Tagesarchiv für den 25. August 2011

Oenning kämpferisch – und Rajkovic in der Startelf?

25. August 2011

Ein neuer Tag. Und was für einer. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen weit über 20 Grad. Es herrschte allseits gute Stimmung. Vor allem bei Romeo Castelen. Verständlicherweise, denn der Niederländer steht unmittelbar vor ins Team. Und das, nachdem er zweieinhalb Jahre verletzungsbedingt pausieren musste. Gegen Bayern rutschte er für den grippekranken Mladen Petric in den Kader, gegen Köln ist er leistungsbedingt dabei. „Romeo hat zuletzt bei den Amateuren gespielt – und das sehr gut“, lobt Trainer Michael Oenning, „es ist sehr erfreulich, dass er wieder so hergestellt ist, dass er in der Lage wäre, Bundesliga-Fußball anzubieten.“ Ob Castelen schon für die erste Elf eine Alternative ist? „Das kann ich heute noch nicht sagen“, so Oenning, „wir müssen jetzt auch vorsichtig sein. Wir haben jetzt so lange gewartet – da schaffen wir das auch noch.“

Zumal Romeo selbst ruhig ist. Trotz der langen Wartezeit ist der Niederländer völlig unaufgeregt. „Es stimmt, mit mir ist viel passiert. Ich hatte immer wieder Rückschläge“, resümiert er, „aber ich bin schon froh, endlich mal über andere Dinge sprechen zu können. Zum Beispiel über Fußball.“ Wann er glaubt, wieder Bundesliga-Fußball zu spielen? „Wann immer der Trainer mich braucht. Ich wäre bereit, habe viel trainiert und keine Angst mehr.“ Ob er sich noch an seinen letztes Bundesligaspiel in der Imtech-Arena erinnert? Castelen ehrlich: „Nein, wirklich nicht.“ Wobei das verständlich ist, immerhin liegt dieses Spiel vier Jahre zurück. Im Dezember 2007 wurde der pfeilschnelle Rechtsaußen für Piotr Trochowski in der 65. Minute beim 0:0 gegen Cottbus eingewechselt. „Schon, um wie immer positiv zu bleiben, gucke ich gar nicht mehr so weit zurück.“

Einen kurzen Rückblick wagte dagegen Trainer Michael Oenning, angesprochen auf den Klose-Versprecher. Zuerst wollte er ihn nicht kommentieren, sagte dann aber doch: „Solche Dinge erreichen mich natürlich. Das ist aber nicht wichtig.“ Schlimmer sei, dass es überhaupt Indiskretionen gab. „Das ist an sich eine Katastrophe. Allerdings weiß man auch nie, wie so etwas zustande kommt. Vielleicht hat ein Spieler das nur seinem Berater erzählt und der hat es weitergegeben.“ Ob er sich von der Mannschaft hintergangen fühlte, wollte ein Kollege wissen. Oennings kurze, klare Antwort: „Nein.“

Es war wie erwartet. Oenning hatte eine schlüssige Erklärung für seinen Versprecher. Ich habe heute mit ihm persönlich gesprochen, um noch einmal die eine oder andere Frage persönlich zu stellen. Und wie in bislang jedem Gespräch blieb Oenning auch diesmal ruhig. Er wisse zwar, dass dieser Fauxpas ihm immer wieder von den Leuten vorgehalten würde, die ihm nichts Gutes wollen. Allerdings kann er das nicht ändern. Und das stimmt. Wer ihm Böses will, der bringt das immer wieder an. Deshalb belasse ich es ab jetzt dabei und richte meinen Blick auf Köln.

Mit Oenning. Und wahrscheinlich auch mit Rajkovic. Der wuchtige Innenverteidiger trainierte heute an der Seite von Heiko Westermann in der Viererkette. Und, um Euch eine Angst zu nehmen: nach Übergewicht, wie hier vereinzelt gepostet, sieht das bei dem 22-jährigen Musterathleten definitiv nicht aus. Im Gegenteil, der Serbe macht tatsächlich Eindruck. Wenn der auf Dich zuläuft, überlegst Du Dir zweimal, ob Du durch- oder doch lieber zurückziehst. Ob er von Beginn an spielen soll? „Wir haben uns mit Rajkovic verstärkt“, lobt Oenning, der einen guten ersten Eindruck von dem 191-Zentimeter-Mann hat, „aber jetzt müssen wir erst noch sehen, ob er auch schon 90 Minuten gehen kann.“

Und ganz ehrlich: Ich glaube, er spielt. Von Beginn an neben Westermann. Eine rustikale Abwehr mit frischem Blut, die ohne Schnörkel verteidigt. Wie gut das heute schon funktioniert, war allerdings nicht wirklich zu beurteilen, da als Abschlussspiel nur ein Turnier mit drei Siebenerteams auf etwas weniger als einem halben Platz gespielt wurde. Dabei fiel Rajkovic weder auf noch ab, was auch für Startplatzkandidaten Per Skjelbred oder auch Paolo Guerrero galt.

Beide wurden von Oenning zuvor ausdrücklich gelobt. Und beiden wurde ein Platz in der Startelf gegen Köln in Aussicht gestellt. „Per hatte ganz normale Anpassungsschwierigkeiten. Aber er spielt einen sehr sicheren Ball. Und ich glaube, er hat richtig gute Chancen zu spielen.“ Gleiches gilt für Guerrero, der nach seinem Muskelfaserriss aus dem Dortmund-Spiel früher zurückkommt als erwartet. „Er macht einen sehr guten Eindruck“, lobt Oenning, „er scheint seine gute Form von der Copa America stabilisiert zu haben.“

Ausfallen wird indes aller Voraussicht nach Michael Mancienne, der nach seinem grippalen Infekt heute noch nicht wieder mit der Mannschaft trainieren konnte. Oenning: „Michael wird es eher nicht schaffen, glaube ich.“

Womit sich für die Innenverteidigung nur die Frage stellt, ob Bruma oder Rajkovic neben Westermann spielt. Meine Meinung hatte ich eingangs schon geschrieben. Allerdings bin ich mir bei der Besetzung des Mittelfeldes noch ziemlich unsicher. „Wir haben ein sehr wichtiges Spiel vor uns“, mahnt Oenning, „das wir schnell in den Griff kriegen wollen. Dafür müssen wir aktiv sein.“ Und entsprechend kreativ, was beim Kampf um die Sechserposition neben Jarolim – der Tscheche soll seine Erfahrung und Ballsicherheit ausspielen – eher für Skjelbred statt Tesche oder Kacar spricht. Im Training war heute noch nicht genau zu erkennen, was Oennning plant. Der ließ Tesche, Skjelbred und Jarolim in einem Siebenerteam spielen. Allerdings verbrachten die beiden Letztgenannten die meiste Zeit im zentralen Mittelfeld.

Auch vorn wird es interessant, nachdem Guerrero wieder dabei ist. Und da Petric als gesetzt gilt, Guerrero ein derartiges Kompliment vom Trainer ausgesprochen bekam und in den wenigen Minuten gegen Dortmund für Oenning „der beste Mann in der Offensive“ war, glaube ich, dass Son rotieren muss. Entweder auf die vakante rechte Außenbahn – oder gar auf die Bank.

Dort könnte er auf den zuletzt formschwachen Eljero Elia treffen, bei dem sich die Vereinsführung intern entschlossen zu haben scheint, ihn bei einem passenden Angebot abzugeben. Das allerdings liegt dem Vernehmen nach bei mehr als zehn Millionen Euro. Zumal der Niederländer, an dem weiterhin Juventus Turin interessiert sein soll, für eben diesen Preis einst geholt wurde. Ob Oenning glaubt, dass bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch etwas passiert – in die eine wie ein die andere Richtung? „Mein Fokus ist ganz sicher auf Samstag und das Spiel gegen Köln gerichtet. Aber solange die Frist noch läuft, sollte man nichts ausschließen.“

Und um den Blog versöhnlich abzuschließen: Mein Gespräch heute mit Oenning war sehr konstruktiv. Ich hatte allerdings auch nichts anderes erwartet, denn bei allem, was man Oenning auch anlasten mag, er ist immer ein sehr ehrlicher Typ, der sich seiner Verantwortung stellt. Wie immer hat sich der Trainer um keine Antwort gedrückt, alles schlüssig erklären können und in keiner Weise den Eindruck vermittelt, resignieren zu wollen. Im Gegenteil. „Man muss sich da schon durchbeißen“, so der Trainer, der natürlich weiß, dass auch sein Können irgendwann ausschließlich an gewonnenen Punkten gemessen wird. Dennoch sagte er auch zu den Diskussionen um seine Position etwas, was irgendwie in die Situation passt: „Jeder darf schreiben, was er möchte. Und jeder darf lesen, was er möchte.“

In diesem Sinne, wir hören/lesen/sehen uns morgen wieder.

Scholle (19.22 Uhr)

P.S.: Training morgen ist um 16 Uhr.