Monatsarchiv für August 2011

Unwürdig?? Nein – das hier ist denkwürdig…. *ergänzt!!*

24. August 2011

*****Ergänzung: Bei meiner Aussage, Rajkovic sei ein “überzeugter Junggeselle” wollte ich REIN GAR NICHTS “andeuten”, sondern das wörtlich verstanden wissen. Danke!*****

Bitte, nicht falsch verstehen. Ich entschuldige mich hier NICHT, ich bin auch NICHT beleidigt, sondern versuche es mit einem nett gemeinten Hinweis.

Wenn ich der Meinung bin, dass ein Spieler nicht gut spielt, schreibe ich das. So geschehen bei Rajkovic im Training heute.

Zerrissen ist er damit nicht, auch nicht fertiggemacht. Ich habe ihm auch nichts abgesprochen. Im Gegenteil, es ist nur das heutige Training beschrieben. Dass mich ein Freund und bekannter Scout anruft und mit seinen Kenntnissen versorgt, hab ich Euch mitgeteilt. Ich hätte es auch lassen können, zumal kritische Worte zu den eigenen Spielern hier fast immer für Empörung sorgen. Da beschweren sich sogar die, die Spieler vorher als Versager, Nichtskönner oder mit noch deutlich niveauloseren Schimpftiraden überdecken. Und wenn ich hier eine Trainingsleistung kritisiere und anschließend die Hoffnung äußere, dass das noch besser wird, ist das sogar “Schmierenjournalismus” und ich werde zum (Springer-)”Henker” – sehr interessant…

Die Geschichte mit Oenning: Nicht ich gebe ihn zum Abschuss frei, wie auch? Zum einen will ich das gar nicht, aber entscheidend ist, dass ich das gar nicht kann. Dieser Blog ist seit Tagen und teilweise seit Wochen mit Beiträgen gefüllt, die Oenning jegliches Vertrauen absprechen. Und plötzlich beschwert Ihr Euch, weil ich ihn kritisiere nach einem solchen nachgewiesenen und von ihm selbst bestätigten Fauxpas?
DAS nenne ich scheinheilig. Mal wieder.

Ihr nennt den Blog unwürdig. Ich bin – wie jeder andere Journalist, der etwas schlechtes über den HSV berichtet – sogar der Hauptschuldige für die HSV-Krise. Nein, ich finde eher das, was jetzt passiert, denkwürdig. Keiner muss meine Meinung teilen, jeder darf sie kritisieren und seine Meinung mitteilen. Aber in dieser Form ist das keine kritische Auseinandersetzung mit dem HSV mehr.

Aber gut, entscheidend ist, dass man sich am Ende seiner Äußerungen selbst noch ernst nehmen kann.

In diesem Sinne,

bis morgen.

Scholle

Rajkovic stellt sich vor – noch etwas müde…

24. August 2011

Da isser nu. Der fünfte Chelski-(Reserve-)Spieler. Und er macht Eindruck. Zumindest optisch. Denn Slobodan Rajkovic misst stattliche 1,91 und bringt auch entsprechend Gewicht auf die Waage. „Er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, hatte Michael Oenning gesagt. Davon wiederum war heute nichts zu sehen. Weder sportlich im Training, wo der Serbe das eine oder andere Mal übel stehen gelassen wurde. Und das nicht nur von den antrittsschnellen Spielern. Selbst Kacar hatte leichtes Vorbeikommen. Aber gut, es ist ja auch erst das erste Training gewesen. Wie dem Rest der Mannschaft werde ich auch ihm ne gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen.

Und, auch wenn mich heute ein befreundeter Spielerscout anrief, der Rajkovic bewusst gescoutet hatte und dem HSV sehr wohlgesonnen ist, und tatsächlich nur wenig bis nichts Gutes über den neuen Innenverteidiger zu berichten wusste, werde ich mitnichten hier den Stab über Rajkovic brechen. Im Gegenteil, der Serbe machte einen sympathischen Eindruck, hat einen starken linken Fuß, spielt vielleicht etwas zu viele lange Bälle, die allerdings dafür ziemlich zielgenau. Zudem bleibt die Hoffnung, dass das heute nur ein holpriger Start war und der Innenverteidiger in den nächsten Einheiten die Müdigkeit aus den Beinen schüttelt, um dann die erhoffte Verstärkung zu werden.

Bis dahin sollte dann auch die Geschichte mit dem Spucken bei Olympia 2008 in Peking und der einjährigen Sperre für alle internationalen Spiele mit Serbien ad acta gelegt werden. Ich weiß, dass meine Kollegen vom Boulevard schon ob der jeweiligen Chef-Ansage gar nicht drumherumkommen, die Geschichte bis in die letzte Faser zu recherchieren. Aber für uns hier im Blog muss das nicht gelten. Wir sollten Rajkovic unabhängig von Vorgeschichten versuchen, möglichst objektiv zu beurteilen. Schon deshalb werde ich im Blog heute noch mal Rajkovics Sicht vom Vorfall darstellen und das Fass anschließend schließen. „Ich kann Euch in die Augen gucken und besten Gewissens sagen, dass die Fifa einen Fehler gemacht hat. Ich habe niemanden angespuckt. Es gab auch nie einen Beweis für meine Schuld, selbst auf Videos ist nichts zu sehen. Ich kann nicht für meine Kollegen von damals sprechen, vielleicht hat ja einer wirklich gespuckt. Aber ich war das nicht. Ich bin ein Spieler, der immer viel Respekt hat – das weiß auch jeder, der mich schon mal auf dem Platz gesehen hat.“

Was wir noch von dem Neuzugang auf dem Platz erwarten dürfen? „Ich spreche ungern über mich selbst“, so Rajkovic, „ich zeige lieber auf dem Platz, dass ich immer bis an die Schmerzgrenze gehe und 110 Prozent gebe.“ Ganz praktisch ist dabei, dass der in Belgrad geborene 22-Jährige Gegentore „hasst“, wie er sagt. „Ich werde dann immer richtig aggressiv.“ Weswegen ihn Chelsea nicht behalten wollte? „Wollten sie eigentlich“, Konter Rajkovic, „aber ich habe keine Arbeitserlaubnis bekommen.“ Dafür hätte er 75 Prozent der serbischen Länderspiele in den letzten zwei Jahren oder 60 Prozent der letzten 20 Länderspiele absolvieren müssen. „Aber zum einen hat die Sperre mir nicht weitergeholfen, mich zu integrieren.“ Zum anderen habe er in der Nationalmannschaft mit den internationalen Spielern wie Kolarov von ManCity, Vidic (ManU), dem ehemaligen HSV-Wunschspieler Ivanovic (Chelsea) und auch Subotic von Borussia Dortmund sehr starke Konkurrenz in der Verteidigung. Warum er sich bei Chelsea nicht durchgesetzt hat? Immerhin war er schon mit 16 Jahren als damaliges Jahrhunderttalent für den stolzen Preis von fünf Millionen Euro Ablöse zum Premier-League-Klub gewechselt. „Ich habe die hohe Ablöse damals auch als Druck empfunden und war vom Kopf her überhaupt noch nicht reif. Ich habe viele Dinge einfach nicht verstanden. Ich habe einfach den Kopf verloren und zu wenig nachgedacht.“ Das sei heute zum Glück ganz anders. „Ich bin tatsächlich ruhig geworden.“

Der bekennende Single, der im Stadtzentrum eine Wohnung sucht, wird in Hamburg die Nummer 23 erhalten. Womit auch den letzten Träumern, zu denen ich mich zähle, klar sein dürfte, dass sich ihr Wunsch nicht mehr erfüllen wird: Denn ansonsten hätte der HSV ganz sicher nicht Rafael van der Vaarts Trikotnummer neu verteilt… Ein Umstand, der Rajkovic erst im Nachhinein bewusst wurde. „Ich habe die Frage danach erwartet. Und meine Antwort ist eigentlich ganz unspektakulär: ich habe die Nummer 23 genommen, weil ich nächstes Jahr 23 werden.“ Und als wir ein paar Minuten später nach seinem Idol fragten, hatte er gleich die Antwort parat: „Michael Jordan.“ Hintergrund: der vielleicht beste Basketballspieler aller Zeiten trug in seiner aktiven Zeit immer die Nummer 23…

Humor hat Rajkovic offenbar. Freunde auch. Ob er schon vorher mal in Hamburg gewesen sei? „Ja, ich habe hier vor zwei, drei Jahren mit Freunden Freunde besucht, die noch immer hier leben und mir die Eingewöhnung sicher erleichtern werden.“ Zudem kennt er Gojko Kacar als Teamkollegen in der serbischen Nationalelf, die vier vor ihm nach Hamburg gewechselten Ex-Chelsea-Spieler aus gemeinsamen Vorbereitungen in England sowie Eljero Elia als ehemaligen Mannschaftskameraden bei Twente Enschede in der niederländischen Eredivisie. „Ich werde mich hier schnell eingewöhnen“, so Rajkovic sicher.

Sportlich soll das sogar schon am Sonnabend klappen. “Ich bin fit”, sagt Rajkovic selbst. Und auch von Trainerseite her besteht die Hoffnung, dass der Neue bis zum Kellerduell gegen den 1. FC Köln (Sa., 15.30 Uhr, Imtech-Arena) im Training so zu überzeugen weiß, dass man gar nicht mehr um ihn herumkommt.

Apropos Oenning. Was meine Kollegen von der „SportBild“ da herausgefunden und aufgeschrieben haben, hat mir die Sprache verschlagen. Ich war schon nach dem Hertha-Spiel irritiert, als Oenning davon sprach, dass Skjelbred schon in den Trainingseinheiten der Tage zuvor einen müden Eindruck gemacht hatte – denn Oenning ließ den Norweger trotzdem spielen. Ich war nicht weniger irritiert, als Oenning jetzt davon sprach, dass sich Aogo nach zehn Minuten gegen Bayern durch die gelbe Karte selbst aus dem Spiel genommen hatte – ohne dass er ihn aber ausgewechselt hatte. Der jetzt bekannt gewordene Freud’sche Fehler, womit Oenning die SportBild-Geschichte erklärte, haut mich aber aus den Socken. Vor versammelter Mannschaft vor einem Spieler zu warnen, der längst nicht mehr beim Gegner spielt – das ist peinlich, das ist amateurhaft. Das ist eine Sache, die ihn angreifbar macht, die ihm mit Sicherheit von unzufriedenen Spielern immer wieder vorgehalten werden kann. Wie jetzt mit dem SportBild-Souffleur passiert. Und dann noch das Ding mit Mickel, den er nach dem Dortmund-Spiel fragte, wie es bei den Amateuren war – bitter! Immerhin war Mickel am Tag zuvor zusammen mit Oenning und der Mannschaft in Dortmund…

Da hilft die Generaldeckung seitens des Vorstandes – so eine Art Amnestie für Oennings vorübergehende Amnesie – nur bedingt. Nein, ich bin mir sicher, dass diese Geschichten jeweils eine Erklärung haben, die wahrscheinlich sogar nachvollziehbar ist. Aber selbst die besten Erklärungen können nicht den Eindruck verwischen, dass hier ähnlich „unkonzentriert“ gearbeitet wurde, wie anschließend von der Mannschaft beim 0:5 in München. Und noch eines ist sicher: Sollte Oenning weiter Misserfolg haben, wird die Trainerdiskussion in der kommenden Woche mit Sicherheit alles andere als abebben. Dann muss sich der HSV-Trainer auf zwei sehr ungemütliche Wochen vorbereiten. Zum einen, weil der Blogvater ab Mittwoch wieder übernimmt ;-). Zum anderen aber, weil diese jüngsten Anekdoten immer wieder zitiert werden. Sie werden als Indizien für Oennings angebliche Unfähigkeit herhalten müssen. Und er hat auch noch selbst Schuld. Leider.

Umso mehr ist ihm/uns/der Mannschaft/dem Verein gegen Köln ein Sieg zu wünschen. Das würde alles ein wenig entspannen. Und anschließend hat die Mannschaft in den zwei Wochen Länderspielpause ausreichend Zeit, um sich sich intensiv auf Rudi Völler…äääh….Claudio Pizarro (nur ’n Joke, entschuldigt bitte!!) vorzubereiten.

Scholle
(19 Uhr)
P.S.: Training am Donnerstag ist um 15 Uhr an der Arena.

Startelf für Castelen und Rajkovic? Oenning hofft auf weitere Verstärkungen

23. August 2011

Sportdirektor Frank Arnesen hatte nach dem bitteren 0:5 in München wiederholt personelle Nachbesserung angekündigt: „Wir sehen auch, dass wir was tun müssen. In den nächsten zehn Tagen wird etwas passieren.“ Und er hielt Wort. Schon heute war Slobodan Rajkovic beim Medizincheck. Schon am Mittwoch soll der 22-Jährige zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren. Der Innenverteidiger, der in den nächsten Stunden einen Vertrag bis 2014 unterschreiben und weniger als zwei Millionen Euro Ablösesumme kosten soll, galt schon mit 16 Jahren als Super-Talent und soll möglichst bald zum Kader gehören. „Er ist groß. Und er ist ein Linksfuß – was mir sehr wichtig war“, freut sich HSV-Trainer Michael Oenning, der nicht ausschließen will, dass der Zugang bereits am Sonnabend gegen Köln im Kader steht. „Er ist fit. Und er hat etwas, was uns bislang fehlte: er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, lobt Oenning seinen fünften ehemaligen Chelsea-Profi im HSV-Kader.
Eine Frage, die sich uns stellte, war, ob wirklich ein Innenverteidiger Priorität hat. „Nein“, gesteht Oenning, „aber es war eine wichtige Baustelle, da wir mit drei Innenverteidigern (er meinte damit keinen Kacar sondern nur Bruma, Westermann und Mancienne, d. Red.) nicht durch die lange Saison kommen.“ Zudem scheinen die HSV-Planungen personell noch nicht beendet zu sein. „Wir wissen aber auch, dass uns ein offensiver Mittelfeldspieler sicher noch guttun würde.“ Ob der HSV-Coach noch Hoffnungen hat, dass er diesen Mr. X vom Vorstand finanziert bekommt? „Klar hoffe ich. Ich bin ja auch nicht der einzige, der erkannt hat, dass uns eine Verstärkung auf der Position sehr helfen könnte.“ Zuletzt galt der Schweizer Xherdan Shaqiri vom FC Basel als heißester Kandidat. Eine Verpflichtung des 19-Jährigen scheiterte aber schon an den mit knapp zehn Millionen Euro viel zu hohen Ablöseforderungen des Schweizer Champions-League-Teilnehmers. Zudem soll der HSV bereits (wie auch hier im Blog schon mehrfach geschrieben) bereits seit Juli an dem brasilianischen U-20-Nationalspieler Oscar dos Santos Emboaba Junior von Internacional Porto Alegre interessiert sein. Beides wird natürlich nicht bestätigt.
Ebenfalls noch unklar ist, was Oenning mit Romeo Castelen plant. Der Niederländer ist nach seiner jahrelangen Pause wieder voll dabei, spielte zuletzt überzeugend bei den Amateuren und begeisterte auch den HSV-Cheftrainer in den bisherigen Übungseinheiten. „Romeo ist wieder in der Lage, 90 Minuten zu gehen“, lobt Oenning den Rückkehrer, der schon gegen Köln als echte Alternative für die rechte Außenbahn zu betrachten ist. „Ich bin soweit, ihn in meine Überlegungen miteinzubeziehen, wenn er weiter gute Leistungen bringt.“ Dafür soll Castelen die Trainingseinheiten (Mittwoch zehn, Donnerstag 15 und Freitag 16 Uhr an der Imtech-Arena) bis zum Köln-Spiel nutzen.

Ebenso wie Paolo Guerrero, der heute schon wieder mit kurzen Sprints, längeren Läufen sowie Balltraining zu gefallen wusste. „Paolo soll nach Möglichkeit schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren“, kündigt Oenning an und stellt dem Peruaner sogar einen Platz in der Startelf in Aussicht. „Wenn er bis Samstag super trainiert und keine Probleme hat, warum nicht…?“ Klar. Welcher Trainer wehrt sich gegen solche Spieler?

Wobei auch Marcus Berg es dem Trainer nicht leicht machen will. Der fußballerisch sicher begrenzte Schwede überzeugt von Trainingseinheit zu Trainingseinheit mehr. Und das mit dem, was ihn als Stürmer auszeichnen soll: mit Toren. Die macht Berg im Training am Fließband. Per Kopf, mit links, mit rechts und sogar mit der Hacke. Berg trifft. Einfach. Aber eben immer wieder. „Er wird tatsächlich immer besser“, freut sich auch Oenning, der zuletzt intensive Einzelgespräche mit dem oft introvertiert wirkenden Schweden geführt hat. „Er sagt selbst, dass er sich langsam richtig fit fühlt. Die Hüfte behindert ihn nicht mehr. Sollte er seine Muskulatur weiter im Griff haben, steht seinem Einsatz eigentlich nichts mehr im Wege.“

Außer Petric.

Denn auch der Kroate ist nach seinem grippalen Infekt, der heute Michael Mancienne flach legte, wieder an Bord. Gestern mit den Stammspielern einen Lauf absolviert, mischte der Stürmer im Training fleißig mit und war an mindestens genauso vielen Toren beteiligt wie Berg. Zumindest dann, wenn man die Tore mitberechnet, die er dem Gegner auflegte, als er für ein paar Minuten in der Defensive mitzuwirken versuchte. Trotzdem zählt Petric unter Oenning als einer der wenigen gesetzten Spieler, sofern er gesund ist.
In der defensiven Position deutlich effektiver als Petric präsentierte sich David Jarolim. Der Tscheche, der nach seinen Nichtberücksichtigungen gegen Dortmund und Hertha BSC sichtlich angefressen war, ist bei Oenning wieder erste Wahl. Gegen Köln wird er eine der beiden Sechser-Positionen, die Oenning ankündigte, bekleiden. Und er will Verantwortung übernehmen, der zuletzt lethargisch wirkenden Mannschaft wieder Leben einhauchen. „Wir müssen jetzt ganz anderen Schwung in die Mannschaft kriegen“, warnt Jarolim, „gerade jetzt, wo der Druck sicherlich nicht kleiner wird müssen wir aufhören zu jammern und uns gegenseitig helfen. Wir müssen aggressiver spielen, wenn wir was reißen wollen. Diesmal müssen wir das Heft in die Hand nehmen. Wir müssen uns das Selbstvertrauen mit einer starken, klaren Leistung erarbeiten. Lockerheit und Selbstvertrauen bringen nur Siege. Und den müssen wir gegen Köln holen. Da müssen wir von beginn an drauf gehen und Druck machen.“

Oh ja, bitte. Nicht noch mal so ein Versteckspiel wie gegen Dortmund und Bayern vorgegeben, beziehungsweise wie gegen Hertha unfreiwillig gespielt. Wenn der HSV nicht frühzeitig ins Hintertreffen geraten will, muss gegen die Rheinländer ein Sieg her. Und angesichts der Form des FC, die Oenning als „stärker werdend“ tituliert, sollte das auch alle Mal drin sein. „Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir Fünfter, Sechster oder Siebter oder so. Und dann fahren wir mit einem ganz anderen Selbstvertrauen nach Bremen, so Jaro weiter.“

Soviel zur Theorie. Die sieht das Spiel des HSV am Sonnabend als Abstiegsduell. Immerhin trifft der 17. Auf den 18. der Tabelle. „Das ist ein zweifellos schwieriges Spiel“, weiß Jarolim, spricht damit die Psyche der jungen Mannschaft an und bekommt von Oenning gleich einen klugen Ratschlag mit auf den Weg: „Aber es ist eben auch erst der dritte Spieltag, dort das Duell 17. Gegen 18. – was wir vollkommen ausblenden müssen. Uns muss es einzig darum gehen, das Spiel zu gewinnen. Der Rest ergibt sich.“
Ebenfalls ergeben haben sich bereits etliche Trainerdiskussionen. Zum einen was Stale Solbakken beim FC Köln betrifft, zum anderen aber auch was Oenning in Hamburg betrifft. Viele ehemalige Größen haben sich schon kritisch über den HSV-Trainer geäußert, der in elf Spielen als HSV-Chef erst einen Sieg eingefahren hat. „Ich kann nur sagen, dass mein direktes Umfeld sehr ruhig ist“, sagt Oenning und spricht damit den HSV-Vorstand an, der sich zuletzt klar zu Oenning bekannt hatte. „Allerdings kann es natürlich auch sein, dass die das nur sagen, um mich zu beruhigen“, scherzt Oenning und legt nach: „Siege sind auch hierfür das beste Heilmittel.“ Das Gute daran: sein letzter Sieg war gegen den 1. FC Köln. Wenn das mal kein gutes Omen ist für Sonnabend….

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Rajkovic eine Soforthilfe für die Wackelabwehr des HSV wird. Hoffen wir, dass Oenning seinen Wunsch nach einem Offensiven Mittelfeldspieler erfüllt bekommt. Und vor allem: hoffen wir darauf, dass Köln nicht nur der letzte Sieg war, sondern auch der nächste Sieg wird…
Scholle
(19.15 Uhr)

Und zum Schluss noch etwas, was heute schon im Print-Teil zu lesen war, hier aber der Volsständigkeit halber noch mal erwähnt werden sollte:
Eigentlich sollte es der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit werden – aber es endete im Streit. Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt, HSV-Sportchef Frank Arnesen und Paul Meier, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hatten 200 Jugendleitern Hamburger Klubs die Hand gereicht, um in Zukunft den Zufluss der größten Talente zum HSV zu optimieren. Allerdings hatte es zuvor auch die Mitteilung des HSV an den verband gegeben, dass künftig keine HSV-Talente mehr zum Verbandstraining abgestellt werden. „Eine Zusammenarbeit mit Vertrauen einzufordern, sie aber auf Hamburger Ebene unmittelbar zuvor selbst zu lösen, das kann nicht funktionieren“, so Uwe Jahn, Cheftrainer des Hamburger Fußballverbandes. Allerdings muss man dazu wissen, dass das Verhältnis zwischen dem HSV und dem HFV seit Jahren sehr angespannt ist. Beide Seiten beanspruchen für sich, die besten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler zu bieten.
Angetrieben von dem neuerlichen Zerwürfnis mit dem HSV stellte Jahn auch gleich das Konzept Meiers komplett infrage: „Da werden alle didaktischen Erkenntnisse der letzten Jahre missachtet, das Konzept ist einfach falsch.“ Dennoch setzt der HSV weiter auf sein Konzept: „Wir werden unseren Weg zusammen weitergehen – mit den vereinen“, so Reinhardt, der auffällig souverän mit den Vorwürfen umging und auch auf eine Zusammenarbeit mit Jahn und dem Verband setzt: „Auch Herr Jahn ist bei der Umsetzung stets herzlich willkommen.“

Arnesen sieht Handlungsbedarf – Rajkovic soll kommen

22. August 2011

Frank Arnesen geriet ins Schwitzen. Allerdings weniger, weil er um Antworten verlegen war, als wegen der fehlenden Klimaanlage im 5. Stock der Imtech-Arena, wo der Däne sich zuerst meinen Kollegen vom Fernsehen und anschließend uns Schreiberlingen stellte. Und das sehr ausführlich. Tenor: er würde weiter fest hinter dem Trainer stehen, die Diskussion nicht mitmachen. Die Mannschaft und der Trainer bräuchten Zeit – und die bekämen sie von ihm auch garantiert. Zudem wird binnen der nächsten zehn Tage personell nachgelegt. Und obwohl der Name Slobodan Rajkovic bereits durch alle Medien geisterte, umging Arnesen eine direkte Bestätigung. Er werde erst dann etwas zu einem Spieler sagen, wenn derjenige beim HSV auch unterschrieben habe. Und das ist auch gut so. Denn wie bei Matthias „Ich-habe-den-HSV-verarscht-und-mache-auch-so-weiter“ Sammer gesehen, können selbst bis ins letzte Detail abgeklärte Verträge plötzlich platzen.

Apropos Sammer – den ehemaligen Weltklassefußballer habe ich früher al Nationalspieler geliebt – und bin seit der Geschichte mit dem HSV enttäuscht von ihm. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich bis heute immer wieder gefragt, ob nicht entgegen aller Beteuerungen da der HSV zu naiv war oder gar falsche Dinge kommuniziert hat. Aber seit der Doppelpass-Sendung am Sonntag aber weiß ich, dass Sammer häufiger mal schneller redet als nachdenkt. Denn selbst wenn er damit witzig sein wollte, der Spruch „Mit mir hätte es kein 0:5 gegeben“ war daneben. So weit, dass ich Sammers Intelligenz infrage stellen muss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich derlei Aussagen über den HSV verbieten würde. Aber Sammer ist einer von denen. Gerade er sollte nach seinem Wortbruch lieber ruhig sein und den HSV meiden.

Und wo wir gerade bei Spott sind, über zu wenig davon kann sich der HSV derzeit leider nicht beschweren. Zunächst hatte Hoeneß dem HSV „Hol’s Balli“-Fußball attestiert, jetzt legte Franz Beckenbauer nach. „Man hat die Situation unterschätzt, und die Spieler, die man geholt hat, überschätzt“, so der Kaiser via „Sky 90“. „Bei solchen Stellungsfehlern und Schwächen im Zweikampf: ich weiß nicht, wie das besser werden soll.“ Harter Tobak. Auch für Arnesen, der sich verantwortlich für die Auswahl der Neuen zeichnet. Der allerdings mit Rajkovic gerade diese vom „Kaiser“ angesprochene Schwäche ausbügeln will.

Immerhin gilt der 191 Zentimeter große Serbe als erfahrener Spieler. Rajkovic war zuletzt von Chelsea an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ausgeliehen. Er galt bereits in jungen Jahren als Riesentalent. Chelsea holte ihn 2005 als 16-Jährigen für knapp fünf Millionen Euro von OFK Belgrad, für die er bereits 26 Ligaspiele in Serbien absolviert hatte. Anschließend wurde er vom Abramowitsch-Klub an den PSV Eindhoven und Twente Enschede verliehen. Rajkovic ist seit 2009 serbischer A-Nationalmannschaft. Zuvor war er ein Jahr lang für alle internationalen Spiele gesperrt worden, nachdem er bei den Olympischen Spielen einen Gegenspieler angespuckt hatte. Die niederländische Zeitung „Voetbal international“ hatte geschrieben, Rajkovic würde drei Millionen Euro Ablösesumme kosten und für vier Jahre unterschreiben. Zwei Zahlen, die etwas zu hoch angesetzt sind. Der Abwehrmann, der schon heute in Hamburg sein soll, soll für drei Jahre unterschreiben und rund zwei Millionen Euro kosten.

Viel Geld für den HSV, da bislang kein weiterer Spieler verkauft wurde. Guy Demel ebenso wenig wie Mickael Tavares. „Und für Elia gibt es auch kein neues Angebot“, so Arnesen, der sich nach dem Bayern-Spiel noch mal länger mit dem Niederländer unterhalten hatte. „Bei ihm ist es wie bei vielen Profis: Spielt er, scheint die Sonne. Spielt er nicht, regnet es und er ist sauer. Und auch wenn ein Verkauf des Außenstürmers nicht gänzlich ausgeschlossen ist, betonte Arnesen, dass man sich derzeit keine Gedanken darüber mache. Ob die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei? Arnesen kurz: „Nein.“

Stattdessen bat Arnesen seinen Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow und den Aufsichtsrat um Hilfe, nachdem auch er erkannt hatte, dass defensiv Handlungsbedarf besteht. „Ich habe gefragt. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht groß “, so Arnesen, „aber ich bin froh, dass alle sehen, dass wir was tun müssen.“ Damit wollte er jedoch nicht klagen, wie er gleich nachschob. „Ich bin hergekommen und wusste, dass wir finanziell Probleme haben, dass wir nicht mal eben 20 Millionen ausgeben können. Aber ich sehe das als Herausforderung und bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Kader. Ich gebe den Spielern noch Zeit, weil ich weiß, dass sie gut sind. Unsere Neuen sind zum Teil erst 19, da erwarte ich nicht nach drei Spielen eine Führungsrolle. Das sind nicht die Schlüsselspieler – nicht mal nach einer ganzen Saison.“

So eine Rolle gebe es beim HSV derzeit eh nur einmal, sagt Arnesen: und zwar lediglich mit Heiko Westermann. Der Mannschaftskapitän ist für den Sportchef der einzige Spieler, der eine echte Führungskraft darstellt. „Der lässt sich nicht unterkriegen“, lobt Arnesen, „der spielt weiter, auch wenn er ausgepfiffen wird. Der steht seinen Mann und wird in solchen Momenten sogar noch besser. Heiko ist ein sehr guter Kapitän. Wenn wir hier über Führung sprechen, dann möchte ich nur über Heiko sprechen. Er kann schlecht spielen, ausgepfiffen werden – aber er ist immer weiter ein Vorbild auf dem Platz und im Training.“ Gerade diese unerschütterliche Mentalität Westermanns scheint Arnesen zu imponieren, der sich von der Sorte Spieler offensichtlich mehr wünscht.
Mehr wünscht sich Arnesen auch für Oenning. Der Trainer sei einer Situation ausgesetzt, die mehr Zeit bedarf, sagt der HSV-Sportchef. „Ich habe es von Anfang an gewusst, dass es dauert. Ich habe hier einen Dreijahresvertrag abgeschlossen und hoffe, dass ich den komplett mit Michael als Trainer erfüllen kann.“ Für ihn spiele dabei auch keine Rolle, dass Oenning in elf Spielen beim HSV (saisonübergreifend) nur einen Sieg feiern konnte. Im Gegenteil, Arnesen schiebt die Problematik in den nicht mehr greifbaren Raum. „Nach dem Spiel habe ich in der Kabine gemerkt, dass die Spieler sauer waren. Richtig sauer auf sich selbst. Und jetzt müssen wir Eier haben und den Ärger umformen in Vertrauen und Willen. Jetzt muss jeder Spieler Stolz und Ehre entwickeln, weil er weiß, dass er es besser kann.“

Denn bislang sei der Leistungsstand noch nicht abrufbar, „wir wissen noch immer nicht, wo wir stehen“, so Arnesen. „Aber wir wissen, dass wir besser sind. Und wir wissen auch, dass wir schon bald besser werden.“

Viele Worte, viele Durchhalteparolen und noch mehr Konjunktive. Ich kann nur hoffen, dass Arnesen mit seiner Prognose Recht hat. Alles andere wäre allerdings auch fatal.

In diesem Sinne,
bis morgen!

Scholle (18.45 Uhr)

Kurz notiert:

Während die Stammelf einen knapp 60-Minuten langen Lauf im Volkspark absolvierte, trainierten die Reservisten auf dem Platz. Mladen Petric absolvierte zusammen mit der Startelf aus dem Bayern-Spiel die Laufeinheit und soll am Dienstag um 10 und 15 Uhr aber ebenso wieder mit der Mannschaft trainieren, wie Änis Ben-Hatira heute schon. Weiter ausfallen wird Tolgay Arslan, der seine hartnäckige Knochenprellung im Knöchel am Rande des Bayern-Spiels von FC-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Ohne neuen Befund. Wann der Offensivmann wieder voll mittrainieren kann, ist offen.

So kann und darf es nicht weitergehen

21. August 2011

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, war der Blog heute Mittag für einige Zeit nicht nutzbar. Ein technisches Problem hatte alle Blogs von „Abendblatt“ und „Welt“ lahmgelegt. Auch wenn ich jetzt etwas früher als angekündigt mit diesem Blog komme – entschuldigt bitte die Verspätung.

Und auch der HSV hat Probleme. Größere noch als der Axel-Springer-Verlag mit seinem Server. Der HSV steckt im Abstiegskampf. Finanziell stark eingeschränkt fehlt der Mannschaft neben Punkten auch die dafür notwendige Qualität. Die Zweifel am aktuellen Kader sind berechtigt und es scheint keine Besserung in Sicht. Zumindest betonen Sportchef Frank Arnesen sowie die aktuelle HSV-Führung, dass sie die Problematik sehr wohl erkannt haben, für notwendige Verstärkungen jedoch kein Geld da ist. Das wiederum hängt weniger damit zusammen, dass in diesem Sommer zu viel ausgegeben wurde. Bislang wurden Gelder eingespart, der Etat drastisch gekürzt. Nein, es liegt tatsächlich daran, dass in den letzten Jahren nicht ausreichend gespart/eingespielt wurde. Es wurde den eigenen Ansprüchen entsprechend investiert allerdings nicht entsprechend erfolgreich gespielt. Das ist Fakt. Unabhängig davon, wer dafür verantwortlich war.

Das nur für die Verschwörungstheoretiker dieses Blogs.

Es geht mir hier noch immer nicht darum, einen einzigen Schuldigen zu finden. Das habe ich nie gemacht, das wäre auch zu kurz gedacht, viel zu simpel. Und, um hier noch etwas klarzustellen: In der Ära Hoffmann war es wie unter allen anderen Verantwortlichen eine Ansammlung aus Vorständen, Aufsichtsräten und einem Trainerteam, die verantwortlich waren für das, was am Ende als Ergebnis dastand. Gleiches zählt heuer für Jarchow, Hilke, Scheel, Arnesen und Oenning. Genau so wie sie gefeiert werden für Erfolge und tolle Zahlen müssen allerdings auch Fehler benannt werden. Die der Vergangenheit ebenso wie die aktuellen. Es geht doch immer nur darum, die Situation zu verstehen, damit man sie ändern kann. Oder besser: damit wir Veränderungen fordern/vorschlagen/erhoffen können.

Deshalb bringt es auch wirklich nichts, hier alles als Hoffmann-Schelte zu interpretieren und beleidigt Vorwürfe und Beleidigungen rauszuschmettern. Natürlich hat Hoffmann gute Arbeit gemacht. Unter seiner Regie als Vorstandsboss ist der HSV international bis unter die Top 20 geklettert. Zusammen mit Katja Kraus und dem damaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat Bernd Hoffmann dem HSV zu einem Aufschwung verholfen. Allerdings ist der heute vorbei, es geht gegen den Abstieg und wir sind auf der Suche nach den Gründen dafür. Viele liegen in den letzten Wochen, einige aber eben auch in den letzten Jahren.

Ein Grund, bei dem wir uns hier alle einig sind, ist die fehlende fußballerische Qualität. Das ist, glaube ich, unbestritten. Jetzt kann man sagen: das kommt noch, die Mannschaft braucht Zeit. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass diese Mannschaft noch Führungstypen benötigt, die eine hohe fußballerische Qualität mitbringen. Dafür reicht kein Heiko Westermann, kein (ohnehin zuletzt enteierter) David Jarolim. Und auch kein Mladen Petric oder gar einer von den Neuen, von den Jungen. Nein, der HSV muss reagieren. Allerdings tut er dies noch nicht mit der Begründung, es seien keine finanziellen Mittel da. Das wiederum liegt daran, dass der HSV zuletzt nicht das eingenommen hat, was er ausgegeben hat. Dort gab es von allen Seiten (selbst von Bernd Hoffmann) unbestrittene Unterdeckungen, die den HSV heute finanziell bestimmen. Damit benenne ich lediglich den Grund, weshalb kein guter und dementsprechend zumeist auch teurer Spieler geholt wird. Oder glaubt Ihr wirklich, ein Arnesen wäre blind? Das wäre nämlich der Umkehrschluss, dem aktuellen Vorstand die Kompetenz abzusprechen.

Nein, alle wissen, was die Uhr geschlagen hat. Aber was bleibt einem Arnesen übrig? Was hätte er nach dem Spiel gestern vor der Kamera sagen sollen, was die ganze Situation nicht noch zusätzlich erschwert hätte? Er muss doch dem Trainer den Rücken stärken. Er betreibt Mängelverwaltung – zum Teil natürlich auch der Spieler, die er selbst geholt hat, die aber noch nicht bundesligatauglich scheinen.

So gern und oft zuletzt Geduld gefordert wurde, jetzt müssen wir sie tatsächlich haben. Bis zum 31. August ist das Transferfenster geöffnet. Und intern wird weiter an den Verkäufen von Demel und Tavares gearbeitet, um Gelder zu generieren. Ich bin mir sicher, selbst Verkäufe aktueller Stars (Petric, Elia) spielen in den Gedanken der Granden inzwischen wieder eine Rolle. Aber bevor nicht eine dieser Geschichten abgewickelt wird, ist es fast unmöglich, Sofortverstärkungen für den HSV zu gewinnen.

Dass das nicht alles ist, das auch mit dieser Mannschaft besserer Fußball gespielt werden kann und auch muss, da sind wir uns glaube ich alle einig. Sich in München nach zehn Minuten Gegenwehr zu ergeben – das spricht nicht für die Moral dieser Mannschaft. Zehn Spiele in Folge nicht zu gewinnen – das spricht weder für Mannschaft noch für den Trainer. Auch Oenning muss sich der Kritik stellen. Wenn meine Statistik stimmt, bringt es Oenning als Cheftrainer auf 0,75 Punkte pro Spiel. Ein Schnitt, der den sicheren Abstieg bedeuten würde und der ebenso dringend wie schnell verbessert werden muss, will Oenning beim HSV bleiben.

Das Argument, mit Dortmund und Bayern Hammergegner zum Auftakt gehabt zu haben, gegen die man verlieren darf, lasse ich gern gelten. Allerdings nur, wenn im Gegenzug Spiele wie gegen Hertha oder eben ach am kommenden Sonnabend gegen Köln als Pflichtsiege betrachtet sowie entsprechend mutig und dominant angegangen werden. Bei aller Wertschätzung für den Umbruch – das Tagesgeschäft hat immer und überall Priorität. Und hierbei steht der HSV – das muss man so sehen – gegen Köln im eigenen Stadion unter Zugzwang.

Ich werde hier nicht, wie von dem einen oder anderen Blogger gefordert, Oennings Rauswurf fordern oder als ultimatives Werkzeug betiteln. Oenning bekommt seine faire Chance. Allerdings hat er die bereits seit drei Spieltagen nicht genutzt. Bislang ist seine Strategie erfolglos – und zehn erfolglose Spieltage kann sich keine Mannschaft erlauben. Das weiß Oenning – und das wissen seine Vorgesetzten. Auch Arnesen. Ganz sicher.

Es ist auch nicht zu erklären, wie eine Mannschaft die ganze Woche davon spricht, taktisch besser geschult zu werden und endlich zu wissen, was defensiv zu leisten ist. Sich dann trotz zweier Defensiv-Viererketten hintereinander so abschießen zu lassen – das ist alarmierend.

Ich hatte gestern im Gegensatz zu sonst einem Blogger per email geantwortet, der mich als bezahlten Handlanger des aktuellen Vorstandes betitelte. Unter dem deprimierenden Eindruck des 0:5 habe ich auf diese Unsachlichkeit leider etwas harsch reagiert – dafür hier noch mal Entschuldigung an den entsprechenden Herren! Allerdings sollten sich auf der anderen Seite einige Blogger ihre Posts vielleicht nochmal mit etwas Abstand durchlesen, ehe sie sie online stellen. Denn das einzig Schlimmere als solche Klatschen wie gestern ist, wenn selbige uns intern auseinander dividieren.

Aber gut, das hatte Dieter hier schon häufiger versucht – ich jetzt auch. Mal sehen, wie wir die kommenden Tage angehen. Wenn es nach mir geht, dann mit konstruktiver und dann auch gern äußerst kritischer Betrachtung.

In diesem Sinne, schon am morgigen Montag wird sich Arnesen in unsere Runde begeben. Und er wird einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Da bin ich mir ganz sicher.

Scholle (19.38 Uhr)

Nächster Blog gegen 20 Uhr

21. August 2011

Der heutige Blog folgt erst gegen 20 Uhr!

Bis gleich,

Scholle

0:5 in München – eine Demütigung und die Frage: was jetzt?

20. August 2011

Dieser Tag hatte außer Sonnenschein für keinen HSV-Fan etwas zu bieten. Mit 0:5 ging der HSV bei den Bayern unter. Ein Spiel, das allen Verantwortlichen noch mal deutlich vor Augen geführt hat, dass es mit dieser Mannschaft in der Verfassung einzig um den Klassenerhalt gehen kann. Eine Erkenntnis, die ebenso bitter wie realistisch ist. Wie ein Sparringspartner wirkten die Hamburger beim Rekordmeister. Komplett chancenlos wurde der schwächste Start in der Bundesliga seit knapp 30 Jahren für den HSV hingelegt. Für Michael Oenning das elfte Spiel als HSV-Trainer, das zehnte ohne Sieg. „Wir haben zu ängstlich gespielt“, resümierte David Jarolim anschließend, „und die Art und Weise ist nicht gut. Wir können noch froh sein, dass wir nur fünf Tore bekommen haben. „ Und dann kam das, was sich auch dem geneigten Zuschauer aufdrängte: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass der Zug nicht ohne uns wegfährt.“

Ehrliche, alarmierende und richtige Worte. Passend dazu hatte mein Tag eh schon das Motto „Sturzflug“. Zum Geburtstag hatte ich von meiner Freundin einen Kunstflug geschenkt bekommen. Ihr wisst schon, Schrauben fliegen, Looping – und eben Sturzflug. Um 11.30 Uhr sollte es losgehen, ich hatte mir extra nur leichte Kost gekauft, um nicht zu viel im später arg strapazierten Magen herumzutragen. Und dann das: die Sonne schien, blauer Himmel, aber fürs Fliegen sollte es nicht reichen. Mein Pilot Herr M. sagte mir, die Hitze habe die Regenmassen im Erdboden derart erwärmt, dass über Hamburg eine Dunstglocke hängt. Das würde meine Sicht (hab ich die bei den ganzen G, die auf mich wirken, wirklich??) so stark einschränken, dass er eine Absage vorschlagen würde. Ich schlug ein. Damit war der Sturzflug verschoben. Etwas, was ich mir von der Mannschaft in München auch erhofft hatte. Und was mir leider nicht gewährt wurde. Im Gegenteil.

Doch leider hatten die Münchener etwas dagegen. Zwölf Minuten gaben sie dem anfänglich kämpferisch guten Hamburgern, dann war es soweit. Ein unnötiges Foulspiel von David Jarolim gegen Thomas Müller, halbrechte Position (aus Bayern-Sicht). Arjen Robben, der bis hierhin mit allen Mitteln von Aogo bearbeitet worden war, schlug die Flanke rein und Daniel van Buyten traf per Kopf zum 1:0. Wobei ich mir die Frage stelle, inwieweit es Sinn macht, mit einer relativ uneingespielten Abwehr mit Raumdeckung zu agieren. Aber egal wie, van Buyten eröffnete den Torreigen, der keine vier Minuten später von Franck Ribery fortgesetzt wurde. Eine Flanke von Müller nahm der Franzose an. Und weder Rincon noch Diekmeier wussten den Münchener vom Torschuss abzuhalten – das 2:0 (17.). Ein Zwischenergebnis, das Bösestes erahnen ließ. Und eines, das in der 34. Minute weiter in die Höhe geschraubt wurde. Robben, der überragende Mann trotz seiner 70-Prozent-Fitness, setzte sich gegen Jansen und Aogo über außen locker durch und krönte seine bloßstellende Aktion mit einem fast schon arroganten Lupfer – das 3:0.

Jetzt fing es an, peinlich zu werden. Auf der Tribüne lachten Hoeneß und Co. über die Leichtigkeit, mit der der Rekordmeister den völlig chancenlosen HSV auseinandernahm. Auf der anderen Seite mussten die HSV-Vorstände Jarchow, Scheel, Hilke und Arnesen erst einmal tief durchatmen, ehe sie fassungslos mitansahen, wie bundesliga-untauglich sich ihr junges Team präsentierte. Michael Oenning auf der Bank wusste gar nichts mehr entgegenzusetzen und blieb nur noch auf seiner Bank sitzen – immer mit dem Blick zur Uhr, die wohl jeder HSVer am heutigen Tag nur zu gern um ne Stunde vorgedreht hätte.

Keine echte Torchance, nur ein Schuss von Diekmeier, dazu hinten komplett überfordert und im Mittelfeld vorgeführt – es war hart für alle, mitanzusehen, wie der HSV sein zehntes Spiel in Folge nicht in der Bundesliga gewinnen konnte.

Es war mehr als ein Klassenunterschied, der verbietet, hier zu loben. Und das hätte neben dem bemitleidenswerten Torwart Jaroslav Drobny einzig der für Petric aufgestellte Töre verdient gehabt. Denn es wurde nicht besser. In der zweiten Halbzeit spielte weiter nur ein Team: der FC Bayern. Gomez legte quer auf Müller, der volley verzog (51.). Drei Minuten später die gleichen Spieler, die Kombination umgekehrt – und erfolgreich. Müller lupft auf Gomez, der Mancienne stehen ließ und aus spitzem Winkel zum 4:0 einschieben konnte.

Und nachdem die Bayern durch Gomez (59.) und Müller (64.) eine höhere Führung vergaben, versuchte Oenning zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er brachte Tesche und Kacar, zog Westermann nach hinten in die Innenverteidigung und Mancienne dafür auf die Rechtsverteidigerposition. Zudem musste der beste HSVer, Gökhan Töre, für Tesche weichen und Son spielte fortan als einzige Spitze. Defensiver geht es nicht. Der HSV ergab sich in sein Schicksal. Die Bayern nahmen zudem mit den Auswechslungen von Robben, Ribery und Gomez einen Gang raus und demonstrierten, dass ihre 65 bis 70 Prozent für diesen HSV tatsächlich reichen. Denn Ivica Olic legte in der 80. Minute sogar noch mal nach. Nachdem Drobny einen 100-POrozentigen des ehemaligen HSVers parieren konnte, traf Olic unmittelbar im Anschluss per Kopf zum 5:0. Dass Oenning in der 87. Minute auch noch den eh schon gefrusteten Eljero Elia einwechselte muss ich mir von ihm erklären lassen. Aber mein erster Impuls war: warum jetzt noch? Warum noch das Risiko eingehen, damit einen eh schon frustrierten Spieler noch zusätzlich zu provozieren?

Nein, heute passte nichts. Gar nichts. Und bei aller Geduld, bei allem Verständnis für fehlende Eingespieltheit – niemand kann jetzt noch sagen, dass der HSV personell nicht reagieren muss. Es sei denn, er will sehenden Auges den einzigartigen Dinostatus der Bundesliga verspielen.

Und ganz ehrlich, ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Fachleute wie insbesondere Arnesen das auch wissen und nur zu gern etwas machen würden. Auch wenn er nach dem Spiel die Stärke der Bayern als Hauptargument nannte und Oenning stärkte (“Er kriegt die Zeit, die er braucht”), würde er nur zu gern jetzt das Risiko eingehen können, was in den letzten beiden Jahren jeweils eingegangen wurde, um den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Nein, da ich weiß, wie gern Arnesen in letzter Sekunde noch mal 15 Millionen (wie einst für Berg und Rozehnal) in letzter Sekunde ausgeben würde, wie gern er personell nachlegen würde und wie partout ihm die Hände gebunden sind, appelliere ich hier an diejenigen, die immer noch glauben, in den letzten Jahren habe der HSV vernünftig gehaushaltet.

Auch diejenigen sollten jetzt endlich erkennen, dass da nichts – aber auch gar nichts mehr in der Kasse ist. So wenig, dass noch nicht einmal ins Risiko gegangen werden kann. Und woran das liegt, wissen wir alle. Auch die, die sich hier immer wieder aufschwingen und die Vergangenheit schönreden. Auch die müssen jetzt endgültig einsehen, dass diese aktuelle Chancenlosigkeit das Ergebnis der letzten Jahre ist. Insbesondere der letzten zwei Jahre. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren konnte der HSV sein dabei jeweils eingegangenes finanzielles Risiko nicht per Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb nachträglich rechtfertigen – geschweige denn finanziell decken. Es entstanden Altlasten, die die neue Führung noch immer nicht zu bewältigen weiß und die die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV gefährdet.

Soviel Ehrlichkeit muss sein.

In diesem Sinne, die letzte Meldung lasse ich unkommentiert: am Sonntag ist trainingsfrei.

Scholle (17.45 Uhr)

HSV: Drobny – Diekmeier (68. Kacar) , Mancienne, Bruma, Aogo – Rincon, Westermann, Jarolim, Jansen – Son (87. Elia), Töre (68. Tesche).

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