Tagesarchiv für den 19. Oktober 2011

6:0 gegen die U23 – Ilicevic fällt drei Wochen aus

19. Oktober 2011

Es konnte ja nicht nur gut laufen. Ein Sieg in Freiburg, Drobnys Rückkehr zu starker Form, ein neuer Trainer mit dem Prädikat Hoffnungsträger sowie ein Zugang, der bei seiner Premiere gleich trifft. Es passte zuletzt alles. Auch für Ivo Ilicevic, der jetzt einen Rückschlag hinnehmen musste. Auf der HSV-Homepage heißt es: „Ivo Ilicevic muss nach dem überzeugenden Einstand beim Auswärtsspiel gegen Freiburg einen Rückschlag verkraften. Der HSV-Offensivspieler zog sich beim gestrigen Training einen Muskelfaserriss zu und wird voraussichtlich drei Wochen ausfallen.“ Also doch mehr als die gestern noch offiziell kommunizierte „reine Vorsichtsmaßnahme“ bei dem vier Millionen Euro teuren Zugang vom 1. FC Kaiserslautern, der nach fünf Wochen und somit vier Spielen Sperre auf dem Weg in die Stammelf war.

Ein bitterer Ausfall.

Aber gut, Jammern nützt nichts. Letztlich ist es auch nicht mehr als ein einzelner Spieler, der ausfällt – und bei aller wahrlich meinerseits hohen sportlichen Wertschätzung ganz sicher kompensiert werden kann. Wie heute im Testspiel. Da machte Marcell Jansen über die linke Seite mächtig Dampf. Der ehemalige Bayern-Profi könnte einer der großen Profiteure des Trainerwechsels werden. Immerhin scheint Thorsten Fink eine Menge von dem Nationalspieler zu halten. „Über Marcells Qualität brauchen wir nicht mehr zu reden. Er ist Nationalspieler und hat seine Qualität schon genug bewiesen“, so Fink.

Zweiter Profiteur von Fink scheint nach dem heutigen Vormittagstraining sowie dem Testspiel gegen die eigene U23 Paolo Guerrero zu werden. Von dem hält Fink eine ganze Menge, wie er uns im ersten Gespräch am Montag bereits erläuterte. Und der Peruaner scheint für den neuen HSV-Trainer erste Wahl als Partner des (immer noch) gesetzten Mladen Petric zu sein.

Im Testkick am Nachmittag klappte das Zusammenspiel Petrics und Guerreros insbesondere mit Flanlkengeber Jansen sehr gut. Auch Jansens Kompagnon auf rechts, Gökhan Töre, hatte gute Szenen – allerdings nur bis zur 15. Minute. Nach einem Laufduell mit Muhamed Besic fasste sich der Deutsch-Türke an den linken Oberschenkel – und musste ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose wurde noch nicht getroffen, stattdessen blieb HSV-Sprecher Lars Wegener nichts anderes übrig, als den Text von Ilicevic zu wiederholen: „Leichte muskuläre Probleme“, so Wegener, der sich natürlich zu 100 Prozent auf die Mannschaftsärzte verlassen muss. Und die bezeichneten die Auswechslung als „eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Hoffen wir nur, dass dieser Wortlaut kein schlechtes Omen ist.

Alles andere als schlecht fand Thorsten Fink den heutigen 6:0-Sieg seiner Profis gegen die eigenen Amateure. Gegen den überforderten Nachwuchs erspielten sich die „Finken“ gute Tormöglichkeiten. Jansen traf nach einer schönen Petric-Vorlage per Direktabnahme nur die Latte (2.), ehe Heiko Westermann nach einer Ecke per Kopf das 1:0 (6.) besorgte. Diese hatte Töre getreten, der in der 15. Minute gegen Michael Mancienne ausgewechselt wurde. Dieser wiederum übernahm den Posten des zweiten Innenverteidigers neben Jeffrey Bruma, während Westermann rechts in die Viererkette rückte und Dennis Diekmeier auf Töres Position ins rechte Mittelfeld rückte. Nachdem anschließend Petric nach einer Aogo-Flanke das 2:0 besorgt hatte (21.), ließen Guerrero und Diekmeier vor rund 800 Zuschauer zwei so genannte Hundertprozentige liegen.

In der Halbzeit wechselten beide Mannschaften komplett – wobei bei den Profis Mancienne und bei der U23 deren bester Akteur, Muhamed Besic sowie Profileihgabe Tom Mickel (verlängerte seinen Vertrag heute bis 2013) zunächst weiterspielten. Und es dauerte nicht lang, da hatte der HSV gegen den bemühten, aber chancenlosen Nachwuchs nachgelegt. Jacopo Sala, der im rechten Mittelfeld auflief, legte flach in den Sechzehner, wo Marcus Berg kein Problem hatte, per Direktabnahme das 3:0 zu besorgen (56.). Und nachdem Daniel Nagy für die regionalliga-Mannschaft die erste und einzige Torchance knapp verzog (57.), zeigte Zhi Gin Lam seinem neuen Chef, weshalb dessen Vorgänger auf ihn gesetzt hatte und schloss ein beherztes 40-Meter-Solo mit dem 4:0 (71.) ab. Sechs Minuten später revanchierte sich Berg bei seinem Vorlagengeber Sals, der aus kurzer Distanz nur zum 5:0 (77.) einschieben musste. Vier Minuten vor dem Ende der 90 von Hamburgs bestem Schiedsrichter Patrick Ittrich geleiteten Minuten traf Son zum 6:0-Endstand (84.). „Man sieht, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben, die Automatismen kommen nicht von heute auf morgen“, resümierte Fink, der dennoch zufrieden war: „Alle Mannschaftsteile haben mir gut gefallen.“

Auffällig für mich war neben dem flüssigen Kombinationsspiel und einem starken Marcell Jansen in der ersten Hälfte, dass Sobodan Rajkovic sein erstes kleines Tal zu durchlaufen scheint. Schon vor dem Spiel, in dem er nur in der B-Elf in der zweiten Halbzeit aufgeboten wurde, hatte der sympathische Abwehrrecke in unserer Runde und seiner Trauer über die verpasste EM-Teilnahme mit Serbien Ausdruck verliehen. Und, vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch, ich hatte nach seiner Rückkehr vom 0:1 gegen Slowenien und dem daraus resultierenden Aus in der EM-Quali befürchtet, dass Rajkovic einen mentalen Knacks erlitten haben könnte. Und wie im Freiburg-Spiel an der einen oder anderen Stelle zu merken war, hatte Rajkovic heute nichts furchteinflößendes. Er machte keine Fehler, aber die Körpersprache des Zugangs vom FC Chelsea war alles andere als von Selbstvertrauen geprägt. Rajkovic ist momentan leider weit davon entfernt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Was ich sehr schade finde, hatte der Serbe doch einen blitzsauberen Start hingelegt. „Die Aufstellungen haben nichts mit A- und B-Elf zu tun“, versuchte uns Fink heute nach dem Test zu erklären und fügte hinzu: „Wir wollen nicht zu viel in diesen drei Tagen bis zum Spiel verändern.“ – zumindest ein Hoffnungsschimmer für Rajkovic.

Angst und Schrecken hatte zuletzt Jaroslav Drobny verbreitet – allerdings (Achtung, Sarkasmus!!) mehr in den eigenen Reihen denn bei den gegnerischen Stürmern. Seit dem Hertha-Spiel, in dem der Tscheche das erste Mal patzte, schwieg er. Und das wollte er auch nach dem zweifellos sehr guten Spiel in Freiburg so beibehalten. Nach Feiern war ihm nicht, die Komplimente vom neuen Trainer wie von den Teamkollegen prallten an ihm ab. Der am Dienstag 32 Jahre alt gewordene Torhüter weiß inzwischen, wie viel Wert Schulterklopfer haben. Drobny hat in den letzten für ihn zweifellos sehr schwierigen Wochen sehr gut kanalisieren können, wer zu im hält und wer nicht.

Dennoch ließ er sich heute zu dem einen oder anderen Zitat überreden. Bei der Übergabe des Vereins-Ehrenamtspreises heute an Blau-Weiß Ellas war er der HSV-Repräsentant. Wie immer mit einer gewinnenden Freundlichkeit lächelte er für die Fotografen, schrieb Autogramme. Wie wichtig die gute Leistung in Freiburg für ihn persönlich war? „Das war schön. Aber wir spielen als eine Mannschaft, jeder einzelne ist mal besser und mal nicht so gut. Die Mannschaftsleistung entscheidet, und dafür war das Freiburg-Spiel ein guter Start.“

Und während Thorsten Fink nach zuletzt zwei Siegen aus drei Spielen und zwei Heimspielen vor der Brust von einer kleinen Serie träumt, bevorzugt Drobny die Politik der kleinen Schritte: „Es war gut, der Sieg gerade deshalb so schön, weil wir ihn geholt haben, obwohl wir nicht besser waren.“ Und der neue Trainer? Welchen Einfluss hat Fink schon auf die Mannschaft? „Wir hatten erst zwei Trainingseinheiten, da ist es schwer, etwas dazu zu sagen. Wir wissen, dass er in Basel sehr erfolgreich gearbeitet hat und eine Philosophie hat. Er ist der Chef – und wir machen, was er uns vorgibt.“

Klingt gut. Zumindest war Finks Gleichung („Wenn die Mannschaft macht, was ich ihr vorgebe, wird sie Erfolg haben“) entsprechend optimistisch.

In diesem Sinne, aller guten Dinge sind drei. Hoffen wir darauf, dass die Siege in Freiburg und heute am Sonnabend gegen Felix Magaths Wolfsburger eine Fortsetzung findet.

Bis morgen,

Scholle (19.36 Uhr)

Kurz notiert:

Training: Am Donnerstag wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Neuzugang: Das neue Trainerteam von Cheftrainer Thorsten Fink nimmt weiter Formen an. Konditions- und Athletiktrainer Nikola Vidovic wechselt mit sofortiger vom FC Basel zum HSV. Der Kroate arbeitete bereits in Ingolstadt an der Seite von Fink.