Tagesarchiv für den 12. Oktober 2011

Fink: In Basel laufen bereits die Verhandlungen

12. Oktober 2011

Carl-Edgar Jarchow ist sich sicher. Und entsprechend offensiv geht der Vorstandsboss voran, äußert sich gegenüber meinen Kollegen von Sport1 eindeutig auf die Frage, wie weit die Verhandlungen mit Thorsten Fink vorangeschritten sind: „Wir sind uns sicher, dass es klappen wird! Wir wissen von Thorsten Fink, dass man ihm versprochen hat, ihn freizugeben wenn eines Tages ein größerer Bundesligaklub kommt. Das hat man nicht vertraglich fixiert, aber ihm zugesagt.“

Worte, die bei Zynikern (zu denen ich mich nicht zähle) Böses erahnen lassen, gemessen an der letzten derartig klaren Verkündung von Matthias „Ich-hatte-doch-noch-gar-nicht-ganz-total-voll-und-ohne-klippo-endgültig-endgültig-zugesagt“ Sammer als neuen Sportchef. Allerdings scheint es diesmal anders. Zumindest sagen das die Protagonisten, die nach der vorzeitigen Rückkehr des Basel-Präsidenten Bernhard Heusler schon heute in die Verhandlungen eingetreten sind. Zunächst geht es um einen möglichen Auflösungsvertrag zwischen Basel und Fink. Zudem ist der FC Basel, der angeblich den ehemaligen Stuttgart-Profi Murat Yakin (37, derzeit Trainer beim FC Luzern) als Fink-Nachfolger holen will, um eine Interimslösung aus den eigenen Reihen bemüht. Und erst wenn all diese Dinge geklärt sind, soll der HSV in die Verhandlungen einsteigen.

Und das mit einer naturgemäß besseren Ausgangslage für die Baseler. Die werden ihren Trainer nicht so einfach ziehen lassen, wollen eine ordentliche Ablösesumme, über dessen Höhe man derzeit nur spekulieren kann.

Allerdings ist die Uhr inzwischen so weit vorgedreht, dass auch Basel nicht mehr auf den Ist-Zustand setzen kann und will. Was sollte ein Champions-League-Teilnehmer auch mit einem Trainer für große Ziele verfolgen, wenn der nach eigener Aussage lieber woanders wäre? Dies wiederum ist ein Zustand, der die Verhandlungsbasis des HSV leicht verbessern und den Preis zumindest ein wenig drücken wird.

Nicht zwingend preisreduzierend sind da die weiteren Ausführungen Jarchows, die unterstreichen, wie sehr festgelegt der HSV auf den Trainer ist, über dessen vorläufiges Trainerschicksal der FC Basel dank dessen Vertrages bis 2013 nach Belieben entscheiden kann. Jarchow: „Es gibt in dem Sinne keinen Plan B, weil wir es uns zum Prinzip gemacht haben, nicht mit mehr als einem zurzeit definitiv zu verhandeln. Das heißt, sie können nicht mit jemandem über eine Vertragsgestaltung reden und auf der anderen Seite mit zwei, drei anderen das gleiche tun. Das werden wir nicht tun.“ Zudem seien sowohl er als auch der Hauptverhandlungsführer Frank Arnesen restlos überzeugt von Fink: „Von all den Kontakten, die er zu Trainerkandidaten hatte, war er von den Gesprächen mit Thorsten Fink weitaus am überzeugtesten. Wir haben bei ihm einfach das hundertprozentige Vertrauen, dass er eine richtige Lösung für uns ist.“

Und so klar es scheint, dass Fink der Neue wird, so ist der Zeitpunkt weiter unklar. Jarchow: „Da kann und will ich hier keine Prognose abgeben, weil das ausschließlich von den Verhandlungen abhängt – zum einen von Thorsten Fink mit der Vereinsführung des FC Basel, und wenn das geklärt ist, dann im Anschluss von den Verhandlungen zwischen uns und dem FC Basel. Es wird innerhalb dieser Woche, unter anderem auch morgen, Gespräche geben.“ Auch wenn es wider Erwarten doch noch etwas länger dauern sollte, sieht Jarchow kein Problem für den HSV: „Aus unserer Sicht ist das Risiko einer schnellen Lösung, von der wir aber nicht zu hundert Prozent überzeugt sind, sehr viel größer als einen Zeitraum von zwei, drei, vier Wochen zu überbrücken.“

Mit der inzwischen allseits bekannten Lösung Arnesen/Cardoso/Heinemann. Und mit neuem Selbstvertrauen. Zumindest hat es sich Dennis Aogo nach seinen zehn (einsatzlosen) Tagen bei der DFB-Auswahl zur Aufgabe gemacht, das Sieger-Gen der Deutschen Nationalmannschaft beim HSV einzupflanzen. „Für mich war es eine gewonnene Woche“, so der Linksverteidiger, dem von Bundestrainer Jogi Löw bescheinigt wurde, er habe sich im Training empfohlen. Ob es wirklich die beste Nationalmannschaft aller Zeiten ist, fragten wir Aogo, der ob seiner jungen 24 Jahre natürlich nicht mehr die Generation Beckenbauer, Breitner und Co. miterlebt hat. „Deswegen mag ich mir kein Urteil erlauben. Aber klar ist, dass unsere heutige Mannschaft stark ist. Das merkt man schon an der Stimmung innerhalb des Teams. In diesem Team steckt eine Selbstverständlichkeit, dass jede andere Mannschaft geschlagen werden kann. Das ist dieses Bayern-Gen. Siege werden zur Selbstverständlichkeit und es wird eher nach den Kritikpunkten im eigenen Spiel gesucht denn nach Komplimenten gehechelt.“ Der Block Bayern-Profis innerhalb des Teams sei maßgeblich am neuen Selbstvertrauen beteiligt. Das so genannte Bayern-Gen, im deutschen Wortgebrauch fast so etwas wie ein Synonym für Siegergen, sei so auf das DFB-Team übertragen worden. Und ergänzt durch die Real-Madrid-Profis (Aogo: „Die gewinnen ja fast ausschließlich ihre Spiele, die kennen es ja kaum anders“) habe sich eine unglaubliche Siegermentalität eingestellt. „Und ich hoffe“, sagt Aogo, „dass ich davon etwas mitgebracht habe und hier bei uns einpflanzen kann.“

Aogo, den ich darum beneide, dass er jetzt erst anfängt die sensationell spanende Serie „Lost“ zu gucken (ich habe leider schon alle Folgen gesehen), gibt sich selbstbewusst. Er freut sich auf die Partie bei seinem ehemaligen Arbeitgeber und betont, dass die nächsten drei Spiele für den HSV (Freiburg, Wolfsburg, Lautern) immens wichtig seien. „Wir müssen in Freiburg punkten, damit der SC nicht plötzlich auf sechs Punkte davonzieht. Und anschließend zuhause müssen wir zusehen, uns endgültig ins Mittelfeld abzusetzen.“

Und zwar mit oder ohne Fink.

In diesem Sinne, sollte sich heute noch etwas Neues ergeben, werde ich den Blog selbstredend später noch mal ergänzen. Und gegebenenfalls den letzten Satz des Blogs um die beiden Wörter „oder ohne“ erleichtern.

Bis morgen, da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle (19.15 Uhr)

Kurz notiert:

– Michael Mancienne ist am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Ebenso kehrten die Nationalspieler Dennis Aogo, Slobodan Rajkovic sofort ins Mannschaftstraining zurück, während Jaroslav Drobny, Gökhan Töre, Jeffrey Bruma und Muhamed Besic ein individuelles Training absolvierten. Erst am Donnerstag kehren das Südamerika-Duo Paolo Guerrero und Tomas Rincon sowie der Südkoreaner Heung Min Son zurück.