Tagesarchiv für den 26. September 2011

Nicht Stevens, van Gaal oder van Basten – Cardoso soll es weiterhin richten

26. September 2011

So, jetzt also weiter mit Rodolfo. Vorerst. Und wenigstens noch gegen Schalke. Aber vielleicht auch länger? Frank Arnesen wollte sich heute nicht so recht festlegen, wich immer wieder aus. „Wir werden erst mal den Sonntag gegen Schalke abwarten und dann weitersehene.“ Klar sei jedoch, dass der Verein schon im Vorfeld der Partie einen Brief an den DFB und die DFL schicken würde, wie sich der Klub verhalten kann und darf. „Rodolfo fehlt der Fußballlehrerschein – und ich war immer ein Freund von geraden Wegen. Wir werden uns bei der DFB und dem DFB, die ich beide sehr ernst nehme, erst erkundigen, bevor wir weiter planen.“

Der HSV spielt auf Zeit. Er hat sie auch, Cardoso sei dank. „Wir wollen alle so schnell wie möglich eine Entscheidung – aber wir müssen nichts.“ Nichts erzwingen, meint Arnesen und kann und will noch nicht einmal mehr ausschließen, dass der HSV auch nach dem Schalke-Spiel weiter mit Rodolfo Cardoso arbeitet. Danach ist Länderspielpause – wobei auch die eine oder andere Entscheidung fallen könnte, wer sich für die EM qualifiziert und wer nicht. Wie bei Dänemark mit Arnesens Freund Morten Olsen…. Arnesen: „Wir haben jetzt am Sonntag das Spiel und danach 14 Tage bis zum nächsten Spiel. Und Rodolfo hat das 100-prozentige Vertrauen und volle Rückendeckung. Danach sehen wir weiter.“

Ein Vorgehen, das ausgerechnet der seit Sonntagabend Nicht-Mehr-Kandidat Huub Stevens lobt: „Wenn der HSV jetzt mit Rodolfo arbeiten will, viel Glück! Rodolfo ist ein echter Kerl, mit dem ich sehr gern zusammengearbeitet hätte. Und die zweite Halbzeit gegen Stuttgart war auch wirklich gut, das muss jeder gesehen haben.“ Dennoch glaubt der Niederländer, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: „Sich jetzt ganz für ihn zu entscheiden, wäre ein schmaler Grat. Da kommt noch was.“

Für ihn allerdings nicht mehr. Obgleich Stevens noch immer nicht klar ist, warum ihm der HSV abgesagt hat. „Ich bin nicht nur überrascht von der Absage, ich bin enttäuscht über die Art. Ich hatte mit Frank ein sehr gutes Gespräch, in dem wir mit komplett offenen Karten gespielt haben. Der Verein hat mir ganz offen erklärt, dass er außer mit mir noch mit andern Kandidaten spricht. Und ich habe – das bin ich dem HSV schuldig – ganz ehrlich gesagt, dass ich eine lockere Anfrage von Schalke 04 habe. Wenn man mir das zum Vorwurf macht – na dann gute Nacht. Dann hätte ich wahrscheinlich einfach nur nicht ehrlich sein dürfen. Ich hätte wahrscheinlich lügen müssen, um HSV-Trainer zu werden.“

Nein, ich persönlich glaube auch, der HSV wollte gar nicht wirklich. Trotz der Mühen, Stevens in Eindhoven zu besuchen und stundenlang zu sprechen. Und ich glaube, auch Stevens wird das langsam klar. „Der HSV wusste, dass ich frei bin. Hätte sich der Klub etwas früher gemeldet, wäre ich sofort gekommen. Als dann Schalke kam, war zumindest klar, dass ich mir alles erst mal anhören muss, bevor ich meine Entscheidung treffe. Denn, und das hatte Frank verstanden, beide Klubs sind in meinem Herzen. Das ist nur fair.“ Selbst ein Entgegenkommen Stevens’ half nichts. „Ich habe Frank auch gesagt, dass ich es völlig korrekt finde, wenn sich der Klub bei der Suche Zeit lassen will. Ich habe nie gedrängt, weil alle Seiten überzeugt sein müssen, um anschließend zusammen zu funktionieren.“

Dennoch hegt Stevens keine Gräuel. Im Gegenteil, so hart er zu seinen Spielern ist, so hart ist er auch im Nehmen. „Huub war einer der härtesten Verteidiger überhaupt“, macht sich auch Arnesen keine Sorgen um nachhaltige zwischenmenschliche Irritationen, „und er ist ein erfolgreicher Trainer.“ Allerdings nicht mehr beim HSV, so viel ist klar. „Das ist sehr schade. Aber so ist das Geschäft. Und so enttäuscht ich auch bin, ich nehme es Frank auch nicht persönlich übel. Ich weiß nur einfach nicht, was in Hamburg dazwischengekommen sein kann. Die Gespräche mit Frank davor waren für eine solche Absage einfach zu gut.“

Und sie werden fortgeführt. Gut zehn Kandidaten habe er bislang gesprochen, so Arnesen, der eine Verpflichtung von van Gaal ausschloss. „Seine Situation ist eindeutig: van Gaal will ein Jahr lang gar nichts machen.“ Selbst Marco van Basten scheint aus dem Rennen: „Ich habe bislang noch nicht die perfekte Lösung gefunden“, so Arnesen. Komplett ausschließen, dass es einer der bereits genannten Kandidaten wird, wollte Arnesen dann aber auch nicht. Es seien auch Gespräche dabei gewesen, die nicht zum Ende geführt werden konnten, wo teilweise terminliche Probleme herrschten.

Arnesen wirkte aufgeräumt, entspannt nach dem ersteh Saisonsieg, den er nicht überinterpretiert sehen will. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, unsere Situation ist noch zu ernst. Wir wissen, dass das ein sehr wichtiges Erfolgserlebnis war. Aber der Weg ist noch weit.“ Und dafür braucht Arnesen einen treuen Wegbegleiter, der ihm treu zur Seite steht. Zumal er selbst ab sofort dauerhaft bei den Spielen auf der Bank sitzen will. „Der HSV hatte sehr viele Trainer in den letzten acht Jahren. Und das wollen wir so nicht weitermachen.“ Und dafür hat Arnesen das Anforderungsprofil justiert: „Es muss einer sein, der auch unbedingt will“, leistet er sich einen kleinen Hieb in Richtung Stevens, „und es muss einer sein, der unsere junge, offensive Spielweise vertritt. Wir haben Spieler, die nach vorn spielen können. Und ich habe am Freitag sogar eine Mannschaft gesehen, die das kann und gleichzeitig gut steht.“

Dazu zählte Arnesen auch Drobny, der beim Gegentor nicht ganz glücklich aussah. „Drobny ist kein Diskussionsthema“, unterstützt der Sportchef die Nummer eins des HSV, „ich habe im September auch gesagt, dass die se Mannschaft stark genug ist, dass wir in dieser Zusammenstellung bis Januar auf jeden Fall weiterspielen.“ Soll heißen, kein Frank Rost. Zumal: Der Ex-Keeper hatte dem „kicker“ ein Interview gegeben und seine Rückkehr als Aktiver ausgeschlossen. Einzig in anderer Funktion, beispielsweise als Sportchef, könne er sich ein Comeback beim HSV vorstellen.

Ihr seht also, es ist wieder viel los beim HSV, ohne dass wirklich viel passiert. Mit einer Nachricht, die ich gut verkraften kann: Cardoso bleibt vorerst Trainer. Gut möglich sogar, dass der Argentinier mit dem guten Bauchgefühl anschließend als Cotrainer des neuen Chefcoaches bleibt. „Wir haben allen Kandidaten gesagt, dass wir keine großen Trainerteams einstellen können.“ Aus finanziellen Gründen. Dennoch sei der HSV in der Lage, dem Neuen die Sache auch finanziell schmackhaft machen zu können. Mit der Zugabe Cardoso als Co., wie Arnesen befürworten würde: „Ich bin sehr zufrieden mit den ersten fünf Tagen von Rodolfo. Er spricht sehr logisch über Fußball, ist in Stuttgart immer ruhig und er selbst geblieben, was ich besonders wichtig finde. Rodolfo redet nicht viel, aber was er sagt, ist logisch und gut.“

Und auf so einen kann man setzen. Zumindest hat so einer eine echte Chance verdient. Dass parallel Gespräche mit potenziellen Kandidaten weiterlaufen, ist klar. In diesem Sinne, vielleicht findet Arnesen ja die perfekte Lösung.

Euch noch einen schönen Restmontag. Bis morgen! Dann wieder mit Dieter.

Scholle (18.58 Uhr)

Kurz notiert:

Training: Am Dienstag wird zweimal trainiert, um zehn und um 15 Uhr.

Gute Tat: Der HSV ist Gastgeber des Spiels gegen
die Armut 2011.
Bei der neunten Ausgabe des Spiels treten Ronaldo,
Zidane und Freunde am 13. Dezember 2011 in der Imtech Arena in
Hamburg gegen den Hamburger Sport-Verein an. Das gaben die Fußballstars Ronaldo und Zinédine Zidane heute bekannt. Zwei Drittel der Einnahmen wird der Bekämpfung der anhaltenden
Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zufließen. Als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) werden Ronaldo und Zidane gemeinsam mit anderen berühmten Fußballspielern ein Freundschaftsspiel gegen eine
starbesetzte Mannschaft des HSV bestreiten.