Monatsarchiv für August 2011

Startelf für Castelen und Rajkovic? Oenning hofft auf weitere Verstärkungen

23. August 2011

Sportdirektor Frank Arnesen hatte nach dem bitteren 0:5 in München wiederholt personelle Nachbesserung angekündigt: „Wir sehen auch, dass wir was tun müssen. In den nächsten zehn Tagen wird etwas passieren.“ Und er hielt Wort. Schon heute war Slobodan Rajkovic beim Medizincheck. Schon am Mittwoch soll der 22-Jährige zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren. Der Innenverteidiger, der in den nächsten Stunden einen Vertrag bis 2014 unterschreiben und weniger als zwei Millionen Euro Ablösesumme kosten soll, galt schon mit 16 Jahren als Super-Talent und soll möglichst bald zum Kader gehören. „Er ist groß. Und er ist ein Linksfuß – was mir sehr wichtig war“, freut sich HSV-Trainer Michael Oenning, der nicht ausschließen will, dass der Zugang bereits am Sonnabend gegen Köln im Kader steht. „Er ist fit. Und er hat etwas, was uns bislang fehlte: er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, lobt Oenning seinen fünften ehemaligen Chelsea-Profi im HSV-Kader.
Eine Frage, die sich uns stellte, war, ob wirklich ein Innenverteidiger Priorität hat. „Nein“, gesteht Oenning, „aber es war eine wichtige Baustelle, da wir mit drei Innenverteidigern (er meinte damit keinen Kacar sondern nur Bruma, Westermann und Mancienne, d. Red.) nicht durch die lange Saison kommen.“ Zudem scheinen die HSV-Planungen personell noch nicht beendet zu sein. „Wir wissen aber auch, dass uns ein offensiver Mittelfeldspieler sicher noch guttun würde.“ Ob der HSV-Coach noch Hoffnungen hat, dass er diesen Mr. X vom Vorstand finanziert bekommt? „Klar hoffe ich. Ich bin ja auch nicht der einzige, der erkannt hat, dass uns eine Verstärkung auf der Position sehr helfen könnte.“ Zuletzt galt der Schweizer Xherdan Shaqiri vom FC Basel als heißester Kandidat. Eine Verpflichtung des 19-Jährigen scheiterte aber schon an den mit knapp zehn Millionen Euro viel zu hohen Ablöseforderungen des Schweizer Champions-League-Teilnehmers. Zudem soll der HSV bereits (wie auch hier im Blog schon mehrfach geschrieben) bereits seit Juli an dem brasilianischen U-20-Nationalspieler Oscar dos Santos Emboaba Junior von Internacional Porto Alegre interessiert sein. Beides wird natürlich nicht bestätigt.
Ebenfalls noch unklar ist, was Oenning mit Romeo Castelen plant. Der Niederländer ist nach seiner jahrelangen Pause wieder voll dabei, spielte zuletzt überzeugend bei den Amateuren und begeisterte auch den HSV-Cheftrainer in den bisherigen Übungseinheiten. „Romeo ist wieder in der Lage, 90 Minuten zu gehen“, lobt Oenning den Rückkehrer, der schon gegen Köln als echte Alternative für die rechte Außenbahn zu betrachten ist. „Ich bin soweit, ihn in meine Überlegungen miteinzubeziehen, wenn er weiter gute Leistungen bringt.“ Dafür soll Castelen die Trainingseinheiten (Mittwoch zehn, Donnerstag 15 und Freitag 16 Uhr an der Imtech-Arena) bis zum Köln-Spiel nutzen.

Ebenso wie Paolo Guerrero, der heute schon wieder mit kurzen Sprints, längeren Läufen sowie Balltraining zu gefallen wusste. „Paolo soll nach Möglichkeit schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren“, kündigt Oenning an und stellt dem Peruaner sogar einen Platz in der Startelf in Aussicht. „Wenn er bis Samstag super trainiert und keine Probleme hat, warum nicht…?“ Klar. Welcher Trainer wehrt sich gegen solche Spieler?

Wobei auch Marcus Berg es dem Trainer nicht leicht machen will. Der fußballerisch sicher begrenzte Schwede überzeugt von Trainingseinheit zu Trainingseinheit mehr. Und das mit dem, was ihn als Stürmer auszeichnen soll: mit Toren. Die macht Berg im Training am Fließband. Per Kopf, mit links, mit rechts und sogar mit der Hacke. Berg trifft. Einfach. Aber eben immer wieder. „Er wird tatsächlich immer besser“, freut sich auch Oenning, der zuletzt intensive Einzelgespräche mit dem oft introvertiert wirkenden Schweden geführt hat. „Er sagt selbst, dass er sich langsam richtig fit fühlt. Die Hüfte behindert ihn nicht mehr. Sollte er seine Muskulatur weiter im Griff haben, steht seinem Einsatz eigentlich nichts mehr im Wege.“

Außer Petric.

Denn auch der Kroate ist nach seinem grippalen Infekt, der heute Michael Mancienne flach legte, wieder an Bord. Gestern mit den Stammspielern einen Lauf absolviert, mischte der Stürmer im Training fleißig mit und war an mindestens genauso vielen Toren beteiligt wie Berg. Zumindest dann, wenn man die Tore mitberechnet, die er dem Gegner auflegte, als er für ein paar Minuten in der Defensive mitzuwirken versuchte. Trotzdem zählt Petric unter Oenning als einer der wenigen gesetzten Spieler, sofern er gesund ist.
In der defensiven Position deutlich effektiver als Petric präsentierte sich David Jarolim. Der Tscheche, der nach seinen Nichtberücksichtigungen gegen Dortmund und Hertha BSC sichtlich angefressen war, ist bei Oenning wieder erste Wahl. Gegen Köln wird er eine der beiden Sechser-Positionen, die Oenning ankündigte, bekleiden. Und er will Verantwortung übernehmen, der zuletzt lethargisch wirkenden Mannschaft wieder Leben einhauchen. „Wir müssen jetzt ganz anderen Schwung in die Mannschaft kriegen“, warnt Jarolim, „gerade jetzt, wo der Druck sicherlich nicht kleiner wird müssen wir aufhören zu jammern und uns gegenseitig helfen. Wir müssen aggressiver spielen, wenn wir was reißen wollen. Diesmal müssen wir das Heft in die Hand nehmen. Wir müssen uns das Selbstvertrauen mit einer starken, klaren Leistung erarbeiten. Lockerheit und Selbstvertrauen bringen nur Siege. Und den müssen wir gegen Köln holen. Da müssen wir von beginn an drauf gehen und Druck machen.“

Oh ja, bitte. Nicht noch mal so ein Versteckspiel wie gegen Dortmund und Bayern vorgegeben, beziehungsweise wie gegen Hertha unfreiwillig gespielt. Wenn der HSV nicht frühzeitig ins Hintertreffen geraten will, muss gegen die Rheinländer ein Sieg her. Und angesichts der Form des FC, die Oenning als „stärker werdend“ tituliert, sollte das auch alle Mal drin sein. „Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir Fünfter, Sechster oder Siebter oder so. Und dann fahren wir mit einem ganz anderen Selbstvertrauen nach Bremen, so Jaro weiter.“

Soviel zur Theorie. Die sieht das Spiel des HSV am Sonnabend als Abstiegsduell. Immerhin trifft der 17. Auf den 18. der Tabelle. „Das ist ein zweifellos schwieriges Spiel“, weiß Jarolim, spricht damit die Psyche der jungen Mannschaft an und bekommt von Oenning gleich einen klugen Ratschlag mit auf den Weg: „Aber es ist eben auch erst der dritte Spieltag, dort das Duell 17. Gegen 18. – was wir vollkommen ausblenden müssen. Uns muss es einzig darum gehen, das Spiel zu gewinnen. Der Rest ergibt sich.“
Ebenfalls ergeben haben sich bereits etliche Trainerdiskussionen. Zum einen was Stale Solbakken beim FC Köln betrifft, zum anderen aber auch was Oenning in Hamburg betrifft. Viele ehemalige Größen haben sich schon kritisch über den HSV-Trainer geäußert, der in elf Spielen als HSV-Chef erst einen Sieg eingefahren hat. „Ich kann nur sagen, dass mein direktes Umfeld sehr ruhig ist“, sagt Oenning und spricht damit den HSV-Vorstand an, der sich zuletzt klar zu Oenning bekannt hatte. „Allerdings kann es natürlich auch sein, dass die das nur sagen, um mich zu beruhigen“, scherzt Oenning und legt nach: „Siege sind auch hierfür das beste Heilmittel.“ Das Gute daran: sein letzter Sieg war gegen den 1. FC Köln. Wenn das mal kein gutes Omen ist für Sonnabend….

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Rajkovic eine Soforthilfe für die Wackelabwehr des HSV wird. Hoffen wir, dass Oenning seinen Wunsch nach einem Offensiven Mittelfeldspieler erfüllt bekommt. Und vor allem: hoffen wir darauf, dass Köln nicht nur der letzte Sieg war, sondern auch der nächste Sieg wird…
Scholle
(19.15 Uhr)

Und zum Schluss noch etwas, was heute schon im Print-Teil zu lesen war, hier aber der Volsständigkeit halber noch mal erwähnt werden sollte:
Eigentlich sollte es der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit werden – aber es endete im Streit. Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt, HSV-Sportchef Frank Arnesen und Paul Meier, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hatten 200 Jugendleitern Hamburger Klubs die Hand gereicht, um in Zukunft den Zufluss der größten Talente zum HSV zu optimieren. Allerdings hatte es zuvor auch die Mitteilung des HSV an den verband gegeben, dass künftig keine HSV-Talente mehr zum Verbandstraining abgestellt werden. „Eine Zusammenarbeit mit Vertrauen einzufordern, sie aber auf Hamburger Ebene unmittelbar zuvor selbst zu lösen, das kann nicht funktionieren“, so Uwe Jahn, Cheftrainer des Hamburger Fußballverbandes. Allerdings muss man dazu wissen, dass das Verhältnis zwischen dem HSV und dem HFV seit Jahren sehr angespannt ist. Beide Seiten beanspruchen für sich, die besten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler zu bieten.
Angetrieben von dem neuerlichen Zerwürfnis mit dem HSV stellte Jahn auch gleich das Konzept Meiers komplett infrage: „Da werden alle didaktischen Erkenntnisse der letzten Jahre missachtet, das Konzept ist einfach falsch.“ Dennoch setzt der HSV weiter auf sein Konzept: „Wir werden unseren Weg zusammen weitergehen – mit den vereinen“, so Reinhardt, der auffällig souverän mit den Vorwürfen umging und auch auf eine Zusammenarbeit mit Jahn und dem Verband setzt: „Auch Herr Jahn ist bei der Umsetzung stets herzlich willkommen.“

Arnesen sieht Handlungsbedarf – Rajkovic soll kommen

22. August 2011

Frank Arnesen geriet ins Schwitzen. Allerdings weniger, weil er um Antworten verlegen war, als wegen der fehlenden Klimaanlage im 5. Stock der Imtech-Arena, wo der Däne sich zuerst meinen Kollegen vom Fernsehen und anschließend uns Schreiberlingen stellte. Und das sehr ausführlich. Tenor: er würde weiter fest hinter dem Trainer stehen, die Diskussion nicht mitmachen. Die Mannschaft und der Trainer bräuchten Zeit – und die bekämen sie von ihm auch garantiert. Zudem wird binnen der nächsten zehn Tage personell nachgelegt. Und obwohl der Name Slobodan Rajkovic bereits durch alle Medien geisterte, umging Arnesen eine direkte Bestätigung. Er werde erst dann etwas zu einem Spieler sagen, wenn derjenige beim HSV auch unterschrieben habe. Und das ist auch gut so. Denn wie bei Matthias „Ich-habe-den-HSV-verarscht-und-mache-auch-so-weiter“ Sammer gesehen, können selbst bis ins letzte Detail abgeklärte Verträge plötzlich platzen.

Apropos Sammer – den ehemaligen Weltklassefußballer habe ich früher al Nationalspieler geliebt – und bin seit der Geschichte mit dem HSV enttäuscht von ihm. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich bis heute immer wieder gefragt, ob nicht entgegen aller Beteuerungen da der HSV zu naiv war oder gar falsche Dinge kommuniziert hat. Aber seit der Doppelpass-Sendung am Sonntag aber weiß ich, dass Sammer häufiger mal schneller redet als nachdenkt. Denn selbst wenn er damit witzig sein wollte, der Spruch „Mit mir hätte es kein 0:5 gegeben“ war daneben. So weit, dass ich Sammers Intelligenz infrage stellen muss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich derlei Aussagen über den HSV verbieten würde. Aber Sammer ist einer von denen. Gerade er sollte nach seinem Wortbruch lieber ruhig sein und den HSV meiden.

Und wo wir gerade bei Spott sind, über zu wenig davon kann sich der HSV derzeit leider nicht beschweren. Zunächst hatte Hoeneß dem HSV „Hol’s Balli“-Fußball attestiert, jetzt legte Franz Beckenbauer nach. „Man hat die Situation unterschätzt, und die Spieler, die man geholt hat, überschätzt“, so der Kaiser via „Sky 90“. „Bei solchen Stellungsfehlern und Schwächen im Zweikampf: ich weiß nicht, wie das besser werden soll.“ Harter Tobak. Auch für Arnesen, der sich verantwortlich für die Auswahl der Neuen zeichnet. Der allerdings mit Rajkovic gerade diese vom „Kaiser“ angesprochene Schwäche ausbügeln will.

Immerhin gilt der 191 Zentimeter große Serbe als erfahrener Spieler. Rajkovic war zuletzt von Chelsea an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ausgeliehen. Er galt bereits in jungen Jahren als Riesentalent. Chelsea holte ihn 2005 als 16-Jährigen für knapp fünf Millionen Euro von OFK Belgrad, für die er bereits 26 Ligaspiele in Serbien absolviert hatte. Anschließend wurde er vom Abramowitsch-Klub an den PSV Eindhoven und Twente Enschede verliehen. Rajkovic ist seit 2009 serbischer A-Nationalmannschaft. Zuvor war er ein Jahr lang für alle internationalen Spiele gesperrt worden, nachdem er bei den Olympischen Spielen einen Gegenspieler angespuckt hatte. Die niederländische Zeitung „Voetbal international“ hatte geschrieben, Rajkovic würde drei Millionen Euro Ablösesumme kosten und für vier Jahre unterschreiben. Zwei Zahlen, die etwas zu hoch angesetzt sind. Der Abwehrmann, der schon heute in Hamburg sein soll, soll für drei Jahre unterschreiben und rund zwei Millionen Euro kosten.

Viel Geld für den HSV, da bislang kein weiterer Spieler verkauft wurde. Guy Demel ebenso wenig wie Mickael Tavares. „Und für Elia gibt es auch kein neues Angebot“, so Arnesen, der sich nach dem Bayern-Spiel noch mal länger mit dem Niederländer unterhalten hatte. „Bei ihm ist es wie bei vielen Profis: Spielt er, scheint die Sonne. Spielt er nicht, regnet es und er ist sauer. Und auch wenn ein Verkauf des Außenstürmers nicht gänzlich ausgeschlossen ist, betonte Arnesen, dass man sich derzeit keine Gedanken darüber mache. Ob die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei? Arnesen kurz: „Nein.“

Stattdessen bat Arnesen seinen Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow und den Aufsichtsrat um Hilfe, nachdem auch er erkannt hatte, dass defensiv Handlungsbedarf besteht. „Ich habe gefragt. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht groß “, so Arnesen, „aber ich bin froh, dass alle sehen, dass wir was tun müssen.“ Damit wollte er jedoch nicht klagen, wie er gleich nachschob. „Ich bin hergekommen und wusste, dass wir finanziell Probleme haben, dass wir nicht mal eben 20 Millionen ausgeben können. Aber ich sehe das als Herausforderung und bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Kader. Ich gebe den Spielern noch Zeit, weil ich weiß, dass sie gut sind. Unsere Neuen sind zum Teil erst 19, da erwarte ich nicht nach drei Spielen eine Führungsrolle. Das sind nicht die Schlüsselspieler – nicht mal nach einer ganzen Saison.“

So eine Rolle gebe es beim HSV derzeit eh nur einmal, sagt Arnesen: und zwar lediglich mit Heiko Westermann. Der Mannschaftskapitän ist für den Sportchef der einzige Spieler, der eine echte Führungskraft darstellt. „Der lässt sich nicht unterkriegen“, lobt Arnesen, „der spielt weiter, auch wenn er ausgepfiffen wird. Der steht seinen Mann und wird in solchen Momenten sogar noch besser. Heiko ist ein sehr guter Kapitän. Wenn wir hier über Führung sprechen, dann möchte ich nur über Heiko sprechen. Er kann schlecht spielen, ausgepfiffen werden – aber er ist immer weiter ein Vorbild auf dem Platz und im Training.“ Gerade diese unerschütterliche Mentalität Westermanns scheint Arnesen zu imponieren, der sich von der Sorte Spieler offensichtlich mehr wünscht.
Mehr wünscht sich Arnesen auch für Oenning. Der Trainer sei einer Situation ausgesetzt, die mehr Zeit bedarf, sagt der HSV-Sportchef. „Ich habe es von Anfang an gewusst, dass es dauert. Ich habe hier einen Dreijahresvertrag abgeschlossen und hoffe, dass ich den komplett mit Michael als Trainer erfüllen kann.“ Für ihn spiele dabei auch keine Rolle, dass Oenning in elf Spielen beim HSV (saisonübergreifend) nur einen Sieg feiern konnte. Im Gegenteil, Arnesen schiebt die Problematik in den nicht mehr greifbaren Raum. „Nach dem Spiel habe ich in der Kabine gemerkt, dass die Spieler sauer waren. Richtig sauer auf sich selbst. Und jetzt müssen wir Eier haben und den Ärger umformen in Vertrauen und Willen. Jetzt muss jeder Spieler Stolz und Ehre entwickeln, weil er weiß, dass er es besser kann.“

Denn bislang sei der Leistungsstand noch nicht abrufbar, „wir wissen noch immer nicht, wo wir stehen“, so Arnesen. „Aber wir wissen, dass wir besser sind. Und wir wissen auch, dass wir schon bald besser werden.“

Viele Worte, viele Durchhalteparolen und noch mehr Konjunktive. Ich kann nur hoffen, dass Arnesen mit seiner Prognose Recht hat. Alles andere wäre allerdings auch fatal.

In diesem Sinne,
bis morgen!

Scholle (18.45 Uhr)

Kurz notiert:

Während die Stammelf einen knapp 60-Minuten langen Lauf im Volkspark absolvierte, trainierten die Reservisten auf dem Platz. Mladen Petric absolvierte zusammen mit der Startelf aus dem Bayern-Spiel die Laufeinheit und soll am Dienstag um 10 und 15 Uhr aber ebenso wieder mit der Mannschaft trainieren, wie Änis Ben-Hatira heute schon. Weiter ausfallen wird Tolgay Arslan, der seine hartnäckige Knochenprellung im Knöchel am Rande des Bayern-Spiels von FC-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Ohne neuen Befund. Wann der Offensivmann wieder voll mittrainieren kann, ist offen.

So kann und darf es nicht weitergehen

21. August 2011

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, war der Blog heute Mittag für einige Zeit nicht nutzbar. Ein technisches Problem hatte alle Blogs von „Abendblatt“ und „Welt“ lahmgelegt. Auch wenn ich jetzt etwas früher als angekündigt mit diesem Blog komme – entschuldigt bitte die Verspätung.

Und auch der HSV hat Probleme. Größere noch als der Axel-Springer-Verlag mit seinem Server. Der HSV steckt im Abstiegskampf. Finanziell stark eingeschränkt fehlt der Mannschaft neben Punkten auch die dafür notwendige Qualität. Die Zweifel am aktuellen Kader sind berechtigt und es scheint keine Besserung in Sicht. Zumindest betonen Sportchef Frank Arnesen sowie die aktuelle HSV-Führung, dass sie die Problematik sehr wohl erkannt haben, für notwendige Verstärkungen jedoch kein Geld da ist. Das wiederum hängt weniger damit zusammen, dass in diesem Sommer zu viel ausgegeben wurde. Bislang wurden Gelder eingespart, der Etat drastisch gekürzt. Nein, es liegt tatsächlich daran, dass in den letzten Jahren nicht ausreichend gespart/eingespielt wurde. Es wurde den eigenen Ansprüchen entsprechend investiert allerdings nicht entsprechend erfolgreich gespielt. Das ist Fakt. Unabhängig davon, wer dafür verantwortlich war.

Das nur für die Verschwörungstheoretiker dieses Blogs.

Es geht mir hier noch immer nicht darum, einen einzigen Schuldigen zu finden. Das habe ich nie gemacht, das wäre auch zu kurz gedacht, viel zu simpel. Und, um hier noch etwas klarzustellen: In der Ära Hoffmann war es wie unter allen anderen Verantwortlichen eine Ansammlung aus Vorständen, Aufsichtsräten und einem Trainerteam, die verantwortlich waren für das, was am Ende als Ergebnis dastand. Gleiches zählt heuer für Jarchow, Hilke, Scheel, Arnesen und Oenning. Genau so wie sie gefeiert werden für Erfolge und tolle Zahlen müssen allerdings auch Fehler benannt werden. Die der Vergangenheit ebenso wie die aktuellen. Es geht doch immer nur darum, die Situation zu verstehen, damit man sie ändern kann. Oder besser: damit wir Veränderungen fordern/vorschlagen/erhoffen können.

Deshalb bringt es auch wirklich nichts, hier alles als Hoffmann-Schelte zu interpretieren und beleidigt Vorwürfe und Beleidigungen rauszuschmettern. Natürlich hat Hoffmann gute Arbeit gemacht. Unter seiner Regie als Vorstandsboss ist der HSV international bis unter die Top 20 geklettert. Zusammen mit Katja Kraus und dem damaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat Bernd Hoffmann dem HSV zu einem Aufschwung verholfen. Allerdings ist der heute vorbei, es geht gegen den Abstieg und wir sind auf der Suche nach den Gründen dafür. Viele liegen in den letzten Wochen, einige aber eben auch in den letzten Jahren.

Ein Grund, bei dem wir uns hier alle einig sind, ist die fehlende fußballerische Qualität. Das ist, glaube ich, unbestritten. Jetzt kann man sagen: das kommt noch, die Mannschaft braucht Zeit. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass diese Mannschaft noch Führungstypen benötigt, die eine hohe fußballerische Qualität mitbringen. Dafür reicht kein Heiko Westermann, kein (ohnehin zuletzt enteierter) David Jarolim. Und auch kein Mladen Petric oder gar einer von den Neuen, von den Jungen. Nein, der HSV muss reagieren. Allerdings tut er dies noch nicht mit der Begründung, es seien keine finanziellen Mittel da. Das wiederum liegt daran, dass der HSV zuletzt nicht das eingenommen hat, was er ausgegeben hat. Dort gab es von allen Seiten (selbst von Bernd Hoffmann) unbestrittene Unterdeckungen, die den HSV heute finanziell bestimmen. Damit benenne ich lediglich den Grund, weshalb kein guter und dementsprechend zumeist auch teurer Spieler geholt wird. Oder glaubt Ihr wirklich, ein Arnesen wäre blind? Das wäre nämlich der Umkehrschluss, dem aktuellen Vorstand die Kompetenz abzusprechen.

Nein, alle wissen, was die Uhr geschlagen hat. Aber was bleibt einem Arnesen übrig? Was hätte er nach dem Spiel gestern vor der Kamera sagen sollen, was die ganze Situation nicht noch zusätzlich erschwert hätte? Er muss doch dem Trainer den Rücken stärken. Er betreibt Mängelverwaltung – zum Teil natürlich auch der Spieler, die er selbst geholt hat, die aber noch nicht bundesligatauglich scheinen.

So gern und oft zuletzt Geduld gefordert wurde, jetzt müssen wir sie tatsächlich haben. Bis zum 31. August ist das Transferfenster geöffnet. Und intern wird weiter an den Verkäufen von Demel und Tavares gearbeitet, um Gelder zu generieren. Ich bin mir sicher, selbst Verkäufe aktueller Stars (Petric, Elia) spielen in den Gedanken der Granden inzwischen wieder eine Rolle. Aber bevor nicht eine dieser Geschichten abgewickelt wird, ist es fast unmöglich, Sofortverstärkungen für den HSV zu gewinnen.

Dass das nicht alles ist, das auch mit dieser Mannschaft besserer Fußball gespielt werden kann und auch muss, da sind wir uns glaube ich alle einig. Sich in München nach zehn Minuten Gegenwehr zu ergeben – das spricht nicht für die Moral dieser Mannschaft. Zehn Spiele in Folge nicht zu gewinnen – das spricht weder für Mannschaft noch für den Trainer. Auch Oenning muss sich der Kritik stellen. Wenn meine Statistik stimmt, bringt es Oenning als Cheftrainer auf 0,75 Punkte pro Spiel. Ein Schnitt, der den sicheren Abstieg bedeuten würde und der ebenso dringend wie schnell verbessert werden muss, will Oenning beim HSV bleiben.

Das Argument, mit Dortmund und Bayern Hammergegner zum Auftakt gehabt zu haben, gegen die man verlieren darf, lasse ich gern gelten. Allerdings nur, wenn im Gegenzug Spiele wie gegen Hertha oder eben ach am kommenden Sonnabend gegen Köln als Pflichtsiege betrachtet sowie entsprechend mutig und dominant angegangen werden. Bei aller Wertschätzung für den Umbruch – das Tagesgeschäft hat immer und überall Priorität. Und hierbei steht der HSV – das muss man so sehen – gegen Köln im eigenen Stadion unter Zugzwang.

Ich werde hier nicht, wie von dem einen oder anderen Blogger gefordert, Oennings Rauswurf fordern oder als ultimatives Werkzeug betiteln. Oenning bekommt seine faire Chance. Allerdings hat er die bereits seit drei Spieltagen nicht genutzt. Bislang ist seine Strategie erfolglos – und zehn erfolglose Spieltage kann sich keine Mannschaft erlauben. Das weiß Oenning – und das wissen seine Vorgesetzten. Auch Arnesen. Ganz sicher.

Es ist auch nicht zu erklären, wie eine Mannschaft die ganze Woche davon spricht, taktisch besser geschult zu werden und endlich zu wissen, was defensiv zu leisten ist. Sich dann trotz zweier Defensiv-Viererketten hintereinander so abschießen zu lassen – das ist alarmierend.

Ich hatte gestern im Gegensatz zu sonst einem Blogger per email geantwortet, der mich als bezahlten Handlanger des aktuellen Vorstandes betitelte. Unter dem deprimierenden Eindruck des 0:5 habe ich auf diese Unsachlichkeit leider etwas harsch reagiert – dafür hier noch mal Entschuldigung an den entsprechenden Herren! Allerdings sollten sich auf der anderen Seite einige Blogger ihre Posts vielleicht nochmal mit etwas Abstand durchlesen, ehe sie sie online stellen. Denn das einzig Schlimmere als solche Klatschen wie gestern ist, wenn selbige uns intern auseinander dividieren.

Aber gut, das hatte Dieter hier schon häufiger versucht – ich jetzt auch. Mal sehen, wie wir die kommenden Tage angehen. Wenn es nach mir geht, dann mit konstruktiver und dann auch gern äußerst kritischer Betrachtung.

In diesem Sinne, schon am morgigen Montag wird sich Arnesen in unsere Runde begeben. Und er wird einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Da bin ich mir ganz sicher.

Scholle (19.38 Uhr)

Nächster Blog gegen 20 Uhr

21. August 2011

Der heutige Blog folgt erst gegen 20 Uhr!

Bis gleich,

Scholle

0:5 in München – eine Demütigung und die Frage: was jetzt?

20. August 2011

Dieser Tag hatte außer Sonnenschein für keinen HSV-Fan etwas zu bieten. Mit 0:5 ging der HSV bei den Bayern unter. Ein Spiel, das allen Verantwortlichen noch mal deutlich vor Augen geführt hat, dass es mit dieser Mannschaft in der Verfassung einzig um den Klassenerhalt gehen kann. Eine Erkenntnis, die ebenso bitter wie realistisch ist. Wie ein Sparringspartner wirkten die Hamburger beim Rekordmeister. Komplett chancenlos wurde der schwächste Start in der Bundesliga seit knapp 30 Jahren für den HSV hingelegt. Für Michael Oenning das elfte Spiel als HSV-Trainer, das zehnte ohne Sieg. „Wir haben zu ängstlich gespielt“, resümierte David Jarolim anschließend, „und die Art und Weise ist nicht gut. Wir können noch froh sein, dass wir nur fünf Tore bekommen haben. „ Und dann kam das, was sich auch dem geneigten Zuschauer aufdrängte: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass der Zug nicht ohne uns wegfährt.“

Ehrliche, alarmierende und richtige Worte. Passend dazu hatte mein Tag eh schon das Motto „Sturzflug“. Zum Geburtstag hatte ich von meiner Freundin einen Kunstflug geschenkt bekommen. Ihr wisst schon, Schrauben fliegen, Looping – und eben Sturzflug. Um 11.30 Uhr sollte es losgehen, ich hatte mir extra nur leichte Kost gekauft, um nicht zu viel im später arg strapazierten Magen herumzutragen. Und dann das: die Sonne schien, blauer Himmel, aber fürs Fliegen sollte es nicht reichen. Mein Pilot Herr M. sagte mir, die Hitze habe die Regenmassen im Erdboden derart erwärmt, dass über Hamburg eine Dunstglocke hängt. Das würde meine Sicht (hab ich die bei den ganzen G, die auf mich wirken, wirklich??) so stark einschränken, dass er eine Absage vorschlagen würde. Ich schlug ein. Damit war der Sturzflug verschoben. Etwas, was ich mir von der Mannschaft in München auch erhofft hatte. Und was mir leider nicht gewährt wurde. Im Gegenteil.

Doch leider hatten die Münchener etwas dagegen. Zwölf Minuten gaben sie dem anfänglich kämpferisch guten Hamburgern, dann war es soweit. Ein unnötiges Foulspiel von David Jarolim gegen Thomas Müller, halbrechte Position (aus Bayern-Sicht). Arjen Robben, der bis hierhin mit allen Mitteln von Aogo bearbeitet worden war, schlug die Flanke rein und Daniel van Buyten traf per Kopf zum 1:0. Wobei ich mir die Frage stelle, inwieweit es Sinn macht, mit einer relativ uneingespielten Abwehr mit Raumdeckung zu agieren. Aber egal wie, van Buyten eröffnete den Torreigen, der keine vier Minuten später von Franck Ribery fortgesetzt wurde. Eine Flanke von Müller nahm der Franzose an. Und weder Rincon noch Diekmeier wussten den Münchener vom Torschuss abzuhalten – das 2:0 (17.). Ein Zwischenergebnis, das Bösestes erahnen ließ. Und eines, das in der 34. Minute weiter in die Höhe geschraubt wurde. Robben, der überragende Mann trotz seiner 70-Prozent-Fitness, setzte sich gegen Jansen und Aogo über außen locker durch und krönte seine bloßstellende Aktion mit einem fast schon arroganten Lupfer – das 3:0.

Jetzt fing es an, peinlich zu werden. Auf der Tribüne lachten Hoeneß und Co. über die Leichtigkeit, mit der der Rekordmeister den völlig chancenlosen HSV auseinandernahm. Auf der anderen Seite mussten die HSV-Vorstände Jarchow, Scheel, Hilke und Arnesen erst einmal tief durchatmen, ehe sie fassungslos mitansahen, wie bundesliga-untauglich sich ihr junges Team präsentierte. Michael Oenning auf der Bank wusste gar nichts mehr entgegenzusetzen und blieb nur noch auf seiner Bank sitzen – immer mit dem Blick zur Uhr, die wohl jeder HSVer am heutigen Tag nur zu gern um ne Stunde vorgedreht hätte.

Keine echte Torchance, nur ein Schuss von Diekmeier, dazu hinten komplett überfordert und im Mittelfeld vorgeführt – es war hart für alle, mitanzusehen, wie der HSV sein zehntes Spiel in Folge nicht in der Bundesliga gewinnen konnte.

Es war mehr als ein Klassenunterschied, der verbietet, hier zu loben. Und das hätte neben dem bemitleidenswerten Torwart Jaroslav Drobny einzig der für Petric aufgestellte Töre verdient gehabt. Denn es wurde nicht besser. In der zweiten Halbzeit spielte weiter nur ein Team: der FC Bayern. Gomez legte quer auf Müller, der volley verzog (51.). Drei Minuten später die gleichen Spieler, die Kombination umgekehrt – und erfolgreich. Müller lupft auf Gomez, der Mancienne stehen ließ und aus spitzem Winkel zum 4:0 einschieben konnte.

Und nachdem die Bayern durch Gomez (59.) und Müller (64.) eine höhere Führung vergaben, versuchte Oenning zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er brachte Tesche und Kacar, zog Westermann nach hinten in die Innenverteidigung und Mancienne dafür auf die Rechtsverteidigerposition. Zudem musste der beste HSVer, Gökhan Töre, für Tesche weichen und Son spielte fortan als einzige Spitze. Defensiver geht es nicht. Der HSV ergab sich in sein Schicksal. Die Bayern nahmen zudem mit den Auswechslungen von Robben, Ribery und Gomez einen Gang raus und demonstrierten, dass ihre 65 bis 70 Prozent für diesen HSV tatsächlich reichen. Denn Ivica Olic legte in der 80. Minute sogar noch mal nach. Nachdem Drobny einen 100-POrozentigen des ehemaligen HSVers parieren konnte, traf Olic unmittelbar im Anschluss per Kopf zum 5:0. Dass Oenning in der 87. Minute auch noch den eh schon gefrusteten Eljero Elia einwechselte muss ich mir von ihm erklären lassen. Aber mein erster Impuls war: warum jetzt noch? Warum noch das Risiko eingehen, damit einen eh schon frustrierten Spieler noch zusätzlich zu provozieren?

Nein, heute passte nichts. Gar nichts. Und bei aller Geduld, bei allem Verständnis für fehlende Eingespieltheit – niemand kann jetzt noch sagen, dass der HSV personell nicht reagieren muss. Es sei denn, er will sehenden Auges den einzigartigen Dinostatus der Bundesliga verspielen.

Und ganz ehrlich, ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Fachleute wie insbesondere Arnesen das auch wissen und nur zu gern etwas machen würden. Auch wenn er nach dem Spiel die Stärke der Bayern als Hauptargument nannte und Oenning stärkte (“Er kriegt die Zeit, die er braucht”), würde er nur zu gern jetzt das Risiko eingehen können, was in den letzten beiden Jahren jeweils eingegangen wurde, um den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Nein, da ich weiß, wie gern Arnesen in letzter Sekunde noch mal 15 Millionen (wie einst für Berg und Rozehnal) in letzter Sekunde ausgeben würde, wie gern er personell nachlegen würde und wie partout ihm die Hände gebunden sind, appelliere ich hier an diejenigen, die immer noch glauben, in den letzten Jahren habe der HSV vernünftig gehaushaltet.

Auch diejenigen sollten jetzt endlich erkennen, dass da nichts – aber auch gar nichts mehr in der Kasse ist. So wenig, dass noch nicht einmal ins Risiko gegangen werden kann. Und woran das liegt, wissen wir alle. Auch die, die sich hier immer wieder aufschwingen und die Vergangenheit schönreden. Auch die müssen jetzt endgültig einsehen, dass diese aktuelle Chancenlosigkeit das Ergebnis der letzten Jahre ist. Insbesondere der letzten zwei Jahre. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren konnte der HSV sein dabei jeweils eingegangenes finanzielles Risiko nicht per Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb nachträglich rechtfertigen – geschweige denn finanziell decken. Es entstanden Altlasten, die die neue Führung noch immer nicht zu bewältigen weiß und die die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV gefährdet.

Soviel Ehrlichkeit muss sein.

In diesem Sinne, die letzte Meldung lasse ich unkommentiert: am Sonntag ist trainingsfrei.

Scholle (17.45 Uhr)

HSV: Drobny – Diekmeier (68. Kacar) , Mancienne, Bruma, Aogo – Rincon, Westermann, Jarolim, Jansen – Son (87. Elia), Töre (68. Tesche).

Petric liegt flach – mit Bubi-Sturm zum Rekordmeister

19. August 2011

Wer den Schaden hat… Im Moment kann sich der HSV sicherlich nicht darüber beschweren, zu wenig belächelt zu werden. Im Gegenteil: als Uli Hoeneß mit einem Vergleich zwischen Dortmunds Pass- und Aufbauspiel und dem seiner Bayern konfrontiert wurde, schickte er einen Gruß der weniger netten Sorte nach Hamburg. Denn, während die Dortmunder gegen den HSV nur wenige Sekunden vom Torwartabwurf bis zum Torabschluss brauchten, wurde eine Bayern-Szene aus dem Spiel gegen Wolfsburg gezeigt. Der FCB hatte zwar mehr als 20 Ballkontakte ohne Unterbrechung, war aber am Ende immer noch kein Stück vorwärts gekommen. „Ja gut“, relativierte Hoeneß und meinte, seine Bayern hätten mit dem VfL den deutlich schwereren Gegner: „Die Dortmunder spielen ja auch nur gegen den HSV. Und der spielt ja noch ‚Such’s Balli’“, so der Bayern-Manager. Der HSV sucht noch den Ball? Und das von dem Mann, dem ich im deutschen Fußball die größten Manager-Fähigkeiten einräume, der eigentlich über jeden Zweifel erhaben sein sollte. Bitter! Mein Interview mit Hoeneß 2009 zähle ich sogar noch immer als mein persönliches, journalistisches Highlight. Und jetzt das…

Aber gut, so sind die Bayern halt. Zumindest ein Teil von ihnen. Wenn ich schon wieder höre, was der Robben von sich gibt, wünsche ich mir, einmal gegen ihn spielen zu dürfen, auch wenn ich sicherlich nicht lange auf dem Platz stehen würde… Robben hat Rückenschmerzen, hat nur unter Schmerzen gegen Zürich spielen können. Dass er dabei ein Tor erzielt hat und keinerlei körperliche Defizite zu erkennen waren, spielt plötzlich keine Rolle mehr. Stattdessen sagt der Niederländer jetzt, unmittelbar vor dem Duell mit dem HSV am Sonnabend (15.30 Uhr, Allianz-Arena), auch noch, dass er physisch gerade mal bei 60 bis 70 Prozent sei und starke Rückenschmerzen habe. Trotzdem will er seinen Einsatz gegen den HSV nicht ausschließen, hofft sogar darauf. Ergo: Auch 70 Prozent reichen für diesen HSV. In Robbens Augen…

Nun gut, was rege ich mich auf. Wichtig ist, was die Spieler denken und sagen. Und wenn ich Dennis Aogo, den direkten Gegenspieler von Robben in München, heute richtig interpretiert habe, ist der mächtig sauer über die Verbalergüsse Robbens. Aogo legte heute sehr zur Freude meiner Boulevard-Kollegen richtig los: „Das ist doch totaler Schwachsinn! Ich weiß gar nicht, warum der so etwas erzählt. Wenn er spielt, ist er auch fit. Und am Mittwoch war er der entscheidende Mann, er hat 90 Minuten durchgespielt, ein Tor geschossen und ein Tor vorbereitet. Und dabei hat er keinerlei Probleme gehabt. Ich bin mir sicher, dass er nur gesund aufläuft. Alles andere ist doch Quatsch.“ Info: Im Abschlusstraining konnte Robben vollständig mittrainieren…

Auch deshalb bereitet sich Aogo auch normal vor. Anders als im letzten Jahr, wo Robben drei der sechs Tore gegen den HSV erzielte, soll er diesmal wirkungslos bleiben. Dafür setzt Trainer Michael Oenning auf Aogo und Jansen links, sowie Diekmeier und Rincon rechts, während zentral die beiden erfahrenen Westermann und Jarolim für Sicherheit sorgen sollen.

Wie genau Robben in den Griff zu kriegen ist? „Schwer“, sagt Aogo, „im Eins-gegen-Eins geht es sicher auch, aber es ist sehr schwer.“ Dass der Niederländer eigentlich immer den gleichen Trick macht – außen in hohem Tempo bis Höhe Sechzehner und dann nach innen ziehen und zum Torabschluss/Flanke kommen -, macht es nicht leichter. „Dass as immer noch funktioniert zeigt doch seine Extraklasse, und dass er es perfektioniert hat. Nein, wir müssen als Mannschaft eng zusammen stehen und die Räume eng halten. Dann kriegen wir auch das in den Griff.“

Dabei soll Jansen helfen, der im Gegensatz zum primär offensiv veranlagten Eljero Elia auch defensiv Qualitäten hat. Immerhin sieht sich der Linksfuß ja selbst als Linksverteidiger. „Ich habe mit Marcell schon häufiger gespielt und es hat funktioniert“, sagt Aogo, „und es ist mit Sicherheit auch gut, dass Marcell wenigstens ein bisschen Defensivverständnis hat.“

Das hat auch Tomas Rincon. Der Mann aus Venezuela, der sich in den letzten Jahren schon allein mit seiner beispielhaften Einstellung in die Herzen nahezu aller Beobachter gespielt hat, soll auf der rechten Seite im Mittelfeld die defensive Variante geben, somit den eher offensiv ausgerichteten Gökhan Töre ersetzen. Ob er trotz des Frusts gegen Hertha, wo er wider Erwarten nur Ersatz war, etwas von seinem Optimismus nach der starken Copa América hat rüberretten können? „Absolut! Ich spüre 100 Prozent Freude. Ich habe einen Schritt nach vorn gemacht, das hat mir Selbstvertrauen gebracht. Und jetzt will ich der Mannschaft helfen. Ich fühle mich absolut fit.“

Sein Gegenspieler wird aller Voraussicht nach Philipp Lahm sein. „Einer der besten Spieler auf der Position“, lobt Rincon und sieht Lahm in Kombination mit Franck Ribery als Optimum: „Das ist wahrscheinlich die beste linke Seite der ganzen Liga. Aber auch das ist zu schaffen.“ Mit Leidenschaft. Und Härte. „Ich will niemanden kaputt machen. Aber ich muss aggressiv sein – und immer nah am Mann. Von der ersten bis zur 90. Minute“, erklärt der Venezolaner seine Taktik. Dass gerade er mit seiner harten Spielart da einer erhöhten Gefahr ausgesetzt ist, vom Platz zu fliegen, weiß er. „Das Risiko ist teil meines Spiels. Das ist das Gleiche wie bei Gegnern wie Messi oder Kaka – nur so kann man gegen Ribery und Co. bestehen. Die müssen immer wissen, dass ich da bin.“

Und ganz ehrlich, auch wenn hier jetzt wieder die Walddörfer mit mir in Verbindung gebracht werden: ich bin geneigt, Rincon zu folgen. Weil er einfach ein guter Typ ist. Ich habe nur wenige Leute in der Mannschaft, denen ich den persönlichen Erfolg noch mehr gönne als ihm. Zumal er selbst nach zweieinhalb Jahren auf seinen Durchbruch hofft. Angebote nach der guten Copa habe er kategorisch abgelehnt, „weil ich hier noch nicht zeigen konnte, was ich wirklich kann. Das will ich dieses Jahr nachholen.“ Starke Worte. Und das Beste daran: Rincon klingt authentisch.

Eine starke Leistung gegen Bayern wäre auch für den 23-Jährigen ein Anker, ein Ausrufezeichen. Als einer von insgesamt neun Defensivspezialisten auf dem Platz (die beiden Viererketten und Drobny), die den Bayern die Spielfreude nehmen wollen. Zumindest haben sie heute so trainiert. Leider (weil es vorher nicht angekündigt worden war und so sicher einige Fans umsonst gekommen waren) im Stadion. Dort ließ Oenning beide Viererketten gegen die Offensiv- und Reserve-Spieler üben. Überraschung dabei: Mladen Petric fehlte. Der Kroate, der auch beim 2:1-Sieg beim Liga-Total-Cup fehlte, der am Mittwoch bereits mit einem leichten Infekt ausgesetzt hatte und gestern wieder mittrainierte, fehlt wegen eines grippalen Infektes. Der Angreifer trat die Reise nach München gar nicht erst an.

Quantitativ ersetzte Romeo Castelen den frei gewordenen Kaderplatz, die Position als einzige Spitze nahm indes Töre ein. Der Deutsch-Türke versuchte sich im Abschlusstraining als Eckenschütze und im Zusammenspiel mit Heung Min Son, während auch Marcus Berg mit einer guten Trainingsleistung im Abschlussspiel (der Rest war Warmlaufen und fünf gegen zwei) auf ich aufmerksam machte. Keine Rolle im Sturmzentrum oder direkt dahinter scheint Elia zu spielen. Einen Umstand, den der Niederländer kopfschüttelnd registrierte.

Bliebe also folgende Startformation: Drobny – Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo – Rincon, Westermann, Jarolim, Jansen – Son, Töre.

Mit Mauertaktik und sprintstarkem Bubi-Sturm – Son und Töre sind beide gerade mal 19 Jahre alt – zum Deutschen Rekordmeister FC Bayern München – na dann…

In diesem Sinne, auf den ersten Dreier der Saison 2011/2012.

Bis morgen,
Scholle (17.17 Uhr)

Kurz notiert:

Jaroslav Drobny wurde für die Länderspiele gegen Schottland und die Ukraine am 3. Und 6. September in den vorläufigen Kader der tschechischen Nationalelf berufen. Der 31-Jährige rückt für den verletzten Stammtorwart Petr Cech wieder ins Team und fällt so voraussichtlich für die beiden Testspiele des HSV gegen Luzern (3. September) und am 6. September in Bremerhaven aus.

Dort mitwirken könnte indes Änis Ben-Hatira, nachdem sich sein Wechsel in die Hauptstadt nun wohl doch endgültig zerschlagen hat. Zumindest sagt das Hertha-BSC-Manager Michael Preetz: „Unsere Planungen sind abgeschlossen.“

Und dann noch eine Meldung, die man sich mit etwas Fantasie zurechtdrehen kann: Schiedsrichter in München ist Michael Weiner. Der Referee aus Giesen pfiff den HSV auch letzte Saison in München beim 0:6 – demnach hat er wie die Mannschaft diesmal einiges wieder gutzumachen…

Drei Punkte in München – und Olic dazu?

18. August 2011

Safety first – die Sicherheit zuerst. Das war das von Trainer Michael Oenning vorgegebene Motto gegen Hertha BSC. Und das ist auch das Motto gegen den FC Bayern. Wie heute im Training unschwer zu erkennen war, sogar noch etwas defensiver als zuletzt. Da agierten David Jarolim und Heiko Westermann als Doppelsechs, während Marcell Jansen links und Tomas Rincon rechts im Mittelfeld spielten. Der Beste Spieler der Copa America (Fans hatten Rincon gewählt) soll den primär offensiv ausgelegten Gökhan Töre auf der rechten Seite beerben. „Lahm und Ribery auf der Seite sind ein Argument, für mehr Stabilität zu sorgen“, so Oenning, der insbesondere auf die Defensivstärke Rincons setzt.

Allerdings soll damit nicht einzig die Defensive gestärkt, sondern auch sichergestellt werden, dass der HSV in München kontern kann. Und dafür sind die schnellsten Spieler vonnöten. Auch Dennis Diekmeier. Der hatte zuletzt die Order bekommen, zuerst die Defensive abzusichern, um nicht wieder in einen Konter wie in Dortmund zu laufen. „Wir haben zu vielzugelassen“, so Westermann, „das müssen wir abstellen. Schnell.“ Und zwar mit Rincon, auch wenn der es selbst noch nicht wahrhaben will. „Ich hatte auch gegen Hertha schon damit gerechnet, dass ich spiele. Und am Ende war ich nur enttäuscht.“ Deshalb wertet er die Trainingsaufstellung beim Spiel elf gegen elf über den ganzen Platz, lieber nur vorsichtig, sagt aber auch: „Es sieht so aus, als würde ich spielen. Ich bereite mich auf jeden Fall gut vor.“

Dass er nicht auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld sondern rechts auflaufen soll, stört ihn nicht. „Ich habe auch gegen Gladbach und Leverkusen letzte Serie da gespielt – und wir haben uns jedes Mal eine Menge Chancen erarbeitet. Das zeigt doch, dass es geht.“ Selbst gegen Weltklassespieler wir Ribery und Lahm. „Lahm ist ein sehr guter Spieler“, sagt Rincon, „aber Angst habe ich nicht. Wer sich gut vorbereitet, kann auch gut spielen. Und ich muss dafür nur gut essen, gut trinken und gut schlafen. Dann klappt das schon.“ So einfach ist das …

Nicht ganz so leicht ist es indes, einen kapitalen Fehler abzuhaken und sich neu zu fokussieren. Diese üble Erfahrung musste zuletzt Jaroslav Drobny machen, nachdem er gegen Hertha BSC zunächst super gehalten, um dann drei Minuten vor Schluss daneben zu greifen und den Berlinern so doch noch einen Punkt zu bescheren. „Nach dem Spiel war ich natürlich richtig angepisst“, so Drobny in nicht zwingend feinem Deutsch, „es war nicht einfach, das alles zu verdrängen. Vor allem, weil wir nicht gewonnen haben. Da sind die ersten Tage danach immer hart für mich.“ Dennoch müsse er den Fehlgriff jetzt hinter sich lassen. „So ein Fehler ist hart, er ist im Nachhinein auch nicht zu löschen – aber er passiert leider. Wichtiger als darüber nachzudenken, ist, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus dem Fehler zu lernen.“ Eine Entwicklung die Drobny mit dem Rest der sehr jungen Mannschaft gemein hat. „Wir haben in der Woche viele Dinge angesprochen und trainiert. Vor allem taktisch“, verrät Drobny und betont: „Gerade gegen Bayern müssen wir taktisch perfekt spielen. Denn wir wollen von dort einige Punkte mitnehmen.“ Einige also, dementsprechend rechnet Drobny mit einem Sieg beim Rekordmeister. Wie genau das funktionieren kann? „Das wirst Du am Sonnabend sehen…“

Sehr schön, das würden wir nur zu gern. Und noch etwas, worüber ich mich sehr freue: Es gibt endlich mutige Töne von der Mannschaft. Auch wenn Oenning selbst weiter die Ansprüche niedrig zu halten versucht („Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft so teuer wie möglich verkaufen wird“), wird die Mannschaft mutiger. Zunächst verbal – aber ich werte das einfach mal als guten Anfang.

Obwohl – 7:0 hatte ich ja vor Saisonbeginn getippt. Für den HSV natürlich. Ein Tipp, den ich im Video schon revidiert habe. Besser gesagt: ich musste einsehen, dass ein solches Ergebnis momentan nicht realistisch ist. Und wo ich gerade beim Video bin: So eine Sch…ande! Da wird aus dem Video doch tatsächlich meine Hellseherfähigkeit rausgeschnitten. Hintergrund: Das Video hatten wir am Mittwoch vor dem Training gedreht- entsprechend auch vor dem Bayern-Spiel. Und dazu hatte ich gesagt, dass die Doppelbelastung für den HSV ein großes Plus ist, weil so sichergestellt sei, dass Arjen Robben nicht gegen den HSV aufläuft. Schließlich hat der Niederländer es nicht so mit zwei Spielen in Folge. Wohl auch diesmal nicht. Heute plagt sich der torgefährliche Weltklassespieler mit Rückenproblemen herum – und sein Einsatz ist stark gefährdet. Gut für uns…

Und um noch mal beim Video zu bleiben: da hatte mich ein alter Bekannter angerufen: Jörg Butt. Unseren ehemaligen Elfer-Killer (als Keeper wie als Schütze) zähle ich zu den ganz wenigen Profis, mit dem mich über das branchenübliche „wir brauchen uns gegenseitig“ hinaus wirklich eine Freundschaft verbindet. Jörg ist ein tadelloser Sportsmann – und vor allem ein sehr ehrlicher, zuverlässiger und loyaler Mensch. Und obwohl ihm damals in Hamburg ein wahrlich unrühmlicher Abschied beschert wurde, verbindet er mit dem HSV und Hamburg ein Stück Heimat. Immer, wenn wir telefonieren, fragt er nach dem Befinden des HSV. Auch diesmal. Wobei sich offenbar bis München herumgesprochen hat, dass der HSV derzeit noch mehr Probleme hat, als dem Klubverantwortlichen lieb ist.

Aber wo ich ihn schon am Apparat hatte, habe ich mich natürlich auch nach dem internen Befinden der Bayern-Mannschaft erkundigt. „Wir haben gestern gegen Zürich sicher nicht unser bestes Spiel gemacht“, hat er geantwortet, „aber wir haben uns eben etwas aufbewahrt für den HSV.“ Was er vom HSV weiß? „Nur, dass die Mannschaft noch nicht so gut drauf ist und sich wohl noch in der Findungsphase befindet. Aber das hat nicht allzu viel zu bedeuten und macht die Aufgabe für uns nicht leichter.“

Was ich allerdings vergessen habe zu fragen, war: Was ist eigentlich mit Ivica Olic? Den habe ich gestern nur beim Jubeln mit Arjen Robben gesehen – als Reservist. Und auch in der Bundesliga ist er bis auf einen Fünf-Minuten-Einsatz bislang noch nicht zum Zug gekommen. Inklusive einer Testspielhalbzeit sind es gerade 50 Minuten. Viel zu wenig für den Kroaten, den ich nur zu gern wieder für den HSV spielen sehen würde. „Zu Fuß, Huckepack oder in der Schubkarre – ich würde ihn persönlich abholen“, steckte mir heute ein HSV-Mitarbeiter. Und den Worten schließe ich mich an. Der Kroate mit dem kaputten Knie – sein Knorpelschaden ist zwar irreparabel, aber für ein paar gute Jahre sollte es noch reichen – ist für mich genau der Typ Spieler, den diese Mannaschaft gebrauchen kann. Schnell, unermüdlich und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Und er ist gegangen, weil er sich mit dem alten Vorstand überworfen hatte. Der ist jetzt allerdings weg und neu besetzt – vielleicht sollte der HSV da mal den Versuch einer Rückholaktion starten. Dann nehmen wir am Sonnabend um etwa 17.15 Uhr nicht nur die ersten drei Punkte, sondern auch einen ehemaligen Publikumsliebling mit. Mehr ginge wirklich nicht…

In diesem Sinne, bevor ich hier zu sehr ins Träumen gerate: bis morgen! Da wird um 12 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Scholle (19.06 Uhr)

P.S.: Änis Ben-Hatira liegt weiter mit einem grippalen Infekt flach. Der wechselwillige Offensivspieler wird in München durch den wieder genesenen Gojko Kacar ersetzt.

Westermann macht Druck – und Berg will spielen

17. August 2011

Es ist schon fast beeindruckend, mit welcher Überzeugung Heiko Westermann agiert. Auf dem Platz ackert der Kapitän bis nichts mehr geht. Und drumherum gibt er sich unbeirrt optimistisch. Die Pfiffe gegen ihn, die Kritik, die Misserfolge gegen Dortmund und Hertha, zudem die letzte Nichtberücksichtigung für das Brasilien-Länderspiel – nichts kann den 28-Jährigen erschüttern, geschweige denn von seiner Meinung abbringen, dass mit diesem HSV noch einiges zu holen ist. „Wir haben sicher noch nicht die perfekte Abstimmung gefunden – aber wir denken nicht mehr zurück sondern freuen uns auf das Bayern-Spiel. Wir müssen einfach das besser machen, was wir in den ersten beiden Spielen nicht so gut gemacht haben.“

Logisch. Aber was genau war falsch? Und wie wird es besser? „Wir haben zu viele Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Uns fehlt die Abstimmung. Der Wille ist zwar da, aber das sieht dann manchmal komisch aus, weil da noch zu wenig ineinander greift. Das hat uns die ersten zwei Spiele die Punkte gekostet.“ Insbesondere, weil das zentral-defensive Mittelfeld (gegen Dortmund mit Kacar/Rincon, gegen Hertha mit Westermann zunächst als einzige Sechs) nicht funktionierte. „Gegen Berlin hatten wir einfach zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen“, phrasiert Westermann, „dadurch habe wir keinen Druck auf den Ball gekriegt – und dann sieht man schon mal nicht so gut aus. Dann wird es schwer, überhaupt in den Zweikampf zu kommen.“ Doch anstatt wieder um Geduld und Zeit zu bitten, macht der Kapitän Druck: „Das müssen wir lernen, ganz schnell. Sonst wird es schwer.“ In München soll aller Voraussicht nach der zuletzt erst gegen Hertha eingewechselte David Jarolim wieder im Mittelfeld ab- und aufräumen. Eine Entscheidung, die Westermann nachdrücklich befürwortet. „Seine Erfahrung wird uns helfen, er wird das schnell umsetzen können.“

Eine gute Erfahrung hatte der HSV bereits beim 2:1-Sieg im Liga-Total-Cup gemacht. „Das war sicher nur Vorgeplänkel. Aber wir haben im Hinterkopf, wie es funktionieren kann.“ Und zwar aus einer kompakten defensive mit schnellen Kontern. „Wir haben es damals gut gemacht. Wir haben auf Konter gespielt und wenig bis nichts zugelassen.“ Eine Methode, die funktionieren könnte. Glaubt Westermann. „Nur so geht es. Denn die Bayern werden auch diesmal wieder 70 Prozent und mehr Ballbesitz haben.“ 70 Prozent? „Na ja“, sagt Westermann, „so viel haben die doch immer. Stimmt zwar nicht ganz. Aber sinngemäß ist es nicht falsch, da die Bayern natürlich in fast jedem Spiel dominant agieren.

Auch deshalb frage ich mich, ob der HSV mit dem sicher nicht sprintstärksten Mladen Petric hierbei am besten besetzt ist. Zumal der Kroate heute mit einem leichten grippalen Infekt nur im Trainingstrakt blieb und sich behandeln ließ. Nein, die Frage ist doch, sollte es tatsächlich – wie in Mainz – besser sein, mit den schnellsten Offensivkräften zu beginnen. Und: nur weil Jansen derzeit auf links die beste Figur macht, kann man dann ganz auf Eljero Elia, dem laut italienischen Online-Medien ein Angebot von Real Madrid vorliegen soll, komplett verzichten? Oder muss man sich von dem Gedanken lösen, dass er nur links spielen kann und den Niederländer auf der rechten Außenbahn oder gar hinter der Spitze aufbieten? Ich denke schon. Denn wenn Elia eines hat, dann Tempo…

Offensiv ebenfalls eine Option ist auch wieder Marcus Berg. Bislang zwar nur für Teileinsätze, aber er ist eben wieder da. „Ich bin fit, kann spielen“, sagt der introvertierte Schwede, den man am liebsten immer wieder in den Arm nehmen würde. Nicht, weil er heute Geburtstag hat – Herzlichen Glückwunsch zum 25. Geburtstag noch mal von dieser Stelle! – nein, auch, weil der teuerste Einkauf der 124 Jahre alten Vereinsgeschichte immer so zurückhaltend und scheinbar schüchtern antwortet.

Grund für großes Selbstvertrauen hat der Angreifer in Hamburg nicht sammeln können. Allerdings glaubt er selbst daran, dass es jetzt besser wird. „Als ich hergekommen bin, hatte wir hier viele große Namen und viele ältere Spieler. Da war es nicht so leicht für mich als jungen und neuen Spieler.“ Das sei jetzt anders. „Ich bin nicht nur plötzlich der sechst- oder siebtälteste Spieler, sondern wir haben auch eine bessere Gemeinschaft, agieren als Team. Das hat es leicht gemacht, wieder reinzufinden.“

Nun muss ich zugeben, mich damals beim Kauf Bergs geärgert zu haben. Für mich war es der panische Aktionismus von Bruno Labbadia und vor allem Bernd Hoffmann, der sich damals die Bürde des Sportchefs quasi mitauferlegt hatte und mit allen Mitteln Erfolg haben wollte (musste). Und obwohl es bislang nicht wirklich viel Anlass gibt, meine Meinung über Bergs fußballerische Qualitäten zu ändern, ist es zumindest nur fair, ihm die gleiche Anlaufzeit wie allen anderen innerhalb dieses Umbruchs zu gewähren. Zumal er im Training vor dem Tor eiskalt ist und selbst über sich sagt, in der Leihsaison beim PSV Eindhoven seinen bislang größten Schritt nach vorn gemacht zu haben. „Es war hart, aber lehrreich, weil ich dort das erste Mal als einzige Spitze gespielt habe, nachdem ich immer einer von zwei Angreifern war – was ich auch lieber spiele. Ich habe gelernt, mich auf andere Situationen einzustellen, mich auch mit dem Rücken zum Tor zu behaupten. Trotzdem war es für mich immer klar, nach dem Jahr in Eindhoven zurück nach Hamburg zu gehen. Hier habe ich drei Jahre Vertrag, hier will ich was erreichen.“

Allerdings nicht um jeden Preis. Noch hat Berg leichte Probleme, weil seine Rückenmuskulatur noch nicht wieder vollständig hergestellt ist nach rund einem Monat Pause. „Ich fühle mich grundsätzlich gut, auch wenn ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Es wird sicher noch etwas dauern, aber ich mache mir keinen Stress.“ Über Teileinsätze in der Bundesliga oder auch Spiel für die Regionalliga-Mannschaft will Berg seine Wettkampffitness erreichen. Was sein Eindruck von der Mannschaft ist? Auch im vergleich zu der Mannschaft vor einem Jahr? „Wir sind jünger, haben Erfahrung verloren aber noch immer sehr viel Qualität. Es wird alles noch ein wenig dauern, aber wir haben das Potenzial.“ Sätze, die ich echt nicht mehr hören mag – von denen ich aber hoffe, dass sie sich irgendwann bewahrheiten. Und zum Glück legte Berg noch nach: „Wir haben dieses Jahr große Ziele. Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison. Das klingt nach dem viel kritisierten Start vielleicht etwas verrückt – aber dafür haben wir die Qualität. Und wir kommen als Team immer mehr zusammen. Schaffen wir eine Einheit, haben wir eine große Chance.“

Auch in München.

In diesem Sinne, lasst uns wachsen. Schnell.

Scholle (18.26 Uhr)

P.S.: Ein Wechsel von Änis Ben-Hatira zu Hertha BSC Berlin scheint immer wahrscheinlicher. Beim HSV aktuell nur Reservist, drängt der in Berlin aufgewachsene Offensivspieler jetzt offenbar selbst auf einen Wechsel in die Hauptstadt. Zumindest behauptet das Ex-HSV-Profi Tunay Torun: „Änis will zu uns, das hat er mir gesagt“, so Herthas Torschütze zum 1:1 am vergangenen Sonnabend. Rund zwei Millionen Euro beträgt der Marktwert Ben-Hatiras. Ein Betrag, den Hertha stemmen könnte, wenn sie ihren Angreifer Rob Friend loswerden. Und ich bin mir sicher, dass der HSV auf eine ebenso hohe Ablösesumme pochen wird, damit man selbst noch mal auf dem Transfermarkt reagieren kann.

P.P.S.: Das wiederum bringt mich zu einer häufiger gestellten Frage danach, warum der HSV für Wolfgang Hesl keine Ablösesumme verlangt hat. Ich glaube, dass dies aus zwei Gründen passiert ist. Zum einen, weil man dem 25-Jährigen Spielpraxis ermöglichen wollte, die er bei Oenning nicht bekommen hätte. Zudem, und das ist sicher deutlich entscheidender gewesen, soll es ein Missverständnis zwischen Arnesen und Oenning gegeben haben, das sie dem Spieler gegenüber auch eingeräumt haben. Demnach soll Arnesen bei seinen Überredungsversuchen, Hesl nach Hamburg zu locken, nicht gewusst haben, dass Oenning nicht wirklich mit dem damals an den SV Ried verliehenen Keeper plant. Sollte dem so gewesen sein, wäre es ein Gebot der Fairness, Hesl bei einem Wechsel keine Steine in den Weg zu legen. Und eine Ablösesumme von mehreren Hunderttausend bei einem Gesamtmarkwert von gerade 300000 Euro wäre in diesem Zusammenhang nicht nur ein Stein, sondern gleich ein ganzer Berg gewesen…

P.P.P.S.: Per Skjelbred ist wieder fit. Der Norweger, der gegen Hertha von beginn an auflief, obwohl Trainer Michael Oenning bei dem Norweger ein Formtief entdeckt hatte, trainierte heute voll mit und soll auch am Donnerstag, wenn um zehn Uhr an der Imtech-Arena Training ist, wieder dabei sein.

“Wir müssen endlich mutiger spielen”

16. August 2011

Den Satz musste er zumindest noch mal erklären. „Ich würde unseren Start nicht als misslungen bezeichnen“, hatte Trainer Michael Oenning in die Kameras gesprochen. Bei einem glücklichen Punkt aus zwei Spielen eine zumindest diskutable Aussage. „Ich will damit nur sagen, dass es niemandem etwas bringt, jetzt derartige Bewertungen abzugeben“, so der HSV-Trainer, der auch rückblickende Bewertungen ablehnt. „Saisonübergreifend zu bewerten halte ich für nicht sinnvoll“, so der Trainer, der es in seinen zehn Spielen als HSV-Trainer auf insgesamt neun Punkte bringt. Davon bislang einen in der neuen Saison. „Uns fehlten theoretisch nur drei Minuten für drei Punkte. Hätten wir die eingefahren, wären die Diskussionen nicht aufgekommen – und trotzdem hätten wir das Ergebnis intern sehr vorsichtig bewertet, weil wir das Zustandekommen als Maßstab nehmen. Nein, das alles kommt zu früh, weil wir wussten, dass wir Dinge erst noch entwickeln müssen. Und das kann bis tief in die Saison gehen.“

Okay, das war anzunehmen. Dennoch muss sich auch der HSV trotz seines zeitaufwendigen Umbruches dem Regelwerk stellen und Punkte einfahren. „Aus der Nummer kommen wir natürlich nicht raus. Wir wissen auch alle, dass wir Ergebnisse liefern müssen“, sagt Oenning. Vor dem Auswärtsspiel beim FC Bayern ein nicht gerade leichtes Vorhaben. Wie es dennoch funktionieren soll? „Die Partie in München wird wie in Dortmund. Wir müssen in erster Linie kompakt stehen.“ Zudem sieht Oenning das 2:1 aus dem „Liga-Total-Cup“ als Pluspunkt. „Es ist sicher ein Vorteil, dass wir schon gegen sie gespielt haben als sie fast komplett waren.“ Das gelte sowohl für die Vorbereitung auf den schier übermächtigen Gegner als auch fürs eigene Selbstvertrauen, so Oenning weiter.

Und genau da sollte der HSV(-Trainer) ansetzen. Wir hatten es hier schon in der vergangenen Woche breit diskutiert, dass sich der HSV nicht kleinreden sollte. Hinzufügen muss man sicherlich, dass das Gerede über viel Zeit, die für den Umbruch nötig ist, nicht nur förderlich ist. Es bietet der jungen Mannschaft ein Alibi, es verführt zudem zum Gedanken, dass man das aktuell Verpasste ja später nachholen könne, wenn es besser läuft. Die Gefahr dabei ist, dass der Moment aus den Augen verloren wird – und so unnötig viele Punkte liegengelassen werden. „Wir dürfen nicht denken, dass wir ewig Zeit bekommen“, warnt auch Marcell Jansen, der am Sonnabend in München Eljero Elia – und da nehme ich jede Wette an – auf links ersetzen wird. Und der redselige Linksfuß legte noch nach: „Wir müssen davon wegkommen, zu viel vom Umbruch zu sprechen und endlich Dinge umsetzen. Spiele wie gegen Hertha, das wir eigentlich nie hätten gewinnen dürfen, dürfen nicht mehr sein.“

Auch Jansen sieht die Bayern-Partie als große Chance. Zum einen, weil der HSV (das 0:6 unter Veh mal ausgenommen) in München immer recht gut aussah in den letzten Jahren. Und natürlich auch, weil es beim Rekordmeister kaum etwas zu verlieren gibt. „Gerade dann spielt man oft am besten“, so Jansen, „wir müssen da auch was mitnehmen. Wenn wir das Gefühl entwickeln, dass was geht und dass jeder dem anderen hilft, dann geht für uns was bei den Bayern.“

Zumindest theoretisch. Denn mehr ist das alles noch nicht. Auch wenn es praktisch heute im Training schon wieder gut aussah. „Richtig gut“ sogar, wie Oenning erkannt haben wollte. Allerdings, um eine hier bereits zitierte Aussage ein wenig zu korrigieren, dabei muss man stets auch bedenken, dass die HSV-Stürmer gegen die HSV-Abwehrspieler und andersrum gut aussehen. Als optimaler Maßstab dürfen Trainingsleistungen daher nicht genommen werden. Sehr wohl aber als Indiz für bessere Leistungen. So, wie es sich Oenning auch von Mladen Petric erhofft. Der Kroate hatte einen großen Teil der Vorbereitung verpasst und daher noch einen Trainingsrückstand, dem man ihm auf dem Platz ansah. „Er ist besser drauf, als wir erwarten konnten, hat sich gerade durch ein kleines Tal gekämpft“, bestätigt Oenning, „der kommt jetzt wieder und ist besser drauf als vorher.“

Muss er auch, denn ansonsten ist im Angriff nicht viel los. Son ist seit seinen 18 Vorbereitungstreffern in einem Formtief, Paolo Guerrero verletzt und Marcus Berg gerade erst wieder auf dem Weg, ins Team zu rutschen. „Marcus macht sich sehr gut“, hofft Oenning, „er trainiert gut, trifft und quält sich in jeder Einheit. Für Kurzeinsätze reicht das“, so der HSV-Trainer, der aber einen Einsatz von Beginn an bei dem Schweden ausschließt: „Er hat noch Rückstände in der Grundlagenausdauer.“ Die soll sich Berg via Spiele für die U23 in der Regionalliga holen, wo zuletzt auch Romeo Castelen mit Toren und straken Leistungen auf sich aufmerksam machen konnte. Ob der Niederländer für die rechte Mittelfeldseite schon eine Alternative sei? Oenning: „Romeo kommt. Aber wir müssen auch vorsichtig sein. Bei den Amateuren spielt er super, aber nach 60 Minuten hat er seine Probleme. Er hat jetzt so lange daraufhin gearbeitet, da werden wir jetzt nicht hektisch. Er kriegt seine Zeit und soll sich über Spielpraxis fitmachen.“ Ergo: noch geht es nur für die Regionalliga-Elf auf Torejagd.

Gestern hatte ich hier gefragt, wen Ihr Euch für den HSV als Verstärkung vorstellen könnt. Eine Frage, die wir heute auch Michael Oenning stellten. Der allerdings wich aus. Zwangsläufig. „Es ist nicht immer eine Frage des Willens, sondern, was können wir noch machen, was ist möglich“, so der HSV-Trainer. Und anstatt erneut darüber zu philosophieren, wer kommen und wer dafür gehen müsste, setzt Oenning auf das vorhandene Spielermaterial. „Wir haben uns personell ergänzt und kriegen die Wettbewerbsfähigkeit ganz sicher auf den Platz. Und auch wenn es sicher einfacher und wünschenswert wäre, wenn wir bereits jetzt eine funktionierende Achse hätten, müssen wir gerade da noch ein wenig suchen.“ In München sollen dafür Heiko Westermann und David Jarolim im zentralen Mittelfeld ab- und aufräumen.

Am wichtigsten aber ist für den HSV-Trainer, dass die Mannschaft Automatismen einstudiert. „Uns fehlt da einfach noch die Sicherheit. Wir müssen einmal mit einer Formation ein paar Spiele in Folge Dafür verzichtete der Sky-Experte auch auf eine Einladung für das Champions-League-Spiel der Bayern morgen gegen Zürich. Oenning: „Es gibt im Moment einfach wichtigere Aufgaben zu erledigen.“

Das stimmt sicherlich. Und während Schweizer Medien erneut davon berichten, dass der HSV in Person von Frank Arnesen um die Dienste des Toptalentes Xherdan Shaqiri wirbt, es dafür vom HSV allerdings keine Bestätigung gibt, wird Oenning die Woche nutzen, um gerade die fehlenden Automatismen einzustudieren. Wobei es mir vorerst schon reichen würde, wenn es bei Analysen nach Spielen nicht der erste Automatismus bei den Verantwortlichen ist, um Zeit und Geduld zu bitten. Das wissen inzwischen alle. Und das scheint inzwischen ja sogar schon den einen oder anderen Spieler zu nerven, wie das Beispiel Marcell Jansen zeigt…

Nein, auch wenn es vermessen wäre, gerade vor dem Spiel bei den Bayern den ersten Saisonsieg einzufordern, sollte eine Entwicklung der Mannschaft erkennbar werden. Die Mannschaft sollte eine eigene Wahrnehmung entwickeln, die nach sich zieht, Spiele wie gegen Hertha und demnächst auch Köln zuhause gewinnen zu müssen. Denn das darf beim vorhandenen Potenzial sehr wohl der Anspruch sein. Auch jetzt schon.

In diesem Sinne, ich halte es mal so, wie es Jansen sieht: „Auch wenn Geduld immer wichtig sein wird – langsam dürfen wir mutiger spielen.“

Scholle (18.15 Uhr)

P.S.: Heute tauchte an der Imtech-Arena tauchte ein Spieler auf, den nur die größten Experten auf den ersten Blick erkannten. Sven Neuhaus, ehemaliger Stammkeeper bei Greuther Fürth und dem FC Augsburg in der Zweiten Bundesliga und zuletzt bei Red Bull Leipzig in der Regionalliga aktiv, wird von den Verantwortlichen der Hamburger getestet. Neuhaus ist derzeit vereinslos, sein Vertrag in Leipzig wurde zur neuen Spielzeit nicht verlängert. „Wir testen ihn eine Woche und fällen anschließend gemeinsam eine Entscheidung“, so Oenning, der im gleichen Atemzug betont, dass der HSV unabhängig von Neuhaus weiter auf der Suche nach einem jungen, deutschen Torwarttalent sei.

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