Tagesarchiv für den 2. September 2011

Luzern wird ein echter Härtetest

2. September 2011

Stell Dir vor es ist Länderspiel, und keiner vom HSV ist dabei. Dabei hatte ich heute beim Vormittagstraining noch eine Sekunde lang ein wenig Hoffnung, weil Dennis Aogo fehlte. Auf meine Frage, warum der Abwehrspieler denn wohl fehlen würde, bekam ich zu hören: „Der wurde kurzfristig noch bei der Nationalmannschaft benötigt, Jogi Löw hat ihn nachnominiert.“ Hahaha. War natürlich ein Scherz. Aogo hatte einen freien Tag geschenkt bekommen, weil sein Bruder heute heiratet. Wie nett. Gefehlt haben diesmal auch noch Dennis Diekmeier, der ein wenig Oberschenkel-Probleme hat, auch Hanno Behrens war nicht anwesend: Adduktoren-Schmerzen. Geübt, um das noch zu sagen, wurde am Vormittag reichlich Passspiel, dann – fast hätte ich geschrieben bis zum Erbrechen – Aufbauspiel mit Abschluss, gegen Ende gab es noch ein kleines Spielchen.

Da waren Neuhaus, Westermann, Kacar, Bertram, Jarolim, Castelen, Jansen und Petric eine Truppe, sie spielten gegen Mickel, Guerrero, Sternberg, Tesche, Skjelbred, Berg, Zhi Gin Lam (aus der U 23) und Mancienne.

Und ansonsten? Das Nachmittags-Training wurde kurzfristig gestrichen. Und: Ich fühle mich nach nur einem Tag schon wieder toll von Euch aufgenommen. Als wäre ich nie im Urlaub gewesen. Hervorragend. Es ist alles wie immer. Wie schön. So macht „Matz ab“ doch Spaß. Vielen Dank für alles!

Um noch einmal auf meinen gestrigen Beitrag zurück zu kommen: Ich habe Blödsinn geschrieben. Wie immer. Ich habe Muhamed Besic bei Reha-Trainer Markus Günther gesehen (von Weitem sehr entfernt . . .), dabei war das gar nicht Besic, es war Neuzugang Sala. Den kannte ich ja noch nicht. Sorry. Dafür entschuldige ich mich, denn ich möchte ja nicht durch Falschmeldungen glänzen.

Und um noch einmal auf die deutsche Nationalmannschaft zu kommen. Das Buch von Philipp Lahm hat ja für reichlich Wirbel gesorgt, steht aber in vielen Bestseller-Listen auf Platz eins. Zweck erfüllt. Um es gleich zu sagen: Ich finde dieses Werk höchst überflüssig, halte es auch für völlig falsch, dass ein noch spielender Nati-Kapitän ein solches Buch verfasst, aber er ist eben ganz schlecht beraten. Hätte er Schneid gehabt, hätte er dieses Buch noch in letzter Sekunde stoppen lassen, Geld genug hätte er für eine solche Aktion ganz sicher gehabt. Nun gut, er hat es nicht getan. Was ich aber dazu sagen möchte: In einem Punkt muss ich Lahm zustimmen. Das Training der Nationalmannschaft war lange Jahre ein Witz.

Ich habe 1987 mein erstes Länderspiel für das Abendblatt gemacht, wer nachrechnen kann: Franz Beckenbauer war der Teamchef. Seit dieser Zeit habe ich mich immer gewundert, wie die Herren Nationalspieler trainieren. Lustig war es anzusehen. Darüber habe ich einmal im Fernsehen (Dropkick bei Eurosport, moderiert von Rudi Brückner) mit Karl-Heinz Riedle und, so glaube ich, Rudi Assauer, heiß diskutiert und gestritten. Riedle behauptete, dass bei der Nati so trainiert wird wie im Klub. Ich kam nicht dagegen an, behauptete aber das Gegenteil. Das sage ich rückblickend noch heute. In das Nati-Training kam erst System und so etwas wie Ernsthaftigkeit, als Jürgen Klinsmann und Joachim Löw den Laden übernommen hatten. Da konnte man dann Training sagen.

Ein Zeitzeuge dieser „Misere“ ist, so erinnere ich mich schwach, auch Werder-Trainer Thomas Schaaf, der früher das „lahme Training“ monierte. Und zwar in dieser Art: Spieler, die zur Nationalmannschaft fahren und nicht zum Einsatz kommen, die haben eine Art Urlaub verbracht. Sie haben weit weniger trainiert, wie jene Werder-Spieler, die in Bremen geblieben sind und hier trainieren mussten.
Deswegen hat Schaaf seine Spieler, die als Ersatz zur Nati reisten, auch nur höchst ungern ziehen lassen, denn sie haben beim DFB (zu früheren Zeiten) ganz einfach zu oft auf der faulen Haut gelegen. Aber, wie geschrieben, das hat sich in der Neuzeit (und seit Klinsmann/Löw) geändert. Musste ich aber trotz allem loswerden.

Zum Thema Nationalmannschaft wurde heute HSV-Kapitän Heiko Westermann befragt. Ob es wehtue, dass er wieder nicht dabei sei? Der Abwehrspieler ehrlich und rustikal: „Ist zwar Scheiße, dass ich nicht dazu gehöre, aber so ist es eben im Moment . . .“ Es liegt wohl auch an der schlechten Situation, in der sich der HSV derzeit befindet. Westermann weint aber nicht. Er hat keinen Kontakt zur Nati und zum Bundestrainer, sagt aber entschlossen: „Das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir mit dem HSV die Kurve kriegen.“ Genau.

Statt heute gegen Österreich spielt Westermann morgen mit dem HSV in der Schweiz gegen den dortigen Überraschungs-Tabellenersten FC Luzern. „Und auf dieses Spiel freue ich mich total, diese 90 Minuten sind das Highlight für mich in der Länderspielpause. Das ist ein echter Test für uns, Luzern soll sehr gut drauf sein, hat nur drei Gegentore bislang kassiert, wir werden hart gefordert, jeder Spieler sollte das wie ein Bundesliga-Spiel ansehen und dementsprechend auch zur Sache gehen“, sagte Heiko Westermann. Und fügt hinzu: „Luzern ist auch eine schöne Stadt, das Stadion ist toll, es ist ausverkauft – das hört sich alles gut an.“ Und vielleicht überrascht der HSV ja auch wie die Luzerner, indem sie dort aufsteigende Form verraten und – mal nicht verlieren.

Kurz sagte Heiko Westermann auch noch seine Meinung zum Lahm-Buch: „Es hat mich überrascht, dass er damit auf den Markt kam, ich habe nichts davon gewusst. Grundsätzlich ist es so, dass es jeder selbst wissen muss, was er macht. Er wusste es wohl vorher, dass das nicht ohne Ärger abgehen würde. Ich bin kein Freund davon, wenn Leute beurteilt werden, ob nun Trainer oder Spieler. Aber wenn er mit den Reaktionen zurechtkommt, mit sich selbst ins Reine kommt, dann ist es für ihn eben okay.“

Zurück zum Länderspiel. Gut oder schlecht für den HSV, dass es diese Pause gibt? Ich persönlich finde sie nach wie vor gut, denn irgendwie scheint wieder ein wenig Ruhe in die Stadt (Hamburg) eingekehrt zu sein. Westermann sieht es ein kleines bisschen anders: „Ich fand es zuletzt so, dass wir nicht so schlecht drauf waren. Deswegen hätte ich es gut gefunden, wenn es gleich weitergegangen wäre. Mit einer solch miesen Punktzahl in eine Pause zu gehen, ist nämlich nicht so von Vorteil . . .“ Kann ich auch verstehen. Jeder Spieler ist ja bemüht, schlechte Spiele (oder den entstandenen Schaden) so schnell wie möglich zu beheben. Und das dauert nun immerhin 14 Tage . . .

Dann wartet Werder in Bremen. Ebenfalls eine harte Nuss. Ich hatte Werder in dieser Saison mit im Abstiegskampf erwartet, scheine mich aber (einmal mehr) getäuscht zu haben. Vielleicht jedoch wirkt sich ja der Weggang von Per Mertesacker doch noch nachteilig aus. Abwarten. Heiko Westermann geht aber eigentlich davon aus: „Sein Wechsel zum FC Arsenal ist sicher ein Vorteil für uns, aber trotz allem ist Werder mit bislang neun Punkten der Favorit. Wir müssen dieses Spiel aber – gemeinsam mit den Fans – als eine Chance aufnehmen. Wir können dieses Spiel gewinnen, warum sollten wir es nicht gewinnen? Wenn wir so auftreten wie gegen Köln, dann ist das möglich. Und mit einem Sieg hätten wir dann mit einem Schlag viel Sachen wieder gutmachen.“ Westermann weiter: „Wir haben sicher Respekt vor Werder, aber wir sollten keine Angst haben. Wir können da gewinnen, das ist klar – aber wir haben bislang kein Spiel gewonnen, haben erst einen Punkt. Mit einem Sieg hätten wir sicher auch das nötige Selbstvertrauen.“
Um das Feld von hinten aufzurollen?

Abwarten.

So, ich möchte heute noch einen Schlenker auf ein ganz besonderes Spiel machen:

Beim siebten „Tag der Legenden“ treffen an diesem Sonntag am Millerntor mehr als 70 Fußballhelden aus drei Generationen aufeinander. Beim „Showdown am Millerntor“ sind, neben anderen, Jens Lehmann, Jürgen Klopp und Kevin Keegan dabei. 23 000 Hamburger haben sich ihre Karten bereits im Vorverkauf gesichert, im Vorverkauf und an der Stadion-Tageskasse (geöffnet ab 9 Uhr) sind noch rund 1000 Stehplatzkarten erhältlich.

Der Reinerlös des Benefizspiels kommt der von TV-Moderator Reinhold Beckmann 1999 gegründeten Jugendinitiative NestWerk e.V. zugute, die sich u. a. mit kostenlosen Sport- und Musikangeboten für Jugendliche in benachteiligten Hamburger Stadtteilen engagiert. Schirmherr ist in diesem Jahr Boxweltmeister Wladimir Klitschko.

„Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ heißt das Spiel, bei dem einige der erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten antreten. Im „Team Deutschland“ sind u. a. Franz Beckenbauers „Helden von Rom“ – Andreas Brehme, Guido Buchwald und Olaf Thon – ebenso wie die 96er Europameister Markus Babbel, Fredi Bobic, Dieter Eilts und Thomas Helmer. Nach seinem überraschenden Kurz-Comeback bei Arsenal London in diesem Frühjahr betritt auch Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann erneut die große Fußballbühne. Auf eigenen Wunsch will er im Sturm spielen, u. a. an der Seite von Oliver Neuville. Erstmals läuft Meistertrainer Jürgen Klopp am Millerntor auf – unter der Regie von „Team Deutschland“-Coach Felix Magath, der gemeinsam mit Stefan Effenberg an der Seitenlinie stehen wird.

Für das „Team Hamburg“ laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Neben Manfred Kaltz, Stefan Beinlich, Franz Gerber, Richard Golz, Bernd Hollerbach und Dirk Zander stehen u.a. auch HSV-Trainer Michael Oenning und St. Pauli-Coach André Schubert im Kader. Erstmals ist sogar HSV-Ikone Kevin Keegan am Millerntor dabei – der „Kleine“ wird eventuell der Größte sein.

Die Lokalmatadoren wollen ihre Erfolgsbilanz beim „Tag der Legenden“ weiter ausbauen: Im Vorjahr feierten 24 500 Zuschauer im ausverkauften Millerntor einen 3-2-Heimerfolg der Hamburger – und sorgten für einen neuen Besucherrekord.

Schiedsrichter des legendären Spiels sind in diesen Jahr Walter Eschweiler und Bernd Heynemann.

Rund um das Ballspektakel am Millerntor gibt es ein großes Familienprogramm mit Aktionen, Autogrammstunden und einer Showbühne. Die Stadion-Moderation übernimmt Lou Richter. In der Halbzeitpause wird Stefanie Heinzmann live auftreten.

Der NDR übertragt das Match live in seinem Fernsehprogramm (ab 15 Uhr). Abends wandelt sich der „Tag der Legenden“ zur glamourösen „Nacht der Legenden“: Im „Schmidts Tivoli“ auf dem Kiez treten Sonntagabend u.a. Olli Dittrich, Ralf Schmitz und Dick Brave and the Backbeats auf. Erwartet werden 600 geladene Gäste: Neben allen Fußball-Legenden kommen u.a. Prominente aus Sport und Kultur wie Wladimir Klitschko, Ina Müller, Johannes B. Kerner, Matthias Opdenhövel, Michael Stich, Frank Schätzing und Dieter Pfaff.

Auch wenn es das ungeliebte Millerntor ist – geht (bitte) hin zu diesem Spiel, denn es ist ja auch für einen guten Zweck.

16.21 Uhr