ziel erreicht hat. Sagt er. Er scheint so zu sein, wie Fink sich selbst beschreibt – und was Fink von seinen Spielern und Trainerassistenten verlangt. „Wir verstehen uns blind“, sagt Vidovic, der sich für den koordinativen und präventiven Bereich wie Stabilisations- und Schnelligkeitstraining verantwortlich zeichnet. „Ich bin aus Basel nur deshalb gewechselt, weil wir uns zu 100 Prozent vertrauen.“

Wohl noch keine hundert Prozent, aber zumindest etwas mehr Vertrauen verspürt indes Marcell Jansen. Der Linksfuß, der zuletzt unter keinem seiner insgesamt acht Trainer beim HSV durchgehend gesetzt war, scheint dies zumindest für die Partie am Sonnabend gegen Wolfsburg (18.30 Uhr, Imtech-Arena) zu sein. Im Abschlusstraining durfte der „Nationalspieler im Wartestand“ wie schon in der Woche beim Testkick gegen die eigene U23 links offensiv agieren. „Ich bin richtig heiß. Zuletzt lief es für mich nicht so gut, ich hatte kaum komplette Spiele und es ging drunter und drüber. Aber ich habe nie gemault und mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Jetzt zählt für mich nur das Spiel gegen Wolfsburg. Es ist ein Anfang.“

Und den geht nicht nur Jansen mit einer gehörigen Portion neuen Selbstvertrauens an. „Es war ein sehr positives Signal vom Verein, jetzt einen Trainer zu installieren, mit dem man langfristig plant. Davor wirkte es manchmal etwas provisorisch. Aber das jetzt war für alle eine ganz wichtige Entscheidung.“ Eine, die in der Mannschaft hervorragend aufgenommen wird, wie Jansen verrät. „Es herrscht bei uns in der Kabine schon eine Stimmung, dass alle begriffen haben, dass es jetzt richtig los geht. Alle wissen, dass es außergewöhnlich ist, dass ein Trainer, der eben noch mit seiner Mannschaft in der Champions League im Old Trafford gegen Manchester United gespielt hat, in die Bundesliga zum Tabellenletzten wechselt. Er hatte die Creme de la Creme vor sich – und hat sich trotzdem für den HSV entschieden. Das ist schon beeindruckend. Für alle von uns.“

Fink hat demnach sein erstes Etappenziel erreicht: die Mannschaft nimmt seine optimistische und sehr selbstsichere Art an und scheint sich über eigene Stärken bewusst zu werden. Nachdem der letzte Heimsieg schon mehr als sieben Monate zurückliegt, auch ein notwendiges Zeichen an die Mannschaft: „Seit Dietmar Beiersdorfer gehen musste, danach Jol und Labbadia – schon da haben viele nicht das Vertrauen gespürt. Da waren alle irgendwie nicht so überzeugt – und das kam auch rüber“, erzählt Jansen, „die Mannschaft hat das auch mitbekommen. Jetzt ist das anders, der Trainer vermittelt ein anderes Anspruchsdenken. Wir wollen das Heimspiel nicht nur gewinnen, wir wollen es bestimmen. Und wir haben einen Trainer, der Feuer reinbringt. Der hat richtig Bock, der will was. Da gibt es keinen Zweifel. Da brennt sogar richtig was…“

Hoffentlich auch im Spiel auf dem Platz. Mit voraussichtlich folgender Startelf: Drobny – Westermann, Bruma, Rajkovic, Aogo – Töre, Rincon, Kacar, Jansen – Guerrero, Petric. Wie Ihr seht, steht Rajkovic wohl doch in der Startelf. Ansonsten spielt Fink bei seiner Premiere als Bundesligatrainer mit der ersten Elf aus dem Testkick gegen die eigene U23. Zumindest, wenn man der heutigen Leibchenverteilung im knapp 80 Minuten dauernden Abschlusstraining trauen darf.

In diesem Sinne, ich habe in unserem Abendblatt-internen Tippspiel für morgen auf einen HSV-Sieg gesetzt, was an sich wenig aussagekräftig ist, denn das mache ich seit zehn Jahren ohne Ausnahme. Aber diesmal glaube ich auch wirklich daran. Ich hoffe, dass es Spiel eins auf dem Weg zu alter Stärke wird. Zu gern würde ich Jansen daher glauben: „Es war noch der richtige Zeitpunkt, um was Neues zu starten. Und wir alle haben hier den Anspruch, wieder dahin zu kommen, wo wir vor zwei Jahren schon waren.“

In diesem Sinne: niemand hat was dagegen. Es kann losgehen. Endlich. Lasst den Worten Taten folgen!

Bis morgen,
Scholle (19.17 Uhr)

“Wo Fink ist, ist der Papst”

20. Oktober 2011

Still und leise sollte er sein, der Austausch Günter Kerns. Konditions- und Athletiktrainer Nikola Vidovic ersetzt den seit gestern ehemaligen HSV-Konditionstrainer ab Freitag. O-Ton Jörn Wolf: „Wir haben uns einvernehmlich getrennt.“ Die Frage, warum sich der HSV von dem Mann trennt, der hier nach seiner Ankunft im letzten Winter von allen Seiten so hoch gelobt wurde, wusste Thorsten Fink zu beantworten: „Es lag nicht an der Arbeit von Günter Kern“, so der neue HSV-Trainer, „ich wollte aber meinen Athletiktrainer da haben. Ich fühle mich wohler mit ihm, weil ich genau weiß, dass er mich kennt und weiß, was ich verlange. Ich kenne ihn seit vier Jahren und wir verstehen uns in allen Belangen sehr gut. Er macht sehr gutes Stabilisations-Training und ist mit sehr viel Leidenschaft bei der Arbeit. Ich brauche ihn an meiner Seite.“ Womit Kern überflüssig und mit einer netten fünfstelligen Summe abgefunden wurde.

Dennoch, auch wenn es Kosten produziert, bis zu einem gewissen Grad ist es nachvollziehbar, was Fink macht. „Er hat einen ganz klaren Plan, hier Fußball zu lehren und zu spielen“, sagt Mannschaftskapitän Heiko Westermann, „und den zieht er durch.“ Und dafür muss sich Fink blind auf seine Nebenleute verlassen können. Wie eben auf seinen Cotrainer Patrick Rahmen und seinen neuen Ahtletiktrainer Vidovic, die er in seiner Basler Zeit kennen- und schätzen lernte. Und wenn es jetzt nicht weiterhin jeden Tag einen neuen Ex-Baseler nach Hamburg zieht, ist auch alles – Achtung, ein unfassbar witziges Wortspiel!!! – noch im Rahmen. So Leid es mir für den allseits mehr als hoch angesehenen Kern tut, er ist selbst Profi und wird es verstehen.

Womit das Thema auch abgehakt sein dürfte. Zu wichtig ist das, was vor uns liegt. „Zwei Heimspiele sind eine riesige Chance“, freut sich Westermann, „wir werden von der ersten Sekunde an ein Feuerwerk abbrennen und alles dafür geben, eine kleine Serie zu starten.“ Allerdings muss dafür erst mal eine andere kleine stoppen: seit vier Jahren konnte der HSV zuhause gegen die Niedersachsen nicht mehr gewinnen. „Jede Serie hat irgendwann ein Ende“, so Fink optimistisch, „und diese endet am Sonnabend. Da bleiben die Punkte hier.“

Eine Videoanalyse nach der anderen mutet Fink seiner neuen Mannschaft zu. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, so der Neue, der an sich mit der Mannschaft zufrieden ist. „Die Mannschaft macht einen super Eindruck. Sie will, ist physisch sehr stark. Es ist wichtig, dass sie auch an sich glaubt – und genau dieses Vertrauen bringe ich ihnen.“ Damit der von proklamierte Offensivfußball möglichst schnell umgesetzt wird. „In dem Testspiel war es schon zu sehen, was der Trainer will“, sagt Westermann und scheint richtiggehend begeistert von der Philosophie Finks: „Es geht vieles wieder bei null los, alle haben eine neue Chance. Und auch wenn wir sicher nicht alles über den Haufen werfen können, müssen wir seinem Plan konsequent verfolgen, mitmarschieren – dann wird es auch was.“ Authentisch sei der neue Trainer allemal: „Er hat ’ne Menge Feuer. Er lebt uns Disziplin und Leidenschaft vor. Der Trainer bringt eine Linie rein, er versucht vom ersten Moment an, seinen Plan durchzusetzen – und er tut uns damit sehr gut.“

Lobende Worte, die nicht selbstverständlich sind. Zumindest nicht von Heiko Westermann. Der sagt lieber mal nichts, als Quatsch zu erzählen. Und er weiß, wovon er spricht, denn er hat in seinen nunmehr zehn Jahren als Profi schon etliche Trainer miterlebt. „Es ist ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Trainern“, sagt Westermann – und will das als Kompliment für Fink verstanden wissen. Ob er damit auch seinem ehemaligen Schalke-Trainer Felix Magath einen mitgeben will. Immerhin gastiert Magath am Sonnabend mit dem VfL Wolfsburg in der Imtech-Arena und gilt noch immer nicht als Fan von Westermann. Bei Schalke sortierte der EX-HSV-Europacup-Held Westermann sogar aus. „Nein“, sagt Westermann, „mir geht es nicht um ihn. Ich will das Spiel einfach gewinnen. Ich hatte ja auch keinen Krieg mit Magath, sondern er ist für mich einfach nur ein Trainer, den ich schon mal hatte. Wichtiger als das alles ist mir, dass wir ein Erfolgserlebnis im Rücken haben und noch eines mitnehmen wollen – um so eine Serie zu starten.“

Daran teilnehmen kann auch Gökhan Töre, der nach seinen muskulären Problemen gestern beim heutigen Training wieder mitmischte, als wäre nichts passiert. „Er ist wieder gesund, konnte ohne Probleme mitmachen“, sagt Fink, „ich gehe davon aus, dass er am Sonnabend dabei ist.“

Voraussichtlich sogar in der Startelf, die Fink nach eigener Aussage „nicht groß verändern“ will. Im Testspiel hatte der 43-Jährige jedoch vier Positionen umbesetzt. Ob das noch unter „nicht allzu viel“ bei ihm fällt? Fink weicht aus. „Der Großteil wird so sein wie gegen Freiburg.“ Eben alle, bis auf Robert Tesche (für ihn könnte Rincon reinrücken), Heung Min Son (Guerrero gilt als Finks Favorit), Zhi Gin Lam (Töre wechselt auf rechts, Jansen dafür links ins Mittelfeld) und Rajkovic (Westermann soll wieder in die Innenverteidigung rücken, Diekmeier dafür auf rechts). Der Serbe scheint bei Fink, der sehr viel Wert auf schnelle Fußballer legt, einen schweren Stand zu haben. Aber das hatten wir gestern schon. Wer zuhause bleiben muss? „Das kann ich noch nicht sagen“, so Fink, „das wird eine ganz schwierige Geschichte. Und genau so will ich das haben.“

Keine Frage, das Wolfsburg-Spiel ist wichtig für den HSV, um unten rauszukommen. Aber es wird nur eine Geschichte kennen: die Bundesliga-Trainer-Premiere von Thorsten Fink. Alle Augen werden auf den neuen HSV-Trainer gerichtet sein, der auch heute nicht müde wurde, Großartiges anzukündigen. Er habe zwar noch nicht viel Zeit mit der Mannschaft gehabt, „aber wir werden alles daran setzen, dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen.“ Im Test gegen die eigene Zweite habe er die von ihm geforderte Dominanz im Spiel seiner Mannschaft gesehen. Und das soll gegen Wolfsburg so weitergehen. „Wir werden den Gegner früher stören, mehr Ballbesitz haben. Und wenn wir dazu unsere Defensive noch sicherer stellen, werden wir Erfolg haben. Für einen Sieg am Sonnabend sollte das reichen“, so Fink selbstsicher wie zuletzt.

Allerdings hat Fink auch ein großes Manko ausgemacht. „Wir kommunizieren nicht gut genug“, so der Ex-Bayern-Profi, „bei uns wird auf dem Platz zu wenig geredet.“ Womit Fink das gegenseitige Coaching meint, die Ansagen, die dem Nebenmann helfen sollen. „Da müssen wir uns klar verbessern. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie jetzt noch etwas ruhiger sind, weil sie wieder einen neuen Trainer haben…“

Ich für meine Teil kann nur sagen, dass es mir nach den ewig devoten Aussagen dieser Saison richtig gut getan hat, beim HSV so etwas wie Stolz und Vertrauen in die eigenen Stärken vermittelt bekommen zu haben. Das darf dann gern auch im leichten Überfluss passieren – es gleicht nur ein vorheriges Manko wieder aus. Und auch wenn ich zugeben muss, dass Fink sich sehr weit aus dem Fenster lehnt – ich mag diese Art, die im nicht zu erwartenden Falle von Misserfolg konsequenter- und logischerweise auch schonungslos ehrliche Analysen und Konsequenzen nach sich ziehen muss. Als heutiges Schlusswort wähle ich daher einen Satz, der Fink beschreibt. Fink hatte selbigen am Sonntag einem Schweizer Kollegen in den Block diktiert, als der die Gleichung angestrengt hatte, der HSV hätte in Freiburg allein durch die Vorwirkungen des neuen Trainers in die Erfolgsspur zurückgefunden. Daraufhin antwortete Fink in seiner typischen Art – diesmal allerdings sicher nicht ganz so ernst gemeint: „Tja, wo der Fink ist, ist der Papst.“

In diesem Sinne, uns allen einen gesegneten Abend.

Scholle (19.04 Uhr)

6:0 gegen die U23 – Ilicevic fällt drei Wochen aus

19. Oktober 2011

Es konnte ja nicht nur gut laufen. Ein Sieg in Freiburg, Drobnys Rückkehr zu starker Form, ein neuer Trainer mit dem Prädikat Hoffnungsträger sowie ein Zugang, der bei seiner Premiere gleich trifft. Es passte zuletzt alles. Auch für Ivo Ilicevic, der jetzt einen Rückschlag hinnehmen musste. Auf der HSV-Homepage heißt es: „Ivo Ilicevic muss nach dem überzeugenden Einstand beim Auswärtsspiel gegen Freiburg einen Rückschlag verkraften. Der HSV-Offensivspieler zog sich beim gestrigen Training einen Muskelfaserriss zu und wird voraussichtlich drei Wochen ausfallen.“ Also doch mehr als die gestern noch offiziell kommunizierte „reine Vorsichtsmaßnahme“ bei dem vier Millionen Euro teuren Zugang vom 1. FC Kaiserslautern, der nach fünf Wochen und somit vier Spielen Sperre auf dem Weg in die Stammelf war.

Ein bitterer Ausfall.

Aber gut, Jammern nützt nichts. Letztlich ist es auch nicht mehr als ein einzelner Spieler, der ausfällt – und bei aller wahrlich meinerseits hohen sportlichen Wertschätzung ganz sicher kompensiert werden kann. Wie heute im Testspiel. Da machte Marcell Jansen über die linke Seite mächtig Dampf. Der ehemalige Bayern-Profi könnte einer der großen Profiteure des Trainerwechsels werden. Immerhin scheint Thorsten Fink eine Menge von dem Nationalspieler zu halten. „Über Marcells Qualität brauchen wir nicht mehr zu reden. Er ist Nationalspieler und hat seine Qualität schon genug bewiesen“, so Fink.

Zweiter Profiteur von Fink scheint nach dem heutigen Vormittagstraining sowie dem Testspiel gegen die eigene U23 Paolo Guerrero zu werden. Von dem hält Fink eine ganze Menge, wie er uns im ersten Gespräch am Montag bereits erläuterte. Und der Peruaner scheint für den neuen HSV-Trainer erste Wahl als Partner des (immer noch) gesetzten Mladen Petric zu sein.

Im Testkick am Nachmittag klappte das Zusammenspiel Petrics und Guerreros insbesondere mit Flanlkengeber Jansen sehr gut. Auch Jansens Kompagnon auf rechts, Gökhan Töre, hatte gute Szenen – allerdings nur bis zur 15. Minute. Nach einem Laufduell mit Muhamed Besic fasste sich der Deutsch-Türke an den linken Oberschenkel – und musste ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose wurde noch nicht getroffen, stattdessen blieb HSV-Sprecher Lars Wegener nichts anderes übrig, als den Text von Ilicevic zu wiederholen: „Leichte muskuläre Probleme“, so Wegener, der sich natürlich zu 100 Prozent auf die Mannschaftsärzte verlassen muss. Und die bezeichneten die Auswechslung als „eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Hoffen wir nur, dass dieser Wortlaut kein schlechtes Omen ist.

Alles andere als schlecht fand Thorsten Fink den heutigen 6:0-Sieg seiner Profis gegen die eigenen Amateure. Gegen den überforderten Nachwuchs erspielten sich die „Finken“ gute Tormöglichkeiten. Jansen traf nach einer schönen Petric-Vorlage per Direktabnahme nur die Latte (2.), ehe Heiko Westermann nach einer Ecke per Kopf das 1:0 (6.) besorgte. Diese hatte Töre getreten, der in der 15. Minute gegen Michael Mancienne ausgewechselt wurde. Dieser wiederum übernahm den Posten des zweiten Innenverteidigers neben Jeffrey Bruma, während Westermann rechts in die Viererkette rückte und Dennis Diekmeier auf Töres Position ins rechte Mittelfeld rückte. Nachdem anschließend Petric nach einer Aogo-Flanke das 2:0 besorgt hatte (21.), ließen Guerrero und Diekmeier vor rund 800 Zuschauer zwei so genannte Hundertprozentige liegen.

In der Halbzeit wechselten beide Mannschaften komplett – wobei bei den Profis Mancienne und bei der U23 deren bester Akteur, Muhamed Besic sowie Profileihgabe Tom Mickel (verlängerte seinen Vertrag heute bis 2013) zunächst weiterspielten. Und es dauerte nicht lang, da hatte der HSV gegen den bemühten, aber chancenlosen Nachwuchs nachgelegt. Jacopo Sala, der im rechten Mittelfeld auflief, legte flach in den Sechzehner, wo Marcus Berg kein Problem hatte, per Direktabnahme das 3:0 zu besorgen (56.). Und nachdem Daniel Nagy für die regionalliga-Mannschaft die erste und einzige Torchance knapp verzog (57.), zeigte Zhi Gin Lam seinem neuen Chef, weshalb dessen Vorgänger auf ihn gesetzt hatte und schloss ein beherztes 40-Meter-Solo mit dem 4:0 (71.) ab. Sechs Minuten später revanchierte sich Berg bei seinem Vorlagengeber Sals, der aus kurzer Distanz nur zum 5:0 (77.) einschieben musste. Vier Minuten vor dem Ende der 90 von Hamburgs bestem Schiedsrichter Patrick Ittrich geleiteten Minuten traf Son zum 6:0-Endstand (84.). „Man sieht, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben, die Automatismen kommen nicht von heute auf morgen“, resümierte Fink, der dennoch zufrieden war: „Alle Mannschaftsteile haben mir gut gefallen.“

Auffällig für mich war neben dem flüssigen Kombinationsspiel und einem starken Marcell Jansen in der ersten Hälfte, dass Sobodan Rajkovic sein erstes kleines Tal zu durchlaufen scheint. Schon vor dem Spiel, in dem er nur in der B-Elf in der zweiten Halbzeit aufgeboten wurde, hatte der sympathische Abwehrrecke in unserer Runde und seiner Trauer über die verpasste EM-Teilnahme mit Serbien Ausdruck verliehen. Und, vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch, ich hatte nach seiner Rückkehr vom 0:1 gegen Slowenien und dem daraus resultierenden Aus in der EM-Quali befürchtet, dass Rajkovic einen mentalen Knacks erlitten haben könnte. Und wie im Freiburg-Spiel an der einen oder anderen Stelle zu merken war, hatte Rajkovic heute nichts furchteinflößendes. Er machte keine Fehler, aber die Körpersprache des Zugangs vom FC Chelsea war alles andere als von Selbstvertrauen geprägt. Rajkovic ist momentan leider weit davon entfernt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Was ich sehr schade finde, hatte der Serbe doch einen blitzsauberen Start hingelegt. „Die Aufstellungen haben nichts mit A- und B-Elf zu tun“, versuchte uns Fink heute nach dem Test zu erklären und fügte hinzu: „Wir wollen nicht zu viel in diesen drei Tagen bis zum Spiel verändern.“ – zumindest ein Hoffnungsschimmer für Rajkovic.

Angst und Schrecken hatte zuletzt Jaroslav Drobny verbreitet – allerdings (Achtung, Sarkasmus!!) mehr in den eigenen Reihen denn bei den gegnerischen Stürmern. Seit dem Hertha-Spiel, in dem der Tscheche das erste Mal patzte, schwieg er. Und das wollte er auch nach dem zweifellos sehr guten Spiel in Freiburg so beibehalten. Nach Feiern war ihm nicht, die Komplimente vom neuen Trainer wie von den Teamkollegen prallten an ihm ab. Der am Dienstag 32 Jahre alt gewordene Torhüter weiß inzwischen, wie viel Wert Schulterklopfer haben. Drobny hat in den letzten für ihn zweifellos sehr schwierigen Wochen sehr gut kanalisieren können, wer zu im hält und wer nicht.

Dennoch ließ er sich heute zu dem einen oder anderen Zitat überreden. Bei der Übergabe des Vereins-Ehrenamtspreises heute an Blau-Weiß Ellas war er der HSV-Repräsentant. Wie immer mit einer gewinnenden Freundlichkeit lächelte er für die Fotografen, schrieb Autogramme. Wie wichtig die gute Leistung in Freiburg für ihn persönlich war? „Das war schön. Aber wir spielen als eine Mannschaft, jeder einzelne ist mal besser und mal nicht so gut. Die Mannschaftsleistung entscheidet, und dafür war das Freiburg-Spiel ein guter Start.“

Und während Thorsten Fink nach zuletzt zwei Siegen aus drei Spielen und zwei Heimspielen vor der Brust von einer kleinen Serie träumt, bevorzugt Drobny die Politik der kleinen Schritte: „Es war gut, der Sieg gerade deshalb so schön, weil wir ihn geholt haben, obwohl wir nicht besser waren.“ Und der neue Trainer? Welchen Einfluss hat Fink schon auf die Mannschaft? „Wir hatten erst zwei Trainingseinheiten, da ist es schwer, etwas dazu zu sagen. Wir wissen, dass er in Basel sehr erfolgreich gearbeitet hat und eine Philosophie hat. Er ist der Chef – und wir machen, was er uns vorgibt.“

Klingt gut. Zumindest war Finks Gleichung („Wenn die Mannschaft macht, was ich ihr vorgebe, wird sie Erfolg haben“) entsprechend optimistisch.

In diesem Sinne, aller guten Dinge sind drei. Hoffen wir darauf, dass die Siege in Freiburg und heute am Sonnabend gegen Felix Magaths Wolfsburger eine Fortsetzung findet.

Bis morgen,

Scholle (19.36 Uhr)

Kurz notiert:

Training: Am Donnerstag wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Neuzugang: Das neue Trainerteam von Cheftrainer Thorsten Fink nimmt weiter Formen an. Konditions- und Athletiktrainer Nikola Vidovic wechselt mit sofortiger vom FC Basel zum HSV. Der Kroate arbeitete bereits in Ingolstadt an der Seite von Fink.

Erstes Training – 600 Fans feiern den neuen Trainer

18. Oktober 2011

Nach ziemlich genau 90 Minuten war es vorbei, das erste Training von Thorsten Fink. Eine unspektakuläre erste Einheit, die um 15.13 Uhr begann, als der neue Cheftrainer als Letzter die Kabine Richtung Trainingsplatz verließ. Rund 600 Fans warteten ungeduldig. Sie feierten einzelne Spieler („Mladen Petric, Du bist der Beste“, „Sonni, lächel doch mal zu uns rüber“) mit aufmunternden Worten. Einige wenige applaudierten sogar kurz, als Fink an ihnen vorbeiging. Es herrschte ein Aufkommen, wie es der HSV ansonsten nur zu Saisonbeginn hat. Selbst die erste Einheit von Ruud van Nistelrooy konnte mit dem Trouble rund um den neuen „Heilsbringer“ nicht mithalten.

Aber gut, darum geht es nicht. Auch Fink scheint das nur am Rande zu interessieren. Der 43-Jährige ist darauf aus, der Mannschaft möglichst schnell sein Spielsystem einzuimpfen. Schon bis zum Wochenende sollen erste Veränderungen/Verbesserungen erkennbar sein. Das kündigte zuerst Fink selbst dann heute auch sein Assistent Patrick Rahmen an. Rahmen: „Wir werden sehr viel mit Passübungen arbeiten“, sagte der sympathische 42-Jährige, der mit Frau und zweieinhalbjährigem Sohn in Hamburg wohnen wird. „Wir werden viel taktisch arbeiten. Und das wird in erster Linie bedeuten, dass wir vorwärts spielen wollen.“

Sprich: offensiv. Und dabei musste Fink heute zumindest eine Schrecksekunde ertragen, als der Freiburg-Siegtorschütze Ivo Ilicevic zusammensank und sich an den linken Oberschenkel fasste. Der Kroate wurde anschließend bandagiert und vorzeitig in die Kabine gefahren. Allerdings soll es sich dabei, so HSV-Sprecher Lars Wegener, lediglich um „leichte muskuläre Probleme“ handeln. Es sei eine Präventivmaßnahme gewesen – was uns alle freuen würde.

Bei der ersten Übung nach dem 15-minütigen Warmmachprogramm sowie 20 Minuten Kreisspiel folgte Finks erste taktische Passübung. Aus der Innenverteidigung wurde der Ball dabei auf einen Außenspieler gepasst, der auf den defensiven Mittelfeldspieler prallen ließ, per langen Pass auf die Außen wieder eingesetzt wurde und auf die mitgelaufenen Stürmer passte. Drei Ballkontakte bis zum ersten Abschluss – klingt nach schnellem Offensivspiel.

Zumindest würde diese Interpretation zu Finks Antrittsrede passen, in der er begeisternden Offensivfußball versprochen hatte. „Wenn Thorsten sich etwas vorgenommen hat, zieht er das auch durch“, sagt Rahmen, der sich hauptverantwortlich für die Trainingsarbeit zeichnet. „Wir besprechen uns sehr häufig und intensiv im Trainerteam“, sagt Rahmen und bezieht dabei Frank Heinemann („Frank gehört uneingeschränkt zum Team“) mit ein. Zudem machte der Ex-Cheftrainer der U21 beim FC Basel immer wieder deutlich, wie unangefochten die Chefstellung von Alpha-Trainer Fink ist. „Ich weiß, wie ich mit meiner Rolle umgehen muss- zu 100 Prozent loyal.“ Eine Vorgabe, die ihm leicht von der Hand geht. „Thorsten ist sehr kommunikativ. Er geht schnell auf Leute zu. Er versucht alle mit einzubinden und alles mit Lebensfreude zu verbinden.“ Es sei denn, es ufert an irgendeiner Stelle aus. „Dann“, weiß Rahmen, „dann kann er auch richtig streng werden. Wenn er merkt, dass es irgendwo nicht geht, bricht er das ab.“

Allerdings hat sich Rahmen auf alles andere denn auf einen Abbruch seiner neuesten Mission eingestellt. Im Gegenteil. Der neue Assistenztrainer, der schon vor 18 Monaten vom damals designierten HSV-Sportchef Urs Siegenthaler angeworben worden war und dessen damalige Assistenz von Trainer Armin Veh nur am Veto des FC Basel scheiterte, plant langfristig. „Mindestens zweieinhalb Jahre“, so Rahmen mit einem Lächeln, „und die möglichst erfolgreich“, seien sein Ziel und man spürt auch bei dem früher nur mäßig (finanziell nach eigener Aussage gar nicht) erfolgreichen Zugang, dass auch er den HSV als große Chance sieht, den nächsten Karriereschritt zu machen. Dafür schlug er immerhin einen gut bezahlten, relativ krisensicheren Vierjahresvertrag beim FC Basel aus. „Die Bundesliga ist schon ein anderes Kaliber, kein Frage. Für mich ist es der nächste Schritt. Ich bin froh, hier zu sein und eine Mannschaft vorgefunden zu haben, die in einem guten Zustand ist.“

Auch Rahmen hat eine Aufbruchstimmung ausgemacht. Heute Morgen wandelte er zusammen mit Fink durch alle Abteilungen, versuchte, sich zusammen mit seinem Chef schnell mit dem hiesigen Arbeitsumfeld vertraut zu machen. Insbesondere die Scouting- und noch mehr die Analyseabteilung inspizierten die beiden Ex-Basler und Neu-Hamburger genau. „Entscheidend für uns war aber auch“, so Rahmen, „dass alle spüren, wie sehr wir auf Teamwork setzen.“ Ein Wunsch, der bei den Mitarbeitern auf viel Gegenliebe stößt. Rahmen weiter: „Man merkt, dass hier was geht. Alle hoffen, dass es jetzt vorwärts geht.“

Das wiederum hängt auch mit der sportlichen Entwicklung zusammen, die beim HSV erkennbar nach oben tendiert. Gegen Stuttgart war es ein gutes Spiel mit einem verdienten Sieg. Gegen Schalke war es das Beste der letzten drei Spiele – allerdings mit einer unglücklichen Niederlage. Dennoch ließ sich die Mannschaft nicht verunsichern und glich die unglückliche Schalke-Pleite mit einem glücklichen, aber auch mühevoll erarbeiteten Sieg beim SC Freiburg aus. „Ein ganz wichtiger Sieg“, so Rahmen, der sich davon einen positiven Schub auch für das bevorstehende Spiel gegen den VfL Wolfsburg (Sa., 18.30 Uhr Imtech-Arena) erhofft. „Die Mannschaft ist intakt. Und sie wird unsere neue Philosophie bis zum Wochenende schon in Teilen umsetzen können.“

Einer, der dabei helfen will, ist Gojko Kacar. Der fast schon zu bescheidene defensive Mittelfeldspieler kam in Freiburg von Beginn an zum Zug. „Nach 30 Minuten hatte ich noch immer keine Spielrhythmus gefunden und dachte schon, ich kann nicht mehr. Aber ich habe den Punkt überwunden und weiß jetzt, dass es immer noch weitergeht, egal wie kaputt ich auch bin.“ Dass er ein insgesamt ausbaufähiges Spiel ablieferte, weiß auch Kacar. Deshalb hofft er auch darauf, am Sonnabend erstmals in einem Heimspiel auflaufen zu dürfen. „Bislang war ich nicht einmal im Kader“, so Kacar, den zuletzt immer wieder Verletzungen (Nasenbeinbruch, Fingerbruch, Fußprobleme) zurückwarfen. „Ich kannte auch das Gefühl, zu gewinnen, schon gar nicht mehr. Bis Freiburg. Und das will ich jetzt auch zuhause erleben dürfen.“

Große Hoffnungen setzt auch Kacar dabei in den neuen Trainer. „Er hat uns kurz und klar gesagt, was er von uns erwartet. Er will, dass wir als Einheit auftreten, für den HSV mit Leidenschaft arbeiten und alles geben. Und das erwarte ich auch. Denn der HSV ist für mich noch immer der beste Verein der Bundesliga.“ Mit einem ehemaligen Mittelfeldspieler als neuen Trainer: „dass er Mittelfeldspieler war, fast auf meiner Position, ist gut. Er kann mir sagen, was besser werden soll und wie ich das umsetzen kann. Und das sehe nicht nur ich so das gilt für die ganze Mannschaft. Ich freue mich auf ihn.“

Nicht nur er.

Apropos Freude. Die verspürte ich auch im Freiburg-Spiel, als Jaroslav Drobny nach seinen Patzern der Vorwochen endlich zum Matchwinner avancierte. Am morgigen Mittwoch spricht der Tscheche mit uns. Und das, nachdem er Wochenlang jeden Kommentar verweigert hatte. Irgendwie passend – jetzt, wo allseits Aufbruchstimmung herrscht…

In diesem Sinne, es geht weiter. Morgen.

Bis dahin,

Scholle (18.57 Uhr)

Kurz notiert:

– Am Mittwoch wird um zehn Uhr trainiert, um 16 Uhr findet auf dem Trainingsplatz ein Testspiel gegen die eigene U23 statt, indem sich Fink möglichst schnell einen Gesamtüberblick über die vorhandenen Spieler verschaffen will.

– Romeo Castelen pausierte wegen leichter Knieprobleme.

– Jaroslav Drobny bekam zu Trainingsbeginn auf dem Platz ein Ständchen von er Mannschaft gesungen. Der sympathische Tscheche feiert heute seinen 32. Geburtstag.

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