Monatsarchiv für August 2011

Elia geht – kommen noch zwei Neue für Oenning?

28. August 2011

Die Diskussion ist in vollem Gange -. Und das erscheint auch nur logisch. Öffentlich wie beim heutigen Sport1-Doppelpass wie auch hier im Blog, wird beim HSV die aktuelle Misere hinterfragt. Die einen kommen zu dem Schluss, die Mannschaft würde nicht alles geben. Andere, wie Ex-Profi Thomas Strunz im „Doppelpass“ denken, es liegt an der Kaderzusammensetzung und der schwachen Wirkung Oennings auf die Mannschaft. Und wieder andere schieben die Schuld allein auf den Trainer. Wie einige Fans, die nach Schlusspfiff „Oenning raus“ skandierten. Forderungen, die beim HSV allerdings verebben, weil sich der Vorstand weiterhin eindeutig und schützend vor seinen Übungsleiter stellt. „Damit gehen wir sehr offensiv um und werden von unserer Seite darüber gar keine Diskussion führen! Es ist jetzt nicht die Frage des Trainers, es ist jetzt die Frage der Analyse dieses Spiels und der Spiele vorher. Da haben wir zwei Wochen Zeit – und die werden wir nutzen.“ Es ändere auch der Tabellen- und Punktestand nichts an dieser Haltung: „Die Spieler sind ja überwiegend sehr junge Spieler, die noch nicht das Selbstvertrauen gewinnen konnten, was man einfach braucht, um so ein Spiel über die Runden bringen zu können. Da fehlen einfach noch die Erfolgserlebnisse.“

Eine allemal diskutable Sicht der Dinge, wie ich finde. Denn erfahrene Profis wie Drobny, Westermann, Aogo, Jansen, Jarolim, Petric und dazu noch Diekmeier standen in der Startelf, später kamen noch Elia und Guerrero – und das soll nicht ausreichend Erfahrung sein, um ein Bundesliga-Spiel über die Runden zu bringen? Gegen Köln? Das darf nicht stimmen. Denn wie sollte sich das ändern? Im nächsten Spiel, dem brisanten Nordderby bei Werder Bremen? Okay, die Ansprüche an diesen und von diesem HSV sind (noch) nicht allzu hoch.
Sind sie vielleicht sogar zu niedrig?
Denn, keine Frage: der HSV hat gegen Köln sein bislang bestes Spiel gezeigt und sich ob (mindestens) zweier dummer individueller Fehler um den Lohn seiner Arbeit gebracht. In allen Statistiken war der HSV besser. 58 Prozent Ballbesitz, 16 zu 7 Torschüsse und sogar 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dennoch, im Gegensatz zu den HSV-Granden verwende ich extra nicht „wieder“ um den Lohn gebracht, denn bislang hatte der HSV in Dortmund, gegen Hertha und in München durch seine Spielweise nicht mehr verdient. Die Mannschaft, in der Neuzugang Rajkovic ein gutes Spiel machte und zusammen mit Westermann (85 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Top-Wert der Partie) die Abwehrmitte gut dicht bekam. Da zudem Tesche und Jarolim das Mittelfeldzentrum im Griff hatten, schien das Hauptproblem der letzten Wochen eigentlich behoben. Und trotzdem gab es vier Gegentore. Nummer elf bis 14 im gerade mal vierten Bundesligaspiel, was die utopische Summe von 119 Gegentoren auf 34 Spieltage ergeben würde.

Und das wird nicht passieren. Auch, weil ich glaube und hoffe, dass Arnesen die Zeichen der Zeit deutlich wahrnimmt. Denn neben der Rückendeckung für Oenning gab es nach dem 3:4 gegen Köln noch eine klare Nachricht: Dass der HSV noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird. In beide Richtungen. So sagte es Arnesen gestern und so bestätigte es der HSV-Sportchef auch heute. „Wir werden bis Mittwoch noch etwas machen“, so Arnesen, der offensichtlich auf den Verkauf vom gestern wieder unauffälligen Eljero Elia hofft. „Wir hatten gute Gespräche vor drei Wochen, wo Eljero klar gesagt hat, dass er bleiben will. Aber in den vergangene zwei Wochen hat sich einiges geändert. Die Tür ist jetzt offen. In diesem Moment gibt es aber kein konkretes Angebot, aber das kann sich bis Mittwoch noch ändern.“ Dem Vernehmen nach ist Juve der ernsthafteste Kandidat, aber auch Klubs aus Spanien und England (Arsenal) sowie Galatasaray Istanbul sollen interessiert sein. Arnesen: „Bislang haben wir kein konkretes Angebot vorliegen.“ Auch dass es ein Tauschgeschäft mit Amauri geben könnte, wie im Internet (auch hier im Blog) spekuliert wurde, schloss der HSV heute aus.
Geht es nach Oenning, soll ein offensiver Kreativspieler für das Mittelfeld kommen. „Es ist kein Geheimnis, dass uns eine solche Personalie sehr gut helfen würde“, so der HSV-Trainer, der sich vielleicht sogar auf zwei neue freuen darf. „Ich habe einige Spieler auf dem Zettel. Je nachdem, wie unsere Möglichkeiten sind, werden wir reagieren“, so Arnesen, der auf eine guten Preis für Elia und die späte Abgabe (und damit Gehaltseinsparung) bei Demel hofft. Denn, das hatte Jarchow nach dem Spiel klar gesagt: „Wir haben keine finanziellen Reserven.“

Klargestellt hat gestern Oenning – auch wenn er bei der Frage nach einem Torwartwechsel lange zögerte -, dass Drobny trotz seines erneuten Patzer die Nummer eins bleibt. „Jaro weiß, dass es ein Fehler war. Aber er ist erfahren und Sportsmann genug, um damit umzugehen.“ Heute trainierte der Tscheche im Kabinentrakt, anstatt mit der ersten Mannschaft. „Es tut sehr weh. Ich habe einen Fehler gemacht und fühle mich scheiße. Ich muss besser werden. Was soll ich sonst sagen?“

Nichts. Zumindest fiele auch mir im Moment nichts Sinnvolles ein. Vielleicht helfen dem ebenso sympathischen wie derzeit glücklosen Torwart die Tage bei der tschechischen Nationalelf, zu der er morgen abreist. Ich hoffe es. Für ihn. Für den HSV. Und für uns. Ebenso wie ich darauf hoffe, dass sich der HSV noch mal sinnvoll verstärkt und die zwei Wochen Pause nutzt, um sich der einen oder anderen Baustelle zu befreien. Es muss tatsächlich alles hinterfragt werden, bis am Mittwoch das Transferfenster bis zum Januar schließt.

Ein guter Anfang: Der zunächst frei gegebene Dienstag wurde gestrichen.

In diesem Sinne,
bis morgen,
Scholle (17.34 Uhr)

Zum Schluss noch mal die Zitate direkt nach Schlusspfiff, gesammelt von meinem Kollegen Alexander Berthold:

Dennis Diekmeier: „Ich bin stinksauer. Wir waren aggressiv, klar besser und kriegen solche beschissenen Tore. Ich kann es nicht fassen.“

Per Skjelbred:
„Das ist jetzt eine ganz harte Situation, aus der wir nur als Team herauskommen. Es geht nicht allein um Drobny. Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir zusammenhalten. Unglaublich: Wir schießen zuhause drei Tore und stehen ohne Punkte da…“

Heiko Westermann: „Wir haben heute vieles richtig gemacht. Wir wären der verdiente Sieger gewesen. Speziell die letzten beiden Gegentore dürfen einfach nicht fallen. Obwohl wir vier Gegentore bekommen haben, kann man nicht sagen, dass wir schlecht gestanden haben. Wir waren stabil. Nach dem Rückstand sind wir wieder aufgestanden.“
„Wir müssen nicht über Drobny reden. Wenn man zuhause drei Treffer erzielt, muss man das Spiel gewinnen. Köln schießt in 90 Minuten vier Mal aufs Tore und alle Bälle sind drin.“
„Wir müssen uns der Situation stellen und die sieht so aus: Ein Punkt aus vier Spielen. Es wird jetzt unruhig werden, aber da müssen wir Spieler jetzt durch. Es geht jetzt darum, dass wir Punkte sammeln und nicht über Abstiegskampf zu sprechen. Wir werden gegen Bremen mit der gleichen Leidenschaft auftreten. Dann werden wir nicht als Verlierer vom Platz gehen.“
„Mit Rajkovic hat es für das erste Mal richtig gut geklappt. Er spricht viel und ich unterstütze ihn dabei. Slobodan hat einen richtig guten Job gemacht.“

Frank Arnesen:
„Wir haben das beste HSV-Spiel dieser Saison gesehen. Wir hatten heute in einem Spiel mehr Torchancen als in den drei Partien zuvor. Aber so ist Fußball: Auch solche Spiele kann man verlieren. Wir haben guten Fußball gespielt, leider waren wir in der Defensive nicht so gut. Drei Treffer nach Standardsituationen muss man seriös (ich denke, er meint ernst nehmen) nehmen. Wir müssen das jetzt trainieren und darüber sprechen. 14 Gegentore sind einfach zu viel in dieser Saison.“
„Ich versuche sowohl die positiven als auch die negativen Dinge zu sehen. Und ich sehe sehr viele positive Dinge. Wir haben wenig zugelassen.“
„Es ist ja nicht so, dass ich jetzt ‚Hurra, Hurra‘ schreie und wir müssen jetzt genau überlegen, was wir machen. Niemand kann sagen, dass wir nicht gekämpft haben oder schlecht Fußball gespielt haben. Wir sind alle enttäuscht, dass wir nur einen Zähler nach vier Spielen haben. Aber noch mal: Ich habe eine Verbesserung im Vergleich zu den letzten Spielen gesehen. Ja klar, ich stehe zu Oenning.“
„Wir haben kein Torwartproblem. Keine Frage, Drobny hat unglücklich ausgesehen. Wenn ein Torhüter einen Fehler macht, ist es nun einmal gleich ein Tor. Wenn ein Stürmer eine Chance vergibt, kommt einfach die nächste Gelegenheit. Er hat in der Vorbereitung und auch gegen Hertha bis zu seinem Fehler sehr gut gehalten. Ich will ihn in Schutz nehmen.“

3:4 gegen Köln – eine bittere Niederlage, die Fragen aufwirft

27. August 2011

Von der ersten Minute zeigen, wer Herr im Haus ist. Das war die Maßgabe vor dem Spiel. Ausgegeben vom kritisierten Trainer Michael Oenning – und von seinen Spielern. Da gab es keinen, der etwas anderes sagte. Jarolim hatte Offensivfußball gefordert, Dennis Diekmeier ein Feuerwerk und Kapitän Heiko Westermann hatte davon gesprochen, dass es ein richtungweisendes Spiel wird, in dem man den Kölnern keine Luft zum Atmen lasen dürfe.

Und genau so begann das Spiel auch. Der HSV übernahm vor 51289 Zuschauern die Initiative, war aggressiv und. Im Mittelfeld gewann der überraschend ins Team gerutschte Robert Tesche die Zweikämpfe ebenso wie Jarolim, davor wirkte Skjelbred sehr aktiv. Gleich in der ersten Minute hatte Mladen Petric plötzlich und überraschend frei Bahn, nachdem ein Kölner Abwehrspieler den Ball unter dem Fuß durchrutschen ließ. Und hätte Petric nicht den einen kurzen Moment gezögert, es hätte die Blitzführung sein können. Aber so dauerte es bis zur achten Minute, ehe der HSV erneut gefährlich vor das Kölner Tor kam. Allerdings das dann gewaltig, mit einem strammen Schuss des Kapitäns Heiko Westermann aus rund 30 Metern – FC-Keeper Varvodic konnte nur zur Ecke klären. Keine 60 Sekunden später war es wieder Westermann, der einen Freistoß von Dennis Aogo an die Latte köpfte. Chancen im Minutentakt – ein Tempo, das belohnt wurde. Wenn auch etwas fraglich, denn das Foulspiel Geromels an Aogo wertete Schiedsrichter Meyer als fair und ließ weiterspielen. Allerdings nur, bis er die Fahne seines Assistenten Osmers sah, der ein Foulspiel erkannt haben wollte. Eine mehr als fragliche Entscheidung. Aber, wie hatten wir es gestern schon gesagt: Drei Punkte müssen her, egal wie. Und genau nach dem Motto erledigte Mladen Petric seine Aufgabe und verwandelte den Elfer sicher flach links unten zum 1:0.

Eine verdiente Führung für die fleißigeren, willigen Hamburger gegen spielerisch allemal gute Kölner, die sich ihrerseits nicht versteckten. Im Gegenteil, es war ein munteres, ein teilweise sogar richtig gutes Spiel des 17. Gegen den 18. der Tabelle. Die Kölner wussten insbesondere über ihre rechte Seite zu gefallen, wo der ehemalige Hamburger Miso Brecko und Adil Chihi das eine oder andere Mal die HSV-Linken Dennis Aogo und Marcell Jansen überlaufen konnten und beim HSV eine Schwachstelle offenlegten.

Dennoch fiel das Tor durch eine starke Aktion über die andere Seite. Slawomir Peszko überlief den starken aber hier chancen- und schuldlosen Westermann, setzte sich bis zur Torauslinie durch und legte quer au Chihi, der nur noch einzuschieben brauchten – das 1:1 (20.). Bis auf einen Schuss von Son (27.) und eine schöne Aktion Jansen, der sich per Hacke gegen Lanig durchsetzte und drüber schoss, war es das in der ersten Hälfte. Bis auf Son, der nicht ins Spiel finden wollte und die Defensivarbeit auf der linken Seite gab es tatsächlich nichts auszusetzen in einem dem Tabellenstand entsprechend überraschend guten Spiel, in dem sich auch Slobodan Rajkovic schnell eingefunden zu haben schien. Der Serbe schmiss sich in die Bälle und ließ seinen Ankündigungen („Ich gebe immer 100 Prozent“) auf rustikale, kompromisslose Art Taten folgen.

Und während ich mich auf der Tribüne noch darüber wunderte, dass Kölns Trainer Solbakken den bis dahin starken Kölner Peszko für Lukas Podolski vom Platz genommen hatte, bewies Letztgenannter in der 48. Minute die Sinnhaftigkeit seiner Einwechslung. Nach einer verpatzten Abseitsfalle war Podolski links durch und konnte ungehindert in die Mitte passen, wo Milivoje Novakovic am zweiten Pfosten ungehindert einschieben konnte. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob Drobny nicht besser hätte antizipieren können. Oder zumindest schneller reagieren können. Ich meine ja.

Der HSV lag plötzlich zurück und ich fragte mich, warum Oenning nicht sofort personell reagierte. Statt weiter mit einer Spitze (Petric) und dahinter mit Skjelbred zu agieren, hätte ich Paolo Guerrero als zweite Spitze erwartet. Zudem bewarb sich Son bis zu diesem Zeitpunkt seit nunmehr 55 Minuten um seine Auswechslung, während sich mit Töre und Elia eine Menge Potenzial nur am Rand warmlaufen durfte.

Aber, schöner irren kann man sich nicht. Nach einem Freistoß von Aogo aus halbrechter Position schraubte sich ausgerechnet der Südkoreaner am höchsten, köpfte an den Pfosten und den Abpraller machte – welch ein Geschenk zum Debüt – Rajkovic rein. Das 2:2. Aber damit nicht genug. Nach einem starken Pass des bärenstarken Tesche nimmt Son den Ball geschickt runter, umkurvt Andrezinho und schiebt dann auch noch perfekt ins lange Eck ein. Ein wunderschöner Treffer! Anschließend traf Westermann per Kopf sogar zum 4:2 – wobei Assistent Bornhorst hier zurecht auf Abseits entschied.

In der 73. kam Eljero Elia für Son, der unglücklich umgeknickt war und verletzt raus musste. Dem guten Spiel tat das kein Abbruch, denn in der 76. Minute erkämpfte sich der sehr agile Petric an der Mittellinie den Ball, Jarolim schleppte ihn gen Köln-Tor und bediente den mitgelaufenen Skjelbred, der mit links aus 18 Metern einfach mal draufhielt und FC-Keeper Vardovic keine Chance ließ – allein die Latte verhinderte das nächste Traumtor!

Und dann das. Eine gar nicht besonders gut getretene Ecke kommt acht meter vor dem Tor flach bei dem völlig ungedeckten (Raumdeckung? Was machte Skjelbred in dieser Szene??) Clemens (Skjelbred orientierte sich zu Podolski, der frei am Sechzehner stand) freian, der den Ball ebenfalls nicht besonders gut trifft – allerdings schlägt der Ball trotzdem ein. Das 3:3. Und damit der bereits 13. Gegentreffer im vierten Spiel, der die bekannte Problemzone des HSV verdeutlicht.

Zumal es noch schlimmer kam. Einen harmlosen Flankenball will Drobny kurz vor dem Elfmeterpunkt rausfausten und kann sich (gegen den eigenen Mann, Tesche) nicht ausreichend durchsetzen. Der dadurch viel zu kurze Faustabwehr fällt dem gerade erst eingewechselten Kevin McKenna direkt vor die Füße – ein Geschenk, das der Kölner annimmt und zum 4:3 für die Rheinländer einschiebt. Ein Schock, von dem sich die Mannschaft nicht mehr erholte. Es blieb beim 3:4.

Ein Ergebnis, das Fragen aufwerfen wird. Auch personelle. Und eines, das im allerhöchsten Maße alarmieren sollte. Denn was stehen bleibt ist ein Punkt aus vier Spielen. Und das ist ohne jeden Zweifel zu wenig, will man nicht absteigen.

In diesem Sinne, ich muss mich erstmal beruhigen. Denn, ganz ehrlich: diese Niederlage tut weh. Richtig weh sogar. Und sie macht mir Angst.

Bis morgen,

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:
Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Jarolim, Tesche – Son (75.Elia), Skjelbred, Jansen – Petric (81.Guerrero)
1. FC Köln: Varvodic – Brecko, Sereno, Geromel, Andezinho (68.Clemens) – Peszko (46.Podolski), Lanig – Riether, Chihi – Jajalo (85.McKenna), Novakovic

Tore: 1:0 Petric (FE., 11.), 1:1 Chihi (21.), 1:2 Novakovic (48.), 2:2 Rajkovic (59.), 3:2 Son (62.), 3:3 Clemens (84.), 3:4 McKenna (88.)

Zuschauer: 51.289

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Gelbe Karten:
Aogo / Brecko, Novakovic, Riether

Egal wie, der erste Dreier muss her!! ***Arsenal will Elia**

26. August 2011

****Eljrro Elia soll in den nächsten Tagen ein Angebot vom FC Arsenal London erhalten. Der Champions-League-Teilnehmer hatte in den letzten Wochen durch Verkäufe seiner Stammkräfte auf sich aufmerksam gemacht. Beim HSV ist bislang allerdings noch kein offizielles Angebot eingegangen. Es wird aber damit gerechnet*****

Heiß war es. Ohne Klimaanlage bei mehr als 30 Grad Außentemperatur im fünften Stock, da staunte selbst Dennis Diekmeier nicht schlecht. Allerdings, und das war dann auch der schnell gefundene Übergang, es soll ja auch heißhergehen. Oder besser: es muss endlich heißhergehen, wenn am morgigen Sonnabend der 1. FC Köln in Hamburg zu Gast ist. „Da gibt’s keine Ausreden, da muss von Beginn an gepowert werden“, sagt der Rechtsverteidiger. Es soll quasi der Saisonstart für den HSV erfolgen. Und für Diekmeier, für den es ein Déja vu sein dürfte, schließlich feierte er vor einem Dreivierteljahr ausgerechnet gegen den FC sein Comeback. Übrigens: Auch damals hatte der HSV direkt zuvor eine herbe Klatsche in München kassiert. Wie hoch, weiß ich nicht mehr.

Ich erwähne es zumindest bewusst nicht, weil ich es heute so halten will wie die Mannschaft. „Wir schauen nicht mehr zurück“, so Diekmeier, „weil wir wissen, dass wir es können. Wir haben in der Vorbereitung gezeigt, dass wir gut sind.“ Nein, das Spiel gegen Köln ist sehr wichtig, „auch wenn Diekmeier nicht von einem Endspielcharakter wissen will. Dennoch weiß auch Diekmeier, dass ein Sieg wichtiger denn je ist. Zum einen, um nicht zu früh hinterherzulaufen, zum anderen auch, um die kommenden zwei Wochen Länderspielpause auch mal wieder mit erfreulichen Themen begehen zu können und nicht weiter darüber diskutieren zu müssen, was alles nicht funktioniert. Geschweige denn eine Trainerdiskussion zu führen.

Von der will im Übrigen auch Oennings Musterschüler nichts wissen. Oder besser: Diekmeier blendet sie aus. „Weil sie mich auch nicht interessieren. Wir wissen alle, dass Michael Oenning ein guter Trainer ist. Und jetzt müssen wir als Mannschaft das zeigen.“ Mit einem Sieg gegen Köln. „Klar. Alle müssen wollen, auf dem Platz, auf der Bank – einfach alle. Und wir müssen gleich mit Volldampf ins Spiel kommen“, so Diekmeier, der dabei immer wieder die Hände zu Fäusten ballt, „wir müssen einfach viel, viel aggressiver sein als zuletzt.“

Klingt gut – muss allerdings auch endlich umgesetzt werden. Einer, der dabei helfen soll, ist Slobodan Rajkovic, der unmittelbar nach seiner Verpflichtung am Mittwoch nach drei Trainingseinheiten schon gegen Köln in der Startelf stehen wird. Neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung und Diekmeier rechts. Links soll sich Dennis Aogo mit guten Leistungen wieder für die Nationalelf empfehlen will, aus der ihn Bundestrainer Jogi Löw gerade strich. Womit ich ’nen kurzen Abstecher wage: Vor einiger Zeit wurde Kevin Kuranyi ausgeschlossen, weil er das Stadion frühzeitig verlassen hatte. Eine Maßnahme, die ich damals hart aber absolut vertretbar fand. Bis heute. Oder besser, bis zu Philipp Lahms Buch und der Entscheidung, ihn nicht nur weiter als Nationalspieler dabei zu haben – als Kapitän zudem. Welches Maß legt dieser DFB bitte an?

Aber egal, das nur am Rande. Entscheidend für unser Wohlbefinden ist der Weltklasse-Außenverteidiger sicher nicht, das obliegt eher dem HSV. Und der begann heute 40 Minuten später mit dem Abschlusstraining. Im Stadion. Und , weil die Frage hier vermehrt danach gestellt wurde, zum ersten Mal in dieser Woche mit einem Abschlussspiel über den ganzen Platz. Dachten wir. Allerdings wurden lediglich Spieleröffnungen geübt. Mit vielen Unterbrechungen und Ansagen Oennings. Dabei agierte die oben bereits erwähnte Viererkette in der vermeintlichen A-Elf. Die hatte zudem Jarolim und etwas überraschen – auch wenn er es gestern schon so spielen ließ – Robert Tesche defensiv im Mittelfeld, Son auf rechts, Skjelbred zentral und Jansen links, während Petric als einzige Spitze agierte. Vier Änderungen gegenüber dem Bayern-Spiel, und die fünfte unterschiedliche Startaufstellung im fünften Spiel.

Rincon raus, Elia raus, Bruma und Töre raus – dazu Guerrero nicht dabei – das Gute an dieser Auflistung: Oenning hat so für alle Bereiche echte Verstärkungen auf der Bank. Und die wird er brauchen, sollte der HSV wie heute und in den letzten Tagen im Training bereits angedeutet, ein sehr laufintensives Pressing spielen wollen, das er auch heute üben ließ. Das und Standards. Wobei mit Guerrero und Kacar bei der B-Elf (nach Ecken von Castelen und Töre) sowie nach dem Seitenwechsel Westermann für die A-Elf (nach Ecke Jarolim) trafen. Die anschließenden Freistöße aus halblinker Position trat Aogo. Und von halbrechts – auch. Ohne, dass dabei Tore fielen.

„Wir haben im Training sehr viel Selbstvertrauen tanken können“, erzählte uns Diekmeier heute. auch Skjelbred sieht Fortschritte. Bei sich. „Ich bin jetzt zweieinhalb Wochen hier und habe meine Kollegen alle kennenlernen können. Es ist wichtig, dass man sich zu 100 Prozent auf dem Platz versteht“, so der Norweger vor dem Duell gegen seinen Landsmann Stale Solbakken, den er früher zunächst als Gegenspieler, dann als gegnerischen Trainer miterlebte. „Solbakken ist in Norwegen einer der größten Trainer des Landes.“ Aber all das sei unwichtig, so Skjelbred, „denn wir müssen zusehen, dass wir usnere Trainingsleistungen auf den Platz bringen.“

Mit Mladen Petric, der in Hamburg ein ähnlich hohes Ansehen genießt wie Solbakken in Norwegen. Sagt zumindest Diekmeier. „Über Mladens Wichtigkeit brauchen wir ja wohl nicht zu reden“, so der Rechtsverteidiger, „schon mal gar nicht in Hamburg.“ Auch nicht in Köln. Denn der FC durfte im März in der Imtech-Atena gleich drei Gegentreffer des Kroaten bestaunen. „Er ist sehr wichtig für die Mannschaft,“, ergänt Skjelbred, „jede Mannschaft braucht einen echten Goalgetter.“ Auch deshalb wird Petric auch diesmal von Beginn an spielen, wissend, dass er mit Guerrero und Berg zwei Spieler im Nacken hat, die die vielleicht Besten in dieser Trainingswoche waren.

Nach 40 Minuten Training war heute übrigens Schluss. „Fünf Minuten frei“, rief Oenning, der sich zuvor schon Westermann und Bruma und anschließend Jarolim zum Sechs- bzw. Vier-Augengespräch bat und zusammen mit der Mannschaft um 17.34 Uhr den Platz verließ. Und das mit dem besten Vorhaben gegen Köln. Und wie heißt es so schön, „manchmal ist weniger eben mehr“. Auch hier im Blog.

In diesem Sinne, bis zum ersten Dreier der Saison – wollte ich eigentlich so schreiben. Aber stattdessen tippe ich heute mal auf ein 0:1. Und bevor hier wieder meine Freunde anfangen, mich zu beschimpfen: ich mache das nur, weil ich in den drei bisherigen Spielen immer auf Sieg getippt habe und damit falsch lag. Vielleicht bringt so ein Tipp ja Glück. Einen Versuch ist es allemal wert.

Bis morgen!

Scholle
(18.07 Uhr)


So könnten sie spielen:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Jarolim, Tesche – Son, Skjelbred, Jansen – Petric.
Zudem im Kader: Mickel, Bruma, Rincon, Kacar, Töre, Elia, Berg, Guerrero.

Und während aus dem vorläufig 19 Mann umfassenden Aufgebot bis zum Spiel noch einer gestrichen werden muss, ist Romeo Castelen überraschenderweise gar nicht erst im Kader.

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