Tagesarchiv für den 6. September 2011

Oenning erhöht die Schlagzahl: “Wir müssen in Bremen punkten”

6. September 2011

+++++Korrektur vierter Absatz: 360.000 statt 3.600.000+++++

Hier ist es, wie es eigentlich nicht sein sollte. Der HSV steckt im Tabellenkeller und alles, was uns beschäftigt, ist die Frage, ob Bernd Hoffmann korrekt abgerechnet hat oder nicht. Der Sport wird zur Nebensache. Wobei das weder an den einen noch an den anderen ein Vorwurf sein soll und darf, denn wenn der Aufsichtsrat eine Klage gegen seinen ehemaligen Ersten Vorsitzenden vorbereitet, ist das ein massiver Vorgang.

Dabei ist die Frage, woher das Abendblatt davon weiß, mit Sicherheit für einige genauso interessant wie letztlich zweitrangig, oder? Denn klar ist doch, dass neben dem Vorstand, der Kanzlei und dem Aufsichtsrat auch innerhalb des Vereines etliche hochrangige Personen wie der Mediendirektor, der Team-Manager, der Klub-Manager sowie enge Vertraute der jeweils handelnden Personen eingeweiht sind. Von daher macht die Suche nach dem „Maulwurf“ wirklich keinen Sinn. Zumindest wird sie nie erfolgreich sein.

Nein, wie immer wenn Bernd Hoffmann thematisiert wird, gibt es hier Parteien. Von vornherein. Die einen heften dem Ex-Boss die aktuelle Krise allein an, wieder andere verteidigen Hoffmann bis aufs Blut. Auch ich wurde hier schon als Demagoge und Steigbügelhalter (warum von demjenigen bislang keine Antwort auf meine Email kam, weiß ich nicht) betitelt, weil ich Hoffmann kritisiert habe. Und wisst Ihr was? Bis auf den deplatzierten Demagogen-Vergleich finde ich das auch gar nicht schlimm. Fan zu sein bedeutet nun mal zum Glück, nicht alles rational zu durchdenken sondern einfach mal emotional sein zu dürfen. Da darf man schon mal pöbeln, seinem Frust freien Lauf lassen, ohne sich immer vollkommen unter Kontrolle zu haben – aber man sollte anschließend immer wieder zurückfinden und sich (zumal wie hier mit Gleichgesinnten und Freunden/-innen) sachlich mit Dingen auseinandersetzen.

Umso erfreulicher ist zu sehen, dass diesmal auch hier wieder einige versuchen, den Zwischenraum zu bearbeiten und offenzulegen. Und es werden immer mehr. Denn, und damit hangele ich mich nur an dem öffentlich Bekannten längs, es gibt unbestrittene Fakten. Zum einen, dass Urs Siegenthaler Geld bekommen hat und später doch kein Sportchef wurde. Die Frage hierbei ist, inwieweit bestanden Verträge, die derartige Zahlungen rechtfertigen. Und dabei scheint es abweichende Sichtweisen zu geben. Mit einem großen Teil des Aufsichtsrates, der seinem Namen damit gerecht werden möchte sowie dem aktuellen Vorstand auf der einen und Bernd Hoffmann auf der anderen Seite. Das sowie die FischerAppelt-Zahlungen sind nur zwei von mehreren Beweggründen für die Beauftragung einer Kanzlei. Ein Vorgang, der von dem Ergebnis verschiedener, unabhängiger Wirtschaftsprüfer abhing. Und die haben mehrfach, unter anderem auch bei einem großen Posten von immerhin 360000 Euro, in den Akten vermerkt: „Keine Gegenleistung erkennbar“. Und das wird geprüft. Dass sich der Aufsichtsrat damit auf dünnes Eis begibt, muss er wissen. Das weiß er mit Sicherheit auch. Und, da bin ich mir ziemlich sicher: wohl kein Bundesligist würde einer wirklich intensiven Prüfung komplett standhalten.

Die Frage – und genau die gilt es in diesem Fall zu klären, ist nur: hat der jeweils Handelnde dem Verein bewusst geschadet. Dass sich Bernd Hoffmann nach all den in der Summe auch durchaus erfolgreichen Jahren nicht über einen solchen Vorgang freut, kann ich komplett nachvollziehen. Bei ihm muss sich die HSV-Führung entschuldigen, sollte nichts rechtlich Relevantes gefunden und nachgewiesen werden können. Denn solange ihm nichts Gegenteiliges nachgewiesen wird, gilt für ihn – wie für jeden anderen hier im Blog – das Unschuldsprinzip. Die HSV-Führung muss Beweise liefern.

Ebenso wie die Mannschaft (ich weiß, ein stilistisch unschöner Übergang…) in der Bundesliga in der Bringschuld steht. Nach nur einem Punkt aus vier Spielen muss in Bremen gepunktet werden. Und um noch mal beim Vorstand zu bleiben: Ich habe mich heute doch gewundert, als sich Vorstandsboss Jarchow hinstellte und davon sprach, dass dieser HSV mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben würde. In dem Moment, wo der HSV Tabellenletzter ist, halte ich das für vermessen. Letzte Serie hatte auch Werder lange Zeit gesagt, dass sie zwar unzufrieden seien, aber nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Eine Verleugnung, die fast mit dem Abstieg bestraft worden wäre….

Nein, besser ist, man stellt sich der Realität. Wie heute Michael Oenning, der neue Töne anschlägt. „Ich spüre keinen Tabellendruck, sondern den natürlichen Druck, Punkte machen zu müssen. Das spürt auch die Mannschaft. Von uns als Trainerteam gibt’s Druck. Ebenso wie die Mannschaft sich selbst Druck macht. Wir müssen punkten, gerade in einem Derby wie gegen Bremen.“

Das klingt doch mal gut. Endlich mutige, forsche Töne. Auch bwenn Oenning betont, seinen Führungsstil intern nie verändern zu wollen. Endlich geht es weg von dem „so gut wie möglich gegenhalten“ und der Forderung nach mehr Zeit und Geduld. „Wir brauchen keine Zeit mehr, auch keine Geduld. Wir haben spielerisch einen Schritt gemacht gegen Köln, den müssen wir jetzt bestätigen. Die Tabelle spielt dabei eine noch untergeordnete Rolle. Wichtiger ist: Ich weiß genau, woran es liegt. Wir wissen, woran es liegt Die Mannschaft weiß es auch.“ Es seien die vielen Gegentore. Mehr als jedes andere Team in der Bundesliga. Zudem ließ der HSV bislang die meisten Chancen gegen sich zu. Für Oenning Fakten. Aber kein Grund, Trübsal zu blasen. „Trotz dieser Fakten hätten wir beide Heimspiele gewinnen müssen.“

Haben sie aber nicht. Deswegen soll jetzt ein Auswärtssieg, zumal mit der Überdosis Prestige eines Nordderbys, die Stimmung verbessern. Mit einer bereits sicheren Umstellung: Michael Mancienne wird, sofern er gesund bleibt, am Sonnabend in Bremen den noch immer angeschlagenen Dennis Diekmeier als Rechtsverteidiger ersetzen. Wie schon in den Tests bei Bremerhaven und in Luzern. „Michael hat das gezeigt, was ich sehen wollte“, so Oenning zufrieden. „Michael ist der Aufgabe spielerisch und taktisch gewachsen. Er weiß, wie man die Position spielt.“ Zumal der Engländer die Position schon aus der Praxis kennt. „In meiner ersten Profisaison habe ich eine ganze Serie lang rechts hinten gespielt.“ Und obgleich er lieber in der Innenverteidigung spielen würde, freut er sich auf die neue (alte) Aufgabe. „So kann ich auf jeden Fall dabei sein, wenn wir den ersten Hügel endlich überwinden.“

Mit einem Sieg in Bremen. Der allein könnte den HSV für wenigstens eine Woche endlich mal wieder in ruhigere Tabellengefilde führen. Und neue Hoffnungen wecken. Das wäre es doch.

In diesem Sinne, alles wird gut. Hoffentlich.

Bis morgen,

Scholle
(17.55 Uhr)
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.Kurz notiert

Rückkehr: Tolgay Arslan ist heute wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. „Er macht seine Sache schon wieder ganz gut“, lobt Trainer Michael Oenning seinen Offensivspieler, der seit dem bösen Dejagah-Foul in der Partie gegen den VfL Wolfsburg seit der Vorbereitung ausgefallen ist. Ebenso wie Neuzugang Jacopo Sala, der seit dem Trainingslager auf Sylt Anfang Juli nicht mehr mit der Mannschaft trainieren konnte und seit Dienstag wieder voll mittrainiert.

Rückkehr II: Slobodan Rajkovic steigt erst morgen wieder ins Training ein. Eigentlich sollte der Zugang schon heute dabei sein, allerdings wollte die serbische Nationalmannschaft nicht auf den Innenverteidiger verzichten – obwohl er wegen einer Sperre am heutigen Dienstag sowieso nicht mitspielen durfte.

Rückkehr III: Per Skjelbred ist am Nachmittag wieder ins Training eingestiegen. Der Norweger musste wegen eines Schlages auf den Spann auf das Vormittagstraining verzichten, wird aber gegen Bremen spielen können.