Tagesarchiv für den 5. Oktober 2011

Mit Medizinbällen rauf auf den Berg

5. Oktober 2011

Der Berg ruft. Haidiwitzka, Herr Kapitän, heute ging es aber mal so richtig rund im Volkspark. Erst Passspiel, dann Spielchen mit Aufgaben, dann ein Spielchen über den halben Platz, zehn gegen zehn – wenn ich richtig gezählt habe. Und als alle damit gerechnet hatten, dass die Einheit ihr Ende gefunden hätte, da ging es dann aber ab die Post. Eine halbe Stunde am Berg. Und, wie der neben mir stehende Benno Hafas richtig bemerkte, an der steilen Seite des Berges. Erst nur rauf laufen, dann aber die Steigerung a la Magath: Mit Medizinbällen. Erste jeder für sich mit dem blauen Bällchen, dann wurden sich die Bälle auch gegenseitig – im Lauf und Rückwärtslauf – zugeworfen. Das war richtig toll, so etwas habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen – bedauerlich nur, dass so viele Nationalspieler eine solche harte Einheit verpassen. Aber denen, die dabei waren, wird so etwas sehr gut getan haben, ganz sicher. Beim anschließenden Auslaufen, so unser Eindruck, waren einige schon kurz davor, den Reservehahn umzudrehen.

Das Spielchen Rot gegen Grün, zehn gegen zehn, gewannen die Grünen, bei denen vom Profi-Kader Per Ciljan Skjelbred, Dennis Diekmeier, Marcus Berg, Zhi Gin Lam und Robert Tesche mitspielten (der Rest aus der U 23), mit 4:1. Gegen Rot, bei denen Mladen Petric das 1:0 erzielen konnte, das dazu noch Heiko Westermann, Gojko Kacar (mit Maske), Marcell Jansen und Romeo Castelen an Bord hatte. Die Siegtore für Grün: Lam mit einem strammen Schuss gegen den Innenpfosten (dafür gab es viel Beifall – auch von Benno), dann zweimal Sören Bertram und dazu ein Kopfballtor (!) von Skjelbred.

Ein Blick auf den Nebenplatz zeigte mir heute, dass es dort sehr wohl einige gute Talente gibt. Das Training sah, das muss mal erwähnt werden, richtig gut aus, denn die jungen Leute zeigten viel Talent am Ball – und gingen richtig schön zur Sache. Robert Labus musste kurz vor Ende mit einem dick bandagierten rechten Knie in die Kabine gefahren werden . . .

Während die Spieler am steilen Eck des Konditionshügels mit den Medizinbällen kämpften, übten sich die Torhüter Tom Mickel und Sven Neuhaus in Sachen Abschläge. Torwarttrainer Ronny Teuber schoss, und dann mussten die Keeper in ein 30 bis 40 Meter entferntes Tor treffen. Es gab drei Durchgänge. 3:1 hieß es nach Treffern für Neuhaus nach dem ersten „Satz“, 4:0 hieß es für Neuhaus im zweiten „Satz“, den dritten sah ich dann nicht mehr, weil ich irgendwann ans Schreiben gehen musste. Diesmal als nur eine „Zwei-Drittel-Wahrheit“ von mir, aber es gibt ja Leute, die so etwas von Beginn gewöhnt sind . . . Die gratulieren dann aber auch zum Geburtstag. Das nur am Rande.

Am Rande hat heute auch wieder nur Ivo Ilicevic trainiert. Mit Reha-Coach Markus Günther, der erst mit Michael Mancienne begann (der Engländer ging um 14.50 Uhr in die Kabine), der sich dann um den ehemaligen Lauterer kümmerte. Adduktorenprobleme plagen den Flitzer, und zwar hat er sich diese in seinem letzten Einsatz für die „roten Teufel“ im Spiel gegen den FC Bayern eingefangen. Wie im Übrigen auch die Rote Karte, für die er vier Spiele Sperre erhielt. Jetzt ist er wieder frei, könnte also in Freiburg erstmalig in der Bundesliga für den HSV stürmen, aber das dürfte wohl kaum etwas werden. Ilicevic ist noch (lange) nicht bei 100 Prozent. Pech für ihn, dass ihn der 45-Minuten-Einsatz kürzlich gegen den SC Concordia doch erheblich zurückgeworfen hat. „Das war wohl zu früh, auf jeden Fall ist die Verletzung danach noch einmal aufgebrochen“, sagt Ivo Ilicevc, der in diesem (damaligen) Testspiel der beste Mann des HSV gewesen ist.

„Mir geht es gut, aber ein bisschen merke ich noch von der Verletzung. Deswegen werde ich in dieser Woche auch nur Einzeltraining mit Markus Günther machen“, sagt Ilicevic und fügte an: „Dann hoffe ich, dass ich nächste Woche dann ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Der Kroate gibt zu: „Es liegen keine einfachen Wochen hinter mir, erst die Rot-Sperre, dann die gesundheitlichen Probleme – aber die Freude ist auf jeden Fall da, dass ich nun bald wieder einsteigen kann. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Dafür aber gibt es ja noch einige Tage, in denen ich hoffe, dass es dann bis Freiburg reicht.“

Er will der Mannschaft helfen, und beim HSV gilt er für viele auch zurzeit als großer, vielleicht als größter Strohhalm. „In erster Linie geht es für uns jetzt darum, da unten raus zu kommen. Jeder muss seine beste Leistung abrufen, und in den letzten beiden Spielen sah man, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen kämpfen, fighten, alles geben, erst einmal über die kämpferische Linie kommen, dann kommt das Spielerische von allein. Wir haben doch genügend Qualität in der Mannschaft.“

Ivo Ilicevic vergleicht seinen letzten Arbeitgeber mit dem HSV und kommt zu dem Schluss, dass der HSV viel besser besetzt ist. Dennoch sagt er: „Wir haben das in Kaiserslautern super gemacht, weil wir als Mannschaft
funktionierten. Nicht die besseren Einzelspieler machen es aus, sondern wie man als Team zurechtkommt.“ Das hat der HSV bislang wohl noch nicht so (perfekt) gemacht, auf jeden Fall nicht in der Oenning-Ära. Ilicevic weiß, wie es geht: „Man muss Leidenschaft auf dem Platz zeigen, man muss kämpfen, man muss einen guten Willen haben – da kommen viele Sachen zusammen.“

Irgendwie, so denke ich, muss sich Ilicevic doch wie in einem falschen Film vorkommen. Wechselt von Lautern zum „großen HSV“ – und ist nun Mitglied einer Mannschaft, die auf dem letzten Tabellenplatz steht. Wahnsinn. Ich frage ihn: „Hast du den Wechsel schon mal bedauert?“ Er: „Nein, überhaupt nicht, ich fühle mich hier sehr wohl, habe auch vollstes Vertrauen in die Mannschaft. Gerade die letzten zwei Wochen haben doch gezeigt, dass wir eigentlich mit dieser Mannschaft da unten nichts zu tun haben dürften. Deswegen habe ich auch absolut keine Zweifel, dass wir da unten bleiben werden, wir kommen da raus.“

Das ist doch mal ein Wort. Einer, der dabei noch richtig mithelfen will, ist David Jarolim. Der Tscheche blieb heute, ohne dass es einen Verletzungsrund dafür gibt, im Stadion, arbeitete nur im Kraftraum.

Dann noch ein Wort zu Bernd Wehmeyer. Der Klub-Manager hat am Montag einen Herzinfarkt erlitten, nachdem er einen Lauf beendet hatte und nach Hause zurück gekommen war. Es geht im, nach Auskunft des Klubs, schon wieder gut, „Fummel“ möchte am liebsten schon wieder raus aus dem Krankenhaus und soll gesagt haben, dass er gar nicht so recht wüsste, weshalb er dort liege.

Ein Mann, der immer sportlich gelebt hat, nie geraucht und keinen Alkohol zu sich nahm, der erleidet einen Herzinfarkt. Es ist doch eine verkehrte Welt. Am Freitag standen wir noch lange beieinander, als wir beide beim „Walk of Fame“ als Laudatoren auftraten. Er für Kevin Keegan, Uli Stein und Ditmar Jakobs. Wir waren richtig schön aufgeregt, einer mehr als der andere, ich hoffe nur, dass Bernd Wehmeyer nicht deshalb einen Herzinfarkt bekommen hat.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir, lieber Bernd, alles, alles Gute und schnelle Genesung. Das schreibe ich Dir auch im Namen aller „Matz-abber“.

Einen kleinen Hinweis habe ich noch auf einen großen Leckerbissen:

Am 13. Dezember 2011 (Anstoß 19.30 Uhr) wird zugunsten des United Nations Development Programms (UNDP) in der Imtech Arena ein Freundschaftsspiel der besonderen Art bestritten. Die Goodwill-Botschafter des Projekts Zinedine Zidane und Ronaldo treten mit weiteren Fußballgrößen gegen eine All-Star-Auswahl des HSV an. Die Mannschaften werden zu einem Großteil aus aktuellen Spielern bestehen, die von ehemaligen Top-Spielern unterstützt werden.
Die Eintrittskarten kosten zwischen acht und 20 EUR und sind ab sofort im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV-Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen sowie über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.) erhältlich.
Die Einnahmen kommen der Bekämpfung der anhaltenden Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zugute.

18.44 Uhr