Tagesarchiv für den 11. Oktober 2011

Fink schwärmt vom HSV, Westermann warnt: “Freiburg will uns niederstrecken”

11. Oktober 2011

Seit der Posse um Matthias Sammer ist beim HSV nichts mehr, wie es war. Niemand setzt mehr darauf, dass lange Gespräche mit mündlichen Einigungen auch zwingend in den vermeintlich abgemachten Vertrag münden. Angekündigte Zusammenarbeiten können gekündigt werden – bis zur letzten Sekunde. Deshalb lege ich mich hier heute zwar noch nicht hundertprozentig fest, bleibe aber dabei, dass Thorsten Fink neuer Trainer beim HSV wird. Die Frage ist allerdings noch, ab wann? Und vor allem: lässt der FC Basel seinen Cheftrainer überhaupt ziehen? Und was muss der HSV an den FC zahlen, damit dieser seinen Cheftrainer trotz Vertrages bis 2013 ziehen lässt?

Fragen, die in den nächsten Tagen beantwortet werden sollen. So zumindest heißt es aus Hamburg und der Schweiz. Dem Vernehmen nach soll FC-Präsident Bernhard Heusler am Donnerstag wieder in die Schweiz zurückkehren und umgehend die Gespräche mit Fink und dessen Berater Thomas Kroth aufnehmen. „Richtig ist, dass wir uns mit dem Präsidium zusammensetzen werden, wenn der Präsident wieder da ist. Dann werden wir besprechen und festlegen, wie wir weiter vorgehen“, sagt Fink, „und bis das passiert ist, kann ich nichts anderes sagen, als dass ich Trainer des FC Basel bin und mich voll auf meine Aufgabe konzentriere.“

Was anderes bleibt Fink auch nicht übrig. „Es ist für mich eine sehr schwierige Situation. Auf der einen Seite will ich nicht lügen, auf der anderen Seite kann alles, was ich jetzt sage, mir negativ ausgelegt werden. Deshalb halte ich mich an die Fakten. Und Stand jetzt habe ich einen laufenden Vertrag bis 2013. Ich bin und bleibe also erstmal Trainer beim FC Basel“, sagte mir Fink heute am Telefon. Und nebenbei: Neben dem vorauseilend wirklich sehr guten Ruf als Trainer macht der Ex-Bayern-Profi auf mich einen sehr sympathischen, klaren und zielgerichteten Eindruck. In jedem Satz erwähnte er, dass er seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein muss – aber vor allem, dass er es auch unbedingt sein möchte. Zugleich wollte er mich auch nicht anlügen (was bei Trainern uns Journalisten gegenüber ein durchaus gängiges und manchmal auch nachvollziehbares Stilmittel ist…) und bat um Verständnis, dass er sich nicht sofort öffentlich zum HSV bekennt. Dennoch, ganz ohne sein Interesse für den HSV zu unterstreichen, wollte er dann doch nicht bleiben: „Ich habe immer gesagt, dass der HSV ein toller Klub ist, ganz klar. Es gibt aber noch keinen unterschriebenen Vertrag zwischen dem HSV und mir. Auch wenn es kein Geheimnis ist, dass wir uns unterhalten haben.“

In diesem Gespräch hat Fink beim HSV einen Zweieinhalbjahresvertrag bis 2014 angeboten bekommen. Die Rahmendaten sollen dabei breits abgestimmt sein. Einzig der FC Basel – und das kann ein größeres Hindernis werden als man denkt – muss noch seine Zusage geben. Zudem machte sich kein Geringerer als der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld für einen Verblieb Finks in der Schweiz stark. „Thorsten leistet beim FC Basel großartige Arbeit. Die Erfolge sprechen für sich. Und beim FC Basel weiß man auch, dass man mit Thorsten Fink einen absoluten Spitzentrainer hat, der es versteht, trotz Mehrfachbelastung mit UEFA Champions League, Swiss Football League und Schweizer Cup immer wieder junge Spieler zu fördern und in die erste Mannschaft einzubauen“, sagte er dem Internetportal www.goal.com, „darum wünsche ich mir, dass Thorsten beim FC Basel und somit auch dem Schweizer Fussball erhalten bleibt.“

Und bislang gibt es zumindest noch einen klitzekleinen Funken Hoffnung für Hitzfeld. Immerhin gab es bisher nur eine einzige Ansage aus der Schweiz – und die hat einen Wechsel verneint. Zudem hat der FC Basel, der von der Milliardärin Gisela Oeri massiv unterstütz wird, finanziell keine Notwendigkeiten, was bei der bevorstehenden Ablöseverhandlung zum Nachteil für den HSV werden könnte. Allerdings hat Fink, der keine Ausstiegsklausel in seinem bis 2013 laufenden Vertrag beim FC Basel hat, die mündliche Zusage, dass er bei einem interessanten Angebot aus der Bundesliga die Freigabe erhält. Wenn stimmt, was man mir erzählt hat, wurde damals sogar der HSV als Beispiel für ein solches Angebot genannt.

Egal wie, noch ist Fink nicht da. Noch führen Frank Arnesen und Rodolfo Cardoso die sportlichen Geschicke des HSV. Und im Gegensatz zu gestern machte Arnesen dies heute auch aktiv auf dem Platz. „Vier-, fünfmal hat er uns zusammengerufen und seine Ansagen gemacht. Man merkt, dass er selbst mal ein richtig guter Fußballer war. Er achtet sehr genau auf Details und ist sehr kommunikativ“, lobt Mannschaftskapitän Heiko Westermann den neuen Teamchef, wie sich Arnesen selbst schimpft. Westermann zuversichtlich: „Wir werden hier nicht alles komplett ändern, schließlich wollen wir an unsere letzten Spiele anknüpfen.“

Westermann, der die bundesweit sehr skeptisch betrachtete Trainersuche beim HSV als „sorgfältig und gut überlegt“ verteidigt, hat selbst auch schon den Namen Fink gehört. „Ich habe schon mitbekommen, dass Fink zum Gespräch steht. Aber ich kann mir darüber jetzt keine großen Gedanken machen, weil unser Spiel am Sonntag in Freiburg einfach zu wichtig ist.“ Mahnende Worte, die auch keinen Tag zu früh kommen. Denn bei gerade mal vier Punkten muss der HSV Aufgaben wie Freiburg oder auch anschließend Wolfsburg und Kaiserslautern nutzen, um sich ins Tabellenmittelfeld vorzuarbeiten. Wie das gelingen soll? „Wir werden unsere Philosophie beibehalten“, sagt Westermann und führt aus: „Unsere Schlagrichtung hat sich durch die Veränderung im Trainerteam nicht verändert, wir wollen weiter Fußball spielen. Aber wir wissen auch, dass wir in Freiburg kein schönes Spiel erwarten können. Die Freiburger werden um ihr Leben kämpfen. Denen ist scheißegal, ob wir auf dem Papier die größere Mannschaft sind. Die wollen uns niederstrecken.“

Gut, nun glaube ich, dass Heiko den letzten Satz nicht wörtlich meint. Zumal er im nächsten Satz erklärte, dass das mit sportlchen Mitteln geschehen soll: „Wir werden zunächst den Kampf annehmen müssen und dagegenhalten. Wenn wir das machen, wird über die gesamten 90 Minuten am Ende unsere zweifellos höhere Qualität den Ausschlag geben.“ Eine Qualität, die sich ob der Rückkehrer in den letzten Wochen sowie dem bevorstehenden ersten Einsatz von Zugang Ivo Ilicevic definitiv erhöht hat. „Es sind definitiv wichtige Leute zurück, die den Konkurrenzkampf verstärken. Und das tut uns als Mannschaft sehr gut“, sagt Westermann.

Insbesondere Romeo Castelen wusste dabei in den letzten Tagen und Wochen (auch bei der Regionalliga-Mannschaft) zu überzeugen. „Was der hier abzieht, ist fast schon eine Sensation. Wie schnell und wendig der ist. Und das nach einer so langen Verletzungspause – Wahnsinn!“

Der Niederländer kommt immer besser in Fahrt. Im Training lässt er seine Kollegen und Gegenspieler stehen wie nichts. Einzig konditionell scheint er noch nicht komplett am Leistungslimit, weshalb er nach den Einheiten immer mal wieder Extra-Laufeinheiten einschiebt. „Ich fühle mich endlich wieder fit“, so der pfeilschnelle Rechtsaußen, „aber ein wenig fehlt mir natürlich noch.“ Genau genommen fehlt nach den zwei Jahren Pause ein wenig Kondition. Die holt sich Castelen allerdings langsam und in Sondereinheiten mit Fitnesstrainer Günter Kern zurück. „Er ist brutal zu mir“, lacht Castelen, „aber es bringt mir was.“

Und somit bringt es auch den HSV weiter. „Er wird uns in der Verfassung ganz sicher weiterhelfen“, freut sich Westermann, der gegen Freiburg erneut über rechts verteidigen wird – und damit auch kein Problem hat. Obgleich er bei seinem Wechsel aus Gelsenkirchen nach Hamburg betont hatte, in die Innenverteidigerposition zu gehören. „Im Moment interessiert mich das überhaupt nicht. Mir fehlt nichts. Außer die Punkte.“ Und sobald die kommen, will sich Westermann auch wieder für die Nationalelf empfehlen. „Wie von jedem Fußballprofi ist das natürlich auch mein Ziel. Aber das darf in dieser Situation nicht das Thema sein“, so der Kapitän glaubhaft. „Wir haben andere Probleme.“

In diesem Sinne, lasst uns Probleme lösen! Am besten mit drei Punkten in Freiburg, sowie anschließend mit Siegen zuhause gegen Wolfsburg und Kaiserslautern. Dann wäre es wahrscheinlich uns allen ziemlich sch…egal, ob das mit oder ohne den neuen Trainer passiert…

Obwohl, bevor ich den heutigen Blog abschließe, noch ein ganz wichtiger Gruß. Der kommt von Bernd „Fummel“ Wehmeyer, der nach seinem Herzinfarkt wieder auf dem Weg der Besserung ist. Dieter hatte den sympathischen Klubmanager beim Doppelpass gegrüßt, was diesen nicht nur sehr freute, sondern auch dazu veranlasste, Euch alle hier in Dieters Blog grüßen zu lassen.

Ich schließe mich Fummel einfach mal an und grüße dabei insbesondere den „Master of Grätsche“, der heute seinen 44. Geburtstag feiert.

Bis morgen,
Scholle (18.31 Uhr)

Kurz notiert:

- Am Mittwoch ist um 15 Uhr Training an der Imtech-Arena

- Tolgay Arslan (Knöchelprobleme) und Michael Mancienne (muskuläre Probleme) setzten heute beim Training aus und absolvierten individuelles Krafttraining sowie einen Waldlauf. Und während die beiden gegen Freiburg wohl weiterhin fehlen werden, setzte Ivo Ilicevic nach einer vernünftigen Vormittagseinheit beim Nachmittagstraining vorsichtshalber aus, soll aber am Mittwoch schon wieder mittrainieren können.