Tagesarchiv für den 15. Oktober 2011

Arnesen streicht Castelen – Ilicevic vorerst im Kader

15. Oktober 2011

Er hatte es schwer. Selbst nach dem außergewöhnlich langen (allerdings nicht zu intensiven) knapp zweistündigen Abschlusstraining heute wusste Frank Arnesen noch immer nicht, wen er aus dem Kader streichen sollte. Und das knapp 50 Minuten (!!), bevor es per Flieger Richtung Freiburg ging. Letztlich aber traf es dann zwei, die man erwarten konnte – Michael Mancienne (Anfang der Woche noch verletzt) und Marcus Berg (im Moment nur Stürmer Nummer vier). Und einen – über den sich der HSV II ärgern wird: Romeo Castelen. Denn der Niederländer hätte der eigenen Regionalligamannschaft sicher sehr helfen können, vielleicht sogar die heutige 1:3-Auswärtsniederlage des Bundesliga-Nachwuchses bei der Zweiten von Hannover 96 verhindern können. Aber wie gesagt – Arnesen traf seine Entscheidung erst in allerletzter Sekunde. Und die Bundesligamannschaft hat nun mal Priorität.

Dennoch kann ich nur hoffen, dass sich der HSV das letzte Mal an diesem Wochenende darüber ärgert, dass Castelen nicht dabei ist. Denn in den Trainingseinheiten war der Niederländer sicher auffälliger als seine Konkurrenz. Aber Arnesen, der vorsichtshalber 19 Spieler mit nach Freiburg nahm, entschied sich dafür, neben Töre, Lam und Jansen den seit dieser Woche wieder gesunden und erstmals einsetzbaren Ivo Ilicevic als potenziellen Außenbahnspieler mitzunehmen.

Auf die Startelf hat diese Personalentscheidung eh keinen Einfluss. Dennoch verändert sich diese voraussichtlich auf zwei Positionen. Beide Südamerikaner im Team, Paolo Guerrero und der erst am Freitag spät zurückgekehrte Tomas Rincon müssen voraussichtlich ihre Plätze räumen. Heute im Abschlusstraining ließen Arnesen und Rodolfo Cardoso für mich ziemlich überraschend Gojko Kacar als zweiten Sechser neben Robert Tesche auflaufen. Heung Min Son agierte derweil als hängende Spitze für Guerrero, der wie Rincon ohne Leibchen im B-Team auflief.

Ansonsten blieb alles beim Alten. Drobny im Tor mit der Viererkette (von rechts nach links) Westermann, Bruma, Rajkovic, Aogo. Vor den beiden Sechsern agierten Zhi Gin Lam rechts, Son zentral und Gökhan Töre links im Mittelfeld hinter der einzigen echten Spitze Mladen Petric. „Wir müssen nicht viel ändern, sondern eher versuchen, die guten Leistungen der Vorwochen zu bestätigen“, hatte Westermann appelliert, nicht wissend, dass ein Sieg in Freiburg bald schon historisches Ausmaß haben könnte. Denn der letzte Erfolg im Breisgau resultierte aus dem März 2000. Damals gewann der HSV mit 2:0. Doppeltorschütze: Rodolf Cardoso.

„Echt? Seitdem haben wir da nicht mehr gewonnen? Das überrascht mich jetzt“, zeigte sich der Noch-Cotrainer erstaunt. Allerdings wich das Staunen schnell der freudigen Erinnerung: „Ich erinnere mich noch gut an das Spiel. Damals stand unser Torwarttrainer in der Regionalliga, Richard Golz noch bei denen im Tor. Und ich habe ihm zwei direkte Freistöße eingeschenkt. Das war super.“ Das Einzige, worüber sich Cardoso noch mehr freuen würde, wäre ein Sieg am morgigen Sonntag. In seinem letzten Spiel als HSV-(Co-)Trainer. Denn das gilt als beschlossen. Zwar kann ich nach meinem Kenntnisstand nicht die Meldungen meiner Kollegen bestätigen, die es als perfekt vermeldeten, dass Thorsten Fink seinen Cotrainer Patrick Rahmen mitbringt. Vielmehr habe ich gehört, dass Fink das zwar möchte, Basel aber bisher de Freigabe verweigert.

Klarer ist allerdings, dass Cardoso nicht Cotrainer bleibt. Schon weil er es selbst nicht will. Der Argentinier mit dem bislang so treffsicheren Bauchgefühl will und wird aller Voraussicht nach in die Zweite zurückkehren und dort wieder den Cheftrainerposten von Interims-Chef Soner Uysal übernehmen. „Mein Ziel ist ganz klar, Cheftrainer zu werden in der Bundesliga“, hatte Cardoso vor Wochen angekündigt. Zwar wollte er sich heute nicht noch mal explizit zu diesem Thema äußern („Ich will nichts und niemandem vorgreifen“) – aber seine Blicke und Gesten machten deutlich, dass er als Cotrainer nicht weiterarbeiten möchte. Leider. Oder eben zum Glück – für die Zweite…

Am Montag vor dem Auslauftraining um zehn Uhr will Fink seine erste Ansprache an die Mannschaft halten. Am Mittwoch will sich der Neue dann mit seinem Trainerteam zusammensetzen, Entscheidungen bekanntgeben und entsprechend ab Donnerstag mit seinem (neuen?) Kompetenzteam zusammenarbeiten. Von daher erspare ich uns und vor allem den Betroffenen hier Personalspekulationen. Ich glaube, für die aktuell anwesenden Assistenztrainer wie Frank Heinemann, Ronny Teuber, Günter Kern oder auch Markus Günther ist die unklare Situation belastend genug.

Zudem gibt es schönere und erfreulichere Themen. Obwohl Augsburg etwas glücklich in Mainz gewonnen hat und der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz für den HSV wieder schwerer wird. Sollte Lautern gleich beim FC Schalke gewinnen (Spiel war bei fertigstellung dieses Blogs noch nicht beendet – nicht mal angepfiffen), müssten wir uns sogar auf sicher noch eine Woche genügen. Mehr allerdings auch nicht – hoffe ich…

In diesem Sinne, uns und vor allem Euch noch einen schönen Rest-Sonnabend und ein schönes, erfolgreiches Spiel morgen in Freiburg. Ich melde mich im Anschluss an den 3:1-Erfolg (Tore: 1:0 Cissé, 1:1 Son, 1:2 Petric, 1:3 Ilicevic – sollte der nicht spielen, trifft Tesche).

Ihr seht, ich träume ein wenig. Aber das muss einfach mal erlaubt sein. Macht einfach auch Spaß. Zumal, wenn man so berechtigt hoffen darf wie wir alle zusammen im Moment.

Bis morgen,
Scholle (18.14 Uhr)

P.S.: Apropos Träumen: Heute nach dem Training habe ich unserem Sportchef und Cheftrainer in Personalunion ein Versprechen abringen können. Sollte der HSV am Saisonende noch bis in die internationalen Plätze klettern können, wird Frank Arnesen seine vor 25 Jahren gezeigten Gesangskünste nach zu einem geeigneten Zeitpunkt vor oder nach einem Heimspiel in der Imtech-Arena live aufleben lassen. Offen ist nur, ob er dann auch den wunderschönen Pulli aus dem Video von „En for alle – alle for en“ tragen wird…