Tagesarchiv für den 30. September 2011

Ein Blick auf die Tabelle genügt . . .

30. September 2011

Die Spieler sagen es selbst, die Kiebitze sehen es – alle können es sehen: Beim HSV ist wieder Zug drin. Es wird gut trainiert, einfach nur gut trainiert. Es herrscht Leben in der Bude, es geht zur Sache, die Jungs haben offenbar wieder Spaß an ihrer Arbeit. Schalke 04 kann kommen. Und es ging Entwarnung bei Zhi Gin Lam, der 20-jährige Mittelfeldspieler war heute ohne jede Einschränkung mit von der Partie, und sollte er alles bestens überstanden haben, wovon ich jetzt einmal ausgehe, dann wird er auch in der Mannschaft stehen, die am Sonntag um 17.30 Uhr das Spiel gegen Schalke beginnt.

Die besten Spieler beim heutigen Training, weil sie auf mich einen sehr engagierten Eindruck machten, waren Heiko Westermann, Mladen Petric, Gökhan Töre, Heung Min Son und Romeo Castelen. Und noch einer fiel mir auf: Per Ciljan Skjelbred. Der Norweger wirkte heute agiler als sonst, ließ sich auch in Zweikämpfen nicht so mir nichts dir nichts zur Seite schieben, sondern hielt dagegen. Das sah richtig gut aus – und macht Mut. Und Hoffnung, dass er doch noch kommt. Muss er doch auch.

Wenn ich nun diese Spieler hervorhebe, so muss ich anmerken, dass ich keinen anderen Spieler zurücksetzen möchte. Diese Jungs aber hatten für mich eben viele sehr gute Szenen. Und, um es bei dieser Gelegenheit einmal los zu werden: Westermann ist wieder da! Vor Wochen wünschten ihn viele HSV-Fans noch zum Teufel, um es einmal so krass auszudrücken, aber inzwischen hat sich diese Aufregung ja voll gelegt. Weil die Leistungen des Kapitäns einfach stimmen. Er hat sich aus seinem Tief herausgekämpft. Und er spielt jetzt sogar als Rechtsverteidiger, weil er sich für die Mannschaft aufopfert. Vorbildlich ist das zu nennen – Kompliment, Heiko Westermann!

Übrigens war heute Michael Oenning im Volkspark. Er verabschiedete sich von der Mannschaft, gab seinen Dienstwagen und die Schlüssel zu den Umkleideräumen ab. Wir liefen uns im Treppenaufgang zufällig über den Weg. Wo früher noch ein Lächeln über sein Gesicht gehuscht wäre, blieb seine Mimik diesmal eisern. Wortlos gab er mir die Hand – und ging in die Geschäftsstelle. Nun gut, ich weiß ja, dass er mir nicht gleich um den Hals fallen muss, eine Trennung hinterlässt eben immer einige Spuren. Gut war immerhin, dass er sich noch von der Mannschaft verabschiedet hat. Und Ende der Vorstellung.

Beim Training sahen heute noch zwei Prominente zu: Alexander Bommes vom NDR, der am Sonntag den Sportclub moderieren wird – und Sportchef Frank Arnesen (der heute Geburtstag hat) zu Gast hat. Zudem war Stefan Böger ein Zaungast. Der U-17-Nationaltrainer hätte zwar mit auf das Trainingsgelände gehen können, weil man es ihm angeboten hatte, aber der ehemalige HSV-Verteidiger zog es vor, das Geschehen von außen zu betrachten. Extrawürste lehnt er offenbar ab, und das spricht absolut für ihn.

Kommen wir zu den Personalien. Ricardo Moniz ist das Stichwort. Ist er nun ein Trainer-Kandidat für den HSV, oder ist er es nicht? Der Coach wurde darauf natürlich heute auch in Salzburg angesprochen, aber er wiegelte ab: „Im Moment denke an nichts anderes, als das Spitzenspiel am Sonntag. Dann spielen wir gegen Admira.“ Immerhin gab Moniz zu, dass es Gespräche mit Hamburg gegeben hat. Allerdings, auch das steht fest, keinerlei Verhandlungen. Moniz verhält sich gegenüber seinem Arbeitgeber Red Bull Salzburg absolut loyal, und das ist auch richtig so. Wenn der HSV etwas wollte, so müsste schon Hamburg auf die Salzburger zugehen und einmal nachfragen, unter welchen Umständen der Coach denn eventuell den Verein wechseln könnte.

Ich kann mich immer noch nicht so richtig mit diesem eventuellen Wechsel anfreunden, denn ich ziehe stets gerne eins und eins zusammen: Moniz steht mit Salzburg in Österreich auf Platz eins, spielt international in der Europa Legaue, und in Hamburg würde er den Schleudersitz eines Tabellenletzten übernehmen. Geht diese Mission schief, könnte er schnell wieder auf der Straße sitzen. Wer macht so etwas? Macht Ricardo Moniz so etwas? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich habe, quasi zwischen Tür und Angel, mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow über dieses Thema gesprochen, und ich hatte nicht den Eindruck, dass es ganz heiß ist. Aber Jarchow sagte mir auch: „Wir geben zu keinen Namen, die uns nun schon seit Tagen um die Ohren fliegen, einen Kommentar ab, und das werde ich auch jetzt nicht machen. Wir suchen, und wir suchen in aller Ruhe, denn es soll ja die beste Lösung für den HSV gefunden werden.“ Zu mehr Fragen reichte die Zeit nicht, denn dann trat Michael Oenning auf den Plan, und mit ihm ging der Klub-Boss dann weiter in die Geschäftsstelle.

Vier Etagen höher hatte sich zuvor Mladen Petric zur aktuellen Lage des HSV geäußert. Was ging in der Mannschaft nach dem 2:1-Sieg in Stuttgart vor, was verspürt er jetzt? Der Kroate, der in dieser Woche ja mehrfach mit einem Wechsel (am Saisonende) in die Schweiz konfrontiert wurde, sagte: „Ich will nicht von Leichtigkeit sprechen, aber es war ein positiver Schritt, wir haben uns Selbstvertrauen geholt, und das wollen wir mit ins Schalke-Spiel nehmen, ich bin zuversichtlich, dass uns das auch nutzen können.“

Trotz aller Euphorie in Hamburg – und auch rund um den Volkspark – der HSV ist immer noch Schlusslicht der Bundesliga. Fühlt Petric sich auch als Tabellenletzter? Er sagt: „Es geht nicht um Gefühle, es genügt ein Blick auf die Tabelle, wir sind Letzter. Aber der Sieg hat Mut gemacht, dieses positive Gefühl nehmen wir mit, die Mannschaft lebt, wir können etwas bewegen.“ Schalke kommt mit einem neuen Trainer. Huub Stevens ist bekannt dafür, dass er großen Wert auf die Null, die hinten stehen muss, legt. Ob das auch schon für Hamburg gelten kann? Mladen Petric: „Ich weiß nicht, ob er in der kurzen Zeit, in der er da ist, schon so auf seine Mannschaft einwirken kann. Aber es ist eigentlich auch unwichtig, denn wir wollen unser Spiel spielen, wir müssen Schalke unser Spiel aufdrücken – das hat uns Rodolfo Cardoso in den letzten Tagen klar gemacht. Wir wollen uns nicht dem Gegner anpassen, sondern an unsere eigenen Stärken glauben.“

Das hat Cardoso der Mannschaften schon eindrucksvoll vermitteln können. Durch „sehr viele Einzelgespräche“, wie Mladen Petric berichtete. Reden hilft – auch in einer solchen Situation. Der HSV-Torjäger gibt sich optimistisch: „Wir wollen den Schwung, den uns Stuttgart gab, mitnehmen, mit einer kleinen Serie ist man dann auch schnell da unten raus.“ Aus der Abstiegszone.

So, es ist spät geworden, aber das liegt an der späten Trainingszeit um 15.30 Uhr. Da rund um den Volkspark alle Straßen dicht sind, dauert es eben seine Zeit, bevor ich dann loslegen kann. Sorry.
Am Sonnabend ist um 16 Uhr Training, aber diese Einheit ist nicht öffentlich, also auch nicht durch die Fenster der „Raute“ zu betrachten. Es wird geheim trainiert.

19.34 Uhr

PS: Im Gewinnspiel (Spalte rechts) hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es fehlen die Gewinner.
Da ich das (technisch) nicht bereinigen kann, kommen die Glücklichen nun hier:

Die zwei Eintrittskarten für das Schalke-Spiel gehen nach Marne, gewonnen hat Fabian Holtz.
Das Original-Trikot von Henrik Dettmann erhält Marco Suhr, der in Fockbek wohnt.
Beiden Gewinnern herzlichen Glückwunsch.

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

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