Tagesarchiv für den 14. September 2011

Was der SID über den HSV schreibt

14. September 2011


Heute einmal die etwas andere Eröffnungs-Variante bei „Matz ab“. Der Sport-Informations-Dienst schreibt heute bezüglich des nächsten HSV-Gegners:

MÖNCHENGLADBACH, 14. September (SID) – „Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach bangt vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) beim Tabellenschlusslicht Hamburger SV um den Einsatz der Angreifer Mike Hanke und Igor de Camargo. Hanke laboriert derzeit an Knieproblemen und konnte deshalb am Mittwoch nicht am Training teilnehmen. De Camargo ging bei der Vormittagseinheit mit auf den Platz, musste das Training aber wegen Adduktorenproblemen abbrechen. Ob die beiden Profis in Hamburg mitwirken können, ist noch offen.“

Das ist also der SID. Der hat heute aber nicht nur über Mönchengladbach geschrieben, sondern auch über den HSV. Und zwar die folgenden Zeilen:

HSV macht Minus von 4,8 Millionen Euro

HAMBURG, 14. September (SID) – „Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat in der abgelaufenen Saison offenbar ein Minus von knapp fünf Millionen Euro gemacht. Diese Bilanz soll der Aufsichtsrat der Hanseaten am Dienstag abgesegnet haben. Laut Informationen der Bild-Zeitung wurden weitere Belastungen auf die aktuelle Spielzeit übertragen, um ein größeres Defizit zu verhindern.
Dazu gehören angeblich Transferraten in Höhe von 16 Millionen Euro, die aus der Amtszeit des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann stammen. Um die finanzielle Konsolidierung voranzutreiben, sollen die Spieler-Gehälter in dieser Spielzeit von 48 auf 38 Millionen Euro gesenkt werden.“

Das hat also der Sport-Informations-Dienst geschrieben. Und ich möchte es Eich nicht vorenthalten. Der SID bedient sich der Zahlen der Bild (heutige Ausgabe). Die Zahlen und diesen Bericht hätte der Sport-Informations-Dienst aber auch schon zu Beginn des Jahres von „Matz ab“ übernehmen können – hat er aber nicht. Dafür wurde „Matz ab“ hier von jedem ungefähr dritten User vernichtet, gehängt, verdammt. Nun hat es der Sport-Informations-Dienst geschrieben, deshalb bitte ich jede weitere Vernichtungs-Aktion auch an den Sport-Informations-Dienst zu richten.
Die Zahlen bleiben dabei aber in jedem Fall immer im Minus.

Ob es eventuell mal die eine oder andere Entschuldigung für uns gibt? Auch vielleicht von denen, die mich für meinen „Angst-und-bange“-Artikel gehängt haben. Vielfach wurde ich dazu schon gefragt, aber ich konnte es immer nur verneinen. Es gab noch nicht eine Entschuldigung, aber die kann ja noch kommen . . . Die Hoffnung stirbt auch in diesem Fall zuletzt.

Was ich den Hoffmann-Befürwortern, die alles und jeden glatt abbügeln, aber gerne einmal ins Stammbuch schreiben möchte ist dies: Bernd Hoffmann allein hat natürlich nicht für diese schlimmen Zahlen gesorgt. Der HSV hatte auch zu Hoffmanns Zeiten schon einen kräftigen, zwölf Mann starken Aufsichtsrat. Und der musste jede Summe, die aus der Portokasse genommen worden ist, absegnen. So schreibt es die Satzung vor. Es war also nicht nur Bernd Hoffmann, sondern auch einige andere gestandene Persönlichkeiten des öffentlichen HSV-Lebens . . . Aber wie dem auch sei, die Zahlen bleiben rot.

Was mich jedoch am meisten daran stört: Allmählich kommt ja alles ans Tageslicht. Pfennig für Pfennig, Cent für Cent. Immer und immer mehr. Als wir es hier seinerzeit geschrieben haben, da war das Geschrei riesig, aber ganz offensichtlich stimmen sie ja nun doch, diese Zahlen. Und: Ich weiß natürlich, dass wir auch eine schon wesentlich größere Zahl an Minus veröffentlicht haben. Bevor darüber nun alle wieder herziehen, kann ich jedem nur raten: abwarten. Es kommt, wie jetzt jeder sehen kann, alles ans Tageslicht. Alles. Wirklich alles. Es dauert vielleicht nur seine Zeit. Immerhin steht ja im ersten Absatz des Berichtes des Sport-Informations-Dienstes, dass gewisse Transaktionen auf die jetzige Saison übertragen werden . . . Was das wohl ist? Habt Ihr, die hier so auf die Palme gegangen sind, eine Idee?

So, einen hab’ ich noch. Noch einen vom Sport-Informations-Dienst:

HAMBURG, 14. September (SID) – „Ein „Doppelgänger“ macht sich im sozialen Online-Netzwerk Twitter über Michael Oenning, Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, lustig. „Wir werden Geschichte schreiben und Titel holen – selbst wenn es vorerst nur der alte Rekord von Tasmania Berlin ist“, schrieb ein Unbekannter im Namen des HSV-Coaches. Tasmania 1900 ist der erfolgloseste Verein der Bundesligageschichte.
In der Saison 1965/66 holte der Klub nur zehn Punkte (nach der Drei-Punkte-Regel) und kassierte 108 Gegentore. Oenning hat in der laufenden Saison aus fünf Spielen erst einen Punkt mit seinem Team geholt und ist derzeit Tabellenletzter.
Nach der Pleite im Nordderby gegen Werder Bremen (0:2) zeigte sich der falsche Oenning dennoch zufrieden. „Nur zwei Gegentore. Meine Defensivtaktik fruchtet und wird verinnerlicht. Ende Februar sollte der erste Punktgewinn durchaus realistisch sein“, war sein ironischer Kommentar.
Ein Dreier am kommenden Sonnabend gegen Borussia Mönchengladbach sei aber noch nicht realistisch. „Wir werden jetzt nicht in Panik geraten und mit einem Sieg gegen Gladbach rechnen, wir gehen den Weg der kleinen Schritte.“ Auch für die 0:5-Niederlage gegen Bayern München hatte Oennings imaginärer Doppelgänger eine besondere Erklärung: „Wir sind heute ein Stück weit fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen, an einem anderen Tag gewinnt man hier auch mal 6:5.“

So weit der Sport-Informations-Dienst.

Ich weiß, dass Michael Oenning inzwischen einen Anwalt eingeschaltet hat, um den „Doppelgänger“ zu enttarnen. Ich hoffe sehr, dass es ihm gelingen möge. Obwohl: Allein mir fehlt der Glaube. Das habe ich in meinen persönlichen Fällen ja auch schon alles versucht, doch nichts hat geholfen. Vielleicht ist Oenning aber da erfolgreicher als ich. Der HSV hat, so mein Wissensstand, die Twitter-Seite von „Michael Oenning“ inzwischen sperren lassen. Aber ich weiß nicht, ob es tatsächlich gelungen ist.

So, und wenn ich nun schon gerade im Internet bin: Heute bekam ich folgende Mail. Ich will sie Euch nicht vorenthalten:

„Lieber Dieter,

wie Du weißt, lese ich nahezu täglich Deinen tollen Blog. Besonders gefallen mir dabei die Geschichten aus dem „Nähkästchen“ und Deine Interviews.

Zu Uwe Seeler, dessen Statements einige Deiner User offenbar nicht richtig einzuschätzen wissen, möchte ich folgendes ergänzen: Uwe ist ein Mann, dessen Wort noch etwas wert ist. Er ist bescheiden, ehrlich, großzügig, hilfsbereit, gradlinig und warmherzig. Er ist ein sportliches und menschliches Vorbild in jeder Hinsicht. Mag sein, dass er nicht der größte Rhetoriker ist, so what? Wenn Uwe etwas sagt, kommt es auf den Inhalt an, da wird es keine leeren Worthülsen geben, kein Palaver und auch kein Drumherum, sondern klare Ansagen. Ich mag das.

Uwe steht für die inneren Werte. Leider wird es immerschwieriger, diese den Jugendlichen zu vermitteln, die von ihren Idolen vorgelebt bekommen, dass es auf Äußerlichkeiten wie goldene Ketten, Sportwagen und Designerklamotten, anzukommen scheint. Wenn jeder Spieler/Funktionär auch nur 30% von Uwe Seelers Herzblut hätte, stünden wir nicht auf dem letzten Tabellenplatz.“

Herzliche Grüße, Jasmin vom HSV-Fanclub „Nordseeler“.

Liebe Jasmin,

vielen Dank dafür, Du hast ja so was von Recht. Leider aber gibt es solche Zeitgenossen, die sich selbst über ein so überragendes Lebenswerk, wie es Uwe Seeler erbracht hat, hinwegsetzen. Das tut mir, so wie Dir, sehr, sehr weh, das muss ich gestehen, denn für mich ist Uwe Seeler nicht nur der größte Fußballer, sondern auch ein ganz, ganz feiner Mensch. Diejenigen, die so verächtlich über einen Mann, der auf der ganzen Welt höchste Anerkennung genießt, urteilen, kennen ihn nicht wirklich, denn sonst wären sie garantiert nicht zu solchen unfassbaren Ausfällen fähig. Ich sage jedenfalls eindeutig: Diese Verachtung hat niemand, kein einziger Mensch (oder HSVer) verdient, und ein Uwe Seeler erst recht nicht. Mich würde es freuen, wenn viele, viele HSVer viel mehr dagegen angehen würden, wie nun Jasmin. Danke dafür.

Nun aber zum erfreulichen Teil, nein, zum Wesentlichen, nämlich zum Sportlichen im HSV.

Erfreulich sage ich deswegen, weil wir heute mit zwei Neulingen sprechen konnten: Slobodan Rajkovic und Ivo Ilicevic. Zwei ganz große Hoffnungsträger des HSV. Der 22-jährige, nein, der erst (!) 22-jährige Serbe hat ja bereits zweimal für den HSV gespielt, und er hat dabei zweimal absolut überzeugen können. Mit ihm ist die HSV-Abwehr besser geworden, obwohl einmal vier und einmal zwei Gegentore ganz bestimmt nicht für diese These sprechen. Aber viele HSV-Fans haben nach dem Köln- und Werder-Spiel das Empfinden – auch ich gehöre dazu.

Wenn er so im Sessel vor uns sitzt, dann macht er auf mich einen Eindruck, als sei er der nette Junge von nebenan. Ein gewinnendes Lächeln, dazu total unverkrampft und offen. Der Mann passt bestens in die Welt.

Und er wird dem HSV auch helfen können. Trotz der jugendlichen Unbekümmertheit, die er so ausstrahlt, hat er zweimal schon viel Verantwortung übernommen. Und wird auch so weitermachen, ganz sicher. Rajkovic hat Führungsqualitäten – und sagt zu diesem Thema: „Ich mag es, ein Leader zu sein, aber das gebührt in erster Linie dem Kapitän und den älteren Spielern, Ich möchte ihnen aber helfen. Ich bin ein Typ, der immer gewinnen will. Ich will auch gegen die gewinnen, die besser sind, ansonsten hast du auch keine Chance, zu gewinnen.“ Und genau deswegen passt Rajkovic so gut zum HSV. Jetzt sind Sieger-Typen gefragter denn je.

Er scheint sich schon bestens eingelebt zu haben, in dem neuen und jungen HSV-Team, denn er fühlt sich sichtbar wohl. Und sagt auch: „Die Atmosphäre bei uns ist super. Normal wird sie bei einer Negativserie schlechter, das aber ist hier nicht der Fall.“ Wie soll es dann erst werden, wenn der HSV mal auf einer Erfolgswelle schwimmen sollte? Er will dafür alles geben. Und dass sein Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute stimmt, davon konnten sich die HSV-Anhänger ja bereits überzeugen. Der Mann geht knallhart zur Sache – vorbildlich. Erst kämpfen und knüppeln, dann spielen? Ist das seine Devise? „Mein Stil ist nicht erst kämpfen und dann spielen, sondern zu arbeiten. Vom Anfang bis Ende“, sagt Rajkovic. Sein neuer Teamkollege Per Ciljan Skjelbred hat ja angeblich ein wenig Angst vor ihm soll gesagt haben, dass er froh ist, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen – statt gegen ihn. Was de Serbe nicht so ganz nachvollziehen kann: „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, ich bin doch ein ganz netter Kerl. Das weiß er doch auch, da muss er doch nur genau hinsehen . . .“ Stimmt genau.

Wie denkt Slobodan Rajkovic den über die derzeitige Lage des HSV? Abstieg? Keineswegs. Rajkovic: „Die gute Atmosphäre im Team stimmt mich zuversichtlich, und für mich gibt es nur drei, vier Team in der Bundesliga, die besser sind als wir – mit den anderen sind wir auf Augenhöhe.“ Und der Druck? Wie geht er mit dem Druck um? „Auch wenn es sich blöd anhört, aber ich habe solche Situation lieber am Anfang einer Saison, als zum Ende. Ich gebe aber zu, ich kann den Kopf nicht ausschalten, ich denke immer über die Situation nach. Ab er eines ist ganz wichtig, wir müssen positiv bleiben.“ So ist es. Sonst behält die Verkrampfung die Oberhand, dann wird es zusätzlich schwerer. Ob sich danach aber alle werden richten können? Das wird sich auch am Sonnabend zeigen, wenn die Partie um 15.30 Uhr angestoßen worden ist.

Wo zu diesem Zeitpunkt Ivo Ilicevic sitzen wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall nicht auf der Bank. Der 24-jährige Kroate ist noch für drei Spiele gesperrt, wird sich also in Geduld üben müssen – wie auch die HSV-Fans. Die konnten sich immerhin schon am Dienstag einen ersten Eindruck verschaffen, wen der HSV da vom 1. FC Kaiserslautern verpflichtet hat. Und die, die dabei waren, die waren entzückt. Ilicevic war der beste Mann.“ Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es nur ein Testspiel gegen einen unterklassigen Verein war. Ein schönes Gefühl, zum ersten Mal mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Es war wichtig, Spaß zu haben, und den hatten wir, und ein solches Spiel ist ja auch dazu da, sich Selbstvertrauen zu holen“, sagt Ivo Ilicevic. Ob aber dieses 7:0 gegen einen Landesliga-Klub tatsächlich für Selbstvertrauen sorgt? Ich habe meine leichten Zweifel.

Er spricht von „wir“, wenn er über den HSV und seine neuen Mannschaftskollegen spricht – das ist schon einmal sehr erfreulich. Er sah sich das Spiel gegen Bremen im Hotel an und sagt über seine Eindrücke: „Ich habe mitgefiebert, klar. Und ich habe gehofft, dass es positiv läuft. Wir haben in Bremen ja kein schlechtes Spiel gemacht, wir standen kompakt – aber wir stehen unten, da läuft eben nicht alles normal. Ich glaube aber, dass diese Mannschaft auf jeden Fall genug Qualität hat, um da unten schnell raus zu kommen.“ Damit, dass nun viele HSV-Fans große Hoffnungen mit seinem Namen verknüpfen, damit kann er gut leben: „Ich bin hierher gekommen, um Erfolg zu haben, ich möchte der Mannschaft weiterhelfen – das werde ich in jeder Trainingseinheit zeigen, und natürlich dann auch, wenn ich spiele.“

Man kann es ja gar nicht mehr abwarten.

Er selbst wohl auch nicht. Obwohl er seiner neuen Mannschaft auch so schon einen erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg zutraut: „Ich habe nicht das Gefühl, dass hier Hektik oder irgendwas herrscht. Natürlich ist man mit der Situation unzufrieden, aber man sieht es deutlich, dass die Mannschaft da auch schnell rauskommen will. Das sieht man auf jeden Fall. Und ich finde, dass wir auch auf einem guten Weg sind. Wir brauchen jetzt schnell ein Erfolgserlebnis.“

Dazu besteht nun am Sonnabend die Möglichkeit. Packt es an, Jungs!

Am Donnerstag ist um 10 Uhr im Volkspark Training.

Apropos Training: Gojko Kacar hat sich am Nachmittag bei einem Zusammenprall die Nase lädiert, jetzt wird untersucht, ob etwas gebrochen ist.
Ergänzt um 20.34 Uhr: Kacar erlitt einen Nasenbeinbruch, er wurde schon am Abend operiert – und damit fällt der Mittelfeldsspieler für das Gladbach-Spiel auf jeden Fall aus.

17.54 Uhr