Monatsarchiv für September 2011

Ein Blick auf die Tabelle genügt . . .

30. September 2011

Die Spieler sagen es selbst, die Kiebitze sehen es – alle können es sehen: Beim HSV ist wieder Zug drin. Es wird gut trainiert, einfach nur gut trainiert. Es herrscht Leben in der Bude, es geht zur Sache, die Jungs haben offenbar wieder Spaß an ihrer Arbeit. Schalke 04 kann kommen. Und es ging Entwarnung bei Zhi Gin Lam, der 20-jährige Mittelfeldspieler war heute ohne jede Einschränkung mit von der Partie, und sollte er alles bestens überstanden haben, wovon ich jetzt einmal ausgehe, dann wird er auch in der Mannschaft stehen, die am Sonntag um 17.30 Uhr das Spiel gegen Schalke beginnt.

Die besten Spieler beim heutigen Training, weil sie auf mich einen sehr engagierten Eindruck machten, waren Heiko Westermann, Mladen Petric, Gökhan Töre, Heung Min Son und Romeo Castelen. Und noch einer fiel mir auf: Per Ciljan Skjelbred. Der Norweger wirkte heute agiler als sonst, ließ sich auch in Zweikämpfen nicht so mir nichts dir nichts zur Seite schieben, sondern hielt dagegen. Das sah richtig gut aus – und macht Mut. Und Hoffnung, dass er doch noch kommt. Muss er doch auch.

Wenn ich nun diese Spieler hervorhebe, so muss ich anmerken, dass ich keinen anderen Spieler zurücksetzen möchte. Diese Jungs aber hatten für mich eben viele sehr gute Szenen. Und, um es bei dieser Gelegenheit einmal los zu werden: Westermann ist wieder da! Vor Wochen wünschten ihn viele HSV-Fans noch zum Teufel, um es einmal so krass auszudrücken, aber inzwischen hat sich diese Aufregung ja voll gelegt. Weil die Leistungen des Kapitäns einfach stimmen. Er hat sich aus seinem Tief herausgekämpft. Und er spielt jetzt sogar als Rechtsverteidiger, weil er sich für die Mannschaft aufopfert. Vorbildlich ist das zu nennen – Kompliment, Heiko Westermann!

Übrigens war heute Michael Oenning im Volkspark. Er verabschiedete sich von der Mannschaft, gab seinen Dienstwagen und die Schlüssel zu den Umkleideräumen ab. Wir liefen uns im Treppenaufgang zufällig über den Weg. Wo früher noch ein Lächeln über sein Gesicht gehuscht wäre, blieb seine Mimik diesmal eisern. Wortlos gab er mir die Hand – und ging in die Geschäftsstelle. Nun gut, ich weiß ja, dass er mir nicht gleich um den Hals fallen muss, eine Trennung hinterlässt eben immer einige Spuren. Gut war immerhin, dass er sich noch von der Mannschaft verabschiedet hat. Und Ende der Vorstellung.

Beim Training sahen heute noch zwei Prominente zu: Alexander Bommes vom NDR, der am Sonntag den Sportclub moderieren wird – und Sportchef Frank Arnesen (der heute Geburtstag hat) zu Gast hat. Zudem war Stefan Böger ein Zaungast. Der U-17-Nationaltrainer hätte zwar mit auf das Trainingsgelände gehen können, weil man es ihm angeboten hatte, aber der ehemalige HSV-Verteidiger zog es vor, das Geschehen von außen zu betrachten. Extrawürste lehnt er offenbar ab, und das spricht absolut für ihn.

Kommen wir zu den Personalien. Ricardo Moniz ist das Stichwort. Ist er nun ein Trainer-Kandidat für den HSV, oder ist er es nicht? Der Coach wurde darauf natürlich heute auch in Salzburg angesprochen, aber er wiegelte ab: „Im Moment denke an nichts anderes, als das Spitzenspiel am Sonntag. Dann spielen wir gegen Admira.“ Immerhin gab Moniz zu, dass es Gespräche mit Hamburg gegeben hat. Allerdings, auch das steht fest, keinerlei Verhandlungen. Moniz verhält sich gegenüber seinem Arbeitgeber Red Bull Salzburg absolut loyal, und das ist auch richtig so. Wenn der HSV etwas wollte, so müsste schon Hamburg auf die Salzburger zugehen und einmal nachfragen, unter welchen Umständen der Coach denn eventuell den Verein wechseln könnte.

Ich kann mich immer noch nicht so richtig mit diesem eventuellen Wechsel anfreunden, denn ich ziehe stets gerne eins und eins zusammen: Moniz steht mit Salzburg in Österreich auf Platz eins, spielt international in der Europa Legaue, und in Hamburg würde er den Schleudersitz eines Tabellenletzten übernehmen. Geht diese Mission schief, könnte er schnell wieder auf der Straße sitzen. Wer macht so etwas? Macht Ricardo Moniz so etwas? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich habe, quasi zwischen Tür und Angel, mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow über dieses Thema gesprochen, und ich hatte nicht den Eindruck, dass es ganz heiß ist. Aber Jarchow sagte mir auch: „Wir geben zu keinen Namen, die uns nun schon seit Tagen um die Ohren fliegen, einen Kommentar ab, und das werde ich auch jetzt nicht machen. Wir suchen, und wir suchen in aller Ruhe, denn es soll ja die beste Lösung für den HSV gefunden werden.“ Zu mehr Fragen reichte die Zeit nicht, denn dann trat Michael Oenning auf den Plan, und mit ihm ging der Klub-Boss dann weiter in die Geschäftsstelle.

Vier Etagen höher hatte sich zuvor Mladen Petric zur aktuellen Lage des HSV geäußert. Was ging in der Mannschaft nach dem 2:1-Sieg in Stuttgart vor, was verspürt er jetzt? Der Kroate, der in dieser Woche ja mehrfach mit einem Wechsel (am Saisonende) in die Schweiz konfrontiert wurde, sagte: „Ich will nicht von Leichtigkeit sprechen, aber es war ein positiver Schritt, wir haben uns Selbstvertrauen geholt, und das wollen wir mit ins Schalke-Spiel nehmen, ich bin zuversichtlich, dass uns das auch nutzen können.“

Trotz aller Euphorie in Hamburg – und auch rund um den Volkspark – der HSV ist immer noch Schlusslicht der Bundesliga. Fühlt Petric sich auch als Tabellenletzter? Er sagt: „Es geht nicht um Gefühle, es genügt ein Blick auf die Tabelle, wir sind Letzter. Aber der Sieg hat Mut gemacht, dieses positive Gefühl nehmen wir mit, die Mannschaft lebt, wir können etwas bewegen.“ Schalke kommt mit einem neuen Trainer. Huub Stevens ist bekannt dafür, dass er großen Wert auf die Null, die hinten stehen muss, legt. Ob das auch schon für Hamburg gelten kann? Mladen Petric: „Ich weiß nicht, ob er in der kurzen Zeit, in der er da ist, schon so auf seine Mannschaft einwirken kann. Aber es ist eigentlich auch unwichtig, denn wir wollen unser Spiel spielen, wir müssen Schalke unser Spiel aufdrücken – das hat uns Rodolfo Cardoso in den letzten Tagen klar gemacht. Wir wollen uns nicht dem Gegner anpassen, sondern an unsere eigenen Stärken glauben.“

Das hat Cardoso der Mannschaften schon eindrucksvoll vermitteln können. Durch „sehr viele Einzelgespräche“, wie Mladen Petric berichtete. Reden hilft – auch in einer solchen Situation. Der HSV-Torjäger gibt sich optimistisch: „Wir wollen den Schwung, den uns Stuttgart gab, mitnehmen, mit einer kleinen Serie ist man dann auch schnell da unten raus.“ Aus der Abstiegszone.

So, es ist spät geworden, aber das liegt an der späten Trainingszeit um 15.30 Uhr. Da rund um den Volkspark alle Straßen dicht sind, dauert es eben seine Zeit, bevor ich dann loslegen kann. Sorry.
Am Sonnabend ist um 16 Uhr Training, aber diese Einheit ist nicht öffentlich, also auch nicht durch die Fenster der „Raute“ zu betrachten. Es wird geheim trainiert.

19.34 Uhr

PS: Im Gewinnspiel (Spalte rechts) hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es fehlen die Gewinner.
Da ich das (technisch) nicht bereinigen kann, kommen die Glücklichen nun hier:

Die zwei Eintrittskarten für das Schalke-Spiel gehen nach Marne, gewonnen hat Fabian Holtz.
Das Original-Trikot von Henrik Dettmann erhält Marco Suhr, der in Fockbek wohnt.
Beiden Gewinnern herzlichen Glückwunsch.

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

0.00 Uhr

Drei Punkte für Hermann Rieger

29. September 2011

Der kleine Lam lahmt. So ein Pech. Den Shootingstar des HSV zwickt es an der Leiste. Und er kann deshalb nicht trainieren. Aber, so Trainer Rodolfo Cardoso, es sind ja noch zwei Tage bin, bis zum Schalke-Spiel. Und diese Zeit soll genutzt werden, um den jungen Mann doch noch auf die Beine stellen zu können. Denn eines ließ Cardoso erneut durchblicken: Er würde schon gerne mit jener Formation beginnen, die auch in Stuttgart beim Anstoß auf dem Rasen stand. Würde ja auch Sinn machen, denn je besser sich eine Mannschaft einspielt und versteht, umso größer ist die Chance, dass sich Erfolge einstellen.

Heute wurde im Volkspark nur „auf lau“ trainiert. Fußballtennis. Weil, so der Coach, „die Woche hart“ war. Für die Spieler. Cardoso wollte ein wenig Tempo herausnehmen, damit seine Jungs am Sonntag von 17.30 Uhr an so richtig schön Gas geben können.

Es ist ja Hermanns Geburtstag. Der Kult-Masseur wird 70 – und der HSV will ihn zu diesem großen Tag einen Dreier schenken. Hoffentlich klappt das Vorhaben. „Die Euphorie in der Mannschaft ist groß, wir haben gut trainiert. Und es sind fast alle an Bord. Marcell Jansen ist nach seiner Erkältung wieder dabei, Gojko Kacar war trotz des ausgekugelten Fingers dabei – Cardoso kann in diesem Spiel aus dem Vollen schöpfen.

Die Frage, ob er mit zwei Spitzen spielen lassen wird, ließ Rodolfo Cardoso noch offen. Er ließ in dieser Woche auch mit dem Duo Mladen Petric/Paolo Guerrero stürmen, aber wenn die Stuttgart-Elf fit werden sollte, wird Guerrero wohl zunächst wieder nur auf der Bank sitzen. Ob Rodolfo Cardoso auch nach dem Spiel noch auf der Trainerbank des HSV sitzen wird, ist weiter offen – wahrscheinlich ist es so, dass Schalke sein vorerst letztes Spiel bei den Profis sein wird. So fordern es die DFL-Statuten. Und da wird es wohl keine Ausnahme geben. Auch für den HSV nicht, auch für Rodolfo Cardoso nicht.

Ich weigere mich zurzeit, neue Namen zu spielen, ich will mich überraschen lassen. In meinen Augen bringt es überhaupt nichts, wild mit irgendwelchen Namen zu spekulieren, denn ich denke, dass der neue HSV-Coach bislang noch überhaupt nicht gehandelt wurde. Von niemandem hier – und überall. Aber das ist nur meine ganz persönliche Annahme.

Ich drücke nur Cardoso die Daumen, dass er am Sonntag ebenso Erfolg haben wird, wie zuletzt im Ländle. Dass er der Mannschaft gut getan hat, das sagt auch Heiko Westermann. Der Kapitän heute: „Man merkt schon, dass es ganz anders zur Sache ging in dieser Woche, wir haben wieder mehr Selbstvertrauen getankt, sind ein bisschen lockerer geworden. Und die Lockerheit müssen wir am Sonntag auch mit ins Spiel nehmen. Wir spielen zu Hause, müssen Spielfreude ausstrahlen, müssen uns zeigen, dass jeder den Ball haben will – und dann werden wir dieses Spiel positiv gestalten.“

Dass Schalke für den Tabellenletzten ein harter Brocken werden wird, dass steht auch für Westermann fest. Der Rechtsverteidiger gibt aber die Marschroute vor: „Wir müssen nicht zu sehr auf Schalke blicken, wir müssen unser Spiel durchziehen.“ Genau das gibt Cardoso vor. Er gab es schon in Stuttgart vor. Nicht zu sehr auf den Gegner schauen, mehr die eigenen Linie durchziehen. Auch das hat sich bei diesem HSV unter Cardoso geändert – vielleicht ist das sogar die wichtigste Änderung überhaupt. Dass der HSV wieder mehr an die eigene Stärken glaubt, statt vor zu großer Ehrfurcht vor dem Gegner zu erstarren. Wenn wir uns erinnern: So war es am Anfang der Saison, als der HSV sich immer als krasser Außenseiter bei den Spielen in Dortmund und in München bezeichnete. Es gab damals Spieler, die mir sagten: „Dann sollten wir die Punkte dort mit er Post hin schicken, denn wenn wir ohnehin chancenlos sind, dann macht doch ein Spiel gar keinen Sinn . . .“ Und so sah es dann ja auch aus.

So, ich mache heute einmal eher Schluss mit meinem Bericht, weil ich gleich etwas ganz Großes, für mich auch Einmaliges vorhabe. Ich darf und werde eine Laudatio auf Ernst Happel halten, dessen Füße heute am Uwe-Seeler-Fuß enthüllt werden. Geehrt werden heute auch Dr. Wolfgang Klein, Dr. Peter Krohn, Kevin Keegan, Ditmar Jakobs und Uli Stein.

Am Abend werde ich mich dann erneut melden, dann sicher auch mit Stimmen von dieser Veranstaltung.

Zunächst einmal aber möchte ich mich bei allen jenen Usern bedanken, die mir Glückwünsche zu meinem Geburtstag übermittelt haben – „Aufkleber-Uwe“ war heute wohl der letzte Gratulant – vielen, vielen Dank dafür. Das war super und überwältigend. Eine neue Erfahrung war es für mich, das muss ich schnell noch loswerden, dass sogar User gratulierten, die mir vorher ordentlich zugesetzt haben. Trotz aller persönlichen Anfeindungen dann noch Glückwünsche – das ist eine ganz neue Erfahrung. Für mich jedenfalls.

Nun aber ist Ende – vorerst. Am Abend, es könnte allerdings später werden (das sage ich gleich!), melde ich mich dann noch auf jeden Fall. Bis dann also.

14.11 Uhr

Töre will ein Stück HSV-Geschichte werden

28. September 2011

Eigentlich hatte ich an meinem letzten Tag vor meinem Urlaub vor, einen einfach nur netten, über Gökhan Töre informativen Blog zu schreiben. Der dribbelstarke Türke setzte sich nämlich heute nach langer Zeit mal wieder bei uns in die Runde und offenbarte uns nette, traurige, interessante und zudem sehr ehrliche Geschichten rund um seine Person. Aber – und das kommt zuerst – ich möchte versuchen, hier erst mal etwas klarzustellen: Das Abendblatt empfindet die Trainersuche nicht, wie der zwischenzeitlich online gestellte Artikel des SID den Online-User vermuten lassen könnte, als Posse. Im Gegenteil. Wer das Abendblatt wirklich liest und sich nicht allein an der Online-Ausgabe bedient, der weiß das auch.

Als kurze Erklärung: Unsere Online-Redaktion ist eine eigenständige Abteilung, die von sehr fleißigen Mitarbeitern geführt wird. Dabei sitzen diejenigen den ganzen Tag am PC und Telefon, um immer sofort alles Neue online zu setzen. Die Damen und Herren haben wirklich einen stressigen Job, der eben auch mal einen Fehler produziert. Dabei passiert es auch mal, dass ein solcher Agenturbericht ohne mit uns Rücksprache zu halten, übernommen wird, der dort besser nichts zu suchen hat. Wie heute. Meistens wird dieser aber nach kurzer Zeit wieder runtergenommen, weil ein thematisch damit Befasster den Artikel liest und löschen lässt. Wie heute.

Wer sich aber nun hinzusetzen, und hier das gesamte HA zu attackieren, der kennt eben diese Hintergründe nicht. Was dem einen oder anderen offensichtlich ganz recht war, um mal so richtig loszulegen. Warum das so ist, keine Ahnung. Und ohne hier Namen zu nennen, eine(n) dieser Blogger(innen) habe ich gestern am Trainingsplatz getroffen. Warum ich das erwähne? Weil der- oder diejenige sich in den letzten Wochen nur zu gern über alles und jeden, der oder das mit dem Abendblatt zu tun hat, auslässt. Zum Teil definitiv ernst zu nehmen, aber vermehrt unreflektiert und teilweise einfach nur bösartig. Da ich diese Person auch vorher schon häufiger gesprochen und als zweifellos sehr intelligenten Menschen kennengelernt habe, konnte ich mir deren Beleidigungen nur schwer erklären. Per Email hatte ich es mal zwischendurch versucht, zu ergründen. Aber nachdem dieser Zustand inzwischen zum Dauerzustand auswuchs, ließ ich es.

Dennoch dachte ich, dass bei dieser Gelegenheit am Platz etwas kommt. Von mir aus auch gern ebenso schonungslose Kritik wie hier im Blog. Dann hätte man sich sachlich miteinander unterhalten und wäre zu einem gemeinsamen Schluss gekommen oder eben nicht. Aber stattdessen kam – gar nichts, was für mich nur den Schluss zulässt, dass es dem- oder derjenigen nicht um den HSV, den Blog oder das Thema geht, sondern schlicht darum, mit provokanten Aussagen aufzufallen.

Das ist schade. Weil ich wirklich für jede Kritik offen bin. Dass ich mir nicht alles zu Herzen nehme, werdet Ihr sicher entschuldigen.

Auch deswegen widmen wir uns lieber wieder schnell dem wirklich Wichtigen: der Mannschaft. Die hat noch immer Rodolfo Cardoso als Chef und scheint damit sehr zufrieden. Zumindest vermitteln es die Spieler durch ihre ebenso lockere wie ehrgeizige Gangart auf dem Trainingsplatz. Da wird gelacht, miteinander geflachst – aber in den Übungen wird sich nichts geschenkt. Im Gegenteil. Am Dienstag musste das Gojko Kacar erfahren, der sich den Mittelfinger verdrehte, nachdem ihm sein Gegenspieler draufgestiegen war. Am heutigen Mittwoch war der Serbe wieder dabei – trotz blauer Armschiene und einer finster aussehenden schwarzen Gesichtsmaske. Sein Zeichen an Mannschaft und Trainer: Er wollte partout nicht fehlen.

„Der Trainer vermittelt uns Spaß daran, hart zu arbeiten“, sagt Jeffrey Bruma und erhält Unterstützung von einem, der unter Cardoso seine wohl beste Saisonleistung abgeliefert hat: Gökhan Töre. „Cardoso bringt Spaß in den Fußball, er bietet eine neue Herausforderung, die wir annehmen“, so der Deutsch-Türke, der bereits vorab für das Länderspiel der Türken gegen Deutschland am 7. Oktober in Istanbul nominiert worden ist. Normalerweise erfolgen die Einladungen später und per Fax – bei ihm hat der türkische Nationaltrainer und ehemalige HSV-Trainerkandidat Guus Hiddink allerdings mal eine Ausnahme gemacht. „Er hat mich angerufen“, freut sich Töre über die große Ehre.

Eine Ehre, die für Töre sogar eine ganz besondere Bedeutung hat. Denn als er zwölf Jahre alt war hatte er seinem damals sehr krank gewordenen und kurz danach verstorbenen Großvater versprochen, einmal Fußballer zu werden. Und für die Türkei zu spielen. „Er war derjenige, der mich immer zum Fußball gebracht hat, der mich darin gefördert hat“, erzählt der grimmig wirkende, aber eigentlich liebe Linksfuß. Dabei merkt man ihm an, wie tief diese Trauer über den Verlust seines Opas sitzt und wie groß sein Stolz ist, dem Opa das Versprechen erfüllt zu haben. Eine Freude, die Töre mit 40 Bekannten und Verwandten teilen wird, für die er Karten für das EM-Qualifikationsspiel besorgt hat. Vor allem aber mit einer Frau: seiner stolzen Oma. „Das wird ein ganz besonderes Spiel für mich. Ein ganz besonderes Spiel für uns.“

Und die Aussichten, dass er spielen wird, sind wie beim HSV sehr gut. „Guus Hiddink steht auf mich“, frohlockt Töre, der sich auch beim HSV in seiner bislang besten Form wähnt. Selbst seinen ersten Bundesligatreffer hat er vor Augen: „Stuttgart war schon ganz gut von mir, glaube ich. Ich werde Woche für Woche, Tag für Tag weiter hart arbeiten und dann auch irgendwann selbst treffen. Vielleicht ja schon am Sonntag.“ Stören würde das niemanden. Schon gar nicht in dem nächsten, sehr wichtigen Spiel gegen Schalke 04 mit Trainer Huub Stevens.

Nein, inzwischen gibt es immer mehr, die es dem bulligen Dribbler gönnen. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten ans neue Umfeld hat sich Töre gefangen. Er hat sich seinen eigenen Freundeskreis aufgebaut, eine Wohnung an der Elbchaussee bezogen und fühlt sich endlich so richtig heimisch. „Ich bin angekommen und habe jetzt große Ziele“, so Töre, dessen Vorbild Lionel Messi ist. „Ich schaue mir seine Videos an und studiere seine Tricks. Er ist der Beste.“ Dass er dennoch auch alte Granden wie Zinedine Zidane oder auch Ronaldo verehrt bewiest seine Reaktion auf die Frage, ob er sich auf das Benefizspiel gegen eine Weltauswahl im November freut: „Logisch, das ist schon eine Ehre, mal gegen solche Fußballer spielen zu dürfen. Die können echt kicken.“

Er auch. Er kann es sogar noch besser, als er bisher gezeigt hat. Das sagt er zumindest selbst. „Ich sehe jeden Tag Dinge bei anderen, die ich annehmen und selbst auch können will. Ich weiß einfach, dass ich jeden Tag hart an mir arbeiten muss, wenn ich mein großes Ziel erreichen will.“ Und das ist, international zu spielen. Zuerst bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine mit der Türkei, anschließend auf Vereinsebene mit dem HSV. „Das wäre ein Traum.“

Wer Töre begegnet, sieht auf den ersten Blick einen vor Kraft strotzenden, tätowierten jungen Mann mit oft finsterem Blick. Allerdings ist das eine Art, die allein für den Fußballplatz („Ich liebe hartes, körperbetontes Spiel“) gilt. Dort auch wirklich, wie von einem der härtesten, brutalsten und kompromisslosesten ehemaligen HSV-Verteidigern erklärt wird: vom heutigen Stuttgarter Khalid Boulahrouz. Der hatte nach der Partie am Freitag seinen direkten Gegenspieler in den höchsten Tönen gelobt: „Töre hat einen großen Weg, eine tolle Karriere vor sich. Er ist einer, der nicht gleich umfällt und fightet. Er sucht die Zweikämpfe, ist hart im Nehmen und gibt nie auf.“ Worte, die Töre gern hört, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Er ist gern hart.

Obgleich das nicht der ganze Töre ist. Denn der andere, der private Töre außerhalb des Wettkampf- und Trainingsbetriebes geht gern mit seinem sieben Monate alten American Stafford „Cano“ (übersetzt: Liebling) an der Elbchaussee spazieren. Er geht gern ins Kino und mit seinem Mannschaftskollegen und Freunden abends essen. Und wenn die Zeit es erlaubt, spielt er mit seinem besten Freund, mit dem er seit der Jugend befreundet ist und der sowohl in London als auch jetzt in Hamburg bei ihm wohnt und dem er hilft, Tennis.

Töre, der Mann der bislang wenigsten Worte uns Journalisten gegenüber, ist ein interessanter junger Mann. Menschlich tiefgründiger als manche vermuten, ist er sportlich am Anfang einer vielleicht (und aus unserer Sicht: hoffentlich) steilen Karriere als Fußballer. Auf jeden Fall ist er eines der Talente beim HSV, von dem man sich noch viel erhoffen darf. Er erfüllt nahezu alle Anforderungen, die der Umbruch mit sich brachte. Ihm gehört ein Stück HSV-Zukunft, das uns Außenstehenden noch sehr viel Freude bereiten kann.

In diesem Sinne, ich freue mich auf meinen Urlaub und hoffe, dass wir uns danach mit dann sieben Punkten auf der Haben-Seite wieder sprechen.

Bis dann,

Scholle

Kurz notiert:

Pause: Während neben Kacar auch Romeo Castelen wieder voll mittrainierte, musste Zhin Gin Lam heute wegen leichter Muskelprobleme pausieren. Das junge Talent soll aber am Donnerstag wieder einsteigen und gegen Schalke spielen können. Wann Marcell Jansen (Erkältung) wieder dabei ist, ist dagegen weiterhin offen.

Nominiert:
Jaroslav Drobny ist für die EM-Qualifikationsspiele der tschechischen Nationalmannschaft gegen Spanien am 07. und gegen Litauen am 11. Oktober (beide Spiele in Prag) nominiert worden.

Stevens – oder Trainer sind auch nur Menschen

27. September 2011

„Der HSV hat mein Herz gestohlen.“ Wer hat es gesagt? Richtig: Huub Stevens. Als er kürzlich noch beim HSV auf der Suchliste stand. Nun sagte jener Trainer, der sein Herz an den HSV verloren hat(te), folgendes: „Wenn man sechs Jahre bei einem Verein war und Erfolge hatte, ist er ein Teil seines Herzens geworden. Es heißt zu Recht: Einmal Schalker, immer Schalker.“ Zum HSV sage der 57-jährige Stevens auch noch etwas: „Ich habe dem Verein nicht abgesagt, er hat sich nicht mehr gemeldet. Ich denke, dass ein Trainer das Recht hat, auch mit anderen Vereinen zu sprechen, wenn ein Verein wie der HSV mehrere Kandidaten hat . . .“ Das stimmt wohl. Aber Schalke machte nun das Rennen. Obwohl 04-Manager Horst Heldt noch am Wochenende erklärt hatte, dass er nach einem Kandidaten fahnde, der als Vertreter“ des modernen Konzeptfußballs“ gilt. Heute nun sagte Heldt, dass Schalke mit Stevens die „beste und schnellste Lösung“ gefunden habe. Motto: Was stört mich mein Geschwätz von gestern?

Was lehrt uns das? Trainer sind auch nur Menschen. Die viel Geld verdienen möchten . . .

Was mir zu denken gibt: Stevens sprach davon, dass der HSV mehrere Kandidaten hat. Mehrere. Toll. Irgendwie hatte ich schon befürchtet, der HSV (!) hätte nicht einen. Jetzt aber weiß ich es, dank Stevens, besser. Es gibt mehrere. Das sorgt in meinem Inneren für Zufriedenheit. Noch keine hundertprozentige Zufriedenheit, aber die kommt vielleicht ja noch. Obwohl ich nicht glauben kann, dass sich der Verein (oder nur er Sportchef?) vor allem mut Kandidaten beschäftigt, die keine Ahnung von der Bundesliga haben. Es pressiert also doch noch nicht so doll in Hamburg, wie ich immer gedacht habe. Kommt ein neuer Coach XY aus Spanien, England, Italien oder wo immer auch her, dann gibt ihm der HSV auch die nötige Zeit, sich hier in Ruhe einzuarbeiten. Also keine Spur von Panik, keine Spur von Hektik, alles nach dem Motto: „Gemach, gemach – kommt heute kein Trainer, dann kommt er morgen.“

Wobei ja auch schon ein Trainer da ist: Rodolfo Cardoso. Noch immer unbesiegt mit den HSV-Profis. Was heißt unbesiegt, der Mann hat nur gewonnen mit den HSV-Profis. Das müssten die Herren des DFB doch auch in einer Form honorieren. Vielleicht in der Form, dass es für den Argentinier eine Sondergenehmigung gibt. Da Cardoso keine Fußball-Lehrer-Lizenz besitzt, müsste ihn der DFB „ohne“ gewähren lassen. So möchte es der HSV. Und? Möchte das auch de DFB? Noch blieb die Antwort aus, aber wenn ich daran denke, dass zuletzt auch jedem Zweitliga-Klub eine „Ausnahmeregelung“ verweigert worden ist (Matthias Sammer ist da ganz eisern), wird es keine „Ausnahme HSV“ geben. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen. Denn es gibt ja genügend Trainer auf dem Markt. Auch ausländische, die keine Ahnung von der deutschen Bundesliga haben.

Dass es keine Ausnahme gibt, das erfuhr am 16. März 2010 auch der Rostocker Trainer Thomas Finck. Er sollte Hansa trainieren, natürlich ohne Lizenz. Dann wurde der ehemalige HSV-Torwart Marco Kostmann eingesetzt – als Chef-Trainer. Finck blieb – als Co-Trainer. Aber es gibt da keine Wischi-waschi-Lösung: Kostmann war die Nummer eins, auch das wird vom DFB nämlich sehr genau beobachtet, haargenau (sogar beim Training in der Woche!), da kann es keine Strohmann-Lösung geben. Sonst Strafe. Punktabzug? Falls vorhanden, dann auch das.

Noch einmal zum Stuttgart-Spiel zurück. Es waren ja einige Auffälligkeiten dabei- Zum Beispiel, dass Gökhan Töre ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht hat. Endlich. Nicht er endlich, sondern endlich hat er es allen gezeigt. Ich schreibe es seit vielen Wochen, dass Töre in die Mannschaft gehört, denn er ist frech, technisch stark mutig und in der Lage, raumgreifende Dribblings nicht nur zustarten, sondern auch erfolgreich abzuschließen. Dann der „kleine Lam“. Einfach super, dass der Mut von Cardoso mit dem „kleinen Lam“ belohnt wurde. Lotto King Karl konnte während des Spiels das Wasser nicht halten und schwärmte mir in höchsten Tönen von Töre und Lam vor. Zhi Gin Lam, so viel Zeit muss sein. Was ich damit sagen möchte: Lotto King Karl hat, so wie ich es schon mehrfach geschrieben, eben unheimlich viel Ahnung vom Fußball, denn an den nächsten beiden Tagen konnte ich lesen, dass Töre und Lam die beiden besten Hamburger gewesen sind. Super, super.

Würde mich jetzt ja tierisch freuen, wenn mit dem „kleinen Lam“ mal ein Nachwuchsmann zu den Profis käme, der auf Dauer (!) das hält, was er zum Anfang verspricht. Ich wünsche es ihm und dem HSV. Es wäre endlich einmal ein Erfolgserlebnis der etwas anderen Art.

Was ich noch ganz besonders toll am Stuttgart-Sieg fand: Wie sich nach den Toren (und auch beim Schlusspfiff) die beiden Trainer in den Armen lagen. Frank Heinemann kannte da keinerlei Berührungsängste, er flog, so sah es im Fernsehen aus, dem Rodolfo Cardoso an die Brust, und zwar mit Schmackes. So muss es doch sein! Auch wenn der Frank Heinemann von Michael Oenning aus Bochum nach Hamburg geholt worden ist. Berührungsängste gibt es jedenfalls nicht – und das ist auch gut so.

Zum heutigen Trainings-Vormittag: Es fehlten Romeo Castelen (Adduktoren-Reizung), Marcell Jansen (Erkältung) und Tolgay Arslan, dessen alte Verletzung am Knöchel am Sonntag wieder aufgebrochen ist. Der Mittelfeldspieler wurde nun für die kommenden 14 Tage aus dem „Verkehr“ gezogen er soll während dieser Zeit einmal gar nichts machen. Gefehlt haben auch weiterhin Dennis Diekmeier und Michael Mancienne.
Der mit einer Maske trainierende Gojko Kacar (Nasenbeinbruch) musste kurz vor dem Trainings-Ende vom Platz gehen, denn er hatte sich bei einem sehenswerten Fallrückzieher an der Hand verletzt. Im Krankenhaus wurde aber nicht der befürchtete Fingerbruch bestätigt, sondern nur eine Stauchung festgestellt.

Das (Vormittags-)Training war lebhaft und gut, die Spieler haben ganz offensichtlich neues Selbstvertrauen gewonnen. Auffällig für mich, dass Gökhan Töre (ein echtes Schlitzohr, der oftmals mit großartigen Körpertäuschungen arbeitet) und Paolo Guerrero viele Tore schossen.

Apropos Tor. Jeffrey Bruma schoss am Freitag nicht nur sein erstes Tor für den HSV, das wichtige 1:1 in Stuttgart (ein Hechtkopfballtor), sondern damit auch sein insgesamt drittes in seiner noch jungen Profi-Laufbahn. Zwei schoss er einst für Leicester im Spiel gegen Watford – eines dabei aus rund 30 Metern (auf Youtube zu sehen). Könnte er ja jetzt – mit frischem Selbstvertrauen – auch mal beim HSV versuchen. Obwohl er sicher zufrieden sein dürfte, wenn sein Gegenspieler, Landsmann Huntelaar, ohne Treffer bleibt. „Wir haben in Stuttgart gut gespielt, ich bin jetzt hundertprozentig fit, jetzt müssen wir versuchen, auch gegen Schalke zu gewinnen“, sagt Bruma und fügt hinzu: „Wir haben in Stuttgart bewiesen, dass wir Qualität haben, das müssen wir auch gegen Schalke 04 beweisen.“

Und eine Viererkette mit Heiko Westermann, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic und Dennis Aogo kann sich ja auch sehen lassen. Allesamt Nationalspieler. Wobei Bruma und Rajkovic zwar beide vom FC Chelsea gekommen sind, aber nun am Freitag erstmalig in einer Mannschaft standen. Bruma sagt: „Für den Anfang war das nicht schlecht, aber wir können auch noch besser.“ Klingt gut und vielversprechend. Obwohl ja jetzt auch die geballte Schalke-Offensive auf den HSV zukommen wird: Huntelaar, Raul und Farnfan. Das dürfte eine äußerst schwierige Aufgabe für die HSV-Defensive werden. Zumal die Schalker ja auch mit dem frischen Wind nach Hamburg kommen, die ein Trainerwechsel in den meisten Fällen verursacht – wie der HSV ja gerade selbst bemerkt haben dürfte.

Cardoso will nicht so sehr auf den Gegner achten, er beschäftigt sich mehr mit seinen Jungs, mit dem Spiel des HSV. Damit liegt er wohl richtig, denn Jeffrey Bruma lobt: „Er hat uns gegen Stuttgart sehr gut eingestellt, und er hat der Mannschaft Selbstvertrauen gegeben, indem er über unsere Stärken gesprochen hat. Gegen Schalke werden wir sicher auch unser eigenes Spiel spielen, und das ist auch gut so. Vorwärts müssen wir spielen, und das haben wir unter ihm in Stuttgart auch getan.“

Der Interims-Trainer steht nun aber vor dem Schalke-Spiel (Sonntag, 17.30 Uhr) vor einer ganz kniffligen Frage: Startformation aus dem Stuttgart-Spiel, oder doch den einen oder anderen „frischen“ Mann? Zum Beispiel Paolo Guerrero. Cardoso lässt sich aber (noch) nicht in die Karten schauen: „Auch Marcus Berg trainiert gut, Heung Min Son ebenfalls – da bieten sich viele Jungs an, alle trainieren super, wir haben fast schon ein Luxus-Problem.“ Und zunächst einmal hofft Cardoso auf den 12. Mann: „Wir brauchen die Fans, die ja immer super sind, am Sonntag ganz besonders. Das wird ein hartes Spiel, das werden 90 brisante Minuten – vor allen Dingen auch deshalb, weil mit Huub Stevens ein Trainer kommt, der ja auch beim HSV gehandelt wurde.“

Sie wären fast HSV-Kollegen geworden, jetzt sind sie Kontrahenten. Und Cardoso freut sich darüber: „Ich bin ganz locker drauf, freue mich auf das Spiel, freue mich darüber, dass ich wieder auf der Bank sitzen werde, dass ich dem Verein helfen kann. Ja, meine Freude ist riesig. Und ich spüre, dass die Jungs auch wieder mehr an sich glauben, dass auch in der Stadt wieder mehr Hoffnung herrscht. Und das müssen wir nützen für unser Spiel, das muss uns positive Energie geben.“ Dass er auch langfristig HSV-Trainer bleibt, daran glaubt Rodolfo Cardoso allerdings nicht: „Damit beschäftige ich mich nicht, ich denke von Spiel zu Spiel. Ich plane nicht für eine längere Zeit, denn es ist ja in Sachen Trainerlizenz eine komplizierte Sache mit mir. Wichtig ist für mich, dass wir gut trainieren, dass die Jungs wieder Spaß haben.“

Und den Spaß hat er gesehen. Cardoso schwärmt vom neuen HSV-Gefühl: „Besser geht es doch gar nicht. Die Art und Weise, wie wir gespielt und gesiegt haben, das war schon toll. Und in der Kabine zu sehen, wie groß die Freude der Spieler war – besser geht es nicht. Wenn man sieht, wie schwer die Zeit zuvor war, wie alle gelitten haben – und dann diese Freude, das war klasse.“ Und so darf es ja auch ruhig weitergehen.

Kein HSVer hat etwas dagegen.

18.34 Uhr

Nicht Stevens, van Gaal oder van Basten – Cardoso soll es weiterhin richten

26. September 2011

So, jetzt also weiter mit Rodolfo. Vorerst. Und wenigstens noch gegen Schalke. Aber vielleicht auch länger? Frank Arnesen wollte sich heute nicht so recht festlegen, wich immer wieder aus. „Wir werden erst mal den Sonntag gegen Schalke abwarten und dann weitersehene.“ Klar sei jedoch, dass der Verein schon im Vorfeld der Partie einen Brief an den DFB und die DFL schicken würde, wie sich der Klub verhalten kann und darf. „Rodolfo fehlt der Fußballlehrerschein – und ich war immer ein Freund von geraden Wegen. Wir werden uns bei der DFB und dem DFB, die ich beide sehr ernst nehme, erst erkundigen, bevor wir weiter planen.“

Der HSV spielt auf Zeit. Er hat sie auch, Cardoso sei dank. „Wir wollen alle so schnell wie möglich eine Entscheidung – aber wir müssen nichts.“ Nichts erzwingen, meint Arnesen und kann und will noch nicht einmal mehr ausschließen, dass der HSV auch nach dem Schalke-Spiel weiter mit Rodolfo Cardoso arbeitet. Danach ist Länderspielpause – wobei auch die eine oder andere Entscheidung fallen könnte, wer sich für die EM qualifiziert und wer nicht. Wie bei Dänemark mit Arnesens Freund Morten Olsen…. Arnesen: „Wir haben jetzt am Sonntag das Spiel und danach 14 Tage bis zum nächsten Spiel. Und Rodolfo hat das 100-prozentige Vertrauen und volle Rückendeckung. Danach sehen wir weiter.“

Ein Vorgehen, das ausgerechnet der seit Sonntagabend Nicht-Mehr-Kandidat Huub Stevens lobt: „Wenn der HSV jetzt mit Rodolfo arbeiten will, viel Glück! Rodolfo ist ein echter Kerl, mit dem ich sehr gern zusammengearbeitet hätte. Und die zweite Halbzeit gegen Stuttgart war auch wirklich gut, das muss jeder gesehen haben.“ Dennoch glaubt der Niederländer, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: „Sich jetzt ganz für ihn zu entscheiden, wäre ein schmaler Grat. Da kommt noch was.“

Für ihn allerdings nicht mehr. Obgleich Stevens noch immer nicht klar ist, warum ihm der HSV abgesagt hat. „Ich bin nicht nur überrascht von der Absage, ich bin enttäuscht über die Art. Ich hatte mit Frank ein sehr gutes Gespräch, in dem wir mit komplett offenen Karten gespielt haben. Der Verein hat mir ganz offen erklärt, dass er außer mit mir noch mit andern Kandidaten spricht. Und ich habe – das bin ich dem HSV schuldig – ganz ehrlich gesagt, dass ich eine lockere Anfrage von Schalke 04 habe. Wenn man mir das zum Vorwurf macht – na dann gute Nacht. Dann hätte ich wahrscheinlich einfach nur nicht ehrlich sein dürfen. Ich hätte wahrscheinlich lügen müssen, um HSV-Trainer zu werden.“

Nein, ich persönlich glaube auch, der HSV wollte gar nicht wirklich. Trotz der Mühen, Stevens in Eindhoven zu besuchen und stundenlang zu sprechen. Und ich glaube, auch Stevens wird das langsam klar. „Der HSV wusste, dass ich frei bin. Hätte sich der Klub etwas früher gemeldet, wäre ich sofort gekommen. Als dann Schalke kam, war zumindest klar, dass ich mir alles erst mal anhören muss, bevor ich meine Entscheidung treffe. Denn, und das hatte Frank verstanden, beide Klubs sind in meinem Herzen. Das ist nur fair.“ Selbst ein Entgegenkommen Stevens’ half nichts. „Ich habe Frank auch gesagt, dass ich es völlig korrekt finde, wenn sich der Klub bei der Suche Zeit lassen will. Ich habe nie gedrängt, weil alle Seiten überzeugt sein müssen, um anschließend zusammen zu funktionieren.“

Dennoch hegt Stevens keine Gräuel. Im Gegenteil, so hart er zu seinen Spielern ist, so hart ist er auch im Nehmen. „Huub war einer der härtesten Verteidiger überhaupt“, macht sich auch Arnesen keine Sorgen um nachhaltige zwischenmenschliche Irritationen, „und er ist ein erfolgreicher Trainer.“ Allerdings nicht mehr beim HSV, so viel ist klar. „Das ist sehr schade. Aber so ist das Geschäft. Und so enttäuscht ich auch bin, ich nehme es Frank auch nicht persönlich übel. Ich weiß nur einfach nicht, was in Hamburg dazwischengekommen sein kann. Die Gespräche mit Frank davor waren für eine solche Absage einfach zu gut.“

Und sie werden fortgeführt. Gut zehn Kandidaten habe er bislang gesprochen, so Arnesen, der eine Verpflichtung von van Gaal ausschloss. „Seine Situation ist eindeutig: van Gaal will ein Jahr lang gar nichts machen.“ Selbst Marco van Basten scheint aus dem Rennen: „Ich habe bislang noch nicht die perfekte Lösung gefunden“, so Arnesen. Komplett ausschließen, dass es einer der bereits genannten Kandidaten wird, wollte Arnesen dann aber auch nicht. Es seien auch Gespräche dabei gewesen, die nicht zum Ende geführt werden konnten, wo teilweise terminliche Probleme herrschten.

Arnesen wirkte aufgeräumt, entspannt nach dem ersteh Saisonsieg, den er nicht überinterpretiert sehen will. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, unsere Situation ist noch zu ernst. Wir wissen, dass das ein sehr wichtiges Erfolgserlebnis war. Aber der Weg ist noch weit.“ Und dafür braucht Arnesen einen treuen Wegbegleiter, der ihm treu zur Seite steht. Zumal er selbst ab sofort dauerhaft bei den Spielen auf der Bank sitzen will. „Der HSV hatte sehr viele Trainer in den letzten acht Jahren. Und das wollen wir so nicht weitermachen.“ Und dafür hat Arnesen das Anforderungsprofil justiert: „Es muss einer sein, der auch unbedingt will“, leistet er sich einen kleinen Hieb in Richtung Stevens, „und es muss einer sein, der unsere junge, offensive Spielweise vertritt. Wir haben Spieler, die nach vorn spielen können. Und ich habe am Freitag sogar eine Mannschaft gesehen, die das kann und gleichzeitig gut steht.“

Dazu zählte Arnesen auch Drobny, der beim Gegentor nicht ganz glücklich aussah. „Drobny ist kein Diskussionsthema“, unterstützt der Sportchef die Nummer eins des HSV, „ich habe im September auch gesagt, dass die se Mannschaft stark genug ist, dass wir in dieser Zusammenstellung bis Januar auf jeden Fall weiterspielen.“ Soll heißen, kein Frank Rost. Zumal: Der Ex-Keeper hatte dem „kicker“ ein Interview gegeben und seine Rückkehr als Aktiver ausgeschlossen. Einzig in anderer Funktion, beispielsweise als Sportchef, könne er sich ein Comeback beim HSV vorstellen.

Ihr seht also, es ist wieder viel los beim HSV, ohne dass wirklich viel passiert. Mit einer Nachricht, die ich gut verkraften kann: Cardoso bleibt vorerst Trainer. Gut möglich sogar, dass der Argentinier mit dem guten Bauchgefühl anschließend als Cotrainer des neuen Chefcoaches bleibt. „Wir haben allen Kandidaten gesagt, dass wir keine großen Trainerteams einstellen können.“ Aus finanziellen Gründen. Dennoch sei der HSV in der Lage, dem Neuen die Sache auch finanziell schmackhaft machen zu können. Mit der Zugabe Cardoso als Co., wie Arnesen befürworten würde: „Ich bin sehr zufrieden mit den ersten fünf Tagen von Rodolfo. Er spricht sehr logisch über Fußball, ist in Stuttgart immer ruhig und er selbst geblieben, was ich besonders wichtig finde. Rodolfo redet nicht viel, aber was er sagt, ist logisch und gut.“

Und auf so einen kann man setzen. Zumindest hat so einer eine echte Chance verdient. Dass parallel Gespräche mit potenziellen Kandidaten weiterlaufen, ist klar. In diesem Sinne, vielleicht findet Arnesen ja die perfekte Lösung.

Euch noch einen schönen Restmontag. Bis morgen! Dann wieder mit Dieter.

Scholle (18.58 Uhr)

Kurz notiert:

Training: Am Dienstag wird zweimal trainiert, um zehn und um 15 Uhr.

Gute Tat: Der HSV ist Gastgeber des Spiels gegen
die Armut 2011.
Bei der neunten Ausgabe des Spiels treten Ronaldo,
Zidane und Freunde am 13. Dezember 2011 in der Imtech Arena in
Hamburg gegen den Hamburger Sport-Verein an. Das gaben die Fußballstars Ronaldo und Zinédine Zidane heute bekannt. Zwei Drittel der Einnahmen wird der Bekämpfung der anhaltenden
Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zufließen. Als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) werden Ronaldo und Zidane gemeinsam mit anderen berühmten Fußballspielern ein Freundschaftsspiel gegen eine
starbesetzte Mannschaft des HSV bestreiten.

HSV sagt Stevens ab – Cardoso sitzt gegen Schalke auf der Bank

25. September 2011

******EILMELDUNG******

Nun also doch, der HSV hat Huub Stevens abgesagt. Trost für den Niederländer: Er soll allerdings auch vom FC Schalke 04 ein Angebot vorliegen haben. Zudem ist jetzt klar, dass Rodolfo Cardoso auch gegen Schalke auf der Trainerbank sitzen wird.

Bis morgen,

Scholle (19.59 Uhr)

Heute noch keine Trainerentscheidung – wer ist Mr. X?

25. September 2011

Den Ratschlag habe ich gern angenommen. „Lehnt Euch lieber noch nicht so weit aus dem Fenster“, wurde mir gesagt. Gemeint war die Meldung, dass Huub Stevens schon heute neuer Trainer des HSV wird. Denn dem ist nicht so. Zum einen, weil Sportchef Frank Arnesen noch in den Niederlanden weilt und erst am Montag wieder gen Hamburg reist. Zum anderen, weil der Aufsichtsrat erst noch die finanziellen Rahmendaten absegnen muss. Bislang liegt dem Kontrollgremium allerdings noch kein vom Vorstand formuliertes Zahlenpaket vor. Und das, obwohl Arnesen den potenziellen Top-Kandidaten am Sonnabend in dessen Heimat Eindhoven besucht hat. „Wir haben ein sehr nettes, ausführliches Gespräch gehabt“, sagt Stevens, dem anzumerken ist, dass er sehr gern sein Comeback als HSV-Trainer geben würde. „Wir haben über alles gesprochen. Ich warte jetzt auf eine Reaktion aus Hamburg.“

Und die verzögert sich zumindest bis morgen. Wobei selbst die Antwort noch nicht hundertprozentig feststeht. „Unterschätzt den Frank Arnesen nicht“, wurde mir heute aus berufenem Munde gesagt, „der Frank ist längst nicht so mono-typisch unterwegs. Im Gegenteil: es gibt noch einen Kandidaten, der überhaupt noch nicht erwähnt wurde. Deshalb bin ich mir noch gar nicht so sicher, dass es tatsächlich Huub wird.“

Ein Mr. X ist also auch noch in der Lostrommel.

Klar ist in der Trainersuche bislang nur, dass heute nichts entschieden wird. Erst morgen setzt sich der Vorstand zusammen und bespricht Arnesens Eindrücke von Stevens, Marco van Basten und eben jenen Mr. X ausführlich. Anschließend – sofern der Vorstand überhaupt schon eine Entscheidung fällt – müssen die Zahlen dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, der spontan zusammengerufen würde. Der Haken hierbei: laut Satzung muss diese Einladung zur außerordentlichen Aufsichtsratsversammlung eine Vorlaufzeit von mindestens sechs Stunden haben. Und diese Einladung ist (Stand: 16.50 Uhr) noch nicht rausgegangen.

Wie auch immer, ich glaube, der HSV hat auch keine Not, jetzt einen Schnellschuss zu setzen, ehe nicht alle Möglichkeiten abgeklopft und die Entscheidungsgrundlage komplett ist. Gegen Schalke könnte der HSV bedenkenlos noch mal Cardoso ranlassen und hätte anschließend eine Woche Länderspielpause. Ausreichend Zeit, um sich über van Basten, van Gaal, Stevens, Hrubesch, von Heesen, Koller und dem einen Mr. X Gedanken zu machen. Denn, und das weiß auch Arnesen, der nächste Trainer muss passen. Schließlich wird auch er als Sportchef an dessen Erfolg gemessen.

Dass sich heute auch Günter Netzer als Kolumnist in der „BamS“ Gedanken über den besten Trainer für den HSV macht, kann jeder werten, wie er meint! Ich halte Netzer für einen der schlauesten Köpfe im deutschen Fußballgeschäft. Was Netzer sagt ist inzwischen fast schon mehr Gesetz als Worte der sympathischen Lichtgestalt aus Bayern. Die Drähte des ehemaligen HSV-Managers nach Hamburg sind noch immer da. Eine Anfrage des HSV-Aufsichtsrates, ob er sich als Berater für den HSV zur Verfügung stellen würde, lehnte Netzer zwar leider ab. Dennoch haute er jetzt aus sicherer Entfernung einen raus und spricht sich klar für van Gaal aus. Der Niederländer sei einer der fünf besten Trainer der Welt – wobei sich mir die Frage aufdrängt, welche vier noch in diese Kategorie gehören – und van Gaal wäre eine zukunftsorientierte Lösung, während Stevens zumindest kurzfristig den HSV in sicherere Tabellengefilde führen könnte.

Nun denn. Ich bin mir sicher, dass Netzers Ausführungen von den hiesigen Entscheidungsträgern als Ratschlag ernst genommen werden. Das wiederum würde weniger für als gegen Stevens sprechen.

Ich glaube, dass der HSV mit van Gaal einen Trainer mit Visionen bekommen würde. Und auch wenn mich anfänglich zu Münchener Zeiten das Gefühl beschlichen hatte, van Gaal hätte tierisch einen an der Waffel, nachdem ich ihn über seine Familie hatte reden hören (seine Kinder sollen ihn siezen etc.), so überzeugt bin ich davon, dass er ein starker Trainer ist, der eine Idee hat und diese auch durchzieht. Wenn man ihn machen lässt, was in München irgendwann eigestellt wurde. Bei den Bayern hatten sie es dem Niederländer sogar übel genommen, dass er mit dem bestehenden Kader in die neue Saison gehen wollte und das Angebot teurer Neuverpflichtungen ausgeschlagen hatte. Allerdings ist van Gaal auch ein Dickkopf, der eher als One-Man-Show die sportlichen Geschicke leitet. In München hatte ihm der erfolgreichste Bundesligamanager, Uli Hoeneß, Beratungsresistenz vorgeworfen. Van Gaal sei ein Dickkopf, der keinen Wert auf Teamwork setzen würde, so Hoeneß. Und genau das lässt mich zweifeln, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass sich Arnesen so einen Trainertypen holt. Ganz im Gegenteil sogar: Arnesen ist ein absoluter Teamplayer. Das sagt er nicht nur über sich selbst, er hat sich bislang auch so verhalten. Deshalb hätte ich bei van Gaal meine Bedenken.

Keine Bedenken habe ich was Cardoso betrifft. Wer alle seine Mannschaften zu Erfolgen führt, muss vieles richtig machen. Zumindest mehr als er falsch macht. Seinen „Bauchentscheidungen“ würde ich jedenfalls wenigstens noch gegen Schalke vertrauen. Schon allein, damit Arnesen ausreichend Zeit hat, sich den perfekten Trainer für den begonnen Umbruch zu suchen. Und wer weiß, vielleicht zaubert Cardoso gegen Schalke ja noch eine Überraschung der Kategorie Lam hervor…

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen geht es um 15 Uhr an der Imtech-Arena weiter.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle (17.05 Uhr)

Leider hat die Regionalligamannschaft das Spitzenspiel gegen Halle mit 0:1 verloren. Tolgay Arslan verschoss dabei in der 29. Minute einen Handelfmeter. Die U23 des HSV fiel vom Spitzenplatz auf Rang vier ab. Die Statistik zum Spiel:
HSV II: Mickel – Brügmann, Schlüter, Besic, Labus (87. Winkel) – Nyarko, Sala (72. Kelbel), Arslan (58. Ofosu), Nágy, Bertram – Kocabas
Hallescher FC: Horvat – Ruprecht, Mouaya, Eismann, Kanitz – Müller, Hartmann, Wagefeld, Wegner (73. Boltze) – Lindenhahn (60. Preuß), Shala (73. Mast)
Schiedsrichter: Frömel (Ibbenbüren)
Zuschauer: 360
Tor: 0:1 Hartmann (18.)

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