Tagesarchiv für den 14. Oktober 2011

Ilicevic vor seinem Debüt: “Wir können alle schlagen”

14. Oktober 2011

Der heutige Blog wird wahrscheinlich kürzer als sonst. Weil es nicht so viel Neues gibt wie noch in den letzten Tagen und Wochen. Und wisst Ihr was?

Das ist ein gutes Zeichen!

Es ist ein richtig gutes Zeichen Zeichen dafür, dass sich der HSV darauf besinnt, seine Baustellen zu schließen. Eine nach der anderen. Und inzwischen ist es tatsächlich so, das mehr gelöst wird und wurde, als neue Baustellen aufgemacht werden. Der HSV kommt zur Ruhe. Und das tut dem Kerngeschäft gut. Siehe Stuttgart und Schalke. Und das wiederum verbreitet überall gute Stimmung. Bei den Fans, im Verein, innerhalb der Mannschaft. Ergo: Der HSV ist wieder da. Endlich. Und keinen Tag zu früh.

„Als ich zurückkam, waren alle richtig gut drauf“, freute sich heute Heung Min Son. Nichts Besonderes sagt Ihr jetzt wahrscheinlich. Aber das ist es doch. Zumindest, wenn man weiß, das sich der Südkoreaner eigentlich nie zu Stimmungen innerhalb der Mannschaft äußert. Und vor allem scheint die Meinung des sympathischen Jungstürmers repräsentativ zu sein. Selbst Spieler wie David Jarolim oder Dennis Diekmeier, die erst einmal hinten an stehen und aktuell für ihre Verhältnisse ungewohnt wenig Einsatzzeiten haben, bestätigen die positive Stimmung. Eine Art Aufbruchsstimmung macht sich breit – mit verschiedenen Ausgangspunkten.

Da wäre zunächst sicher die gelöste Trainerfindung. Thorsten Fink erhält von allen (auch von Euch und ausdrücklich auch von mir hier im Blog) eine Menge Vorschusslorbeeren. Am Sonntag landet der neue Trainer in Hamburg, nachdem er sich in Basel das HSV-Spiel, den 3:1-Sieg seiner neuen Mannschaft beim SC Freiburg via TV live angesehen hat. „Man hört nur Gutes“, sagt auch Ivo Ilicevic. „Fink soll ein junger, dynamischer Trainer sein, der sehr viel Wert auf Offensivfußball und dominantes Spiel legt.“ Der Kroate, der gegen Freiburg aller Voraussicht nach das erste Mal seit seinem Wechsel aus Kaiserslautern nach Hamburg im Kader stehen wird, freut sich auch für sich selbst: „Der neue Trainer soll auf das Spiel über die Außen setzen – was mir besonders entgegenkommt.“

Aber vor allem de letzten Auftritte gegen Stuttgart und auch die unglückliche Niederlage gegen Schalke haben gezeigt, das der HSV guten Fußball spielen kann. „Es wird nicht viele Änderungen geben müssen“, sagt Frank Arnesen, der in Freiburg zum ersten und vermeintlich auch letzten Mal als Teamchef auf der Bank die Hauptverantwortung tragen wird. Und im Training heute deutete auch nicht viel auf personelle Umstellung hin. Und während Tomas Rincon noch auf dem Rückweg aus Südamerika war, mischte Paolo Guerrero wie auch Jansen, Jarolim und Ilicevic im potenziellen B-Team mit. Der peruanische Angreifer wurde durch Son ersetzt.

Ob Son von einer Startelfnominierung ausgeht? Der Südkoreaner lächelt verschmitzt, alles deutet auf ein „Ja“ hin. Dennoch sagt er. „Ich weiß es nicht, niemand hat mit mir gesprochen. Aber ich wäre bereit.“

Genauso wie Ilicevic. Nach seiner Vier-Spiele Sperre, dien er abgesessen hat, plagten den Offensivspieler Leistenprobleme. Erst seit einer Woche konnte der schnelle, dribbelstarke Rechtsfuß wieder mit der Mannschaft trainieren. Dennoch hofft er auf seine Premiere. „Ich habe kaum mit der Mannschaft trainiert. Und wenn, dann fehlten die Nationalspieler. Aber ich hatte kein Probleme mehr, ich fühle mich körperlich gut. Ich würde mir sogar einen Einsatz von Beginn an zutrauen.“ Dass es den wohl noch nicht geben wird, ist nachvollziehbar. Dennoch stellt Ilicevic für Arnesen eine gute Alternative für die linke Außenbahn dar. Trotz der Konkurrenz mit Töre und Jansen setzt Ilicevic auf sich. „Wenn ich bei 100 Prozent bin, habe ich Selbstvertrauen genug, mich jedem Konkurrenzkampf zu stellen. Ich weiß, dass ich spiele, wenn ich meine Leistung bringe.“

Die Voraussetzungen dafür sind inzwischen – wie oben bereits erwähnt – besser denn je (in dieser Saison). Ilicevic wurde gut aufgenommen. Und er schwärmt von seinen neuen Kollegen. „Es ist schon unglaublich, wie gut die Stimmung hier ist. Wir glauben wieder an uns, haben neues Selbstvertrauen. Und das merkt man auch im Training.“ Der bisherige Zuschauer hat vor dem „Schlüsselspiel“, wie er es nennt, ein gutes Gefühl: „Wenn wir unsere Chancenverwertung verbessern, können wir alle schlagen.“ Auch und vor allem: Freiburg am Sonntag. Denn wenn parallel Augsburg und Mainz sich gegenseitig die Punkte nehmen, könnte der SV durch einen Sieg im Breisgau tatsächlich die Abstiegsplätze verlassen. Und Coach Arnesen mit einer 100-Prozent-Siegesquote als Cheftrainer zum „erfolgreichsten“ HSV-Trainer aller Zeiten machen. Und das vor dem ersten Auftritt mit dem neuen Trainer, der sich bewusst nicht im Freiburger Stadion aufhalten wird, „weil ich keine unnötige Unruhe stiften will“.

Dabei möchte ich diesen und eventuell auch noch die nächsten zwei Blogs nutzen, um Rodolfo Cardoso ausdrücklich zu loben. Der Argentinier hat da weitergemacht, wo er im Nachwuchs aufgehört hat: er hat seine jeweilige Mannschaft besser gemacht. Ein Indiz für einen guten Trainer, auch wenn der weniger durch Scheine und bestandene Trainerprüfungen glänzt. „Rodolfo kann man schwer greifen. Er macht einfach. Und das macht er richtig“, hat mir zu Beginn seiner Beförderung sein Trainer-Entdecker Dietmar Beiersdorfer gesagt. Der ehemalige Sportchef war voll des Lobes für den privat oft etwas verplant wirkenden Ex-Zehner mit dem guten Bauchgefühl. Und er hat nicht übertrieben. Im Gegenteil.

Deshalb hoffe ich bis zuletzt auf das, was es nach meinen Informationen nicht geben wird: das Cardoso auch unter Fink dem Profi-Trainerteam erhalten bleibt.

In diesem Sinne, jetzt ist der Blog doch länger geworden, als ich anfangs gedacht habe. Aber so ist das eben, wenn man so positive Dinge erfährt und sieht, wie im Moment: man schreibt, und schreibt, und schreibt. Und das mit immer mehr Spaß am Inhalt.

Apropos Spaß: die machen auch Eure Posts. Macht so weiter wie in den letzten Tagen. Das war mit bedacht, mit Respekt, konstruktiv und auch mal sehr kritisch. Dass es dabei Ausbrüche nach oben und nach unten gibt, sollte uns eigentlich nur dabei helfen, die Relationen zwischen dem Guten und dem Sinnfreien weiterhin zu erkennen. Mehr nicht.

In diesem Sinne, bei allem Pöbeln der letzten Wochen muss ich hier einmal ein Kompliment loswerden: So macht dieser Blog wieder richtig Spaß. Weiter so!

Bis morgen,
Scholle (18.27 Uhr)

„KURZ“ NOTIERT:

RÜCKKEHR: Tomas Rincon ist am Freitagnachmittag in Hamburg gelandet und absolvierte eine individuelle Einheit. Der Venezolaner soll morgen am nichtöffentlichen Training teilnehmen und anschließend mit nach Freiburg reisen.

STATISTIK: Ein paar interessante Statistiken (Quelle: www.hsv.de):

Auch wenn die BL-Bilanz mit 11-5 Siegen (8 Remis) klar für Hamburg spricht, gewannen die Breisgauer in der Vorsaison beide Spiele gegen die Hanseaten – und das sogar zu Null (1-0 H, 2-0 A – alle 3 Tore schoss Papiss Demba Cisse).

Zu Hause ist Freiburg seit 6 BL-Partien ungeschlagen den HSV (2 Siege, 4 Re¬mis). Der letzte HSV-Sieg beim SCF liegt schon über 11 Jahre zurück: Im März 2000 gewannen die Hanseaten durch einen Doppelpack von Rodolfo Cardoso mit 2-0.

Der BL-Dino gewann nur 1 der letzten 15 BL-Spiele (6 Remis, 8 Pleiten). In den letzten 6 Partien blieb der HSV 5-mal ohne Punktgewinn (1 Sieg).

Mit dem SC Freiburg (22 Gegentore) und dem HSV (20) treffen die beiden schlech- testen Defensiven dieser Bundesliga-Saison aufeinander. Beide Teams kassierten schon 6 Kopfball-Gegentore – kein anderes BL-Team mehr als 3!

Der HSV wartet seit 12 BL-Spielen auf ein Zu-Null-Spiel – zuletzt gab es eine solche Durststrecke 2009 (da¬mals 14 BL-Spiele ohne Weiße Weste). Nur der 1. FCK blieb in dieser Saison ebenfalls noch nicht ohne Gegentor.

Der HSV steht am 5. Spieltag in Folge am Tabellenende – das gab es bei den Hanseaten noch nie in der Bundesliga! Nur 1972/73 hatten die Hanseaten nach 8 Spielen noch weniger Punkte gesammelt (3) als aktuell (4) – am Ende stand Platz 14.

In Frank Arnesen sitzt schon der 3. (Interims-)Trainer in dieser Saison bei Hamburg auf der Bank. Seinen 4 Vorgängern (Cardoso, Oenning, Veh, Moniz) gelang jeweils ein Sieg zum Einstand. Der letzte Trainer, der bei seinem Debüt auf der HSV-Bank keinen Dreier holte, war Labbadia (1-1 in Freiburg).

Papiss Demba Cisse erzielte 6 der 13 Freiburger Tore. Bei beiden Saisonsiegen ging der Senegalese jedoch leer aus – wenn er traf, konnte Freiburg also noch nicht gewinnen (1 Remis, 4 Niederlagen).

Hamburgs Dennis Aogo absolvierte von 2004 bis 2008 15 BL- und 79 Zweitliga- Einsätze für den SCF. Der Freiburger Anton Putsila kam in der Saison 2007/08 immerhin auf 3 BL-Einsätze bei den Hanseaten.

INTERVIEW: Der SID führte noch mal ein Interview mit Fink, das zwar nicht allzu viel Neues enthält, was ich Euch aber nicht vorenthalten wollte. Deshalb – guckt Ihr hier…:

SID: „Herr Fink, sie haben beim Hamburger SV einen Vertrag bis
2014 unterschrieben. Wie lauten ihre Ziele mit dem Verein?“
Thorsten Fink: „Natürlich wollen wir jetzt nicht sofort Meister werden, aber die Mannschaft hat großes Potenzial für die Zukunft. Zunächst müssen wir aber so schnell wie möglich aus dem Tabellenkeller kommen.“

SID: „Zurzeit steht der HSV auf dem letzten Tabellenplatz. Was stimmt sie zuversichtlich, schnell aus der Abstiegszone zu klettern?“
Thorsten Fink: „Der HSV ist viel stärker als viele Klubs in der Bundesliga, deswegen mache ich mir keine Sorgen, dass wir absteigen. Ich freue mich total auf die Arbeit mit der Mannschaft und dem gesamten Umfeld. Ich sehe der Aufgabe sehr positiv entgegen.“

Frage: „Werden Sie beim Spiel des Hamburger SV am Sonntag in Freiburg im Stadion sein?“
Fink: „Nein. Wir haben besprochen, dass ich nicht vor Ort sein werde. Ich möchte nicht für unnötige Unruhe sorgen. Ich werde mir das Spiel im Fernsehen ansehen.“

Frage: „Wann kommen Sie nach Hamburg?“
Fink: „Ich komme am Sonntag hoch und werde erst mal im Hotel unterkommen. Vor meiner offiziellen Vorstellung am Montag werde ich noch einige Gespräche führen. Meine Familie wird dann so schnell es geht nachkommen.“