Tagesarchiv für den 3. Oktober 2011

Sportchef Arnesen macht sich keine Sorgen

3. Oktober 2011

„Beim nächsten Spiel in Freiburg wird ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen.“ Sagte Frank Arnesen nach der 1:2-Niederlage gegen Schalke 04 und lächelte ein wenig süffisant. Daraufhin wurde der Däne nur noch ein wenig mehr „gelöchert“: der neue Mann? Holt der HSV jetzt endlich einen neuen Trainer? Arnesen: „Das habe ich nicht damit gesagt. Ich habe nur gesagt, dass gegen Freiburg ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen wird.“ Aha.

Der wird aber nicht Cardoso heißen, denn Arnesen sagt: „Wir müssen, so sieht es nun aus, einen neuen Trainer holen, denn Rodolfo Cardoso, der hervorragende Arbeit gemacht hat, darf es ja wahrscheinlich nicht weitermachen. Aber es wird in 14 Tagen, beim Auswärtsspiel in Freiburg, ein Trainer mit Lizenz auf der HSV-Bank sitzen.“ Wäre es anders, wäre es auch ein Armutszeugnis. Nur: wer sitzt dort? Arnesen selbst, der die Lizenz hat? Frank Heinemann, der bisherige Co-Trainer? Oder Torwart-Coach Ronny Teuber, der auch Fußballlehrer ist? Oder doch ein neuer Mann? Das wird noch spannend.

Und plötzlich taucht ein neuer Name auf. Als Chef-Coach? Sergej Barbarez. Bei Sky sagte er während des Schalke-Spiels: „Es sind so viele Namen gefallen. Man versucht, etwas Richtiges zu tun. Aber je weiter die Zeit läuft, umso schwieriger wird es, eine vernünftige Lösung zu finden. Eine Hamburger Lösung für diesen Verein wäre nicht schlecht.“ Und Barbarez fügte noch vielsagend hinzu: „Ich hatte ein schönes Gespräch. Ich will kein Bewerbungsvideo schicken, sondern einfach sagen, dass ich sehr zu diesem Verein stehe und auch viele Emotionen für diesen Verein habe. Was am Ende kommt, wird man sehen. Ich hatte ein kleines Gespräch mit Frank Arnesen.“

Und nun haben viele schon “Angst”, dass Barbarez der neue HSV-Trainer wird. Dabei hat Arnesen doch gesagat, dass er den besten Trainer sucht. Und wir erinnern uns alle: Barbarez war zwar schon mal Aufsichtsrat, und zwar beim HSV, aber Trainer war er noch nicht. Und Arnesen sucht den besten Trainer . . .

Zudem muss ich mal sagen: Wer weiß schon, wer der beste Trainer ist? 2009 war das Trio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck auf Schalke tätig – bis Felix Magath kam. Und was war? Schalke lebt heute noch (was wir eben gerade bitter genug erfahren mussten, und ein Mann wie Büskens wurde hier auch schon rauf und runter gehandelt – als guter Mann für den HSV. So spielt das Leben. Im Fußball.

Und noch dazu gesagt, was Sergej Barbarez meinte: Eine Hamburger Lösung. Da ist ja auch immer noch, von vielen HSV-„Altinternationalen“ gewünscht und teilweise über die Medien gefordert, Horst Hrubesch im Gespräch. Doch zu diesem Namen meldete sich jetzt (er nun wieder) Matthias Sammer bei Sky zu Wort: „Der HSV muss für sich als Verein begreifen, welchen Weg er gehen will. Der Trainer muss zur Gesamtstruktur des HSV passen. Beim HSV ist es momentan unruhig. Das geht nicht mit einer One-Man-Show.“ Und: „Ich kann über Horst Hrubesch nur das Allerbeste sagen. Er ist top. Ich bin froh, dass er bei uns, also beim DFB, bleibt und dass das keine Gedankenspiele sind.“

Abwarten.

Vielleicht kommt es ja diesmal doch umgekehrt – als damals, im Fall Sammer und der HSV. Seinerzeit waren sich Sammer und der HSV schon einig, als es jedoch verkündet wurde, platzte der Deal doch noch. Und wenn Hrubesch nun bleiben soll, dann könnte es ja doch noch etwas werden . . .

Frank Arnesen wollte sich nicht, immer noch nicht, in die Karten blicken lassen. Er sprach statt über den neuen Trainer über die ungerechte Niederlage: „Wir haben unser bestes Spiel geliefert, seit ich beim HSV bin. Das Resultat enttäuscht mich schon sehr. Wir haben alles gegeben, sehr guten Fußball gespielt, viele Chancen kreiert, wenige Chancen zugelassen – das Schalker 1:0 ist aus heiterem Himmel gefallen. Und dann kämpfen wir uns zurück, spielen nach der Pause die ersten 20 Minuten überragend – und dann schlägt der Huntelaar wieder eiskalt zu. Das war tragisch. Dieses Spiel hätten wir gewinnen können.“

Das stimmt. Die Daten des Spiels belegen es. Torschüsse: 18:9 für den HSV. Ecken 5:5, Flanken 15:15, Ballbesitz 50:50, Fouls 18:18. Schalke war in keinem Punkt besser als der HSV.

Frank Arnesen: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir gute Spieler haben. Spieler, die besser sind als Platz 18. Doch ich kann reden, reden, reden, wenn wir es nicht zeigen, glaubt mir ja keiner. Erst in den letzten beiden Spielen haben wir es gezeigt, wie gut wir sein können. Leider aber haben wir nur drei Punkte geholt.“

26 Spiele hat der HSV noch in dieser Saison, jetzt geht es in 14 Tagen zum „Abstiegsgipfel“ nach Freiburg. Arnesen: „Wir haben aber nicht nur dieses Spiel, alle sind wichtig für uns.“ Verliert der HSV auch dort, dann dürfte es schon mal sehr, sehr schwer werden, sich bis zur Winterpause von einem Abstiegskampf zu entfernen. Hat Frank Arnesen Sorgen, dass der HSV irgendwann in einen solchen Strudel geraten wird, aus dem es dann sehr schwer werden wird, noch einmal so richtig Luft zu holen? Wir alle kennen die Szenerie: Wer unten steht, der hat oft auch das Pech gepachtet. Arnesen aber sagt: „Ich mache mir keine Sorgen, dass der HSV absteigt. Ich bin sicher, dass wir die Klasse halten werden, aber ich weiß auch, dass es schwer wird. Wir müssen jedes Mal alles geben, das ist ganz klar – wir sind auf Platz 18. Aber ich bin noch positiv.“

Noch.

Und noch hat er auch keinen neuen Mann auf der Bank. Er flüchtet sich in Sarkasmus: „Ich habe mit van Basten gesprochen, ich habe mit van Gaal gesprochen, ich habe mit Olsen gesprochen, ich habe mit Hrubesch gesprochen und ich habe mit Moniz gesprochen – ich habe aber gesagt, dass ich mich nie an Spekulationen beteiligen werde. Ich werde nur über den Trainer reden, den ich auch tatsächlich hole. Dann werde ich auch begründen, warum ich ihn geholt habe.“

Apropos geholt. Wenn nicht alles täuscht, dann hat Frank Arnesen doch einige sehr gute Spieler geholt. Spieler für recht wenig Geld. Jeffrey Bruma ist schon gut, wird sicher noch stabiler und besser. Gökhan Töre ist stark, steht in meinen Augen vor einer ganz großen Karriere. Slobodan Rajkovic hat bestens eingeschlagen, gehört stets zu den besten Hamburgern. Und ich bin restlos davon überzeugt, dass auch Ivo Ilicevic, der bislang gesperrt fehlte – und ganz sicher noch für viel Furore sorgen wird. Bleiben noch Michael Mancienne und Jacopo Sala. Da darf sich jeder selbst ein Bild machen. Aber vier aus sechs? Das ist doch eine gute Quote, oder?
Es sind, da habe ich einen vergessen, tatsächlich vier oder fünf aus sieben – denn: Per Ciljan Skjelbred (danke für die Nachhilfe) ist ja auch noch von Frank Arnesen geholt worden. Und obwohl der Norweger noch nicht so richtig in Form gekommen ist, ich glaube, er wird noch. Und in der vergangenen Woche hat er in meinen Augen auch sehr gut, weil bissig und willig, trainiert.
(Diesen Absatz habe ich am Sonntag um 22.22 Uhr eingefügt)

So, nun geht es mit dem Original von Sonntag um 17.26 Uhr weiter:

Besonders an Töre schieden sich diesmal die Geister. Zweimal war er nicht in der Lage, die Flanken, die zu den Schalker Toren geführt hatten, zu verhindern. Rodolfo Cardoso nimmt den jungen Deutsch-Türken in Schutz: „Ja, zweimal kam er zu spät, aber so ist Fußball. Wir müssen weiter daran arbeiten, er muss daran arbeiten. Er muss sich korrigieren, muss begreifen, dass das Spiel nach hinten auch für ihn wichtig ist, er muss sich mehr konzentrieren.“ Der Interimscoach sagte aber auch: „Nach vorne hat Gökhan Töre ein riesiges Spiel gemacht, das war seine Aufgabe, so kann es weitergehen.“ Richtig. Denn so viele Fußballer, die ein, zwei oder auch drei Gegenspieler ausspielen können, um so Raum für die Mitspieler zu gewinnen, hat der HSV nicht. Gökhan Töre gehört zweifellos zu dieser seltenen Sorte Spezies, er wird dem HSV und den HSV-Fans noch viel Freude bereiten, davon bin ich total überzeugt.

Das nächste Training findet am Dienstag statt, und zwar um 15 Uhr am Volkspark.

Genießt noch den Rest vom Tag der deutschen Einheit. Ich genieße auf jeden Fall die Einheit. Immer noch. Und auch in tiefen Zügen. Denn ich hätte vor 30 Jahren nie geglaubt, dass ich die deutsche Einheit noch erleben darf. Umso schöner ist es jetzt. In diesem Sinne – genießt es.

17.26 Uhr