Tagesarchiv für den 4. September 2011

Kevin Keegan der gefeierte Mann

4. September 2011

Der HSV kann ja doch noch gewinnen. In der Ersten Liga sogar. 3:0 bei Lok Leipzig. Die Frauen schafften damit im dritten Spiel den ersten Sieg. Das sollte den Männern Ansporn sein, in Bremen nun den nächsten Auswärtssieg folgen zu lassen . . . Nichts ist unmöglich. Wenn ich die Experten beim Training gehört habe, wenn ich Freunde und Bekannte treffe, wenn ich in den HSV hinein höre: Alle schließen einen Sieg in Bremen nicht aus. Mutig, mutig, diese Leute. Und irgendwie stimmt es ja doch: Die Zeit heilt alle Wunden. Und: Das Schlechte vergisst oder verdrängt der Mensch doch zuerst. Die letzte Bundesliga-Niederlage des HSV liegt ja auch schon einige Zeit zurück. 3:4 am 28. August gegen den 1. FC Köln. Jetzt haben wir schon September. Und einen weiteren Neuzugang mit Ivo Ilicevic, der allerdings erst am neunten Spieltag so richtig eingreifen darf, denn er wurde ja kürzlich erst für vier Spiele gesperrt. In Freiburg darf der Kroate dann erstmals in der Bundesliga für den HSV ran.

Die Mannschaft kehrte heute am Nachmittag mit zweistündiger Verspätung aus der Schweiz zurück. Wer das Spiel der Legenden sah, der wird sich wahrscheinlich gewundert haben, dass er Michael Oenning am Millerntor erblickte, aber das hatte seinen Grund, dass der Trainer einen Flug eher aus Zürich genommen hatte – um mit den Legenden spielen zu können.

Der Held bei diesem Spiel zwischen Hamburg und Deutschland war aber ein anderer HSVer: Kevin Keegan. Der Weltklasse-Mann wurde in diesen beiden Tagen an der Elbe überall und von jedem gefeiert, „Mighty Mouse“ ist immer noch ein netter, sympathischer und trotz seiner 1,68 Meter ein riesiger Mensch. Das Unglaubliche für mich aber war: Ich sollte das „Menschlich gesehen“ für das Abendblatt über den heute 60-jährigen Keegan schreiben, war als Berichterstatter nicht am Millerntor, brauchte aber noch einige Informationen. Nur wie? Da half ein HSV-Freund in der Not: Bernd Wehmeyer. Der HSV-Manager ging mit dem Handy am Ohr zur Spielerbank – und drückte es Kevin Keegan in die Hand. So konnte ich mit dem ehemaligen Weltstar während des Spiels (!) reden. Am Ende sagte er mir einwandfrei auf Deutsch: „Es war mir ein Vergnügen.“ Kurz danach wurde er sogar noch einmal vom Trainer-Trio Reimann-Schulte-Eichkorn eingewechselt. Hervorragend und einmalig zugleich. Und vielen Dank noch einmal an Bernd Wehmeyer für diese Klasse-Aktion.

Apropos Keegan: Frau M. war damals erstmalig im Volksparkstadion, weil sie ihn so klasse fand. Sie schickte mich auch einst mit unserem Hochzeitsfoto (!) nach Ochsenzoll, um darauf ein Autogramm von ihm zu holen. Und bei seinem Abschiedsspiel 1980 saß sie natürlich auch auf der Tribüne – und vergoss einige Tränchen . . . So war das damals.

Beim HSV heute richtet sich der Blick nun voll Richtung Bremen. Es wird einige personelle Änderungen geben, denn: Dennis Diekmeier hat es im Oberschenkel erwischt, und wie es heue aussieht, wird der Rechtsverteidiger wohl kaum zum Einsatz kommen können. Erster Ersatzmann dürfte Michael Mancienne sein, der diesen Posten schon in Luzern bekleidete. Der Engländer hatte gegen die nicht besonders sturmstarken Schweizer defensiv keinerlei Probleme, beschränkte sich aber auch nur auf die Abwehrarbeit. Die erledigte er unspektakulär und sicher, was im Hinblick auf das Werder-Spiel richtungsweisend sein könnte, denn vor Mancienne dürfte Gökhan Töre wieder einmal (auf der rechten Außenbahn) zum Einsatz kommen. Und der Deutsch-Türke hat defensiv ja noch nicht so alles im Griff. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn er wieder mit von der Partie wäre, denn er ist für mich eine absolute Bereicherung für diesen (unseren) HSV.

Gegen Bremen dürfte auch Paolo Guerrero wieder fit sein. Der Peruaner kam in Luzern nicht zum Einsatz, weil er während des Hinfluges derart verkrampfte, dass er nicht spielen konnte. Seine Flugangst hat er offenbar noch immer nicht restlos besiegt.

Ein etwas anderes Problem hat Neuzugang Per Ciljan Skjelbred, der Norweger zog sich beim 2:2-Spiel in Luzern eine Fußverletzung (rechts) zu und droht für Bremen auszufallen.

Kommen wir zum Torwart. Tom Mickel hatte in Luzern eine Chance erhalten, sicherlich auch im Hinblick darauf, dass er für den Fall, dass ein Torwartwechsel unausbleiblich wird, seine Tauglichkeit unter Beweis stellt. Das konnte die Nummer zwei aber nicht beweisen. Beide Tore gingen auf sein Konto. Quintessenz: Jaroslav Drobny wird, so er diese Woche unverletzt übersteht, gegen Bremen im HSV-Tor stehen. Das hätte er aber nach meiner Überzeugung auch ohne die Mickel-Patzer getan, denn Trainer Michael Oenning hätte sicher wohl noch nicht zu einem Tausch zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei entschieden. Hätte er es schon jetzt, nach nur vier Spielen und zwei krassen Fehlern getan, hätte er Drobny wohl für den Rest der Hinrunde (oder sogar der Saison) abhaken können. Ich glaube aber, dass der HSV Drobny im Lauf dieser Spielzeit noch dringend benötigen wird. Trotz der Fehler, die er schon gemacht hat, die dem HSV auch schon Punkte gekostet haben.

An Jaroslav Drobny aber kann jeder Fan und Experte sehen, wie schwer es ist, wenn man ein Jahr lang keine Spielpraxis hat sammeln können. Drobny hat schon in der Bundesliga bewiesen, welch guter Schlussmann er sein kann, wenn er erst wieder richtig im Rhythmus ist – und dazu auch das nötige Selbstvertrauen hat. Letzteres kommt hoffentlich dann, wenn der HSV seine Spiele wieder ein wenig erfolgreicher bestreiten kann.
Zum Beispiel in Bremen? Werder ohne Mertesacker? Da könnte doch tatsächlich etwas gehen, oder?

An diesem Montag ist kein Training im Volkspark, am Dienstag wird dann um 10 und um 15 Uhr geübt.

So, und wer nichts gesehen und gehört hat, hier der DAPD-Bericht vom Tag der Legenden:

Über 24 000 Zuschauer, Sonnenschein, viele Tore und noch mehr Fußball-Stars. Der 7. „Tag der Legenden“ im Millerntorstadion des FC St. Pauli wurde wieder zu einem Fest. Dass Team Deutschland die Auswahl Hamburgs mit 6:1 (4:0) schlug, war nur Nebensache, viel wichtiger war der gute Zweck. Wieder wurden über 200 000 Euro für das Projekt NestWerk eingespielt, das TV-Moderator Reinhold Beckmann bereits 1999 ins Leben gerufen hatte und Kindern und Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen hilft.

Der Nachmittag auf dem Platz und der feierliche Abend versammelte zahlreiche Fußballhelden aus der Vergangenheit. Das Hamburger Team wurde von Ehrenspielführer Uwe Seeler angeführt, erstmals mischte auch Kevin Keegan mit, der zwischen 1977 und 1980 beim HSV spielte. „Es ist super, hier viele alte Freunde wiederzutreffen“, sagte der Engländer. Auch Größen wie Gert “Charly” Dörfel, Kultmasseur Hermann Rieger, Manfred Kaltz oder Rodolfo Cardoso waren wieder dabei. Besonders wurde auch Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski bei seiner Rückkehr nach St. Pauli gefeiert.

Für Deutschland spielte Torwart Jens Lehmann im Mittelfeld, die Fäden aber zog der ehemalige Bremer Johan Micoud. Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp steuerte sogar ein Tor bei. „Es hat Riesenspaß gemacht, eine ganz tolle Sache“, sagte Klopp, der erstmals bei der Veranstaltung auflief. Felix Magath saß als Trainer des deutschen Teams neben Udo Lattek auf der Bank. Als Schirmherr war Box-Weltmeister Wladimir Klitschko aktiv.

NestWerk ermöglicht Kindern und Jugendlichen das Sporttreiben in Schulsporthallen vor allem an Sonntagen und spätabends in der Woche. „Wir schauen Jahr für Jahr, wo wir in Problemstadtteilen helfen können“, sagt Beckmann.

17.53 Uhr