Tagesarchiv für den 7. Oktober 2011

Die große Aufregung um Fink

7. Oktober 2011

Fink, Fink, Fink. Und noch kein Ende. Vielen Dank für Euer Vertrauen, ich fühle mich geehrt. Weil ich doch gar nicht geschrieben habe, dass Thorsten Fink, der deutsche Trainer des FC Basel, HSV-Coach WIRD. Wer lesen kann, der ist klar im Vorteil. Ich habe lediglich geschrieben, dass er ein Kandidat ist. Und das ist er. Mehr nicht. Und auch nicht weniger. Und wer den nachfolgenden Text liest, den mein deutscher Kollege Christoph Kieslich, mit dem ich 1996 in England in der deutschen Mannschaft stand, die Europameister der Journalisten geworden ist, in der Basler Zeitung geschrieben hat, der wird die Wahrheit meiner Meldung erkennen.

Wie gesagt: Thorsten Fink war ein Kandidat, und er ist nach meinen Informationen immer noch ein Kandidat. Und jetzt solltet Ihr Euch selbst ein Bild machen. Und beißt Euch ruhig daran fest, dass Arnesen am Donnerstag nicht in Basel war – dann habt Íhr auf jheden Fall etwas zu kritisieren – oder zu zerreißen, egal.
Aber: War er überhaupt da? Könntet Ihr nun hier lesen. Bitteschön:

“Bernhard Heusler, Vizepräsident des FC Basel, hatte in den vergangenen
Tagen damit zu tun, das Werben des Hamburger SV um FCB-Trainer Fink
abzuwimmeln. Die Angelegenheit ist vom Tisch, dem HSV wurde eine Absage erteilt. Thorsten Fink sagte der Basler Zeitung und meinem Kollegen Christoph Kieslich : „Ich habe mich kurz mit dem Thema befasst, denn ich denke, allen im Fußball ist klar, dass Hamburg für einen deutschen Trainer eine sehr interessante Adresse ist. Aber damit ist auch schon alles gesagt und mein Thema wieder ganz klar der FCB.“

Mit seinen Titeln, die er mit dem FC Basel gewonnen hat, mit dem erfrischenden
Offensivfußball und mit der erfolgreichen Integration junger Spieler hat
sich Thorsten Fink längst einen Namen jenseits der Schweizer Landesgrenzen
gemacht. Ein Auftritt wie in Manchester (3:3 bei ManU) verleiht dem noch
Verstärkerfunktion. Für den FCB bedeutete das Anklopfen des HSV höchste
Alarmbereitschaft. „Wenn ein Club von der Größenordnung des HSV so ernsthaft
interessiert ist, dann ist das für uns Alarmstufe rot. In der jetzigen Phase
hätten wir es als äußerst unglücklich empfunden, den Trainer zu verlieren.
Deshalb mussten wir Gegensteuer geben“, sagte Heusler.

Verständlich scheint ihm, dass das Interesse eines Schwergewichts wie
dem HSV Thorsten Fink nicht kaltlassen kann: „Alles andere wäre naiv und
unrealistisch.“ Kontakt mit einem Trainer aufzunehmen, das ist im Gegensatz zu
Spielern auch nicht reglementarisch verboten. Über eine etwaige
Abstandssumme für die Vertragsauflösung zu verhandeln, so weit ließ es
Heusler in den Gesprächen mit Arnesen erst gar nicht kommen.

Mit Thorsten Fink verständigte sich Heusler, der sich im Januar zur Wahl zum
FCB-Präsidenten stellen wird, unmissverständlich: „Ich habe ihm klar
signalisiert, dass wir ihn nicht abgeben möchten. Es wäre der unpassendste
Zeitpunkt mitten in einer Champions-League-Kampagne. Wir haben wie immer
gemeinsam entschieden, uns die Hand gegeben und gesagt: So ist es jetzt.“

Thorsten Fink wollte sich „eigentlich gar nicht dazu äußern“. Sagte dann aber: „Ich befasse mich damit, dass ich hier arbeite. Ich habe eine Champions-League-Kampagne, ich bin im Super-League-Alltag und darauf möchte ich mich konzentrieren.“

So, das war der Text der Basler Zeitung (in Auszügen). Wer nach diesem Bericht weiß, dass sich Frank Arnesen sehr wohl um Fink bemüht hat, der weiß nun etwas mehr. Und wer aus diesem Bericht erkannt haben will, dass Thorsten Fink garantiert nicht zum HSV kommen wird, der weiß noch viel mehr. Der ist in meinen Augen ein echter Kenner der Fußball-Szene. Un dvon solchen Experten gibt es bei “Matz ab” tatsächlich sehr, sehr viele.
Willkommen im Klub.

Ich schließe trotz aller Dementis des Klubs und des Trainers nichts aus. Und werde abwarten. Sehr wohl weiß ich natürlich, dass der HSV noch andere Eisen im Feuer hat.

Die Verantwortlichen in Hamburg sollten aber auch eines bedenken: Je länger diese Diskussion um einen Oenning-Nachfolger anhält, umso größer wird hinterher das Geschrei, wenn es dann doch „nur“ ein Trainer wird, der einen nicht ganz so großen Namen hat. Von dem wissen dann aber alle, wirklich alle, dass er lediglich die 36. Wahl ist. Ob das so förderlich ist für einen Dienstantritt in Hamburg?

Zum Sportlichen. Heute gab es ein Novum im Volkspark. Eine Doppelschicht. Erst wurde von 10 bis 11.45 Uhr auf dem Rasen trainiert, dann ging es auf zum Waldlauf. Auf diese ungewöhnliche Art und Weise ersparten sich die Spieler die Nachmittagsschicht. Und jetzt ist erst einmal Freitag. Auch am Sonnabend und Sonntag. Erst am Montag wird im Volkspark wieder trainiert.

Um keine weiteren Halbwahrheiten zu schreiben: Bei der ersten Einheit war ich dabei, bei der zweiten nicht, die Spieler wollten nicht, dass ich mit ihnen durch den Wald laufe. Nein, ein Scherz, ich bin konditionell im Moment noch nicht so fit, als dass ich mithalten könnte. Deswegen konzentrierte ich mich auf das Gespräch mit Rodolfo Cardoso, der es ebenfalls vorzog, nicht mit seinen Spielern in den Wald zu gehen. Das durfte Günter Kern für ihn erledigen.

Mit dem Interimstrainer des HSV, Cardoso, sprach ich auch über das heutige (erste) Training. Ich kann es ja sagen, es steht ja kein Spiel an, nach dem es dann – nach der Niederlage – wieder heißen könnte: „Aber gut trainiert hatten sie vorher ja . . .“ Auch diesmal gefiel mir das Training sehr gut, denn alle Jungs sind mit Feuereifer bei der Sache. Das sieht richtig gut aus. Ich meine sogar, dass ein Unterschied zu vorher ganz deutlich sichtbar ist. Sieht das auch Rodolfo Cardoso so? Der Coach: „Ich kannn nicht beurteilen, wie es früher war, ich kann nur sagen, dass die Spieler von Beginn an super mitgezogen haben, sie haben alle sehr gut trainiert, sie trainieren gerne, der eine oder andere geht sogar über seine Grenzen – das ist ein gutes Zeichen für mich als Trainer. Das macht mich glücklich. Diese Mannschaft hat sich auch allein deswegen viel mehr Punkte verdient.“ Und dass die jungen Leute jetzt den Arrivierten ein wenig Feuer machen? Cardoso: „Das muss so sein. Die jungen Leute müssen dann Gas geben, wenn sie die Möglichkeit haben, sich zu zeigen.“

In meinen Augen haben heute besonders Daniel Nagy (Natsch gesprochen, aber die Kollegen rufen ihn nur Nagy) und Sören Bertram gute Leistungen gezeigt. Da wächst, um noch einmal auf gestern und vorgestern zu kommen, schon eine gute HSV-Generation nach. Die Junge müssten nur einen langen Atem beweisen, denn von heute auf morgen wird da nicht so viel gehen. Zhi Gin Lam ist da eher als Ausnahme zu betrachten, denn Cardoso sagt: „Ich kann ja nicht nur mit jungen Spielern antreten. Es ist gut, dass es diese Spieler gibt, denn wenn man sie einmal brauchen sollte, dann könnte man sich auf sie verlassen. Die sind jung und willig, sie kennen ihre Möglichkeiten und machen richtig gut mit, da sind einige ganz nah an der Profi-Mannschaft.“

Ein „Alter“ hat heute alle Trainingskiebitze überrascht: David Jarolim. Er hat wie immer alles gegeben, das war nicht das Überraschende, er hat aber unheimlich viele Tore geschossen. „Jaro“ traf wie er wollte, mit links und mit rechts. Bevor es an den Waldlauf ging, gratulierte ich dem Torjäger, der lässig erwiderte: „Das ist eben so, ich kann nicht gegen mein Naturell an. Ich bin nun mal der geborene Torjäger.“ Genau. Ein ganz tolles Tor schoss Dennis Diekmeier, der allein vor Tom Mickel stand und ein Ausdribbeln des Torhüters andeutete, der Keeper machte die Bewegung mit – und Diekmeier sandte die Kugel lässig mit einem kurzen Tritt mit der Stiefelspitze ins Netz. Herrlich gemacht. Und wer sich von den „ganz alten Hasen“ noch an 1966, die WM in England erinnert, der weiß noch, welch ein Zaubertor Lothar „Emma“ Emmerich im Spiel gegen Spanien schoss. Der Dortmunder traf hoch aus unmöglichem Winkel. Ein solches Tor schoss diesmal Robert Tesche – nur von rechts.

Wie gesagt, es sah alles sehr, sehr schön aus. Und ich hatte auch nie das Gefühl, dass hier ein Tabellenletzter der Bundesliga trainieren würde . . .

Nicht gesehen wurde heute einen neuer Hoffnungsträger: Ivo Ilicevic. Der Offensivspieler hielt sich in Berlin auf, um dort seine Adduktorenprobleme einmal ganz genau untersuchen zu lassen. Es sollte sich auch ein zweiter Arzt einmal ein Bild von dieser Verletzung machen. Cardoso: „Ivo hat noch ein paar kleinere Schmerzen, er möchte sicher sein, ob er auch schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ohne dass etwas passiert. Wenn der Arzt sagt, dass er trainieren kann, dann ist er Montag dabei.“ Ob das aber bis zum Freiburg-Spiel am Sonntag reicht? Für mich eher ausgeschlossen. Es dürfte wohl nur, wenn überhaupt, über die Bank gehen.

So, zum Abschluss noch zwei kleine TV-Hinweise, den NDR betreffend: Am Sonntag ist im „Sportclub live“ Christoph Daum zu Gast, und danach folgt ein Bericht von Hendrik Deichmann, der Frank Rost in New York besucht hat. Soll ein ganz spannender Film geworden sein . . .

Und ganz zum Schluss dann auch noch das: Der HSV oist Tabellenführer. Jawoll, Spitzenreiter. Folgende Meldung kam heute über den Ticker, ich wollte sie Euch nicht vorenthalten:

Hamburg (ots) – Verkehrte Welt: Das aktuelle Tabellenschlusslicht HSV ist der meistgenannte Vereinsname im Internet. Fast 36 000 Mal wurde der Hamburger SV im September in digitalen Nachrichtenangeboten, Blogs und Social Media erwähnt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Rekordmeister Bayern ist Fünfter. Auch ausschließlich bezogen auf Twitter liegt der HSV mit 5 600 Erwähnungen ganz vorn. Das ergab der erste „Bundesliga-Sonar” von news aktuell. Die dpa-Tochter ist Anbieter der Social Media Monitoring Software na-media sonar.

Medien und Fans haben im September überdurchschnittlich viel über das aktuelle Tabellenschlusslicht HSV geschrieben. Kein anderer Vereinsname ist in News-Portalen, Blogs und Social Media so oft erwähnt worden wie der so genannte Bundesliga-Dino. Verantwortlich dafür war sicher einerseits der beispiellose Fehlstart der Hamburger in der Liga, aber auch die anschließende Entlassung von Trainer Michael Oenning. Dagegen scheinen Schalke 04 und Borussia Dortmund auf den Plätzen zwei und drei auch ohne größere Skandale eine breite Resonanz hervorzurufen. Zu bedenken ist aber, dass im September Schalkes Trainer Ralf Rangnick aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und der BVB als amtierender Meister grundsätzlich unter verstärkter Beobachtung steht. Auffällig ist jedenfalls, dass der derzeit überaus erfolgreich agierende FC Bayern es nur auf Platz Fünf geschafft hat. Dieses Ergebnis bestätigt die Beobachtung, dass Medien und Öffentlichkeit grundsätzlich aktiver kommunizieren, wenn Trainerwechsel, Krisen oder andere tiefgreifende negative Themen auf der Tagesordnung stehen.

Bundesliga-Sonar im September bezogen auf die Namens-Nennungen im gesamten Buzz (News-Portale, Blogs, Fan-Foren, Social Media):

1. HSV 35.987
2. Schalke 32.804
3. BVB 31.139
4. Werder 22.449
5. FC Bayern 19.858
6. Stuttgart 18.424
7. Bayer 04 15.761
8. Hertha 15.324
9. Hannover 14.237
10. Wolfsburg 14.150

Bezogen auf Twitter liegt ebenfalls der HSV ganz vorn. Fans und auch Medien scheinen eher einen Tweet abzusenden, wenn es einem Verein schlecht geht und sich ein Misserfolg an den nächsten reiht. Auffällig ist, dass sich die Fans von Werder Bremen auch ohne Krise überdurchschnittlich viel auf Twitter über ihren Verein äußern. Die Grün-Weißen von der Weser liegen beim Twitter-Ranking auf Platz zwei. Eventuell hat das Derby zwischen den beiden norddeutschen Erzrivalen, das im September stattfand, zu überdurchschnittlich vielen Meinungsäußerungen auf Twitter geführt. Platz drei belegt auch hier Meister Dortmund.

1. HSV 5.607
2. Werder 4.284
3. BVB 3.795
4. FC Bayern 3.245
5. Schalke 3.062
6. Hertha 1.689
7. Gladbach 1.523
8. Bayer 04 1.513
9. Stuttgart 1.361
10. Hannover 1.058

Allen „Matz-abbern“ und Ihren Lieben ein wunderschönes Wochenende. Und behaltet den Fink im Auge . . .

18.27 Uhr