Tagesarchiv für den 18. September 2011

“Bei uns ist es zappenduster”

18. September 2011

HSV-Fans sind hart im Nehmen. Folgende Mail stelle ich nach einem 0:1-Desaster gegen Mönchengladbach mal hier rein, damit Ihr seht, wo einige ihre Prioritäten setzen. Unkommentiert jetzt im O-Ton:

„Also so einen Mist muss man hier lesen. Mal wieder! Wie schlecht die “hier” gezeigte Leistung doch teilweise ist. Ich sag es al salop: zu blöd um objektiv das Spiel zu betrachten!

Alleine schon immer dieses gehetze:
“„Wir hatten die älteste Mannschaft der Welt, es liefen viele Verträge aus, zudem ist die finanzielle Situation sehr angespannt.“ Letzteres will ich nicht wieder „hochsterilisieren“”

Was soll so ein Scheiss immer und immer wieder? Das langweilt doch nur noch. Und gleich nach einer Pleite so ein unobjektiven “Scheiss” zu schreiben ist unterste Kanone. Sorry…

Sie haben wohl doch eher 3 Liga geschaut. Einfach nur schlecht dieser Blog und ein Witz !“

Dass „ich“ inzwischen auch unter „twitter“ erscheine, das war mir klar und unvermeidlich, als ich von „Oenning“ und von „Jarchow“ erfuhr. Ich möchte aber sehr deutlich sagen, dass ich mit diesem Scheiß nichts zu tun habe, diese ganze „Twitterei“ geht mir am Arsch vorbei.

Zum Sportlichen.

Das Entsetzen ist auch heute noch immer riesig. Auf allen Kanälen „der HSV und die unglaubliche Talfahrt eines Dinos“. Und überall ist der steile Sturz der Raute auch zu lesen. Unter den Sprüchen zum sechsten Spieltag steht der HSV- wenigstens hier – an erster Stelle. „In Holland sagen sie: Wenn du rasiert wirst, musst du stillhalten.“ Sagte Sportchef Frank Arnesen nach der Heimpleite. Oder Mladen Petric: „Vielleicht ist es besser, einfach ml die Klappe zu halten und zu arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ Zum Beispiel Marcell Jansen: Wir können ja nicht einfach zu Hause bleiben . . .“ Der Kapitän wird auch zitiert, denn Heiko Westermann sagte: „Bei uns ist es zappenduster, es kann nicht mehr schlimmer kommen.“

Da allerdings möchte ich widersprechen. Es gilt für den HSV ab sofort, nicht auch noch den Negativ-Rekord von Tasmania Berlin zu „verbessern“. Wir erinnern uns? Die Berliner stiegen mit nur zwei Siegen und vier Unentschieden ab – der Rest waren Niederlagen. 15:108 Tore. Acht Pünktchen auf der Habenseite.

Mir wird jetzt nicht nur angst und bange, mir ist längst angst und bange. Wo soll diese Talfahrt enden? Wer könnte diese Talfahrt enden? Wenn ich sehe, wie sich der HSV gegen das drohende Unheil „wehrt“, dann könnte ich platzen vor Ärger. In Kaiserslautern rennen, rasen und kämpfen sie, in Berlin ebenfalls, auch Augsburg wehrt sich mit Leidenschaft, gegen den Abstieg, der schon vor dem ersten Spieltag „feststand“, und Köln hat wenigstens einen Podolski . . . Von allen anderen Klubs ist der HSV ohnehin schon seit Wochen meilenweit entfernt. Nicht nur vom „Punktepolster“ her, sondern auch von der Einstellung zum Abstiegskampf. Da passiert doch nichts. Leidenschaft? Engagement? Null! Und fußballerisch läuft ohnehin nichts. Die Mannschaft soll, so hat es Mladen Petric vor Wochen formuliert, ja „intakt sein“, aber warum sieht das keiner auf dem Spielfeld? Gemeinsam sind wir stark – so ein früherer Slogan, aber wenn diese Mannschaft intakt sein sollte, dann macht sich das wahrscheinlich nur am Miteinander in de Kabine fest – auf dem Platz ist es jedenfalls nicht erkennbar. Oder ist es so, weil die Kraft zu einem leidenschaftlichen Kampf fehlt? Das kann es doch nicht sein. Im Trainingslager im Zillertal ist diese Mannschaft doch topfit gemacht worden. Es sah damals auf jeden Fall so aus.

Jetzt schreit alles nach einem neuen Trainer. Soll ich mit schreien? Was würde es helfen? Der HSV ist am Zuge. Nicht ich, nicht Ihr. Der HSV muss wissen, wie er mit dieser hochdramatischen Lage umzugehen weiß. Aber weiß er es auch tatsächlich? Alle Leute, die jetzt in der Verantwortung stehen, sind neu auf ihren Pöstchen. Kenn die das Bundesliga-Geschäft wirklich so gut, dass sie auch die entsprechenden Lehren aus diesem Dilemma ziehen werden, ziehen können? Ich habe meine Zweifel. Ganz große sogar. In meinen Augen reicht es nicht, einfach mal zu sagen: „Ich möchte nicht der erste Boss sein, der mit dem HSV abgestiegen ist . . .“ Carl-Edgar Jarchow hat es gesagt. Sagen aber kann man viel. Und hinterher sagt man dann auch: „Ich kann mich ja mal irren.“

Jarchow hat heute noch einmal bekräftig, dass er zu seiner Aussage steht. Er und der Abstieg des HSV – geht nicht. Wir werden es beobachten können. Am Tag danach sagte Jarchow zur Lage: „Der Ansatz, sich aus dieser prekären Situation zu befreien, muss in erster Linie von der sportlichen Leitung kommen. Das heißt, die sportliche Leitung muss sich Gedanken machen, was haben wir bisher schlecht gemacht, was müssen wir besser machen, was müssen wir ändern? Das ist der Ansatz. Dass wir die Lage aber im Gesamtvorstand auch besprechen, das versteht sich ja von selbst.“ Und: „Der Einfluss des Gesamtvorstandes auf die jetzige Situation ist der, beizeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und das hoffen wir. Ich kann aber nach einem solchen Start und nach dieser Niederlage nicht groß theoretisch erzählen, was wir machen müssen. Das müssen wir schon praktisch in den nächsten Wochen zeigen, ich werde hier jetzt keine großen Sprüche machen, ganz sicher nicht.“

So viel aber versteht auch Carl-Edgar Jarchow auch vom Fußball, er weiß durchaus, was die Stunde für seinen Klub in der Bundesliga geschlagen hat. Der Klub-Chef über die sportliche Minus-Leistung gegen Mönchengladbach: „Ich bin sehr enttäuscht über dieses Spiel, insbesondere über die zweite Halbzeit. Die erste Halbzeit war relativ ausgeglichen, ich habe keinen Unterschied zwischen beiden Teams gesehen. Wenn man aber nach einem 0:0 zur Pause wieder auf das Spielfeld kommt, dann muss man, besonders als Heim-Verein, mit breiterer Brust beginnen, muss mehr Druck ausüben, das aber haben wir nicht gemacht.“

Eine Torchance, ein eventuell nicht gepfiffener Elfmeter – das war die offensive Ausbeute des HSV in 90 Minuten. Kümmerlicher geht es nicht mehr. Jarchow: „Das ist zu wenig, ganz klar. Ich bin zwar nicht der sportliche Fachmann, der so etwas erkennt, aber ich würde sagen, dass bei uns das Selbstvertrauen fehlt. Darüber reden wir aber seit Wochen. Und seit Wochen kommt kein Erfolgserlebnis, das ein wenig Selbstvertrauen frei setzen würde. Das ist unser Haupt-Problem.“

Vor dem ersten Saisonspiel hatte Carl-Edgar Jarchow seinem Trainer Michael Oenning quasi einen „Persilschein“ ausgesprochen, indem er verkündete: „Unser Coach kann auch vier Spiele in Folge verlieren, wir werden trotzdem zu ihm halten.“ Bereit Jarchow diese Aussage inzwischen, denn irgendwie sieht es so aus, als will er – ein wenig verzweifelt – unbeirrt zu seinen Worten stehen. Jarchow: „Nein, ich bereue das nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass der Fall nicht eintritt.“ Ist er ja nicht. Vier Spiele in Folge wurden noch nicht verloren . . . Jarchow: „Aber wir haben schon vier Spiele verloren.“ Ob er sich diesen Saisonverlauf so schwierig vorgestellt hat? Der Boss sagt: „Ich hatte ihn mir schon schwierig vorgestellt, aber nicht so schwierig. Ich habe mir nicht vorgestellt, dass wir nach sechs Spielen nur einen Punkt haben würden. Wir müssen aus unseren Heimspielen mehr machen . . .“

Was aber kann der Vorsitzende jetzt machen, um eine Besserung der Lage herbeizuführen? „Wir werden ein paar Zeichen setzen müssen, und das insbesondere auf der sportlichen Seite, und das werden wir im Laufe dieser Woche erleben – lassen Sie sich einfach mal überraschen“, sagt Jarchow vielsagend. Was er damit aber meinte, das ergänzte er auf Nachfrage auch: „Das spielt sich im Bereich Aufstellung, Training und anderen Dingen ab.“ Denn: „Wir werden ja den Kader nicht mehr verändern können . . .“

Auch deswegen erkenne ich kein Land in Sicht. Schafft es der HSV überhaupt noch einmal, eine Wende zu schaffen? Und wenn ja, wie lange wird der Traditions-Klub von der Rothenbaumchaussee dort untern herumkrebsen? Jarchow: „Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, ob es bis zur Winterpause dauern wird. Ich kann es nicht sagen. Ich sehe aber nach wie vor, dass wir einen guten Kader haben, der sehr gut zusammengestellt worden ist. Dieser Kader hat die Qualität, dass wir im Mittelfeld der Liga mitspielen können. Davon gehe ich nach wie vor aus.“

Carl-Edgar Jarchow nimmt mit dem „guten Kader“ auch Sportchef Frank Arnesen aus der Schusslinie. Die Kritik an dem Dänen, der vom FC Chelsea kam, nimmt zu. Dabei hatte Arnesen gar keine Chance, hier groß aufzutrumpfen, hier groß einzukaufen, denn er hatte kein Geld. Ein altes, ein leidiges Thema. Zu dem auch Jarchow, auf Nachfrage, Stellung bezog. Die Frage war, ob Arnesen denn nicht unter falschen Voraussetzungen zum HSV gekommen sei? Jarchow sagt: „Ich habe dem Sportchef nicht versprochen. Ich weiß das nur vom Hörensagen, dass er hier unter ganz anderen Voraussetzungen zugesagt hat, dass er damals von ganz anderen Voraussetzungen beim HSV ausgegangen ist. Das war aber vor meiner Zeit, dazu kann ich nichts sagen. Und es nützt uns ja auch nichts, noch lange über die Vergangenheit zu lamentieren, wir müssen uns mit der Gegenwart beschäftigen und fertig werden. was nützt uns, wenn wir darüber sprechen, was alles hätte anders sein können, müssen und sollen – das nützt uns doch nichts.“

Dann fügt der Boss einen ganz entscheidenden Satz an: „Die Einstellung der Mannschaft muss besser werden.“

Wie wahr.

Und: Jarchow hatte auch noch erkannt: „Insbesondere in der zweiten Halbzeit war das Rückschritt von uns. Köln war ein bisschen besser, Bremen war ganz ordentlich – aber das Spiel gegen Gladbach war absolut ein Rückschritt.“

Aber es in in jedem Fall in dieser Woche „ganz normal“ weiter. Michael Oenning wird Trainer des HSV bleiben. Das hatte ihm der Sportchef schon am Sonnabend unmittelbar nach dem Spiel versprochen, das bekräftigte Arnesen auch an diesem Sonntag: „Dabei wird es bleiben. Wir fliegen am Donnerstag zum Spiel in Stuttgart, da wird Michael Oenning neben mir sitzen. Und er wird auch wieder zurück mit nach Hamburg kommen, das kann ich klar sagen.“ Arnesen sagt weiter: „Ich bin, wie alle hier, wie die Mannschaft, die Verantwortliche, die Fans, noch immer enttäuscht. Aber wir stehen hinter dem Team, wir müssen alles dafür tun, bessere Resultate zu erzielen.“ Natürlich. Wäre ja auch noch schöner, wenn es plötzlich hieße, dass der HSV so weitermachen wolle wie bisher.

Arnesen: „Wir denken jetzt, in diesem Moment, nur von Tag zu Tag.“ Also gibt es auch keinen Plan B oder C? Der Sportchef: „Michael Oenning und diese Mannschaft sind Plan A, Plan B und Plan C.“

Dass auch er nach jedem Misserfolg mehr und mehr in der Kritik steht, dass ist dem Dänen bewusst. Er sagt dazu aber auch: „In erster Instanz müssen wir zurück, um zu sagen, in welcher Position der HSV in diesem Sommer war. Da hatte der HSV kein Geld, hatte aber viele Schulden. Da habe ich probiert, junge Spieler zu holen, die Talent haben, weil ich sie kenne – und weil ich sehr, sehr gute Dinge finanziell machen konnte.“ Soll heißen: Frank Arnesen leiß seine Beziehungen spielen, um diese Talente so günstig wie möglich einzukaufen.
Weil, das kann man gar nicht oft genug anfügen: Der HSV, dieser HSV, hatte nur noch rostige Knöpfe in der Kasse.
Siehe die eingangs veröffentlichte Mail.

Schlimm genug, dass auch Frank Arnesen immer wieder betonen muss, dass es so war, wie es war. Da brauchen Matz und Scholle auch keine Aufklärer, die uns beibringen möchten, eine Bilanz zu lesen. Wozu eine Bilanz lesen, wenn ein Blick in die Kasse zeigt, dass dort absolute Ebbe herrscht? Wozu? Und wenn man Matz und Scholle schon nicht glaubt, glaubt man dann wenigstens einem Frank Arnesen?
Hoffentlich.

Frank Arnesen sagt aber auch: „Es ist ganz normal, dass ich Kritik ernte, ganz normal. Ich bin auch nicht in der Lage, darauf etwas zu erwidern, denn wir haben nach sechs Spielen nur einen Punkt. Ich kann nur sagen, dass neue Spieler ihre Zeit brauchen, und so weiter, und so weiter. Damit fange ich aber gar nicht erst an. Ich erkläre nur, was wir in diesem Sommer probiert haben, um eine starke Mannschaft zu bekommen – und dann hoffe ich, dass wir am Freitag einen Sieg mit nach Hause bringen können.“

Woran liegt es nach Meinung des Sportchefs denn, dass der HSV so schlecht spielt, wie er zurzeit steht? Arnesen: „Es sind viele ältere Spieler weggegangen, dann musste eine neue Hierarchie kommen. Die Schlüsselspieler müssen nun aufstehen, und da kann man nur hoffen, dass das nun schnell passiert. Aber diese neue Situation ist für alle schwer, gar keine Frage.“ Trotz allem bleibt er optimistisch: „Wir haben sehr gute Spieler, für mich ist klar, dass wir bessere Spieler haben, als für Platz 18.“

Davon aber konnten die Fans bislang nichts sehen – in diesen sechs Spielen und dem einen Pokalspiel in Oldenburg. Am Dienstag sollte die Mannschaft eigentlich nach Halle, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Am Montag setzen sich die Verantwortlichen zusammen, um darüber zu beraten. Wahrscheinlich ist es so, dass die Zweite nach Halle fährt, oder eine Zweite, die „verstärkt“ mit einigen Profis aus der zweiten Reihe im Osten der Republik antreten wird. Es soll wohl, so hieß es schon, am Dienstag zweimal trainiert werden. Und es soll, war auch zu erfahren, künftig ein wenig mehr trainiert werden. Eben dem Tabellenstand angemessen.

Was wohl auch letztlich im Sinne von Michael Oenning sein müsste, denn der Coach hatte nach der Heimniederlage erkannt: „Mir hat die letzte Leidenschaft gefehlt. Wir brauchen eine Mannschaft, die sich mit allem was sie hat wehrt.“ Dass wieder eine Standardsituation zu dem Gegentor geführt hatte, das hat ihn „sticksauer“ gemacht: „Das ärgert mich maßlos, das darf nicht sein. Das ist sehr enttäuschend, da nehme ich die Mannschaft voll mit ins Boot.“

Dass er selbst – von sich aus – aufgeben könnte, das schließt der Trainer aus: „Zurzeit machen wir die big Pionts nicht, aber ich glaube noch immer daran, dass sich das ändern wird. So schnell gebe ich nicht auf. Wenn es einmal so weit sein sollte, werde ich der Letzte sein, der sich in den Weg stellt.“ Oenning führte weiter aus: „Aber diese Frage stellt sich nicht, denn ich bin hoch motiviert, die Mannschaft auch.“ Und er sagte an diesem Sonnabend auch: „Es ist nicht wichtig, über mich zu diskutieren, die Mannschaft steht in der Pflicht. Wir brauchen Punkte. Über mich zu diskutieren hilft niemandem weiter. Wir müssen das gemeinsam durchbrechen und müssen punkten. Wir wissen um die Schwierigkeiten, und wir werden ie gemeinsam lösen.“

Das ist mal ein Wort , aber: Michael Oenning selbst mag ja hoch motiviert sein, das kann ich nicht beurteilen, aber die Mannschaft? Die Mannschaft auch? Allein mir fehlt der Glaube. Auf dem Rasen konnte man am Sonnabend zwischen 15.30 Uhr und 17.20 Uhr etwas anderes sehen.

Wo aber will man anfangen? Wo aufhören? Es stockt und hakt an allen Ecke und Enden. Der Aufbau langsam und ohne Ideen, die Offensive nicht vorhanden – kaum Tormöglichkeiten. „Wir haben auch Probleme nach vorne“, gab Mladen Petric zu, der als einziger Angreifer völlig in der Luft hing, „Wir schaffen es nicht, mit Tempo in die Spitze zu spielen. Aber wir erzählen Woche für Woche das Gleiche, ich habe keinen Bock mehr, nach positiven Dingen zu suchen.“

Er wird in diesem Bereich ja auch kaum etwas finden. Was ist denn positiv bei diesem HSV?

Und da habe ich noch einen Punkt: David Jarolim. Der wurde diesmal auf rechts „verpflanzt“. Rechtsdraußen. „Jaro“ – rechts? Das erinnerte mich an Klaus Toppmöller, als der weiland in seinen letzten Stunden als HSV-Trainer Sergej Barbarez als Libero aufbot . . . Jarolim im rechten Mittelfeld? Das geht gar nicht. Spätestens zur Pause hatte ich damit gerechnet, dass der Tscheche „rausfliegen“ würde, aber das geschah dann doch erst später. Michael Oenning nach dem Spiel zu dieser Thematik: „Ich glaube nicht, dass wir jetzt nach dem Spiel über jeden einzelnen Spieler diskutieren müssen. Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit über 60 Prozent Ballbesitz hatten, das ist in Ordnung. Das ist sicherlich auch ein Verdienst von Jarolim, der jeden Ball haben will. Was uns fehlt, das ist ganz einfach das Tempo in der Spitze. Und das wir dort vorne den Ball dann halten und nachrücken.“
Ja, und all das fehlt schon seit Wochen.

Als Heung Min Son und Gökhan Töre in der 56. Minute kamen, wurde das Spiel besser, aber Michael Oenning erkannte ein anderes Problem, das sich daraus ergab: „Dann aber hatten wir auch das Problem, dass wir nach hinten offener stehen. Aber wir verlieren nicht, weil wir offener stehen, sondern weil wir bei Standards Fehler machen.“

Unter anderem. Dabei hatte Michael Oenning eine ganz besondere Taktik für diese Partie gewählt: „Wir wollten das Spiel so angehen, dass wir kompakt und stabil stehen. Mit dem klaren Plan, in der zweiten Habzeit dann zwei schnelle Leute zu bringen. In der ersten Halbzeit ist es uns durchaus gelungen, so zu spielen wie wir es wollten, wir hatten mehr Ballbesitz. Allerdings ist es uns nicht gelungen, uns Torchancen zu erarbeiten. Trotz alledem war ich mit der ersten Halbzeit nicht unzufrieden.“

Aber: In Halbzeit zwei war nun einmal Borussia Mönchengladbach die bessere Mannschaft und hatte diesen Sieg, so sah es auch Michael Oenning, verdient.

Mein ehrliches Resümee an diesem Sonntag:
Nie war der HSV so schlecht wie diesmal. Ich bin immer noch total, wirklich total geschockt von diesem müden Kick, das gebe ich zu. Ich könnte etwas anderes schreiben, etwas Aufbauendes, aber warum sollte ich? Ich sehe wirklich nichts. Denn das war Fußball zum Abgewöhnen, und ich weiß heute nicht, wie dieser HSV in Zukunft noch zu retten ist? Und wer diesen HSV retten kann – ich sehe in der Bundesliga keine schlechtere Mannschaft, als den derzeitigen Tabellenletzten. Und mir fehlt jeglicher Glaube daran, dass dieser Klub, dass diese Verantwortlichen hier noch rechtzeitig das Ruder herumreißen können. Aber natürlich lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich hoffe sogar darauf . . .

Aufwachen, ihr Leute vom HSV!

Und allen „Matz-abbern“ noch einen schönen (wenn es denn geht) Rest-Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

17.11 Uhr