Tagesarchiv für den 24. September 2011

Das perfekte Fußballwochenende – Arnesen trifft Stevens

24. September 2011

So, Leute, heute stimmt nicht nur das Wetter. Auch meine Laune ist noch immer super. Und das trotz einer 1:5-Niederlage meiner Niendorfer gegen starke Buchholzer. Aber das gestrige Spiel hat seine Nachwirkung nicht verfehlt, im Gegenteil: Ich komme trotz eines leichten Katers (der Sieg wurde gefeiert) gar nicht aus dem Lächeln raus. Wenn ich an den Lam denke, wie der gestern aufgezogen hat – genau so erhofft man sich junge Nachwuchstalente. Dazu noch das Ergebnis, das gedrehte Spiel, der erste Sieg, einen Dreier am Freitag und vor allem die starke zweite Halbzeit, die uns die Wochenendspiele entspannt von außen verfolgen lässt – genau so stelle ich mir das perfekte Fußballwochenende vor.

Dazu kommt, dass ich heute mit dem voraussichtlich kommenden Trainer gesprochen habe: Huub Stevens. Der Niederländer wird heute sein erstes persönliches Gespräch mit Frank Arnesen führen, der dafür extra in die Niederlande gereist ist. „Wir werden uns am Wochenende treffen“, verriet Stevens, „aber klar ist auch, dass noch nichts klar ist. Ich war schon ein wenig überrascht, wie offensiv am Freitag mein Engagement verkündet wurde. Nicht, dass ich mir das nicht vorstellen kann, im Gegenteil. Aber geklärt ist eben noch nichts.“

Wird es aber. Beide Seiten wollen miteinander arbeiten und an den Finanzen dürfte der Deal nicht scheitern, zumal Arnesen die Ablösesumme, die er bereit war zu zahlen, bei Stevens spart. „Es gibt aber noch andere Dinge, die stimmen müssen“, sagt Stevens und spricht die Perspektive an. „Die Organisation muss eine gemeinsame Richtung haben. Es muss klar sein, was der Verein will.“ Das ist es. Der Verein plant den Umbruch unverändert weiter. Allerdings mit Spielen wie gegen Stuttgart. Mit Mut, Selbstvertrauen und dem Wissen, gewinnen zu können. „Das Spiel war in der ersten Halbzeit nicht gut“, sagt Stevens, lobt dann aber: „In der zweiten Halbzeit war dann zu sehen, was es ausmacht, wenn die Mannschaft mutig ist und ihr Potenzial abruft. Das sah richtig gut aus. So ist was drin.“

Und auch Stevens hatte neben einer starken Defensive in der zweiten Halbzeit einen Mann besonders auf dem Schirm: Zhi Gin Lam. „Der Junge war sensationell. Von der ersten Minute an mutig und frech. Das hat beim Zugucken richtig Spaß gemacht.“ Und wer glaubt, mit Stevens würde der Umbruch beendet, der irrt. „Nur mit jungen Spielern geht es natürlich nicht. Das war nie anders. Aber wenn ich mir die zweite Halbzeit anschaue, wie ein Töre und natürlich Lam aufgezogen haben, weil sie mutig waren, dann muss ich sagen: so geht das. So kannst Du was erreichen.“

Worte, die ehrlich klangen. Und nach einer Menge Enthusiasmus für die voraussichtlich neue Aufgabe. Und Worte, die mich daran glauben lassen, dass die Konstellation Stevens/HSV passt.

Womit ich allerdings eines nicht vernachlässigen will: meinen Respekt für Rodolfo Cardoso, der mit seinen Bauchentscheidungen gestern richtig lag. Und, endlich habe ich einen HSV gesehen, der in der zweiten Halbzeit besser und nicht unsicherer wurde. Cardoso scheint die richtigen Worte gefunden zu haben. Insbesondere Tesche/Rincon wurden besser. Nein, sie steigerten sich um 100 Prozent. Dazu lieferten Bruma ein blitzsauberes Comeback ab und die Einwechselspieler erfüllten ihren Zweck. Guerrero machte die Bälle sicher, hielt sie in den eigenen Reihen. Dazu spielte Castelen befreit auf und empfahl sich für mehr. Gleiches muss man über Westermann als Rechtsverteidiger sagen.

Womit ich einen Fehler mache. Ich darf nach dem Spiel eigentlich keine einzelnen Spieler hervorheben, da die Mannschaft in der zweiten Halbzeit kollektiv gut spielte. Auch Drobny überzeigte kurz vor Schluss mit einer starken Parade. Und ich habe es gestern schon geschrieben: ich hoffe, dass der Tscheche, der sich definitiv zu viele Gedanken macht, damit gefangen hat. Ich hoffe, dass er endlich wieder an sich glaubt und zu dem Rückhalt wird, den diese Mannschaft zwingend braucht. Im Verbund mit den immer besser werdenden Innenverteidigern (egal ob Bruma, Rajkovic oder Westermann) kann das was werden.

In diesem Sinne, heute etwas kürzer, dafür umso freudiger der Blog. Ich muss mich jetzt um das Einzige kümmern, was jeden HSV-Sieg mit links in den Schatten stellt: meinen Lütten, Tom. Der gehört zum perfekten Fußballwochenende zwingend dazu…

Euch viel Spaß beim entspannten Schauen der restlichen acht Bundesligaspiele.

Scholle (15.47 Uhr)