Tagesarchiv für den 24. August 2011

Unwürdig?? Nein – das hier ist denkwürdig…. *ergänzt!!*

24. August 2011

*****Ergänzung: Bei meiner Aussage, Rajkovic sei ein “überzeugter Junggeselle” wollte ich REIN GAR NICHTS “andeuten”, sondern das wörtlich verstanden wissen. Danke!*****

Bitte, nicht falsch verstehen. Ich entschuldige mich hier NICHT, ich bin auch NICHT beleidigt, sondern versuche es mit einem nett gemeinten Hinweis.

Wenn ich der Meinung bin, dass ein Spieler nicht gut spielt, schreibe ich das. So geschehen bei Rajkovic im Training heute.

Zerrissen ist er damit nicht, auch nicht fertiggemacht. Ich habe ihm auch nichts abgesprochen. Im Gegenteil, es ist nur das heutige Training beschrieben. Dass mich ein Freund und bekannter Scout anruft und mit seinen Kenntnissen versorgt, hab ich Euch mitgeteilt. Ich hätte es auch lassen können, zumal kritische Worte zu den eigenen Spielern hier fast immer für Empörung sorgen. Da beschweren sich sogar die, die Spieler vorher als Versager, Nichtskönner oder mit noch deutlich niveauloseren Schimpftiraden überdecken. Und wenn ich hier eine Trainingsleistung kritisiere und anschließend die Hoffnung äußere, dass das noch besser wird, ist das sogar “Schmierenjournalismus” und ich werde zum (Springer-)”Henker” – sehr interessant…

Die Geschichte mit Oenning: Nicht ich gebe ihn zum Abschuss frei, wie auch? Zum einen will ich das gar nicht, aber entscheidend ist, dass ich das gar nicht kann. Dieser Blog ist seit Tagen und teilweise seit Wochen mit Beiträgen gefüllt, die Oenning jegliches Vertrauen absprechen. Und plötzlich beschwert Ihr Euch, weil ich ihn kritisiere nach einem solchen nachgewiesenen und von ihm selbst bestätigten Fauxpas?
DAS nenne ich scheinheilig. Mal wieder.

Ihr nennt den Blog unwürdig. Ich bin – wie jeder andere Journalist, der etwas schlechtes über den HSV berichtet – sogar der Hauptschuldige für die HSV-Krise. Nein, ich finde eher das, was jetzt passiert, denkwürdig. Keiner muss meine Meinung teilen, jeder darf sie kritisieren und seine Meinung mitteilen. Aber in dieser Form ist das keine kritische Auseinandersetzung mit dem HSV mehr.

Aber gut, entscheidend ist, dass man sich am Ende seiner Äußerungen selbst noch ernst nehmen kann.

In diesem Sinne,

bis morgen.

Scholle

Rajkovic stellt sich vor – noch etwas müde…

24. August 2011

Da isser nu. Der fünfte Chelski-(Reserve-)Spieler. Und er macht Eindruck. Zumindest optisch. Denn Slobodan Rajkovic misst stattliche 1,91 und bringt auch entsprechend Gewicht auf die Waage. „Er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, hatte Michael Oenning gesagt. Davon wiederum war heute nichts zu sehen. Weder sportlich im Training, wo der Serbe das eine oder andere Mal übel stehen gelassen wurde. Und das nicht nur von den antrittsschnellen Spielern. Selbst Kacar hatte leichtes Vorbeikommen. Aber gut, es ist ja auch erst das erste Training gewesen. Wie dem Rest der Mannschaft werde ich auch ihm ne gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen.

Und, auch wenn mich heute ein befreundeter Spielerscout anrief, der Rajkovic bewusst gescoutet hatte und dem HSV sehr wohlgesonnen ist, und tatsächlich nur wenig bis nichts Gutes über den neuen Innenverteidiger zu berichten wusste, werde ich mitnichten hier den Stab über Rajkovic brechen. Im Gegenteil, der Serbe machte einen sympathischen Eindruck, hat einen starken linken Fuß, spielt vielleicht etwas zu viele lange Bälle, die allerdings dafür ziemlich zielgenau. Zudem bleibt die Hoffnung, dass das heute nur ein holpriger Start war und der Innenverteidiger in den nächsten Einheiten die Müdigkeit aus den Beinen schüttelt, um dann die erhoffte Verstärkung zu werden.

Bis dahin sollte dann auch die Geschichte mit dem Spucken bei Olympia 2008 in Peking und der einjährigen Sperre für alle internationalen Spiele mit Serbien ad acta gelegt werden. Ich weiß, dass meine Kollegen vom Boulevard schon ob der jeweiligen Chef-Ansage gar nicht drumherumkommen, die Geschichte bis in die letzte Faser zu recherchieren. Aber für uns hier im Blog muss das nicht gelten. Wir sollten Rajkovic unabhängig von Vorgeschichten versuchen, möglichst objektiv zu beurteilen. Schon deshalb werde ich im Blog heute noch mal Rajkovics Sicht vom Vorfall darstellen und das Fass anschließend schließen. „Ich kann Euch in die Augen gucken und besten Gewissens sagen, dass die Fifa einen Fehler gemacht hat. Ich habe niemanden angespuckt. Es gab auch nie einen Beweis für meine Schuld, selbst auf Videos ist nichts zu sehen. Ich kann nicht für meine Kollegen von damals sprechen, vielleicht hat ja einer wirklich gespuckt. Aber ich war das nicht. Ich bin ein Spieler, der immer viel Respekt hat – das weiß auch jeder, der mich schon mal auf dem Platz gesehen hat.“

Was wir noch von dem Neuzugang auf dem Platz erwarten dürfen? „Ich spreche ungern über mich selbst“, so Rajkovic, „ich zeige lieber auf dem Platz, dass ich immer bis an die Schmerzgrenze gehe und 110 Prozent gebe.“ Ganz praktisch ist dabei, dass der in Belgrad geborene 22-Jährige Gegentore „hasst“, wie er sagt. „Ich werde dann immer richtig aggressiv.“ Weswegen ihn Chelsea nicht behalten wollte? „Wollten sie eigentlich“, Konter Rajkovic, „aber ich habe keine Arbeitserlaubnis bekommen.“ Dafür hätte er 75 Prozent der serbischen Länderspiele in den letzten zwei Jahren oder 60 Prozent der letzten 20 Länderspiele absolvieren müssen. „Aber zum einen hat die Sperre mir nicht weitergeholfen, mich zu integrieren.“ Zum anderen habe er in der Nationalmannschaft mit den internationalen Spielern wie Kolarov von ManCity, Vidic (ManU), dem ehemaligen HSV-Wunschspieler Ivanovic (Chelsea) und auch Subotic von Borussia Dortmund sehr starke Konkurrenz in der Verteidigung. Warum er sich bei Chelsea nicht durchgesetzt hat? Immerhin war er schon mit 16 Jahren als damaliges Jahrhunderttalent für den stolzen Preis von fünf Millionen Euro Ablöse zum Premier-League-Klub gewechselt. „Ich habe die hohe Ablöse damals auch als Druck empfunden und war vom Kopf her überhaupt noch nicht reif. Ich habe viele Dinge einfach nicht verstanden. Ich habe einfach den Kopf verloren und zu wenig nachgedacht.“ Das sei heute zum Glück ganz anders. „Ich bin tatsächlich ruhig geworden.“

Der bekennende Single, der im Stadtzentrum eine Wohnung sucht, wird in Hamburg die Nummer 23 erhalten. Womit auch den letzten Träumern, zu denen ich mich zähle, klar sein dürfte, dass sich ihr Wunsch nicht mehr erfüllen wird: Denn ansonsten hätte der HSV ganz sicher nicht Rafael van der Vaarts Trikotnummer neu verteilt… Ein Umstand, der Rajkovic erst im Nachhinein bewusst wurde. „Ich habe die Frage danach erwartet. Und meine Antwort ist eigentlich ganz unspektakulär: ich habe die Nummer 23 genommen, weil ich nächstes Jahr 23 werden.“ Und als wir ein paar Minuten später nach seinem Idol fragten, hatte er gleich die Antwort parat: „Michael Jordan.“ Hintergrund: der vielleicht beste Basketballspieler aller Zeiten trug in seiner aktiven Zeit immer die Nummer 23…

Humor hat Rajkovic offenbar. Freunde auch. Ob er schon vorher mal in Hamburg gewesen sei? „Ja, ich habe hier vor zwei, drei Jahren mit Freunden Freunde besucht, die noch immer hier leben und mir die Eingewöhnung sicher erleichtern werden.“ Zudem kennt er Gojko Kacar als Teamkollegen in der serbischen Nationalelf, die vier vor ihm nach Hamburg gewechselten Ex-Chelsea-Spieler aus gemeinsamen Vorbereitungen in England sowie Eljero Elia als ehemaligen Mannschaftskameraden bei Twente Enschede in der niederländischen Eredivisie. „Ich werde mich hier schnell eingewöhnen“, so Rajkovic sicher.

Sportlich soll das sogar schon am Sonnabend klappen. “Ich bin fit”, sagt Rajkovic selbst. Und auch von Trainerseite her besteht die Hoffnung, dass der Neue bis zum Kellerduell gegen den 1. FC Köln (Sa., 15.30 Uhr, Imtech-Arena) im Training so zu überzeugen weiß, dass man gar nicht mehr um ihn herumkommt.

Apropos Oenning. Was meine Kollegen von der „SportBild“ da herausgefunden und aufgeschrieben haben, hat mir die Sprache verschlagen. Ich war schon nach dem Hertha-Spiel irritiert, als Oenning davon sprach, dass Skjelbred schon in den Trainingseinheiten der Tage zuvor einen müden Eindruck gemacht hatte – denn Oenning ließ den Norweger trotzdem spielen. Ich war nicht weniger irritiert, als Oenning jetzt davon sprach, dass sich Aogo nach zehn Minuten gegen Bayern durch die gelbe Karte selbst aus dem Spiel genommen hatte – ohne dass er ihn aber ausgewechselt hatte. Der jetzt bekannt gewordene Freud’sche Fehler, womit Oenning die SportBild-Geschichte erklärte, haut mich aber aus den Socken. Vor versammelter Mannschaft vor einem Spieler zu warnen, der längst nicht mehr beim Gegner spielt – das ist peinlich, das ist amateurhaft. Das ist eine Sache, die ihn angreifbar macht, die ihm mit Sicherheit von unzufriedenen Spielern immer wieder vorgehalten werden kann. Wie jetzt mit dem SportBild-Souffleur passiert. Und dann noch das Ding mit Mickel, den er nach dem Dortmund-Spiel fragte, wie es bei den Amateuren war – bitter! Immerhin war Mickel am Tag zuvor zusammen mit Oenning und der Mannschaft in Dortmund…

Da hilft die Generaldeckung seitens des Vorstandes – so eine Art Amnestie für Oennings vorübergehende Amnesie – nur bedingt. Nein, ich bin mir sicher, dass diese Geschichten jeweils eine Erklärung haben, die wahrscheinlich sogar nachvollziehbar ist. Aber selbst die besten Erklärungen können nicht den Eindruck verwischen, dass hier ähnlich „unkonzentriert“ gearbeitet wurde, wie anschließend von der Mannschaft beim 0:5 in München. Und noch eines ist sicher: Sollte Oenning weiter Misserfolg haben, wird die Trainerdiskussion in der kommenden Woche mit Sicherheit alles andere als abebben. Dann muss sich der HSV-Trainer auf zwei sehr ungemütliche Wochen vorbereiten. Zum einen, weil der Blogvater ab Mittwoch wieder übernimmt ;-). Zum anderen aber, weil diese jüngsten Anekdoten immer wieder zitiert werden. Sie werden als Indizien für Oennings angebliche Unfähigkeit herhalten müssen. Und er hat auch noch selbst Schuld. Leider.

Umso mehr ist ihm/uns/der Mannschaft/dem Verein gegen Köln ein Sieg zu wünschen. Das würde alles ein wenig entspannen. Und anschließend hat die Mannschaft in den zwei Wochen Länderspielpause ausreichend Zeit, um sich sich intensiv auf Rudi Völler…äääh….Claudio Pizarro (nur ’n Joke, entschuldigt bitte!!) vorzubereiten.

Scholle
(19 Uhr)
P.S.: Training am Donnerstag ist um 15 Uhr an der Arena.

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