Tagesarchiv für den 23. August 2011

Startelf für Castelen und Rajkovic? Oenning hofft auf weitere Verstärkungen

23. August 2011

Sportdirektor Frank Arnesen hatte nach dem bitteren 0:5 in München wiederholt personelle Nachbesserung angekündigt: „Wir sehen auch, dass wir was tun müssen. In den nächsten zehn Tagen wird etwas passieren.“ Und er hielt Wort. Schon heute war Slobodan Rajkovic beim Medizincheck. Schon am Mittwoch soll der 22-Jährige zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren. Der Innenverteidiger, der in den nächsten Stunden einen Vertrag bis 2014 unterschreiben und weniger als zwei Millionen Euro Ablösesumme kosten soll, galt schon mit 16 Jahren als Super-Talent und soll möglichst bald zum Kader gehören. „Er ist groß. Und er ist ein Linksfuß – was mir sehr wichtig war“, freut sich HSV-Trainer Michael Oenning, der nicht ausschließen will, dass der Zugang bereits am Sonnabend gegen Köln im Kader steht. „Er ist fit. Und er hat etwas, was uns bislang fehlte: er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, lobt Oenning seinen fünften ehemaligen Chelsea-Profi im HSV-Kader.
Eine Frage, die sich uns stellte, war, ob wirklich ein Innenverteidiger Priorität hat. „Nein“, gesteht Oenning, „aber es war eine wichtige Baustelle, da wir mit drei Innenverteidigern (er meinte damit keinen Kacar sondern nur Bruma, Westermann und Mancienne, d. Red.) nicht durch die lange Saison kommen.“ Zudem scheinen die HSV-Planungen personell noch nicht beendet zu sein. „Wir wissen aber auch, dass uns ein offensiver Mittelfeldspieler sicher noch guttun würde.“ Ob der HSV-Coach noch Hoffnungen hat, dass er diesen Mr. X vom Vorstand finanziert bekommt? „Klar hoffe ich. Ich bin ja auch nicht der einzige, der erkannt hat, dass uns eine Verstärkung auf der Position sehr helfen könnte.“ Zuletzt galt der Schweizer Xherdan Shaqiri vom FC Basel als heißester Kandidat. Eine Verpflichtung des 19-Jährigen scheiterte aber schon an den mit knapp zehn Millionen Euro viel zu hohen Ablöseforderungen des Schweizer Champions-League-Teilnehmers. Zudem soll der HSV bereits (wie auch hier im Blog schon mehrfach geschrieben) bereits seit Juli an dem brasilianischen U-20-Nationalspieler Oscar dos Santos Emboaba Junior von Internacional Porto Alegre interessiert sein. Beides wird natürlich nicht bestätigt.
Ebenfalls noch unklar ist, was Oenning mit Romeo Castelen plant. Der Niederländer ist nach seiner jahrelangen Pause wieder voll dabei, spielte zuletzt überzeugend bei den Amateuren und begeisterte auch den HSV-Cheftrainer in den bisherigen Übungseinheiten. „Romeo ist wieder in der Lage, 90 Minuten zu gehen“, lobt Oenning den Rückkehrer, der schon gegen Köln als echte Alternative für die rechte Außenbahn zu betrachten ist. „Ich bin soweit, ihn in meine Überlegungen miteinzubeziehen, wenn er weiter gute Leistungen bringt.“ Dafür soll Castelen die Trainingseinheiten (Mittwoch zehn, Donnerstag 15 und Freitag 16 Uhr an der Imtech-Arena) bis zum Köln-Spiel nutzen.

Ebenso wie Paolo Guerrero, der heute schon wieder mit kurzen Sprints, längeren Läufen sowie Balltraining zu gefallen wusste. „Paolo soll nach Möglichkeit schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren“, kündigt Oenning an und stellt dem Peruaner sogar einen Platz in der Startelf in Aussicht. „Wenn er bis Samstag super trainiert und keine Probleme hat, warum nicht…?“ Klar. Welcher Trainer wehrt sich gegen solche Spieler?

Wobei auch Marcus Berg es dem Trainer nicht leicht machen will. Der fußballerisch sicher begrenzte Schwede überzeugt von Trainingseinheit zu Trainingseinheit mehr. Und das mit dem, was ihn als Stürmer auszeichnen soll: mit Toren. Die macht Berg im Training am Fließband. Per Kopf, mit links, mit rechts und sogar mit der Hacke. Berg trifft. Einfach. Aber eben immer wieder. „Er wird tatsächlich immer besser“, freut sich auch Oenning, der zuletzt intensive Einzelgespräche mit dem oft introvertiert wirkenden Schweden geführt hat. „Er sagt selbst, dass er sich langsam richtig fit fühlt. Die Hüfte behindert ihn nicht mehr. Sollte er seine Muskulatur weiter im Griff haben, steht seinem Einsatz eigentlich nichts mehr im Wege.“

Außer Petric.

Denn auch der Kroate ist nach seinem grippalen Infekt, der heute Michael Mancienne flach legte, wieder an Bord. Gestern mit den Stammspielern einen Lauf absolviert, mischte der Stürmer im Training fleißig mit und war an mindestens genauso vielen Toren beteiligt wie Berg. Zumindest dann, wenn man die Tore mitberechnet, die er dem Gegner auflegte, als er für ein paar Minuten in der Defensive mitzuwirken versuchte. Trotzdem zählt Petric unter Oenning als einer der wenigen gesetzten Spieler, sofern er gesund ist.
In der defensiven Position deutlich effektiver als Petric präsentierte sich David Jarolim. Der Tscheche, der nach seinen Nichtberücksichtigungen gegen Dortmund und Hertha BSC sichtlich angefressen war, ist bei Oenning wieder erste Wahl. Gegen Köln wird er eine der beiden Sechser-Positionen, die Oenning ankündigte, bekleiden. Und er will Verantwortung übernehmen, der zuletzt lethargisch wirkenden Mannschaft wieder Leben einhauchen. „Wir müssen jetzt ganz anderen Schwung in die Mannschaft kriegen“, warnt Jarolim, „gerade jetzt, wo der Druck sicherlich nicht kleiner wird müssen wir aufhören zu jammern und uns gegenseitig helfen. Wir müssen aggressiver spielen, wenn wir was reißen wollen. Diesmal müssen wir das Heft in die Hand nehmen. Wir müssen uns das Selbstvertrauen mit einer starken, klaren Leistung erarbeiten. Lockerheit und Selbstvertrauen bringen nur Siege. Und den müssen wir gegen Köln holen. Da müssen wir von beginn an drauf gehen und Druck machen.“

Oh ja, bitte. Nicht noch mal so ein Versteckspiel wie gegen Dortmund und Bayern vorgegeben, beziehungsweise wie gegen Hertha unfreiwillig gespielt. Wenn der HSV nicht frühzeitig ins Hintertreffen geraten will, muss gegen die Rheinländer ein Sieg her. Und angesichts der Form des FC, die Oenning als „stärker werdend“ tituliert, sollte das auch alle Mal drin sein. „Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir Fünfter, Sechster oder Siebter oder so. Und dann fahren wir mit einem ganz anderen Selbstvertrauen nach Bremen, so Jaro weiter.“

Soviel zur Theorie. Die sieht das Spiel des HSV am Sonnabend als Abstiegsduell. Immerhin trifft der 17. Auf den 18. der Tabelle. „Das ist ein zweifellos schwieriges Spiel“, weiß Jarolim, spricht damit die Psyche der jungen Mannschaft an und bekommt von Oenning gleich einen klugen Ratschlag mit auf den Weg: „Aber es ist eben auch erst der dritte Spieltag, dort das Duell 17. Gegen 18. – was wir vollkommen ausblenden müssen. Uns muss es einzig darum gehen, das Spiel zu gewinnen. Der Rest ergibt sich.“
Ebenfalls ergeben haben sich bereits etliche Trainerdiskussionen. Zum einen was Stale Solbakken beim FC Köln betrifft, zum anderen aber auch was Oenning in Hamburg betrifft. Viele ehemalige Größen haben sich schon kritisch über den HSV-Trainer geäußert, der in elf Spielen als HSV-Chef erst einen Sieg eingefahren hat. „Ich kann nur sagen, dass mein direktes Umfeld sehr ruhig ist“, sagt Oenning und spricht damit den HSV-Vorstand an, der sich zuletzt klar zu Oenning bekannt hatte. „Allerdings kann es natürlich auch sein, dass die das nur sagen, um mich zu beruhigen“, scherzt Oenning und legt nach: „Siege sind auch hierfür das beste Heilmittel.“ Das Gute daran: sein letzter Sieg war gegen den 1. FC Köln. Wenn das mal kein gutes Omen ist für Sonnabend….

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Rajkovic eine Soforthilfe für die Wackelabwehr des HSV wird. Hoffen wir, dass Oenning seinen Wunsch nach einem Offensiven Mittelfeldspieler erfüllt bekommt. Und vor allem: hoffen wir darauf, dass Köln nicht nur der letzte Sieg war, sondern auch der nächste Sieg wird…
Scholle
(19.15 Uhr)

Und zum Schluss noch etwas, was heute schon im Print-Teil zu lesen war, hier aber der Volsständigkeit halber noch mal erwähnt werden sollte:
Eigentlich sollte es der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit werden – aber es endete im Streit. Nachwuchsleiter Bastian Reinhardt, HSV-Sportchef Frank Arnesen und Paul Meier, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hatten 200 Jugendleitern Hamburger Klubs die Hand gereicht, um in Zukunft den Zufluss der größten Talente zum HSV zu optimieren. Allerdings hatte es zuvor auch die Mitteilung des HSV an den verband gegeben, dass künftig keine HSV-Talente mehr zum Verbandstraining abgestellt werden. „Eine Zusammenarbeit mit Vertrauen einzufordern, sie aber auf Hamburger Ebene unmittelbar zuvor selbst zu lösen, das kann nicht funktionieren“, so Uwe Jahn, Cheftrainer des Hamburger Fußballverbandes. Allerdings muss man dazu wissen, dass das Verhältnis zwischen dem HSV und dem HFV seit Jahren sehr angespannt ist. Beide Seiten beanspruchen für sich, die besten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Spieler zu bieten.
Angetrieben von dem neuerlichen Zerwürfnis mit dem HSV stellte Jahn auch gleich das Konzept Meiers komplett infrage: „Da werden alle didaktischen Erkenntnisse der letzten Jahre missachtet, das Konzept ist einfach falsch.“ Dennoch setzt der HSV weiter auf sein Konzept: „Wir werden unseren Weg zusammen weitergehen – mit den vereinen“, so Reinhardt, der auffällig souverän mit den Vorwürfen umging und auch auf eine Zusammenarbeit mit Jahn und dem Verband setzt: „Auch Herr Jahn ist bei der Umsetzung stets herzlich willkommen.“