Monatsarchiv für September 2011

2:1 in Stuttgart – endlich, der erste Sieg! Jetzt soll Stevens übernehmen

23. September 2011

Zehn Minuten Verspätung – weil das Volksfest auf den Cannstatter Wasn in vollem Gange war und die Zuschauer erst mit Verspätung in die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena eintrudelten. Und diese zehn Minuten Verspätung lohnten sich. In einem temporeichen Spiel zweier offensiv agierender Mannschaft konnte sich der HSV den so lang ersehnten ersten Dreier sichern. Und das auch noch absolut verdient.

Aber der Reihe nach. Auf HSV-Seiten galt in den letzten Tagen allein die Trainersuche als vorrangiges Thema. Fünf Kandidaten soll der HSV noch haben. Fünf Trainer, wovon zwei Marco van Basten und Huub Stevens sind. Während mit van Basten bereits vor Tagen gesprochen worden ist, ist – wohl auch ob des Verlaufes der bisherigen Gespräche – jetzt doch Huub Stevens der Top-Kandidat. Der Niederländer hat bereits mit dem HSV-Vorstand telefoniert und wurde zu einem persönlichen Gespräch gebeten, das der auch zusagte. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es ab Montag – auf diesen Termin haben sich die vier Vorstände verständigt – wieder Stevens ist, der den HSV übernimmt. „Noch ist nichts entschieden“, so Arnesen, der allerdings ein wenig verlegen auf die bohrenden Nachfragen des Reporters nur sehr ausweichend reagierte.

Wie auch immer, ich möchte die meiner Meinung nach zu hoch angesetzte Erwartung in Huub Stevens sicher nicht dämpfen, aber zumindest hinterfragen. Denn, wer glaubt, es seien die gleichen Maßstäbe wie einst im Winter 2007 anzulegen, der irrt. Damals waren es keine Brumas, Westermanns oder gar Lams, die den Bundesligadino auf dem Feld vertraten, nein: damals waren es Namen wie Frank Rost, Khalid Boulahrouz, Vincent Komapany, Nigel de Jong und die damals noch gut funktionierenden Thimothee Atouba und Guy Demel. Aber vor allem hatte der HSV damals das, was auch Rodolfo Cardoso bei seinem Antritt als Versäumnis anmerkte: der HSV hatte einen Spielmacher, einen Lenker, Denker und sogar Vollstrecker namens Rafael van der Vaart. „Damals war es am Anfang als Tabellenletzter natürlich ziemlich schwierig“, so Stevens, der aber auch zugibt: „Einmal in Fahrt gekommen hatte die Mannschaft natürlich richtig viel Potenzial. Da war es ein Genuss, mit der Mannschaft zusammenzuarbeiten.“ Wie er die heutige Mannschaft sieht? Stevens überlegt, sagt dann: „Sie ist natürlich sehr jung. Sie braucht noch Zeit, um sich zu finden. Aber der Kader ist allemal gut genug, um aus der unteren Region schnell rauszukommen.“ Vielleicht ja schon ab Montag mit ihm.

Klar ist, dass der neue Trainer eine Mannschaft vorfindet, die ihr Defensivproblem noch nicht hundertprozentig in den Griff kriegt. Und eine Mannschaft, die heute zwei Gesichter präsentierte. Trotz der starken zweiten Halbzeit war die erste Enttäuschend. Da brachte Heung Min Son nicht eine Aktion zum Ende (schade, dass sein Volleyschuss in der 42. geblockt wurde), zudem verweigerte sich Mladen Petric lange Zeit. Der Kroate dirigierte, lamentierte und stagnierte in dem Tempo, in dem er vor Spielbeginn auf den Platz aufgelaufen war – im Zuckeltrab…

Nein, das war nichts offensiv in den ersten 45 Minuten. Einzig ein junger Mann namens Zhi Gin Lam, die Überraschungsnominierung des neuen und nur übergangsweise Cheftrainers Rodolfo Cardoso wusste zu gefallen. Der bislang nur bei der Regionalligamannschaft eingesetzte rechte Mittelfeldspieler war es, der in der zweiten Minute den ersten Torschuss ansetzte. Ullreich auf Stuttgarter Seiten konnte den guten Distanzschuss jedoch zur Ecke abwehren.

Und während Lam durch seine Ballfertigkeit und sein Tempo mit Ball zu gefallen wusste, schienen die beiden Sechser im falschen Film. David Jarolim blieb nur auf der Bank – warum auch immer. Dabei dürften die letzten Wochen eines gezeigt haben: Der Tscheche ist noch immer wertvoll. Zumindest relativ betrachtet. Denn was sich seine Konkurrenz in Person Robert Tesches da in der ersten Hälfte zurechtspielte, hatte nichts mit Fußball zu tun. Ich habe gefühlt 100 Prozent Fehlpässe bei dem Ex-Bielefelder gesehen, dazu unzählige unnötige Ballverluste und verlorene Zweikämpfe von Tomas Rincon. Die beiden Defensiv-Mittelfelder sollten als Stütze für die Abwehr stehen – sie bewirkten jedoch das Gegenteil. Wie auch beim 0:1 (18.). Da taumelte Tesche ohne Gegenspieler auf der rechten Seite herum, während Rincon seinen Gegenspieler Kuzmanovic aus den Augen verlor. Den Fernschuss des Stuttgarters aus 20 Metern fälschte Aogo leicht ab. Allerdings veränderte er dadurch die Flugbahn so, dass Drobny den Ball nur mit den Knien unkontrolliert in die Mitte abwehren konnte, wo der Hamburger Martin Harnik Westermann entschwand und einschob. Wer auch immer sagt, das Gegentor sei Drobnys Schuld, dem widerspreche ich – zumindest in Teilen. Denn den wahrlich nicht scharf getretenen Schuss Harniks pariert schon mal ein guter Torwart. Aber der Tscheche stand nur sehr schwermütig und langsam auf, orientierte sich zu lange und zeigte letztlich keine Reaktion mehr.

Egal wie, es stand 0:1, obwohl die Innenverteidigung mit Rajkovic und Bruma bis dahin gut stand, die beiden Außen Westermann und Aogo defensiv wenig bis nichts zuließen. Das allerdings änderte sich. Das Gegentor schien zu verunsichern. Anders ist nicht zu erklären, dass sich der zuletzt starke Rajkovic von Cacau gleich zweimal düpieren ließ und der VfB nur am HSV-Pfosten scheiterte (22.). HSV-Chancen? Gab es schlichtweg nicht. Bis auf eine Szene, in der Gökhan Töre sich allein aufs Stuttgarter Tor aufmachte und sich den Ball zu weit vorlegte.

Aber zum Glück hat ein Fußballspiel zwei Halbzeiten. Und die zweite Halbzeit sollte den bislang besten HSV der Saison 2011/2012 zeigen. Und einen Tesche, der nicht nur seinen ersten Ballkontakt zum eigenen Mann brachte. Nein, der HSV traf. In der 51. Minute schmiss sich Bruma in eine Töre-Ecke und glich per Flugkopfball zum 1:1 aus. Der HSV kam jetzt, hatte durch Töre sogar die Riesenchance zum 2:1 (54.), als er einen Abpraller aus acht Metern mit dem rechten Fuß zu hoch ansetzte.

In der 65. Minute war dann das sehr gelungene Gastspiel Lams beendet. Der Deutsch-Chinese verließ für den wieder genesenen Paolo Guerrero den Platz und erhielt zurecht Applaus. Ein Talent aus den eigenen Reihen, das Lust auf mehr macht. Auf viel mehr, wenn es nach mir geht. „Ein Traumdebüt für ihn“, lobte Sportchef Frank Arnesen, „er hat von der ersten Sekunde an mutig gespielt, das Eins-gegen-eins gesucht und dazu noch das Auge für den Nebenmann gehabt. Fantastisch.“ Worte, denen ich mich zu 100 Prozent anschließe.

Deutlich mehr hatte sich auch Robert Tesche vorgenommen. Und er setzte es auch um. Im Verbund mit dem nun endlich wieder gewohnt bissigen Rincon machte er die Mitte endlich dicht – und er traf. In der 67. Minute zeigte Tesche seine technischen Fähigkeiten, als er einen hohen Ball volley aus zehn Metern aus der Drehung im VfB-Gehäuse unterbrachte und die 2:1-Führung herausschoss. Ein wunderbarer Treffer.

Und ein so wichtiger. Denn der HSV gewann jetzt im Kollektiv an Sicherheit. Bruma mit gefühlt 100 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und Rajkovic mit nun wieder gewohnter Zweikampfstärke seiner gewohnte ließen Stuttgarts Angreifer keine Chance. Dazu spielte der HSV endlich auch nach vorn. Auch, weil Cardoso mit seinen Auswechslungen signalisierte, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. So kam nach Guerrero mit Castelen ein zweiter Offensivmann – diesmal für den ausgelaugten Son. Und hätte Schiedsrichter Felix Zwayer in der 82. Minute nach einem klaren Foul von Tasci an Petric den logischen Foulelfmeter gepfiffen – die Partie wäre wahrscheinlich frühzeitig entschieden gewesen.

So aber bleib es bis zur letzten Sekunde spannend. Zunächst rettete Bruma (83.), dann Drobny (88.) knapp, während VfB-Keeper Ullreich Castelens Schuss aus 16 Metern mit allerletzter Kraft entschärfte. Am Ende aber bleib es bei dem absolut verdienten 2:1.

Der erste HSV-Sieg 2011/2012 war perfekt! Endlich!!!!!

Und auch wenn an dieser Stelle jetzt all das kommen müsste, was noch nicht stimmte – entschuldigt bitte! Ich habe keinen Bock darauf! Nein, ich will mich einfach mal freuen, den so lang ersehnten ersten Sieg genießen, der auch in der Art und Weise der zweiten Halbzeit absolut verdient war. Ich habe einen bärenstarken Bruma, einen wieder guten Rajkovic und einen hochinteressanten Youngster Lam gesehen. Ich habe einen Tesche verteufelt und ihn in der zweiten Halbzeit Lieben gelernt. Und ich hoffe, dass die letzte Rettungsaktion nun auch dem immer noch nicht besonders selbstsicheren Drobny Aufschub gibt. Aber vor allem habe ich endlich wieder ein HSV-Spiel gesehen, in dem ich eine Taktik erkennen konnte, die nicht allein auf defensive beruhte. Dieser von Cardoso eingestellte HSV war mutig, hatte gute Offensivaktionen und zeigte zumindest in der zweiten Halbzeit Spielwitz. Auf jeden Fall habe ich so keine Bedenken, sollte der HSV sein intern formuliertes Ziel, am Montag den neuen Trainer zu präsentieren, verfehlen. Und wie es sich an diesem Tag gehört, gehören die letzten Worte des Blogs dem siegreichen Trainer: „Ich wollte ein bisschen Leben in die Mannschaft bringen, und das hat geklappt“, zeigte sich Interimstrainer Cardoso bescheiden. „Wir haben mutig gespielt und glaube ich auch zurecht gewonnen.“

Chapeau Rodolfo! Absolut korrekt analysiert.

In diesem Sinne: lasst uns heute einmal nur glücklich sein.

Bis morgen,

Scholle (22.49 Uhr)

Nun also doch: Gespräche mit Huub Stevens!

23. September 2011

Nun also doch: der HSV hat die Gespräche mit Huub Stevens aufgenommen. Der Niederländer, der zuletzt bei RB Salzburg als Trainer fungierte und den HSV von Januar 2007 bis Juni 2008 führte, ist derzeit vereinslos. „Ich bin bereit“, so Stevens zu seiner grundsätzlichen Bereitschaft, wieder als Cheftrainer zu arbeiten, „nach ein paar Monaten Pause kribbelt es wieder.“

Der HSV, der parallel Gespräche mit Marco van Basten führt und mit Louis van Gaal führen soll, soll den Niederländer telefonisch kontaktiert und um ein persönliches Treffen gebeten haben. Stevens hat dem Treffen, das bereits an diesem Wochenende stattfinden soll, zugesagt. Zuvor hatte es im Vorstand kein klares Bekenntnis für Stevens gegeben. Dennoch hat der Niederländer insbesondere im Aufsichtsrat noch etliche Befürworter. Zudem gibt es intern die zeitliche Vorgabe, bis spätestens Montag den neuen Trainer präsentieren zu wollen.

Zudem soll es am Donnerstag eine erste Kontaktaufnahme zu Ex-Trainer Thomas Doll gegeben haben, der die HSV-Bundesligamannschaft von 2004 bis 2007 trainierte und aktuell neuer Cheftrainer von Al-Hilal ist. Doll, der als Aktiver 74 Bundesligaspiele für den HSV bestritt, soll als Übergangslösung bis Saisonende angefragt worden sein, und nicht die erste Wahl sein.

Sobald ich Genaueres weiß, melde ich mich natürlich wieder bei Euch. Spätestens mit der Tageszusammenfassung und der Spielanalyse nach dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart.

Scholle (12.23 Uhr)

Cardoso kommt mit dem “kleinen Lam”

22. September 2011

Wenn Rodolfo von ihm spricht, dann glänzen die Augen des Interimstrainers des HSV. Er nennt ihn – fast liebevoll – „den kleinen Lam“. Und dieser „kleine Lam“, der 1,75 Meter groß ist und 20 Jahre jung, der könnte morgen, beim so wichtigen Auswärtsspiel des HSV beim VfB Stuttgart, die große HSV-Überraschung werden. Cardoso wird den Deutsch-Chinesen, der nicht „der kleine Lam“ heißt, sondern Zhi Gin Lam, wahrscheinlich von Beginn an bringen, und zwar auf der rechten Seite im Mittelfeld. Es geht nur noch um die Frage, ob nun „der kleine Lam“ oder der erfahrene Romeo Castelen, der wieder fit ist – und brennt, vorne rechts spielen werden.

Cardoso wollte keine großen Experimente wagen, und dennoch versucht er es mit einem Nachwuchstalent. Kompliment zu so viel Mut. Zumal das nicht die einzige Änderung sein wird, denn im linken Mittelfeld kommt Gökhan Töre zum Zuge. Und Heung Min Son dürfte gegenüber Paolo Guerrero den Vorzug erhalten, neben oder ein Stück weit hinter Mladen Petric zu stürmen. Mutig, mutig. Auf der Sechs stehen Robert Tesche und Tomas Rincon, die Viererkette sieht von rechts nach links wie folgt aus: Heiko Westermann (jawoll, rechts!), Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Dennis Aogo., Auch in diesem Punkt gibt sich Rodolfo Cardoso extrem mutig, denn er reißt die zuletzt prima funktionierende Innenverteidigung Westermann/Rajkovic auseinander.

Er wagt in meinen Augen sehr viel, der Rodolfo Cardoso, aber wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

In der Reserve-Mannschaft spielten heute so erfahrene Cracks wie David Jarolim, Marcell Jansen und Paolo Guerrero. Das ist mal ein Ausrufezeichen!

Als die Spieler heute den Rasen der Arena betraten, fiel mir ein (Ersatz-)Spieler am meisten auf: Per Ciljan Skjelbred. Der blonde Norweger hatte drei Bälle (!) in den Armen und begann damit zu jonglieren. Mit den Händen, mit den drei Bällen. Dass sah richtig gut und professionell aus, damit könnte der Mittelfeldspieler im Hansa-Theater auftreten – falls es mal mit der anderen Karriere nicht recht klappen sollte. Mit dem Profi-Fußball.

In Stuttgart wird Skjelbred auf der Bank sitzen (Marcus Berg ist im Gegensatz dazu aus dem Kader gestrichen worden), neben dem Norweger wird wohl auch Romeo Castelen Platz nehmen. Ein großes Comeback steht bevor. Der niederländische Nationalspieler hat eine lange, fast unendliche Leidenszeit hinter sich, mit zig Knie-Operationen, nun spielt er wieder. Vier Begegnungen hat er in der Regionalliga bereits absolviert, wobei er fünf Tore schoss. Auch deswegen holt ihn Cardoso nun zu den Profis.

Castelen über seine Rückkehr: „Ich habe immer daran geglaubt, denn ich glaube an Gott, der hat mir die Kraft gegeben. Es ist so schön, dass ich es wieder geschafft habe, ich kann es nicht fassen. Aber nur Gott weiß, wie es ist, wo es endet. Ich war positiv, egal wie schwer es auch immer für mich war. Wenn man an Gott glaubt, dann kann man es immer schaffen, dann kann man auch stark sein, wenn es ganz schwierig ist.“ Und das war es. Kein anderer HSV-Profi hatte es jemals so schwer, wie Romeo.

Ob er schon wieder so weit ist, in der Bundesliga mit zu mischen? Er weiß es auch nicht: „Das wird man sehen. Wenn man es aber nicht versucht, dann sieht man es nie. Man muss sich einmal messen lassen, sonst weiß keiner, wie weit ich bin. Einfach mal ins Wasser schmeißen um zu sehen, ob ich schon wieder schwimmen kann . . .“ Er sagt: „Ich habe Selbstvertrauen, und auch die Kollegen sagen, dass das schon wieder gut aussieht. Das motiviert, das gibt mir eine breite Brust. Es ist einfach nur schön, dass es so für mich gelaufen ist. Vom Kopf her bin ich fröhlich und glücklich, auch wenn es momentan nicht zur Gesamtlage des Klubs passt.“

Castelen hat vor sich nur noch einen Konkurrenten. Den „kleinen Lam“. Doch Romeo scheut sich nicht, den Nachwuchsmann zu loben: „Er kann den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Er hat eine tolle Ballbehandlung, hat keine Angst, die Bälle zu fordern, er traut sich viel zu – für ihn ist der Weg offen. Er ist hoch motiviert, ein ganz feiner Techniker.“

So sieht es auch der Trainer. Rodolfo Cardoso über das Talent: „Der kleine Lam ist ein sehr, sehr intelligenter Spieler, er hat sich in der letzten Zeit sehr gut weiterentwickelt. Die Jungs sind ganz begeistert von ihm. Er kann gut nach vorne spielen, macht aber auch nach hinten mit, stellt die Räume gut zu, das gefällt mir. Er kann überall spielen, links, rechts, zentral, hinten und vorne – er kann überall. Er ist sehr variabel, er ist für sein Alter schon sehr weit, dem muss man nicht viel erklären, wie er spielen soll.“ Klingt gut. Ob es jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ihn in dieser prekären Lage und in dieser verunsicherten Mannschaft zu bringen, dazu in einem sehr schweren Auswärtsspiel – mal sehen. Hoffentlich geht es gut.

Generell sagt Rodolfo Cardoso im Hinblick auf das Stuttgart-Spiel: „Es ist an der Zeit, an uns zu denken, nicht so sehr an den Gegner. Was wir machen, das muss aus Überzeugung geschehen. Einfach nicht gucken, wer da als Gegner kommt, wir müssen von uns überzeugt sein.“ Der Coach weiter: „Ich bin ganz neu hier, ich muss erst einmal sehen, welcher Junge helfen kann. Ich gucke genau hin, was welcher Spieler im Training macht, welcher Spieler bereit ist, der Mannschaft zu helfen. Und dann gucke ich, was für uns das Beste ist, mache mir auch ein Bild davon, wer am meisten Selbstbewusstsein hat.“ Aber wer hat in dieser Situation schon Selbstvertrauen?

Und wenn Rodolfo Cardoso sagt, er will nicht experimentieren, dann experimentiert er in meinen Augen doch schon ein wenig. Vielleicht sogar ein wenig mehr. Er sagt: „Ich weiß es ja noch nicht, was ich am Freitag machen werde, ich gucke mal, was ich für das Beste halte. Als ich beim Gladbach-Spiel war, da sah ich, dass Gökhan Töre, als er eingewechselt worden war, viel Feuer gemacht hat. Solche Leute brauchen wir jetzt. Leute, die die Verteidigung des Gegners in Schwierigkeiten bringen. Wir müssen nicht immer nur nach hinten laufen, wir müssen auch was nach vorne tun. Er ist schnell und kann dribbeln, und er ist mutig.“ Da läuft Cardoso ja bei mir offene Türen ein. Der Trainer abschließend: „Ich hoffe nun, dass es auch klappt. So ist auf jeden Fall meine Idee . . .“

Für ein Spiel? Für zwei? Rodolfo Cardoso fühlt schon, dass dieser Job viel Kraft von ihm verlangt: „Es ist sehr stressig, das muss ich sagen, denn es ist eine ganz große Aufgabe, diese Mannschaft ist das Herz des Vereins. Ich weiß nicht, wie lange ich das jetzt mache, aber ich versuche mein Bestes, es ist für mich eine ganz, ganz große Verantwortung.“

Dann gibt es noch die Sache mit der TFK, der Trainer-Findungs-Kommission. Nichts Neues aus Waldhagen. Auch aus Hamburg nichts. Sportchef Frank Arnesen sucht und telefoniert, er sagte heute, dass er wohl davon ausgeht, dass der neue Mann zunächst einmal für neun Monate – als bis zum Saisonende – denken und arbeiten solle. Ein Retter ist also in erster Linie gefragt. Und da gab es heute das eine oder andere Missverständnis. Einmal hieß es, dass Morten Olsen durchaus denkbar sei, einmal hieß es, dass Olsen nicht passt. Was denn nun?

Klarheit gibt es in diesem Punkt nicht. Ich kann nur sagen, dass Olsen nicht passen würde. Es sei denn, er gibt sein Amt als dänischer Nationaltrainer ab. Aber das steht überhaupt nicht zur Diskussion. Also was soll es? Soll Olsen in der kommenden Länderspiel-Woche Dänemark betreuen, während die HSV-Spieler im Abstiegskampf stehen und ihren „Boss“ dringend bräuchten? Nein, ein solcher Job mit Nati- und Vereins-Trainer Olsen ist absolut undenkbar.

Doch Huub Stevens? Kann sein. Wenn ich bei Sport1 (übrigens gab es dort eine sehr, sehr gute Einschaltquote! Die Herren waren sehr zufrieden) gesagt habe, dass ich für das Duo Horst Hrubesch und Thomas von Heesen bin (oder wäre), dann mag das für viele wahrscheinlich wieder wie ein Wendehals aussehen, aber da ich mit beiden Trainern gesprochen hatte, beide sich auch einen solchen Job (also gemeinsam) vorstellen konnten, habe ich das so geäußert. Habe ich aber gesagt, dass der eine Chef und der andere nur Co-Trainer sein soll? Gleichberechtigung ist das Zauberwort.

So, nun noch einige Dinge am Rande:

Ein „Matz-abber“ schickte mir heute folgende Mail:

Das schreibt ZEIT-online über Oenning:

„Nicht mal in Nürnberg, wo er 2009 seinen größten Erfolg feierte, spricht
man gut über den Trainer Oenning. Der Aufstieg in die Bundesliga wird
seinem damaligen Assistenten Peter Hermann zugeschrieben. Hermann hatte
moderne Methoden eingeführt, etwa die Videoanalyse. Als Hermann Nürnberg verließ, verzichtete Oenning darauf. Misserfolg stellte sich rasch ein, der Rauswurf folgte kein halbes Jahr später.”

Diese Geschichte über Peter Hermann hat schon jemand im Doppelpass Forum auf Facebook gepostet. Kurz nachdem Oenning dort installiert wurde. Das war also längst ein offenes Geheimnis. Das hätte man beim HSV wissen müssen . . .

Der Gipfel war jedoch alles rund ums Bayern Spiel. Oenning warnt vor Klose
und fragt Montag Ersatzkeeper Mickel, den er wohl in der Zweiten wähnte,
wie er denn gespielt hat? Der Keeper soll einfach nur gesagt haben: „Trainer, ich saß Samstag den ganzen Nachmittag mit Ihnen auf der Bank.“

Dann gab es eine Mail vom NDR-Redakteur Andreas Becker – bitte vormerken:

„Moin liebe Kollegen,
mit der Bitte um Verbreitung und ein wenig Werbung für einen Film, der viele seltene Bilder und einen ungewöhnlichen Einblick in die Karriere eines außergewöhnlichen Menschen bietet…

Kevin Keegan ist einer der populärsten Spieler in der Geschichte des englischen Fußballs und gleichzeitig einer der ersten „Superstars“ der deutschen Bundesliga. Der kleine Wirbelwind (Spitzname „Mighty Mouse“) verstand es wie kein Zweiter, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen und begeisterte diese mit seinem unermüdlichen Einsatz.

1977 wechselt Kevin Keegan in die Bundesliga zum damaligen Europapokalsieger im Cupsieger-Wettbewerb, HSV. Dessen Manager Peter Krohn hatte den Engländer mit einem lukrativen Angebot auf den Kontinent gelockt und mit 2,3 Mio. DM die bis dahin höchste Ablösesumme in der Geschichte der Bundesliga gezahlt. Keegan, der beim HSV zum „ersten Millionär des englischen Fußballs“ wurde, benötigt eine lange Anlaufzeit und findet sich anfangs überhaupt nicht zurecht. Die Mitspieler schneiden ihn, doch der Kämpfer Keegen gibt sich zuversichtlich.

Erst als Günter Netzer im Januar 1978 beim HSV Manager wird und Branco Zebec den erfolglosen Rudi Gutendorf als Trainer ablöst,ändert sich Keegans Situation. Er wird zum Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft und avanciert im HSV-Dress zum Spieler der absoluten Weltklasse, wird 1978 und 1979 Europas Fußballer des Jahres. Der kleine Engländer mobilisiert die Massen in Hamburg wie zuletzt Uwe Seeler, und die Begeisterung für ihn kennt in der Hansestadt keine Grenzen – vor allem als der HSV 1979 erstmals in der Bundesligageschichte die Deutsche Meisterschaft gewinnt. 1979/80 führt Keegan den Verein in das Europapokalfinale der Landesmeister, in dem der HSV gegen Nottingham Forrest mit 0:1 unterliegt.

Nach Beendigung seiner Laufbahn zieht sich Keegan zunächst ganz vom Fußball zurück, feiert dann aber ab 1992 als Trainer seines letzten Klubs Newcastle United ein glänzendes Comeback in der Fußball-Szene. Nach der verpassten Meisterschaft gegen ManU wird der Druck für ihn unerträglich. Im Januar 1997 verkündet er unter Tränen seinen Abschied. Anfang 1999 wird er vom englischen Fußballverband zum Nationaltrainer berufen, tritt aber nach dem schmerzlichen 0:1 von Wembley gegen Deutschland in der WM-Qualifikation 2000 zurück.

Keegan stammt aus bescheidenen Verhältnissen und schafft mit dem Fußball den Aufstieg zu einem Popstar des Fußballs sowohl in England als auch in Deutschland. Auffallend ist, dass der Volksheld Keegan wiederholt auf dem Höhepunkt seiner Popularität (in Liverpool, Hamburg) seinen Abschied verkündet, für seine Fans stets zu früh. Andererseits gerät der knapp 1,70 Meter kleine Mann immer wieder in heftige Krisensituationen (in Newcastle und als englischer Nationalcoach) in denen er völlig entkräftet und ausgebrannt für lange Zeit untertaucht.

Wer ist dieser extrem charmante und begeisternde Kevin Keegan wirklich? Und warum gibt es diese heftigen Brüche in seiner Biografie? Die Stars-Autoren Marc Hall und Andreas Becker begeben sich auf Spurensuche. Es wird eine jahrelange Recherche mit Absagen, Vertröstungen und neuerlichen Anläufen, Keegan wirklich einmal ausführlich zu sprechen. Bis der Zufall den heute 60-Jährigen in Hamburg doch noch vor unsere Kamera führt.

Gezeigt wird der Keegan-Bericht auf NDR 3 am Sonntag (2. Oktober, 23.30 Uhr) nach dem Schalke-Spiel.

Und – einen habe ich (DM) noch:

Hallo,
am kommenden Montag wird Marcell Jansen eine Sky-Autogrammstunde in Wandsbek geben.
Wer? Marcell Jansen.
Wann? am 26. September um 18 Uhr.
Wo? Im Media Markt Hamburg-Wandsbek.

Und jetzt zum Abschluss:

Für alle die es schon immer wussten: Ich war in den letzten vier Tagen mit Jürgen Hunke im Trainingslager Cuxhaven, um dort sein Interview mit dem „Kicker“ vorzubereiten. Und ich werde auch in den nächsten vier Tagen mit Jürgen Hunke ein weiteres Trainingslager absolvieren, und zwar im Harz, in der Jugendherberge in Bad Sachsa. Für welches Interview dort trainiert wird, das wissen wir leider noch nicht genau (Spiegel? Fokus? Harburger Rundschau?), aber man muss auf alles vorbereitet sein.

Für alle, die es nicht interessiert: Ich habe mit Jürgen Hunke schon seit Wochen keinen Kontakt gehabt, nicht per Telefon – noch haben wir uns persönlich getroffen . . . Alles klar?

In diesem Sinne, schon mal jetzt ein wunderschönes und erfolgreiches (HSV-)Wochenende für alle.

18.22 Uhr

PS: Fast hätte ich es vergessen zu schreiben:

DIE REGISTRIERUNG KOMMT!

Es ist intern beschlossen, denn die Vollhonks, die zuletzt hier für Unruhe gesorgt haben, sollen nun vor der Tür bleiben (so wie es der HSV ja auch schon macht!). Da wir im Springer-Verlag demnächst ein neues System bekommen, wird die REGISTRIERUNG allerdings noch ein paar Tage (eher wohl Wochen) dauern.
Aber sie wird kommen – das ist nun amtlich und hiermit versprochen.
Demnächst mehr.

Und auch das muss ich in diesem Zusammenhang mal lsowerden:
Was ist eigenmtlich so schlimm an dem Hunke-Interview mit dem “Kicker”? Was? ist das etwa vereinsschädigend? Darf ein AR keine Meinung mehr zum HSV haben?
Ich gebe zu: ich fasse es nicht mehr. Aber eventuell werde ich ja im “Trainingslager” aufgeklärt.

Der HSV ist immer noch auf der Suche

21. September 2011

Trotsche
Noch immer hat die TFK des HSV (Trainer-Findungs-Kommission) nicht zugeschlagen. Es gibt noch nichts Neues von der Front, erst recht noch keinen Oenning-Nachfolger. Gut Ding will wohl wieder einmal Weile haben. Dafür ist der HSV ja auch schon prädestiniert. Und wenn es dann hinterher auch ein „gut Ding“ ist, dann hat sich das alles ja auch gelohnt. Wenn . . . So lange aber müssen wir uns gedulden. Neue Namen? Aus Euren Reihen gibt es genügend Kandidaten, die in die Runde geschmissen werden – ich bin es Leid.

Zumal ich für Thomas von Heesen ja ein, zwei kleinere Watsch’n erhalten habe. Nun gut, ich habe sie zur Kenntnis genommen und werde mich (auch) zu diesem Thema nicht mehr äußern. Bald ist es denn so, dass ich nur noch über den kleinen Dribbelkünstler, den es aus Hamburg nach Sevilla zog (oder wurde er hier eher vom Hof gejagt?), schreiben darf, weil ich zu allen anderen Themen keine (meine) Meinung mehr äußern darf . . .

Ich hoffe, dass ich noch kurz einige Sätze zu Horst Hrubesch sagen und schreiben darf. Der DFB-Trainer steht ja auch zur Diskussion, und ich muss sagen, dass ich ihn mir hier nicht nur sehr gut vorstellen könnte, sondern dass ich ihn hier auch sehr, sehr gerne hätte. Nur weiß ich definitiv, dass die TFK des HSV bei Hrubesch noch nicht vorstellig geworden ist. Definitiv. Weder per Telefon, noch persönlich. Oder per Mail oder per Fax. Nichts. Noch nichts. Kann ja noch werden, wenn Gut Ding Weile haben will.

Übrigens: Sollte Hrubesch wider erwarten doch eine Chance haben sollen, dann würde ich es sehr gerne sehen, dass die TFK auf TvH als Co-Trainer zurückgreifen würde. Ich glaube sogar, nein, ich gehe fest davon aus, dass beide Herren es machen würden – nur um den HSV zu retten.

Und die anderen Kandidaten? Sollen auch noch alle nichts von der HSV-TFK gehört haben. Und Laudrup soll dem HSV ja auch schon abgesagt haben. So er denn überhaupt in der Verlosung war – was ich nicht glaube. Für mich spitzt es sich auf Huub Stevens, Marco van Basten und Morton Olsen zu. Was für mich zur Folge hätte, dass nur Stevens am Ende des Tages eine Chance hätte. Gilt nur für mich, muss nicht für Euch gelten. Aber was soll ein van Basten oder ein Olsen hier? Die bräuchten bis zur Winterpause, um die Bundesliga kennen zu lernen. Bis dahin ist der HSV dann schon abgestiegen. Obwohl ich auch damit ja nicht mehr spekulieren darf . . . Weil hier die Spieler, die Verantwortlichen und alle, alle Fans ja nur aufgebaut werden sollen . . . So es sie denn lesen.

Und, wie gesagt, mein Resümee für heute in Sachen Trainer-Findung: Ich könnte immer noch sehr gut mit Huub St. leben.

Zum Sportlichen: Dennis Diekmeier hat sich beim Betriebsausflug nach Halle das Knie verletzt. Heute soll eine Kernspintomografie Aufschluss geben, wie schwer die Verletzung ist. Fest scheint zu stehen, dass der Verteidiger für die Freitags-Partie in Stuttgart wohl ausfallen wird. Und dann? Michael Mancienne ist ebenfalls verletzt, und Guy Demel . . . Nein, ein Scherz. Aber wer spielt dann hinten rechts: Ihr werdet natürlich schon eine Lösung (oder Lösungen) parat haben.

Kandidat Nummer eins: Tomas Rincon. Natürlich. Kandidat Nummer zwei: Jeffrey Bruma. Kandidat Nummer drei, wenn auch nur mit Außenseiter-Chancen: Robert Tesche.

Bruma hat stets erklärt, dass er nicht „hinten rechts“ spielen kann. Aber was soll es? Jeder Spieler, so hat es einst Otto Rehhagel (Ihr werdet sicher auch noch einen anderen finden) erfunden, muss auf allen Positionen spielen können. Und deswegen sollte Bruma doch (vielleicht) mal eine Chance erhalten. Immerhin ist der junge Mann aktueller niederländischer Nationalspieler. Da sollte man doch erwarten können, dass er sich „hinten rechts“ einmal versucht. Zumal es eventuell ja eine Möglichkeit für ihn wäre, in die Mannschaft zu kommen, denn in der Mitte dürfte er es in den kommenden Wochen ja eher etwas schwerer haben. Weil dort das Tandem Rajkovic/Westermann ja zuletzt gute Arbeit geleistet haben und sich prächtig zu verstehen weiß.

Große Änderungen, so Interims-Trainer Rodolfo Cardoso, wird es am Freitag ohnehin nicht geben. Obwohl ich mir schon wünschen würde, dass Gökhan Töre irgendwie und irgendwo in die Formation schlüpfen könnte. Wenn sie auch alle beim HSV Angst davor haben, dass der Deutsch-Türke viel zu wenig und viel zu nachlässig nach hinten denkt und spielt, dann sollen sie ihn ganz nach vorne stellen. Haben sie doch einst mit einem Rafael van der Vaart auch gemacht, nachdem einigen Herren aufgefallen war, dass die Nummer 23 zu wenig nach hinten macht. Töre hat in der Offensive erstklassige Fähigkeiten, er ist in der Lage, ein, zwei, drei Leute aus zu dribbeln. Wenn er nun noch lernen würde, dann rechtzeitig und gut abzuspielen, dann wäre er aus der HSV-Mannschaft, aus dieser HSV-Mannschaft für mich nicht mehr wegzudenken.

Und noch einen Namen möchte ich hier einwerfen: Sören Bertram. Der junge Mann schoss beim Gastspiel in Halle das 1:0 und das Tor zum 4:1-Endstand. Ich war nicht dabei, konnte die Treffer aber im Fernsehen erleben – und ich sprach heute mit einem HSV-Verantwortlichen, der dabei war. Und der schwärmte von Bertram. Nicht nur von den beiden Toren. Bertram ist hungrig, giftig, will. Er hat einen linken Fuß, hat zuletzt in Augsburg in der Zweiten Liga gespielt – und will sich jetzt beim HSV durchbeißen. Er könnte, so der Beobachter in Halle, es schaffen. Und wenn ich mir so sein letztes Tor ansehen: super gemacht. Einen Freistoß von der Rechtsaußen-Position in den hinteren (linken) Torwinkel geschlenzt. Ein Tor des Monats. Und Freistöße können die HSV-Helden der Ersten Liga ja auch nicht besonders gut schießen . . . Wenn ich mich recht erinnere. Aber meistens bekommen sie ja gar nicht erst welche.

Aber es soll und wird ja nun alles besser. Verspricht auch Heiko Westermann. Der Kapitän würde, falls alle Stricke reißen, zur Not auch hinten rechts spielen. Wenn Bruma in die Mitte rücken müsste. Westermann tut eben alles für die Mannschaft. Von der er sagt, dass sie natürlich voll verunsichert sei. Und dass das wohl klar sei. Es ist auf jeden Fall nachvollziehbar.

Über den Trainerwechsel wollte der Innenverteidiger nicht sprechen: „Das ist nicht das Thema. Stuttgart ist das Thema.“ Dennoch kam er nicht ganz drum herum: „Es ist schon irgendwie verrückt, all diese Wechsel, aber wir haben einen Punkt aus sechs Spielen geholt, saisonübergreifend 13 Spiele in Folge nicht gewonnen, da greifen eben bestimmte Mechanismen in diesem Geschäft.“ Ansonsten sagte Westermann: „Die Situation für uns ist so prekär, da muss man nicht lange zurückblicken, wir müssen nun nur nach vorne schauen.“ Und: „Wir haben in letzter Zeit genügend geredet. Jetzt zählt nur, dass wir Punkte holen, dass wir das auf dem Platz nun hinbekommen. Nichts anderes zählt jetzt.“

Als neuen Trainer wünscht sich der Nationalspieler einen „stabilen Mann“. Alles andere, so Westermann, wird der Verein entscheiden. Und man wird es nächste Woche wohl sehen, wer dieser „stabile Mann“ dann sein wird. Westermann: „Wir wissen alle, dass es so, wie es bislang lief, nicht weitergehen darf. Ich habe jedenfalls keine Lust, weiterhin da unten zu stehen.“

Wer hat das schon?

Heiko Westermann stand zu Begin dieser Saison stark in der Kritik, es hat sich gelegt. Weil die meisten erkannt haben, dass er immer alles für die Mannschaft gibt. Als einer der wenigen Spieler. Sportchef Frank Arnesen hatte am Sonntag noch bemerkt, dass es noch keine vernünftige Hierarchie in der Mannschaft geben würde – fühlt sich Westermann deswegen allein auf weiter Flur? Er sagt: „Schwere Frage.“ Und Pause. Dann sagt er: „Ich glaube einfach, dass die Zeit nun vorbei ist, dass wir uns verstecken. Wir haben zwar einen großen Umbruch hinter uns, aber wir haben auch viele erfahrene Nationalspieler, die schon lange in der Bundesliga spielen. Da müssen wir uns herausreden, da müssen wir uns schon an die eigene Nase packen, weil wir es bisher nicht geschafft haben . . .“ Nämlich eine funktionierende Mannschaft zu werden.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Die Fans jedenfalls erwarten jetzt, wo es den Neuanfang nach dem Umbruch gibt, dass sich alle Spieler zusammenraufen, um einen Einheit zu werden. Ob das nun schon gleich am Freitag in Stuttgart klappen wird, das dürfte zu bezweifeln sein. Obwohl ich es Rodolfo Cardoso wirklich gönnen würde.
So, heute mal ein wenig früher, weil ich nun schon nach München geflogen bin. „Bundesliga aktuell“ um 18.30 Uhr. Da es den einen oder anderen User gibt, der meine „Visage nicht mehr sehen kann“, sollten diejenigen nur auf Moderator Uli Pingel blicken . . . Es ist ja keiner gezwungen, meine Visage zu ertragen.

17.59 Uhr

Stevens: “Der HSV hat mein Herz gestohlen”

20. September 2011

Er will „das Beste aus der schwierigen Lage machen“. Und er will „wieder Leben in die Mannschaft bringen, das ist die halbe Miete. Es ist schwer zu begreifen, warum sie in dieser Situation ist“. Das sagt Rodolfo Cardoso, der Interims-Trainer des HSV. Er ließ heute seinen Co-Trainer, dem bisherigen Assistenten von Michael Oenning, nämlich Frank Heinemann, die Arbeit machen, während er sich mehr oder weniger in die Beobachter_Rolle zurückzog. Cardosos Erkenntnisse: „Mein erster Eindruck ist sehr gut. Die Jungs haben sich reingehauen, das ist ein gutes Zeichen für Freitag, wenn wir beim VfB Stuttgart antreten müssen.“ Und wie will er der Mannschaft helfen? Der 42-Jährige im Hinblick auf die Schwaben-Tour: „Ich werde dort nicht viele Experimente machen. Was die Mannschaft jetzt braucht, ist Selbstvertrauen, Ruhe und Sicherheit.“ Rodolfo Cardoso, der von sich sagt, eher ein „Bauch-Trainer“ zu sein, statt einer, der täglich neue Bücher über Fußballtaktiken liest, sagte aber auch, dass er keine Sprüche klopfen wird, dass er auch nicht viel reden wird. Die Frage wird dann sein, wie er dem Team bis zum Freitag um 20.30 Uhr Selbstvertrauen einimpfen will? Ohne große Reden, ohne Einzelgespräche wird das wohl kaum funktionieren. Aber wir werden es abwarten müssen. Vielleicht gibt es ja doch noch kleinere Fußball-Wunder, auch für den HSV.

Das Training heute war wie immer: Aufwärmen, fünf gegen zwei, Pässe spielen, ein kleines Spielchen mit Aufgaben. Als alle Spieler in Richtung Kabine gingen, griff sich Cardoso schnell noch Robert Tesche, um mit ihm kurz unter vier Augen zu sprechen. Mehr war an diesem Dienstag nicht.

Bleibt für uns die Trainerfrage. Das Transferfenster (für Spieler) ist zwar längst geschlossen, was wir wohl alle genossen haben, aber die Hetzjagd nach dem „richtigen Coach“ sorgt für Spannungen unter den Fans, den Spielern – und in den Redaktionen. „Ich glaub’ es geht schon wieder los . . .“, so heißt ja ein alter Schlager, aber der trifft genau das Motto dieser grauen September-Tage. Es geht tatsächlich wieder los. So bitter wie das auch ist.

Die Spekulationen schießen wie Pilze aus dem Boden: Huub Stevens, Marco van Basten, Thomas von Heesen, Horst Hrubesch, Marcel Koller, Bernd Schuster, und, und, und. Von van Bastens Berater Perry Overeem, mit dem „Die Welt“ und fast zeitgleich auch mein Kollege Floria Heil sprach, war zu erfahren: „Wir werden uns jedes seriöse Angebot anschauen. Die deutsche Fußball-Liga ist eine interessante Liga. Sollte Hamburg uns kontaktieren, werden wir uns definitiv anhören, was sie zu sagen haben.“ Stevens hat nun gesagt: „Ich werde zurzeit von vielen deutschen Journalisten angerufen, aber ich lasse das alles auf mich zukommen. Der HSV ist ein Klub, der mein Herz gestohlen hat.“

HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow erklärte unterdessen zur Trainer-Suche: „Wir befassen uns mit den Namen, die öffentlich genannt werden. Das ist deckungsgleich. Es ist ja klar, dass die Trainer in den Fokus rücken, die verfügbar sind.“ Und Sportchef Frank Arnesen stellte klar: „Es geht nicht darum, so schnell wie möglich, sondern so gut wie möglich eine Lösung zu finden.“

Wäre Huub Stevens eine solche gute Lösung? Da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe heute schon viele Stimmen gehört, die in die folgende Richtung gehen: „Der HSV will ja einen Umbruch, dann sollte er perspektivisch denken. Stevens lässt doch Fußball aus dem vorherigen Jahrtausend spielen, da wird es keine Weiterentwicklung geben.“ Mag ja sein, aber darum geht es in diesen Tagen und Wochen nicht. Es geht jetzt nur noch darum, den Abstieg des HSV zu vermeiden. Wer jetzt noch vom schönen Fußball, vom modernen Fußball und eventuell sogar noch von einem Spitzenplatz in der Tabelle träumt, dem ist nicht mehr zu helfen. Es geht, um das ganz klar zu sagen, nur noch ums nackte Überleben für den Dino. Auch wenn das bislang nur jeder zweite HSV-Fan begriffen zu haben scheint.

Ich könnte, das gebe ich zu, mit Huub Stevens leben. Obwohl die Chemie zwischen dem knurrigen Coach und mir nie stimmte. Das gebe ich gerne zu. Aber das war mir egal, und das ist mir in diesem Falle auch egal. Wichtig ist, dass der Abstieg des HSV vermieden wird. Das hat Stevens schon einmal bravourös geschafft, dafür habe ich ihm innerlich schon lange ein Denkmal gesetzt, dass er in Sachen Zusammenarbeit ein noch härterer Hund ist, als als Trainer für seine Jungs, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Kommt Huub Stevens zurück, dann wüsste ich den HSV in besten Händen, weil auch die Spieler parieren würden. Schon damals, als der Niederländer (sage nie Holländer, dann wird er fuchsteufelswild!), sagte jeder Spieler über seinen Trainer: „Hart, konsequent und gerecht, er hat keine Lieblinge, er behandelt alle gleich, er macht keine Ausnahmen.“

„Der neue Trainer muss Leidenschaft, taktische Stärke und vollen Einsatz zeigen und er muss deutsch sprechen“, beschreibt HSV-Sportchef Arnesen die Anforderungen an den zukünftigen Coach. Das würde in meinen Augen auch auf Thomas von Heesen zutreffen. Nach unserer gemeinsamen TV-Sendung bei „HH1“ am Montag erhielt ich viele schwärmende Anrufe (und Mails sowie sms). Nicht ich wurde gelobt (das genügte mir im Blog – vielen Dank dafür!), sondern von Heesen, der einmal mehr mit seinem großartigen Fachwissen glänzte. Wer die Sendung nicht sehen konnte: Auf „www.Hamburg1.de“ gehen, dann auf Sendungen: Rasant. Zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehören auch viele Amateurtrainer, sie alle waren – ohne Ausnahme – begeistert von dem, was Thomas von Heesen in Sachen Fußball so von sich gab. Ich war und bin es ohnehin, aber mein Urteil ist nicht maßgebend. Ich hoffe nur sehr, dass sich der HSV auch mit dem Thema von Heesen befassen wird. Ich habe jedenfalls solche Aussagen zum Training, zur Mannschaftsführung und zur Taktik seit Jahr und Tag nicht mehr gehört.
Obwohl es auch hier wieder sicher viele, viele Jungs gibt, die so etwas eigentlich jeden Tag hören . . .

Übrigens hat Marcell Jansen heute gesagt, dass er zur derzeitigen Lage des HSV nichts sagen kann. Ihm fällt dazu nicht wirklich etwas Gutes ein. Was soll er auch groß sagen? Obwohl er ja immer noch etwas gefunden hat, über das es sich zu reden lohnte. Nun aber herrscht das große Schweigen – bei ihm und vielen anderen Kollegen. Was auch absolut richtig ist, denn nun sollten die Leistungen für sich sprechen, die auf dem Rasen gezeigt werden. Immerhin hat Jansen zugegeben, dass er gegen seinen ehemaligen Klub Mönchengladbach „schlecht“ war. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Und es ist ja auch wichtig zu wissen, dass es doch noch so etwas wie Selbstkritik beim HSV gibt. Sehr gut, setzen!

Womit ich nicht unbedingt die Bank meine. Aber es könnte trotz allem passieren, denn Jansen, eins eines der größten deutschen Talente, läuft seiner Form hinterher. Meilenweit sogar. Und es ist mir ein Rätsel, wieso? Er hat im Sommer in den USA an seiner Fitness gearbeitet, als alle anderen Kollegen im Urlaub waren. Und er kam aus Amerika zurück und sagte: „Ich bin so fit wie noch nie in meinem Leben.“ Nichts aber war davon bis heute zu sehen, und das gibt wirklich Rätsel auf. Ich würde Marcell Jansen und dem neuen Trainer empfehlen, künftig Sonderschichten zu schieben, damit der Anschluss wieder hergestellt wird – und es gibt da in meinen Augen sehr viel Nachholbedarf.

Passend zur Situation gab es heute noch eine Hiobsbotschaft: Der HSV muss vorerst auf Abwehrspieler Michael Mancienne verzichten. Der 23 Jahre alte Engländer hat sich im Spiel gegen Mönchengladbach einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen Wie lange der Klub ohne den Profi auskommen muss, blieb zunächst noch offen.

Und dann gab es heute noch folgende Meldung, die in Hamburg durchaus von Interesse sein könnte:
Der ehemalige Bundesligaspieler und derzeitige Vize-Präsident des Bulgarischen Fußball-Verbandes Jordan Letschkow ist in seiner Heimat zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldstrafe von umgerechnet 343 000 Euro verurteilt worden. Ex-Nationalspieler Letschkow, der zwischen 1992 und 1996 101 Bundesligaspiele für den HSV bestritten hatte, wurde von einem Gericht des Bezirkes Jambol für schuldig befunden, in seiner Funktion als Bürgermeister von Sliwen öffentliche Gebäude ohne Ausschreibung an Privatfirmen vermietet und zwei Jahre lang keine Miete kassiert zu haben. Letschkow, der am 23. Oktober zur Wiederwahl antritt, kündigte an, in Berufung zu gehen.

Dazu eine kurze Anmerkung: Es trifft keinen Armen, Letschkow hat sein als Profi verdientes Geld super angelegt und ist mehrfacher Millionär, fast hätte ich geschrieben, ein Multi-Millionär. Und: „Letsche“ ist einer der nettesten Menschen, denen ich jemals im harten Profi-Geschäft begegnet bin. Ein Ausnahme-Fußballer und ein Ausnahme-Mensch, einer, der stets nur Freundlichkeit ausstrahlte, der niemals „link“ war, sondern ehrlich und offen. Eine solche Verurteilung würde mir sehr, sehr Leid tun. Als der HSV im Oktober 2005 in Sofia (Uefa-Cup) spielte, sprach ich mit Letschkow, wenn ich mich recht erinnere, sprach er damals schon von „gewissen Schwierigkeiten“, die er aber nicht nachvollziehen konnte. Nun scheinen ihn diese Schwierigkeiten wohl doch noch einzuholen. Schade.
Aber Schwierigkeiten sind ja dazu da, sie zu beseitigen. Das erfährt der HSV in diesen Tagen auch ganz gnadenlos.

18.51 Uhr

Ergänzung: Die Kombination Profis/Regionalliga-Mannschaft siegte bei der Stadion-Einweihung in Halle 4:1. Die Hamburger Tore: Sören Bertram (2), Marcus Berg und Daniel Nagy.

Aufgewacht! Der HSV trennt sich von Oenning

19. September 2011

Michael Oenning ist HSV-Geschichte. Der Trainer wurde am heutigen Montag entlassen. Und wenn die Gesamtlage des HSV nicht so traurig wäre, dann könnte man jetzt sofort eine ganz besondere Lösung an den Klub weiterreichen: Just an jenem 19. September 2011, an dem der HSV seinen Coach vor die Tür gesetzt hat, trennt sich der Bulgarische Fußball-Verband von Lothar Matthäus, unserem „Loddar“. Da wäre er doch, der geeignete Oenning-Nachfolger . . . Nein, nein, nicht böse sein, ein Scherz. Ein Scherz am Rande, und ich weiß, ein unpassender. Sehe ich auch ein. Die Lage ist viel zu ernst, als dass man darüber noch Scherze machen sollte. Ernst ist die Lage? Nein, das trifft es nicht richtig, sie ist dramatisch, hoch dramatisch sogar. Ganz Deutschland zitterte zuletzt mit dem HSV, nur der HSV nahm ganz offenbar die Situation nicht so wahr. Bis heute. Am Sonntag aber hatte Franz Beckenbauer mir eine schlaflose Nacht beschert, als er bei der Talkrunde von Sky90 gesagt hatte: „Ich kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könnte. Ein neuer Trainer müsste ein Zauberer sein – vielleicht kann ein Zauberer vom Circus Krone oder Circus Sarrasani helfen. Ein normaler Mensch hätte kurzfristig keine Chance.“

Der Kaiser sagt ja gelegentlich hier und da mal etwas, was nicht so ganz passend oder richtig ist, aber hiermit hat er mir aus der Seele gesprochen. Die Bild titelte heute auf der ersten Seite: „Wer soll diesen HSV noch retten?“ Das ist die ganz entscheidende Frage. Ich sehe keinen. Weit und breit sehe ich keinen, denn ich denke, dass der HSV zurzeit genau den schlechten Fußball spielt, der ihn auf Platz 18 der Liga gebracht hat. Diese Mannschaft, so denke ich, ist nicht besser als der Tabellenstand es besagt. Jetzt liegt es an dem gesamten Kader, das Gegenteil zu beweisen – aber ich bedaure den Oenning-Nachfolger schon jetzt. Er tritt, so wie sein Vorgänger, ein Himmelfahrtskommando an.

Als Übergangslösung wird der Argentinier Rodolfo Cardoso, Trainer der Regionalligamannschaft, die HSV-Profis bei ihrem nächsten Bundesligaspiel am Freitag beim VfB Stuttgart betreuen. Der Argentinier wird aber auf keinen Fall Chef-Trainer bleiben, denn er besitzt gar nicht die erforderliche Trainerlizenz. Es darf jetzt gesucht werden. Und beim HSV beeilte man sich damit, so betonen, dass die Suche erst mit dem heutigen Tage beginnt – es gab vorher nicht ein Gespräch mit einem möglichen „Ersatzmann“. Auf jeden Fall aber ist es so, dass der neue Mann Deutsch sprechend sein soll. Der bisherige zweite Mann, Co-Trainer Frank Heinemann, wird Cardoso (zunächst?) zur Seite stehen, wenn der neue Chef-Coach da ist, wird der entscheiden, ob er Heinemann übernehmen wird.

Sportdirektor Frank Arnesen hatte dem umstrittenen Coach zwar am Sonnabend und auch noch am Sonntag eine letzte Bewährungschance in Stuttgart fest zugesagt, doch dann erfolgte in gemeinsamen Gesprächen mit dem Vorstand und dem Trainer der Sinneswandel. Arnesen: „Wir sind jetzt zu der Überzeugung gekommen, dass wir diese Entscheidung treffen mussten.“

Und genau dazu kann man dem HSV nur gratulieren. Wobei ich nichts gegen den Menschen Michael Oenning sagen will, denn der ist absolut okay. Die Zusammenarbeit mit dem Coach war sehr gut und professionell, Oenning war jederzeit ein fairer, offener und ehrlicher Gesprächspartner. Nur geht es in der jetzigen Situation nicht um eine gute Menschenseele, sondern einzig und allein um den HSV. Es musste jetzt alles versucht werden, um diesen dramatischen Fall zu stoppen, und dazu gehört in diesem Geschäft eben auch (und oft in erster Linie) die Entlassung des Trainers.

Der HSV gab nach der Trennung bekannt, dass der 45-jährige Trainer die Trennung sehr gefasst aufgenommen habe. Er soll gesagt haben: „Es ist auch für mich nachvollziehbar, dass der Verein in der jetzigen Situation einen anderen Weg geht.“

Die Anzeichen auf eine Trennung hatten sich verdichtet, als Oenning nicht zum eigentlich für 14 Uhr angekündigten Pressegespräch erschien. Auch die Mannschaft zeigte sich zunächst nicht beim Training, sondern wurde stattdessen um 15 Uhr vom Vorstand und vom Sportchef in der Kabine über die neue Entwicklung informiert. Michael Oenning verabschiedete sich nicht mehr von dem Team, die Spieler kamen um 15.29 Uhr aus der Kabine und absolvierten unter der Leitung von Konditionstrainer Günter Kern einen Waldlauf.

Michael Oennings Bilanz mit nur einem Punkt aus sechs Spielen war vernichtend. Sechsmal schickte Oenning sein Team in dieser Saison aufs Feld, sechsmal wählte er unterschiedliche Aufstellungen. Gegen Mönchengladbach versuchte er es am vergangenen Wochenende mal mit sieben Defensiv-Spielern – und scheiterte erneut. Die Ära Michael Oenning ging damit als eines der dunkelsten Kapitel in die HSV-Chronik ein, er schaffte nur im ersten Spiel gegen den 1. FC Köln (6:2) einen Sieg, seither folgten 13 Spiele ohne Dreier. 14 Spiele in Folge ohne Sieg schaffte als HSV-Coach nur Josef Schneider, der war dann seinen Job 1967 los.

Trotz dieser schlechten Bilanz wollte der HSV auch weiterhin an seinem Coach festhalten – bis heute das Umdenken einsetzte. Wer auch immer es veranlasst hat, es musste sein, es ist genau der richtige Schritt. Sportchef Frank Arnesen begründete seinen „Fallrückzieher“ im Fall Oenning wie folgt: „Fußball ist so. Er ist emotionell. Noch am Sonntagabend hatte ich ein gutes Gefühl, aber manchmal muss man mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen entscheiden. Noch ist es für eine Trennung nicht zu spät gewesen, denn wir sind besser als der 18. Tabellenplatz und müssen dies jetzt zeigen.“

Seit um 12.30 Uhr an diesem Montag haben sich die hohen Herren des HSV Gedanken zur Lage des Klubs gemacht, nach eineinhalb Stunden waren sie dann zur Entscheidung gekommen, die Reißleine jetzt zu ziehen, statt noch eine weitere Woche zu verschenken. Zumal im Klub auch an das nächste Spiel, Freitag in Stuttgart, gedacht wurde. In der Konstellation mit Michael Oenning wäre das lediglich ein netter Betriebsausflug geworden, an dessen Ende nur ein Sieg des VfB hätte stehen können – in der jetzigen armseligen Verfassung des HSV. Nun aber besteht immerhin ein kleines, kleines bisschen Hoffnung.

Frank Arnesen sagte auch: „Man sollte Entscheidungen nicht unmittelbar nach einem Spiel treffen, da spielen immer viele Emotionen mit hinein. Besser ist es, ein, zwei Nächte darüber zu schlafen, und das habe ich nun getan. Und ich habe es getan für den HSV. Dass dann der eine oder andere Mensch sagt, dass ich unglaubwürdig geworden bin, damit muss ich leben. Ich kann nur erklären, was ich gefühlt habe. Es geht nicht um Frank Arnesen, es geht nicht um Michael Oenning, es geht nur um den HSV.“

Während der HSV jetzt einen Oenning-Nachfolger sucht, werden inzwischen mit Huub Stevens, Marcel Koller, Horst Hrubesch, Friedhelm Funkel, Franco Foda und Thomas von Heesen bereits erste Namen gehandelt.

Zur Erinnerung noch die Bundesliga-Spiele des HSV mit Trainer Oenning:
Saison 2010/2011:
19. 03. Hamburger SV – 1. FC Köln 6:2
02. 04. 1899 Hoffenheim – Hamburger SV 0:0
09. 04. Hamburger SV – Borussia Dortmund 1:1
16. 04. Hamburger SV – Hannover 96 0:0
23. 04. VfB Stuttgart – Hamburger SV 3:0
30. 04. Hamburger SV – SC Freiburg 0:2
07. 05. Bayer Leverkusen – Hamburger SV 1:1
14. 05. Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach 1:1

Saison 2011/2012:
05. 08. Borussia Dortmund – Hamburger SV 3:1
13. 08. Hamburger SV – Hertha BSC 2:2
20. 08. Bayern München – Hamburger SV 5:0
27. 08. Hamburger SV – 1. FC Köln 3:4
10. 09. Werder Bremen – Hamburger SV 2:0
17. 09. Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach 0:1.
Bilanz:
14 Spiele: ein Sieg – sieben Niederlagen – sechs Unentschieden.

Mit einem Eröffnungsspiel gegen den kriselnden HSV wird am Dienstag der neue Sportpark des Regionalligisten Hallescher FC eingeweiht. Die Begegnung im umfassend sanierten Kurt-Wabbel-Stadion findet um 19.25 Uhr statt. Der HSV wird aber nur seine B-Mannschaft schicken, denn die jetzige Situation lässt dem Klub keine andere Wahl.

Der HSV wird an diesem Dienstag um 10 Uhr und um 15 Uhr im Volkspark trainieren.

18.11 Uhr

Oenning raus – Cardoso soll übernehmen **BESTÄTIGT!**

19. September 2011

Michael Oenning soll dem Vernehmen nach bereits mitgeteilt bekommen haben, dass er ab sofort nicht mehr Trainer des HSV ist. Für das Spiel am Freitag in Stuttgart soll Rodolfo Cardoso, der bislang die U23 trainiert hat, übernehmen.

Genaueres folgt in Kürze…

….siehe hier:

HSV-Presseservice: Der HSV trennt sich von Michael Oenning

Hamburg (ots) – Der Hamburger Sport-Verein hat sich am Montag
(19.09.11) mit sofortiger Wirkung von seinem Cheftrainer Michael
Oenning getrennt. Rodolfo Cardoso wird das Traineramt interimistisch
übernehmen. “In den letzten zwei Tagen nach der 0:1-Niederlage gegen
Mönchengladbach und nach vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der
Überzeugung gekommen, dass wir diese Entscheidung treffen mussten.
Wir werden uns ab heute intensiv mit der Nachfolge von Michael
Oenning beschäftigen. Rodolfo hat jetzt unsere volle Unterstützung”,
erklärte Sportdirektor Frank Arnesen. Michael Oenning sagte nach dem
Gespräch mit dem Vorstand: “Es ist auch für mich nachvollziehbar,
dass der Verein in der jetzigen Situation einen anderen Weg geht”.

“Bei uns ist es zappenduster”

18. September 2011

HSV-Fans sind hart im Nehmen. Folgende Mail stelle ich nach einem 0:1-Desaster gegen Mönchengladbach mal hier rein, damit Ihr seht, wo einige ihre Prioritäten setzen. Unkommentiert jetzt im O-Ton:

„Also so einen Mist muss man hier lesen. Mal wieder! Wie schlecht die “hier” gezeigte Leistung doch teilweise ist. Ich sag es al salop: zu blöd um objektiv das Spiel zu betrachten!

Alleine schon immer dieses gehetze:
“„Wir hatten die älteste Mannschaft der Welt, es liefen viele Verträge aus, zudem ist die finanzielle Situation sehr angespannt.“ Letzteres will ich nicht wieder „hochsterilisieren“”

Was soll so ein Scheiss immer und immer wieder? Das langweilt doch nur noch. Und gleich nach einer Pleite so ein unobjektiven “Scheiss” zu schreiben ist unterste Kanone. Sorry…

Sie haben wohl doch eher 3 Liga geschaut. Einfach nur schlecht dieser Blog und ein Witz !“

Dass „ich“ inzwischen auch unter „twitter“ erscheine, das war mir klar und unvermeidlich, als ich von „Oenning“ und von „Jarchow“ erfuhr. Ich möchte aber sehr deutlich sagen, dass ich mit diesem Scheiß nichts zu tun habe, diese ganze „Twitterei“ geht mir am Arsch vorbei.

Zum Sportlichen.

Das Entsetzen ist auch heute noch immer riesig. Auf allen Kanälen „der HSV und die unglaubliche Talfahrt eines Dinos“. Und überall ist der steile Sturz der Raute auch zu lesen. Unter den Sprüchen zum sechsten Spieltag steht der HSV- wenigstens hier – an erster Stelle. „In Holland sagen sie: Wenn du rasiert wirst, musst du stillhalten.“ Sagte Sportchef Frank Arnesen nach der Heimpleite. Oder Mladen Petric: „Vielleicht ist es besser, einfach ml die Klappe zu halten und zu arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ Zum Beispiel Marcell Jansen: Wir können ja nicht einfach zu Hause bleiben . . .“ Der Kapitän wird auch zitiert, denn Heiko Westermann sagte: „Bei uns ist es zappenduster, es kann nicht mehr schlimmer kommen.“

Da allerdings möchte ich widersprechen. Es gilt für den HSV ab sofort, nicht auch noch den Negativ-Rekord von Tasmania Berlin zu „verbessern“. Wir erinnern uns? Die Berliner stiegen mit nur zwei Siegen und vier Unentschieden ab – der Rest waren Niederlagen. 15:108 Tore. Acht Pünktchen auf der Habenseite.

Mir wird jetzt nicht nur angst und bange, mir ist längst angst und bange. Wo soll diese Talfahrt enden? Wer könnte diese Talfahrt enden? Wenn ich sehe, wie sich der HSV gegen das drohende Unheil „wehrt“, dann könnte ich platzen vor Ärger. In Kaiserslautern rennen, rasen und kämpfen sie, in Berlin ebenfalls, auch Augsburg wehrt sich mit Leidenschaft, gegen den Abstieg, der schon vor dem ersten Spieltag „feststand“, und Köln hat wenigstens einen Podolski . . . Von allen anderen Klubs ist der HSV ohnehin schon seit Wochen meilenweit entfernt. Nicht nur vom „Punktepolster“ her, sondern auch von der Einstellung zum Abstiegskampf. Da passiert doch nichts. Leidenschaft? Engagement? Null! Und fußballerisch läuft ohnehin nichts. Die Mannschaft soll, so hat es Mladen Petric vor Wochen formuliert, ja „intakt sein“, aber warum sieht das keiner auf dem Spielfeld? Gemeinsam sind wir stark – so ein früherer Slogan, aber wenn diese Mannschaft intakt sein sollte, dann macht sich das wahrscheinlich nur am Miteinander in de Kabine fest – auf dem Platz ist es jedenfalls nicht erkennbar. Oder ist es so, weil die Kraft zu einem leidenschaftlichen Kampf fehlt? Das kann es doch nicht sein. Im Trainingslager im Zillertal ist diese Mannschaft doch topfit gemacht worden. Es sah damals auf jeden Fall so aus.

Jetzt schreit alles nach einem neuen Trainer. Soll ich mit schreien? Was würde es helfen? Der HSV ist am Zuge. Nicht ich, nicht Ihr. Der HSV muss wissen, wie er mit dieser hochdramatischen Lage umzugehen weiß. Aber weiß er es auch tatsächlich? Alle Leute, die jetzt in der Verantwortung stehen, sind neu auf ihren Pöstchen. Kenn die das Bundesliga-Geschäft wirklich so gut, dass sie auch die entsprechenden Lehren aus diesem Dilemma ziehen werden, ziehen können? Ich habe meine Zweifel. Ganz große sogar. In meinen Augen reicht es nicht, einfach mal zu sagen: „Ich möchte nicht der erste Boss sein, der mit dem HSV abgestiegen ist . . .“ Carl-Edgar Jarchow hat es gesagt. Sagen aber kann man viel. Und hinterher sagt man dann auch: „Ich kann mich ja mal irren.“

Jarchow hat heute noch einmal bekräftig, dass er zu seiner Aussage steht. Er und der Abstieg des HSV – geht nicht. Wir werden es beobachten können. Am Tag danach sagte Jarchow zur Lage: „Der Ansatz, sich aus dieser prekären Situation zu befreien, muss in erster Linie von der sportlichen Leitung kommen. Das heißt, die sportliche Leitung muss sich Gedanken machen, was haben wir bisher schlecht gemacht, was müssen wir besser machen, was müssen wir ändern? Das ist der Ansatz. Dass wir die Lage aber im Gesamtvorstand auch besprechen, das versteht sich ja von selbst.“ Und: „Der Einfluss des Gesamtvorstandes auf die jetzige Situation ist der, beizeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und das hoffen wir. Ich kann aber nach einem solchen Start und nach dieser Niederlage nicht groß theoretisch erzählen, was wir machen müssen. Das müssen wir schon praktisch in den nächsten Wochen zeigen, ich werde hier jetzt keine großen Sprüche machen, ganz sicher nicht.“

So viel aber versteht auch Carl-Edgar Jarchow auch vom Fußball, er weiß durchaus, was die Stunde für seinen Klub in der Bundesliga geschlagen hat. Der Klub-Chef über die sportliche Minus-Leistung gegen Mönchengladbach: „Ich bin sehr enttäuscht über dieses Spiel, insbesondere über die zweite Halbzeit. Die erste Halbzeit war relativ ausgeglichen, ich habe keinen Unterschied zwischen beiden Teams gesehen. Wenn man aber nach einem 0:0 zur Pause wieder auf das Spielfeld kommt, dann muss man, besonders als Heim-Verein, mit breiterer Brust beginnen, muss mehr Druck ausüben, das aber haben wir nicht gemacht.“

Eine Torchance, ein eventuell nicht gepfiffener Elfmeter – das war die offensive Ausbeute des HSV in 90 Minuten. Kümmerlicher geht es nicht mehr. Jarchow: „Das ist zu wenig, ganz klar. Ich bin zwar nicht der sportliche Fachmann, der so etwas erkennt, aber ich würde sagen, dass bei uns das Selbstvertrauen fehlt. Darüber reden wir aber seit Wochen. Und seit Wochen kommt kein Erfolgserlebnis, das ein wenig Selbstvertrauen frei setzen würde. Das ist unser Haupt-Problem.“

Vor dem ersten Saisonspiel hatte Carl-Edgar Jarchow seinem Trainer Michael Oenning quasi einen „Persilschein“ ausgesprochen, indem er verkündete: „Unser Coach kann auch vier Spiele in Folge verlieren, wir werden trotzdem zu ihm halten.“ Bereit Jarchow diese Aussage inzwischen, denn irgendwie sieht es so aus, als will er – ein wenig verzweifelt – unbeirrt zu seinen Worten stehen. Jarchow: „Nein, ich bereue das nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass der Fall nicht eintritt.“ Ist er ja nicht. Vier Spiele in Folge wurden noch nicht verloren . . . Jarchow: „Aber wir haben schon vier Spiele verloren.“ Ob er sich diesen Saisonverlauf so schwierig vorgestellt hat? Der Boss sagt: „Ich hatte ihn mir schon schwierig vorgestellt, aber nicht so schwierig. Ich habe mir nicht vorgestellt, dass wir nach sechs Spielen nur einen Punkt haben würden. Wir müssen aus unseren Heimspielen mehr machen . . .“

Was aber kann der Vorsitzende jetzt machen, um eine Besserung der Lage herbeizuführen? „Wir werden ein paar Zeichen setzen müssen, und das insbesondere auf der sportlichen Seite, und das werden wir im Laufe dieser Woche erleben – lassen Sie sich einfach mal überraschen“, sagt Jarchow vielsagend. Was er damit aber meinte, das ergänzte er auf Nachfrage auch: „Das spielt sich im Bereich Aufstellung, Training und anderen Dingen ab.“ Denn: „Wir werden ja den Kader nicht mehr verändern können . . .“

Auch deswegen erkenne ich kein Land in Sicht. Schafft es der HSV überhaupt noch einmal, eine Wende zu schaffen? Und wenn ja, wie lange wird der Traditions-Klub von der Rothenbaumchaussee dort untern herumkrebsen? Jarchow: „Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, ob es bis zur Winterpause dauern wird. Ich kann es nicht sagen. Ich sehe aber nach wie vor, dass wir einen guten Kader haben, der sehr gut zusammengestellt worden ist. Dieser Kader hat die Qualität, dass wir im Mittelfeld der Liga mitspielen können. Davon gehe ich nach wie vor aus.“

Carl-Edgar Jarchow nimmt mit dem „guten Kader“ auch Sportchef Frank Arnesen aus der Schusslinie. Die Kritik an dem Dänen, der vom FC Chelsea kam, nimmt zu. Dabei hatte Arnesen gar keine Chance, hier groß aufzutrumpfen, hier groß einzukaufen, denn er hatte kein Geld. Ein altes, ein leidiges Thema. Zu dem auch Jarchow, auf Nachfrage, Stellung bezog. Die Frage war, ob Arnesen denn nicht unter falschen Voraussetzungen zum HSV gekommen sei? Jarchow sagt: „Ich habe dem Sportchef nicht versprochen. Ich weiß das nur vom Hörensagen, dass er hier unter ganz anderen Voraussetzungen zugesagt hat, dass er damals von ganz anderen Voraussetzungen beim HSV ausgegangen ist. Das war aber vor meiner Zeit, dazu kann ich nichts sagen. Und es nützt uns ja auch nichts, noch lange über die Vergangenheit zu lamentieren, wir müssen uns mit der Gegenwart beschäftigen und fertig werden. was nützt uns, wenn wir darüber sprechen, was alles hätte anders sein können, müssen und sollen – das nützt uns doch nichts.“

Dann fügt der Boss einen ganz entscheidenden Satz an: „Die Einstellung der Mannschaft muss besser werden.“

Wie wahr.

Und: Jarchow hatte auch noch erkannt: „Insbesondere in der zweiten Halbzeit war das Rückschritt von uns. Köln war ein bisschen besser, Bremen war ganz ordentlich – aber das Spiel gegen Gladbach war absolut ein Rückschritt.“

Aber es in in jedem Fall in dieser Woche „ganz normal“ weiter. Michael Oenning wird Trainer des HSV bleiben. Das hatte ihm der Sportchef schon am Sonnabend unmittelbar nach dem Spiel versprochen, das bekräftigte Arnesen auch an diesem Sonntag: „Dabei wird es bleiben. Wir fliegen am Donnerstag zum Spiel in Stuttgart, da wird Michael Oenning neben mir sitzen. Und er wird auch wieder zurück mit nach Hamburg kommen, das kann ich klar sagen.“ Arnesen sagt weiter: „Ich bin, wie alle hier, wie die Mannschaft, die Verantwortliche, die Fans, noch immer enttäuscht. Aber wir stehen hinter dem Team, wir müssen alles dafür tun, bessere Resultate zu erzielen.“ Natürlich. Wäre ja auch noch schöner, wenn es plötzlich hieße, dass der HSV so weitermachen wolle wie bisher.

Arnesen: „Wir denken jetzt, in diesem Moment, nur von Tag zu Tag.“ Also gibt es auch keinen Plan B oder C? Der Sportchef: „Michael Oenning und diese Mannschaft sind Plan A, Plan B und Plan C.“

Dass auch er nach jedem Misserfolg mehr und mehr in der Kritik steht, dass ist dem Dänen bewusst. Er sagt dazu aber auch: „In erster Instanz müssen wir zurück, um zu sagen, in welcher Position der HSV in diesem Sommer war. Da hatte der HSV kein Geld, hatte aber viele Schulden. Da habe ich probiert, junge Spieler zu holen, die Talent haben, weil ich sie kenne – und weil ich sehr, sehr gute Dinge finanziell machen konnte.“ Soll heißen: Frank Arnesen leiß seine Beziehungen spielen, um diese Talente so günstig wie möglich einzukaufen.
Weil, das kann man gar nicht oft genug anfügen: Der HSV, dieser HSV, hatte nur noch rostige Knöpfe in der Kasse.
Siehe die eingangs veröffentlichte Mail.

Schlimm genug, dass auch Frank Arnesen immer wieder betonen muss, dass es so war, wie es war. Da brauchen Matz und Scholle auch keine Aufklärer, die uns beibringen möchten, eine Bilanz zu lesen. Wozu eine Bilanz lesen, wenn ein Blick in die Kasse zeigt, dass dort absolute Ebbe herrscht? Wozu? Und wenn man Matz und Scholle schon nicht glaubt, glaubt man dann wenigstens einem Frank Arnesen?
Hoffentlich.

Frank Arnesen sagt aber auch: „Es ist ganz normal, dass ich Kritik ernte, ganz normal. Ich bin auch nicht in der Lage, darauf etwas zu erwidern, denn wir haben nach sechs Spielen nur einen Punkt. Ich kann nur sagen, dass neue Spieler ihre Zeit brauchen, und so weiter, und so weiter. Damit fange ich aber gar nicht erst an. Ich erkläre nur, was wir in diesem Sommer probiert haben, um eine starke Mannschaft zu bekommen – und dann hoffe ich, dass wir am Freitag einen Sieg mit nach Hause bringen können.“

Woran liegt es nach Meinung des Sportchefs denn, dass der HSV so schlecht spielt, wie er zurzeit steht? Arnesen: „Es sind viele ältere Spieler weggegangen, dann musste eine neue Hierarchie kommen. Die Schlüsselspieler müssen nun aufstehen, und da kann man nur hoffen, dass das nun schnell passiert. Aber diese neue Situation ist für alle schwer, gar keine Frage.“ Trotz allem bleibt er optimistisch: „Wir haben sehr gute Spieler, für mich ist klar, dass wir bessere Spieler haben, als für Platz 18.“

Davon aber konnten die Fans bislang nichts sehen – in diesen sechs Spielen und dem einen Pokalspiel in Oldenburg. Am Dienstag sollte die Mannschaft eigentlich nach Halle, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Am Montag setzen sich die Verantwortlichen zusammen, um darüber zu beraten. Wahrscheinlich ist es so, dass die Zweite nach Halle fährt, oder eine Zweite, die „verstärkt“ mit einigen Profis aus der zweiten Reihe im Osten der Republik antreten wird. Es soll wohl, so hieß es schon, am Dienstag zweimal trainiert werden. Und es soll, war auch zu erfahren, künftig ein wenig mehr trainiert werden. Eben dem Tabellenstand angemessen.

Was wohl auch letztlich im Sinne von Michael Oenning sein müsste, denn der Coach hatte nach der Heimniederlage erkannt: „Mir hat die letzte Leidenschaft gefehlt. Wir brauchen eine Mannschaft, die sich mit allem was sie hat wehrt.“ Dass wieder eine Standardsituation zu dem Gegentor geführt hatte, das hat ihn „sticksauer“ gemacht: „Das ärgert mich maßlos, das darf nicht sein. Das ist sehr enttäuschend, da nehme ich die Mannschaft voll mit ins Boot.“

Dass er selbst – von sich aus – aufgeben könnte, das schließt der Trainer aus: „Zurzeit machen wir die big Pionts nicht, aber ich glaube noch immer daran, dass sich das ändern wird. So schnell gebe ich nicht auf. Wenn es einmal so weit sein sollte, werde ich der Letzte sein, der sich in den Weg stellt.“ Oenning führte weiter aus: „Aber diese Frage stellt sich nicht, denn ich bin hoch motiviert, die Mannschaft auch.“ Und er sagte an diesem Sonnabend auch: „Es ist nicht wichtig, über mich zu diskutieren, die Mannschaft steht in der Pflicht. Wir brauchen Punkte. Über mich zu diskutieren hilft niemandem weiter. Wir müssen das gemeinsam durchbrechen und müssen punkten. Wir wissen um die Schwierigkeiten, und wir werden ie gemeinsam lösen.“

Das ist mal ein Wort , aber: Michael Oenning selbst mag ja hoch motiviert sein, das kann ich nicht beurteilen, aber die Mannschaft? Die Mannschaft auch? Allein mir fehlt der Glaube. Auf dem Rasen konnte man am Sonnabend zwischen 15.30 Uhr und 17.20 Uhr etwas anderes sehen.

Wo aber will man anfangen? Wo aufhören? Es stockt und hakt an allen Ecke und Enden. Der Aufbau langsam und ohne Ideen, die Offensive nicht vorhanden – kaum Tormöglichkeiten. „Wir haben auch Probleme nach vorne“, gab Mladen Petric zu, der als einziger Angreifer völlig in der Luft hing, „Wir schaffen es nicht, mit Tempo in die Spitze zu spielen. Aber wir erzählen Woche für Woche das Gleiche, ich habe keinen Bock mehr, nach positiven Dingen zu suchen.“

Er wird in diesem Bereich ja auch kaum etwas finden. Was ist denn positiv bei diesem HSV?

Und da habe ich noch einen Punkt: David Jarolim. Der wurde diesmal auf rechts „verpflanzt“. Rechtsdraußen. „Jaro“ – rechts? Das erinnerte mich an Klaus Toppmöller, als der weiland in seinen letzten Stunden als HSV-Trainer Sergej Barbarez als Libero aufbot . . . Jarolim im rechten Mittelfeld? Das geht gar nicht. Spätestens zur Pause hatte ich damit gerechnet, dass der Tscheche „rausfliegen“ würde, aber das geschah dann doch erst später. Michael Oenning nach dem Spiel zu dieser Thematik: „Ich glaube nicht, dass wir jetzt nach dem Spiel über jeden einzelnen Spieler diskutieren müssen. Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit über 60 Prozent Ballbesitz hatten, das ist in Ordnung. Das ist sicherlich auch ein Verdienst von Jarolim, der jeden Ball haben will. Was uns fehlt, das ist ganz einfach das Tempo in der Spitze. Und das wir dort vorne den Ball dann halten und nachrücken.“
Ja, und all das fehlt schon seit Wochen.

Als Heung Min Son und Gökhan Töre in der 56. Minute kamen, wurde das Spiel besser, aber Michael Oenning erkannte ein anderes Problem, das sich daraus ergab: „Dann aber hatten wir auch das Problem, dass wir nach hinten offener stehen. Aber wir verlieren nicht, weil wir offener stehen, sondern weil wir bei Standards Fehler machen.“

Unter anderem. Dabei hatte Michael Oenning eine ganz besondere Taktik für diese Partie gewählt: „Wir wollten das Spiel so angehen, dass wir kompakt und stabil stehen. Mit dem klaren Plan, in der zweiten Habzeit dann zwei schnelle Leute zu bringen. In der ersten Halbzeit ist es uns durchaus gelungen, so zu spielen wie wir es wollten, wir hatten mehr Ballbesitz. Allerdings ist es uns nicht gelungen, uns Torchancen zu erarbeiten. Trotz alledem war ich mit der ersten Halbzeit nicht unzufrieden.“

Aber: In Halbzeit zwei war nun einmal Borussia Mönchengladbach die bessere Mannschaft und hatte diesen Sieg, so sah es auch Michael Oenning, verdient.

Mein ehrliches Resümee an diesem Sonntag:
Nie war der HSV so schlecht wie diesmal. Ich bin immer noch total, wirklich total geschockt von diesem müden Kick, das gebe ich zu. Ich könnte etwas anderes schreiben, etwas Aufbauendes, aber warum sollte ich? Ich sehe wirklich nichts. Denn das war Fußball zum Abgewöhnen, und ich weiß heute nicht, wie dieser HSV in Zukunft noch zu retten ist? Und wer diesen HSV retten kann – ich sehe in der Bundesliga keine schlechtere Mannschaft, als den derzeitigen Tabellenletzten. Und mir fehlt jeglicher Glaube daran, dass dieser Klub, dass diese Verantwortlichen hier noch rechtzeitig das Ruder herumreißen können. Aber natürlich lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich hoffe sogar darauf . . .

Aufwachen, ihr Leute vom HSV!

Und allen „Matz-abbern“ noch einen schönen (wenn es denn geht) Rest-Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

17.11 Uhr

0:1 – schlimmer geht es nimmer!

17. September 2011

Noch hat der HSV 28 Spiele auf der Uhr. 28 Spiele, in denen er noch die Wende schaffen kann. Und ich bin ganz sicher, dass die HSV-Verantwortlichen die Ruhe bewahren – und alles auf die nächsten 28 Spiele setzen werden. Was bleibt ihnen denn auch sonst? Nach dieser erneuten Pleite, dem 0:1 gegen Mönchengladbach, kann selbst ein Dino die Liga nicht einstellen oder freiwillig abschenken, der HSV muss da durch. Wie auch immer. Und: Auch wenn der eine oder andere Hamburger nicht mit dem ersten Abstieg aus der Bundesliga in Verbindung gebracht werden möchte, das sind nur kluge und fromme Sprüche. Die Mannschaft hat es zu richten, und diese Mannschaft ist ganz einfach nicht dazu in der Lage. Es muss jetzt schon ein Wunder geschehen, wenn dieser HSV in der nächsten Zeit einmal einen Sieg erringen will – so erschütternd harmlos, wie es diesmal gegen Mönchengladbach versucht wurde, geht es mit Sicherheit nicht einmal in Liga zwei.

Es war übrigens das 14. Bundesliga-Spiel von Trainer Michael Oenning für den HSV, die Bilanz wird nicht besser, er hat nur eine Partie gewonnen – die erste, ein 6:2 gegen Köln. Lang, lang ist es her.

Und, ich wurde jetzt schon wieder mehrfach gefragt: Wann gibt es den Trainerwechsel? Ich kann da nur sagen, was ich schon zu Beginn der Woche bei HH1 gesagt habe: Es geht hier nicht um Oenning, es geht nicht um Carl-Edgar Jarchow, es geht hier erst recht nicht um mich, es geht um den HSV. Und wenn sich nicht alle daran versündigen wollen, dann geben sie nun Gas. Jeder auf seiner Position. Jeder.
Dem Assistenten an der Linie ging die Fahne kaputt. Das war in der 31. Minute. Und es war ein kleiner Höhepunkt dieser an Höhepunkten armen ersten Halbzeit. Ein Torwart musste keinen Ball halten, ein anderer Keeper durfte einmal einen Ball fangen. Immerhin. Ansonsten wurden sie nie unter Beschuss genommen. Der HSV schaffte es in 45 Minuten einmal, den Ball so richtig herzhaft Richtung Borussen-Tor zu „ballern“, das war in der 21. Minute. Tomas Rincon wollte sein erstes Bundesliga-Tor schießen, drosch den Ball aber aus 20 Metern ungefähr 14 Meter am Tor vorbei. Immerhin, es war ein Versuch. Die anderen Hamburger versuchten es dagegen aus dem Spiel heraus nicht einmal im ersten Durchgang. Mladen Petric schoss einen Freistoß auf das Tor, aus 25 Metern, halbrechte Position – genau in die Arme von Torwart Marc-Andre ter Stegen.
Und, was viel erfreulich war: Der Assistent hatte tatsächlich eine Ersatzfahne dabei, es konnte also weitergehen mit diesem Spiel.

„Wann beginnt das Hauptspiel?“, fragte ein Zuschauer auf der Tribüne. Welches Hauptspiel? Angst fressen Leidenschaft auf – unter diesem Motto trug der HSV sein Offensivspiel vor. Halt, war das ein Offensivspiel? Ich habe nichts davon erkannt. Und ich lege mich mal fest: Der arme, arme Mladen Petric tut mir wirklich von Herzen leid. Da kann auf ihn geschimpft und gemeckert werden, wie alle es auch diesmal wieder wollen, aber der Kroaten hängt doch nur in der Luft. Allein gegen Gladbach. Bekommt Petric mal Unterstützung? Ich habe nichts gesehen. Null.

Es ist erschütternd anzusehen, wie sich der HSV müht, nach vorne zu spielen – aber es gelingt einfach nicht. Als um 16.09 Uhr an der Anzeigentafel erschien, dass der HSV 60 Prozent Ballbesitz bislang hatte, die ging ein Raunen durch die Arena. 60 Prozent Ballbesitz bedeuten, glaube ich, am Ende der 90 Minuten keine drei Punkte. Ich kann mich da täuschen, aber es stimmt wohl wirklich. 60 Prozent Ballbesitz ist so viel wie – nichts. Und die 60 Prozent Ballbesitz schafft der HSV auch nur deswegen, weil jeder zweite Ball immer zurück gespielt wird. Allerhöchstens quer. Weltmeister des Rückpasses war an diesem Nachmittag Michael Mancienne. Gefühlt 90 Prozent seiner Pässe gehen zurück.

Und wenn nicht zurück, dann war es Zufall. Mein Gott, was baut dieser HSV alles auf Zufall auf? Nimm du die Kirsche, ich hole Verpflegung. Die Mannschaft ist total, natürlich, verunsichert, da hat niemand mehr Selbstvertrauen, nicht einen Funken Selbstvertrauen. Woher auch? Ich habe immer an eine Bemerkung von Sportchef Frank Arnesen gedacht, den dieser während der Woche gesagt hatte: „Wir hatten die älteste Mannschaft der Welt, es liefen viele Verträge aus, zudem ist die finanzielle Situation sehr angespannt.“ Letzteres will ich nicht wieder „hochsterilisieren“, wie es unser Bruno sagen würde, aber ich würde gerne auf die „älteste Mannschaft der Welt“ eingehen. So spielt diese junge, stark verjüngte HSV-Mannschaft nämlich auch. Ich habe das Gefühl, dass kein anderes (deutsches) Bundesliga-Team langsamer aufbaut, als dieser HSV. Schneckentempo ist das. Wahnsinn. Das ist echt nur Wahnsinn.

Laufen, rennen, kämpfen, kloppen, Einsatz zeigen bis zum Letzten – Gras fressen. Jawoll, Gras fressen! So hatte ich mir den HSV vorgestellt. So spielen sie eigentlich alle, die im Abstiegskampf stehen. Aber in Halbzeit eins war das wie in einem Freundschaftsspiel gegen den SC Concordia: „Tu du mir nicht weh, dann tu ich dir auch nicht weh.“ Das ist wie beim Hallen-Halma. Gepaart mit einem Hauch von Billard. Wie mitunter die Kugel von Mann zu Mann und von Freund zu Gegner und zurück prallte, das hatte schon Urkomisches. Auf jeden Fall hatte das nicht viel mit Erstliga-Niveau zu tun.
Das ist ein fußballerischer Offenbarungseid.

Nach den Einwechslungen von Gökhan Töre und Heung Min Son kam der HSV wenigstens etwas auf Touren, war so etwas wie Leben in der Bude zu erkennen, aber das Tor fiel auf der Gegenseite. Nach einem lange Freistoß von Arango, ungefähr 15 Meter von der Mittellinie entfernt, köpfte de Camargo ein. Weil Son hinter ihm stand, und der davor stehende Slobodan Rajkovic (nicht Robert Tesche, wie ich erst gesehen haben wollte und geschrieben habe) wohl retten wollte, es aber nicht vermochte. Das achte Gegentor nach einer Standardsituation gegen den HSV – das achte! Es war, das stellte Michael Oenning später klar, ein Fehler von Rajkovic – und nicht von Son.

Danach rettete Jaroslav Drobny vor dem totalen Desaster, denn er hielt glänzend, nein, sensationell gegen Reus (68.) und gegen Arango (77.).

Der HSV reklamierte zwar noch einen Handelfmeter für sich, als Tesche köpfte und Daems mit dem Arm abwehrte, aber Schiedsrichter Sippel pfiff nicht. Weil zuvor schon Per Cljan Skjelbred den Gladbacher Reus, als der köpfen wollte, recht unsanft im HSV-Strafraum nach vorne befördert hatte?

Gut beim HSV? Die Nummer 23. Die war früher schon immer gut. Slobodan Rajkovic macht seinen Job sehr gut, er ist damit ein Vorbild für alle. Gut auch, mit einigen ganz kleinen Aussetzern, Kapitän Heiko Westermann. Defensiv stand auch Mancienne stabil, er machte nur nach vorne nichts. Dennis Aogo war besser als zuletzt, aber immer noch nicht in jener Verfassung, in der er einst in die Nationalmannschaft kam.

Fast gut diesmal Drobny. Er hielt, was er halten konnte. Dass er fußballerisch eher nicht viel drauf hat, das durfte er einige Mal unter Beweis stellen – und er tat es dann auch. Obwohl es alles gut ging. Wie er allerdings in der Nachspielzeit einen Abstoß ins Seitenaus beförderte, das hatte schon etwas von Slapstick . . .

Der Wahnsinn ist halt überall.

Und warum Robert Tesche (immer nur ein Tempo) in der Startelf steht – ich weiß es nicht. Rechts draußen sollte David Jarolim spielen, ein Witz. Aber gut, es war ein Versuch, und der wurde in der 69. Minute abgebrochen. „Jaro“, das muss auch gesagt werden, war nicht gut. Aber was sollte er da rechts draußen? So nahm sich der HSV die Möglichkeit, über rechts schnelle Angriffe vorzutragen, das passierte rechts nämlich nie. Und links? Marcell Jansen ist ein Schatten seiner selbst. Grausam, den „Verfall“ eines so begabten Spielers mitansehen zu müssen. Warum?

Hoffentlich trainiert der eine oder andere HSV-Spieler, der glaubt, es nötig zu haben, an diesem Montag einmal FREIWILLIG. Hoffentlich. Nötig hätten es einige.

Skjelbred im zentralen Mittelfeld – fast ein Totalausfall, obwohl er sich immer bemühte. Er bekam nur nichts auf die Reihe. Rinoch sollte beißen, das tat er zwar teilweise, aber auch nicht so, wie zu seinen besten HSV-Zeiten. Wie bei allen, fehlt überall etwas. So wie bei Petric vorne, den ich aber ausnehmen möchte – denn wo ist beim HSV vorne? Das weiß von dieser Mannschaft niemand . . .

Und nun geht es nach Stuttgart. Grausam.

PS: Ich konnte lange nicht senden, aber so etwas kommt an einem solchen Tag dann noch obendrein dazu. . . .

Noch ein PS: Köln gewinnt in Leverkusen 4:1. In Leverkusen. Dabei hatte ich es kürzlich noch gewagt, den HSV mit dem “blinden” 1. FC Köln auf eine Stufe zu stellen – es tut mir wahnsinnig (!) leid.

17.41 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.