Tagesarchiv für den 12. September 2011

So schlecht stand der HSV schon einmal

12. September 2011

Aufwachen! Abstiegskampf. So die heutige Zeile über dem Abendblatt-Artikel des Spieles Bremen gegen den HSV. Als ich das sah, musste ich an ein Telefonat denken, dass ich am Vormittag mit einem „Matz-abber“ geführt hatte. Da hörte ich zum Beispiel: „Ist dir eigentlich mal aufgefallen, dass die Regionalliga-Mannschaft des HSV mehr trainiert, als die Profis?“ Ist mir, ehrlich gesagt, nicht aufgefallen. Er: „Musst du mal nachrechen, du wirst staunen.“ Ich will aber nicht nachrechnen. Wenn es aber so wäre, dann würde es mich in Erstaunen versetzen, denn der HSV ist immerhin Tabellenletzter der Ersten Bundesliga. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen, so schrieb ich es schon in der vergangenen Woche, und ich würde eben zurzeit auf freie Tage „großzügig verzichten“. Wäre eine Maßnahme, um doch wieder besser zu werden, wäre auch eine Maßnahme für die Fans, die erkennen würden, dass sich der HSV mit allen Mitteln gegen die prekäre Lage wehrt. Wie geschrieben: wäre. Ich glaube ja sogar, dass die Spieler dafür Verständnis hätten, denn: Als Michael Oenning im März Nachfolger von Armin Veh wurde, zog er sofort das Tempo im Training an. Und die Spieler folgten bereitwillig, waren sogar zufrieden mit dieser Maßnahme.

Nun gut, es ist so, wie es ist. Und es ist so, dass es naturgemäß viel Aufregung in der Stadt um den HSV gibt. Stichwort Abstiegsangst. Und zu diesem Punkt fällt mir auch ein Gespräch mit einem Alt-Internationalen des HSV ein, der mir sagte: „Kritisieren wir Alten jetzt den HSV, gelten wir als Nestbeschmutzer, als Miesmacher. Schweigen wir aber, dann heißt es später: Ihr habt doch euren Mund gehalten, anstatt mal auf die Pauke zu hauen. Ihr hättet etwas sagen können, nein müssen, denn euch hätte man doch alles abgenommen – aber ihr habt es ja vorgezogen zu schweigen . . .“ Ja, wie soll man es denn machen?

Wie man es auch macht, es ist sowieso verkehrt.

Zum Thema Abstiegsangst noch einmal: Der HSV stand in der Saison 2003/04 nach fünf Spieltagen ebenfalls mal ganz am Ende – mit nur einem Punkt. Trainer damals: Kurt Jara. Am sechsten Spieltag saß dann Klaus Toppmöller auf der HSV-Bank, und der siegte 2:1 gegen Frankfurt – der HSV endete zum Schluss dieser Saison noch auf Platz acht. Ein Jahr später übrigens stand der HSV nach dem fünften Spieltag klar besser: Platz 17, drei Punkte. Toppmöller bleib noch bis zum achten Spieltag, musste nach einem 0:2 gegen Bielefeld in Hamburg (danke, ich habe es korrigiert!) gehen. Für ihn kam Thomas Doll – und der holte damals gleich einen sensationellen 2:0-Erfolg in Dortmund. Mit Rene Klingbeil Fußball-Gott zum ersten Mal im Team – wer erinnert sich nicht noch daran?

Natürlich ist das Thema Trainerwechsel auch in diesen Tagen und Wochen hieß diskutiert. Der HSV wird seinen Coach nicht vor die Tür setzen, das haben nun alle Herren, die im Klub Verantwortung tragen, übereinstimmend erklärt. Ich hätte ja einen ganz besonderen Vorschlag: Michael Oenning bleibt, bekommt an seine Seite einen ganz besonderen Freund gestellt: Horst Hrubesch. Die beiden Herren sind in der Tat dicke oder sogar dickste Freunde, der HSV würde sein Gesicht nicht verlieren (keine trainer-Entlassung!) – und dem Klub wäre damit super gedient. Hrubesch ist für mich der größte Motivator im deutschen Fußball (nach oder neben Jürgen Klopp), der „lange“ würde jedem im HSV-Team Beine machen, da würden ab sofort alle laufen – oder sie würden sich auf der Tribüne wiederfinden. Hrubesch würde diese HSV-Truppe „zusammendonnern“, dass allen Hören und Sehen vergehen würde, und die Truppe würde fast über Nacht so funktionieren, wie es der neue Chef will. Ganz sicher. Nur müsste es der HSV schaffen, Horst Hrubesch zu überzeugen, dass er es machen muss – und der HSV müsste ihn vom DFB loseisen. Was natürlich ein ganz besonderes Vergnügen ist, wie wir seit Urs Siegenthaler wissen . . .

Sollte dieser Plan A nicht funktionieren, so würde automatisch Plan B in Kraft treten. Dann würde ich Thomas von Heesen holen. Der, da kann ich mich nur stets wiederholen, mir einst mehr über den Fußball verraten hat, als Ernst Happel und Felix Magath zusammen. Was für Plan B sprechen würde: Von Heesen ist frei, lebt in Hamburg – und hat die Raute im Herzen. Plan B würde aber nur für den Fall gelten, dass sich der HSV doch von Michael Oenning trennt – trennen muss. Viele rechnen ja schon damit, dass der HSV am Sonnabend auch gegen Mönchengladbach nicht gewinnen wird. So wie die beiden jungen Herren heute gegen 9.30 Uhr in der U-Bahn (U1) – es müssen Studenten gewesen sein. Sagt der eine zu dem anderen: “Ich wette mit dir, dass der HSV auch gegen Mönchengladbach verlieren wird, denn die Borussia ist zurzeit wirklich gut drauf . . .”
Und was dann? Kommt dann doch der Trainerwechsel? Trotz der Tatsache, dass der HSV-Vorstand seinem Coach alle Zeit der Welt geben will – und dann wollte? Ich bin gespannt.
Aber dazu muss es ja auch erst einmal Sonnabend um 17.20 Uhr sein.

Für 15.30 Uhr (diesen Sonnabend) rechne ich ja fest damit, dass Gökhan Töre in der Start-Elf des HSV stehen wird. Mein Freund Peter, der zurzeit schwer krank in einer westdeutschen Klinik liegt (gute Besserung!) sagte mir unmittelbar nach dem Spiel in Bremen: „Dieter, ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich behaupte einmal: Mit elf Töres hätten wir nie gegen Werder verloren. Der hat ja zum Schluss noch einmal richtig Gas gegeben . . .“ Ja, leider zu spät. Viel zu spät. Deshalb muss er nun aber von Beginn an kommen. Abwarten. Auch das ist ja ganz allein Sache des Trainers. Zum Glück. Denn sieht man einmal auf sämtliche personellen Vorschläge, die allein hier bei „Matz ab“ für den HSV so abgegeben werden, so würde der HSV jedes Wochenende wohl stets mit mindestens 38 Mann spielen. Wobei ich von Töres Qualitäten noch immer unbeirrt überzeugt bin. Der Mann hat alles, kann fast alles, und der will vor allem (alles).

So, für heute bin ich am Ende. Aber in der (neuen) Agentur “dapd”, die übrigens in meinen Augen sehr gute Arbeit abliefern (Danke und Kompliment, die Damen und Herren!), gab es heute einen interessanten Artikel über Uwe Seeler, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier der Original-Bericht:

Hamburg (dapd). Nach dem katastrophalen Start in die Fußball-Bundesligasaison hat Vereins-Ikone Uwe Seeler die Nationalspieler des HSV in die Pflicht genommen. „Natürlich ist die Mannschaft sehr verjüngt worden, aber es stehen doch immer noch etliche Nationalspieler auf dem Platz: Drobny, Westermann, Aogo, Jarolim, Jansen, Petric, Guerrero – so jung und unerfahren wie manche tun, ist dieser Kader nun auch nicht“, sagte der 74-Jährige dem „Kicker“: „Entscheidend ist, dass die Genannten den Laden jetzt zu führen beginnen. Und dass die Jungen ihnen folgen.“

Der Ursprung der derzeit schwierigen Situation ist für Seeler in der Ära des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann begründet. „Ich bin immer dafür, ins Risiko zu gehen. Aber wir sind zu viel Risiko gegangen. Bestimmte Dinge in der Vergangenheit habe ich nicht verstanden“, sagte der DFB-Ehrenspielführer und führte die kostspielige Vertragsverlängerung des umstrittenen Stürmers Paolo Guerrero als Beispiel an.

Nach dem Abschied von Sportchef Dietmar Beiersdorfer im Juni 2009 habe man den Erfolg „mit Gewalt“ erzwingen wollen. „Aber mit Gewalt geht im Fußball nichts, Spieler müssen zusammenpassen. Obwohl der Profifußball eigene Gesetzmäßigkeiten hat, hat jeder Verein auch seine eigene Seele. Aber hier glaubte man, alles selbst machen zu können. Es ist vieles passiert, so hat der HSV in Deutschland an Respekt und Ansehen verloren“, sagte Seeler: „Ich denke nur an die Sportchef-Suche. Das war wie im Kindergarten.“

Der Manager-Posten bei den Hanseaten war nach Beiersdorfers Abgang erst vor der laufenden Saison durch Frank Arnesen neu besetzt worden. Bis zur Verpflichtung des Dänen hatten der HSV-Aufsichtsrat und Hoffmann bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten zahlreiche Possen aneinandergereiht. Die mangelnde sportliche Kompetenz im Vorstand führte zu teuren Transferflops wie dem inzwischen wieder abgegebenen David Rozehnal oder dem weiter im Kader stehenden Marcus Berg.

Laut Seeler, der von 1995 bis 1998 selbst Präsident des HSV war, habe dem Klub in dieser Phase die Seele gefehlt. „Der Verein war uns fremd geworden. Das war nicht mehr der HSV, den man kennt. Es war nicht mehr mein HSV“, sagte er. Ob Arnesen den Verein seiner Einschätzung nach wieder nach vorn führen werde, ließ Seeler offen: „Ich denke, nach wenigen Wochen ist es zu früh, ein Urteil zu fällen. Aber ich hoffe, Frank Arnesen hat die Bundesliga nicht unterschätzt. Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen denke ich, er ist hier von anderen Voraussetzungen ausgegangen.“

Arnesen hatte sich bei seinen Neuverpflichtungen fast ausschließlich aus der Reserve-Mannschaft seines ehemaligen Arbeitgebers FC Chelsea bedient. Derzeit steht der HSV ohne Sieg auf dem letzten Tabellenrang und empfängt am kommenden Samstag den Drittplatzierten Borussia Mönchengladbach. An Trainer Michael Oenning soll nach Angaben von Arnesen und Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow weiter festgehalten werden.

Seeler glaubt trotz der schwierigen Ausgangslage an den Klassenerhalt der Hanseaten: „Ganz ehrlich, an die Zweite Liga verschwende ich trotz der augenblicklichen Situation keinen Gedanken.“

Das war also „uns Uwe“ im „Kicker“. Dazu fällt mir ein: Miesmacher oder doch besser Schweiger? Vor dieser Frage steht ein Idol wie Uwe Seeler wohl jeden Tag einige Male. Er hat sich nun aber für die Offensive entscheiden, und die liegt ihm ja bekanntlich im Blut.
Danke, Herr Seeler!

So, und zum Ende möchte ich noch einen Wunsch eines fleißigen „Matz-abbers“ erfüllen. Herbert Kühl, einst großer Oberliga-Spieler des FC St. Pauli, danach lange Zeit der erfolgreichste Hamburger Amateurtrainer (bis Bert Ehm ihn überholte), bat mich, ein wenig Reklame für seinen SC Concordia zu machen. Mache ich gerne, lieber Herbert, und gute Besserung! Kühl hat vor einigen Tagen ein künstliches Knie bekommen.
Los geht es:

Der HSV nach 48 Jahren in Wandsbek
SC Concordia – HSV (Bundesliga)

Fast 50 Jahre mussten die Fans des SC Concordia und die Wandsbeker Fußball-Gemeinde auf dieses Ereignis warten. Zuletzt standen sich beide Klubs in einem Punktspiel der damaligen Oberliga Nord (Erste Liga) im Frühjahr 1963 gegenüber. Am 16. März 1963 siegte der HSV vor 8.500 Zuschauer im Stadion Marienthal mit 3:0.

In der darauffolgenden Saison 1963/64 trennten sich die Wege der beiden Vereine. Der HSV qualifizierte sich für die Bundesliga und ist bis heute als Dino der einzige Klub der von Anbeginn (ohne Unterbrechung) in der Bundesliga dabei ist – und hoffentlich bleibt.
Der SC Concordia hielt sich noch einige Jahre in der Regionalliga (Zweite Liga) um dann viele Jahre in der Amateur-Oberliga-Nord (Dritte Liga) die dritte Kraft in Hamburg zu sein.
In den letzten Jahren ging es dann leider bergab und mit der Stadionaufgabe in 2009 verlor der Klub seine Heimat. Mittlerweile spielt man auf der gemeinsam genutzten Anlage des TSV Wandsetal (Sportpark Hinschenfelde) in der Sechsten Liga.

In dieser Liga und diesem neuen Stadion (sicherlich eines der schönsten Sechst-Liga-Stadien in Deutschland) startet der SC Concordia nun einen Neuanfang. Da kommt das ursprünglich für den 7. August 2007 angesetzte Jubiläumsspiels (100jähriges Bestehen des Concordia) gegen den HSV (Bundesliga) gerade recht. In diesem Spiel wollen beide Vereine (die sich im Umbruch befinden) den Wandsbeker Fußball-Fans zeigen, was sie drauf haben.

Der HSV dürfte an diesem Abend erstmalig seinen Vier-Millionen-Einkauf Ivo Ilicevic seinen Fans in Hamburg präsentieren. Gespannt sein darf man auch, ob z. B. Stürmer Marcus Berg (kam 2009 für die Rekordsumme von zehn Millionen zum HSV) sich als Alternative für den HSV-Angriff anbieten wird.

Nun endlich wurde ein neuer Termin gefunden, der möglich wurde, da der HSV in diesem Jahr nicht in der Europa-League vertreten ist. Der Hamburger Sport-Verein löst nun sein damaliges Versprechen zu einen Freundschaftsspiel ein. Das Spiel findet am Dienstag (13. September) um 19 Uhr im Sportpark Hinschenfelde (Walddörferstr. 247) statt.

Leider stehen am Spielort keine Parkplätze zur Verfügung. Die Zuschauer werden dringend gebeten die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen: Metro-Bus 9 und Bus 262 bis „Ölmühlenweg“, oder Busse 36, 171, 271 bis „Am Stadtrand“.

Die Bundesliga-Stars können zu moderaten Eintrittspreisen aus aller nächster Nähe unter die Lupe genommen werden:
Sitzplatz Tribüne 20 Euro, Stehplatz zwölf Euro und ermäßigt acht Euro (Rentner und Jugendliche bis 18 Jahre).

So, ganz zum Schluss muss ich leider noch mit einer schlechten Nachricht aufwarten: Paolo Guerrero hat bei dem bösen Foul des Bremers Prödl am Sonnabend (14. Minute) eine Kpaselverletzung im linken Knie erlitten. Der Peruaner biss sich zwar bis zum Ende damit durch, droht nun aber für das Spiel gegen Mönchengladbach auszufallen. Das ist bitter. Für Paolo und für den HSV.

18.26 Uhr