Tagesarchiv für den 21. September 2011

Der HSV ist immer noch auf der Suche

21. September 2011

Trotsche
Noch immer hat die TFK des HSV (Trainer-Findungs-Kommission) nicht zugeschlagen. Es gibt noch nichts Neues von der Front, erst recht noch keinen Oenning-Nachfolger. Gut Ding will wohl wieder einmal Weile haben. Dafür ist der HSV ja auch schon prädestiniert. Und wenn es dann hinterher auch ein „gut Ding“ ist, dann hat sich das alles ja auch gelohnt. Wenn . . . So lange aber müssen wir uns gedulden. Neue Namen? Aus Euren Reihen gibt es genügend Kandidaten, die in die Runde geschmissen werden – ich bin es Leid.

Zumal ich für Thomas von Heesen ja ein, zwei kleinere Watsch’n erhalten habe. Nun gut, ich habe sie zur Kenntnis genommen und werde mich (auch) zu diesem Thema nicht mehr äußern. Bald ist es denn so, dass ich nur noch über den kleinen Dribbelkünstler, den es aus Hamburg nach Sevilla zog (oder wurde er hier eher vom Hof gejagt?), schreiben darf, weil ich zu allen anderen Themen keine (meine) Meinung mehr äußern darf . . .

Ich hoffe, dass ich noch kurz einige Sätze zu Horst Hrubesch sagen und schreiben darf. Der DFB-Trainer steht ja auch zur Diskussion, und ich muss sagen, dass ich ihn mir hier nicht nur sehr gut vorstellen könnte, sondern dass ich ihn hier auch sehr, sehr gerne hätte. Nur weiß ich definitiv, dass die TFK des HSV bei Hrubesch noch nicht vorstellig geworden ist. Definitiv. Weder per Telefon, noch persönlich. Oder per Mail oder per Fax. Nichts. Noch nichts. Kann ja noch werden, wenn Gut Ding Weile haben will.

Übrigens: Sollte Hrubesch wider erwarten doch eine Chance haben sollen, dann würde ich es sehr gerne sehen, dass die TFK auf TvH als Co-Trainer zurückgreifen würde. Ich glaube sogar, nein, ich gehe fest davon aus, dass beide Herren es machen würden – nur um den HSV zu retten.

Und die anderen Kandidaten? Sollen auch noch alle nichts von der HSV-TFK gehört haben. Und Laudrup soll dem HSV ja auch schon abgesagt haben. So er denn überhaupt in der Verlosung war – was ich nicht glaube. Für mich spitzt es sich auf Huub Stevens, Marco van Basten und Morton Olsen zu. Was für mich zur Folge hätte, dass nur Stevens am Ende des Tages eine Chance hätte. Gilt nur für mich, muss nicht für Euch gelten. Aber was soll ein van Basten oder ein Olsen hier? Die bräuchten bis zur Winterpause, um die Bundesliga kennen zu lernen. Bis dahin ist der HSV dann schon abgestiegen. Obwohl ich auch damit ja nicht mehr spekulieren darf . . . Weil hier die Spieler, die Verantwortlichen und alle, alle Fans ja nur aufgebaut werden sollen . . . So es sie denn lesen.

Und, wie gesagt, mein Resümee für heute in Sachen Trainer-Findung: Ich könnte immer noch sehr gut mit Huub St. leben.

Zum Sportlichen: Dennis Diekmeier hat sich beim Betriebsausflug nach Halle das Knie verletzt. Heute soll eine Kernspintomografie Aufschluss geben, wie schwer die Verletzung ist. Fest scheint zu stehen, dass der Verteidiger für die Freitags-Partie in Stuttgart wohl ausfallen wird. Und dann? Michael Mancienne ist ebenfalls verletzt, und Guy Demel . . . Nein, ein Scherz. Aber wer spielt dann hinten rechts: Ihr werdet natürlich schon eine Lösung (oder Lösungen) parat haben.

Kandidat Nummer eins: Tomas Rincon. Natürlich. Kandidat Nummer zwei: Jeffrey Bruma. Kandidat Nummer drei, wenn auch nur mit Außenseiter-Chancen: Robert Tesche.

Bruma hat stets erklärt, dass er nicht „hinten rechts“ spielen kann. Aber was soll es? Jeder Spieler, so hat es einst Otto Rehhagel (Ihr werdet sicher auch noch einen anderen finden) erfunden, muss auf allen Positionen spielen können. Und deswegen sollte Bruma doch (vielleicht) mal eine Chance erhalten. Immerhin ist der junge Mann aktueller niederländischer Nationalspieler. Da sollte man doch erwarten können, dass er sich „hinten rechts“ einmal versucht. Zumal es eventuell ja eine Möglichkeit für ihn wäre, in die Mannschaft zu kommen, denn in der Mitte dürfte er es in den kommenden Wochen ja eher etwas schwerer haben. Weil dort das Tandem Rajkovic/Westermann ja zuletzt gute Arbeit geleistet haben und sich prächtig zu verstehen weiß.

Große Änderungen, so Interims-Trainer Rodolfo Cardoso, wird es am Freitag ohnehin nicht geben. Obwohl ich mir schon wünschen würde, dass Gökhan Töre irgendwie und irgendwo in die Formation schlüpfen könnte. Wenn sie auch alle beim HSV Angst davor haben, dass der Deutsch-Türke viel zu wenig und viel zu nachlässig nach hinten denkt und spielt, dann sollen sie ihn ganz nach vorne stellen. Haben sie doch einst mit einem Rafael van der Vaart auch gemacht, nachdem einigen Herren aufgefallen war, dass die Nummer 23 zu wenig nach hinten macht. Töre hat in der Offensive erstklassige Fähigkeiten, er ist in der Lage, ein, zwei, drei Leute aus zu dribbeln. Wenn er nun noch lernen würde, dann rechtzeitig und gut abzuspielen, dann wäre er aus der HSV-Mannschaft, aus dieser HSV-Mannschaft für mich nicht mehr wegzudenken.

Und noch einen Namen möchte ich hier einwerfen: Sören Bertram. Der junge Mann schoss beim Gastspiel in Halle das 1:0 und das Tor zum 4:1-Endstand. Ich war nicht dabei, konnte die Treffer aber im Fernsehen erleben – und ich sprach heute mit einem HSV-Verantwortlichen, der dabei war. Und der schwärmte von Bertram. Nicht nur von den beiden Toren. Bertram ist hungrig, giftig, will. Er hat einen linken Fuß, hat zuletzt in Augsburg in der Zweiten Liga gespielt – und will sich jetzt beim HSV durchbeißen. Er könnte, so der Beobachter in Halle, es schaffen. Und wenn ich mir so sein letztes Tor ansehen: super gemacht. Einen Freistoß von der Rechtsaußen-Position in den hinteren (linken) Torwinkel geschlenzt. Ein Tor des Monats. Und Freistöße können die HSV-Helden der Ersten Liga ja auch nicht besonders gut schießen . . . Wenn ich mich recht erinnere. Aber meistens bekommen sie ja gar nicht erst welche.

Aber es soll und wird ja nun alles besser. Verspricht auch Heiko Westermann. Der Kapitän würde, falls alle Stricke reißen, zur Not auch hinten rechts spielen. Wenn Bruma in die Mitte rücken müsste. Westermann tut eben alles für die Mannschaft. Von der er sagt, dass sie natürlich voll verunsichert sei. Und dass das wohl klar sei. Es ist auf jeden Fall nachvollziehbar.

Über den Trainerwechsel wollte der Innenverteidiger nicht sprechen: „Das ist nicht das Thema. Stuttgart ist das Thema.“ Dennoch kam er nicht ganz drum herum: „Es ist schon irgendwie verrückt, all diese Wechsel, aber wir haben einen Punkt aus sechs Spielen geholt, saisonübergreifend 13 Spiele in Folge nicht gewonnen, da greifen eben bestimmte Mechanismen in diesem Geschäft.“ Ansonsten sagte Westermann: „Die Situation für uns ist so prekär, da muss man nicht lange zurückblicken, wir müssen nun nur nach vorne schauen.“ Und: „Wir haben in letzter Zeit genügend geredet. Jetzt zählt nur, dass wir Punkte holen, dass wir das auf dem Platz nun hinbekommen. Nichts anderes zählt jetzt.“

Als neuen Trainer wünscht sich der Nationalspieler einen „stabilen Mann“. Alles andere, so Westermann, wird der Verein entscheiden. Und man wird es nächste Woche wohl sehen, wer dieser „stabile Mann“ dann sein wird. Westermann: „Wir wissen alle, dass es so, wie es bislang lief, nicht weitergehen darf. Ich habe jedenfalls keine Lust, weiterhin da unten zu stehen.“

Wer hat das schon?

Heiko Westermann stand zu Begin dieser Saison stark in der Kritik, es hat sich gelegt. Weil die meisten erkannt haben, dass er immer alles für die Mannschaft gibt. Als einer der wenigen Spieler. Sportchef Frank Arnesen hatte am Sonntag noch bemerkt, dass es noch keine vernünftige Hierarchie in der Mannschaft geben würde – fühlt sich Westermann deswegen allein auf weiter Flur? Er sagt: „Schwere Frage.“ Und Pause. Dann sagt er: „Ich glaube einfach, dass die Zeit nun vorbei ist, dass wir uns verstecken. Wir haben zwar einen großen Umbruch hinter uns, aber wir haben auch viele erfahrene Nationalspieler, die schon lange in der Bundesliga spielen. Da müssen wir uns herausreden, da müssen wir uns schon an die eigene Nase packen, weil wir es bisher nicht geschafft haben . . .“ Nämlich eine funktionierende Mannschaft zu werden.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Die Fans jedenfalls erwarten jetzt, wo es den Neuanfang nach dem Umbruch gibt, dass sich alle Spieler zusammenraufen, um einen Einheit zu werden. Ob das nun schon gleich am Freitag in Stuttgart klappen wird, das dürfte zu bezweifeln sein. Obwohl ich es Rodolfo Cardoso wirklich gönnen würde.
So, heute mal ein wenig früher, weil ich nun schon nach München geflogen bin. „Bundesliga aktuell“ um 18.30 Uhr. Da es den einen oder anderen User gibt, der meine „Visage nicht mehr sehen kann“, sollten diejenigen nur auf Moderator Uli Pingel blicken . . . Es ist ja keiner gezwungen, meine Visage zu ertragen.

17.59 Uhr