Tagesarchiv für den 29. August 2011

Warten auf DAS Angebot – und auf den nächsten Neuen

29. August 2011

Dieser Blog kommt spät. Entschuldigt bitte! Aber es ist erklärbar. Denn, so hatte ich gestern gehört, heute sollte eigentlich ein erster Transfer verkündet werden. Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen, darauf habe ich bis jetzt gewartet. Es sollte einer werden, „der Dich zwar nicht vom Hocker hauen wird, der aber durchaus sinnvoll ist“, so die Ankündigung. Wobei mich das nicht verwunderte – also das mit dem „nicht-vom-Hocker-hauen“. Denn auch mir war klar, dass für spektakuläre, sprich für arrivierte Verstärkungen zunächst ein Spieler verkauft werden muss. Vorzugsweise, so hatten es die HSV-Oberen ja wiederholt formuliert, Eljero Elia.

Und bei dem war gestern Highlife in Tüten. Gerade zur niederländischen Nationalelf abgereist, hatte der Außenstürmer einen Termin nach dem anderen. Oder besser: sein Berater. Galatasaray, Arsenal London, Juventus Turin – um nur die bekanntesten Namen zu nennen, hatten sich bei Elia angekündigt. Eine Entscheidung war allerdings auch bis Ende dieses Blogs noch nicht gefällt.

Im Gegenteil, stattdessen gab es ein Gerücht, dass Paolo Guerrero ein Angebot vom FC Genua vorliegen haben soll. Vom HSV wollte das jedoch keiner bestätigen, im Gegenteil. Ein Wechsel des Peruaners gilt als ausgeschlossen. Schon allein, weil der HSV niemals Elia und Guerrero abgibt. Und als sicher gilt: Elia geht.

Unklar ist allerdings weiterhin, wer dafür kommt. „Ich habe mehrere Namen auf dem Zettel“, hatte Sportchef Frank Arnesen nach dem Köln-Spiel angekündigt. Kein Wunder, denn in tagelangen Sitzungen hatten Oenning und Sportchef Frank Arnesen schon vor Wochen etliche Pläne für den Verkauf des damals bereits umworbenen Niederländers entworfen. Pläne, die in der Zwischenzeit sogar noch um die Namen Michael Ballack und Diego erweitert wurden, wobei der Leverkusener Ex-Nationalspieler als eher unwahrscheinlich, weil vom Trainer nicht gewollt, gilt. Diego würde taktisch besser in das eher offensiv ausgerichtete System Oennings passen – allerdings mag beim HSV niemand ein etwaiges Interesse bestätigen. Nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Deswegen belasse ich es auch dabei, erst dann Namen von potenziellen Zugängen zu vermelden, wenn sie zumindest ein wenig gestützt sind. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das wiederum gilt nicht für Jaroslav Drobny. Der hatte zuletzt wenig glückliche Aktionen, die ihm nicht nur hier im Blog massiv um die Ohren gehauen wurden und werden. Wobei sich für mich ganz klar eine Frage stellt: wie konnte man ernsthaft erwarten, dass der Tscheche gleich durchstartet, nachdem er in der vergangenen Saison nicht nur nahezu die gesamte Spielzeit über auf der Bank saß. Nein, wenn Drobny spielen durfte, gab es für ihn auch meistens noch auf die Augen. Sein einziges „Zu-null-Spiel“ hatte er beim 0:0 gegen Bayern München, wo er den verletzten Rost kurz vor der Halbzeit ersetzte. Seitdem kassierte er 29 Gegentreffer in elf Pflichtspielen. Nein, so etwas verkraftet kein Spieler, der es zuvor gewohnt war, als Stammspieler geführt zu werden. Und dann ist es auch egal, wie viel Größe demjenigen von Außenstehenden angedichtet wird.

Apropos Größe, die zeigt sich auch darin, auf Schadenfreude zu verzichten. Eben so, wie es Frank Rost macht, der ehemalige HSV-Keeper in Diensten Red Bull New Yorks. Der hatte schon nach dem ersten Patzer Jaroslav Drobnys Anfragen verschiedener Medien. Entgegen dem offensichtlichen Trend, als Ex-HSV-Profi zur Schelte auszuholen und seine Befürchtungen zu äußern, verzichtete Rost. Genau wie jetzt. „Ich will nicht zu denen gehören, die aus der Ecke kommen, wenn es nicht so läuft. Warum auch? Ich freue mich nicht über Fehler anderer und am allerwenigsten darüber, wenn der HSV verliert oder nur Probleme hat. Nein, das können andere machen.“ Klare Worte des Mannes, den sich in Hamburg nach Drobnys erneutem Patzer einige zurückwünschen, die ihn letzte Serie noch weggewünscht hatten.

Aber damit sollte es das auch sein. Ich kenne Frank als echten Sportsmann, der zweifellos seinen eigenen Kopf hat und den auch mannschaftsintern durchsetzt. Frank ist ehrlich. Nicht immer diplomatisch, aber eben dem Erfolg verschrieben. Deshalb zuckte er nicht eine Sekunde, als er in der vergangenen Serie darauf angesprochen wurde, wie er es an Drobnys Stelle sehen würde, dem bei seiner Verpflichtung mehr versprochen als letztlich eingehalten wurde. „Sportlich“, so seine Antwort damals. Eben so, wie er es in der Sommervorbereitung nahm, als er sich sportlich gegen den Neuen durchsetzte. Schon deshalb wäre Rost eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Aber okay, dass er sich sorgenvolle Gedanken macht ob der aktuellen Situation, das muss er nicht explizit sagen. Rost leidet mit. Das ist klar.

Ebenso – nein, deutlich mehr leidet Drobny. Der reiste heute nach etwas mehr als einem Jahr Länderspielpause wieder zur tschechischen Nationalmannschaft, wo er sich auf andere Gedanken bringen will. Das muss er auch. Nach seinen Fehlern steht der 31-Jährige vermehrt im Mittelpunkt der Kritik. Und wer ihn nicht auch außerhalb des Platzes erlebt, könnte meinen, da steht jemand komplett ohne Selbstvertrauen. Ich habe auch ehrlich gesagt das Gefühl, dass sich hier eine Schraube in die falsche Richtung dreht. Leider. Denn sie dreht sich nach unten, nahezu egal was Drobny macht. Und noch mehr, wenn er es so macht, wie er es im Moment macht. Drobny steht in einer Bringschuld, die sich auch daraus begründet, dass er sich letzte Serie nicht gegen Rost durchsetzen konnte und jetzt erst beweisen muss, dass er den Routinier gleichwertig ersetzen kann. „Jeder, der Fehler macht, gerät in den Fokus der Öffentlichkeit weiß Trainer Michael Oenning aus eigener sehr aktueller Erfahrung zu berichten. Umso lobenswerter, dass sich Rost jeden Kommentar verkneift. Motivation hätte er genug, nachdem er von der damaligen HSV-Führung entgegen eigener Wünsche zum Aufhören bewegt wurde. „Ich trete nicht nach“, sagt Rost.

Nicht nachtreten, dafür nachlegen würde ich gern. Und das werde ich auch, sobald sich transfertechnisch etwas tut. Dann melde ich mich noch mal.

Ansonsten bis morgen. Dann sprechen wir mit Michael Oenning, dem heute schon eine Schonfrist von nur noch zwei Spielen angedichtet wurde. Ich bin gespannt, wie der Cheftrainer selbst seine Situation einschätzt. Vielleicht das dann ja schon vor dem Hintergrund einer oder gar zwei neuer Personalien.

In diesem Sinne, bis bald!

Scholle