Tagesarchiv für den 1. Oktober 2011

Endlich mal wieder ein Heimsieg im Volkspark?

1. Oktober 2011

Alle heil geblieben beim Abschlusstraining. Fast jedenfalls. Slobodan Rajkovic ging heute früher in die Kabine, weil er Kopfschmerzen hatte. Die aber dürften bis morgen vergessen sein, es gibt da ja inzwischen sehr gute Pillen . . . Jetzt heißt es bis zum Anpfiff des Schalke-Spiels (17.30 Uhr) noch abwarten, wie sich Rodolfo Cardoso in der Offensiv-Abteilung entscheiden wird. Ich glaube ja, dass der Interimstrainer vorne Mladen Petric aufbieten wird, und in dessen Dunstkreis Heung Min Son. Oder doch das routinierte Duo Petric/Paolo Guerrero? Cardoso probierte in dieser Woche beide Varianten, und beide haben ja auch in der Tat etwas. Wobei mit Son gegen Ende der Woche sehr willensstark und unternehmungslustig erschien.

Hinten dagegen gibt es keine Frage. Heiko Westermann, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic und Dennis Aogo, der wieder für die Nationalmannschaft nominiert worden ist. Sollte ihm Auftrieb geben. Und mit Freude, mit großer Freude sogar, sehe ich dem Heim-Auftritt von Bruma entgegen. Auch der niederländische Nationalspieler dürfte nämlich Auftrieb erhalten haben, durch sein erstes Bundesliga-Tor gegen den VfB Stuttgart. Im Training in dieser Woche trat Bruma auf jeden Fall mit einer sehr breiten Brust auf. Alles das, was er machte, hatte Hand und Fuß. Er wirkte auf mich bei seinen Aktionen unheimlich präsent und auch überaus dynamisch. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab er auch körperlich alles dafür, sein Ziel zu erreichen. Meistens klappte es. Und zwar ausgezeichnet.

Im Mittelfeld heißen die beiden Sechser Robert Tesche und Tomas Rincon. Letzterer hat für mich auch in Sachen Trainingsleistungen kräftig zugelegt, der Südamerikaner hat sich ganz offensichtlich seine alte Bissigkeit zurück erkämpft. Vielleicht war er nach den vielen und langen Einsätzen bei der Copa America ja zunächst in ein körperlich tiefes Loch gefallen, nun aber ist er für mich wieder bei 100 Prozent. Auch wenn die erste Halbzeit in Stuttgart, das gebe ich zu, eventuell etwas anderes belegen könnte, denn da waren die beiden „Sechser“ ganz sicher nur bei 50 oder 60 Prozent.

Für mich ist es, das gebe ich zu, immer noch schmerzlich zu sehen, dass David Jarolim nur auf der Bank sitzt. Es ist wie zuletzt bei jedem neuen Trainer: „Jaro“ hat es (zunächst?) schwer, sich ins Team zu kämpfen. Ob er es diesmal überhaupt noch einmal schaffen wird? Der 32-jährige Tscheche „hängt“ in diesen Tagen ein wenig durch. Er trainiert gut und eifrig, aber ich sehe ihn dabei höchst selten einmal freudig bei der Sache, er lächelt kaum einmal (hat ja auch keinen Grund dazu, ich weiß!) und hat den Blick meistens gen Rasen gesenkt. Es gibt nicht wenige Kollegen, die Jarolim nun schon auf Dauer abgeschrieben haben, nach insgesamt 302 Bundesliga-Spielen, davon 241 für den HSV.

Ich gebe die Hoffnung aber noch nicht auf. David Jarolim hat immer noch seine Zähne gezeigt, er ist ein Kämpfer, das wissen alle seine Fans. Und deswegen glaube ich, dass sich „Jaro“ auch diesmal wieder einmal zurückkämpfen wird. 32 Jahre sind doch kein Alter, um in den sportlichen Ruhestand zu gehen. Und zudem glaube ich, dass der HSV – trotz der riesigen Euphorie, die hier nach dem 2:1-Erfolg in Stuttgart schon wieder herrscht – die Routine eines David Jarolims noch nötig haben wird. Dann, wenn es kalt, matschig und dann auch ganz frostig wird . . . Ich schreibe ihn jedenfalls noch lange nicht ab. Und ich hoffe gleichzeitig, dass „Jaro“ seinen Kopf schon bald auch wieder ganz oben trägt – und wieder Zähne zeigt.

Im offensiven Mittelfeld steht links wieder Gökhan Töre (ein absoluter Gewinn fürd en HSV, so meine Einschätzung) von Beginn an auf dem Rasen – und das ist schln mal ein gnaz dicker Pluspunkt. Und rechts wird Zhi Gin Lam aufdribbeln, auf den sich nun viele Hamburger freuen werden, denn es ist das Heim-Debut des Deutsch-Chinesen. Ich gebe zu, auch ich bin sehr gespannt auf ihn – nachdem vor einer Woche Experten und Fans gleichermaßen geschwärmt haben. Hoffentlich wird er nicht durch seine leichten Leisten-Probleme behindert – im Training war ihm nichts anzusehen.

Übrigens: Der HSV hat seinen letzten Heimsieg am 19. März 2011 geschafft. Es war das 6:2-Spiel gegen den 1. FC Köln, damals das Trainer-Debüt von Michael Oenning beim HSV. Auch damals saß Rodolfo Cardoso zum ersten Mal auf der HSV-Profi-Bank, als Assistent von Oenning. Seit dieser Zeit aber kein Hamburger Sieg mehr im Volkspark – erschütternd. Damals traf Mladen Petric dreimal gegen Köln, Ben-Hatira, Gojko Kacar und Ze Roberto erzielten die restlichen Treffer.

Und nun wird es mal wieder Zeit, für einen Dreier zu Hause. Vielleicht schafft es ja mal Petric wieder – es müssen ja nicht gleich drei auf einmal sein.

Von der Trainer-Findungs-Kommission (TFK) des HSV gibt es an diesem Tag noch nicht wirklich Neues. Still ruht der See. Wobei ich an diesem Nachmittag an die vielen User gedacht habe, die hier so gerne den „Pele“ gesehen hätten – oder sehen würden. Was aber ist aus Cottbus und seinem Coach Claus-Dieter Wollitz geworden? Nun sogar ein 1:4 gegen die Braunen. Geht nun auch Peles Stern ein wenig unter? Wobei er natürlich ohnehin nie auf der Liste des HSV stand – und auch stehen wird.

18.56 Uhr