Tagesarchiv für den 22. Oktober 2011

1:1 gegen Wolfsburg – da wäre mehr drin gewesen

22. Oktober 2011

****Leute, mein Rechner ist in der 62. Minute abgestürzt. Leider waren die bis dahin geschriebene Zeilen nicht gespeichert – und somit weg. Deshalb entschuldigt, dass es heute etwas kürzer ist, aber ich wollte so zeitnah wie möglich nach dem Schlusspfiff fertig sein****

Es bleibt dabei, der HSV bleibt seit März ohne Heimsieg. Auch unter dem viel gelobten Trainer Thorsten Fink kamen Westermann und Co. gegen den VfL Wolfsburg nicht über ein 1:1 hinaus. Weil sie einmal kurz pennten. Die Fotografen waren noch immer damit beschäftigt, Thorsten Fink zu fotografieren, da schlug es beim HSV schon ein. Dennis Aogos verunglückter Befreiungsschlag wurde zur Wolfsburg-Vorlage. Und nachdem Ochs über außen den Ball bekam und wieder mal Aogo nicht rechtzeitig stören konnte, hatte der von Rajkovic allein gelassene Mandzukic keine Probleme, den Ball völlig unbedrängt aus fünf Metern einzunicken. Genau 64 Sekunden waren gespielt. Jaroslav Drobny wirkte im ersten Moment etwas unglücklich, weil der Ball im Fünfer runterkam. Allerdings hatte der Tscheche bei der scharf getretenen und von ihm wegdrehenden Flanke keine Chance.

Egal wie, es stand 0:1. Und alle starken Worte der ablaufenden Woche schienen verflogen. Allerdings kam der HSV (ganz) langsam besser ins Spiel. Am Ende der ersten 45 Minuten verbuchte der HSV zwar ein Chancen-Verhältnis von 10:1 – großzügig ausgelegt. Allerdings lag die Mannschaft von Trainer Thomas Fink, der an der Seite mehr Meter in seiner abgesteckten Coaching-Zone abriss, als Marcell Jansen in der ersten Halbzeit auf dem Platz, mit 0:1 hinten. Es war allerdings weniger die angekündigte Dominanz, die dieses Verhältnis erzeugte. Vielmehr waren es an sich harmlose Wolfsburger, die die frühe Führung mit Glück und Geschick verwalteten, ohne selbst viel nach vorn zu versuchen.

Egal wie, die zweite Halbzeit begann so, wie ich es nach den offensiven Worten in der ersten Woche von Fink erwartet hatte. Diekmeier kam für den gelbrot-gefährdeten Rajkovic und Westermann rückte ins Zentrum. Eine Umstellung, die Wirkung hatte. Der schnelle Diekmeier brachte anfänglich Schwung auf der rechten Seite. Und der HSV erspielte sich weitere Chancen. Jansen freistehend aus 16 Metern drüber (49.), Guerrero, nachdem Benaglio den Ball fallen ließ (50.) und Jansen nach einer flachen Hereingabe von Aogo (52.) vergaben allerdings – bis Kacar eine Idee hatte. Der Serbe spielte einen Doppelpass mit Guerrero am Sechzehner und legte direkt weiter auf den startenden Petric, der mit einem gefühlvollen Lupfer das 1:1 besorgte.

Der Startschuss zur Aufholjagd – dachte sich auch Fink, der mit Armbewegungen das Publikum heiß zu machen versuchte. Und in der 57.Minute hatte Jansen sogar die Chance, das 2:1 zu erzielen – oder erzielen zu lassen, wenn er den in der Mitte freistehenden Petric gesehen hätte. So aber klärte Benaglio zur Ecke und die Partei verflachte zunächst. Der HSV schien sich totgelaufen zu haben, hatte vor dem Tor kaum Ideen, während sich Wolfsburg noch immer auf vereinzelte Konter. Und hatte die beste Chance durch Kyrgiakos, dessen Kopfball Petric für seinen bereits geschlagenen Torhüter Drobny klärte (71.).

Und auch wenn Aogo in der 87. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß hatte – das war nicht das versprochene Feuerwerk. Über die linke Seite kam in der zweiten Hälfte nur deshalb mehr, weil in der ersten Halbzeit gar nichts kam. Dass Jansen erst in der 85. Minute für den zuletzt durchaus agilen Lam den Platz verlassen musste – er darf es als Geste des Trainers verstanden wissen.

Aber Jansen war damit nicht allein. Auch Töre wirkte unglücklich. Der Deutsch-Türke agierte in der ersten Hälfte als freier Mann überall und nirgendwo. Das Zentrum mit Kacar und dem sehr aggressiven aber eben auch oft zu ungestümen Rincon war defensiv okay – aber offensiv bis auf die eine Szene vor dem 1:1 ohne Wirkung. Vorne hatte Guerrero in der ersten Hälfte zwei, drei gute Szenen – allerdings ohne die große Torgefahr zu erzeigen. Ebenso wie Petric – der allerdings einen Geistesblitz hatte, traf und damit zumindest effektiv war.

Auch Jaroslav Drobny zeigte, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Der Tscheche wirkte bis auf einen riskanten Pass in der ersten Hälfte (25.) sicher. Beim Rauslaufen wie in der Luft und auf der Linie – Drobny hielt, was zu halten war.

Selbst Fink, der nach Schlusspfiff applaudierte und seine Spieler beglückwünschte, weiß, dass er noch eine Menge Arbeit vor sich hat. Und dabei wartet schon am Dienstag im DFB-Pokal in Trier die nächste schwere Aufgabe auf den Bundesliga-Trainer-Debütanten. Ein Spiel, in dem der HSV dominieren muss, um seinen eigenen Ansprüchen auch nur annähernd gerecht zu werden.

In diesem Sinne, irgendwie bin ich frustriert. Nicht allein, weil mir mein Rechner mal wieder das Leben unnötig hektisch und schwer gemacht hat. Nein, dieses Unentschieden war nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir haben zwar den letzten Tabellenplatz verlassen (übrigens war das schon durch Freiburgs Niederlage vor dem Spiel so) – aber wir haben eine große Chance liegengelassen. Heute war mehr drin. Oder besser: es wäre mehr drin gewesen, wenn der HSV offensiv einfallsreicher gewesen und vor allem zielgenauer im Abschluss gewesen wäre.

Ihr seht, ein Konjunktiv jagt den nächsten. Am Ende bleibt ein Punkt. Zu wenig. Da helfen mir auch die lobenden Worte von Wolfsburgs Trainer Felix Magath nicht, der ein “starken HSV” gesehen hat und mit dem Punktgewinn “mehr als zufrieden war”. Zumal mir sein zufriedenes Grinsen erneut verdeutlichte, dass hier und heute für den HSV mehr drin war. Dennoch, Ehre, wem Ehre gebührt, das Schlusswort hat Thorsten Fink: “Ich bin mt dem Spiel sehr, sehr zufrieden. Gerade nach dem Schock hat die Mannschaft gezeigt, was sie als Mannschaft kann. Sie hat Leidenschaft gezeigt, Ballbesitz gehabt – aber leider waren wir im Abschluss nicht ganz so glücklich. Ich bin nicht zufreiden mit der Punkteausbeute – aber mit der Art und Weise. Wenn wir so weiterspielen, werden wir da unten schon bald wieder rauskommen.”

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle


Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Drobny – Westermann, Bruma, Rajkovic (46.Diekmeier), Aogo – Kacar (79.Tesche), Rincon – Töre, Jansen (86.Lam) – Petric, Guerrero

VfL Wolfsburg: Benaglio – M. Schäfer, Kyrgiakos, Thoelke, Hasebe – Träsch, Josué (79.Hitzlsperger) – Ochs, Koo, Dejagah (55.Salihamidzic) – Mandzukic

Tore: 0:1 Mandzukic (2.), 1:1 Petric (56.)
Zuschauer: 54.378
Schiedsrichter: Günter Perö (Pullach)
Gelbe Karten: Rajkovic (28.), Kacar (38.) / Träsch (79.)