Tagesarchiv für den 28. Oktober 2011

Am Sonntag soll zum ersten Mal die Null stehen

28. Oktober 2011

Muskelfaserriss. Das ist die bittere Diagnose, die einen mehrwöchigen Ausfall von Mladen Petric nach sich zieht. Eine bittere Nachricht, wie ich finde, denn Mladen war gerade zuletzt gegen Wolfsburg in meinen Augen stark verbessert. Die ihm immer wieder zur Last gelegte Lauffaulheit hatte er abgelegt, er war anspielbar und torgefährlich. Von daher verstehe ich die Diskussion um seine Person hier in diesem Blog nicht. Es gab viele Momente, in denen man trefflich über Mladen diskutieren konnte – aber eben jetzt nicht.

Aber okay, Mladen fällt leider aus und zumindest im heutigen Training schien es, als wäre Marcus Berg Finks erste Alternative. Beim taktischen Spiel stürmte der Schwede neben Paolo Guerrero, während Heung Min Son nebenan mit den voraussichtlichen Ersatzspielern trainierte. So auch im Abschlussspiel, in dem Berg weitgehend unauffällig blieb, während Son den einzigen Treffer des Spiels markieren konnte. Eine endgültige Entscheidung scheint allerdings noch nicht gefallen. Sagt zumindest der Trainer.

Das gilt auch für die Position des zweiten Innenverteidigers neben Jeffrey Bruma. „Mir ist egal, ob Heiko oder Slobodan spielt. Ich weiß genau, wie die beiden spielen“, so Bruma, der sich allerdings zumindest mit Westermann schon auf den nächsten Gegner eingestimmt hat. „Wir haben über Kaiserslautern gesprochen, über deren Offensive und die Angreifer wie Shechter.“ Denn, und das ist das primäre Ziel für Bruma, „wir wollen endlich mal zu Null spielen.“ Das ist in dieser Saison bislang noch nicht gelungen. Ebenso wenig wie ein Heimsieg. Der letzte liegt inzwischen sieben Monate zurück. „Ich war in meiner gesamten Karriere noch nie so lange ohne Heimsieg“, sagt Bruma und erklärt, weshalb diese Serie nun auch beim HSV ein Ende haben wird: „Wir haben Spaß im Training“, so der Niederländer, der hinzufügt: „Wir haben alle mehr Spaß, seitdem Fink Trainer ist.“ Eine Aussage, die Bruma nicht als Schuss gegen Oenning sondern als Kompliment für Fink verstanden wissen will. Explizit die hohen Anforderungen gefallen ihm. „Jetzt muss jeder genau wissen, was er zu machen hat.“ Gegen Kaiserslautern heißt das, Tore verhindern und selbst das Spiel machen. „Alle elf attackieren“, verspricht Bruma eine offensive Ausrichtung, fordert aber auch: Und alle elf verteidigen. Die Null muss stehen – ein Tor machen wir immer.“

Man merkt Bruma an, dass er sich wohlfühlt. „Ich hatte in meiner Karriere immer Schmerzen hier und da. Heute bin ich schmerfrei, gefühlt das erste Mal.“ Und er ist auf dem Sprung in der Nationalmannschaft. Noch musste er den erfahreneren Profis wie Heitinga, Mathijsen oder auch Ron Vlaar den Vortritt lassen, allerdings hegt der HSV-Profi große Hoffnungen, beim Länderspiel der Niederlande gegen Deutschland am 15. November in Hamburg dabei sein zu dürfen: „Ich freue mich riesig darauf.“

Allerdings – und das nur für die, die befürchten, Bruma könnte abgelenkt sein – der Innenverteidiger wirkt aktuell sehr fokussiert. Seine anfängliche Überheblichkeit („Ich hatte die Bundesliga nicht so stark eingeschätzt“) ist verflogen, die Zeit als Reservist hat ihn wachgerüttelt. Und Bruma genießt den HSV. Ob er glaubt, dass Chelsea von der Rückholklausel nach dieser Saison Gebrauch macht? „Ich glaube nicht. Ich stelle mich auf jeden Fall auf mindestens zwei Jahre in Hamburg ein.“ Worte, die gut klangen und die er mit einem zufriedenen Lächeln garnierte.

Zur ersten Garnitur möchte auch Tomas Rincon wieder gehören. Der kampfstarke Mittelfeldspieler aus Venezuela pausierte heute zwar wegen Oberschenkelproblemen, allerdings will Rincon schon am Sonnabend im (nicht öffentlichen) Abschlusstraining wieder dabei sein. „Es ist eine Verletzung, die ich mit 17 Jahren erlitten habe und dessen narbe mir jetzt Probleme gemacht hat. Aber es geht mir schon viel besser und ich werde spielen können.“ Zusammen mit Gojko Kacar im defensiven Mittelfeld. Zwar trainierte Kacar heute mit Tesche in der A-Elf im Mittelfeldzentrum, allerdings dürfte Rincon den Vorzug vor Tesche erhalten, der sich zuletzt nicht so präsentieren konnte, wie Fink es sich erhofft hatte. Wobei, wo wir gerade bei Tesche sind, ich muss zugebe, dass Tesche eigentlich alles hat. Er ist einigermaßen schnell, zweikampfstark, hat eine gute Technik, einen sehr guten Schuss und er ist kopfballstark. Die Frage, die sich allerdings vor mir wohl bislang alle HSV-Trainer gefragt haben, ist also: warum setzt sich der ehemalige Bielefelder beim HSV nicht durch? Ist es sein Phlegma?

Okay, ich muss zugeben, dass ich diese Frage definitiv nicht beantworten kann. Stattdessen hoffe ich, dass sich der HSV schon etwas dabei gedacht hat, als sie kürzlich Tesches Vertrag vorzeitig bis 2014 verlängert haben.

Erfolgreich gehofft haben wir heute alle, als plötzlich Gökhan Töre das Training abbrach und in Richtung Kabine lief. Zum Glück nicht wegen irgendeiner Verletzung, sondern nur, um zu dem Ort zu gelangen, an dem das Unbeschreibliche passiert, wie Goethe das Stille Örtchen mal so passend beschrieb.

Ihr merkt, ich schweife ab. Mehr gibt es heute tatsächlich nicht zu erzählen. Außer dass Slobodan Rajkovic mit Rückenproblemen pausierte, am Sonnabend jedoch wieder mittrainieren soll. Und natürlich, und somit schließe ich diesen Blog mit einer höchst erfreulichen Nachricht, dass Romeo Castelen seine Knieprobleme überstanden hat und heute wieder voll mittrainieren konnte.

In diesem Sinne, alles wird gut. Schon am Sonntag.

Scholle (17.10 Uhr)